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Venedig: Staatliche Semiotik

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Zitation: Thomas Krefeld (2017): Venedig: Staatliche Semiotik. Lehre in den Digital Humanities. Version 2 (15.02.2017, 13:20). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=8000&v=2.

0.1. Insignien und Rituale

Die ausgeprägte politische Identität der Serenissima Repubblica di Venezia bildet sich auch semiotisch in vielfältiger Weise ab.  Als besonders produktiv erwies sich die Überführung der Reliquie des Heiligen Markus von Alexandria nach Venedig (828/829) unter dem ersten Dogen aus der Dynastie der Partecipazio.

0.1.1. Der Markuslöwe

Damit löste der Heilige Markus den Heiligen Theodor (San Teodoro) als Schutzheiligen der Stadt ab, und der (geflügelte) Markuslöwe mit einer erhobenen Pranke auf dem Markusevangelium wird zum Hohheitszeichen des Staates. 

Während auf dem Markusplatz auch noch San Teodoro dargestellt (auf der rechten Säule) wird, hat sich später ausschließlich der Löwe den Staat, wie zum Beispiel am Eingang des zum Arsenal:

“[…] und die großen Marmorlöwen am Eingang zum Arsenal sind Trophäen, die Admiral Morosini vom Peleponnes heimgebracht hat.” (Braudel 1987, 161)

Entsprechende Statuen oder Reliefs wurden im Sinne eines controllo semiotico in allen Kolonien angebracht; stellvertretend zeigt das folgende Bild das Rathaus von Udine, das 1420 mit dem gesamten Friaul venezianisch wurde:

0.1.2. Das Amt des Kanzlers

In semiotischer Hinsicht bemerkenswert sind auch die zahlreichen Amtszeichen und Ritualisierungen; es reicht, an das Beispiel des Cancelièr grando zu erinnern. Aus dem Dizionario del dialetto veneziano von Boerio erfahren wir, dass er sproni d’oro ‚goldenen Sopren‘ sowie eine veste ducale colla stola di velluto fiorato trug. Bei öffentlichen Auftritt schritt er vor vor dem Dogen mit dem schwarzen Berett auf dem Kopf; er durft  spezielle Anredeformen erwarten (in öffentlichen Urkunden magnifico, sonst eccellenza) und sein Amtsantritt wurde mit  dreitägigen Feierlichkeiten gegangen –  vom Staatsbegräbnis ganz zu schweigen.  

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Das berühmteste Ritual der Stadt ist der so genannte sposazilio del mare, die symbolische Vermählung der Stadt mit dem Meer. Der Doge fährt an Christi Himmelfahrt (ita. ascensione, venez. senza) mit der Prachtgalere Bucintoro zur Insel San Nicolò di Lido und wirft mit den Worten

„Desponsamus te, mare. In signum veri perpetuique dominii“

‚Wir vermählen uns mit dir, Meer. Zum Zeichen wahrer und ewiger Herrschaft‘ 

einen goldenen Ring ins Meer:

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Ausfahrt des Bucintoro am Fest der Sensa, Gemälde von Francesco Guardi 

“SENSA […] Festa dell’Ascensione di Nostro Signore […] sposalizio del mare in segno di dominio: privilegio già conceduto alla Repubblica dal Pontefice Alessandro III l’anno 1176.” (Boerio 1856, 644)

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