Das Gaskognische – eine Erinnerungssprache oder ein Erinnerungsdialekt? Eine sprachbiographische Betrachtung


1. Einleitung

Si mes racines italiennes se sont développées sur la terre gasconne de l’agenais, c’est bien la belle langue occitane qui a tout de même bercée mon enfance. Et même si on ne la parlait pas chez moi, elle était partout, dans les ruelles du village, chez mes plus proches voisins, dans les fermes isolées et jusque sur la place où elle rythmait le jeu de boule. C’est sur cette terre là que j’écris mes chansons, que grandissent mes enfants, ce qui explique mon attachement à cette langue que je ne pratique pas (ou très peu), mais qui compte dans mon rapport intime à ‘ce bout de terrain qui a brûlé mon mémoire‘.“ Francis Cabrel, Künstler (vgl. o.J., 6)

Seit geraumer Zeit haben die Themen Heimat und lokale Verortung in den geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächern Konjunktur, denn die Globalisierung scheint in den postmodernen Gesellschaften eines bewirkt zu haben: Sie „hat das Bewusstsein nationaler Zugehörigkeiten geschärft, aber auch das Bewusstsein regionaler und lokaler Identität“ (vgl. Bausinger 2001, 124). Ein scheinbar übergreifendes Phänomen in den westlichen Gesellschaften scheint folglich eine Inwertsetzung des lokalen Lebensraums sowie der dazugehörigen Charakteristika zu sein. Zu letzteren können auch die am Ort gesprochenen Sprachen und Dialekte gezählt werden (vgl. Stellino 2010, 192-196).

Doch wie gestaltet sich dieses Phänomen in einem Land wie Frankreich, das von seiner nationalen Identität, die stark mit der offiziellen Landessprache verknüpft ist, derart geprägt ist, dass es, bereits das gesamte 20. Jahrhundert über, um das Fortbestehen der französischen Sprache gemäß des „bon usage“ besorgt war und für seinen Kampf gegen interne und externe Sprachminderheiten bekannt ist (vgl. Gadet 2006, 1787f.)?1So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9. Auf sprachpolitischer Ebene scheint sich – vor dem Hintergrund einer erneuten Ablehnung der Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen – ein Sträuben gegen das offene Ausleben regionaler Partikularismen zu halten. Dennoch erheben sich immer wieder Stimmen von Befürwortern des Schutzes der regionalen Identität und der dazugehörigen Sprachen und Kulturen (vgl. Gadet 2006, 1788).

In der vorliegenden Arbeit wurde das Augenmerk exemplarisch auf eine galloromanischen Varietät im Südwesten Frankreichs, das Gaskognische, gerichtet. Viele der auf diesem Gebiet lebenden Menschen tragen neben ihrer nationalfranzösischen Identität2Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel. auch eine Verbundenheit zu ihrer geographischen Heimat, „plus précisément au Sud-Ouest“, nach außen. Doch wie verhält es sich mit dem Idiom, das noch vor dem Französischen auf diesem Gebiet gesprochen wurde? Spielt es nach wie vor eine Rolle für die Identität seiner Sprecher und kann gegebenenfalls als räumlicher Identitätsmarker gebraucht werden? Kann man noch davon sprechen, dass das Gaskognische – trotz seiner Situation als Minderheitenidiom – vital ist oder bekommt es neue Funktionen, wie dies beispielsweise bei manchen Dialekten in Italien der Fall ist und die in der Forschung, wegen ihrer diaphasischen Markierung, als „Erinnerungsdialekt“ bezeichnet werden?3Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f. Mittels einer sprachbiographischen Betrachtung sollte folgender Fragestellung nachgegangen werden: Handelt es sich beim Gaskognischen um einen Erinnerungsdialekt beziehungsweise um eine Erinnerungssprache oder ist eine Entwicklung in diese Richtung feststellbar?4In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.

Der erste Teil der Arbeit widmet sich den theoretischen Grundlagen der drei namensgebenden Konzepte: dem gaskognischen Idiom, dem Erinnerungsdialekt und der Sprachbiographie. Des Weiteren liefert dieser Einführungsteil einen Überblick zum Forschungsstand zu diesen Konzepten. Das Kapitel, das sich mit dem Gaskognischen an sich auseinandersetzt, ist detaillierter als die Passagen zum Erinnerungsdialekt und zur Sprachbiographie angelegt, da es zum einen eine erläuterungswerte Forschungskontroverse zu seiner Natur als eigene Sprache oder als Dialekt des Okzitanischen gibt und sich zudem im Laufe der Untersuchung die Notwendigkeit ergeben hat, auf Phänomene wie die Okzitanismusbewegung einzugehen. Letzteres ist mit einer erstaunlich großen Präsenz von Okzitanisten im sample der Untersuchung zu begründen.

In einem zweiten Teil wird dann auf die bei der Untersuchung angewandte Methode eingegangen, weil Sprachbiographien auf verschiedene Art und Weise erhoben und ausgewertet werden können. Da das Verfahren an den Untersuchungsgegenstand angepasst werden musste, soll dieses, auf möglichst transparente Art und Weise, von den methodischen Vorüberlegungen, über die Auswahl von Orten, Befragten und Fragen, bis hin zu den Transkriptionsprinzipien erläutert werden.

Zum Schluss soll auf die konkreten Untersuchungsergebnisse eingegangen werden, die dann in einem abschließenden Fazit eine Beantwortung der Forschungsfrage ermöglichen, beziehungsweise eine Interpretationshilfe für eine weitere Entwicklung der Situation des Gaskognischen bereitstellen.

Die Arbeit konzentriert sich weitestgehend auf synchrone Aspekte.5Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung. Da die Untersuchung ihren Fokus auf die Analyse von individuellen Sprecherbiographien richtet, wird allerdings auch auf vergangene Erwerbsprozesse und Lebensabschnitte der Sprecher eingegangen. Zudem wird an entsprechender Stelle – wenn auch weniger detailreich – ebenso auf sprachhistorische Informationen zurückgegriffen, wenn eine Kohärenz der Darstellung dies erfordert und die Auswertung der Untersuchungsergebnisse erleichtert.

Da es sich um eine soziolinguistische Arbeit handelt, konzentriert sich die Fragestellung auf den Gebrauch, den Nutzen sowie die Einstellung der Sprecher zu ihrem Idiom. Sprachliche Merkmale, wie etwa ein bestimmter accent der Sprecher im Französischen und der Gebrauch von regionalen Ausdrücken oder syntaktischen Strukturen werden nicht behandelt.

2. Theorie

2.1. Gaskognisch?

Wer sich mit den Idiomen im Süden Frankreichs beschäftigt, wird schnell auf das Konzept von einem großen Sprachraum stoßen, der sich über das südliche Drittel Frankreichs erstreckt (vgl. Cichon 2002, 16). Auf diesem Gebiet soll die okzitanische Sprache gesprochen werden, welche im Mittelalter das Kommunikationsmedium der südfranzösischen Troubadoure war und in Form einer gemeinsamen koinè ihre kulturelle Blüte erlebte (vgl. Cichon 2002, 10f., Pusch 2001). Innerhalb dieses Kulturraums werden sechs verschiedene Dialekte des Okzitanischen unterschieden, die sich in zwei Hauptgruppen einteilen lassen: occitan septentrional (Limousinisch, Auvergnatisch und Vivaro-alpinisch) und occitan méridional. Zu Letzterer gehört neben dem Languedokischen und Provenzalischen auch das Gaskognische, um das es in dieser Arbeit schwerpunktmäßig gehen soll (vgl. Massoure 2005, 344).6Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25. 

Abbildung 1: Die verschiedenen Dialekte des Okzitanischen (Quelle: http://occitanet.free.fr/imatges/mapoc.gif)

Diese Vorstellung von einer großen okzitanischen Sprache ist weit verbreitet und international anerkannt, allerdings nehmen die eigentlichen Muttersprachler des Okzitanischen diese Zuordnung als ihnen fremd wahr und scheinen mit dieser Begrifflichkeit nur sehr wenig anfangen zu können (vgl. 2009, 11).

Da diese Unsicherheit bzw. Ablehnung in der durchgeführten Umfrage omnipräsent war, sollen nun die Gründe für sie dargestellt werden. Eine korrekte Interpretation der Daten wäre ansonsten nicht möglich gewesen.

2.1.1. Sprachgebiet und Klassifizierung

Als Gaskognisch wird jenes Idiom bezeichnet, das im Südwesten Frankreichs im historischen Gebiet der Gascogne gesprochen wird. Dieses Gebiet erstreckt sich „dans le triangle qui s’étend entre l’océan Atlantique, la Garonne et les Pyrénées“ (vgl. Lartigue 2010, 86). Außerdem kommen noch vereinzelte gaskonischsprachige Gebiete rechts der Garonne und das Val d’Aran in Spanien hinzu, wo es unter der Bezeichnung Aranesisch den Status einer offiziellen Sprache besitzt (vgl. Pusch 2001, 7, Lartigue 2010, 136). Der baskischsprachige Südwesten ist dem gaskonophonen Kulturraum abzuziehen (vgl. Pusch 2001, 7), sodass sich folgendes Gesamtbild ergibt:

Abbildung 2: Karte der Gascogne (Quelle: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~dc4/neu/CarteGascogne.jpg)

Das Sprachgebiet innerhalb Frankreichs ist heute in über neun Departements, beziehungsweise zwei französische Regionen, darunter auch die in dieser Arbeit in den Fokus genommene Aquitaine sowie die Region Midi-Pyrénées aufgeteilt (vgl. Lartigue 2010, 112).7Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.

Der Name Gaskognisch, der heute hauptsächlich von Sprachwissenschaftlern verwendet wird, basiert auf einem linguistischen Vergleich des Idioms mit den umliegenden romanischen Varietäten8Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten. und beruft sich hauptsächlich auf die Hervorhebung von bestimmten sprachlichen Merkmalen, die das Gaskognische diesen gegenüber auszeichnen (vgl. Moreux 2004, 28). Der Name wurde im Mittelalter von den Gaskogniern selbst und von außen als Bezeichnung genutzt, um es von der langue d’oc zu unterscheiden. Verantwortlich hierfür sind formale Unterschiede, die das Gaskognische seit jeher von den anderen Varietäten des Okzitanischen unterscheiden und es aus Außenperspektive als eine eigene „lengatge estranh“ erschreinen haben lassen (vgl. Lafitte & Pépin 2009, 48, 84f.).9Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik “Leys d’Amors“ in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff “lengatge estranh“: Field 2009: 749.  Charakteristische Züge bestehen im Bereich der Phonetik, Morphologie und Syntax.10Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link. Daher kommt auch die Ansicht von Kritikern des Okzitanismuskonzepts, dass das Gaskognische eine „langue à part entière“ wäre und somit nicht als Dialekt des Okzitanischen zu werten ist (vgl. Massoure 2012, 27). Das Gaskognische wäre, gleichberechtigt mit dem Okzitanischen und Katalanischen, „une des trois langues du groupe linguistique occitano-roman“ (vgl. Lartigue 2010, 122) und somit nicht dem Okzitanischen untergeordnet (vgl. Massoure 2012, 31)

Allgemein ist die Benennung des Idioms als „Gaskognisch“ gerade bei seinen eigentlichen Sprechern umstritten, da sich diese mit dem wissenschaftlichen Begriff nur wenig identifizieren können. In der Umfrage der Region Aquitaine von 2008, kam diese Bezeichnung bei den Sprechern lediglich auf 6%. Konkurrierende Bezeichnungen sind und waren patois (53%), Okzitanisch (20%), béarnais (11%) oder Namen lokaler Varietäten des Gaskognischen wie médocain oder landais (vgl. 2009, 11).11Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12. Diese identitären Zuordnungen sind insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache nicht überraschend, als sich sowohl hinter der Bezeichnung Gaskognisch, als auch hinter der Bezeichnung Okzitanisch ideologische Konzepte verbergen, mit denen der gemeine Sprecher nur wenig verbindet (vgl. Moreux 2004, 28).

Innerhalb des gaskognischen Sprachgebietes gibt es weitere sprachliche Besonderheiten, die an Isoglossen charakteristischer Merkmale festgemacht werden. Anhand dieser Isoglossen wurde eine Unterteilung des Sprachgebietes vorgenommen, die sich an einem sogenannten degré de gasconnité orientiert.12Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32. In der Regel ist dieser degré desto niedriger, je näher man sich an den Fluss Garonne und damit dem Sprachgebiet anderer romanischer Varietäten annähert, sodass entlang dieses Gradients drei verschiedene Abstufungen – vom niedrigsten zum höchsten Grad – der Gaskognizität vorgenommen werden können: das gascon garonnais, gascon intermédiare oder gascon central (vgl. Lartigue 2010, 96). Dies kann dadurch begründet werden, dass das Gaskognische im Bereich des Flusses früher mit dem Französischen in Kontakt getreten war und im Gebiet der Pyrenäen am spätesten (vgl. Pusch 2001, 7f.)

Abbildung 3: Übersicht über die degrés de gasconnité (vgl. Lartigue 2010: 66)

Abgesehen davon ist eine Aufteilung des Gaskognischen in verschiedene Unterdialekte möglich. Dazu zählen: médoquin, bordelais, du Buch, bazadais, néracais, landais,13Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10. armagnacais, lomagnol, chalossais, béarnais, bigourdan, comingeois und couserans. Über die gesamte Zeit des Bestehens der langue régionale hat sich nie einer dieser Dialekte als dominierende Varietät behauptet, was der Tatsache geschuldet ist, dass sich innerhalb der Gascogne nie ein Zentrum herausbilden konnte (vgl. 1.1.2). Dementsprechend existierte auch nie eine verbindliche Kodifikation (vgl. Lartigue 2010, 122-124).14Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.

2.1.2. Sprachgeschichte

Da in der Forschung umstritten ist, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigenständige Sprache oder um einen Dialekt des Okzitanischen handelt (vgl. Field 2009, 758-762), ist es unabdingbar einen knappen Überblick über die Sprachgeschichte des Gaskognischen zu geben:

Das dem Galloromanischen zuzuordnende Idiom entstand auf der Grundlage eines aquitanischen Substrats in der Begegnung mit dem – von den Römern gesprochenen – Lateinischen, als diese die römische Provinz Aquitania Novempopulana einrichteten.15Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86. Die Aquitanier waren ein großer nicht-keltischer Volksstamm, der sich aus verschiedenen Stämmen zusammensetzte und dessen Herkunft umstritten ist. Als überlebender aquitanischer Dialekt gilt allgemein l‘euskara, das Baskische (vgl. Lartigue 2010, 86, 104-106, 108), was die Erklärung für strukturelle Gemeinsamkeiten des Gaskognischen und des Baskischen liefert (vgl. Massoure 2012, 27f.). Diese strukturellen Besonderheiten sind unumstritten in der Forschung, jedoch wird ihre Bedeutung für eine etwaige Zuordnung des Gaskognischen zum Okzitanischen unterschiedlich hoch eingeschätzt. Diese Besonderheit ist als eines der Hauptargumente der gaskognistischen Forschungsrichtung zu betrachten, die das Gaskognische als eigene Sprache und nicht als Dialekt des Okzitanischen betrachtet (vgl. Field 2009, 746, Massoure 2012, 27f.). Darüber hinaus bleibt für  die Romanisierung der Gascogne festzuhalten, dass diese extrem langsam vonstatten ging und gerade in der Region um die Pyrenäen recht unvollständig blieb (vgl. Pusch 2001, 8),16Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1. was ebenfalls ein Grund für die besondere Entwicklung des Gaskognischen sein könnte.

Nach der römischen Herrschaft durchquerten mehrere Völker das Gebiet und machten zum Teil Besitzansprüche geltend,17Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108. jedoch hinterließen diese Episoden der Geschichte kaum linguistische Spuren im Gaskognischen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die Gascogne trotz allem viel Autonomie besessen hatte (vgl. Lartigue 2010, 108-110).  Inzwischen ist erwiesen, dass sich die Merkmale des proto-gascon, des Vorgängers des Gaskognischen, daher bereits um 600 ausgeprägt hatten, zu einem Zeitpunkt als die umliegenden okzitanischen Varietäten, wie das Languedokische, noch keine definitorischen Züge entwickelt hatten.18Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.Das würde für eine Deklaration des Gaskognischen als eigene Sprache sprechen (vgl. Massoure 2012, 31). Außerdem hatte die Gascogne relativ viel Kontakt zur Iberoromania.19Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra. Aus diesem ergaben sich weitere Entlehnungen, die das Gaskognische in eine Sonderstellung  brachten.(vgl. Field 2009, 748f., vgl. auch: Cichon 2002, 9)

Während der Herrschaft der Engländer in der Gascogne, die über drei Jahrhunderten dauerte,20Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet. war das Gaskognische dann „langue officielle et administrative à Bayonne, Dax, Bordeaux ainsi qu’à Londres“ (vgl. Lartigue 2010, 110-112). Insbesondere im Kontext der Albigenserkriege, die das Gewicht der okzitanischen Schriftlichkeit in den anderen südfranzösischen Gebieten drückte, konnte sich eine explizit gaskognische Schriftlichkeit entwickeln. Die Zentren waren dabei der Béarn, im Bereich der Administration und Literatur, und das gaskonischsprachige Gebiet zwischen Bordeaux und Toulouse, hauptsächlich im Bereich der Literatur (vgl. Pusch 2001, 8f.). Mit dem Edikt de Villers-Cottêrets von 1539 wurde dann die Verwendung der Regionalsprachen in den offiziellen Dokumenten verboten (vgl. Lusignan 2012, 83f.).

1607 bzw. 1620 fiel mit dem Béarn dann das letzte unabhängige Gebiet der Gascogne in französische Hände (vgl. Lartigue 2010, 112). Das Gaskognische wurde dort, aufgrund besonderer historischer Umstände, in den offiziellen Dokumenten beibehalten. Durch dieses und weitere Privilegien (vgl. Massoure 2012, 52f.), konnte sich bis heute ein besonderes bearnaisisches Zugehörigkeitsgefühl halten, dass so weit geht, dass von einigen Béarnais die eigene gaskognische Varietät, le béarnais, als eigene Sprache betrachtet wird, die man vom Gaskognischen unterscheiden müsse. Linguistisch betrachtet gilt eine solche Zuordnung allerdings als nicht haltbar (vgl. Lartigue 2010, 126).

Der vermeintliche „frère ou [le] cousin germain romanisé du basque“ trotzte dann – außerhalb des offiziellen Schriftgebrauchs und im Béarn – der Durchsetzung des Französischen, die sich ab dem 16. Jahrhundert abzeichnete, sodass es, über die Französische Revolution hinaus, die Sprache des einfachen Volkes blieb (vgl. Lartigue 2010, 86-88). Mit der Revolution verschwand es allerdings überall aus dem schriftsprachlichen Gebrauch (vgl. Pusch 2001, 9).

Zur Folge hatte das Bestehen unterschiedlicher Zentren im Laufe der Geschichte der historischen Region, dass das Gaskognische keine Standardisierung oder Normierung erfahren hatte, sodass man laut Lartigue vielmehr nur von einem „domaine gascon“, der sich durch eine Vielfalt an verschiedenen Dialekten auszeichnet, sprechen könne. Den Begriff Sprache sollte man daher laut Letzterem vermeiden (vgl. Lartigue 2010, 122-124). Auch hinsichtlich der Positionierung zum Okzitanischen lässt die Sprachgeschichte erhebliche Zweifel offen, sodass eine definitive Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten nicht möglich ist  (vgl. Field 2009, 749).

Im Zuge der Revolution kam es dann zur vehementen Bekämpfung sämtlicher französischer Regionalidiome. Es kam beispielweise zur administrativen Aufteilung des Sprachgebietes und zu seiner Aufsplitterung in kleinere territoriale Einheiten – die heutigen départements – um die auf historischer Kontinuität basierenden, lokalen Zugehörigkeitsgefühle und Identitäten zu zerschlagen (vgl. Ammon 1994, 113-115). So sollte eine – auf dem Grundprinzip der Gleichheit fundierte – Einheit entstehen: der französische État-Nation, welcher lange und mit Nachdruck gegen das Fortbestehen der langues régionales ankämpfte, da er sie als Gefahr der neuen gesamtfranzösischen Identität betrachtete (vgl. Erfurt 2005, 87). Diese Politik führte dazu, dass viele der damals gesprochenen lokalen Idiome zu, vom Aussterbenden bedrohten, Minderheiten wurden, die sich nunmehr in einer prekären, vom Aussterben bedrohten soziolinguistischen Lage befinden (vgl. Geckeler & Dietrich 2012, 249). Dennoch blieb das Gaskognische noch länger „la langue du peuple“ (vgl. Lartigue 2010, 88), wurde dann aber immer mehr zurückgedrängt, was sowohl auf sprachpolitische Maßnahmen, aber auch auf die Angst der Sprecher, diskriminiert und wirtschaftlich marginalisiert zu werden, zurückführen ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.), wie dies für Sprecher nicht-dominanter Sprachen häufig typisch ist (vgl. 2003, 2).

Man geht allerdings davon aus, dass noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Eltern mit ihren Kindern Gaskognisch gesprochen hatten. Zwischen den beiden Weltkriegen riss dann, laut Massoure, die Transmission der Sprache weitestgehend ab, sodass sich die Sprecherzahl, jener, die das galloromanische Idiom sprachen, um 60% bis 1945 verringerte (vgl. Massoure 2012, 335). Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sich die in der französischen Armee dienenden Männer gezwungen sahen, auf das Französische zurückzugreifen, um sich dort verständigen zu können. Des Weiteren spielte ebenfalls die zunehmende Industrialisierung der Region, die eine Abwanderung eines großen Bevölkerungsteils in die Städte auslöste, eine Rolle (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f.). Diese Bevölkerungsbewegungen hatten einen dramatischen Rückgang der „société pastorale“ auf dem Land zur Folge, welche nach wie vor den Großteil der Sprecher umfasst (vgl. Massoure 2012, 335).21Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine. Mit ihr kam es zu einer „dislocation sociale“, sodass in weiten Teilen der Bevölkerung der „mode de vie traditionnel, rural et essentiellement agricole“ verschwand, der das Praktizieren der typischen Sprache und Kultur beinhaltete. Der Gebrauch des Idioms beschränkte sich fortan auf rurale Gegenden und die dort lebende Schichten. In den Städten war der Anreiz des lokale Idiom zu sprechen, durch Kontakte zu Menschen aus anderen Regionen und aufgrund der Tatsache, dass das Gaskognische für die berufliche Zukunft und das korrekte Erlernen der französischen Hochsprache als hinderlich empfunden wurde, immer geringer geworden. Bereits in den 1930er Jahren wurde es dort kaum noch verwendet (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982-985). Außerdem gestaltete sich ein Weitergeben des Idioms als sehr schwierig, sofern nicht beide Elternteile Muttersprachler waren (vgl. Massoure 2005, 218).

Nichtsdestoweniger kam es, im Rahmen der Dezentralisierungsbestrebungen des französischen Staates, nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere in den 1980er Jahren, zu Maßnahmen, die auf eine Wiederaufwertung der zurückgedrängten Minderheitensprachen und -kulturen ausgerichtet waren (vgl. Erfurt 2005, 88).

2.1.3. Okzitanismus und Gaskognismus

Bereits seit dem 19. Jahrhundert, gab es Bestrebungen die, im Süden Frankreichs gesprochenen, Varietäten der langue d‘oc zu schützen. Die Provence bildete sich geographisch gesehen als erstes Zentrum heraus. Dort entstand die Félibrige-Bewegung, die 1854 von sieben Dichtern, darunter Frédéric Mistral, gegründet wurde. Diese Bewegung hatte eine konservativ-nostalgische Sicht auf das Provenzalische und wollte es durch eine „nouvelle littérature d’Oc“ aufwerten (vgl. Milhé 2007, 95). Um dieser Literatur ein schriftliches Medium zu geben, legte Louis Alibert (1884-1959) eine Orthographienorm fest, die sich an der mittelalterlichen Troubardourlyrik, dem Lateinischen und dem languedocien als Standard orientierte (vgl. Massoure 2005, 345). Mit der Inwertsetzung der provenzalischen Sprache und Kultur, die nicht mehr mit den „parlers populaires“ in Verbindung gebracht werden sollte, versuchte man der Diskreditierung der Provence und später Gesamtsüdfrankreichs, gegenüber den langue d’oïl-Gebieten, entgegenzuwirken (vgl. Milhé 2007, 95).

Dies versuchte man durch die „glorification des ‚petites patries‘ (les anciennes provinces), d’une société rurale immobile et folklorisée, mythique, garante de valeurs vraies“ zu erreichen, sodass sich die südfranzösische Bevölkerung nicht länger minderwertig fühlen sollte. Die Félibres versprachen sich also „[de] relever, raviver en Provence le sentiment de la race, restaurer la langue naturelle et historique du pays“. Diese glorification stand ganz im Zeichen einer Verherrlichung der Vergangenheit und der Tradition, mit der Folklore als Ausdrucksform. Die Überzeugungen der Félibres waren stark vom Konservatismus geprägt. Durch ihre Ausrichtung auf eine Hinwendung zur Vergangenheit, die sich insbesondere auf die nostalgische Erinnerung konzentrierte, war die Bewegung dennoch nicht gegenläufig zum französischen État-Nation (vgl. Milhé 2007, 96).

Ende des 19. Jahrhunderts schwappte die Félibrige-Bewegung auch in die Gascogne, wo anlässlich dessen die Escole Gastoû Febus im Béarn gegründet wurde. Schon damals gab es die Bestrebung das Gaskognische bzw. le béarnais besonders zu schützen, mit dem Ziel sich gegen den „impérialisme provençal“ aufzulehnen. Hier wurde nun das béarnais als Standard festgelegt und eine eigene Grammatik sowie ein Wörterbuch verwirklicht. Außerdem wurden ebenfalls Literatur und Theater gefördert. Im Vergleich zur Félibrigebewegung in der Provence, die sich mit dem gemeinen Volk nur wenig abgab, stützte sich die Escole Gastoû Febus mehr auf die ländlich-ruralen Ideale, ähnelt dem Félibrige aber dennoch, in Bezug auf seine konservativen, nationalen Einstellungen (vgl. Moreux 2004, 39f.). Die Escole Gastoû Febus war bis in die 1980er Jahre aktiv, bekam aber etwa seit dem 2. Weltkrieg Konkurrenz von der Okzitanismusbewegung (vgl. Moreux 2004, 40), die sich dezidiert in die Tradition der Résistance stellt, wohingegen das Félibrige im Zweiten Weltkrieg mit dem, mit den Deutschen kollaborierenden, Vichy-Regime zusammengearbeitet haben soll (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 11).

Schon sehr bald zeigten die Okzitanisten,22Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162. in Form der IEOs (Instituts d’Études Occitanes), Präsenz in ganz Südfrankreich. In der Gascogne geschieht dies in Bayonne, im département Gironde, im Bigorre und im Béarn, wo der Verein Per Noste gegründet wurde. Die Okzitanismusbewegung zeichnet sich im Vergleich zu den anderen Bewegungen durch stärkere regionalistische Tendenzen aus und ist hinsichtlich der politischen Gesinnung seiner Anhänger eher links einzuordnen (vgl. Moreux 2004, 40). Sie betrachten „various autochthonous regional and local languages and dialects of Southern Gallo-Romance as a single language known as Occitan“ (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 1). Hinter dem letzten Argumentationsstrang steckt zum Teil auch eine Art Ideologie, von der sich versprochen wird, dass das Aussterben der langues régionales – in diesem Fall der okzitanischen Varietäten – am besten verhindert werden kann, wenn diesen ein möglichst hohes Gewicht, hinsichtlich Größe und Einheit seiner Sprechergemeinschaft und seines Sprachgebietes, beigemessen wird (vgl Moreux 2004, 25). Das Tragen von partikularistischen Tendenzen nach außen – in Form einer dezidierten Aufteilung in kleinere Untereinheiten, der innerhalb dieses Gefüges vorhandenen Kulturen, Sprachen oder Dialekte – soll daher verhindert werden, damit die Politik von der Bedeutung der langues régionales Kenntnis nimmt und diesen Minderheitensprachen und –kulturen Anerkennung zu Teil werden lässt (vgl. Field 2009, 756-757, 770-771). Die Bewegung versteht sich daher als dezidiert auf die Anforderungen der Moderne ausgerichtete Strömung. Sie lehnt nostalgische Folklore weitestgehend ab (vgl. Milhé 2007, 99).

Da sie den französischen Zentralismus und das radikale Durchsetzen des Französischen, mit dem Hauptakteur der französischen Schulen, für das Verschwinden des Okzitanischen verantwortlich machen, versuchten sie einen Standard für alle langue d’oc-Varietäten zu schaffen, der dem Französischen ebenbürtig sein sollte. Diese neue Inwertsetzung setzte sowohl einen neuen Standard für alle „oc-varieties“, als auch eine Orthographienorm, die sich nicht am Französischen orientieren sollte, voraus. Man verwendete hierbei die von Félibre Alibert entwickelte, etymologisch orientierte Graphie23Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42 als Richtlinie24Vgl. dazu: Milhé 2011: 19. und ließ sich zudem vom Katalanischen inspirieren. Als Standard wurde wie bei Alibert das „Central Languedocien“ ausgewählt.(vgl. Moreux 2004, 40, 42) Diese Maßnahmen hatten bereits Auswirkungen auf das Gaskognische, da es zu einer Art Okzitanisierung des Idioms kam. Gaskognische Besonderheiten wurden an den languedokischen Standard angeglichen und Gallizismen, die sich durch den Kontakt mit dem Französischen ergeben hatten, durch Entlehnungen aus dem Languedokischen, Katalanischen oder Lateinischen ersetzt (vgl. Moreux 2004, 40, 42). Bei den Muttersprachlern stieß diese Entwicklung nicht immer auf Verständnis, da diese so den Eindruck erlangten, dass es sich beim Okzitanischen um eine andere Sprache handelte, die nur sehr wenig mit dem von ihnen gesprochenen Idiom gemeinsam hat (vgl. Moreux 2004, 43).

Die, hauptsächlich von Akademikern getragene Bewegung stößt daher mit L1-Sprechern auf Konflikte. Gerade Muttersprachler aus dem Béarn meldeten und melden sich sehr kritisch zu Wort. Da sich Anhänger der Okzitanismusbewegung das Okzitanische meist nachträglich angeeignet haben, beherrschen sie das Gaskognische meist schlechter als jene Sprecher, die es auf dem Land – wenn auch nur im mündlichen Gebrauch – tagtäglich praktizieren. Die locuteurs naturels nehmen deshalb auch die Umbenennung ihres Idioms in Okzitanisch nicht immer wohlwollend auf, denn für sie sei es eine Sprache, die nicht mit ihrem patois übereinstimme (vgl. Moreux 2004, 43-45). Von den Okzitanisten wird diese Ablehnung häufig mit dem Phänomen la vergonha,25Bedeutet “die Scham“ und im konkreten Fall “die Scham patois zu sprechen“ auf Okzitanisch. das dem Diglossiekonzept in Katalonien entlehnt ist, in Verbindung gebracht. Demnach würden sich die Muttersprachler, aufgrund der sozialen Diskriminierung, die sie aufgrund des Sprechens des wenig prestigereichen Idioms ertragen mussten, schämen. Sie könnten eine Aufwertung des Gaskognischen deshalb nicht positiv aufnehmen (vgl. Milhé 2010, 4, Roux-Châteaureynaud 2009, 985).

In den Augen der Muttersprachler handelt es sich dagegen um eine „langue de l’intime“, deren Gebrauch im Privaten nichts mit Scham zu tun hat (vgl. Milhé 2011, 23f.). Sie kommunizieren mit „people who ‚belong‘“ auf Gaskognisch. Daher befürchten manche, der häufig älteren und traditionell eher konservativen, Sprecher, dass ihre eigene Gruppenidentität von den Okzitanisten infrage gestellt werden könnte. Sie können eine Missionierung von fremden Personen, die nicht von Geburt an Teil ihrer lokalen Kultur sind, nur schwer nachvollziehen (vgl. Moreux 2004, 43f.).

Die Okzitanismusbewegung scheint wegen dieser Hindernisse Schwierigkeiten zu haben, einfache konservative Leute vom Land und Intellektuelle zu vereinen. Die okzitanistische Gemeinschaft findet insbesondere bei jungen Menschen und Intellektuellen, die sich mit deren fortschrittlich-linken Vorstellungen identifizieren können, Anhänger (vgl. Moreux 2004, 43f.). Des Weiteren ist der Okzitanismus besonders für Stadtbewohner, „néo-ruraux“ oder „néo-arrivants dans une région“ ansprechend, da die Befürworter der Bewegung integrierend auf postmoderne Erscheinungen, wie die Mobilität von Menschen, reagieren und letzteren mit ihrer Ideologie die Möglichkeit einer Integration in eine neue Heimat, beziehungsweise einer neuen lokalen Verwurzelung, geben wollen (vgl. Milhé 2007, 94f.). Der Okzitanismus betrachtet sich außerdem als „mouvement qui se veut inscrit dans la modernité, le présent, l’avenir“ (vgl. Milhé 2007, 97).

Um die Diglossiesituation in Südfrankreich zu überwinden, setzten und setzen die Okzitanisten auf politische Maßnahmen. Sie legen dabei einen Schwerpunkt auf die Präsenz des Okzitanischen in den öffentlichen Medien und auf die Bildungspolitik: Maßnahmen sind etwa die Einführung von Okzitanischunterricht an den öffentlichen Schulen sowie die Gründung bilingualer Schulen, die sogenannten Calandretas. Letztere orientieren sich, den progressiven Idealen der Bewegung entsprechend, an alternativen Lehrmethoden, wie der Reformpädagogik, und zielen darauf ab, alle in der Region lebenden Kinder, auch Kinder mit Migrationshintergrund, zu integrieren (vgl. Milhé 2007, 99f.). Man habe ein droit du sol und somit das Recht auf die Aneignung und das Sprechen der okzitanischen Sprache. Auf sprachlichem Niveau wird an den Schulen die graphie classique unterrichtet,26Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie. aber auch viel Wert auf interdialektales Verständnis gelegt.(vgl. Moreux 2004, 42) Im Unterricht wird den Schülern allerdings klargemacht, dass sich die Verwendung der regionalen Normen ausschließlich auf die Nähesprache beschränken soll (vgl. Massoure 2012, 430f., Field 2009, 770f.).

Folglich haben sich die Okzitanisten erfolgreich auf institutionellem Niveau durchgesetzt und so politisches Gewicht erlangt. Vor 1981 gehörte zu ihren Forderungen des Weiteren, dass eine eigene politische Einheit mit dem Namen Occitania entstehen solle (vgl. Moreux 2004, 40, Blanchet & Schiffman 2004, 1).27Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88. Seither sind die politischen Bestrebungen im Wesentlichen abgeebbt, sodass nun besonders die kulturelle Dimension ihres Werkes von den Aktivisten betont wird. Laut der Anthropologin Colette Milhé, versteckt sich hinter dieser Überbetonung des kulturellen Wertes aber vielmehr ein strategisches Unterfangen, das darauf abzielt, sich erst dann wieder auf politische Ziele zu konzentrieren, wenn die Abneigung der nicht okzitanischsprachigen Bevölkerung gegenüber den okzitanistischen Bestrebungen gesunken ist (vgl. Milhé 2010, 7f., Moreux 2004, 40).

Dieser Diskurs hat sich als derart erfolgreich erwiesen, dass die Okzitanismusbewegung „succeeded in occupying all of the institutional, associative and media space that the French central government and the various regional governments had granted to militant linguistic movements in Gascony”. Dies führte sogar dazu, dass in den beiden betroffenen Regionen okzitanistische attachés für regionale Minderheitensprachen und –kulturen angestellt wurden und sich auch Politiker, wie der im Béarn geborene François Bayrou, für die Okzitanismusbewegung gewinnen ließen. 1984 schloss sich schließlich auch die Escole Gastoû Febus der Bewegung an, sodass 1996 das Institut Occitan in Pau gegründet wurde (vgl. Moreux 2004, 41). Wie mächtig die Okzitanismusbewegung geworden ist, zeigt sich auch daran, dass der Eintrag für die gaskognische Sprache in der Online-Datenbank Ethnologue gelöscht wurde, wo das Gaskognische nun endgültig als Dialekt des Okzitanischen deklariert wird (vgl. Ethnologue 2016: Occitan).28Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.

1993 meldete sich schließlich der Linguist J. Lafitte, der ebenfalls Mitglied des IEO war, zu Wort und sprach mit der Deklaration des Gaskognischen als „langue à part entière“, die kein Dialekt des Okzitanischen sei, vielen enttäuschten Gaskognischmuttersprachlern aus der Seele. Diese empfanden den neuauferlegten Standard sowie die Unterordnung ihres parler unter diesen, als Sieg eines neuen Zentralismus, der dem französischen Zentralismus sehr ähneln würde.29Moreux greift etwa die Bezeichnung “Languedocian imperialism“ auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46. Lafitte machte sich daher an die Arbeit an einem gaskognischen Wörterbuch und orientierte sich am okzitanischen Prinzip der Inwertsetzung – jedoch in diesem Fall der Inwertsetzung des Gaskognischen.30Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als “âme du gascon“ bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46. Er richtete sich bei der Festlegung einer gaskognischen Standardorthographie nach den mittelalterlichen, gaskognischen Texten und versuchte ebenfalls Entlehnungen aus dem Französischen zu tilgen. Alternativ wird in der Bewegung aber auch auf die, an der französischen Ortographie orientierte, Schreibung der Escole Gastoû Febus zurückgegriffen, um Muttersprachler, die das Idiom nur mündlich erworben hatten, nicht vor den Kopf zu stoßen.(vgl. Moreux 2004, 43f., 46) Er bezeichnet seine Graphie in Abgrenzung zur graphie classique der Okzitanisten als graphie moderne (vgl. Massoure 2012, 436). Die Gaskognismusbewegung findet, aufgrund ihrer rigideren Vorstellungen, weniger Anhänger: Unterstützer der Bewegung sind wenige Wissenschaftler und Personen, die aufgrund ihres familiären Hintergrundes einen Bezug zum Gaskognischen besitzen. Außerdem sind seine Anhänger traditionell aus dem ländlichen Lebensraum, insbesondere aus dem Béarn31Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126. und eher konservativ und politisch-rechts einzuordnen, wodurch sich die restriktive Haltung gegenüber Personen erklärt, die nicht ein Teil der lokal definierten „sociocultural in-group“ sind (vgl. Moreux 2004, 43f., 46).

Die Gaskognisten versuchen so einen Gegenpol zur Okzitanismusbewegung herzustellen und haben anlässlich dessen 1995 das IBG (Institut Béarnais et Gascon) in Pau im Béarn gegründet. Dort befindet sich auch das Zentrum der Bewegung. Politisch ist auch diese Bewegung eher zurückhaltend, allerdings befürworten die Gaskognisten in deutlich stärkerer Form eine Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen (vgl. Moreux 2004, 46).

Diese beiden Parteien, die nach wie vor im Streit miteinander liegen, dominieren nach wie vor die öffentliche Diskussion um die langue régionale. Zwischen dem ehemaligen Félibrige und den Okzitanisten scheint sich allerdings eine Einigung ergeben zu haben (vgl. Milhé 2011, 19). Im Gegensatz dazu bestehen die Konflikte zwischem dem IBG in Pau und den Okzitanisten fort. Eine Einigung scheint nach wie vor nicht eingetreten zu sein (vgl. Milhé 2007, 98, 103).

Um das schlechte Image des (von ihnen so bezeichneten) occitan, das durch diese Ungereimtheiten generiert wird, abzuschütteln sowie eine größere Masse an Menschen zu erreichen, verfolgt man im okzitanistischen Milieu seit geraumer Zeit eine „stratégie d’un occitan régionalisé“. Man versucht demnach, den Menschen klarzumachen, dass das lokale Okzitanisch als gascon, beziehungsweise als béarnais im Béarn, zu bezeichnen ist. Diese Varietäten lernt man auch in den Sprachkursen, neben dem übergreifenden okzitanischen Standard (vgl. Field 2009, 770f.). Damit scheint eine Kompromisslösung angestrebt zu werden, deren Tragfähigkeit noch nicht abzusehen ist.

2.1.4. Aktuelle soziolinguistische Situation

Laut der international anerkannten soziolinguistischen Homepage Ethnologue sprechen 110.000 Menschen in Frankreich Okzitanisch. Offizielle Sprecherzahlen zum Gaskognischen gibt es seit der Löschung des dazugehörigen Artikels auf der Seite nicht mehr.32Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333. Sein Zustand ist der Kategorie 6b zuzuordnen und damit bedroht, da die Transmission zwischen den Generationen unterbrochen sei. Da das Okzitanische von der aktuellen Elterngeneration noch verstanden wird, bestehe aber noch die Möglichkeit es durch sprachpolitische Maßnahmen wiederzubeleben (vgl. 2016, Occitan).

Zur Erfassung der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen wurden, im Zuge der Bewusstwerdung über die regionalen Besonderheiten der französischen Regionen, während der Dezentralisierungswelle in den 1980er Jahren, verschiedene Umfragen durchgeführt. Die aktuellsten Erhebungen auf dem untersuchten Gebiet fanden in den Jahren 1997, 1999 bzw. 2008 statt.33Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass in diesem Fall die Bezeichnung „occitan“ gewählt wurde, was der Tatsache geschuldet ist, dass in der Region Aquitaine, auf die sich diese Untersuchungen hauptsächlich beziehen, neben dem Gaskognischen auch Languedokisch und Limousinisch gesprochen werden (vgl. Massoure 2012, 334).

Die aktuelle soziolinguistische Situation ist, laut dieser Studien, insbesondere dadurch geprägt, dass die Sprecherzahlen stetig rückläufig sind. Das liegt insbesondere daran, dass die Transmission des Gaskognischen, beziehungsweise des Okzitanischen, in der Familie nahezu abgebrochen ist. Massoure spricht hier lediglich von einer einprozentigen Quote (vgl. Massoure 2012, 333, 335). Dies führt dazu, dass jene Sprecher, die das Gaskognische tatsächlich noch als Muttersprache innerhalb der Familie erlernten, sehr alt sind. Sie gehören in der Regel einer sozial benachteiligten Schicht an. Die Generation nach dieser Generation und damit die Kinder der Muttersprachler, an die das galloromanische Idiom nicht mehr weitergegeben wurde, löste für sich den Konflikt der Diglossie mit dem sogenannten francitan: „langue transitoire où accent, lexique et syntaxe étaient empruntés à leur langue familiale“. Die Generation nach dieser francitanophonen Generation spricht dagegen häufig auch kein francitan mehr, sodass man hier von einer „substitution linguistique très avancée“ sprechen kann (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f).

Laut der Untersuchung der région Aquitaine von 2008 lag der Anteil der Sprecher des Okzitanischen auf die gesamte Region gesehen bei 9%, wobei auch jene Personen als Sprecher erfasst wurden, die nur angegeben hatten, dass ihre Kompetenzen „suffisamment pour tenir une conversation simple“ wären (vgl. 2009, 7).34In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist. Von einem alltäglichen Gebrauch kann bei allen in dieser Gruppe also nicht die Rede sein.

Die Verteilung über die regionseigenen départements verdeutlicht des Weiteren starke lokale Unterschiede: So sind es im département Gironde, das Bordeaux, die Hauptstadt der Region einschließt, nur 3%, in den deutlich ländlicher geprägten départements Landes und Dordogne 15% und in dem, den Béarn einschließenden, département 12% der Bevölkerung, die als Sprecher des Gaskognischen betrachtet werden. Dies ist nicht überraschend, da die Gaskognischkompetenz im ländlichen Raum deutlich mehr verbreitet zu sein scheint. Außerdem sind die Sprecher – wie dies in der Regel bei allen Untersuchungen zum Okzitanischen angegeben wird – eher Männer3559% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen. und gehören der älteren Generation an: 63% der Sprecher sind mindestens 60 Jahre alt, wohingegen nur 14% der Sprecher jünger als 45 Jahre sind (vgl. 2009, 7f.).

Auch bei der Einteilung der Sprecher in sozioprofessionelle Kategorien gibt es Auffälligkeiten: So waren bei einer Umfrage von 1999 30% der Bauern, 7 % der Handwerker und Händler und 7% der Arbeiter Sprecher des occitan. Damit sind die Sprecher gerade in den Berufen vertreten, die keine höhere Schulbildung erfordern und – in den ersten beiden Fällen – vor allem auf dem Land leben. In den professions libérales (4%) und den professions intermédiaires (6%) und der Kategorie der Angestellten (5%), die in der Region am meisten verbreitet ist, kommen Gaskognischsprecher deutlich weniger vor (vgl. Massoure 2012, 333, 335).

Abgesehen von den aktiven Sprachkompetenzen erhob die Untersuchung von 2008 auch passive Sprachkompetenzen sowie geringe aktive Sprachkompetenzen sodass, nach Interpretation der Durchführenden dieser Studie, der Prozentsatz jener, die in irgendeiner Form Okzitanisch verstehen – und sei dies auch nur zu einem Minimum – bei 44% lag.3619% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten. Im Vergleich zur Untersuchung von 1997 wäre dies ein Rückgang von 9% (vgl. 2009, 10). Dieser Anteil überrascht angesichts der geringen familiären Transmission nicht (vgl. Massoure 2012, 335). Die Entwicklung wird auch dadurch verstärkt, als der Trend von der Transmission durch die Eltern, zu einer Transmission durch die Großeltern geht, je älter die Sprecher sind (vgl. 2009, 13).

In der Umfrage von 2008 wurde festgestellt, dass die aktuelle Transmission bei den jetzigen Sprechern bei 73% in der Familie erfolgte,37Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten. diese geben ihren Kindern aber kaum etwas von der Sprache weiter: 71-93% der Befragten mit Kindern sagten, dass sie es in gar keiner Form an die nachfolgende Generation weitergegeben hätten. Ansonsten scheint neben der familiären Umgebung auch das direkte Umfeld mit Nachbarn, Freunden und der Dorfumgebung, mit 15%, eine Rolle bei der Transmission gespielt zu haben. Lediglich 6% erwarben das Okzitanische dagegen in der Schule. Noch weniger, erwarben es freiwillig im Erwachsenenalter – hierbei liegt der Prozentsatz lediglich bei 2% (vgl. 2009, 13). Seit den frühen 1980er Jahren gibt es für Kinder und Jugendliche in der Aquitaine die Möglichkeit das Gaskognische an zehn öffentlichen Schulen – Grundschulen, collèges und lycées – oder an zwölf privat getragenen privaten Schulen, den Calandretas zu erlernen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 987f.). In der Regel wird das Idiom dort unter dem Namen occitan unterrichtet. Außerdem gibt es an Schulen, die Okzitanisch nicht als Unterrichtsfach anbieten, zum Teil das Angebot, eine Einführung in die okzitanische Sprache und Kultur von „itinerant teachers (caminàyrés)“ zu erhalten (vgl. Moreux 2004, 33). Für Erwachsene gibt es das Angebot des sogenannten cours du soir, das insbesondere von den IEOs unterstützt wird. Allerdings wird immer wieder kritisiert, dass der Übergang zwischen den verschiedenen schulischen Einrichtungen, oftmals kein Fortsetzen der Okzitanischkurse ermöglicht (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 989).

Abgesehen davon wird Okzitanisch von seinen – meist den älteren Generationen angehörenden – Sprechern fast ausschließlich mit vertrauten Personen in einem privaten Umfeld gesprochen: Etwa 9% der Befragten sprechen mit Freunden und Nachbarn, 5% mit ihren Eltern und geringere Anteile mit anderen Familienmitglieder383% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an. sowie 4% mit Personen, mit denen man sich explizit trifft, um sich auf Gaskognisch, bzw. Okzitanisch zu unterhalten. Im beruflichen Kontext spricht dagegen nur 1% der Befragten dieses Idiom. Dementsprechend sprechen 10% der Befragten innerhalb des Familie Okzitanisch, 8,6% mit ihren Nachbarn und Freunden und nur 0,6% im öffentlichen Raum. Als Ausnahme können spezielle Festlichkeiten gesehen werden, die von 3,4% der Befragten genutzt werden, um dort explizit Okzitanisch zu sprechen. Im Vereinsalltag wird dagegen nur von 1,3% der Interviewten ein langue d’oc-Idiom gesprochen. Im beruflichen Kontext sprechen 2,6% der Befragten das Idiom, was sich durch die Bedeutung okzitanischer Varietäten im Handel und Marktkontexten erklären lässt, die über den Sprachunterricht und kulturelle Tätigkeiten hinausgehen (vgl. 2009, 8f.).

Trotz der recht geringen Sprecherzahlen, scheinen die Menschen in der Region ein gewisses attachement zum Okzitanischen zu haben, denn, auf die gesamte Region gesehen, geben immerhin 47% an, einen sentimentalen Bezug zum galloromanischen Idiom zu haben. Damit wäre es, laut der hauptsächlich von Okzitanisten durchgeführten Umfrage, ungefähr dieselbe Anzahl an Sprechern, die in irgendeiner Form Kenntnisse des Idioms besitzen und dieses auch positiv bewerten, beziehungsweise es als Teil ihrer Identität betrachten (vgl. 2009, 14). Dieser Umstand ist nach der Fishmanschen Methode, hinsichtlich eines möglichen „renversement de la substitution linguistique“, sehr bedeutend, da es laut dieser wichtig wäre, sowohl die Minderheitensprache, als auch die mit ihr verknüpfte Identität zu erhalten. Dies würde über den Erhalt und das öffentliche Praktizieren, der mit der Sprache verbundenen Kultur, die untrennbar von dieser wäre, geschehen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 981). Allerdings ist dieses Zugehörigkeitsgefühl bei der anderen Hälfte der regionseigenen Bevölkerung gar nicht vorhanden (vgl. 2009, 4). Das könnte daher rühren, dass diese entweder gar nicht aus der Region stammt oder sich die „substitution linguistique“ bei dieser bereits vollständig vollzogen hat.

In soziolinguistischen Studien wird immer wieder die Bedeutung einer „vie communautaire“ für den Erhalt von Minderheitensprachen betont, die den Sprechern Raum bietet, um ihre Sprache zu sprechen und die dazugehörige Kultur zu leben. Dies sei die Basis für eine „substitution linguistique inversée“ in Richtung Bilingualismus. Notwendig wäre also eine gewisse socialisation der Sprache, nicht zuletzt in der Familie und ihrer unmittelbaren Umgebung, der voisinage, um eine Transmission der Sprache zu gewährleisten: Ansonsten kann sich die Überzeugung von Kindern, die Sprache aktiv und passiv zu erwerben, für die Eltern schwierig gestalten (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 981, 988f.).

Für die Linguistin Roux-Châteaureynaud sind zwei Phänomene symptomatisch für die Sitation des, als Okzitanisch bezeichneten, Idioms in der Region Aquitaine: Eine „dislocation sociale“, also eine Verlagerung des Okzitanischen in den fast ausschließlichen Gebrauch durch eine Gesellschaftsschicht, die hauptsächlich in den ländlichen Regionen lebt, sowie eine „dislocation culturelle“, ein Verdrängen der okzitanischen Kultur aus dem öffentlichen Raum, sodass die Sprecher ihr Idiom nur im Privaten sprechen und hören können. Dadurch entsteht bei den Muttersprachlern der Eindruck, dass ihre Sprache Teil einer verschwundenen „mode de vie traditionnel rural et essentiellement agricole“ ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f.).

Aktuell ist die Präsenz des occitan in den Medien sehr niedrig. In der nationalen Öffentlichkeit ist das Okzitanische nicht präsent, jedoch ist es in der Region Aquitaine auf lokaler und regionaler Ebene in einem geringen Maß in den Medien vertreten. So gibt es in der regionsübergreifenden Tageszeitung Sud-Ouest eine Kolumne und vereinzelte Reportagen, die Sendung Punt de vista auf dem Fernsehsender FR3 sowie die Wochenzeitung La setmana, die allerdings nur eine sehr niedrige Auflage erreicht. Die Möglichkeiten der Sprecher, ihre Sprache zu hören und zu lesen, sind also dennoch sehr gering (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 983-990).

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass das Gaskognische mit einem niedrigen Prestige verbunden und somit für die Sprecher auf die private Sphäre beschränkt bleibt, da es einem karrerietechnischen Vorwärtskommen im Weg stehen könnte. Folglich wird der Nutzen der Sprache für die eigenen Kinder auch nicht mehr erkannt, weshalb die Transmission abreißt. Die ansässige Bevölkerung fühlt sich zwar mit ihrer Region verbunden, nennt deren Namen, sowie die dazugehörige Sprache und Kultur, aber nicht beim Namen39Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986. und hat das Gefühl „[d‘] appartenir à une culture „du Sud“, voire précisément du Sud-Ouest (rarement désignée par l’adjectif occitan lui-même)[…] excluant la langue“, die mit dieser Kultur verbunden ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.):

Très souvent les Occitans se déclarent attachés au Sud […], ils se sentent du Sud, attachés à sa gastronomie, à ses vins, ceux de Bordeaux, à une façon de faire la fête, celle des festaires et celles des aficionados, à des sports traditionnels ou au rugby, parfois même à leur accent et à un lexique francitan, mais en excluant la pratique de la langue occitane de leur univers (Roux-Châteaureynaud 2009, 986).

Zur Folge hat diese Entwertung des Idioms, eine Art Kluft zwischen den Muttersprachlern, den L1-Sprechern, und den L2-Sprechern, die sich die Sprache – meist unter dem Namen Okzitanisch – nachträglich angeeignet haben. Letztere tragen ihren Bilingualismus in der Regel stolz nach außen und sehen im Idiom eine zukunftsfähige Sprache, die sich nicht allein auf die private Sphäre beschränken sollte. Außerdem schätzen sie beispielsweise die okzitanische Literatur (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986f.). Diese Haltung sowie das von den L2-Sprechern in Büchern und in der Schule gelernte Okzitanisch,40Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3. das für die L1-Sprecher unnatürlich wirkt, führen zu einer Ablehnung auf Seiten vieler L1-Sprecher und verhindern einen kommunikativen Austausch zwischen beiden Generationen (vgl. Milhé 2011, 2). Dies und die wenigen Gelegenheiten für die Sprecher ihr Idiom und ihre Kultur zu praktizieren, stellen ein Hindernis für die Entstehung einer „vie communautaire“ dar. Ziel der militants, die in der Regel der Okzitanismusbewegung angehören, ist es daher eine „socialisation“ der Sprache zu erreichen, indem ein Vereinsnetzwerk aufgebaut wird sowie Sprachkurse und Gelegenheiten angeboten werden, um den kommunikativen Austausch zwischen den Generationen zu ermöglichen und so eine „substitution linguistique inversée“ zu erreichen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 987f.). Dies erfordert allerdings langfristig gesehen noch viel Arbeit, sodass die Linguistin Marie-Anne Roux-Châteaureynaud für „l’occitan en Aquitaine“ vorerst zu folgendem Schluss kam:

La société occitane en Aquitaine n’a plus de cellule linguistique de base capable de restaurer une transmission intergénérationnelle. Par ailleurs, il est évident que l’occitan n’atteint pas les plus hauts sphères de la société qu’elles soient politiques, économiques ou institutionnelles. La situation est donc très préoccupante (Roux-Châteaureynaud 2009, 991).

Losgelöst von der Gesellschaft wird das Idiom in verschiedenen Formen bewahrt. Außerdem gibt es noch locuteurs naturels, auch wenn diese nicht sehr zahlreich sind (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 990). Laut Roux-Châteaureynaud ist allerdings fraglich, ob man überhaupt noch von einer Diglossiesituation für die Region sprechen kann, da das Französische für die jüngeren Generationen eindeutig zur dominanten Sprache geworden ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982).

2.2. Erinnerungssprache/-dialekt

2.2.1. Sozial- und kulturwissenschaftlicher Hintergrund

In der Arbeit soll nun das Konzept des Erinnerungsdialekts auf das Gaskognische angewendet werden. Dieses Konzept wurde von dem deutschen Romanisten Edgar Radtke geprägt, der den Begriff in Bezug auf das Neapolitanische in Italien gebrauchte (vgl. Radtke 2006, 1797). Seine sich damit befassenden Veröffentlichungen sowie die Arbeiten seines Schülers Till Stellino sind einer „anthropologisch orientierten Soziolinguistik“ zuzuordnen (vgl. Radtke 2010, 11).41Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11. Die beiden unternahmen den Versuch sozial- und kulturwissenschaftliche Erkenntnisse sowie die diesen Wissenschaften zugrunde liegenden Methoden zu berücksichtigen, um soziolinguistisch relevante Veränderungen zu erfassen und zu begründen. Sie interessieren sich daher für die, durch Industrialisierung und Globalisierung stark veränderte, traditionelle Lebenswelt der Sprecher, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Sprecherverhalten und die Wahrnehmung beziehungsweise die Einstellung der Sprecher zu den gesprochenen Varietäten (vgl. Stellino 2010, 11, 30, Radtke 2001, 130).42Vgl. auch: Stellino 2010.

Den Arbeiten der beiden liegt die Annahme zahlreicher Soziologen und Ethnologen zugrunde, dass sich infolge der erzwungenen Wanderungsbewegungen moderner Gesellschaften die Angst vor einem Identitätsverlust herausbildet. Diese Migrationsbewegungen lassen sich häufig als erzwungene Abwanderungen in städtische Ballungszentren charakterisieren. Vor Ort müssen und mussten sie sich dann mit einer neuen und von der Globalisierung bestimmten Wirtschaftsweise auseinandersetzen. Die Ausprägung des Gefühl des Verlusts der eigenen Wurzeln hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die betroffenen Gesellschaften durch diese äußeren Veränderungen langfristig einem damit einhergehenden Wertewandel, der Veränderung althergebrachter Strukturen sowie dem Wandel oder der Ablegung von Traditionen ausgesetzt sind (vgl. Stellino 2010, 189-192)

Der dadurch generierte Mentalitätswandel wird von den betroffenen Bevölkerungsgruppen zumeist als negativ empfunden, weshalb daraus ein Streben nach einem gewissen Maß an Kompensation dieses Verlustes erwächst. Häufig kommt es daher dazu, dass eben dort, wo geographische Bezugspunkte und damit die Zugehörigkeit zu einem (Heimat-)ort keine Selbstverständlichkeit mehr sind, ein Gefühl der Leere und dadurch ausgelöst ein „Grundbedürfnis nach identitätsstiftender räumlicher Orientierung“ und Zusammengehörigkeit entsteht. Als Auffangbecken für den Verlust an Individualität und das „Gefühl der Entwurzelung“ ist häufig eine Inwertsetzung des lokalen Lebensraumes zu beobachten: es kommt also zu einer besonderen Wertschätzung der als Heimat empfundenen Regionen und Orte (vgl. Stellino 2010, 191f.). Diese müssen, aufgrund der zur Normalität gewordenen Mobilität in der heutigen Gesellschaft, nicht mit dem traditionellen Herkunftsort der Familie übereinstimmen. Diese Aufwertung macht sich in sämtlichen Lebensbereichen bemerkbar. Auch der Einzelhandel greift sie auf (vgl. Stellino 2010, 194f.).43Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.

Das Resultat ist also eine Aufwertung des Regionalen, welches plötzlich an positiven Konnotationen gewinnt, die über seine vorherige, rein geographische Verortung hinausgehen. Der territoriale Bezug, der im Rahmen dieses individuellen Findungsprozesses bedeutsam wird, wurde auch von dem Soziologen Michel Maffesoli aufgegriffen, der in seinem Werk „Le lieu fait lien“ explizit auf dieses Phänomen moderner Gesellschaften eingeht. Darin betont auch er, dass die Suche nach einem lokalen Bezugspunkt nicht nur die rein geographische Ebene betrifft, sondern auch andere, historisch im Boden dieses territorialen Bezugspunktes verwurzelte, Werte und Traditionen (vgl. Maffesoli 2003, 30-34). So schreibt er in seiner Veröffentlichung:

[…] le lieu fait lien. Un lien qui ne s’est pas constitué à partir d’un idéal lointain, mais bien au contraire, se fonde, organiquement, sur la commune possession de valeurs enracinés: langues, coutumes, cuisine, posture corporelles (Maffesoli 2003, 31f.).

Auch die traditionell mit dem Ort verwurzelte Sprache betrachtet er also als einen dieser lokalen Bedeutungsträger.

Les „grands récits de référence“ se particularisent, s’incarnent, se limitent à la dimension d’un territoire donné. D’où les pratiques langagières, juvéniles, le retour des dialectes locaux (Maffesoli 2003, 34).

In diesem Absatz stellt Maffesoli genau das fest, was auch Radtke in seiner Arbeit zum Neapolitanischen betont: nämlich, dass im Rahmen des vom Gesellschaftswandel verursachten Selbstfindungsprozesses auch alte Sprachformen einen Ansehensgewinn erfahren (vgl. Radtke 1997, 115f, 125f.)

2.2.2. Das Beispiel Neapel

In seinen Arbeiten zum Neapolitanischen stellte Letzterer fest, dass sich dieses Stützen auf Regionalität auch auf die diatopische Variation des Italienischen und ihre Perzeption durch die Sprecher auswirkte. So wurde eine bestimmte Form des Dialekts, nämlich der Dialekt in seiner archaischen Ausprägung, zum identitätsverortenden Element. Einhergehend mit einer nostalgischen Erinnerung an die vergangenen Zeiten, die im Kontrast zur als negativ empfundenen Erfahrung der Postmoderne steht, erhält er ein völlig neues, positiv besetztes Prestige (vgl. Radtke 1997, 115f, 125f.)

Das italienische Varietätengefüge hat also durch den Gesellschaftswandel eine entscheidende Verschiebung erfahren. Radtke spricht, im Rahmen der Italienisierung der letzten Jahrzehnte, von einem Rückgang des Dialekts beziehungsweise von einer stetig schlechter werdenden Dialektkompetenz bei den jüngeren Sprechergenerationen (vgl. Radtke 2001, 135). Das hatte zur Folge, dass von den befragten Sprechern eine Unterscheidung vorgenommen wurde: Die älteren Sprechergenerationen sprechen demnach den Dialekt nach althergebrachter Art, wohingegen die jüngeren Sprechergenerationen einen neuen, weniger typischen und formal stark durch den italienischen Standard beeinflussten Dialekt sprechen. Dementsprechend kann also eine Unterscheidung, basierend auf der Dialektkompetenz der Sprecher, sowie eine Unterteilung nach Generationen vorgenommen werden (vgl. Stellino 2010, 70-75).

In Reaktion auf die Angst vor einem Identitätsverlust, erfährt gerade die als genuiner empfundene, ältere Dialektform – als eine Art „Instrument räumlicher Identitätsstiftung“ (vgl. Stellino 2010, 193) – eine besonders hohe Aufwertung in der Wahrnehmung der Sprecher. Das geschieht, obwohl dieser im Alltag kaum noch gebraucht wird und von den meisten Sprechern des Dialekts selbst gesagt wird, dass sie den dialetto ‚verace‘ nicht mehr sprechen würden (vgl. Radtke 1997, 116, Stellino 2010, 70-75).

Allgemein ergibt sich aus dem Gesellschaftswandel, dann ein aus fünf Varietäten zusammengesetztes Gefüge, das man in Neapel und Umgebung unterscheiden kann: Zum einen die zwei sehr prestigereichen Varietäten: die italienische Hochsprache, die allerdings nur passiv gebraucht wird und das Neapolitanische, das zwar mit einem hohen Prestige versehen ist, aber auch nicht gesprochen wird und maximal als diaphasischer Marker verwendet wird.44Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125. Darüber hinaus gibt es den lokalen Dialekt, der im Zuge der Italienisierung immer seltener verwendet wird und die Zwischenvarietät, zwischen Standard und lokalem Dialekt, die in der Regel mit der fünften Varietät, der individuellen Sprache, übereinstimmt (vgl. Radtke 2002, 66)

2.2.3. Charakteristika eines Erinnerungsdialekts

Die Bezeichnung für das Phänomen, welchem das Neapolitanische demnach unterliegt, ist der schon oben angedeutete Begriff des „Erinnerungsdialekt[s]“. Damit ist per definitionem gemeint, dass die betroffene Dialektform mehr und mehr aus der täglichen Nutzung verschwindet, aber dennoch eine positive „folkloristisch-vergangenheitsbezogene Konnotation“ erhält (vgl. Stellino 2010, 85). Im Falle eines Erinnerungsdialekts, kann man laut Radtke nicht mehr von einer Konkurrenzsituation zwischen dominanter und dominierter Sprache sprechen, denn der Dialekt steht nicht mehr in Wettstreit zur landesspezifischen Hochsprache, sondern nur noch neben Letzterer (vgl. Radtke 1997, 121). In diesem Kontext tritt die diastratische und diatopische Markierung in den Hintergrund. Die stilistische Markierung, welche durch die nostalgische Konnotation gegeben ist, wird dagegen zur ausschlaggebenden Funktion des Dialekts. Radtke schrieb dazu treffend, dass es sich um einen „reaktionären Dialektgebrauch [handle], der eine bereits überwundene Realität vortäuscht“. Letztlich ist der Dialekt also nichts anderes mehr als ein positiv besetztes Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen, das keinerlei Bezug mehr zur Alltagsrealität hat. Die Orte, beziehungsweise die Gelegenheiten, an denen diese Form des Dialekts überhaupt noch gegenwärtig ist, bezeichnet Radtke daher als „nostalgische Rückzugsgebiete“. Als Beispiel sei die Verwendung dialektaler Ausdrücke in der Werbung genannt. Diese werden dort verwendet, um ein gewisses Maß an Echtheit und Qualität zu suggerieren (vgl. Radtke 1997, 118, 120f.).45Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.

Kennzeichnend für diesen neuen Prestigegewinn des Dialektes ist ebenfalls, dass nicht nur das Neapolitanische selbst als „schützenswertes Kulturgut“ (vgl. Stellino 2010, 88) empfunden und dementsprechend nostalgisch verklärt wird, sondern auch die gesamte Kultur um den Dialekt herum. Ein Symptom dieser gesellschaftlichen Entwicklung kann auch das Auftauchen von engagierten Rettern des Dialekts sein, die mit allerlei kulturellen Projekten und Mitteln versuchen, diesen, in einer archaischen Form, zu revitalisieren. Radtke bezeichnet dieses Phänomen in Bezugnahme auf das Neapolitanische als „recupero del dialetto“ (vgl. Radtke 1997, 120f., Stellino 2010, 85). Letztlich versuchen also jene Verfechter, im Einklang mit der von Maffesoli beschriebenen neuen Rückbesinnung auf den lieu (vgl. Maffesoli 2003, 30), durch die bewusste Wahl dieser Varietät, ihr Bedürfnis nach Identitätsfindung zu stillen (vgl. Stellino 2010, 193). In der Berufung auf die althergebrachten Werte und Traditionen, die mit dem Sprechen der alten Varietät verbunden sind (vgl. Radtke 1997, 121), versuchen sie einen neuen Bezugspunkt zu finden, indem sie, in der fürs sie ins Ungleichgewicht geratenen Welt, eine alternative Identitätskonstruktion annehmen und eine nostalgische „Sentimentalität“ an den Tag legen (vgl. Stellino 2010, 193f.).

Legt man dieses Konzept nun schablonenhaft auf das Gaskognische an, so gilt es sich zu fragen, ob sich auch das Gaskognische auf dem Weg zum Erinnerungsdialekt beziehungsweise zur Erinnerungssprache befindet. Allerdings sollte im Hinterkopf behalten werden, dass sich die Situation von der in Italien schon darin grundlegend unterscheidet, als dort eine Minderheitensprache mit dem Französischen im Kontakt steht und es sich beim Gaskognischen nicht, wie beim Neapolitianischen, um einen Dialekt, der dort gesprochenen Hochsprache, sondern um eine eigenständige Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen, handelt (vgl. 1.1.1). Abgesehen davon bleibt festzuhalten, dass es sich beim Gaskognischen an sich um ein Konstrukt handelt, das durch zahlreiche regionale und zeitliche Unterschiede geprägt ist, die auf verschiedene Art und Weise von ihren Sprechern wahrgenommen und bewertet werden (vgl. 1.1.1 und 1.1.3). Daher werden aus Vereinfachungsgründen nicht verschiedene Dialekte des Gaskognischen in der Untersuchung unterschieden oder dessen Mischformen mit dem Französischen – wie das francitan – einbezogen,46Vgl. zum francitan 1.1.4. sondern das Gaskognische soziolinguistisch als Gesamtkonstrukt dahingehend untersucht, ob sich dort Entwicklungen in Richtung Erinnerungsdialekt beziehungsweise Erinnerungssprache, wie beim nun prestigereichen neapolitanischen Dialekt, aufzeigen lassen. Hinsichtlich des Gaskognischen wird es außerdem von Bedeutung sein, die Ideologie von Gaskognisten und Okzitanisten zu unterscheiden (vgl. 1.1.3), da eine der beiden Strömungen die Entwicklung zur Erinnerungssprache beziehungsweise zum Erinnerungsdialekt möglicherweise mehr unterstützt als die andere.

2.3. Sprachbiographien

Als geeignetes Analyseinstrument zur Erschließung des Sachverhalts, ob es sich auch im Fall des Gaskognischen um einen, neben dem Französischen stehenden, „Erinnerungsdialekt“ respektive „Erinnerungs[sprache]“ handelt,47Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85. wurde auf eine ebenfalls relativ junge Methode in der Soziolinguistik zurückgegriffen, die vor allem in den 90er Jahren in Europa populär wurde (vgl. Franceschini 2002, 19) und seit der Jahrhundertwende einen immensen Popularitätsgrad in der Forschung erlangt hat. Es handelt sich um die sogenannte Sprachbiographie, die im Bereich der Romanistik gerade durch Rita Franceschini entscheidend geprägt wurde (vgl. Barbarić 2014, 71Franceschini 2002Franceschini & Miecznikowski 2004).

Ursprünglich kam die Idee von einem biographischen – sich auf individuelle Lebensschicksale stützenden – Vorgehen aus den Sozialwissenschaften (vgl. Barbarić 2014, 67). Hier nahm man erstmals an, dass sich dieser Zugriff dazu eigne gesamtgesellschaftliche Vorgänge zu analysieren, da sich Letztere immer im individuellen Erleben widerspiegeln und personenübergreifend ähnlich rezipiert werden. Gesellschaftliche Veränderungen werden nicht nur von den Menschen während ihres Lebens miterlebt, sondern auch verarbeitet und haben somit einen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der Identität der Menschen. Biographien haben daher „als Typen von Lebensschicksalen“ ihre überindividuelle Bedeutung, weil sie „Prozeßstrukturen [sic!] des Lebensablaufs“ abbilden (vgl. Treichel 2004, 73) und auf größere soziale Gefüge wie Generationen oder Organisationen übertragbar sind (vgl. Rosenthal 2015, 189).

Entgegen der ehemals von der Soziolinguistik verfochtenen These, dass Sprache nur ein Mittel sei, um gesellschaftsrelevante Geschehnisse und Ereignisketten darzustellen (vgl. Treichel 2004, 89), ist man in den letzten Jahrzehnten zu der Ansicht gelangt, dass die „sprachliche Lebenswelt“ einen Teil der „sozialen Lebenswelt“ ausmacht und daher von dieser untrennbar ist (vgl. Barbarić 2014, 59-61), denn Sprecher nehmen den Erwerb und das Leben mit ihren Sprachen als wesentlichen Bestandteil ihrer Biographie wahr (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 17). Für die Erforschung des Untersuchungsgegenstands Sprache bedeutet das daher, dass er unmittelbar in Zusammenhang mit dem individuellen Erleben der Sprecher, mit und in ihrer sozialen Umwelt, betrachtet werden muss, da sich die soziale Umwelt auf sein Leben mit seiner Sprache beziehungsweise seinen Sprachen auswirkt  (vgl. Treichel 2004, 89f.). Gerade im Bereich der Soziolinguistik, die sich mit Phänomenen wie der Identität der Sprecher und deren Auswirkung auf die individuelle Sprachenwahl auseinandersetzt, scheint ein solcher Zugriff von hoher Bedeutung zu sein, um wichtige Forschungserkenntnisse zu erlangen.

Um die Einzelperspektive eines sozialen Wesens zu erhalten, sind aber auch Vorgehensweisen erforderlich, die sich von denen der klassischen Sprachforschung unterscheiden. Diese neue Herangehensweise unterscheidet sich von den vorherigen Forschungsmethoden, wie dem klassischen Fragebogen, dadurch, dass ihr Schwerpunkt nicht mehr auf der Sammlung von einer quantitativ hohen Menge an Daten, sondern auf qualitativen Datenerhebungen liegt (vgl. Franceschini 2002, 19f.).

Daher bildete sich die sprachbiographische Forschung in der Linguistik als besondere Form der aus den Sozialwissenschaften bekannten autobiographischen Forschung heraus und unterschied sich von dieser grob durch die thematische Fokussierung auf den Umgang und das Leben mit Sprachen. Als Ergebnis erhält man sprachliche Autobiographien. Dieses Vorgehen kann insbesondere beim Umgang mit mehreren Sprachen sehr hilfreich sein. Es zeichnet sich durch folgende Charakteristika aus: Der Einzelsprecher wird in den Fokus gestellt und schildert aus seiner Perspektive seine sprachliche Autobiographie (vgl. Franceschini 2002, 19-21, 26).

Unter Sprachbiographien können zudem – dadurch dass es sich um einen recht jungen Forschungszweig handelt – verschiedene Formen von autobiographischen Daten verstanden werden. Bei Sprachbiographien „in einem engen Sinn“ handelt es sich um Autobiographien, die sowohl die Erfahrungen der betroffenen Person, als auch die interpretativen Ausdeutungen derselben enthalten (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 9f., 13). In der Regel kommt es dabei zu einer Rekonstitution der „sozialen Lebenswelt“ und „kommunikativer Räume“ von Sprecherseite (vgl. Barbarić 2014, 59-61, 63) mit dem Produkt einer „narrativ hervorgebrachten sprachlichen Autobiographie“ (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 10), die in der Regel mit technischen Hilfsmitteln aufgezeichnet wird und später in ein schriftliches Medium – das Transkript – überführt wird (vgl. Barbarić 2014, 72). Somit werden nicht nur Lebensdaten, sondern auch „innere Reaktionen“ wiedergegeben (vgl. Treichel 2004, 73). In der Regel werden solche Erzählungen mit der von Friedrich Schütze entwickelten Technik des narrativen Interviews gewonnen, das für sprachwissenschaftliche Zwecke von Rita Franceschini, mit der inhaltlichen Beschränkung auf Sprachliches, umgemünzt wurde (vgl. Franceschini 2002, 25f.). Diese Art des Interviews geht sehr in die Tiefe und gibt den Beforschten sehr viel Raum, ihren Umgang mit Sprachen und Erwerb ihrer Sprachen in Worte zu fassen – und dies in der Regel ohne konkrete Nachfragen unter alleiniger Vorgabe eines Erzählstimulus (vgl. Barbarić 2014, 88f.).48Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f. Damit überschreitet die sprachbiographische Methode in diesem Sinne weit die Tiefe der in der Soziolinguistik praktizierten „‘freien‘ Fragen“. Durch diese Technik werden so „untereinander kaum vergleichbare Erzählungen“ gewonnen, die sich durch ein besonders hohes Maß an „Verschiedenartigkeit“ auszeichnen: umso schwieriger ist daher die gewinnbringende Auswertung dieser Daten. Diese Unterschiedlichkeit ist der Tatsache geschuldet, dass den Interviewten besonders viel Raum für eine Darlegung ihrer persönlichen Interpretation des Erwerbsprozesses und ihres Lebens mit Sprachen gegeben wird (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 7, 10).

Sprachbiographien – verstanden „im weitesten Sinne“ – bezeichnen dagegen einfach sämtliche autobiographische Daten mit dem thematischen Schwerpunkt Sprache, die auf verschiedene Weise gewonnen werden können. In der Regel werden diese Daten nicht von einer anderen Person als der Untersuchten zu Tage geführt – daher handelt es sich in der Regel um Autobiographien. Sie bilden durch die Verwobenheit von „individuelle[m] Erleben mit sozialen und lebensgeschichtlichen Kontexten“, generelle Sachverhalte sprachlichen Erlebens ab (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 11f.).

Auffällig ist, dass sich die – durch diese Methoden gewonnenen – Autobiographien in ihrem Aufbau und ihrem Ausdruck ähneln. Immer wieder wird klar, dass Sprachen und ihre Sprecher für die Beforschten affektiv besetzt sind, was sich auch auf ihren Sprachgebrauch und ihre Sprachidentität auswirkt. Des Weiteren zeichnen sich diese Erzählungen durch einen komplexen Aufbau aus: Sie enthalten erzählende und von den Sprechern interpretierte und gewichtete Passagen, die verhältnismäßig lang und umständlich formuliert sind, was sie auf den ersten Blick schwer auf wesentliche Punkte zusammenfassbar und vergleichbar macht (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13, 17). Das Ergebnis solcher Erlebnis- und Erfahrungsberichte ist ein Abriss über Sprachliches in der Welt des beforschten Individuums in Form einer „oral history“ – denn in der Regel fanden die untersuchten Ereignisse, wie der Spracherwerb, in der Vergangenheit statt und unterliegen so den Gesetzen einer Rekonstitution der vergangenen Lebenswelt: Es handelt sich daher um kein Abbild der tatsächlich geschehenen Ereignisse, sondern um „Interpretationen der eigenen Sprachentwicklung“,49In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74. die durch die Formulierung von früheren Motivationen und Begründungen gespeist werden. Will man nun mit dem erhaltenen Material arbeiten, sollte man sich darüber gewahr sein womit man arbeitet: mit „Konstruktionen und Sinngebungen zu einem Eigenerleben, welches in Interaktion hervorgebracht wird“. Innerhalb dieser Erlebniserzählungen müssen dann die persönliche Relevanzsetzung und die „Alltagstheorien“ der Sprecher herausgearbeitet und interpretiert werden, um für die Untersuchung gewinnbringend nutzbar gemacht zu werden (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 12f.). Daher gibt es verschiedene methodische Vorüberlegungen zur inhaltlichen Brechung solcher Erzählungen, die darauf abzielen die innere Schlüssigkeit, unter Beachtung der individuellen Schwerpunktsetzung und der Art und Weise der Darstellung, herauszuarbeiten. Ein Forschungsteilziel ist es daher die „Relevanzsysteme“ des Beforschten zu erfahren, was jedoch nur gelingen kann, wenn dieser diese auch sprachlich formulieren kann, also ein gewisses Maß an narrativer Kompetenz mitbringt, was aber nicht unbedingt immer gegeben sein muss (vgl. Treichel 2004, 74f., Barbarić 2014, 95).50Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.

In der Regel werden Sprachbiographien zunächst einzeln betrachtet, um die individuellen Deutungsmuster zu identifizieren. Später ist das Ziel allerdings einen Vergleich mit anderen Sprachbiographien herzustellen, um jene Muster zu erkennen, die über den speziellen Einzelfall hinausreichen, denn nur über ein „ausgedehntes Korpus an Daten“ kann deutlich werden, welche der versprachlichten Informationen und Formulierungsmuster für mehrere Sprecher gültig sind: So können im Idealfall – durch einen Abgleich mit immer mehr Erfahrungsberichten – alle möglichen Erlebensmuster offengelegt und Verallgemeinerungen festgestellt werden (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13). Laut Rosenthal, können somit nicht nur für Einzelpersonen gültige Erkenntnisse getroffen werden, sondern auch für Personen mit ähnlichen biographischen Konstitutionen – aus derselben Familie, Generation oder einem sozialen Umfeld – was durch die Identifizierung der „strukturbildenden Merkmale“ geschieht (vgl. Rosenthal 2015, 227).

Durch den Vergleich können neue Behauptungen aufgestellt werden, die dann mit der weiteren Erhebung von Sprachbiographien überprüft werden können, bis eine Art Sättigung der Theoriebildung eintritt und alle möglichen Arten menschlichen Empfindens identifiziert sind (vgl. Barbarić 2014, 103). Durch ihren überindividuellen Aussagegehalt können Sprachbiographien dann für sämtliche Forschungsüberlegungen hinsichtlich Mehrsprachigkeit und Sprachverwendung bahnbrechende Erkenntnisse liefern, die man bei  Modellbildungsversuchen nicht außer Acht lassen sollte (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 14).51Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23. 

Da eben auch die Entwicklung einer Sprache zur Erinnerungssprache mit einem gesellschaftlichen Prozess einhergeht, kann diese Methode auch für den hier untersuchten Sachverhalt gewinnbringend eingesetzt werden, zumal es sich beim Gaskognischen um eine Minderheitensprache handelt und sich seine Sprecher in einer Mehrsprachigkeitssituation befinden.

3. Methode

3.1. Methodologische Vorüberlegungen 

Ausgehend von dem Untersuchungsziel, das Gaskognische auf eine Anwendbarkeit des Konzepts der Erinnerungssprache hin zu untersuchen, sollten zunächst Sprecher des Gaskognischen gefunden werden, mithilfe derer evaluiert werden sollte, wie vital dieses Idiom tatsächlich noch ist:

Das Konzept der Erinnerungssprache geht davon aus, dass die Sprachkompetenz der Sprecher abnimmt, sie das Idiom aber gleichzeitig hoch bewerten und als sehr schützenswert empfinden (vgl. Stellino 2010, 85). Neben einer Ermittlung der individuellen Fertigkeiten in der Sprache, galt es also auch zu ermitteln, mit welchen affektiven Bewertungen die Sprecher das Gaskognische charakterisieren und welchen Stellenwert das Idiom für sie einnimmt. Abgesehen davon soll auch ihre Bewertung der Zukunft der Minderheitensprache eine Rolle spielen, um festzustellen, ob sich das Gaskognische bereits auf dem Weg zum sprachlichen Relikt befindet oder ob es noch Zukunftsaussichten in anderen vitaleren Funktionen hat, die über eine Funktion als Erinnerungssprache hinausgehen.52Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird. Abschließend sollen diese Komponenten in Bezug zueinander gesetzt und die Frage nach einer etwaigen Entwicklung des Gaskognischen in Richtung Erinnerungssprache oder Erinnerungsdialekt beantwortet werden beziehungsweise ein Ausblick auf eine mögliche Entwicklung gegeben werden.

Da diese Fragestellung, in Bezug auf das Gaskognische, so noch nicht beleuchtet wurde, wurde eine eigene Untersuchung in Form einer persönlichen Befragung für angemessen gehalten. Da die persönliche Beziehung des Sprechers zu seiner Sprache im Konzept des Erinnerungsdialekts im Vordergrund steht, wurde zudem ein qualitatives Vorgehen in Erwägung gezogen und sich für eine Datenerhebung mittels Sprachbiographien entschieden, da qualitative Interviews insbesondere bei der Untersuchung gesellschaftlicher Phänomene und aufgrund ihrer „explorative[n]“ Natur bei der Prüfung von eben solchen „Forschungshypothesen“ äußerst geeignet sind (vgl. Diekmann 2014, 531f.).

Im Vordergrund steht bei dieser Art des Vorgehens die „Subjektperspektive“ der Befragten. Abgesehen davon soll möglichst viel „Offenheit“ hinsichtlich der Fragen und Antworten gegeben sein, um zu gewährleisten, dass Phänomene, die außerhalb des Fragerasters liegen, nicht außen vor bleiben und den Sprechern so auch Raum für Begründungen ihrer Antwort gegeben werden kann. Indem das Gespräch möglichst an gewöhnliche Gesprächssituationen angelehnt ist, soll Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern geschaffen werden, damit auf Seiten der Befragten Hemmschwellen herabgesetzt werden können, sodass „validere“ Antworten als jene der quantitativen Forschung, zu Tage treten könnten (vgl. Diekmann 2014, 531f.). Gerade hinsichtlich der Untersuchung biographischer Abläufe, gilt bei qualitativen Interviewmethoden die Technik des narrativen Interviews als geeignetste Variante.53Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs “eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt“: Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542. Obgleich diese Vorgehensweise vielversprechend gewesen wäre, so sind mit ihr aber doch Nachteile verbunden, die dazu hätten führen können, dass der Rahmen der Arbeit – insbesondere vor dem Hintergrund des zeitlich begrenzten Forschungsaufenthalts – gesprengt worden wäre: Eine äußerst zeitintensive Durchführung und eine noch zeitintensivere Nachbereitung, eine Transkription sämtlicher Gemütsregungen eingeschlossen, wäre notwendig gewesen (vgl. Diekmann 2014, 540-542).54Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544. Zudem hätte das Risiko bestanden, bei der Erhebung von Sprachbiographien in einem gänzlich offen strukturierten Interview, sehr unterschiedliche und schwer vergleichbare Daten zu erhalten, die in der ebenfalls begrenzten Bearbeitungszeit unter Umständen schwer auswertbar gewesen wären (vgl. Diekmann 2014, 543-545, Franceschini & Miecznikowski 2004, 7. Als weitere Problematik hätte sich die mangelnde „narrative Kompetenz“ der Befragten erweisen können, die nicht zwingend gegeben sein muss, sodass eine stimmige Strukturierung der Befragung unter Umständen nicht zu gewährleisten gewesen wäre (vgl. Barbarić 2014, 95). Das Verfahren musste daher hinsichtlich Strukturierung und Standardisierung an die besonderen Umstände der Untersuchung angepasst werden.

Da ein vollständig strukturiertes Interview im Widerspruch zu einer Orientierung an der Erhebungsmethode der Sprachbiographien und damit zum Untersuchungsziel gestanden hätte, wurde auf derart strikte Vorgaben verzichtet. Daher wurde die Entscheidung zugunsten einer Mischform aus offener und strukturierter Befragung getroffen. Diese wurde mithilfe der Technik des „problemzentrierte[n] Interview[s]“ durchgefürt (vgl. Diekmann 2014, 542f.). Denn in der Forschung wird auch immer wieder Folgendes betont:

Erst durch das Zusammenspiel unterschiedlicher qualitativer und quantitativer Methoden wird der Forscher oder die Forscherin in die Lage versetzt, ein verlässliches Gesamtbild eines sozialen Gegenstands zu erstellen (Diekmann 2014, 543).

Zu einer genauen Erfassung der außersprachlichen Variation beziehungsweise „sozialstatistischer Daten“ (vgl. Diekmann 2014, 252) wurden zunächst standardisierte Fragebögen ausgeteilt, die die interviewten Sprecher, vor dem Beginn einer Aufzeichnung des Interviews, ausfüllen sollten.55Siehe Anhang 3. Im Anschluss sollten in Interviewform offene Fragen, die die Interviewerin in Form eines Leitfadens bereit hielt, in immer der gleichen Reihenfolge gestellt werden, um eine gute Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten (vgl. Diekmann 2014, 542).56Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74. 

Als Vorüberlegung, vor Beginn des Interviews, war allerdings Folgendes wesentlich: Bei einem Interview handelt es sich immer um eine „künstliche, asymmetrische Interaktion unter Fremden mit der stillschweigenden Vereinbarung, dass keine dauerhafte Beziehung eingegangen wird“. In der Regel bleiben die gemachten Aussagen für den untersuchten Part also ohne Konsequenzen (vgl. Diekmann 2014, 439). Um diesen Eindruck zu verstärken, wurde den Interviewpartnern vor der Befragung versichert, dass ihre Angaben vertraulich behandelt werden, da sie vor allem der Bereicherung des Forschungszwecks dienen werden. Sie wurden daher um eine Einverständniserklärung gebeten, dass das gesammelte Datenmaterial am Ende zu eben jenem Zweck verwendet werden darf.

Bei der Durchführung der – auf Diktiergerät aufgezeichneten – Befragung im Anschluss, wurde zudem versucht, sich an die „Maxime der neutralen Interviewtechnik“ zu halten,57De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466. soweit dies überhaupt gänzlich möglich ist,58Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der “Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal“ wäre, daher könne diese “nur relativ sein“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440. welche beinhaltet, dass die Antwortreaktionen weder positiv noch negativ durch den Fragensteller bewertet werden. Allerdings wurden auch sogenannte „‘weiche‘ Elemente“ in die Gesprächsführung einbezogen, die für eine qualitative Erhebungsmethode typisch sind und die dazu dienen eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen, indem etwa dosierte Zustimmungsreaktionen gegeben werden, sowie eine Erklärung der Fragen erfolgt, sofern es bei den Interviewten zu Verständnisproblemen kommt (vgl. Diekmann 2014, 440, 445). So konnten, obwohl es sich zwischen den beiden Gesprächspartnern um Unbekannte handelte, Hemmungen abgebaut werden, sodass es, auch bei den persönlichen Fragen, zu einem offenen Gespräch mit möglichst unverzerrten Antwortreaktionen kommen konnte. Durch die Kürze des Forschungsaufenthalts bedingt, hätte dies ansonsten durchaus problematisch werden können, da persönliche Informationen – wie die Lebensgeschichte und der individuelle Bezug zum Gaskognischen – eher ungern an Fremde weitergegeben werden.

Gleichwohl nimmt der Interviewer bei der Technik des problemzentrierten Interviews, aber auch einen aktiven Part ein (vgl. Diekmann 2014, 542f.). Es wurde jedoch auch darauf geachtet, den Befragten genug Platz zur Artikulation einzuräumen, sodass Fragen, die im Frageleitfaden erst später aufgeführt wurden, auch spontan früher beantwortet werden konnten.

Da Umfragen, ob qualitativer oder quantitativer Natur, grundsätzlich immer durch verschiedene Chancen und Risiken gekennzeichnet sind, ist es unabdingbar die Erhebungsbedingungen und das konkrete Vorgehen bei der Forschungsarbeit in den folgenden Kapiteln offen zu legen. Denn für eine korrekte Interpretation und Auswertung der Daten ist es zwingend notwendig von ihrer konkreten Herkunft und von der Art des Datenmaterials zu wissen. Zur Offenlegung dieser Umstände ist daher ein Maximum an Transparenz erforderlich (vgl. Barbarić 2014, 92). In den folgenden Unterkapiteln soll daher detaillierter auf die Bedingungen der Untersuchung eingegangen werden, um das konkrete Vorgehen so nachvollziehbar und transparent wie möglich zu machen.

3.2. Auswahl der Orte

Die Auswahl der Orte sollte aus pragmatischen Gründen erfolgen, aber auch dem Erkenntnisinteresse dienlich sein. Dementsprechend wurde die Stadt Bordeaux als Basis gewählt, da dort – aufgrund seiner Größe und der umfassenden Infrastruktur – auch Vereinsstrukturen vorhanden sind, die sich eignen, um Sprecher zu kontaktieren.

Wie eingangs bemerkt, sind in der Stadt sowohl der degré de gasconnité, als auch die Sprecherzahlen sehr niedrig (vgl. Massoure 2012, 32-36, 333). In den örtlichen Vereinsstrukturen sind jedoch auch Menschen aktiv, die im Zuge der starken Binnenmigrationsbewegungen im 20. Jahrhundert ihr ehemaliges Heimatumfeld verlassen haben (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 17). Somit konnten auch Eindrücke aus anderen Regionen im gaskognischen Sprachgebiet gewonnen werden, wenn auch häufig nur in Form von Erinnerungen der befragten Personen. Um außerdem noch einen authentischen Einblick in die aktuelle Lebenswelt von Gaskognischsprechern aus anderen Regionen des Sprachgebietes zu erhalten, wurde in der verfassten Kontaktemail auch angegeben, dass man neben Sprechern, die in Bordeaux und Umgebung ansässig sind, auch nach Personen suche, die aus den Landes, aus der Umgebung von Mont-de-Marsan, oder aus der Umgebung des Arcachonbeckens stammen.59Siehe Anhang 1. Als Grundüberlegung zählte hier, dass auch noch Personen aus Gebieten mit anderen Gaskognizitätsgraden für die Untersuchung gewonnen werden sollen. Die Gegend um das Arcachonbecken hat etwa einen degré de gasconnité von etwa 50%, die Umgebung um Mont-de-Marsan 80-90%, wohingegen Bordeaux‘ Grad stark unter 50% liegt (vgl. Massoure 2012, 34f.).

Personen aus der Region Midi-Pyrénées oder aus dem Val d’Aran in Spanien konnten in die Untersuchung nicht miteinbezogen werden, da dies aus zeitlichen und logistischen Gründen nicht möglich gewesen wäre.

3.3. Auswahl der Befragten

Da in der Untersuchung mit qualitativen Methoden gearbeitet wurde, wurde eine sehr viel geringere Zahl an Befragten ausgewählt, als dies bei quantitativen Methoden der Fall ist (vgl. Diekmann 2014, 532). Die Befragten wurden dabei primär nach dem Kriterium ausgewählt, dass diese, in irgendeiner Form, dem Gaskognischen mächtig sind.

Um diese zu finden, ist man als Interviewer auf zwei Motive der Befragten angewiesen, die diese überhaupt erst zu einer freiwilligen Teilnahme an der Studie bewegen, ohne dass diese durch positive, materielle Sanktionen honoriert wird: Ein Interesse am Untersuchungsgegenstand, der Wille die Untersuchung zu unterstützen und eine positive Sanktionierung zumindest dadurch, dass der Interviewer die persönliche Meinung bzw. in diesem Fall die persönliche Lebensgeschichte, die in irgendeiner Art und Weise durch das Gaskognische geprägt wurde und ist, als besonders interessant und bedeutsam empfindet, sodass dem Befragten dadurch Anerkennung zu Teil wird (vgl. Diekmann 2014, 441). Diese Anreize mussten geschaffen werden, indem durch eine Kontaktemail bereits im Vorfeld versucht wurde, das Interesse für die Arbeit und für eine mögliche Beteiligung der Sprecher zu wecken.

In diesem Teilnehmergesuch wurde dezidiert darauf hingewiesen, dass tatsächliche Sprecher des Gaskognischen – aus den in 2.2. erwähnten Gebieten – gesucht werden. Zudem wurde auf das Befragungsthema an sich hingewiesen: das Gaskognische und die gaskognische Identität, sowie das Verhältnis der Gaskognier zu ihrem Idiom. Auf die Tatsache, dass man sich bei der Untersuchung auf das Konzept der Erinnerungssprache konzentrieren wolle, wurde im Vorfeld nicht hingewiesen (vgl. Anhang 1 und Anhang 2).60Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.

Da es aufgrund des stark bedrohten Zustands der Sprache relativ schwierig ist, Sprecher zu finden, wurde zunächst versucht potentielle Beforschte über persönliche Kontakte zu finden, was allerdings nicht so recht gelang. Dies scheint nicht zuletzt der Tatsache geschuldet zu sein, dass die Sprecher, insbesondere die locuteurs naturels, in den meisten Fällen schon relativ alt sind. Eine Ausnahme stellte der Kontakt zu einer Okzitanischdozentin, CUB06_36f, an der Université Bordeaux Montaigne dar, die einem persönlichen Kontakt bekannt war. Doch auch hier musste noch Überzeugungsarbeit von Seiten der Kontaktperson geleistet werden, um eine Befragung möglich zu machen.

Die Kontaktaufnahme erfolgte hier und auch sonst per Email, wobei Emails an verschiedene, vor allem Bordelaiser, Vereine sowie an das IEO Aquitaine geschickt wurden. Auf eine Email, die an das gaskognistisch ausgerichtete IBG in Pau adressiert war, hat Letzteres nicht reagiert.61Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die – in ihren Augen falsche – okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98. Anfangs war die Resonanz nur sehr zaghaft und der Stein sollte erst ins Rollen kommen, als die association L’Estaca kontaktiert wurde, die die E-Mail an ihren Verteiler weiterleitete und es so potenziellen Interessenten ermöglichte, sich bei der Interviewerin zu melden, was aber immer noch etwas zögerlich geschah.62Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären. Erst vor Ort ergaben sich weitere Befragungsmöglichkeiten, die vor allem durch das Schneeballprinzip gewonnen werden konnten. Für die Durchführung der Befragung wurde ein 14-tägiger Forschungsaufenthalt im Zeitraum vom 23. März bis 7. April 2015 unternommen. Die Stadt Bordeaux fungierte als Basis für Fahrten nach La Teste-de-Buch im département Gironde und Sore in den Landes, da sich auch dort Sprecher für Interviews bereit erklärt hatten.

Grundsätzlich muss man sich natürlich immer klar machen, dass es bestimmte Motive sind, die einen Interviewten zur Teilnahme an einer solchen Untersuchung bewegen und daher handelte es sich bei den Befragten vorwiegend um Personen, die selbst ein Interesse an den Ergebnissen der Untersuchung hatten (vgl. Diekmann 2014, 441), was sich teilweise beruflich, aber auch durch das ehrenamtliche Engagement der Personen begründen ließ.63Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden. Daher handelte es sich bei den Befragten auch häufig um Mitglieder oder ehemalige Mitglieder von Vereinen zur Erhaltung des Gaskognischen, beziehungsweise des Okzitanischen, oder um Menschen, die beruflich mit dem Okzitanischen zu tun haben. Insbesondere Mitglieder der Vereine L’Estaca und Ostau Occitan beziehungsweise des IEO Aquitaine, das mit dem IEO Gironde übereinstimmt, waren zentral bei der Findung von möglichen Befragten.64Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.

Beim Verein L’Estaca handelt es sich um einen, vor allem aus Rentner zusammengesetzten Verein, der sich einmal wöchentlich trifft, um zusammen Gaskognisch, aber auch andere Varietäten des Okzitanischen zu sprechen. Außerdem wird in den Sitzungen auf Gaskognisch gesungen, wobei die Stücke auch zu besonderen Anlässen – wie Festen der Calandreta in Pessac, bei denen die Interviewerin auch selbst teilgenommen hatte – zur Aufführung gebracht werden. Von diesem Verein werden zudem auch traditionelle Tanzkurse angeboten.65Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016). Über deren Verteiler war dann nach weiteren Mitgliedern, beziehungsweise anderen interessanten Kontakten, gesucht worden. Hierüber kam es zur Kontaktaufnahme mit der Ostau Occitan, einer Nebenbezeichung des IEO Gironde beziehungsweise des IEO Aquitaine, dem lokalen okzitanistischen Institut d’Études Occitanes. Das IEO Gironde bietet selbst Okzitanischabendkurse, sowie eine Bibliothek an und veranstaltet einmal im Jahr das okzitanische Kulturfestival Le Mascaret.66Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016). Über den Verteiler wurde auch der Kontakt zu einer Initiatorin des Vereins Bruc e Brana hergestellt. Dieser Verein zielt darauf ab die Sprache in gesprochener Form für die Gemeindearchive zu erhalten. Dies geschieht in Form von zum Teil gefilmten Theateraufführungen und der Aufzeichnung von Geschichten in den verschiedenen Dialekten des Gaskognischen. Außerdem versucht er unter den Mitgliedern eine angenehme Vereinsatmosphäre zu schaffen. Über diese Kontaktperson konnte auch eine der Geschichtenerzählerinnen aus dem département der Landes für die Untersuchung gewonnen werden. Darüber hinaus  konnte über sie die Verbindung zu den ehemaligen Gründern der inzwischen geschlossenen Calandreta von La Teste-de-Buch hergestellt werden, die früher ebenfalls einen strikt gaskognistisch ausgerichteten Verein gegründet hatten und so die Untersuchung um eine gaskognistische Perspektive bereichern konnten. Außerdem wurde auch der chargé de misssion der Region Aquitaine für die ansässigen Minderheitensprachen und –kulturen,67Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen. CUB08_34m, befragt, sowie ein privat an der Untersuchung interessierter Anthropologieprofessor, CUB07_70m.

So konnten insgesamt 13 Befragte im Alter von 34 bis 80 Jahren gewonnen werden, wovon sieben männlich und sechs weiblich sind. Aufgrund der recht kleinen Anzahl von Sprechern allgemein und der hohen Präsenz von engagierten Sprechern im Besonderen, wurde im Laufe der Untersuchung immer wieder festgestellt, dass sich die Befragten im Grunde fast alle kannten.68Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.

Das sample der Untersuchung gestaltete sich folgendermaßen:

Tabelle 1: Das sample der Untersuchung
Das sample69Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
(La Teste-de-Buch/Communauté urbaine de Bordeaux/Sore, März-April 2015)
La Teste-de-Buch, Gironde Communauté urbaine de Bordeaux, Gironde Sore, Landes
LTB01_60m LTB02_60f CUB01_65m CUB02_72f CUB03_42m CUB04_67m CUB05_65m CUB06_36f CUB07_70m CUB08_34m CUB09_72f CUB10_44m S01_80f

3.4. Auswahl der Fragen

Die Auswahl der Fragen erfolgte in Hinblick auf die Fragestellung, die von Anfang an auf das Konzept der Erinnerungssprache abzielte. Abgesehen davon wurde bei den Vorüberlegungen der aktuelle Zustand des Gaskognischen berücksichtigt, sodass dementsprechend auch Fragen gestellt wurden, die möglicherweise die in den soziolinguistischen Arbeiten und Umfragen hervorgebrachten Erkenntnisse berücksichtigen, wenn auch nicht unbedingt bestätigen sollten. Vor dem Hintergrund, dass zur Durchführung der Untersuchung ein qualitativer Ansatz gewählt wurde, wurden also gerade solche Fragen in Erwägung gezogen, die ein individuelles Erleben des mehrsprachigen Alltags mit dem Gaskognischen in den Fokus stellen.

Des Weiteren hat sich als besondere Referenzquelle das Werk von Johann Fischer erwiesen, der in den frühen 1990er Jahren eine Vergleichsstudie zur Einstellung der jeweiligen Sprecher zum Okzitanischen beziehungsweise zum Rätoromanischen anhand von Fragebögen durchgeführt hatte.70Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62. Diese Untersuchung hatte sich auch auf affektive Einstellungen und Sprachkompetenzen der Sprecher konzentriert und somit ein ähnliches Forschungsziel verfolgt, wenn auch mit Fokus auf das gesamte okzitanische Sprachgebiet und somit nicht auf das Gaskognische im Speziellen.71Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246. Aus seinem Fragenkatalog mit rund 49 Fragen waren sowohl ein Teil für die sozialstatistische Datenerhebung in Fragebogenform, als auch 20 Fragen ausgewählt worden, die den Befragten mündlich gestellt wurden (vgl. Fischer 1993, 243-246).

Bei der Frageauswahl wurde, nicht zuletzt um einen spezifisch gaskognischen Blickwinkel zu erhalten, als Vergleichswert eine soziolinguistische Untersuchung von Fabrice Bernissan im Bigorre berücksichtigt und mit den Ergebnissen der von Johann Fischer durchgeführten Untersuchung verglichen, um auf mögliche Abweichungen aufmerksam zu werden, die es für einen Zugriff aus gaskognischer Perspektive braucht. Bernissan hatte allerdings nur Personen einer bestimmten Generation befragt, nämlich jene, die das Gaskognische noch als Muttersprache erworben hatten und sich dann entschieden hatten, es nicht an ihre Kinder weiterzugeben (vgl. Bernissan 2004, 73-75). Dieser Vergleich wurde gerade auch deshalb als vielversprechend betrachtet, da – unter Berücksichtigung der allgemeinen soziolinguistischen Daten zum Gaskognischen beziehungsweise Okzitanischen – davon ausgegangen musste, dass es sich bei den zu befragenden Personen vor allem um ältere Menschen handeln würde, die für eine Befragung überhaupt in Frage kämen. Dementsprechend wurde auch in den durchgeführten Interviews, ein Fokus auf die markanten Lebensabschnitte dieser Generation gelegt.

Die ausgewählten Fragen tragen außerdem dem, von der UNESCO im Jahr 2003 herausgegebenen, language vitality index Rechnung, wobei insbesondere jene Faktoren Berücksichtigung fanden, welche eine sprecherindividuelle Beantwortung ermöglichen. Daher wurden insbesondere die Faktoren 1, 5 und 8 bei der Auswahl der Fragen berücksichtigt: Das Weitergeben der Sprache an jüngere Generationen, der Sprachgebrauch, beziehungsweise der Kontext, indem die Sprache verwendet wird und die Einstellung der Sprecher zu der von ihnen gesprochenen Sprache. Außerdem wurde auch Faktor 7 insofern berücksichtigt, als nach der Wahrnehmung und Bewertung der französischen Sprachpolitik gefragt wurde (vgl. 2003, 17).

Bevor es zur eigentlichen Befragung kam, wurden mittels eines einseitigen Fragebogens die sozialstatistischen Daten der Befragten erfasst. Die Interviewten sollten an dieser Stelle Angaben zu sich selbst, ihren Eltern und ihrem Lebenspartner machen.72Siehe Anhang 3. Diese Angaben dienten der Interviewerin auch als Hilfe zum Stellen von Filterfragen, da nicht alle Fragen für alle Befragten zu beantworten waren.73Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.

Bei der Frageformulierung hatte man sich – wie bereits oben erwähnt – an bereits einschlägigen vorhandenen Untersuchungen hinsichtlich der Frageformulierung orientiert.74Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465. Diese beachteten bereits die Maximen, die Diekmann in seinem Grundlagenwerk betont und sollten daher den Effekt sozialer Erwünschtheit nicht noch zusätzlich fördern.75Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.Abgesehen davon wurden im Gegensatz zum Fragebogen von Johann Fischer vorgegebene, wählbare Antworten weggelassen, um weniger vorgefertigte Antworten zu erhalten.76Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten. Des Weiteren hatte man die Fragen mit leichter Abwandlung aus bereits vorgegebenen Themenblöcken entnommen und dem Interesse der Arbeit entsprechend neu angeordnet, wobei darauf geachtet wurde, ungewollte Kontexteffekte zu vermeiden. Die Themenblöcke gestalteten sich daher wie folgt:

Tabelle 2: Präsentation der ausgewählten Fragen in den entsprechenden Themenblöcken
1. Fragen zur Sprachkompetenz der Sprecher: Quand vous êtes entré/e à l’école, quelle langue saviez-vous parler? Quand et comment avez-vous appris le gascon? Avez-vous suivi des cours de gascon?
2. Fragen zum Gebrauch des Gaskognischen: Avec qui parlez-vous gascon?
3. Fragen zur Transmission des Gaskognischen: Parlez-vous gascon avec vos enfants? Quelle est la langue maternelle de vos enfants? Est-ce bon ou mauvais de parler gascon avec des enfants? Pourrait-il avoir des désavantages? Parlez-vous gascon avec vos petits-enfants?
4. Was ist das Gaskognische im Verhältnis zum Französischen? Par rapport au français, qu’est-ce que le gascon?
5. Frage zum kulturellen Wert des Gaskognischen: Le gascon a-t-il une culture propre?
6. Fragen zur Zukunftsperspektive des Gaskognischen: Le gascon disparaîtra-t-il? Le gascon, quelle importance a-t-il là où vous vivez? Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon? Faites-vous vous-même quelque chose pour sauver le gascon?
7. Fragen zu den Gründen des Festhaltens am Gaskognischen: Doit-on encore parler gascon? (Pourquoi?) Le gascon sera-t-il un avantage dans l’avenir?
 8. Fragen zur Bewertung der Sprachpolitik: Croyez-vous que le système politique favorise le gascon/ nuit au gascon? Que pensez-vous de l’enseignement du gascon/d’occitan dans les écoles?
 9.  Fragen zum affektiven Bezug der Sprecher zum Gaskognischen: Avez-vous plus plaisir à parler gascon ou à parler français?77Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245. Vous sentez-vous d’abord Français/e ou Gascon/ne?

Als Problem wurde erst während der Untersuchung – aufgrund eines fehlenden Pretests – erkannt, dass der Austausch des Begriffs occitan durch den Begriff gascon zum Teil als störend empfunden wurde. Gründe hierfür sind vermutlich darin zu sehen, dass ein Teil der Befragten ideologisch dem Okzitanismuskonzept verbunden ist und sich daher häufig dazu verpflichtet fühlte, sich für diese Sichtweise zu rechtfertigen.78Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10. Andere fühlten sich dadurch allerdings eher bestärkt oder ignorierten die Bezeichnung einfach völlig.

3.5. Verallgemeinerbarkeit

Die Verallgemeinbarkeit der gewonnenen Ergebnisse ist durch Probleme qualitativer Methoden allgemein eingeschränkt: Zum einen findet die Auswahl der Befragten dort in der Regel vorab nach bestimmten Kriterien statt, sodass Fälle, die nicht in diesen Regelkatalog passen, unter Umständen nicht erfasst werden können: die zugrundeliegende Forschungsfrage bestimmt also die Stichprobenauswahl (vgl. Diekmann 2014, 543).

Es handelt sich, wie oben vermerkt, um eine recht kleine Stichprobe, in einem bestimmten Milieu, mit einer bestimmten geographischen Reichweite, die durch die „Schneeballmethode“ gewonnen wurde: man hatte also bereits interviewte Informanten um weitere Kontakte gebeten (vgl. Diekmann 2014, 400).79Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.

In der Methodenforschung ist dieses Vorgehen, hinsichtlich seiner Produktivität beim Finden von möglichen Befragten in Minderheitensituationen, positiv hervorgehoben worden. Allerdings ist es als problematisch zu betrachten, dass mögliche weitere Kontakte von den vorherigen Kontakten – aufgrund ihrer Sympathie für diese – vorgeschlagen werden, wohingegen andere – für das Forschungsvorhaben möglicherweise auch gewinnbringende Meinungen liefernde – Personen nicht genannt und so in der Forschung nicht erfasst werden können. Wie man diese Personen überhaupt integrieren könnte, ist in der Forschung allerdings auch umstritten (vgl. Barbarić 2014, 103f.). Dadurch, dass die Kontakte von verschiedenen Kontaktpersonen vermittelt und aus unterschiedlichen Vereinen bezogen wurden, wurde dennoch versucht eine Variation an unterschiedlichen Sprechertypen zu erreichen.

Den Anspruch auf eine „theoretische Sättigung“, eine Erfassung aller möglicher Sprechertypen,80In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242. wie diese in der qualitativen Sozialforschung immer wieder benannt wird (vgl. Barbarić 2014, 103), konnte aber nicht erhoben werden: dazu ist die Stichprobe zu klein und die Bearbeitungszeit zu kurz. Durch die Kombination der verschiedenen Auswahlkriterien (Geographie, Alter, Geschlecht  usw.), die auch vor den, durch das Schneeballsystem gewonnenen, Kontakten als Auswahlkriterium formuliert wurden,81Siehe Anhang 2. wurde aber trotzdem versucht einer zu einseitigen Selektion von Beforschten entgegenzuwirken, um so eine breite Variation an möglichem Sprechererleben zu erreichen, die so insgesamt Aufschluss über das Erleben und Praktizieren der Sprache von Sprechern des Gaskognischen geben kann.

Als grundsätzlicher Beeinflussungsfaktor ist das Phänomen „going native“ in der Sozialforschung zu berücksichtigen (vgl. Lüdtke 2006, 1047),82Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten. vor dem auch die  Interviewerin nicht vollständig gefeit war. Durch ausreichenden zeitlichen Abstand und die Bewusstmachung dieses Phänomens wurde versucht damit verbundene Verzerrungen zu vermeiden.

In Bezug auf die Beantwortung der Fragen ist es selbstverständlich, dass es sich bei den erhobenen Sprachbiographien um „Interpretationen der eigenen Sprachentwicklung“ handelt. Es werden also nicht tatsächliche Fakten offengelegt, sondern „Erlebnisberichte“ abgegeben, die durch „Alltagstheorien“ und eigene Begründungen der Sprecher geprägt sind (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13). Bezüglich der Einschätzung der persönlichen Sprachkompetenz, handelt es sich um Autoevaluationen durch den Sprecher, die durch die Interviewerin – aufgrund ihrer fehlenden Gaskognischkenntnisse – nicht objektiv auf ihre Richtigkeit überprüft werden konnten und daher so hingenommen werden mussten. Durch einen Abgleich mit den anderen Angaben des Einzelsprechers, wurde aber dennoch versucht geschönte Antworten zu identifizieren und zu relativieren.

Wie bei rein quantitativen Befragungen, gelten auch bei qualitativen Interviews sowie bei Mischformen bestimmte Fehlerquellen, die es zu berücksichtigen gilt, da sie die Güte der gesammelten Angaben beeinträchtigt haben könnten. Je nach Erhebungssituation, den Persönlichkeitseigenschaften der Beforschten und  den Charakteristika des Messinstruments kann es zu Verfälschungen der Antwortreaktionen auf die gestellten Fragen kommen. In der qualitativen Sozialforschung wird in der Regel zwischen drei Arten von Merkmalen unterschieden, die sich negativ auf die Datenqualität auswirken können (vgl. Diekmann 2014, 447, 543f.).83Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.

Erstens gibt es „Befragtenmerkmale“, die die Untersuchung entscheidend beeinflussen können. Als Voraussetzung für eine Sprachbiographie gilt die narrative Kompetenz der Sprecher, die notwendig ist, um ausreichend gut auswertbares Datenmaterial zu erhalten (vgl. Barbarić 2014, 95). Da diese vorab als Einschränkung für das Forschungsvorhaben erkannt wurde, wurde ein Fragegerüst vorgegeben, um zumindest eine Beantwortung der für die Untersuchung wesentlichen Punkte zu gewährleisten.

Außerdem gibt es allgemeine Grundnormen, die die Befragten im Grunde immer einhalten sollten, die aber natürlich auch bewusst oder nicht bewusst, nicht beachtet werden könnten. Eine Grundvoraussetzung ist es etwa, dass die Sprecher die Norm berücksichtigen, nach der auf einen Frageimpuls auch eine wahrheitsgetreue Reaktion gegeben wird. Eine Garantie dafür, dass dies tatsächlich geschieht, gibt es selbstverständlich nicht. Wichtig ist es außerdem, dass Interviewer und Befragter „eine gemeinsame Sprache“ in dem Sinn sprechen sollten, als sie Frage und Antwort nicht nur auf der sprachlichen, sondern auch auf der inhaltlichen Ebene gleich verstehen. Eine wichtige Rolle spielt auch der Faktor „soziale Erwünschtheit“,84Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449. der den Befragten dazu bewegt, die Antwort zu geben, die scheinbar – aufgrund der gesellschaftlichen Vorerwartungen – von ihm erwartet wird. Damit möchte der Befragte entweder eine positive Reaktion des Interviewers erhalten, beziehungsweise eine negativ wertende Reaktion vermeiden. Diesem Drang versuchte man mit einer, zwar neutralen, aber dennoch durch „‘weiche‘ Elemente“ geprägten, Interviewführung vorzubeugen. Allerdings muss eine „verzerrte Antwort“ nicht unbedingt vom Beforschten als Lüge empfunden werden, da viele Fragen auch ihren „Gestaltungsraum“ zulassen. Entscheidend war in diesem Kontext auch, wie heikel eine Frage individuell eingeschätzt wurde, denn hier macht sich der Effekt sozialer Erwünschtheit ganz besonders bemerkbar (vgl. Diekmann 2014, 441-446, 448f.): gerade jene Befragte, die sich auch beruflich mit dem Gaskognischen – beziehungsweise mit dem Okzitanischen befassen – empfanden den Ausdruck gascon als heikel und fühlten sich so in einem Rechtfertigungszwang, in dem sie sich dazu angehalten fühlten, die von ihrer Institution vertretene Ansicht zum Ausdruck zu bringen.

Als wesentlicher Faktor kommt bei einem sprachbiographischen Interview auch die individuelle „Erinnerungsleistung“ des Beforschten, bei Fragen bezüglich vergangener Geschehnisse, hinzu (vgl. Diekmann 2014, 445), denn man erhält nun einmal persönliche Deutungen der Vergangenheit und keine – unmöglich zu erbringende – exakte verbale Rekonstruktion der vergangenen Lebenswelt (vgl. Barbarić 2014, 85f.). Die Erinnerungen sind wie jeglicher Versuch einer Rekonstruktion der Vergangenheit „psychologischen Gesetzmäßigkeiten aktiver Informationsverarbeitung“ ausgesetzt, wobei Menschen dazu neigen zurückliegende Ereignisse oder Prozesse in der Vergangenheit mit anderen – für sie relevanten Geschehnissen – zu verknüpfen, um so eine zeitliche Einordnung vornehmen zu können, die aber nicht unbedingt korrekt sein muss, da Erinnerung eben auch immer den Gesetzen der menschlichen Psyche unterliegt: Im Falle eines sprachbiographischen Interviews äußert sich diese Tendenz durch das Erzählen von anderen – für die Biographie des Individuums relevanten Erlebnissen (vgl. Diekmann 2014, 445f.) – sodass die Erzählung gegebenenfalls sehr ausführlich ausfallen konnte, bis die für die Untersuchung relevanten Informationen preisgegeben wurden (vgl. Diekmann 2014, 544).

Als zweiter großer Beeinflussungsfaktor werden zudem Fragemerkmale relevant. Darunter lassen sich etwa Effekte der Frageformulierung fassen, denn in der qualitativen Sozialforschung ist man sich einig, dass bereits „logisch äquivalente Begriffe“ andere Antwortreaktionen hervorrufen können (vgl. Diekmann 2014, 458-464). Dort wo solche aufgetreten waren, wurden diese allerdings bei der Interpretation identifiziert, sodass sich dadurch entstandene Irritationen nicht auf die Daten auswirken konnten.85Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse. Auch etwaige Fragereiheneffekte, wie der „Halo-Effekt“ (vgl. Diekmann 2014, 464-466), wurden – sofern solche überhaupt aufgetreten waren – bei der Interpretation der Daten berücksichtigt.

Als letzten Merkmalskomplex, der zu einer Beeinflussung der Antworten hätten führen können, sind die Eigenschaften der Interviewerin sowie der Erhebungssituation zu nennen (vgl. Diekmann 2014, 447). Da „Interviewermerkmale ohnehin nur dann eine besondere Bedeutung [erlangen], wenn sie sich aufgrund ihrer Verschränkung mit der Forschungsfrage manipulativ auf das Antwortverhalten auswirken“ (vgl. Barbarić 2014, 93), kann diesbezüglich keine größere Beeinträchtigung angenommen werden. Auffallend war jedoch, dass mit der weiblichen, leger gekleideten, deutlich bis entschieden jüngeren und muttersprachlich deutschen Interviewerin, gemäß dieser Eigenschaften umgegangen wurde. Im Gespräch wurden daher immer wieder Bezüge zur deutschen Herkunft der Interviewerin – beispielsweise durch ein Eingehen auf den 2. Weltkrieg – hergestellt. Aufgrund der anderen Herkunft, sowie des jungen Alters – was die Interviewerin theoretisch in die Nähe von Töchtern und Enkelinnen der Befragten rückte – fühlten sich einige der Beforschten auch dazu veranlasst Hintergründe, etwa historischer Natur, ausführlicher darzustellen – auch wenn diese in dieser Form so nicht gefragt worden waren. Allerdings scheint sich die Herstellung eines solchen Bezugs nicht unbedingt negativ auf die Daten ausgewirkt zu haben, da aufgrund der dadurch hergestellten Vertrautheit die Erzählbereitschaft scheinbar sogar gefördert werden konnte. Da die Muttersprache von Befragten und Forscherin ebenfalls nicht dieselbe war, wurde diesbezüglich Rücksicht aufseiten der Befragten genommen. Auffallend oft wurde zudem von den Befragten die Frage gestellt, warum sich die Interviewerin denn überhaupt für den Forschungsgestand interessiere, wenn sie doch nicht aus demselben kulturellen Umfeld stamme.86Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4. Das Interesse wurde allerdings weitestgehend sehr positiv aufgenommen und war überwiegend gesprächsfördernd wahrgenommen worden. Lediglich einmal – vom directeur des IEO Gironde und Aquitaine, CUB10_44m – war das Interesse an der Thematik sehr argwöhnisch in Frage gestellt worden – gerade auch weil es sich dezidiert um eine Arbeit über das Gaskognische handelte: Er vermutete dahinter offensichtlich einen politischen Hintergrund und konnte erst nach einem halbstündigen Gespräch mit der Interviewerin – ohne Diktiergerät – von der politischen Neutralität überzeugt werden. Hier war es daher notwendig gewesen das genaue Forschungsinteresse zu nennen, was sich auf die Präsentation seiner Antworten auswirken konnte, indem er immer wieder dementierte ein Sprachbewahrer zu sein.87Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m. Dieser Umstand war bei der Interpretation des Datenmaterials jedoch berücksichtigt worden.

Außerdem kann sich auch die konkrete Erhebungssituation auf die Qualität der gewonnenen Daten auswirken (vgl. Diekmann 2014, 468): Die Interviews wurden alle auf Französisch durchgeführt, was aber allen Beteiligten entgegenkam, da die Interviewerin selbst nicht Gaskognisch spricht und es sich beim Französischen ohnehin bei fast allen Befragten um die eigentliche Muttersprache handelte. Was die konkrete Erhebungssituation betrifft, so fanden die Interviews teilweise bei den Befragten zuhause, aber auch in den Vereinsräumlichkeiten, beziehungsweise am Arbeitsplatz der Befragten statt. Gerade bei jenen Personen, die in ihrem Arbeitsumfeld, das in allen drei Fällen direkt mit der Minderheitensprache zu tun hatte, interviewt worden waren, wurde die Tendenz festgestellt, dass, aus ihrer Sicht, kritischen Fragen,88Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4. besonders vehement ausgewichen worden war. Allgemein hatte sich außerdem der Umstand, dass die Befragung in Form eines face-to-face-Interviews abgelaufen war, insofern auf die Daten ausgewirkt, als es sich bei einem solchen, um einen „starken Eingriff in die Lebenswelt des Sprechers“ handelt (vgl. Barbarić 2014, 94) und so viele Befragte das Gefühl gehabt haben mussten, aufgrund der weiten Anreise der Fragenstellerin besonders weit ausholen zu müssen. Eine weitere Beeinflussungsquelle stellt zudem die „Anwesenheit Dritter“ dar, da Befragte hier erwiesenermaßen eher dazu neigen Antworten zu geben, die den Ansichten der dritten Person entsprechen (vgl. Diekmann 2014, 468). Eine dritte Person war im Laufe der Erhebung dreimal anwesend89Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f. und so war auch dieser Umstand bei der Interpretation des vorliegenden Datenmaterials im Hinterkopf behalten worden.

Abschließend bleibt anzumerken, dass man sich in der qualitativen Sozialforschung durchaus über den Umstand gewahr ist, dass das Kriterium der Durchführungsobjektivität nicht immer gegeben ist: Denn auch qualitative, problemzentrierte Interviews führen nicht immer zu eindeutigen Interpretationen. Wie bereits zu Beginn des Methodenteils angemerkt, ist der „Prozess der Datengewinnung“ als Vorteil von qualitativen Herangehensweisen zu sehen. Um aber eine Vergleichbarkeit des Datenmaterials zu gewährleisten, empfiehlt Diekmann, sich auch quantitativer Vorgehensweisen bei der Auswertung zu bedienen (vgl. Diekmann 2014, 545-547), was hier in Form eines Fragegerüsts auch geschehen ist, denn laut Diekmann sei es folgendermaßen: „Die Vorzüge qualitativer Erhebungs- und quantitativer Analysemethoden lassen sich mithin durchaus verbinden“ (vgl. Diekmann 2014, 546).

Außerdem hatte es sich bei der Auswertung der Daten zudem als hilfreich erwiesen, Diagramme mit groben Meinungstendenzen der Befragten anzufertigen, um eine leichtere Vergleichbarkeit der Meinungen miteinander zu gewährleisten.

3.6. Zugrunde liegendes Transkriptionsprinzip

Um die gewonnenen Daten für eine sprachwissenschaftliche Untersuchung nutzbar machen zu können, ist es von immenser Bedeutung die Aufnahmen zu transkribieren, die Daten also in ein anderes Medium zu überführen. Dabei sollte sich allerdings immer Folgendes vor Augen gehalten werden: Eine „Übertragungsleistung ist immer eine Reduktion.“ (Gerstenberg 2013, 114). Dementsprechend war es wichtig sich, vor dem Hintergrund der gewählten Fragestellung, sinnvolle Transkriptionsprinzipien zu überlegen und diese dann auch transparent für den Leser darzulegen.

Da es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine soziolinguistische Untersuchung handelt, die sich weniger mit phonetischen Merkmalen, als mit den inhaltlichen Aussagen der Befragten beschäftigt, wurde auf eine phonetische Transkription verzichtet.90Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden. 

Um den Fokus vor allem auf den Inhalt des Gesagten zu lenken, wurde – sich an anderen sprachbiograpischen Arbeiten orientierend – eine Art und Weise der Transkription gewählt, die im Vergleich zu konversationsanalytischen Arbeiten vereinfacht ist. Jedoch wurde dennoch darauf geachtet, die „Formulierungsarbeit“ der Befragten möglichst nachvollziehbar zu machen, da diese, gerade in Hinblick auf die geleistete Erinnerungsarbeit und die Autoevaluation der eigenen Identität, durchaus eine wichtige Rolle für die spätere Interpretation des Gesagten spielt. Daher wurden die entsprechenden Elemente im Gesprächsverlaufs hervorgehoben (vgl. Gerstenberg 2013, 116f., Miecznikowski 2004, 191).

Die angewandten Transkriptionskonventionen sind dementsprechend die Folgenden:

Tabelle 3: Transkriptionskonventionen
 – Pausen
(.), (..), (…) längere Pausen (je nach Länge Erweiterung um einen Punkt)
(h) Lachen
(x) unverständliches Wort
[ ] nützliche Erklärungen
Großbuchstabe auffällig betont
() abgebrochenes Wort, mit eventueller Ergänzung des möglichen Wortendes

4. Untersuchungsergebnisse

4.1. Auswertung der Papierfragebögen: außersprachliche Variation91Vgl.: Anhang 3.

Von den dreizehn Befragten, die allesamt Sprecher des Gaskognischen sind, waren sieben männlich und sechs weiblich, sodass man von einem relativ ausgewogenen Geschlechterverhältnis sprechen kann.

Den aktuellsten Umfrageergebnissen der région Aquitaine von 2008 entsprechend (vgl. 2009, 8), waren auch bei der hier durchgeführten Untersuchung die meisten Befragten 60 Jahre alt oder älter: neun der Befragten waren zwischen 60-80 Jahre alt, wohingegen die vier jüngeren Befragten 34-44 Jahre alt waren. Letztere Altersgruppe kam in der regionsweiten Umfrage auf lediglich 14% (vgl. 2009, 8), sodass diese in der vorliegenden Untersuchung mehr als doppelt so stark vertreten war.

Abbildung 4: Aktuelle Wohnorte der Befragten

Die Interviews waren alle im näheren Umkreis der Metropolregion Bordeaux geführt worden. Laut Umfragen der Region sind in Gemeinden mit mehr als 30000 Einwohner allerdings nur 12% des Gaskognischen mächtig. Erschwerend kommt hinzu, dass im département Gironde – der die Hauptstadt Bordeaux, der damals noch bestehenden Region Aquitaine, beinhaltet – nur 3% der ansässigen Bevölkerung das Idiom sprechen (vgl. 2009, 7f.). Umso auffälliger ist es daher, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Befragten ursprünglich nicht aus diesem département stammt: Aus der communauté urbaine de Bordeaux, welcher die Großstadt Bordeaux und 27 Vorstädte angehören, stammen lediglich drei der Befragten,92Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m. zwei weitere Personen stammen aus den ländlichen Regionen der Gironde, dem Médoc (CUB09_72f) und aus Libourne (CUB06_36f). Der Rest der neun aktuell in der Metropolregion lebenden Beforschten stammt aus dem Béarn im département Pyrénées-Atlantiques (CUB01_65m, CUB05_65f), aus der limousinischsprachigen Gegend um Périgueux im département Dordogne (CUB04_67m) und aus Mont-de-Marson im département Landes (CUB10_44m). Ein weiterer Sprecher, CUB07_70m, lebte lange in Bordeaux, kam aber ursprünglich aus dem ländlichen Raum der Landes und lebt dort auch seit der Rente wieder. Das Interview fand allerdings nicht am neuen Wohnort Garein, sondern in Bordeaux statt. Wegen seiner langjährigen Prägung durch das Stadtleben, wurde  er in der Untersuchung zur CUB gezählt. Ansonsten wurden drei der Beforschten an ihrem Wohnort, außerhalb der Hauptstadt der Region, befragt: ein aus der Umgebung des Arcachonbeckens stammendes und nach wie vor dort lebendes Paar (LTB01_60m, LTB02_60f) sowie eine Befragte aus Sore, das sich in den Landes befindet (S01_80f). Somit stammen mehr als zwei Drittel der Befragten eigentlich aus dem ländlichen Raum und aus insgesamt vier verschiedenen aquitanischen départements,93Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7. auch wenn neun der dreizehn Befragten aktuell in der Metropolregion leben.

Abbildung 5: Geburtsorte der Befragten

Was die soziale Herkunft betrifft, so fällt auf, dass die Muttersprachler vorwiegend aus dem ruralen, bäuerlichen Milieu stammen.94Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f. Bei Sprechern, die sich die Sprache selbst angeeignet oder diese nur bruchstückhaft im Elternhaus erworben hatten, kamen zwei aus einem maritimen, von der Austernzucht geprägten Milieu,95Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f. eine aus dem ländlichen Raum,96Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f. vier aus Arbeiter- oder Angestelltenfamilien,97Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f. zwei aus Lehrerfamilien98Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m. und einer aus einer „famille de Bourgeois“.99Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.

Die Interviewten gehören ihrem ehemaligen Herkunftsmilieu in der Regel nicht mehr an, was im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tatsache zu stehen scheint, dass viele der Befragten zur Ausübung ihres Berufes in die Umgebung von Bordeaux gezogen sind. Bis auf eine Befragte, S01_80f, die gelernte Bäckerin ist und damit während ihrer beruflichen Karriere Handwerkerin war, handelt es sich hauptsächlich um Akademiker. Auffallend viele von ihnen und damit etwa die Hälfte aller Befragten sind oder waren Lehrer: Es waren zwei Grundschullehrer (CUB01_65m, CUB02_72f) eine Lehrerin für die Sekundarstufe (LTB02_60f), zwei Hochschullehrer (CUB06_36f, CUB07_70m) und ein Lehrer, der Abendsprachkurse gibt und gleichzeitig directeur des IEO Aquitaine ist (CUB10_44m), interviewt worden.100Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44. Der Rest arbeitet oder arbeitete in hohen Verwaltungspositionen (CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB09_72f), die ebenfalls ein Studium erfordern bzw. ist in kreativen oder kulturellen Berufen tätig: Ein Befragter ist Musiker (LTB01_60m), ein anderer  Interviewter Beauftragter für die langues et cultures régionales der Region Aquitaine (CUB08_34m). Diese recht homogene sozioprofessionelle Struktur lässt sich vermutlich durch das angewandte Schneeballprinzip erklären. Man muss sich daher bewusst sein, dass mit dieser Personengruppe ein recht spezifisches Milieu untersucht wird, das in dieser Hinsicht nicht unbedingt die Mehrheitsverhältnisse aus den von der Region durchgeführten Umfragen abbildet.101Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.

Überdurchschnittlich viele der Befragten sind im Vereinsmilieu aktiv, das sich explizit dem Erhalt der gaskognischen Sprache und Kultur verschrieben hat.102Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n. Auch dies ist relativ untypisch für den gemeinen Gaskonophonen: Nur 1,3% der Bevölkerung der Aquitaine sprechen im Rahmen von Vereinen Gaskognisch, bei Festen und ähnlichen Veranstaltungen sind es 3,4% (vgl. 2009, 9).1039% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.

Da die Okzitanismusbewegung insbesondere von Akademikern getragen wird, überrascht es auch nicht, dass neun von 13 Personen dieser Bewegung sehr wohlgesonnen, beziehungsweise ein Teil von ihr, sind,104Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m. wohingegen zwei der Beforschten sich eher der gaskognistischen Sicht verbunden fühlen.105Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f. Die restlichen zwei Befragten haben einen neutraleren Blickwinkel auf die kulturellen und politischen Ereignisse, die sich um die langue régionale drehen.106Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.

4.2. Sprachkenntnisse 

Um sich zunächst ein Bild von den Spracherwerbsbedingungen und etwaigen Sprachkenntnissen der Befragten machen zu können, wurden den Befragten drei Fragen gestellt: Zum einen wurde explizit gefragt, welche Sprache beziehungsweise Sprachen sie gesprochen hatten, als sie das schulfähige Alter erreicht hatten. Im Anschluss daran folgte eine Frage zum Erwerbszeitpunkt sowie zu den Erwerbsbedingungen des Gaskognischen und schließlich die Frage, ob die Untersuchten zum Erlernen bzw. zur Vertiefung der Sprachkenntnisse Sprachkurse besucht hatten. Um den Bezug der Sprecher zu ihrer Sprache besser begreifen zu können, wurde zudem bei jenen, die sich das Gaskognische erst später angeeignet hatten, nachgefragt, warum sie sich für die Aneignung dieses Idioms entschieden hatten.107Vgl. Anhang 4a-4c.

Drei der Befragten hatten das Gaskognische tatsächlich zur Muttersprache, sodass sie im Folgenden als L1-Sprecher bezeichnet werden können. Gemeinsam ist diesen drei Personen, dass sie allesamt aus dem ländlichen Milieu stammen und das Gaskognische die Sprache der ganzen Familie und des Herkunftsortes war. Mit dem Französischen hatten sie alle schon vorher Kontakt, wenn auch nicht sonderlich viel (vgl. Anhang 4a). Was die Erfahrungen in der Schule mit dem Gaskognischen betrifft, so spricht CUB01_65m von keinerlei negativen Erfahrungen, er sagt aber auch:

Non – j’ai eu la chance que le – l’instituteur à ma petite école parlait un petit peu gascon – il était même bien intégré dans la commune bien qu’il n’y vivait pas – il vivait à [Angabe des genauen Wohnorts] mais sans souci d’intégration […] – à tout le monde – il disait – il parlait un peu en gascon et nous – nous apprenait des chants en gascon – il nous apprenait pas la langue mais il nous apprenait les chants (vgl. CUB01_65m, Anhang 4a).

Ihm scheint also doch klar zu sein, dass es sich dabei nicht um einen selbstverständlichen Umstand handelte.

Ganz anders erging es CUB05_65f, deren Eltern aufgrund eigener negativer Erfahrungen in der Schule darauf beharrten, dass ihre Kinder nur zuhause Gaskognisch, in der Schule aber Französisch sprechen sollten. Die Begründung des Vaters war folgende:

c’est mauvais pour les études – l’école tout ça – donc on fait des – si on peut pas parler des choses par leur mot – comme il faut on peut faire des contresens – faire plein de choses – ‘fin bon – c’était – c’était la justification de mon père (vgl. CUB05_65f, Anhang 4a).

Außerdem betonte sie auch, dass es von Seiten der Schule nicht positiv bewertet wurde, dass die Kinder eine andere Muttersprache hatten. Die Lehrer hatten daher teilweise mit drastischen Maßnahmen auf den Gebrauch des Gaskognischen reagiert:

si l’instit’ – la maîtresse voyait – entendait qu’avec mes frères et mes sœurs on parlait gascon – elle me punissait et c’était pas – c’était pas – et on passait un peu – comme on venait d’un hameau – on passait pour des gens (.) un peu – pas arriérés– mais bon – enfin pas modernes quoi (vgl. CUB05_65f, Anhang 4a).

S01_80f gab dagegen an, sich nicht mehr an ihren Eintritt in die Schule zu erinnern und sagt: „j’ai dû apprendre le français très vite finalement“ (vgl. S01_80f, Anhang 4a). Auf die Frage, ob sie Gaskognischsprachkurse besucht habe, entgegnet dieselbe Sprecherin:

Non – non – non – non – j’ai pas suivi des cours – non – j’ai pas suivi des cours – c’est l’occitan en ce moment-là – les cours – on apprend pas le patois – c’est autre chose (vgl. S01_80f, Anhang 4c).

Die anderen beiden sind dagegen Mitglieder in der association L’Estaca in Pessac, wo sie sich regelmäßig mit der Grammatik und korrekten Schreibweise ihres parler auseinandersetzen, aber auch andere Varietäten des Gaskognischen erlernen.108Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet. Die Befragte CUB05_65f betont aber etwa, dass sich dieses besondere Engagement für das Gaskognische erst wieder seit ihrer Rente eingestellt habe, sonst hätte sie in ihrem Alltag als Berufstätige und Mutter andere Prioritäten gehabt (vgl. CUB05_65f, Anhang 4c, 4e).

Was die anderen Befragten anbelangt, so lässt sich unter diesen eine weitere Aufteilung vornehmen: Prototypisch wäre eine solche in L2A- und L2B-Sprecher möglich, wobei L2A-Sprecher die Kinder der L1-Sprecher-Generation wären. In der Regel waren diesen zumindest passive Sprachkenntnisse vermittelt worden. Später hatten sie dann selbst den Drang dazu verspürt, sich durch Unterricht die Sprache der Eltern anzueignen. L2B-Sprecher sind Sprecher ohne einen wirklichen Bezug zur betroffenen Sprache (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986f.). Strenggenommen war unter den Befragten, kein einziger L2A-Sprecher. Jedoch soll dennoch eine Trennung zwischen jenen vorgenommen werden, die dennoch in irgendeiner Form familiäre Bezüge zum Gaskognischen haben und hatten und denen, bei denen dies gar nicht der Fall ist. Ein solcher Bezug kann durch andere Familienmitglieder, die L1-Sprecher sind oder waren, oder auch eine indirekte Beziehung zum Gaskognischen, die über den Umstand gegeben ist, dass in der Familie des Befragten eine Art francitan gesprochen worden war bzw. immer noch wird, bestehen.109 Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982. Die Entscheidung für eine solche Unterscheidung liegt darin begründet, dass sich nach genauerer Auswertung der Interviews die Vermutung ergab, dass durch einen persönlichen und/oder familiären Bezug eine sentimentale Beziehung zum Gaskognischen aufgebaut werden konnte, die einen besonderen Antrieb zur Aneignung des Idioms gegeben zu haben scheint.

In eine solche Zwischenkategorie lässt sich etwa die, aus La Teste-de-Buch stammende, Befragte, LTB02_60f, einordnen. Sie nannte bei ihrer Muttersprache zwar das Französische, sagte aber in ihren weiteren Ausführungen: „il y avait beaucoup de choses que je ne savais pas dire en français – du vocabulaire que je connaissais pas“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a). Auf eine gezieltere Nachfrage hin, ob die Eltern dann nicht doch Gaskognisch gesprochen hätten, antwortete sie: „Oui, enfin, c’était un gascon francisé“, es scheint sich also um eine Form des von Roux-Châteaureynaud beschriebenen francitan gehandelt zu haben (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982). Das Gaskognische als solches hatte in ihrem Ort keinen positiven Status besessen:

ils disaient que c’était du patois – il fallait pas le parler parce que c’était pas une langue – c’était une espèce de truc – ‘fin – c’était pas bien quoi – c’était pas convenable de parler ça – donc voilà – on l’entendait – on entendait bien qu’il y avait des gens qui parlaient ça – des gens partout – mais nous – les enfants – il fallait pas qu’on parle comme ça – c’était pas bien (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a).

In den weiteren Ausführungen wurde zudem klar, dass sie, im Laufe ihrer Kindheit und Jugend, zahlreiche Negativerfahrungen wegen ihres vermeintlich schlechten Französisch gemacht hatte:

à l’école ça passait pas – ce qu’on disait quoi – ça n’allait pas – ça – n’était pas du français – c’était pas du français – on parlait avec des mots gascons francisés (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a).

Abgesehen davon hatte sie als Kind eine Babysitterin gehabt, die das Gaskognische muttersprachlich gesprochen hatte, weshalb sie die Sprache regelmäßig hören konnte. LTB02_60f gibt deshalb an, dass sie das Gaskognische als Kind auch verstanden hätte: „C’était intégré dans ma tête – ça m’est venu très vite quand j’ai voulu“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a). Sie erlernte das Gaskognische dann schließlich in ihren frühen Zwanzigern in einem Kurs, den ihr jetziger Mann gab. Sie betonte, dass ihr das Erlernen aber sehr leicht gefallen wäre, da der Grundstock durch ihre Vorkenntnisse schon gegeben gewesen sei. In ihren Ausführungen merkte sie zum Gaskognischen sogar an: „on possédait pas sa langue vraiment – ce qui était mon cas – je le savais bien qu’elle existait“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4b). Auf affektiver Ebene scheint sie das Gaskognische also sogar als ihre eigentliche Muttersprache zu betrachten. Aufgrund der Tatsache, dass sie später ihre Kenntnisse im Selbststudium noch weiter ausbaute und dann als Mitgründerin der Calandreta von La Teste-de-Buch unterrichtete, ist von guten Sprachkenntnissen bei der Befragten auszugehen.

Auch die aus den „quartiers populaires“ Bordeaux‘ stammende CUB02_72f (vgl. CUB02_72f, Anhang 4a) ist in eine solche Zwischenkategorie einzuordnen: Als Muttersprache gibt sie ebenfalls das Französische an, spricht aber später davon, dass sie in Kindheit und Jugendjahren das sogenannte bordeluche gesprochen hatte und nach wie vor „un accent du Sud-Ouest“ besitze:

on utilisait carrément dans la conversation française beaucoup de mots plus ou moins déformés qui arrivaient directement du gascon et puis mon père s’exprimait beaucoup – beaucoup comme ça et avec des expressions et puis j’ai fréquenté quand même des cousines à la campagne – et voilà – ce qui m’a plu (vgl. CUB02_72f, Anhang 4b).

Die Vorwürfe, die ihr deshalb außerhalb der Region gemacht wurden, als sie beruflich wegziehen musste, hatten sie dazu bewogen, sich nach ihrer Rückkehr intensiv dem Erlernen des Gaskognischen zu widmen.110Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b. Aus dem letzten Zitat wird aber auch ersichtlich, dass sie mit dem Gaskognischen in ihrer Kindheit und Jugend nichts Negatives verbunden hatte. Bei genauerem Nachfragen hatte sie angegeben, dass es sich bei den Sprachkompetenzen des Vaters um keine guten gehandelt hätte. Auf dem Fragebogen schrieb sie auch, dass er „pas couramment“ gesprochen habe (vgl. CUB02_72f, Anhang 3). Von mütterlicher Seite hätte sie es aber von den Urgroßeltern aus dem Quercy gelernt. Sie fing vor allem ab dem Jugendalter an es mehr und mehr, damals noch ohne die Hilfe von Sprachkurse zu beherrschen, da sie es mit ihren oben genannten Cousinen sprach. Sie besuchte später Sprachkurse, sodass auch sie an der Calandreta von La Teste-de-Buch unterrichten konnte. Auch bei ihr ist daher von einem höheren Sprachniveau auszugehen.

Neben dieser explizit familiären Überlieferung des Gaskognischen auf die eine oder andere Art und Weise, gab es auch Befragte, die das Idiom über ihr unmittelbares Umfeld, also die Nachbarschaft oder „‚anciens‘ du village“ bzw. Freunde und Bekanntschaften gelernt hatten.111Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13. Dies betraf bei der durchgeführten Umfrage zwei Personen. Auf die gesamte Region gesehen, ging man von 15% unter den Sprechern aus, die ihr Idiom so erlernt hatten (vgl. 2009, 13).

Auch der aus dem département Landes stammende CUB07_70m, der das Gaskognische erst später erlernte, kann auf erste Begnungen mit dem Gaskognischen in seiner Kindheit zurückblicken. Diese haben das Erlernen des Idioms begünstigt. Im Elternhaus hatte auch er eine Art francitan gehört, was er aber ebenfalls nicht als solches bezeichnete:

il y avait des choses qu’ils disaient en gascon mais c’étaient toujours des espèces de citations – alors parce que le mot n’existait pas en français ou l’expression parce que c’était pittoresque. [Beispiele] C’était quand même un mélange des langues – non seulement dans les mots mais la syntaxe – une valorisation de certaines formes dans la syntaxe y compris une valorisation de certaines formes de syntaxe gasconne (vgl. CUB07_70m, Anhang 4a).

Entgegen der in der okzitanistisch geprägten Forschungsliteratur stetig wiederholten Ansicht, dass das Gaskognische in seiner Generation nicht gewürdigt worden wäre (vgl. Milhé 2010, 14), berichtet er von folgender Kindheitserinnerung:

À l’école – on nous faisait chanter en gascon [Präzisierung] Nous avons commencé par lire le texte et il y avait des expressions dont je me souviens encore […] et moi j’avais pas compris – j’étais vexé comme tout – je connaissais pas le terme et j’étais vexé – on dit toujours l’inverse – qu’on a honte de parler gascon – moi – je suis convaincu du contraire – c’était – ‘fin chez moi – ‘fin dans l’école chez moi – c’était très valorisé au contraire (vgl. CUB07_70m, Anhang 4a).

Die Tatsache, dass dieser Sprecher den anderen Schülern in seiner Gaskognischkompetenz unterlegen war, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass seine Eltern, als Lehrer, weniger in der ländlichen Lebenswelt verwurzelt waren, als die der anderen (vgl. CUB07_70m, Anhang 3). Die Aneignung hatte bei ihm mitunter identitäre Gründe: „j’ai toujours revendiqué d’être Landais“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4b). Abgesehen davon gibt er als ehemaliger militant der 68er Generation an, dass er auch politische, linguistische und berufliche Gründe für das Erlernen gegeben hätte. Letzteres erklärt sich aus seinem Beruf als emeritierter Professor für Anthropologie, wo das Gaskognische ihm bei der Feldforschung auf dem Land von Nutzen gewesen war. Den Besuch von Sprachkursen lehnte er dagegen ab. Er eignete es sich „en parlant“ mit Leuten auf dem Land an (vgl. CUB07_70m, Anhang 4b, 4c). CUB07_70m hatte sie  dazu ermutigt ihn auf Gaskognisch anzusprechen, sodass er es nun „tant bien que mal“ spräche (vgl. CUB07_70m, Anhang 4n). Er könne es zudem schreiben. Allerdings verschriftliche man es laut ihm so, wie man es ausspreche – was zeigt, dass er bezüglich der Schreibung keinen okzitanistischen Blickwinkel vertritt.

Der französische Muttersprachler LTB01_60m hatte wie seine Frau LTB02_60f einen gaskognophonen Babysitter. Dazu kommt die Tatsache, dass seine Großeltern bestimmte gaskognische Ausdrücke verwendeten und der Umstand, dass er vom 9. bis zu seinem 13. Lebensjahr die Ferien bei Freunden seiner Eltern in den Landes verbrachte, wo er sich in einem „milieu (.) gasconophone“ befunden hatte. Er beschrieb den Erwerb der Sprache unter diesen Bedingungen folgendermaßen:

Donc – j’étais baigné dans ce contexte linguistique – et j’ai fini par l’apprendre comme ça – voilà – tout simplement (vgl. LTB01_60m, Anhang 4b).

Der Auslöser, sich das Gaskognische und damit auch sämtliche sprachgeschichtliche Informationen in autodidaktischer Manier anzueignen, war der karrieretechnisch bedingte Weggang nach Paris, wo sich die Menschen über seinen Akzent lustig gemacht hatten:

ça m’a fait prendre conscience d’une – que j’avais une identité différente et donc je l’ai reliée à la langue et après j’ai essayé de comprendre d’où venait cette langue (vgl. LTB01_60m, Anhang 4b).

Diese Selbstaneignung der Sprache ging soweit, dass er selbst, in jungen Jahren, dazu fähig war Sprachkurse zu geben und die erste Calandreta in La Teste-de-Buch zu gründen, sodass davon auszugehen ist, dass sein Sprachniveau relativ hoch ist.

Andere Befragte haben dagegen die Möglichkeit genutzt, freiwillige Sprachkurse im Erwachsenenalter zu besuchen. In den Umfragen hatte dies, mit einem Anteil von 2%, nur bei einem sehr kleinen Teil der Sprecher zugetroffen (vgl. 2009, 13). Sprecher mit diesem Lernhintergrund waren daher, mit drei von dreizehn Befragten, überrepräsentiert.112Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.

Die im Médoc geborene CUB09_72f hatte schon familiäre Bezüge zum Gaskognischen gehabt, da sie die Unterhaltungen ihrer Großmutter mit den Urgroßeltern in ihrer Kindheit und Jugend gehört hat. Ihre Mutter verstand es, jedoch stellte sie im Gespräch fest: „elle parlait pas mais souvent on avait des expressions qu’elle disait“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b), an sie selbst hatte man das Gaskognische nicht weitergegeben. Laut eigener Aussage hatte sie, durch die Heirat mit ihrem Mann, auch ihr restliches Leben keinen Kontakt mehr zum Gaskognischen gehabt, auch wenn sie immer wieder daran zurückgedacht hatte. Den ausschlaggebenden Moment sich vor 15 Jahren, im späten Erwachsenenalter, an eine Wiederaneignung der Sprache zu machen, beschreibt sie folgendermaßen:

Étrangement quand ma mère était morte – j’ai eu un besoin de reparler cette langue parce qu’il me manquait quelque chose – j’avais plus ma mère qui me faisait le lien – je pense que ça devrait être ça qui faisait le lien avec le passé gascon parce qu’elle – elle connaissait tout ça (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b).

In der Folgezeit wollte sie es dann ernsthaft erlernen. Sie besuchte ab dem Alter von etwa 62 Jahren Kurse, die sie aber vor allem hinsichtlich der „ambiance“ als besuchenswert empfand.113Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen. Außerdem hatte sie während des Unterrichts durch die dadurch geweckten Erinnerungen das Gefühl, ihre Urgroßmutter wieder sprechen zu hören. In ihrem Fall ist besonders hervorzuheben, dass sie offensichtlich mit dem „revenir au gascon“ auch ein Zurückkehren zur gaskognischen Kultur verbindet, da sie nach dem Erzählen von ihren Sprachkursbesuchen auch darauf eingeht, dass sie nach dem Kennenlernen der association L‘Estaca auch Tanzkurse besucht und Musikunterricht genommen hätte. Sie stellt den für sie bestehenden Zusammenhang durch die Aussage „voilà, donc je suis venue comme ça au gascon“ her (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b). Die Erfolge ihrer Unterrichtsbesuche beschränken sich darauf, dass sie im Grund nur gerne Gaskognisch sprechen würde. Ihr Niveau sei aktuell noch nicht sehr hoch (vgl. CUB09_72f, Anhang 4s).

Die restlichen Befragten könnte man dagegen tatsächlich als néolocuteurs – beziehungsweise Angehörige der Gruppe L2B – bezeichnen. Allerdings lassen sich auch hier unterschiedliche Bezüge der Betroffenen zum Gaskognischen und unterschiedliche Erwerbsgeschichten feststellen. Bei den ersten beiden Beispielen handelt es sich um Personen, die das Gaskognische auf freiwilliger Basis in Abendkursen erworben haben:

Die beiden am IEO Aquitaine tätigen männlichen Befragten CUB04_67m und CUB03_42m bezeichnen das Französische beide als ihre Muttersprache, geben aber an, in ihrer Kindheit mit dem Okzitanischen und laut eigener Aussage – mit anderen Varietäten des Okzitanischen – in Kontakt gekommen zu sein, jedoch nicht mit dem Gaskognischen an sich. Die Großmutter von CUB03_42m war Languedocienne und sprach Okzitanisch mit seinem Urgroßvater, weshalb er im Interview sagte, als Kind passive Sprachkenntnisse gehabt zu haben. Als Gründe für den Spracherwerb gab er an, die Sprache seiner Großmutter lernen zu wollen, sagt aber auch: „ma famille – elle parle pas gascon“ (vgl. CUB03_42f, Anhang 4b). CUB04_67m kannte das limousin, da er im Limousin aufgewachsen ist, geht allerdings nicht auf spezielle familiäre Bezüge dazu ein. Er gibt an das Gaskognische, ab dem Alter von 57 Jahren, aus Interesse an der okzitanischen Sprache gelernt zu haben. Außerdem habe der geographische Bezug zum Gaskognischen eine Rolle gespielt: „je vis à Bordeaux – je voulais apprendre le dialecte de Bordeaux“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4b). Da beide im Rahmen ihrer Vereinsarbeit mit dem Gaskognischen zu tun haben, ist von einer passablen Sprachkompetenz auszugehen, die aber möglicherweise unter derer der Befragten liegt, die das Gaskognische tatsächlich selbst unterrichten.

Zwei der Befragten hatten das Gaskognische in der Schule gelernt. Diese Art des Spracherwerbs war bei den regionsweiten Umfragen auf einen Wert von 6% gekommen (vgl. 2009, 13), sodass auch hier festgestellt werden kann, dass überdurchschnittlich viele Befragte bei der durchgeführten Umfrage einen Sonderweg eingeschlagen haben.

Ein Beispiel für einen solchen Fall war die Okzitanischdozentin an der Université Bordeaux Montaigne, CUB06_36f. Auch sie gab das Französische als Muttersprache an. Sie hatte das Schulfach Okzitanisch durch Zufall an der Schule gewählt, ohne wirklich zu wissen, um was es sich dabei überhaupt handelte. Im Nachhinein stellte sie dann aber doch einen sentimentalen Bezug zu ihrer eigenen Familie her:

J’étais élevée par mes grand-mères et  mes arrière-grands-mères souvent qui elles parlaient l’occitan – mais on m’a pas transmis et on m’a jamais expliqué ce que c’était cette langue. […] et en fait – au premier cours – j’ai fait le lien entre la langue que j’ai entendu pendant mon enfance et la langue que j’apprenais (vgl. CUB06_36f, Anhang 4b).

Obwohl sie ihre Groß- und Urgroßmütter „occitan“ hatte sprechen hören,114Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit “Okzitanisch“-Unterricht besucht hatte. hatte sie es selbst nicht verstanden. Seit ihren ersten Unterrichtsstunden war ihre Begeisterung derart groß, dass sie die Sprache zu ihrem Beruf machte. Auch wenn sie betont, dass Französisch, ihre Muttersprache, ihr Kommunikationsmittel für „des choses intimes“ wäre (vgl. CUB06_36f, Anhang 4s), so scheint ihre Sprachkompetenz des Gaskognischen doch relativ hoch zu sein.

Auch der chargé de mission langues et cultures régionales der région Aquitaine, CUB08_34m, hatte Okzitanisch im lycée gewählt, ohne vorab zu wissen, worum es sich dabei überhaupt handelte. Er hatte ähnlich wie CUB06_36f danach die Sprache studiert und zu seinem Beruf gemacht. In der Familie hatte er wenig bis gar keinen Bezug zum Gaskognischen, da er laut eigener Aussage in einem „milieu très urbain de la banlieue bordelaise“, in Bruges, aufgewachsen war und keiner seiner Elternteile Kontakt zur Sprache gehabt hatte. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sein Vater Spanier ist. Die Wahl des Okzitanischen sei auf „des difficultés scolaires“ zurückzuführen gewesen, da er deswegen in der première eine nouvelle option hatte wählen müssen (vgl. CUB08_34m, Anhang 4b). Erst wesentlich später stellte er den familiären Bezug her:

c’est après que j’ai des oncles qui m’ont dit – mais en fait – oui – moi – je parle un peu le patois et c’est là où j’ai fait le lien (vgl. CUB08_34m, Anhang 4b).

Da der Sprecher es fern von jeglicher familiärer Verbindung gelernt hatte, wurde des Weiteren eine genauere Erklärung verlangt, welche lokale Variante er gelernt hatte. In der Tat hatte er zunächst das languedocien erlernt und sich erst später, im Rahmen seiner licence in Montpellier, freiwillig für das Erlernen eines „occitan gascon – un occitan qui soit celui de Bordeaux en tout cas – du Nord de la Gascogne“ entschieden (vgl. CUB08_34m, Anhang 4c). Aufgrund seines Studiums und seiner ehemaligen Tätigkeit als Lehrer an der Calandreta von Pessac ist von einer guten Sprachkompetenz auszugehen, allerdings betont er an anderer Stelle im Interview, dass er das Französische, als Muttersprache, natürlich besser beherrschen würde (vgl. CUB08_34m, Anhang 4s).

Als biographischer Sonderfall ist die Spracherwerbsgeschichte von CUB10_44m zu betrachten, der seine Liebe zum Okzitanischen115Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet. mit seinem „attachement à l’idenité landaise“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4b) begründet und die Situation selbst folgendermaßen umschreibt:

Les néo-locuteurs jeunes qui ont plus aucun contact avec la langue – moi – j’en fais partie – ma langue maternelle – c’est le français – je suis né à Mont-de-Marsan – ma famille est en partie landaise – je suis un vrai Occitan – génétiquement – je suis issu d’une famille de Bourgeois – je suis pas du tout – je suis le contraire d’[CUB01_65m] à l’origine – toute ma famille – ce sont des Bourgeois c’est-à-dire je n’en ai aucun de mes grands-parents qui parlaient patois – ma grand-mère paternelle qui est la vraie Landaise de souche – sa langue maternelle était le français – c’est-à-dire que le français était déjà présent dans ma famille au XIXe siècle (vgl. CUB10_44m, Anhang 4a).

Dennoch verspürte er, aufgrund seiner geographischen Herkunft und vor allem durch die Lektüre okzitanischer Literatur, das Bedürfnis sich die Sprache anzueignen, sodass er im Anschluss begann, sich, in autodidaktischer Manier, mit dem Okzitanischen auseinanderzusetzen:

Je me suis posé la question que tout le monde se pose au début – c’est quelle forme d’occitan que je vais apprendre – alors je me suis dit – alors je vais apprendre un occitan local (vgl. CUB10_44m, Anhang 4b).

Er entschied sich nach intensiver Auseinandersetzung für den parler noir, der in den Landes gesprochen wird, und beschäftigte sich selbst so intensiv im Selbststudium damit, dass er sich für nahezu zweisprachig hält. Diese Autoevaluation scheint aufgrund der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen Lehrer für Abendsprachkurse und den directeur de l’IEO Aquitaine handelt, durchaus der Realität zu entsprechen.

Abbildung 6: Sprachkompetenz der Befragten

Abschließend gilt es also festzustellen, dass etwa neun der 13 Befragten gute bis muttersprachliche Sprachkenntnisse haben. Die Sprachkenntnisse von zwei der weiteren Befragten scheinen auch passabel zu sein.116Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich. Zwei der Befragten geben allerdings zu, dass ihre Sprachkompetenz relativ beschränkt ist.

Die bereits in regionalen Umfragen angesprochenen Erwerbsgelegenheiten sind auch bei den Beforschten dieser Umfrage ausgeschöpft worden.

Abbildung 7: Wie wurde das Gaskognische durch die Befragten erworben?

Neben dem Erwerb in der Familie, der drei Mal auf muttersprachlichem Niveau erfolgte und zwei der Befragten eine reiche Grundlage für einen späteren Aneignungsprozess lieferte, wurde auch das Erlangen von Sprechfertigkeiten über das ländliche Umfeld und Freunde zweimal genutzt. Außerdem erwarben je zwei der Befragten das Idiom in der Schule, beziehungsweise in freiwilligen Abendsprachkursen für Erwachsene. Ein Sprecher schlug mit einem Selbststudium über die Troubardourlyrik und Sprachatlanten einen sehr ungewöhnlichen Weg des Spracherwerbs ein.

Bei jenen Sprechern, die keine Muttersprachler sind, ist es zudem auffällig, dass viele trotzdem einen direkten familiären Bezug zum Gaskognischen besitzen, der sie dazu bewogen hatte, sich das Gaskognische anzueignen. Außerdem spielt auch die Herkunft aus der Gascogne mehrere Male eine Rolle, da sich einige der Beforschten nach Aufenthalten außerhalb der Region über ihre andere regionale Identität bewusst geworden waren und dies ebenfalls zum Anlass für das Erlernen der Sprache der Region genommen hatten. Für Sprecher, die keinen direkten familiären Bezug zum Gaskognischen an sich haben, schien die Tatsache, dass sie Kontakte zu anderen Varietäten des Okzitanischen haben und hatten ebenfalls eine begünstigende Rolle gespielt zu haben. Außerdem zeigte sich auch, dass das Erlernen des Gaskognischen zum Teil als Integrationsmöglichkeit begriffen wurde, was der Forderung der Okzitanisten vom droit du sol entspricht (vgl. Milhé 2007, 99) Das Idiom wurde jedoch gerade von den beiden Sprechern, die das Gaskognische zu Schulzeiten erworben hatten, vollkommen unbewusst ausgewählt, sodass man hier im Grunde nur von Zufall sprechen kann.

Was die Erwerbszeitpunkte betrifft, so handelt es sich bei drei der Sprecher um die Muttersprache, zwei der Sprecher erlernten die Sprache durch Reisen im Jugendalter, andere im früheren Jugendalter, im Berufsleben oder fast bzw. im Rentenalter. Unter den Befragten war zudem die Dichte derer, die Sprachkurse besucht hatten, überdurchschnittlich hoch. Sogar zwei der drei Muttersprachler besuchen Sprachkurse, um den Anforderungen auch im Schriftsprachgebrauch gewachsen zu sein und um andere regionale Varianten des Gaskognischen zu erlernen. Von den restlichen zehn Sprechern, haben sieben Sprachkurse besucht. Bei den übrigen drei Befragten ist, durch den autodidaktischen Erwerb und die Beschäftigung mit gaskognischer Literatur und Lehrwerken, von einem sehr verschulten Erwerb auszugehen.117Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.

Abbildung 8: Besuch von Gaskognischunterricht durch die Befragten

4.3. Sprachgebrauch

Um etwas über den Sprachgebrauch der Beforschten zu erfahren, sollte exemplarisch festgestellt werden mit wem diese Gaskognisch sprechen.118Vgl. Anhang 4d.

Abbildung 9: Mit wem sprechen die Befragten Gaskognisch?

Auffällig war zunächst, dass innerhalb der Familie oder mit dem Lebenspartner kaum Gaskognisch gesprochen zu werden scheint. Erstaunlich ist, dass sogar jene, die später die Frage, ob sie mit ihren Kindern Gaskognisch sprechen mit Ja beantwortet haben, dies im Rahmen dieser Frage nicht angegeben hatten.

Das in La-Teste-de-Buch lebende Paar, LTB01_60m und LTB02_60f, erläutert außerdem, dass sie eigentlich nur in sehr außergewöhnlichen Situationen Gaskognisch miteinander sprechen: etwa wenn es im Ausland darum geht nicht als Franzose erkannt und verstanden zu werden. LTB01_60m, der überhaupt erst erwähnt hatte, dass er auch mit seiner Frau Gaskognisch spricht, nachdem gezielt noch einmal danach gefragt wurde, sagt etwa: „En définitif, on parle plus en gascon presque à l’étranger – actuellement – que chez nous en France“ (vgl. LTB01_60m, Anhang 4d).

Ansonsten sprechen vor allem die L1-Sprecher das Gaskognische noch in irgendeiner Form innerhalb der Familie oder in der Nachbarschaft. Die Rolle des Gesprächspartners übernehmen allerdings keinesfalls die Lebensgefährten oder Kinder, sondern vielmehr die Geschwister, mit denen von Kindesbeinen an in diesem Idiom kommuniziert wurde. CUB01_65m gibt etwa an noch mit einer seiner Schwestern und seinem Nachbarn von gegenüber Gaskognisch zu sprechen. CUB05_65f nennt als Gesprächspartner innerhalb der Familie ihre Schwestern:

avec – maintenant avec mes sœurs – elles – elles sont restées dans le Béarn donc – bon beh – je leur téléphone (vgl. CUB05_65f, Anhang 4d).

Faktisch hat sie also auch keinen regelmäßigen Kontakt zum Gaskognischen zuhause. Sie fügt zudem hinzu, dass sie mit ihrem Ehemann kein Gaskognisch spricht mit der Begründung, dass „il connaît le gascon – mais lui – il voit pas l’intérêt“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4d).

Die in den Landes gebliebene S01_80f spricht dagegen von einem Aussterben der Sprecher. Sie spricht noch mit „[son] frère – quelques amis encore“ (vgl. S01_80f, Anhang 4d). Die Familie würde zwar über passive Kenntnisse verfügen, aber da man es nicht anders machen könne, würde Französisch gesprochen werden. Sie hob außerdem hervor, dass sie früher innerhalb des Dorfes, Sore in den Landes, mehr Gaskognisch gesprochen hätte, was wegen dem stetigen Zuzug von Personen nun nicht mehr möglich wäre:

parce qu’autrefois on parlait tous patois – le gascon – maintenant – c’est plus possible parce qu’on a plus de gens qui arrivent d’ailleurs – qui – des Parisiens – de partout – alors – ces gens-là (..) essayent de chercher quelques mots – mais bon – c’est pas facile – là maintenant – trop tard – c’est surtout avec les gens de mon âge quoi (vgl. S01_80f, Anhang 4d).

Aus der jüngeren Generation hob CUB06_36f die Kommunikationssituation innerhalb ihrer Familie  hervor, die sie als bedauernswert betrachtet, da sie sehr gerne mit ihrem Vater Gaskognisch sprechen würde, dies aber nicht kann:

j’aurais bien aimé le parler avec mon père mais mon père [x] lui – savait que c’était le patois – lui – il appelle ça le patois mais on lui a pas transmis non plus – par contre – il le comprend de façon naturelle – de temps en temps on échange quelques expressions pour montrer que – comment dire – qu’on appartient à une même culture mais malheureusement je peux pas tenir une conversation avec mon père parce qu’il sait pas – il n’est pas bilingue – voilà (vgl. CUB06_36f, Anhang 4d).

Ansonsten gibt auch der jüngste Befragte, CUB08_34m, an, mit seiner Lebensgefährtin, welche aus der zone languedocienne, aus Montpellier, stammt, occitan zu sprechen.119Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.

Darüber hinaus würden sieben Personen beruflich Gaskognisch sprechen: CUB08_34m spricht es im Rahmen seiner missions, als Beauftragter der Region Aquitaine für Regionalsprachen und Minderheitenkulturen. CUB06_36f und CUB10_44m sprechen mit ihren Schülern, beziehungsweise Studenten, denen sie die Sprache vermitteln. Auch der ehemalige Grundschullehrer CUB01_65m gibt an, bei verschiedenen associations, im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, regelmäßig Animationen für Kinder in den Schulen durchzuführen, um sie für die Sprache und Kultur zu begeistern, wo er dann auch Gaskognisch mit den Kindern sprechen. Auch LTB02_60f, die früher als Lehrerin tätig war und an der Calandreta in La Teste-de-Buch unterrichtet hatte, sprach bei dieser Gelegenheit mit den Schülern. Sie hatte daduch wesentlich häufiger die Gelegenheit Gaskognisch zu sprechen, als dies jetzt der Fall ist.120An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird. Mit den Arbeitskollegen sprechen zudem die ehrenamtlich am IEO Aquitaine tätigen Befragten CUB04_67m und CUB03_42m.

Ansonsten scheint sich der Großteil der Kommunikation der Befragten im assoziativen Milieu abszuspielen, was nicht zuletzt daran liegt, dass viele der Befragten sich als militant für die Sprache – Okzitanisch beziehungsweise Gaskognisch – betrachten, was sich in den Interviews später noch herausstellen sollte.121Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.

Aktiv in ein assoziatives Netz integriert sind CUB01_65m, CUB05_65f, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB09_72f und CUB10_44m, welche auch alle angeben im Rahmen dieses Milieus das Gaskognische zu praktizieren. Daraus zurückgezogen hat sich das Paar, LTB01_60m und LTB02_60f: sie waren früher selbst militants und pflegen auch heute noch freundschaftlichen Kontakt zu Leuten, die sich explizit mit dem gascon, nicht dem occitan, beschäftigen und kommunizieren auch mit diesen auf Gaskognisch.

Teilweise werden das Engagement und die dadurch geschaffenen Kommunikationsmöglichkeiten mit Stolz hervorgehoben, so etwa von CUB01_65m, der betont, dass er so „presque tous les jours“ occitan sprechen würde (vgl. CUB01_65m, Anhang 4d).122Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.

Schwierig ist es in diesem Zusammenhang Angaben wie „quelques amis“ zuzuordnen,123So etwa von CUB03_42m geäußert. da daraus nicht klar ersichtlich wird, ob diese Freunde Teil des assoziativen Milieus sind oder nicht. In einigen Fällen scheint dies durchaus der Fall zu sein: Einige – stark ins Vereinsleben integrierte – Befragte bezeichnen zum Beispiel auch die anderen Vereinsmitglieder als „les amis [du cercle occitan]“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4d).

Etwas atypisch war außerdem die Aussage des befragten Anthropologen CUB07_70m, da diese doch etwas, in Richtung soziale Erwünschtheit, verzerrt wirkt:

Mais – comme j’habite à la campagne à Garein – j’habite – je parle gascon avec des gens s’ils me parlent en gascon.[Avec tout le monde ?] Oui – tout le monde – oui – ‘fin – tous  les gens – ‘fin pas les gosses – les enfants – mais je discute pas avec des enfants – je discute avec des adultes (vgl. CUB07_70m, Anhang 4d).

Später soll derselbe Befragte das Gakognische zudem als „langue des gens“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4l), also als Sprache des Volkes – der einfachen Leute allgemein – bezeichnen, eine Ansicht, die vor dem Hintergrund des Zustands des, stark vom Aussterben bedrohten, Idioms, doch als recht ungewöhnlich zu betrachten zu sein scheint – aber wohl an der Auffassung der locuteurs naturels orientiert ist, die nicht im okzitanistischen Milieu aktiv sind (vgl. Milhé 2011, 23). Im Schaubild wurde seine Angabe daher, als ein Sprechen mit Freunden und Nachbarn interpretiert.

Eine – in Bezug auf die Untersuchung auf eine Tendenz zum Erinnerungsdialekt hin – wertvolle Antwort war jene von CUB09_72f, die erst später zugab eigentlich nicht wirklich gut zu sprechen: „on aimerait bien savoir parler bien gascon“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4s). Denn auf die Frage nach den Gesprächspartnern antwortet sie zunächst mit einem „entre nous“, womit Personen aus dem Vereinsmilieu gemeint sind, die sie speziell für das Praktizieren der gaskognischen Sprache und Kultur aufsucht:

‘fin, il y a des – ‘fin on parle entre nous – beh, c’est embêtant qu’on parle tellement mais en fait autour de cette langue, il y a quand même une culture – c’est la culture aussi qui est intéressante – même s’il y a des gens – par exemple à la danse – il y a des gens qui parlent pas le gascon – il y en a que oui, il y en a que non – mais il y a un esprit – que disons – on trouve un certain esprit – voilà (vgl. CUB09_72f, Anhang 4d).

Diese Präzisierung, die erst nach einer gezielten Nachfrage gegeben wurde, liefert ein Indiz darauf, dass die vermeintliche Vitalität des Idioms von einigen Sprechern doch etwas romantisiert zu werden scheint, denn bei den Veranstaltungen scheint es mehr um das Zelebrieren einer gemeinsamen Kultur, als um das Sprechen des Gaskognischen zu gehen. Bei der Kommunikation wird aus pragmatischen Gründen auf das Französische zurückgegriffen, sofern Leute anwesend sind, die Gaskognisch weniger gut sprechen.

Da durch das Schneeballprinzip hauptsächlich Sprecher gewonnen wurden, die stark im milieu associatif tätig sind, beziehungsweise teilweise sogar beruflich Kontakt mit dem Gaskognischen haben, bleibt anzumerken, dass die hier gewonnen Ergebnisse durchaus nicht verwunderlich sind. Die Anzahl jener, die auf Gaskognisch mit Kontakten aus diesem Umfeld kommunizieren, ist im Vergleich mit den Angaben der gesamten Befragten in der Region Aquitaine deutlich erhöht. Dort machten jene, die beruflich auf Gaskognisch kommunizieren nur 1% aller Befragten aus. Gesprächspartner, die eigens zum Praktizieren des Gaskognischen aufgesucht werden, hatten auch nur 4% der Sprecher (vgl. 2009, 9).

Aufgrund der expliziten Frage nach dem Sprechen von gascon, gab dies bei manchen Anstoß zu einer Rechtfertigung des eigenen parler oder einer Umbenennung des gesprochenen Idioms in occitan.  An dieser Stelle wurde auch von manchen Beforschten auf die geographische Reichweite des gesprochenen Idioms hingewiesen. Man könne, laut CUB10_44m, theoretisch mit Leuten aus dem Limousin, aus dem Sprachgebiet des languedociens und sogar aus Katalonien sprechen. LTB02_60f bekräftigt Letzteres dadurch, dass sie angab mit ihrer copine catalane immer Gaskognisch zu sprechen, wohingegen diese in ihrer Muttersprache Katalanisch spricht.

Dies kann auch in Verbindung mit dem von Roux-Châteaureynaud angesprochenen Phänomen betrachtet werden, nachdem es ein großes Problem des „occitan en Aquitaine“ sei, dass sich die L1-Sprecher weigern würden mit den L2-Sprechern zu sprechen, da deren Sprache für sie extrem künstlich wäre (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 988). An anderer Stelle hob LTB02_60f genau das hervor:

il y a des gens avec lesquels ça me fait pas plaisir de parler gascon quoi – parce que souvent ce sont des gens qui ont appris le gascon que dans les livres et donc c’est un gascon très artificiel qu’ils parlent et ça me dérange de parler avec eux – ça me dérange et on sent tout de suite d’ailleurs qu’ils ont appris dans les livres (vgl. LTB02_60f, Anhang 4s).

Sie spricht daher lieber mit einer katalanischen Muttersprachlerin, als mit den néolocuteurs ihres Idioms.

Diese Ansicht wurde von den anderen Befragten allerdings nicht geäußert, was nicht zuletzt auf die offene Einstellung der meisten Befragten, die in okzitanistischen Vereinen tätig sind, zurückzuführen zu sein scheint. Da gerade die Mitglieder, die im Rahmen des cercle occitan in Pessac aktiv sind, viel mit jüngeren Sprechern und insbesondere mit den Kindern aus der Calandreta zu tun haben, ist bei diesen von einem solchen Hindernis eher weniger auszugehen.124Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.

Bei der Auswertung war außerdem auffällig gewesen, dass sich eine Unterteilung der Sprecher ausgehend von ihrem persönlichen Engagement vornehmen lässt, die diese in ihrem Alltag für den Erhalt der Sprache zeigen. Denn de facto befinden sich alle Sprecher in einem weitestgehend durch das Französische dominierte sozialen Umfeld und müssen aufgrund der extrem minoritären Lage der Sprache nach Gelegenheiten suchen, um überhaupt Gaskognisch sprechen zu können: Befragte, die sich aktuell für den Erhalt des Gaskognischen – insbesondere innerhalb des okzitanistischen Milieus – engagieren, verwenden das Idiom auch im Umgang mit einem größeren Personenkreis.

4.4. Transmission

Im weiteren Verlauf des Interviews ging es dann um die Weitergabe des Gaskognischen an die nachfolgende Generation, da die Transmission der Minderheitensprache nicht nur ihren Erhalt sichert, sondern auch ein Indiz für ihre Vitalität sein kann. Daher wurde sich nach der Weitergabe des Gaskognischen an die eigenen Kinder erkundigt und außerdem nach grundsätzlichen Einstellungen zum Gaskognischsprechen mit Kindern, sowie etwaigen Vor- und Nachteilen gefragt, die sich daraus ergeben könnten.125Vgl. Anhang 4e-4h. Ziel war es also festzustellen, ob die prinzipiell guten oder schlechten Einstellungen zu einer etwaigen Transmission auch umgesetzt werden beziehungsweise in die Tat umgesetzt worden waren.

Mittels des Fragebogens und dem Stellen von Filterfragen war vorab festgestellt worden, dass von den dreizehn Befragten neun Kinder und drei bereits Enkelkinder haben.126Vgl. Anhang 3. Davon sprechen zwei aktuell mit ihren Kindern auf Gaskognisch, zwei weitere hatten dies getan, als ihre gemeinsame Tochter noch Kind beziehungsweise Jugendliche war. Die restlichen Sprecher sprechen gar nicht oder nur in Form von wenigen gaskognischen Ausdrücken mit ihren Kindern. Letztere scheinen daher mehr der Illustration als einer tatsächlichen Kommunikation zu dienen. Die langue de communication ist das Französische.

Abbildung 10: Transmission an Kinder und Enkelkinder

Bei den beiden Befragten, die sowohl Kinder als auch Enkelkinder haben, lässt sich im Übergang von der Kinder- zur Enkelgeneration, ein Unterschied hinsichtlich der Sprachkenntnisse feststellen. Auf die Frage, ob eine der Befragten, S01_80f, mit ihrer Tochter Gaskognisch spräche, antwortete diese „ah non – jamais“ und unterstreicht, dass das sowohl für ihre Tochter, als auch für ihre Enkelin undenkbar wäre: „je pense que ça les lasse“. Ihre Tochter verstehe das Gaskognische zwar, spreche es aber nicht und habe es auch als Kind nicht sprechen wollen (vgl. S01_80f, Anhang 4e). Ihre Enkeltochter verstehe das Gaskognische bereits nicht mehr und habe auch kein Interesse daran.127Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r. Auf die Aussage „bon, dommage“ entgegnete sie deshalb: „ah oui, c’est dommage – mais comment il faut qu’on fasse – quand ça les intéresse pas“ (vgl. S01_80f, Anhang 4h).

CUB09_72f berichtet dagegen davon zu ihren Kindern, als diese noch klein waren, immer wieder „des expressions comme ça“ gesagt zu haben, an die sich diese immer noch zu erinnern scheinen. Ihre Enkeltochter nimmt sie auch zu traditionellen Tanzveranstaltungen, auf denen auch Gaskognisch gesprochen wird, mit, weshalb sie auch einiges zu verstehen scheint. Allerdings kann hier von einer richtigen Transmission der Sprache keine Rede sein, da sich die Sprachkenntnisse der Befragten damals, wie es sich im Gesprächsverlauf gezeigt hat, nur auf ein passives Verständnis beschränkt hatten und sie das Gaskognische nach wie vor nicht gut beherrscht (vgl. CUB09_72f, Anhang 4e, 4h).

Der dritte Befragte mit Enkelkindern gibt ebenfalls nur an, „quelques mots“ zu diesen zu sagen. Da CUB04_67m das Gaskognische auch erst mit Ende 50 erlernt hatte, hatte er auch mit seinem Sohn kein Gaskognisch gesprochen. Allgemein merkte er an: „c’est pas véritablement parlé“, was zeigt, dass er die Frage an sich für absurd hielt (vgl. CUB04_67m, Anhang 4e).128Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.

Zwei Sprecher, CUB03_42m und CUB10_44m, die beide im Moment Kinder im Kindergartenalter haben, geben an, mit diesen immer Gaskognisch zu sprechen. CUB10_44m betont allerdings, dass seine Frau zwar nicht dagegen sei, diese aber Französisch mit der gemeinsamen Tochter spreche, weshalb innerhalb der Familie Französisch gesprochen wird: „par contre moi – je ne m’exprime qu’en occitan“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4e). Des Weiteren gehe die gemeinsame Tochter auch in die Calandreta in Pessac. CUB03_42m, der angibt „à cent pourcent“ mit seinem Sohn occitan zu sprechen,129Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so. konnte diesen allerdings nicht an der Calandreta einschreiben, da es dort zu wenige Plätze gegeben hatte (vgl. CUB03_43m, Anhang 4e). Dies scheint ihm in Hinblick auf eine erfolgreiche Transmission Sorgen zu bereiten.

Zwei der Befragten, LTB01_60m und LTB02_60f, hatten in den Kinderjahren der gemeinsamen Tochter einen sehr intensiven Transmissionsversuch unternommen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet zu sein scheint, dass eben dieses Paar in derselben Zeit die erste Calandreta in La Teste-de-Buch aufgebaut hatte. Inzwischen sprechen sie allerdings unter normalen Umständen Französisch mit dieser. Aktuell kommunizieren sie nur in sehr ungewöhnlichen Situationen auf Gaskognisch mit ihrer Tochter, etwa wenn sie in der Öffentlichkeit nicht verstanden werden möchten oder in SMS-Form. LTB01_60m resümierte seinen Transmissionsversuch folgendermaßen:

Effectivement – quand elle était petite je lui parlais tout le temps en gascon jusqu’à – après peut-être – jusqu’à 10/12 ans – bon après le français a fini par prendre le dessus – malheureusement – donc il y a eu un éloignement  (vgl. LTB01_60m, Anhang 4e).

Dennoch erklärt sich seine Lebensgefährtin optimistisch. Sie glaube, dass ihre Tochter, die das Gakognische nach wie vor versteht, es irgendwann wieder sprechen wird. Im Moment hätte sie nur „peur de pas bien dire“. Auf die Frage nach der Muttersprache der Tochter antwortet sie, dass sie das nicht so genau sagen könne, aber dass sie als Kind definitiv eine „gymnastique des deux [langues]“ gehabt hätte (vgl. LTB02_60f, Anhang 4e).

Die anderen verwenden im alltäglichen Umgang mit ihren Kindern alle kein Gaskognisch. Die beiden L1-Sprecher, CUB01_65m und CUB05_65f, sprechen allerdings beide davon, dass ihre Kinder trotzdem eine gewisse Teilkompetenz erworben hätten. CUB01_65m sagte über seinen Sohn:

il parle un petit peu – il n’a pas souhaité l’apprendre complètement – tout à fait – mais il aime bien me parler un petit peu – comme il a bien appris l’espagnol – il comprend l’occitan et est capable de communiquer un petit peu (vgl. CUB01_65m, Anhang 4e).

Dementsprechend würden sie kaum Gaskognisch sprechen, die langue de communication sei Französisch.

CUB05_65f unterstreicht in diesem Frageteil, dass sie sich im Grunde ihr ganzes Berufsleben lang vom ehemals in ihrem Elternhaus gesprochenen Idiom abgewendet hätte und nicht aktiv zu seinem Erhalt beigetragen habe:

disons que c’était pas mon souci primordial quoi – c’était pas mon souci principal – donc en fait je me suis replongée dans la culture gasconne à ma retraite – donc j’ai pas –je parlais – mais c’était tout – voilà – avec mes parents – avec mes frères et sœurs mais sinon. […] C’était que momentané – c’était le loisir quoi (vgl. CUB05_65f, Anhang 4e).

Bei der eigenen Tochter hätte sie damals auch keinen Nutzen darin gesehen mit dieser Gaskognisch zu sprechen und zudem hätte sie es ohnehin nicht lernen wollen – durch den Besuch bei den Großeltern hätte sie es aber zumindest gehört und beherrsche daher ein paar Wörter.

CUB07_70m ärgert sich mittlerweile darüber, dass er mit seinem Sohn kein gascon gesprochen hat: Dieser hätte dies zwar ausgeschlagen, aber damals habe er auch nicht wirklich versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Demgegenüber steht die theoretische Haltung der Befragten zum Bilingualismus der Kinder, die durch die Frage, ob es gut oder schlecht sei Gaskognisch mit Kindern zu sprechen, abgefragt werden sollte.130Vgl. dazu: Anhang 4f. Des Weiteren wurde nach möglichen Vor- und Nachteilen gefragt, die sich daraus für die Kinder ergeben könnten.131Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.

Abbildung 11: Einstellung der Befragten zur Transmission des Gaskognischen

Abgesehen von zwei verhaltenen Stimmen, gaben alle Beforschten an dies prinzipiell gut zu heißen (vgl. Anhang 4f). Umso erstaunlicher ist es, dass nicht mehr auf die Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder gepocht hatten. Jedoch scheinen viele der Befragten ein grundsätzliches Problem bei der Transmission einer Minderheitensprache wahrzunehmen, denn in diesem Fall gestaltet es sich häufig schwierig den Kindern den Nutzen der Sprache zu vermitteln, wenn diese lediglich im privaten Raum gesprochen wird (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 989). Auf diese Problematik ging auch der jüngste Befragte ein, welcher bis dato noch kinderlos war, jedoch vorhat mit seinen Kindern zuhause nur „occitan“ zu sprechen:

dans notre contexte sociolinguistique qui fait qu’il y a une forte diglossie entre le français et l’occitan – fait que – par exemple en dehors de l’école – cette question se posera lorsque j’aurai des enfants parce que – de leur parler qu’en occitan – ça – la pratique de l’occitan dans un cadre social entièrement francophone peut rendre parfois difficile la transmission (vgl. CUB08_34m, Anhang 4f).

Zu den Stimmen, die etwas verhaltener waren, zählten jene von CUB05_65f und CUB10_44m.

CUB05_65f, die in den Jahren, als sie selbst junge Mutter gewesen war, angeblich andere Prioritäten als den Schutz des Gaskognischen gehabt hätte und deren Mann auch nicht am Gaskognischen und der dazugehörigen Kultur interessiert ist, sagt nicht wie die einschlägige Mehrheit, dass es gut für Kinder sei Gaskognisch. Sie sagt dagegen, es wäre „pas mauvais“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4f). Als mögliche Vorteile für Kinder gibt sie nicht, wie der Großteil der anderen Befragten, allgemeine Vorteile von Bilingualismus an, sondern vor allem Vorteile für das Erlernen der Rechtschreibung im Französischen, also der dominanten Sprache: „enfin – moi – ça m’a aidée – pour les accents circonflexes – ça m’a aidée – c’était une petite astuce“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4f).

CUB10_44m äußert sich mit „ni bon, ni mauvais“ und betonte, dass es laut ihm keine dominante Sprache gebe, die über irgendeiner anderen stehe (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f). Auch beim Vergleich dialektaler Formen, gebe es keine Hierarchien. Nachdem er diesen Standpunkt deutlich gemacht hat, geht er aber durchaus auf Vor- und Nachteile ein, was nicht zuletzt zu verdeutlichen scheint, dass er als directeur des IEO Aquitaine daran gewöhnt ist, sich kritisch mit den kontroversen Meinungen, in der Frage um die Bewahrung des Gaskognischen und der Kontroverse um die Terminologie Okzitanisch-Gaskognisch, auseinanderzusetzen.

Abbildung 12: Vorteile des Gaskognischsprechens für Kinder

Gerade vor dem Hintergrund der Untersuchung des Gaskognischen auf sein Potential als Erinnerungssprache hin, waren die genannten Vorteile bezüglich des Bewahrens einer lokalen Identität interessant, die sich nicht nur auf den allgemeinen Vorteil von Zweisprachigkeit beschränkten. So wurde etwa von CUB09_72f betont, dass das Gaskognische ihr helfe, mehr über die Region zu erfahren, in der sie lebe. Auch LTB02_60f geht darauf ein, dass es ein Vorteil wäre, die ortsansässige Sprache zu lernen:

c’est la langue de chez soi quand même – donc – c’est très important – c’est sûr, c’est très important – ensuite – ça donne une assise dans sa vie (vgl. LTB02_60f, Anhang 4f).

CUB10_44m geht ebenfalls auf die Vorteile, die das Gaskognische mit sich bringen könnte, ein. Er spricht vor allem von identitären Gründen:

je pense que c’est pas mieux – par contre – je pense que c’est mieux – c’est – par rapport à l’identité – je sais pas si vous avez prévu cette question-là – c’est d’avoir une identité qui soit – c’est le point de vue que je vous ai donné toute à l’heure – c’est-à-dire avoir une identité d’où on sait d’où on vient – d’avoir une idée claire d’où on vient ce qui manque en France parce que toute la question d’identité locale est en essai de – ‘fin – la société française essaye de la gommer – c’est essayer de la – de la – je pense que la donnée de cette identité là – ça permet – je pense – d’ouvrir un enfant à d’autres cultures en tout cas de savoir où il est au niveau de l’identité – à pas se poser les questions que moi – je me suis posé – […] – de savoir où est-ce qu’on est (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f).

Auch CUB01_65m vertritt eine ähnliche Ansicht, denn er sieht für die Kinder, in der Bewusstwerdung über die eigenen Wurzeln, die Basis gegeben, „d’affirmer une personnalité“. Er untermauerte dieses Argument mit seinen Beobachtungen in den Schulen, in denen er Animationen für Kinder macht (vgl. CUB01_65m, Anhang 4f). Ebenfalls in Richtung Schutz der regionseigenen Identität, geht die Aussage von S01_80f, welche darauf eingeht, dass durch das Verschwinden des Gaskognischen die Möglichkeit verloren geht, viele Dinge auszudrücken, welche sich nicht mit dem Französischen ausdrücken lassen.132Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.

Auffallend ist allerdings, dass viele nicht den Vorteil des Erlernens des Gaskognischen als solchen hervorheben, sondern allgemeine Vorzüge von Zweisprachigkeit erwähnen. So sagte etwa CUB10_44m: „il y a pas d’avantage à parler occitan – il y a un avantage à parler plusieurs langues“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f). Vorteile werden dabei vor allem darin gesehen, dass der Bilingualismus, allgemein, die kognitive Entwicklung der Kinder fördert. Außerdem werde mit dem Gaskognischen eine Basis dafür geschaffen, weitere Fremdsprachen zu lernen, was teilweise mit den eigenen Kompetenzen in anderen romanischen Sprachen belegt wird.

Gerade von Seiten derer, die das Gaskognische bereits selbst an der Calandreta oder als Animateur an Schulen unterrichtet haben,133Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f. wird argumentativ betont, dass sie im Unterrichtsalltag nur positive Erfahrungen gesammelt hätten und dass dies für die Entwicklung der Kinder durchwegs positiv gewesen wäre. CUB02_72f und CUB08_34m betonen auch die integrative Wirkung der Sprache, die Niemandes Muttersprache sei und so dazu beitrage, dass alle Schüler in der Klasse auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Auffallend ist ebenfalls, dass als Argument von vier Befragten auf die Öffnung der Kinder „à la différence de l’autre“ hingewiesen und von einer „ouverture de l’esprit“ gesprochen wird.134Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f. CUB08_34m betont diesen Vorteil vor dem Hintergrund der Ausbildung einer lokalen Identität bei den Kindern, welche die Basis für eine solche Öffnung schaffen würde:

et après pourquoi l’occitan – parce que c’est la langue de l’endroit où je vis et que donc ça permet à l’enfant de mieux connaître son pays et bien évidemment dans un esprit d’ouverture – se connaître pour mieux connaître le monde qui l‘entoure (vgl. CUB08_34m, Anhang 4f).

Von der großen Mehrheit kommt auch die Ansicht, dass es nur Vorteile gebe. Nur zwei Personen, die beide auch Okzitanisch unterrichten, sehen mögliche Probleme. Die Okzitanischdozentin an der Université Bordeaux Montaigne, CUB06_36f, merkt an, dass es dann zum Nachteil werden könnte, wenn die Gesellschaft „cette diversité“ nicht mehr tolerieren würde (vgl. CUB06_36f, Anhang 4g). CUB10_44m warnt zudem vor extremen Meinungen – vor einem Umschlagen der Identifikation mit dem Gaskognischen in Nationalismus. Außerdem geht er auf die Spracherwerbsforschung ein und spricht eventuelle Schwierigkeiten im Falle einer Zweisprachigkeit der Kinder an:

Par contre – il y a effectivement – on a des périodes de la vie où ça peut être éventuellement handicapant parce qu’il y a un truc qui va sortir dans la langue et tout ça – ça pose des problèmes (vgl. CUB10_44m, Anhang 4g).

Abschließend lässt sich also feststellen, dass die Einstellung zu einer möglichen Transmission zwar gut ist, das Idiom aber kaum weitergegeben wird.135Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren. Damit stimmt das Ergebnis mit Erkenntnissen anderer Umfragen überein. Mit der Tatsache, dass meistens allgemeine Vorteile von Zweisprachigkeit hervorgehoben werden und nicht von allen betont wird, welchen Vorteil explizit das Gaskognische für die Kinder brächte, lässt sich die mangelnde Transmission möglicherweise begründen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die aktuelle Situation des Gaskognischen schwierig und eine Überzeugung der Kinder, das Idiom unter diesen Umständen zu erlernen, hartnäckige Arbeit erfordern würde. So gesehen könnte man auch auf andere Sprachen zurückgreifen, um von den Vorteilen des Bilingualismus profitieren zu können. Von Seiten der Okzitanisten wurde die integrative Wirkung des Okzitanischen betont, das – unter Berufung auf den droit du sol – allen Kindern zustünde, die im Sprachgebiet leben (vgl. Milhé 2007, 99f.).

4.5. Was ist gascon im Verhältnis zum Französischen?

Um den Stellenwert beziehungsweise die Definition des Gaskognischen für den einzelnen Sprecher zu erfahren, wurde die Frage gestellt, was das Idiom im Vergleich zum Französischen sei.136Vgl. Anhang 4j. Bei dieser Frage ging es vor allem darum, den Sprechern die Möglichkeit für eine offene Antwort zu geben, um zu sehen was die Sprecher eigentlich im Gaskognischen sehen: Ist es eine dem Französischen ebenbürtige Sprache, deformiertes Französisch, ein Dialekt? Der Frage lagen die Untersuchungsergebnisse von Fischer zugrunde, wonach die locuteurs naturels häufig den Wert des Idioms, als eigene Sprache, nicht erkannt hätten (vgl. Fischer 1993, 165). Des Weiteren wurde damit indirekt die Möglichkeit einer Zuordnung oder Abgrenzung zum Okzitanischen gegeben. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang Raum für eine affektive Bewertung der Sprache gegeben, um den persönlichen Stellenwert des Gaskognischen für den Sprecher evaluieren zu können.137Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.

Abbildung 13: Was ist das Gaskognische im Vergleich zum Französischen für die Befragten?

Als verbindendes Element der Antworten kann sicherlich die, von einem Großteil der Befragten (11 von 13 Personen) gewählte, Definition des Gaskognischen als eigene Sprache gesehen werden.138Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i. In der Übersicht wurden dennoch Unterschiede in der Definition aufgegriffen, um die Variation der Antworten zu veranschaulichen. So wird zum Teil betont, dass das Gaskognische dem Okzitanischen unterzuordnen sei. CUB03_42m äußerte im Speziellen: „mais – la langue d’oc – le français c’est la langue d’oïl – le gascon – ça fait partie de la langue d’oc“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4i). Von anderen wird eine solche Zuordnung nicht vorgenommen. S01_80f bezeichnete das Gaskognische etwa einfach als  „langue régionale“ (vgl. S01_80f, Anhang 4i).

Mehr oder weniger sprachwissenschaftlich fundiert wurde von vier Beforschten – CUB04_67m, CUB10_44m, CUB01_65m und CUB09_72f – ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Gaskognischen und dem Französischen aufgezeigt. Sie betonen zudem die besondere Wesenheit des Gaskognischen im Vergleich zum Französischen: Laut CUB04_67m wäre der Klang des Gaskognischen näher an dem der anderen romanischen Sprachen.

Auch CUB01_65m betont die stärkere Verwurzelung des Gaskognischen mit dem Lateinischen, weshalb er und andere Sprachbewahrer, ausgehend von den lateinischen Wurzeln eines Wortes, „le vrai mot occitan“ suchen würden, falls dieses inzwischen in Vergessenheit geraten ist. Diese Aussage verdeutlicht erneut seine Verwurzelung mit dem okzitanistischen Milieu, da sich dieses die Inwertsetzung der okzitanischen Sprache, durch eine Befreiung der gesprochenen Sprache von Gallizismen, zur Aufgabe gemacht hat. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Frage nach möglichen Entwicklungstendenzen hin zu einer Erinnerungssprache und der Entwicklung von Sprachbewahrerbewegungen interessant. Ihm gehe es darum:

rester sur le vrai vocabulaire et pour ne pas déformer les mots […] Mais après nous sommes ceux qui cherchent à bien enseigner qui écrivent un petit peu – qui écrivent – nous sommes bien sûr dans la recherche de vrais mots – voilà (vgl. CUB01_65m, Anhang 4i).

Dies zeigt, dass sich auch locuteurs naturels im okzitanistischen Milieu wohlfühlen können, wie dies bereits Milhé betonte (vgl. Milhé 2011: 23).

Besonders hervorgehoben wird auch die besondere Verwandtschaft des Gaskognischen zum Katalanischen. CUB10_44m bezeichnet das Idiom als „langue jumelle“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

Selbst wenn die Zuordnung des Gaskognischen zum Okzitanischen nicht sofort angesprochen wurde, so schwang doch in den Antworten der überwiegenden Mehrheit derer, die aktuell im assoziativen Milieu aktiv sind, mit, dass man von einer Unterordnung des Gaskognischen unter das Okzitanische ausgehe. Dass diese Ansicht von anderen nicht geteilt wird, wurde bereits in vorausgehenden Fragen klar, als beispielsweise die Muttersprachlerin S01_80f betonte, dass sie deshalb nicht in Sprachkurse gehen, weil dort nur „occitan“ unterichtet werde, nicht der patois (vgl. S01_80f, Anhang 4c).

Des Weiteren gibt es auch eine, für die Gaskognisten typische, Meinung unter den Befragten: Nach einer ausführlichen sprachwissenschaftlichen Erklärung der Ursprünge des Gaskognischen, wo der Befragte LTB01_60m auf die unterschiedlichen Wurzeln des Französischen und des Gaskognischen einging,139Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein. betonte er folgenden Standpunkt:

En tant que langue latine, le gascon est différent du français – très, très différent – et le gascon est aussi différent de l’occitan – moi, je considère pas que le gascon soit un dialecte de l’occitan – je pense que c’est une langue à part entière au même titre que le catalan. [Exkurs über die unterschiedlichen Völker (Aquitanier, Okzitanen)] C’est une langue différente et le français est encore une autre langue différente – ce sont quand même aussi des langues latines (vgl. LTB01_60m, Anhang 4i).

Gerade von den jüngeren Befragten, im Speziellen von CUB06_36f und CUB08_34m, wird das Gaskognische betont als dem Französischen ebenbürtig definiert. Gründe für diese explizite Hervorhebung sind vermutlich in ihrer beruflichen Laufbahn zu sehen. Allerdings wird das Idiom von beiden dem occitan untergeordnet und auch als solches bezeichnet:140Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.

on ne peut pas hiérarchiser parce qu’elles ne sont pas dans la même situation sociolinguistique mais – après toutes langues sont égales et – et il n’y a pas une langue qui a plus de valeur qu’une autre et je ne vis pas mon Occitanétié comme une revanche par rapport au français (vgl. CUB08_34m, Anhang 4i).

Persönliche Definitionen des Gaskognischen kamen vor allem von den weiblichen Befragten. LTB02_60f äußert sich zum Gaskognischen etwa gar nicht und geht dafür erneut auf das Trauma ein, dass ihr widerfahren ist, weil sie den von ihr so bezeichneten parler batârd sprach. Dies sei die, von ihr bereits zuvor erwähnte, Mischung des Gaskognischen und Französischen, die sie von ihrem Vater übernommen habe:

Le français – c’est – c’est une langue – que j’ai apprise – je dis que j’ai apprise parce qu’au fond ça a quand même été du travail d’apprendre le français convenablement – donc que j’ai apprise – je l’ai apprise quand même comme ça – par force (vgl. LTB02_60f, Anhang 4i).

Für CUB02_72f persönlich sei es „la langue de la résistance“ gegenüber der „langue dominante“, dem Französischen (vgl CUB02_72f, Anhang 4i).141Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.

Auch S01_80f geht in dieser Frage auf eine politische Dimension ein, denn für sie wäre der patois die Sprache der Armen gewesen, wohingegen das Französische, die Sprache war, die nur die Reichen gesprochen hatten.

CUB10_44m und CUB09_72f betonen dagegen die besondere Expressivität des Gaskognischen, welche ganz anders als die des Französischen zu charakterisieren ist:

parce que le français, c’est une langue très intel(lo) – ‘fin – moi – je considère le français comme une langue très – qui se veut d’une qualité construite lexicologiquement sur le modèle intellectuel (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

Daher werde das Gaskognische genutzt um Dinge auszudrücken, welche von anderer Natur sind beziehungsweise vom Französischen so nicht ausgedrückt werden können. Erstaunlich ist dennoch, dass es sich bei beiden nicht um Muttersprachler handelt. CUB10_44m merkte daher auch an: „je vais pas exprimer les mêmes choses parce que moi – je suis quand même – je suis quand même francophone“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

CUB05_65f, die tatsächlich Muttersprachlerin ist, betont dagegen, dass ihr gaskognische Wörter und Ausdrücke zum Teil schneller in den Sinn kämen und untermalt  dies auch mit einigen Beispielen, außerdem sagt sie: „il y a des fois où je pense en gascon je (.) voilà mais – mais et puis le français me vient après“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4i).

Abschließend lässt sich also feststellen, dass das Idiom, ob die Befragten es nun als Okzitanisch oder Gaskognisch bezeichnen, bei allen Beforschten den Stellenwert einer Sprache genießt. Bei den weiteren Definitionen scheinen wiederum die ideologischen Hintergründe der Sprecher, insbesondere die Zuordnung zum Okzitanismus oder Gaskognismus, eine Rolle zu spielen. Wenn eine ganz persönliche Definition von den Sprechern vorgenommen wird, unterscheiden sich diese sehr stark voneinander, da meist auf sehr individuelle Erfahrungswerte Bezug genommen wird. Ein Vergleich solcher Definitionen ist daher sehr schwierig, zeigt aber auch den sehr persönlichen Bezug der Befragten zu ihrem Idiom und zum Teil die politisch linke Einstellung der Befragten, die in okzitanistischen Kreisen vorherrschend ist (vgl. Moreux 2004, 44).

4.6. Kultureller Wert des Gaskognischen

Die Frage nach einer eigenen Kultur der Sprache,142Vgl. Anhang 4j. stellte Johann Fischer in seinem Fragebogen, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob sich die Okzitanischsprecher der Kultur um das Okzitanische gewahr waren. Das galt insbesondere für die Literatur, da sie den kulturellen Wert, der über die Ebene des Ländlichen hinausgeht, verdeutlicht (vgl. Fischer 1993, 190f.). Dadurch, dass sich der Begriff culture verschiedenartig interpretieren lässt, wurde zudem – falls sich aus der davor gegebenen Antwort nicht erschließen ließ, was die Befragten darunter verstanden – um Präzisierung gebeten, worin diese bestehe. Die Frage regte einen Teil der Befragten an, auf Mentalitätsfragen einzugehen. Auffällig war außerdem, dass über die Definition der typischen Kultur von einigen Befragten eine Abgrenzung von fremdartigen kulturellen Merkmalen vorgenommen wurde. Im Umkehrschluss führte das zu einer Definition der Mentalität oder derjenigen kulturellen Phänomene, die tatsächlich zur eigenen Kultur gehören. Damit wurde die ideologische Komponente, eine etwaige Zugehörigkeit zum Okzitanismus oder dessen Ablehnung, wieder zur Sprache gebracht. Bei dieser Frage fühlten sich selbst einige Befragte, die das Wort gascon in vorausgehenden Fragen durchgehend ignoriert und in der Antwort an seiner Stelle das Wort occitan platziert hatten, dazu angeregt auf Eigenheiten einer dezidiert gaskognischen Kultur einzugehen.

Abbildung 14: Abgrenzung der gaskognischen Kultur von anderen Kulturen durch die Befragten

An dieser Stelle scheinen selbst eingeschworene Okzitanisten Unterschiede zu erkennen, die sich nicht leugnen lassen. Dementsprechend gestaltete sich die Bandbreite der gegebenen Antworten folgendermaßen: Allen Antworten gemeinsam war die Einsicht darüber, dass es eine Kultur zu geben scheint. Individuell waren allerdings sowohl die geographische, als auch die zeitliche Dimension dieser Kultur und die angegebenen Charakteristika, worin diese besteht.

CUB06_36f, die die ganze Zeit über auf einer Bezeichnung des Gaskognischen als Okzitanischen beharrte, erklärt das Phänomen – dass sie doch anerkennt, dass es innerhalb des Okzitanischen auch lokale Unterschiede gäbe, damit: „il y a des traditions –  géo() ‘fin – implantées géographiquement – mais [elles] s’englobent dans des choses plus larges“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4j).143Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.

CUB08_34m löst dieses Definitionsproblem mit der Umschreibung: „y a des traits particuliers de la culture occitane – de Gascogne“ und geht auf sprachliche und literarische Unterschiede, sowie auf Differenzen bezüglich der Mentalität ein, insbesondere in Abgrenzung zum mediterranen Gemüt seiner Lebensgefährtin aus Montpellier (vgl. CUB08_34m, Anhang 4j).

LTB01_60m vertritt erneut einen gaskognistischen Blickwinkel. Er geht zunächst auf typische literarische, kulinarische und sportliche Charakteristika der gaskognischen Kultur ein, die er zunächst offen mit „la culture qui caractérise un peu le Sud quoi“ resümiert und dann strikt von der „région française“ abgrenzt, zu der die Gascogne für ihn dezidiert nicht zählt. Vermutlich aufgrund seines Erwerbs des Gaskognischen als zweite Sprache und seines gaskognistischen Hintergrunds, nimmt er eine höhere Kultur in Form einer gaskognischen Literatur wahr (vgl. LTB01_60m, Anhang 4j).144Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f. Etwas später verdeutlicht er nochmals, dass die gaskognische Kultur für ihn ganz strikt von der global vermengenden Kultur des Okzitanischen zu trennen sei. Auf Unterschiede innerhalb des gaskognischen Kulturraums weist er allerdings nicht hin.

Auch CUB02_72f, deren Sympathiebekundung zum Gaskognischen oder Okzitanischen eher verhalten bleibt, grenzt die gaskognische Kultur – begründet durch sprachgeschichtliche Eigenheiten, die einen linguistischen Unterschied begründen, vom Rest des okzitanischen Sprachgebietes ab: „on n’est pas calqué vraiment sur le latin […] le Languedocien – c’est – c’est vraiment issu du latin“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4j). Eine kleinteiligere Beschreibung nimmt sie allerdings nicht vor.

LTB02_60f bringt dagegen zum Ausdruck, dass es auch innerhalb der Gascogne Unterschiede zwischen den dort lebenden Personen gebe, je nach Herkunft innerhalb der Region. Auf die Frage nach einer Kultur sagt sie: „une langue sans culture – ça n’existe pas“, diese Kultur bezeichnet sie aufgrund der ihr zugrunde liegenden Einflüsse als „culture métissée“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4j).

Auch CUB03_42m, der sonst weitestgehend den Begriff occitan verwendet, geht darauf ein, dass die Gascogne doch recht heterogen wäre und spricht das Phänomen an, dass sich Sprecher aus bestimmten Gebieten für die idealtypische Referenz hielten:

il y a aussi le problème entre les Gascons du centre (x) voire dans les Landes – dans le Gers vers Auch – Mont-de-Marsan qui eux considèrent qu’eux sont de vrais Gascons et que tout autour – on est des Demi-Gascons quoi (vgl. CUB03_42m, Anhang 4j).

CUB10_44m wählt dagegen einen recht selbstkritischen Blickwinkel. So betont auch er den großen Unterschied in der Mentalität, im Vergleich zu den Menschen aus dem Mittelmeerraum, spricht aber auch davon, dass kulturelle Fragen etwas sehr Ortsspezifisches seien. Um allerdings dennoch seine Philosophie als Leiter eines okzitanistischen Institutes zu begründen, sagt er, dass er eines begriffen habe: „parfois la distinction sert plus à rien.“ Denn er ist folgender Auffassung:

‘fin – il y a pas une culture – c’est comme – c’est comme de dire le gascon existe à la rigueur – à la rigueur – je vous dis – le gascon n’existe pas (vgl. CUB10_44m, Anhang 4j).

S01_80f, die selbst L1-Sprecherin ist, verbindet mit der culture propre scheinbar jene Traditionen, die früher in ihrer Herkunftsregion, den Landes, praktiziert wurden, als der „patois“ noch von allen gesprochen wurde. Damit macht sie die Eigenheiten zu einem sehr lokalen Phänomen, das im Grunde einer bereits vergangenen Lebenswelt angehört:

Des coutumes en pagaille – des superstitions – si – mais des coutumes – c’était une culture – c’était vivre comme vivre – autrefois – il y avait le patois – oui – c’est une culture – oui – oui – oui – c’est une culture – il y avait plein de traditions (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Seit sich die ländliche Lebenswelt verändert hat, scheint die Kultur in ihren Augen nicht mehr praktiziert zu werden, weshalb sie auch konsequent in der Vergangenheit spricht:

on vivait avec nos voisins, c’était une autre vie, bon – c’était – mais c’est pas si loin que ça parce que je m’en souviens – c’est vrai – c’était une autre vie, c’était – on était heureux (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Diese Lebensphase scheint sie also geradezu romantisch zu verklären. Die Kultur des ländlichen Lebens in den Landes mit ihren maïades und den fêtes rechnet sie scheinbar  gänzlich der Vergangenheit zu, in Verbindung mit dem Verschwinden des von ihr so bezeichneten patois: „autrefois – c’était autrement – autrefois – c’était autrement“ (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Die restlichen Befragten nahmen bei dieser Frage keine territoriale Abgrenzung vor, jedoch kann über die von ihnen angegebenen Charakteristika der gaskognischen Kultur dennoch eine Einschätzung darüber gegeben werden, welches Prestige sie ihr beimessen und welcher geographischen oder ideologischen Dimension sie sie insgeheim zuordnen.145Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.

Die L1-Sprecher CUB01_65m und CUB05_65f entscheiden sich für keine dezidierte Abgrenzung von einer anderen Kultur. Sie definieren die Kultur als das, was sie in ihrer Vereinsarbeit zu schützen suchen, nämlich typische Freizeitaktivitäten und „les façons de vivre liées au lieu“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4j): Spiele, Lieder und Tänze. Von Kultur im Sinne spezifischer literarischer Traditionen ist bei ihnen keine Rede. Hier könnte ein Indiz dafür zu sehen sein, dass die alternde Generation der Muttersprachler lediglich ihre alte ländliche Lebenswelt mit der gaskognischen Kultur in Verbindung bringt (vgl. Fischer 1993, 190f.).

CUB04_67m, der das Gaskognische dagegen in Abendkursen erlernt hat, verbindet mit der Kultur neben der typischen Küche und Gesängen auch Werte wie eine eigene Literatur und Geschichte. Auch der Anthropologe CUB07_70m nimmt, vermutlich nicht zuletzt aufgrund seines kultivierten Hintergrundes, die Literatur des Gaskognischen wahr: sowohl die historisch bedeutsamen, als auch die aktuellen Werke.

CUB09_72f betont ebenfalls, dass sie es bedauere, dass die gaskognische Kultur wegen der Globalisierung verschwinde: „comme tout ça se perd – la mondialisation“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4j). Der Begriff der Kultur scheint für sie mit einem Konglomerat an Traditionen verbunden zu sein – die geographische Ebene scheint für sie dagegen eher offen zu sein: Sie nennt lokale kulinarische Traditionen, aber auch archäologische Funde und das okzitanische Kreuz als Teile der Kultur.

Abbildung 15: Distinktive Merkmale der gaskognischen Kultur aus Sicht der Befragten

Allgemein fällt also auf, dass ganz verschiedene definitorische Merkmale von den Befragten aufgezählt wurden, die größtenteils auf die persönliche Biographie und die ideologischen Vorstellungen der Sprecher zurückzuführen sind und die sich in fünf große Übergruppen einordnen lassen: Zum einen gibt es verschiedene Traditionen, wie Feste, kulinarische Bräuche, eigene Gesänge, Tänze und Spiele, zum anderen besondere landwirtschaftliche Traditionen, wie den Fischfang und religiöse Bräuche. Während die L1-Sprecher allesamt auf Traditionen und Bräuche eingehen, die sie, wie S01_80f, mit einer ländlichen Lebenswelt verbinden, die bereits der Vergangenheit angehört, sehen die jüngeren Sprecher die Aktualität ihrer Kultur. Außerdem gehen jene, die das Gaskognische nicht als Muttersprache erworben haben, auf sprachliche Besonderheiten ein, die das Idiom von (anderen) Varietäten des Okzitanischen unterscheiden. Dies scheint nicht zuletzt darauf zurückzuführen zu sein, dass diese Sprecher das Gaskognische mittels der Schrift und nicht allein über den mündlichen Sprachgebrauch erlernt haben. Dies geschah in der Regel in Kursen, in denen das Idiom unter dem Namen Okzitanisch unterrichtet wurde. Darüber hinaus sehen die betroffenen Befragten auch die „höhere Kultur“, die zum Gaskognischen gehört – seine eigene Literatur sowie seine eigenen Märchen und Gebete. Außerdem wird auf seine eigene Geschichte, besondere archäologische Funde und Symbole eingegangen.146Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.

Abgesehen davon gingen vier der Befragten auf die besondere Mentalität, die sie mit der gaskognischen Kultur verbinden, ein, die sie von derer, der okzitanischen Regionen, beziehungsweise der anderen okzitanischen Regionen unterscheiden.147Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.

Somit wird also klar, dass über die Eigenheiten der gaskognischen Kultur kein eindeutiger Konsens besteht.

4.7. Zukunftsperspektive des Gaskognischen

Da die vorliegende Arbeit darauf abzielt festzustellen, ob sich Tendenzen zur Entwicklung des Gaskognischen zum Erinnerungsdialekt beziehungsweise zur Erinnerungssprache erkennen lassen, war es, neben der Einstellung der Sprecher zur Transmission, ein Anliegen zu erfahren, welche Zukunftschancen der langue régionale eingeräumt werden. In diesem Frageteil ging es daher darum, ob die Sprecher diese als hoch einschätzen und auch realistisch wahrnehmen oder ob die Situation von ihnen romantisch verklärt wird. Daher wurden die Fragen gestellt, ob sie der Meinung der Sprecher nach verschwindet und ob man sie retten müsse.148Vgl. Anhang 4k bzw. 4l. Um zu sehen, ob die Sprecher diese Chancen tatsächlich realistisch einschätzen, wurde zudem um eine genauere Erläuterung gebeten, welche Bedeutung das Gaskognische aktuell an ihrem Wohnort hat.149Vgl. Anhang 4m. Abschließend wurde noch gefragt, ob die Befragten selbst etwas dafür täten, ihre Minderheitensprache zu retten.150Vgl. Anhang 4n bzw. 4l. Auffällig war in diesem Teil, dass zahlreiche Sprecher auf ihre konkreten Vorstellungen von einer Rettungsstrategie eingingen.

Abbildung 16: Einschätzung der Überlebenschancen des Gaskognischen durch die Befragten

Die Zukunftschancen werden von knapp der Hälfte der Befragten als positiv eingeschätzt. Die Möglichkeit, dass das Gaskognische verschwinden könnte, wird von ihnen nicht gesehen. Begründet wurde dies allerdings auf unterschiedliche Weise.

CUB01_65m und CUB05_65f, die über die association L’Estaca regelmäßig an Veranstaltungen der Calandreta in Pessac teilnehmen und sich daher mit deren Wirkung auf die beteiligten Familien auseinandergesetzt haben, sehen deren positive Wirkung auf die Gesellschaft. CUB01_65m ist etwa folgender Meinung: „dans les deux générations qui me suivent la langue ne disparaîtra pas“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4k). Er begründet dies zum einen mit den inzwischen positiven Einstellungen der Regierung zu den langues régionales und geht auf die Tatsache ein, dass zahlreiche Eltern von Kindern, die ihre Schützlinge in die Calandreta bringen, auch anfangen würden, die Sprache zu sprechen. Eine weitere Muttersprachlerin, CUB05_65f, teilt diese Meinung, denn es gäbe schließlich keine Verbote mehr wie noch vor 50 Jahren, außerdem gebe es einige associations, die sich um den Erhalt des Gaskognischen bemühen. Sie zeige sich daher optimistisch, dass es Leute geben wird, die sich weiterhin für die langue régionale interessieren, um ihren Wurzeln auf den Grund zu gehen:

il y a la Calandreta et puis quelques – il y a déjà assez de demandeurs de retrouver leur racine – alors je pense que – je pense que non – bon – bien sûr il faudra – il faut être vigilant – il faudra être vigilant – bon – je pense qu’il y a la relève quand même (vgl. CUB05_65f, Anhang 4k).

CUB03_42m und CUB04_67m sind sich ebenfalls sicher, dass das Gaskognische nicht verschwinden wird. Ersterer begründet dies nicht. CUB04_67m erklärt die Sprache, aufgrund der Fortschritte der sprachwissenschaftlichen Forschung, für „sauvée“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4k). Dies macht er daran fest, dass die linguistischen Merkmale des Gaskognischen ja inzwischen bekannt wären. Er räumt allerdings auch ein, dass es fraglich wäre, wer das Idiom noch sprechen wird.

Von den beiden Hochschullehrern, CUB07_70m und CUB06_36f, wird dagegen auf die historische Kontinuität des Gaskognischen hingewiesen und somit auf die Tatsache, dass die Minderheitensprache sich immer erhalten habe, auch wenn das Sprachsterben über Jahrhunderte hinweg angekündigt worden war. Die Okzitanischdozentin, CUB06_36f, begründet das in genau dieser Weise:

l’histoire de l’occitan c’est – c’est une chronique d’une mort annoncée – depuis le treizième siècle (.) et depuis le treizième siècle tout le monde annonce que ça va mourir (vgl. CUB06_36f, Anhang 4k).

Ein Durchsetzen gegenüber dem Französischen hält sie allerdings für ausgeschlossen.

Der emeritierte Anthropologe CUB07_70m geht von einer ganz persönliche Theorie aus. Er erklärt, dass er das Gaskognische für eine „langue d’une classe d’âge“ halten würde, die sich in Form des français régional erhält. Die regionaltypischen Wörter würden dann ab dem Alter von etwa 50 Jahren durch gaskognische Wörter ausgetauscht werden, was aber für Außenstehende auf unsichtbare Art und Weise geschehen würde, da es sich um eine „langue discrète“ handle:

la langue se maintient de façon discrète – oui – parce que – ça aussi – c’est une mention – le gascon – on en a pas parlé hier – le gascon – c’est une langue discrète – c’est-à-dire que vous allez au pays basque – les gens connaissent trois mots de basque – ils vont vous les donner – ici – c’est l’inverse – si quelqu’un ne comprend pas le gascon – on arrête de parler gascon pour pas – par politesse – donc – l’impression que le basque se maintient – ce qui n’est pas vrai – et que le gascon disparaisse –ce qui n’est pas vrai non plus – c’est-à-dire l’impression est fausse – c’est – c’est véritablement une langue discrète – on l’affirme pas – d’autant plus que c’est une langue de l’intimité – de réflexion quoi – on le parle avec des gens qu’on connait bien quoi – pas avec n’importe qui (vgl. CUB07_70m, Anhang 4k).

Fünf weitere Befragte knüpften das Überleben des Gaskognischen dagegen an Bedingungen oder schränkten seine zukünftige Bedeutung auf gewisse Wirkungsbereiche ein.

CUB10_44m antwortete zunächst auf die Frage nach einem möglichen Verschwinden des Gaskognischen mit Ja, denn der Sprachwandel würde allgemein dazu beitragen, dass sich alle Sprachen verändern. Insgesamt würde es aber nicht verschwinden, wenn es Veränderungen in der Arbeitsweise der Förderer gebe. Jedoch gebe es nach wie vor das Problem der Transmission, die kaum noch stattfinden würde und die auch schwer mit Fördermaßnahmen wieder eingeleitet werden könne:

au niveau de la transmission familiale – la chance de la transmission familiale s’est vraiment complètement effondrée. […] Mais il y a des endroits qui ont mieux conservé que les autres […] Même dans le milieu rural – elle est pas en extension familiale intégrale – mais je suis optimiste sur la survie de la langue – je pense pas que l’occitan meure d’ici demain – ni d’ici cinquante ans – ni d’ici un siècle – par contre – on est réellement en échec sur le plan sociologique (vgl. CUB10_44m, Anhang 4k).

CUB08_34m, der selbst politisch an der Ausarbeitung von Förderungsmaßnahmen für das Gaskognische beteiligt ist, hält die Frage nach seinem möglichen Verschwinden für schwierig zu beantworten: Zum einen sehe er, dass zahlreiche Politiker andere Prioritäten als kulturelle Fragen hätten, zum anderen sehe er, ausgehend vom Verhalten der okzitanischen Gesellschaft, Entwicklungen, die ihn nur wenig optimistisch stimmen, da sich nur wenige Menschen mit dieser Sprache identifizieren können und sich auch nicht – dem Bedrohungszustand entsprechend – für das Gaskognische einsetzen würden. Er versteht also die von CUB07_70m angesprochene Eigenschaft des Gaskognischen als „langue discrète“ als Bedrohung für seinen Erhalt und interpretiert das Verhalten der potentiellen Sprecher als Desinteresse an seinem Schutz:

Il n’y a pas une réelle adhésion à – à cette langue – à cette culture – c’est-à-dire que – contrairement par exemple au pays basque – puisque je travaille aussi pour l’euskara – c’est qu’on a pas une adhésion franche de la société – ça a pas eu un basculement – un déclique – oui – ok – on a une langue qui est mal en point mais on va se – faire en sorte de réscolariser et de retransmettre cette langue et de la pratiquer – non, ce phénomène n’a pas eu lieu (vgl. CUB08_34m, Anhang 4k).

Beide sehen als aktive Schützer des Gaskognischen – auf Regionsebene und auf der Ebene der Arbeit am IEO Gironde – durchaus Hindernisse gegeben, die den Erfolg ihrer Arbeit beeinträchtigen könnten, auch wenn sie sich ein Verschwinden nicht wünschen.

CUB02_72f gibt an nicht so recht zu wissen, ob das Gaskognische verschwinden könnte und stellt daher nur Vermutungen an. Sie habe aber „peur qu’on soit passé à la moulinette de l’Americanité“ und würde der Globalisierung somit die Schuld an einem möglichen Verschwinden geben. Sie gehe zumindest davon aus, dass es in Form von Relikten wie Straßennamen, geschichtlichen Erinnerungen und bestimmten, nicht zu übersetzenden Ausdrücken weiterbestehen könne. Was die gesprochene Sprache an sich betrifft, so spricht sie davon, dass diese sicherlich weiterhin von Sprachbegeisterten praktiziert werden würde. Das Gakognisch der Zukunft sei aber vermutlich nicht „la langue d’aujourd’hui – elle aura évoluée:“

ça sera peut-être pas le gascon qu’on parle aujourd’hui – le risque c’est qu’il sera un peu appauvri, je pense – voilà – mais ce n’est pas sûr (vgl. CUB02_72f, Anhang 4k).

In diesem Zusammenhang erwähnt sie auch eine mögliche Entwicklung hin zu einer „langue plus unifiée sur tous les domaines de l’occitan“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4k).

LTB02_60f geht nicht von einem tatsächlichen Ableben des Gaskognischen aus, denkt allerdings, dass es höchstens als „savoir savant“ an der Universität erhalten bleiben könnte (vgl. LTB02_60f, Anhang 4k). Dass es jedoch dazu kommen könnte, dass es wieder auf der Straße gesprochen wird, wie dies noch in ihrer Kindheit der Fall war, schließt sie aus. Verantwortlich macht sie dafür, den Zuzug von Menschen von außerhalb, wie im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich werden soll.

S01_80f sagt, dass sie das Verschwinden des Gaskognischen befürchten würde, aber hoffe, dass es sich zumindest in den Bergen, im Béarn, halten könne. Sie räumt als Ursache für das Verschwinden an ihrem Ort ein, dass man – insbesondere auch in der Generation nach ihr – „honte“ gehabt hätte patois zu sprechen, weil man „arriéré“ gewirkt habe und macht das für ein Verschwinden beziehungsweise einen Rückgang verantwortlich (vgl. S01_80f, Anhang 4k).

Zwei Sprecher gehen tatsächlich von einem Verschwinden des Gaskognischen aus, wobei CUB09_72f als Begründung dafür auch auf die Entwicklungen der modernen Gesellschaft eingeht. Ihrer Meinung nach würden diese das Gaskognische sehr stark bedrohen, sodass von einem langfristigen Verschwinden auszugehen sei. Das Gaskognische sei „quand même pas dans l’esprit de maintenant“. Schuld am Verschwinden des „truc identitaire“, das sie untrennbar mit dem Gaskognischen verwoben zu sehen scheint, sei die „brassage de population“. Sie illustriert dies mit Geschichten aus ihrer eigenen Familie, welche bis zu ihrem Weggang immer im Médoc gewesen und geblieben sei:

mes enfants – ils se sont mariés avec une autre – d’une autre région – d’une autre race – d’un autre pays – après les enfants qui naissent – ils appartiennent à quelle identité? (Vgl. S01_80f, Anhang 4k).

LTB01_60m begründet das von ihm prophezeite Aussterben des Gaskognischen „à l’essor de 50 ans“ mit Werken aus gaskognistischer Perspektive, die er zu diesem Thema gelesen habe.151Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419. Für das Verschwinden gibt er zum einen die in diesen Werken erwähnten Gründe an, nämlich „la disparition de la société pastorale“, und führt zum anderen die Tradition der französischen Sprachpolitik an, die, mit ihrer „volonté des politiques d’éradiquer les patois“ und dem Ziel der „unité de la nation“, langfristig die Schuld am baldigen Aussterben des Gaskognischen tragen wird (vgl. LTB01_60m, Anhang 4k).

Abbildung 17: Einschätzung der Bedeutung des Gaskognischen am eigenen Wohnort durch die Befragten

Was die Bedeutung am eigenen Wohnort betrifft, so wird dem Gaskognischen im Regelfall kein großes Gewicht beigemessen. Lediglich zwei Sprecher sprachen von einer größeren Bedeutung.

Zum einen handelte es sich dabei um den in den Landes – im Ort Garein – lebenden CUB07_70m. Dieser berichtete – wie an anderer Stelle bereits erwähnt – erstaunlicherweise davon, dass es dort „la langue des gens“ sei. Bei genauerem Nachfragen, ob er denn mit jedem dort Gaskognisch sprechen würde, sagte er, dass er dies natürlich nicht mit Kindern täte, aber mit den Erwachsenen. Es sei „une langue de connivence“ und am Akzent höre man, wer Gaskognisch spreche. Nur mit diesen Leuten würde er dann eine Konversation auf Gaskognisch führen (vgl. CUB07_70m, Anhang 4l). Damit gibt er die Ansicht der okzitanismuskritischen Muttersprachler wieder, selbst wenn er diesen, aufgrund seines Spracherwerbs, nicht angehört.

Der in Pessac lebende CUB01_65m sieht die Situation des Gaskognischen durchaus kritischer, denn er betont zwar die Bedeutung, die das Gaskognische dort habe, hebt aber gleichzeitig den Sonderstatus dieses Bordelaiser Vororts in der communauté urbaine de Bordeaux hervor: „le gascon – l’occitan est reconnu et a de l’importance.“ Er belegt dies mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten, sowohl für associations wie L’Estaca, als auch für die Calandreta, und dem Angebot von Veranstaltungen um die Calandreta herum. Jedoch erwähnt er auch, dass es an anderen Orten im département Widerstände gegen die Einrichtung von bilingualen Klassen gegeben habe, weil die Eltern es nicht als nützlich empfunden hatten, dass ihre Kinder die langue régionale lernen (vgl. CUB01_65m, Anhang 4l). Auch wenn er also die Bedeutung Pessacs betont, so sind die Beispiele, die er anführt, eher kultureller Natur und spiegeln nicht die tatsächliche Bedeutung in der Gesellschaft wider. Allerdings scheint in Pessac eine vie communautaire gegeben zu sein.

Dieser Eindruck wird von CUB05_65f bestärkt, die im gleichen Ort lebt und lediglich auf kultureller Ebene von einer Bedeutung und zum Beispiel auch in Form von Orts- und Straßennamen spricht. Die Frage nach dem Bezug der Menschen in Pessac zur Minderheitensprache, beantwortet sie damit, dass sie zwar noch Niemanden getroffen habe, der dem Gaskognischen gegenüber „réfractaire“ eingestellt gewesen wäre, jedoch sähen die Leute aber nicht immer einen Nutzen in der Minderheitensprache, gerade auch im Vergleich zum Englischen (vgl. CUB05_65f, Anhang 4l).

Nur eine schwache Bedeutung, wird dem Gaskognischen ebenso von dem am Arcachonbecken lebenden Ehepaar beigemessen. LTB01_60m geht bei dieser Frage vor allem auf sprachliche Überbleibsel ein: die nach wie vor gaskognisch geprägte Toponymik, gaskognisches Vokabular in manchen Bereichen, wie der „ostréiculture“ und dem „fôret“, das im „français régional“ und im „français général d’ici“ enthalten wäre (vgl. LTB01_60m, Anhang 4l). Seine Frau, LTB02_60f, erklärt in diesem Zusammenhang, dass es sich beim Gaskognischen im Ort ganz klar um eine „langue minoritaire“ handeln würde, die für den kleinen Bevölkerungsteil, der noch aus La Teste stammt, von Bedeutung ist. Sie betont an dieser Stelle ihre Unzufriedenheit darüber, dass „beaucoup trop de Français“ nach La Teste gekommen wären. Diese macht sie wohl für das Verschwinden des Gaskognischen aus dem Lebensalltag der Küstenstadt verantwortlich (vgl. LTB02_60f, Anhang 4l).152Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.

In Talence, einem anderen Vorort von Bordeaux, sei das Gewicht der Minderheitensprache, CUB03_42m, zufolge auch sehr schwach, denn „le pouvoir politique – administratif le reconnait pas“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4l).

Auch von den Einwohnern der Stadt Bordeaux selbst, wird die Bedeutung des Gaskognischen als sehr schwach bis völlig unbedeutend beschrieben. Eine schwache Bedeutung wird dem Gaskognischen immerhin von dem jüngsten – beruflich mit dem Gaskognischen verbundenen – Befragten beigemessen. CUB08_34m stellt eine komplexe Beziehung Bordeaux‘ zu seiner Occitanéité fest: Es sei zwar so, dass die Stadt im Grunde nicht weniger „occitane“ sei als Montpellier und Toulouse, aber die Maßnahmen zur Förderung des occitan würden hier weniger gut greifen. Zudem spricht auch er davon, dass Bordeaux auf einer Art Axe mit dem Norden liegt und daher viele Menschen mit einer anderen Sicht auf die okzitanische Sprache und Kultur zuziehen würden, die diesen eher abträglich wäre:

on a eu beaucoup d’arrivés – des gens du Nord notamment de – de Paris malgré tout avec une vision de – des choses qui peut être un peu parisienne et là aussi je n’ai pas la prétention de pouvoir expliquer pourquoi – je le regrette tout simplement puisque je suis Bordelais et c’est difficile de regretter (vgl. CUB08_34m, Anhang 4l).

Allerdings kritisiert er nur explizit die Sicht dieser Leute und nicht die der Gesamtbevölkerung Bordeaux‘.

CUB06_36f spricht dagegen von einem Interesse der Menschen, das weniger sichtbar, aber dennoch vorhanden sei: „peut-être que c’est pas visible l’intérêt que les gens portent aux langues ou cultures régionales mais il est réel – voilà.“ In Bordeaux wäre es zwar auf den ersten Blick „effacé“, allerdings berichtet sie in diesem Kontext auch von ihr veranstalteten Konferenzen über die Troubadours, bei denen das Publikum ein großes Interesse am Thema gezeigt hätte, was sie sehr bewegt habe (vgl. CUB06_36f, Anhang 4l).

Von den anderen Befragten wird betont, dass das Gaskognische kaum eine Bedeutung habe, was mit verschiedenen Begründungen belegt wird – zumeist aber mit einer nicht ausreichenden Anerkennung des Gaskognischen in der ansässigen Gesellschaft.

Zwei weitere Bordelaisen sehen die Bedeutung des Gaskognischen etwa noch weniger als CUB06_36f und CUB08_34m gegeben. Laut CUB02_72f werde mit der Geschichte und Identität der Stadt nicht richtig umgegangen. Man strebe im Rathaus eher danach die Pariser zu beeindrucken. Sie gibt daher einige Beispiele für den – die gaskognische Identität Bordeaux‘ missachtenden – Umgang Alain Juppés mit diesem Thema. Laut ihr wäre es das Ziel Juppés „métropole“ zu werden und Menschen aus Paris anzulocken, damit sich diese in Bordeaux niederlassen könnten. In ihren Augen würde er das Gaskognische als störend für das von ihm angestrebte Image Bordeaux‘ empfinden: „une métropole qui baragouine – le patois – franchement, ça ne fait pas chic.“ Und es sei nun einmal „que de la culture – ça n’apporte rien“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4l).

CUB10_44m spricht davon, dass das Gaskognische in Bordeaux keinerlei Bedeutung hätte, daher spricht auch er von einem „échec à ce niveau-là“ von den für den Erhalt kämpfenden Vereinen (vgl. CUB10_44m, Anhang 4l).

Auch in anderen Bordelaiser Vororten sei die Bedeutung des Idioms nicht mehr gegeben. In Mérignac gebe es – in Abgrenzung zur kulturellen Bedeutung des Gaskognischen in Pessac – laut CUB09_72f keine „identité gasconne“ mehr (vgl. CUB09_72f, Anhang 4l). Und in Lormont habe der hier lebende Befragte, CUB04_67m, auch noch nie Gaskognisch sprechen hören.

Selbst die, in der ländlichen Abgeschiedenheit, in Sore, im département Landes, lebende S01_80f spricht davon, dass das Gaskognische dort aktuell keinerlei Bedeutung mehr habe.

Abbildung 18: Die Notwendigkeit das Gaskognische zu retten aus Sicht der Befragten

Bei der Betrachtung dieser Ergebnisse erstaunt es auch nicht, dass ein Großteil der Befragten der Ansicht ist, dass man das Gaskognische retten müsse. Lediglich zwei der Beforschten gaben an, dass man das Gaskognische nicht retten müsse, allerdings aus völlig verschiedenen Gründen.

Die vom Arcachonbecken stammende LTB02_60f erwähnt diesbezüglich, dass es schlichtweg zu spät wäre, noch zu versuchen das Gaskognische zu retten, denn der Zuzug von zu vielen Menschen aus anderen Regionen Frankreichs, habe seinen Tod besiegelt. Es habe höchstens noch in den Bergen, im Béarn, Überlebenschancen. Es würde sich daher auch nicht lohnen Überlegungen darüber anzustellen:

ici à la côte – c’est pas la peine d’en parler – on est foutu dehors – donc – je vois pas comment on peut se remettre à parler gascon dans un pays où on est foutu dehors – […] Donc voilà – ça me paraît pas possible – quoi – c’est une question de population – les gens d’ici– les gens d’ici – ils sont partis pour vivre ailleurs – plus dans les Landes comme ça – quoi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4m).

Der bei der Frage nach der Bedeutung am Wohnort bereits sehr positiv eingestellte CUB01_65m behält auch bei dieser Frage seinen Optimismus bei, indem er antwortet: „Il se sauvera par lui-même.“ Er räumt allerdings ein, dass ein gewisses Maß an Verantwortung bei den élus liege, welche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen müssten „pour permettre aux militants des associations de développer la culture.“ Er kann also auch nicht leugnen, dass es dem Engagement von militants bedarf, um den Erhalt des Gaskognischen zu sichern (vgl. CUB01_65m, Anhang 4m). Eine Förderung des Gaskognischen wäre also doch notwendig. Bei der Frage nach seinem Engagement für die Sprache wehrt er sich außerdem vehement gegen den Gebrauch des Ausdrucks „sauver“, denn er rette es nicht, sondern tue etwas „pour le transmettre – pour le faire connaître“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4m).153Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.

CUB05_65f gibt sich bei dieser Thematik unentschlossen, da sie dies für eine politische Angelegenheit halte, zu der sie als einfache Bürgerin nichts sagen könne.

Alle anderen Befragten geben vor dem Hintergrund der schwachen bis niedrigen Bedeutung an, dass man etwas tun müsse, um zum Überleben des Gaskognischen beizutragen.

Erstaunlich ist lediglich, dass CUB07_70m, der von der Bedeutung des Gaskognischen in seinem Wohnort als „la langue des gens“ sprach, diese als rettungsbedürftig bezeichnet (vgl. CUB07_70m, Anhang 4m). Hier wird also klar, dass auch er im Grunde den bedrohten Zustand des Idioms wahrnimmt. Explizit erwähnt er in diesem Zusammenhang, dass er es gut fände, dass die Minderheitensprache über die Calandretas eine Valorisierung erfährt und dass dort „gens qui sont à l’aise avec la langue“ ausgebildet werden (vgl. CUB07_70m, Anhang 4m). Die Menschen in seinem Ort scheinen also doch nicht so gut Gaskognisch zu sprechen oder so zahlreich zu sein, wie er zunächst betonte.

Abbildung 19: Persönliches Engagement der Befragten für die Rettung des Gaskognischen

Unter den Befragten ist zudem das persönliche Engagement beim Retten der langue régionale überdurchschnittlich hoch. Insgesamt gaben elf von 13 Befragten an, bereits etwas für die Rettung der Sprache getan zu haben – davon sind neun noch aktiv.

Die zwei Befragten, die ihr Engagement aufgegeben haben, sind jene, die rigide auf dem Gaskognischen beharren und sich gegen die Okzitanismusbewegung stellen. LTB01_60m gibt daher an, „un petit peu fatigué“ zu sein, denn er habe in seinem Leben viel versucht. Zunächst habe er eine association, die den gaskognischen Namen für „Nous sommes chez nous“ trug, gegründet. Diese habe sowohl Sprachkurse gegeben, als auch kulturelle Werte vermittelt: „des danses traditionnelles, des comptes, des choses comme ça.“ Später hätte er gemeinsam mit seiner Frau, LTB02_60f, die Calandreta in La Teste-de-Buch ins Leben gerufen. Anschließend hätte er sich aber vom „mouvement occitan“ abgewendet und es sei zur Gründung einer neuen association, gemeinsam mit den Basken, gekommen:

parce que l’idée qui sous-entend c’est que – c’est qu’en fait les Gascons et les Basques, c’est le même peuple. [geschichtlicher Exkurs] on a essayé de regrouper ça avec une association vasconne – il y a toute une idéologie derrière aussi (vgl. LTB01_60m, Anhang 4n).154Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.

Er habe sich daher lange dafür eingesetzt und sich schließlich komplett zurückgezogen. Danach habe er sich nur noch mit persönlichen Projekten beschäftigt: Er habe Texte geschrieben und angefangen an einem französisch-gaskognischen Wörterbuch zu schreiben, aber es sei nur noch ein „plaisir“. Während des Prozesses des Älterwerdens, habe er einfach festgestellt, dass es nicht möglich sei alles zu revolutionieren, daher beschränke er sein Anliegen nun auf den privaten Raum:

donc – moi actuellement – j’ai tendance à – je n’ai pas du tout changé d’avis – mais j’ai plutôt tendance à vivre ça avec des amis – comme  une chose – dans un cercle un peu plus privé – plutôt dans le plaisir que dans la volonté de – de tout changer tout révolutionner – si vous voulez – ça c’est clair (vgl. LTB01_60m, Anhang 4n).

Seine Frau LTB02_60f, die seine Ansichten im Wesentlichen teilt, berichtet von einem ähnlichen Gemütswandel mit anschließendem Rückzug.

Die anderen neun aktiven Retter des Gaskognischen engagieren sich zu einem Großteil in associations: CUB01_65m – der in mehreren associations wie etwa der association L’Estaca aktiv ist – umschreibt die Aufgaben, die er übernimmt, folgendermaßen:

en toute occasion (..) d’abord, en étant responsable d’associations – à ce titre-là (.) en – en prenant tous les contacts que je peux avoir pour aller faire des animations – pour montrer la langue – la culture – à chaque fois que nous le pouvons – plusieurs fois dans l’année – en différents endroits – et ensuite en étant bénévole pour (.) aller dans des écoles – faire des animations – présenter la langue et la culture aux enfants des écoles (..) et en portant mon béret l’hiver qui est un signe identitaire gascon [x] (vgl. CUB01_65m, Anhang 4n).

CUB05_65f, die ebenfalls Mitglied in diesem Verein ist, sagt, dass sie mit ihm „sous forme des chansons“ in der Öffentlichkeit auftrete. Auch sie spricht von aktiven Bemühungen, ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen. Sie nehme sich dafür durchaus Zeit, allerdings habe sie diese als Rentnerin auch (vgl. CUB05_65, Anhang 4n).

CUB03_42m und CUB04_67m sind dagegen Mitglieder und Mitarbeiter im IEO Gironde/Aquitaine. Einen Beitrag zum Retten der Sprache leistet CUB03_42m, seiner Meinung nach, durch die Mitgliedschaft in dieser association, die Sprach- und Geschichtskurse, sowie kulturelle Veranstaltungen anbietet.155Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac. CUB04_67m betont vor allem die Bedeutung der Kulturveranstaltung namens „Le Mascaret“ für die Bewahrung des Gaskognischen.

Auch der directeur des IEO Gironde/Aquitaine, CUB10_44m, unterstreicht, dass er unter Nutzung der bewilligten finanziellen Mittel „une partie de l’idéo associatif occitan“ verkörpere. Außerdem gebe er im Rahmen des IEO Sprachkurse und vermittle das Gaskognische somit aktiv (vgl. CUB10_44m, Anhang 4n).

CUB02_72f, die nahezu allen Befragten durch ihr großes Engagement bekannt ist,156Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.hatte vor ihrer Rente 15 Jahre in der Calandreta in la Teste-de-Buch gearbeitet und treibt, seit sie in Rente ist, collectage-Projekte voran, in denen Sprachaufnahmen von Geschichten auf Gaskognisch, gesprochen von Muttersprachlern, gemacht und gesammelt werden.157Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben. Ebenfalls seit der Rente, engagiert sich CUB09_72f in Form einer eigenen Radiosendung über die Sprache und Kultur für das Gaskognische. Abgesehen davon würde sie alle Gelegenheiten wahrnehmen, um an kulturellen Veranstaltungen rund um das Thema gascon teilzunehmen und die Projekte so zu unterstützen.158Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.

Zwei weitere Befragte haben ihr Engagement – wie CUB10_44m – zu ihrem Beruf gemacht: CUB06_36f spricht im Rahmen ihrer Tätigkeit als Dozentin über die okzitanische Kultur und die Troubadoure und unterrichtet die Sprache selbst an der Universität von Bordeaux. CUB08_34m verwendete beim Beschreiben seiner Tätigkeit als chargé de mission für Minderheitensprachen und –kulturen in der Region Aquitaine gezielt nicht das Wort „sauver“ sondern „développer“. Er gebe neben seiner Arbeit als „plaisir Sprachkurse für Erwachsene und versuche Leute in seinem privaten Umfeld für die gaskognische Sprache und Kultur zu begeistern. Außerdem hofft er zudem, sie einmal an seine Kinder weitergeben zu können (vgl. CUB08_34m, Anhang 4n).

Zwei der Befragten geben an, sich, weder jetzt noch früher, für das Gaskognische aktiv eingesetzt zu haben. Beide sind aber im Grunde für einen Erhalt der Sprache und fühlen sich daher verpflichtet Begründungen für ihr mangelndes persönliches Engagement abzugeben. S01_80f bedauere dies sehr, allerdings sei sie mit ihren 80 Jahren nun zu alt: „il faut avoir 60 ans, être libre, être en bonne santé“ (vgl. S01_80f, Anhang 4n). CUB07_70m gibt an, um 1968 politisch sehr aktiv gewesen sein, was er danach aber für alle Themen eingestellt habe, obwohl er seine Überzeugungen nicht verändert habe. Er selbst spreche das Gaskognische aber zumindest „tant bien que mal“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4n).

Auffallend ist insgesamt, dass von mehr als der Hälfte der Befragten davon ausgegangen wird, dass das Gaskognische verschwindet, beziehungsweise Maßnahmen unternommen werden müssen, dass dies nicht eintritt. Die andere Hälfte ist dagegen optimistisch bezüglich eines Fortbestehens der langue régionale. An den Wohnorten hat das Gaskognische mehrheitlich nur eine schwache oder geringfügige Bedeutung beigemessen bekommen. Eine Ausnahme scheint insbesondere die Gemeinde Pessac darzustellen, weil sich dort eine vie communautaire herausgebildet zu haben scheint.159Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988. Nimmt man dagegen einen okzitanismuskritischen Blickwinkel ein, so wird die Bedeutung eher auf dem Land – beispielsweise in den Landes betont. Die Befragten sagten mehrheitlich, dass man das Gaskognische retten müsse und sind beziehungsweise waren fast alle aktiv an solchen Prozessen beteiligt.

4.8. Gründe für ein Festhalten am Gaskognischen

Um die Gründe dafür zu erfahren, weshalb die Befragten die langue régionale für schützenswert halten bzw. wieso man in ihren Augen noch das Gaskognische sprechen müsse und ob sich daraus etwaige Vorteile für die Zukunft ergeben würden, wurden diese Fragen explizit gestellt.160Vgl. Anhang 4o und 4p.

Abbildung 20: Einschätzung der Befragten, ob man heutzutage noch Gaskognisch sprechen muss

Etwa Dreiviertel der Befragten geben an, dass man das Gaskognische einschränkungslos noch sprechen muss und begründen dies mit der Verpflichtung als militant dazu, aber auch mit dem allgemeinen Argument, dass eine Sprache grundsätzlich ein schützenswertes Gut sei. Die meisten argumentieren vorwiegend mit seiner historischen Kontinuität in der Region. Das Bewusstsein über diese lokalgeschichtliche Gegebenheit sei wichtig für die Identität der Menschen, die dort leben:

LTB01_60m sagt daher, dass man das Gaskognische weiter sprechen müsse und zwar „le plus possible“, denn es sei „notre langue“. Außerdem sei mit ihr eine ganz spezielle Kultur und Geschichte verbunden, die „très différente de l’histoire de France“ sei und daher das Fundament für die Andersartigkeit der Gaskognier bilde – dies zu wissen, sei aus identitären Gründen sehr wichtig, denn „une langue – ça fait vivre un pays“:

je pense que l’identité, c’est important – d’abord il faut savoir où on va – il faut savoir d’où on vient – c’est vraiment quelque chose un peu courant je dirais – mais je pense que c’est la vérité – je pense qu’il faut prendre conscience des racines – pour respecter votre voisin – il faut déjà que votre voisin vous respecte – donc vos racines – elles existent – je pense qu’il faut les conserver (vgl. LTB01_60, Anhang 4o).

CUB02_72f begründet ihre Entscheidung dagegen damit, dass man all das – also die gaskognische Sprache und Kultur – nicht einfach so auslöschen könne, denn „ça représente du monde – des vies – ça représente des vies“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4o) und es wäre zudem wichtig für die Region:

Parce que c’est l’origine – pas du monde – mais en fait c’est l’origine du monde D’ICI – d’ici – donc c’est juste ça – mais on a existé avant qu’arrivaient ces hors de – ces gens déjà conquis par la consommation et tout ça (vgl. CUB02_72f, Anhang 4m)

Als Anthropologe sei CUB07_70m „obligé de défendre l’universalité des langues“ (vgl. CUB07_70, Anhang 4o) und finde deshalb, dass man die Sprache weiterhin sprechen müsse, zumal es seine eigene Sprache wäre, was er sagt, obwohl es sich beim Gaskognischen nicht um seine Muttersprache handelt – auch hier scheint also die identitäre Komponente eine Rolle zu spielen.

Auch CUB06_36f sieht die Vorteile bezüglich der Identität der Menschen und denkt, dass man deshalb Gaskognisch sprechen müsse, denn es sei nun mal Teil der Identität der hiesigen Region und eines großen Teils des Landes. Vermutlich um zu unterstreichen, dass sie das Gaskognische nicht in einer überprivilegierten Position sieht, merkt sie an, dass dies auch für andere langues régionales gelten würde.

Ähnlich allgemein argumentiert auch CUB03_42m, denn wenn man eine Sprache – wie eine langue régionale – sterben lasse, sei dies „faire disparaître un part de notre humanité.“ Er betont zudem die historische Kontinuität des Gaskognischen in der Region und kommt auf die französische Sprachgeschichte zu sprechen, wobei er betont, dass die örtliche Minderheitensprache schon länger existiere als das Französische und dass Frankreich nun „un devoir de réparation“ habe, um die geschichtlichen Vorkommnisse wieder gut zu machen (vgl. CUB03_42m, Anhang 4o).

CUB04_67m hebt hervor, dass es sich beim Gaskognischen schließlich um eine „vraie langue“ handle und geht ebenfalls auf die historische Verwurzelung mit der Region ein (vgl. CUB04_67m, Anhang 4o).

Auch CUB09_72f findet, dass man es noch sprechen müsse, was sie allerdings nicht begründet, sondern vorher vom Thema abdriftet.

CUB01_65m hatte die Frage dagegen vor allem vor dem Hintergrund seiner Mission der Rettung der Sprache verstanden und antwortete daher, dass man es natürlich bei jeder Gelegenheit sprechen müsse, was er im Rahmen seiner Vereinstätigkeit auch täte, denn „ça permet d’attirer l’attention“ und dann könne man mit den Leuten ins Gespräch kommen, um ihnen von den Sprachkursen und dem Kulturfestival „Le Mascaret“ zu erzählen (vgl. CUB01_65m, Anhang 4o).

Der directeur des IEO Aquitaine, CUP10_44m, spricht davon, dass man es weiter sprechen und schreiben müsse und könne, jedoch sollte dies keinen Anlass dazu geben, intolerant gegenüber anderen Varietäten des Okzitanischen zu sein.

Vier Personen gehen aus verschiedenen Gründen nicht von einem absoluten Muss, Gaskognisch zu sprechen, aus. Dies begründen sie zum einen mit dem aktuell sehr bedrohten Zustand des Gaskognischen, aber auch mit der Tatsache, dass man nicht von „müssen“, einem devoir sprechen dürfe – da man so eine Zwangshaltung grundsätzlich ablehnen würde.

S01_80f würde es auch wollen, dass die Sprache noch weiter gesprochen wird – da sie den aktuellen Zustand des Gaskognischen aber als sehr kritisch in ihrem Dorf wahrnimmt, spricht sie hier allerdings nur im Konjunktiv. Sie unterstreicht aber, dass sie es wirklich sehr bereuen würde, wenn das Gaskognische ausstirbt, denn es stelle schließlich ein Kulturerbe dar, das wichtig für die Identität der Menschen in der Region wäre:

c’est notre patrimoine presque là – c’est – c’est – c’est nous quoi – la région – même s’il y a des différences quand on va à la Girose – c’est pas le même parler – mais tout le monde se comprend ce qui – c’est comme on a appris une langue que tout le monde connaît – il nous faudrait une langue que notre région connaisse (vgl. S01_80f, Anhang 4o).

LTB02_60f antwortete mit einem ernüchterten und wenig euphorischen „pourquoi pas“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4o), jedoch wüsste sie nicht wie man die Situation, in der sich die Sprache befindet, noch umkehren könnte.

Laut CUB08_34m dürfe man in diesem Zusammenhang nicht von „devoir“ sprechen: „on est que sur le désir et que sur une volonté – c’est une adhésion libre.“ Aber aus beruflichen Gründen wäre er auf jeden Fall dafür, dass man die langue régionale spricht. Als Begründung gibt er an, dass die Sprache traditionell auf diesem Gebiet gesprochen wurde. Er stellt sich allerdings vehement gegen ein Ausschließen von anderen Personen mit einer anderen Herkunft als der Gaskognischen, wie dies von Gaskognisten bzw. einigen locuteurs naturels betrieben wird. Diese haben wenig Verständnis für die Arbeit der Okzitanisten (vgl. Milhé 2007, 98):161Diese Meinung konnte man dagegen bei einigen der anderen Befragten heraushören, welche sich immer wieder über das Zuziehen von Menschen aus anderen Regionen entzürnten, wie etwa LTB02_60f und CUB09_72f.

je réfute le – le discours des racines – ‘fin – pour moi une langue – c’est pas – c’est pas – ce sont pas des histoires de racine – ‘fin – parce que si on parle de ces bases-là – on exclue 30 ou 40 pourcent des gens qui vivent sur ce territoire et – et ‘fin – pour moi – non – cette langue est d’ici mais c’est tout – moi – je suis franco-espagnol et je – j’ai pas – j’ai peut-être moins de racines que d’autres gens d’ici mais n’empêche que – elle appartient – elle est aux gens qui ont envie de la parler mais pas – pas – pas à ceux qui ont des racines (vgl. CUB08_34m, Anhang 4o).

Eine ähnliche Ansicht, bezüglich der Formulierung der Fragestellung, die man als mögliche Pflicht gascon zu sprechen interpretieren könnte, hatte auch CUB05_65f, der es als Kind umgekehrt verboten war, Gaskognisch in der Schule zu sprechen. Es dürfe keine „obligation“ sein und müsse „plaisir“ bleiben. Um die Sprache allerdings erhalten zu können, müsste man es, laut ihr, aber vielleicht mehr sprechen (vgl. CUB05_65f, Anhang 4o).

Abbildung 21: Einschätzung der Befragten, ob Gaskognisch ein Vorteil für die Zukunft ist

Bei möglichen Vorteilen des Gaskognischen für die Zukunft – gehen elf der dreizehn Befragten von tatsächlichen Vorteilen aus, die einem das Sprechen dieser langue régionale eröffnen könnte. Allerdings sehen nur fünf die Vorzüge des Gaskognischen im Speziellen. Die anderen sechs geben dagegen nur Vorteile von Mehrsprachigkeit allgemein, beziehungsweise von Kultiviertheit im Besonderen an.

Bei den Vorzügen, die es bieten könnte, Gaskognisch im Speziellen zu sprechen, spielt die identitäre Ebene die entscheidende Rolle. Diesen Faktor betont etwa CUB09_72f, jedoch sei dies alles an objektiven Vorzügen. CUB10_44m betont wieder, dass er grundsätzlich darin einen Vorteil sehe, mehrere Sprachen zu sprechen: Explizit brächte Gaskognisch nur in Bezug auf die Identität einen Vorteil gegenüber anderen Sprachen mit sich.162Er unterstreicht aber erneut, dass das Gaskognische nicht anderen Varietäten des Okzitanischen oder dem Französischen überlegen wäre. Um zu unterstreichen, dass er das Gaskognische dennoch nicht als etwas Rückwärtsgewandtes verstehe, betont er – als Okzitanist – seinen Gegenwartsbezug, das es für ihn habe:

L’occitan pour moi, c’est un avantage dans le présent. Pour l’avenir – on verra. […] une langue qui doit être tournée vers le présent pour construire quelque chose de futur mais en s’inspirant par le passé (vgl. CUB10_44m, Anhang 4p).

Ähnlich argumentierte auch LTB02_60f: Für die Zukunft sei es immer ein Vorteil eine weitere Sprache sprechen zu können und für einen Gascon umso mehr, wenn es sich dabei um seine eigene Sprache handle. Es ermögliche ihm, Dinge über seine Herkunft und damit über seine Identität zu erfahren:

Oui – une langue – c’est – c’est – c’est un miroir – c’est un miroir d’une pensée – d’une façon –  de vivre – de penser – donc – c’est important que les Gascons au moins en sachent un peu (h) il faudrait que ça se maintienne comme ça, bon – dans la vie courante et tout ça – mais je crains que ce soit trop tard – mais que les enfants en Gascogne apprennent cette langue un petit peu – il faudrait – parce que c’est très important – on pense pas tout à fait pareil quand même (vgl. LTB02_60f, Anhang 4p).

CUB06_36f vertritt zudem eine Meinung, die auch in der Forschungsliteratur immer wieder erwähnt wird und in der Diskussion über die langues régionales immer wieder zur Sprache gebracht wird:163Vgl. dazu: Milhé 2007: 100. „l’enracinement régionale – à mon avis va prendre son essor – va être très important dans l’avenir.“ Dabei spricht sie von einem „point de repère important dans une société difficile“, den einem das Wissen über die Geschichte der „terre où on vit“ bieten könnte (vgl. CUB06_36f, Anhang 4p).

Zwei Beforschte, die sich intensiv mit der Öffentlichkeitsarbeit rund um das Gaskognische befassen, betonen außerdem die Vorteile, die man aus dieser neu prognostizierten Regionsverbundenheit der Menschen in Zukunft schöpfen könnte. CUB01_65m spricht bei dieser Frage ganz pragmatische Gründe an, die vor allem jungen Leuten ein Anreiz sein sollten, Gaskognisch zu lernen. Das Gaskognische wäre ein „atout niveau relationnel“, denn es gebe „des emplois dans la langue occitane“: Zum einen im Bereich Tourismus, wo man durch das Verstehen der „noms de lieux“ Führungen anbieten könnte, zum anderen im Bereich „commerce“: „le fait de mettre en valeur le terroir par la langue.“ Zum Beispiel hätte man sie schon gebeten Internetseiten auf  „occitan gascon“ zu übersetzen.164Diese Information liefert nicht zuletzt auch ein Indiz darauf, dass auch hier eventuell eine Entwicklung wie in Neapel zu beginnen scheint, denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr Gaskognisch spricht, scheint es für die Geschäfte trotzdem ein Vorteil im Bereich Marketing zu sein, ihre Schilder und Internetseiten in die langue régionale übersetzen zu lassen. Daher wäre es auch interessant einen Vergleich zwischen den beiden Regionen Südeuropas vorzunehmen, was im Rahmen der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht möglich war. Es könnte durchaus möglich sein, dass der Einsatz von Begriffen aus dem Gaskognischen auch hier dazu verwendet wird, Effekte von „Authentizität“ und „Genuinität“ zu erzeugen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 86. Darüber hinaus gebe es auch noch das „enseignement“, in dem man eine Anstellung finden könnte (vgl. CUB01_65m, Anhang 4p).

Auch CUB08_34m geht auf diese beruflichen Möglichkeiten ein, die sich für junge Menschen eröffnen könnten. Auch er selbst bestreite seinen Lebensunterhalt mit dem Okzitanischen. In diesem Zusammenhang erwähnt er unter anderem die Möglichkeit, dass man bei einem Okzitanischstudium ein Stipendium der Region erhalten könne, wenn man sich zum bilingualen Lehrer ausbilden lasse.

Jene, die im Gaskognischen im Speziellen keinen Vorteil sehen, gehen dagegen auf die Vorteile ein, die es mit sich brächte, eine zweite Sprache zu sprechen, die allgemein gehaltene Antwort wird teilweise mit der minoritären Situation des Idioms begründet. LTB01_60m, der zu denjenigen zählt, die an das Verschwinden des Gaskognischen glauben, hielt es daher für schwierig auf konkrete Vorteile der langue régionale einzugehen. Deswegen ging er auf grundsätzliche Vorteile einer „deuxième culture“ ein: Eine Öffnung „à un esprit différent“ und der Zugang zu anderen Sprachen und Kulturen (vgl. LTB01_60m, Anhang 4p).

Ähnlich argumentiert auch CUB05_65f: „ça fait une multiple – une diversité dans la culture et donc ça ouvre plus l’esprit vers le – vers toutes les autres cultures.“ Außerdem brauche es im Leben neben dem Beruf noch etwas anderes:

qui fonde la vie quoi – il faut avoir – bon – c’est une histoire de culture bon – enfin il me semble que oui pour les sens tout ça – la culture – c’est bien de parler occitan (vgl. CUB05_65f, Anhang 4p).

Andere betonen dagegen die Vorzüge, die das Beherrschen einer Fremdsprache für das Erlernen weiterer Sprachen hätte. Diesen Vorteil nennen CUB07_70m und CUB03_42m. Letzterer halte dies gerade deshalb für so vorteilhaft, da er fest davon ausgehe: „l’avenir du monde est au multilinguisme“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4p).

CUB02_72f nennt keine konkreten Vorteile des Gaskognischsprechens für die Zukunft, sondern betont nur, dass sie folgendes fände: „c’est très – très important d’être cultivé.“ Außerdem wäre Kultur an sich „un plaisir“ und Gaskognisch wäre in diesem Sinne nicht weniger wert als andere Freizeitaktivitäten: „Vous savez – faire du ski, à quoi ça sert aussi?“ (Vgl. CUB02_72f, Anhang 4p).

Die zwei Befragten, die angegeben hatten, dass es keine Vorteile bringen würde Gaskognisch zu sprechen, begründeten dies mit der Minderheitensituation der Sprache. CUB04_67m betont daher, dass man nun einmal andere „langues de communication“ habe: Französisch und Englisch auf internationaler Ebene (vgl. CUB04_67m, Anhang 4p). S01_80f spricht davon, dass es ein „revirement complèt“ bräuchte, damit das Gaskognische wieder ein Trumpf für die Zukunft sein könne. Aufgrund der Tatsache, dass es nicht mehr nur „gens du  terroir“ gebe, wäre es allerding schwierig diesen zu erreichen (vgl. S01_80f, Anhang 4p).

Auffällig war vor allem, dass einige Sprecher den Eindruck hatten, bereits auf die Frage geantwortet zu haben, weil sie bei der Frage, ob es gut oder schlecht wäre mit Kindern Gaskognisch zu sprechen, schon sehr allgemein geantwortet hatten.165Dies lag zwar nicht in der Absicht der Interviewerin, jedoch ist eine solche Interpretation nicht immer zu verhindern.

4.9. Bewertung der Sprachpolitik

Um die Bewertung der Sprachpolitik der französischen Regierung abzufragen, wurde zunächst die Frage gestellt, ob die Sprecher glauben, dass die französische Sprachpolitik dem Gaskognischen nützt oder schadet.166Vgl. Anhang 4q. Um dann noch auf eine konkrete sprachpolitische Maßnahme zu sprechen zu kommen, wurde anschließend eine Frage zum Sprachunterricht an den öffentlichen Schulen gestellt,167Vgl. Anhang 4r. da diesem, neben dem familiären Gebrauch, eine wesentliche Rolle bei der Transmission des Gaskognischen zukommt. In der Soziolinguistik wird in ihm auch ein wesentliches Indiz für den Spracherhalt bei Minderheitensprachen gesehen (vgl. 2003, 17).

Abbildung 22: Bewertung der französischen Sprachpolitik durch die Befragten

Auf die Frage, ob die Sprachpolitik der französischen Regierung das Gaskognische begünstige, antwortete etwa die Hälfte der Befragten mit einem strikten Nein.

Dabei berufen sich drei Befragte – CUB04_67m, LTB01_60m und LTB02_60f – auf die jakobinische Tradition in Frankreich, die dort seit der Französischen Revolution von 1789 vorherrscht und deren Interessen gegen das Fortbestehen der Minderheitensprachen gerichtet ist. LTB02_60f erläutert in diesem Zusammenhang die Problematik folgendermaßen:

donc cette Révolution qui a eu – qui a été très bien faite – bien entendu – vous voyez ce que je veux dire – mais en fait – en tout cas pour nous – pour les minorités intérieures de l’Hexagone – a eu des conséquences assez néfastes – quand même et pas seulement sur les minorités mais surtout notre façon de vivre aussi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4q).

Gerade das Paar aus La Teste-de-Buch scheint sich mit den sprachpolitischen Maßnahmen sehr detailliert auseinandergesetzt zu haben und hat in diesem Bereich ein sehr großes Wissen, was mit zahlreichen Details belegt wird. LTB01_60m geht dann noch auf die aktuellen Missstände der französischen Sprachpolitik ein und kritisiert neben der unzureichenden Bildungspolitik, die prinzipiell zu einer réappropriation der Sprache beitragen könnte, auch die territoriale Aufteilung der Gascogne auf verschiedene Departements und Regionen:

non seulement on a réduit les régions mais il y a peu de volonté au sein de l’État de redonner des personnalités historiques aux régions – non seulement – on a pas réunifié la Gascogne avec – disons – l’Aquitaine est partagé entre plusieurs régions – l’Aquitaine de l’Est et de l’Ouest – l’Aquitaine de l’Est qui fait partie de la région Midi-Pyrénées notamment le département du Gers et le département des Hautes-Pyrénées qui sont attachés à la région Midi-Pyrénées et qui sont historiquement gasconnes – non seulement – donc ça a eu lieu – mais en plus – on nous a ajouté les Charentais – la région de Poitou-Charentes qui n’est pas du tout de langue d’oc – qui est de langue d’oïl – qui sont vraiment des Français et une partie de la région Centre […] c’est des gens avec lesquels on a pas grand-chose à voir […] donc il y a une régression au niveau du découpage de régions (vgl. LTB01_60m, Anhang 4q).168Hier verdeutlicht sich erneut, dass es sich bei den Ansichten von LTB01_60m um eine gaskognistische Sicht handelt, denn er beruft sich mit dieser Sichtweise auf die historische Kontinuität der aquitanischen Völker. Dies kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck. Vgl. Pédemay 2012: 11-15.

Dieser Ansatzpunkt wird von den anderen Befragten weniger vertieft, klar ist aber etwa für CUB02_72f, dass alle langues régionales von der Politik ignoriert werden, da man in Frankreich nicht das Recht habe sich von der Masse zu unterscheiden:

les politiques n’en ont rien à faire – on est dans une France – dans une France verticale et il faut que rien ne dépasse (.) voilà – on est français POINT BARRE (.) et bah oui – je veux bien – ça, je le refuse pas mais je pense qu’on devrait avoir le droit d’avoir un accent (vgl. CUB02_72f, Anhang 4q).

Eine ebenso negative Meinung über die Anstrengungen der Politik in puncto Regionalsprachen, hat auch CUB09_72f. Ihrer Meinung nach würden sich die Politiker nur für das interessieren, woraus sie finanziellen Gewinn ziehen könnten und würden zudem folgendes Ziel verfolgen:

Ils s’en foutent complètement – non – les hommes politiques – il y en a pas – ils s’intéressent qu’à leur portefeuille – ça les intéresse pas – mais non – ça va pas dans leur idée ça – si on est gascon – on reste ici – alors qu’eux – ils veulent tout mélanger (vgl. CUB09_72f, Anhang 4q).169Nicht zuletzt ist diese Aussage im Zusammenhang mit ihrer Äußerung zu sehen, dass die „brassage de population“ dafür verantwortlich wäre, dass das Gaskognische verschwinden wird. Vgl. CUB09_72f, Anhang 4k.

Damit meint sie, dass die Politiker den Zuzug von Personen aus anderen Regionen Frankreichs oder anderen Ländern in den Zeiten der Globalisierung begrüßen und sogar fördern würden, was sie bereits zuvor für das Verschwinden des Gaskognischen verantwortlich gemacht hat.

Auch CUB10_44m sieht in der Sprachpolitik und im Grunde im gesamten politischen Geist Frankreichs ein Hindernis für sämtliche langues régionales:

Je pense que la culture politique française – l’identité française – enfin – ce qui est à affirmer par la classe politique et administrative française va complètement contre – va complètement contre la prise en compte des langues régionales – en particulier l’occitan (vgl. CUB10_44m, Anhang 4q).

Aufgrund des mangelnden Interesses und Wissens der élus, verwende er auch den Begriff occitan, was er folgendermaßen begründet:170Damit liefert er gleichzeitig eine Erklärung für eine konsequente Verwendung des Wortes occitan von einigen der Befragten, die in dieser Frage einer Meinung mit ihm sind.

Donc – moi je parle de l’occitan pour justement que les politiques prennent conscience de la question des langues régionales et de l’occitan en particulier – enfin – pour moi – c’est pas que la question de l’occitan – c’est la question de la langue régionale et par contre – je refuse de parler du gascon parce que sinon on risque de rentrer dans des débats qui risquent d’apporter de la division et diviser c’est renier pour une politique ensuite deux-deux – il faut dire aussi que les gens qui s’accrochent à l’identité du gascon de manière – de manière trop affective – il y en a qui fraient avec le Front National et c’est le problème de l’IBG (vgl. CUB10_44m, Anhang 4q).

Damit bringt er genau jene Aspekte auf den Punkt, die in der Forschungsliteratur zur Abgrenzung von Gaskognismus und Okzitanismus gesagt werden (vgl. etwa: Milhé 2007: 98f. bzw. 1.1.3.).

Als gute Promotionsstrategie hatte er zuvor folgende Bedingungen genannt, die insgesamt nicht erfüllt werden, weshalb er von einem échec spricht:

avoir des activités associatives intelligentes – avoir des outils de politique linguistique – une politique linguistique réaliste – ce qui n’est pas le cas – ni l’un – ni l’autre – en fait – si nous sommes en échec – c’est parce que nous sommes en échec aussi bien au niveau associatif que les collectivités locales (vgl. CUB10_44m, Anhang 4m).

Zwei der Beforschten geben dagegen restriktive Antworten und können die Frage, ob die französische Sprachpolitik das Gaskognische begünstige oder ihm schade nicht so ohne Weiteres beantworten. CUB05_65f bestätigt, in abgeschwächter Weise, die Meinung zum Desinteresse der Politik, weshalb sie die Frage, ob das politische System das Gaskognische begünstige mit „pas trop“ beantwortet. Das belegt sie mit der Tatsache, dass die Politik das Gaskognische schließlich immer noch nicht in die Verfassung aufgenommen habe. Eine restriktive Antwort kommt auch von CUB03_42m: Er spricht an, dass es Anstrengungen von Seiten der Politik gebe, aber dass diese nicht ausreichend wären. Zuvor hatte er bereits davon gesprochen, dass man das Gaskognische am Besten dadurch retten könne, wenn man Sprachunterricht im Kindergarten und der Grundschule gewährleistet. Dies sei aktuell nicht der Fall, da nicht genügend Lehrer zu Verfügung gestellt werden.171CUB03_42m erwähnt bei der Frage, ob er Gaskognisch mit seinen Kindern sprechen würde auch, dass es ihm nicht möglich war seinen Sohn in die Calandreta einzuschulen. Vgl. 3.4.

Zwei weitere Befragte geben sich unentschlossen – möglicherweise könnte die Politik mehr tun, allerdings erschwere auch der Zeitgeist grundsätzlich die Bedingungen. Die älteste Befragte, S01_80f, scheint sich mit der Frage allgemein weniger auseinandergesetzt zu haben und kann sich zunächst nicht so recht entscheiden, ob die französische Sprachpolitik förderlich oder negativ für das Gaskognische ist, denn vorher hatte sie angemerkt, dass, ihrer Meinung nach, vor allem die Kinder nicht motiviert wären, Gaskognisch zu lernen und dieses Desinteresse am Verschwinden des Gaskognischen schuld sei. Während sie darüber reflektierte, merkte sie zwar an, dass die Politik der langue régionale „par son désintérêt“ schaden würde. „Il lui nuit dans l’ignorance, il l’ignore“ (vgl. S01_80f, Anhang 4q). Das größte Problem scheint also in ihren Augen mehr das Desinteresse der Generationen nach ihr zu sein – in ihren Ausführungen explizit das ihrer eigenen Tochter und Enkeltochter – und nicht so sehr das fehlende Handeln der Politiker. CUB06_36f, die es für das Beste hielte, wenn die Förderung des Gaskognischen auf kulturelle Art und Weise erfolgen würde, sagte, dass sie den Unterricht und die Unterstützung der Minderheitensprachen durch die militants anerkenne. Sie macht eher den Zeitgeist dafür verantwortlich, dass nicht mehr gemacht würde, denn ihrer Meinung nach würde man derzeit nicht in einer „période vaste pour la culture“ leben. Allgemein traue sie aber der Verführungskraft der Kultur am meisten zu, dass sie zur Förderung des Gaskognischen beitragen kann. Sie sei sich daher nicht sicher, ob die Regierung die Minderheitensprache „à la hauteur qu’elle mérite“ anerkenne (vgl. CUB06_36f, Anhang 4q).

Drei weitere Befragte geben gar keine Stellungnahme zur Rolle der Politik ab: zum einen, da man die neue Sprachpolitik aktuell noch nicht bewerten könne, zum anderen, weil man der Politik keine so große Rolle bei der Rettung des Gaskognischen beimisst. Der jüngste Befragte, CUB08_34m, welcher selbst auf politischer Ebene tätig ist, ringt sich – vermutlich aufgrund seiner Position – zu keiner rechten Antwort durch und geht daher mehr auf die Schwierigkeiten ein, die mit der Durchsetzung einer effizienten Sprachpolitik verbunden wären. Seiner Ansicht nach liege die wesentliche Verantwortung für den Schutz des Gaskognischen bei den élus und den cercles associatifs. Seine Version von einer guten Sprachpolitik, die sich scheinbar bei mehreren der Befragten durchgesetzt hat, da sich diese untereinander kennen und sich allesamt für den Okzitanismus aussprechen, wäre folgende:172Dies lässt sich auch aus den Antworten von manch anderen Befragten ablesen, beispielsweise bei CUB01_65m, der ja auch von seiner kulturellen „démarche“ sprach. CUB02_72f verwies explizit auf CUB08_34m und die Tatsache, dass dieser ihre Vorstellung, die sie beide von einer guten Sprachpolitik hätten, noch besser erklären könne.

regagner du publique et convaincre les gens qui nous entourent – passe par une pédagogie – c’est-à-dire – ça veut dire expliquer et sans cesse expliquer et trouver une bonne argumentation et surtout ne pas diviser c’est-à-dire que quand on défend – quand on parle de l’occitan – c’est aussi défendre le français mais aussi défendre les autres langues qui nous entourent et avoir une vision globale et – et des passerelles et des allers-retours permanents entre les langues et les cultures qui nous entourent et – et toujours être sur une dynamique d’explication – de pédagogie et – et d’ouverture et rester dans un champ qui est plus ou moins d’ordre culturel qui est – pas forcément associer l’occitan à la politique ‘fin – être Occitaniste ça veut pas dire être régionaliste ou être nationaliste– on peut être Occitan de droite – de gauche on peut être un Occitan chasseur – un Occitan écologiste – l’occitan appartient – appartient à tout le monde et à personne ‘fin – ce qui – donc – il nous faut toucher toutes ces parties de la population hormis les plus extrêmes – bien évidemment (vgl. CUB08_34m, Anhang 4m).

Diese Sprachpolitik sei im Gange und im Vergleich zu vergangenen Zeiten habe bereits eine „prise de conscience“ eingesetzt. Grundsätzlich sei es aber ein sehr langwieriger Prozess, bis man es schaffe zu jenen Mitteln zu gelangen, die es für die Umsetzung einer effizienten Sprachpolitik bräuchte, denn dafür benötige man zunächst einmal Personal. Er beabsichtige deshalb „sur le long terme“ zu arbeiten (vgl. CUB08_34m, Anhang 4q).173Mit der Betonung der kulturellen Ebene, sowie der Tatsache, dass man im okzitanischen Sprachgebiet keine Trennung unter den Sprechern erreichen möchte, aber auch mit dem Erwähnen des Aspektes, dass man möglichst alle im Gebiet lebenden Personen integrieren möchte, fasst er hier genau die Ziele der Okzitanismusbewegung zusammen. Vgl. 1.1.3.

CUB01_65m entscheidet sich weder für die eine, noch für die andere Option: Er meint, dass es eben manche élus gebe, die Mittel zur Verfügung stellen, aber das sei nicht immer so. Den Grund für den Rückgang sehe er aber weniger in der Politik begründet, sondern viel mehr in den Entwicklungen der Moderne und den Veränderungen, die diese mit sich brächten:

l’adaptation au modernisme – toutes les populations des villes et des campagnes voient depuis (.) c’est parti depuis l’entre-deux-guerres je pense – ce sont tournés vers – les cultures d’Europe et puis à la fin de la deuxième guerre mondiale à la culture américaine – le jazz – le bebop – tous les trucs et puis c’est parti – grande assimilation de tout ce que venait d’ailleurs au détriment de notre culture propre (vgl. CUB01_65m, Anhang 4q).

Eine völlig andere Meinung diesbezüglich hat CUB07_70m, der überhaupt nicht an die Rolle der Politik in dieser Frage glaubt und ihren Einfluss sogar teilweise als negativ bewertet:

on a pas besoin de ça – à la limite au contraire – c’est bien que ça soit une langue discrète – une langue souterraine – c’est ça la réalité – c’est pas les décisions, bon. […] on sait aussi que les institutions ça – ça instaure des réactions négatives – oui – donc c’est pas seulement toujours positive – l’intervention du haut (vgl. CUB07_70m, Anhang 4q).

Auf die Frage danach, wie dann seiner Meinung nach die Transmission von statten geht beziehungsweise, ob es dann überhaupt eine Transmission der langue régionale geben kann, entgegnete er, dass es sich um „une langue de classe d’âge“ handeln würde: „Ça arrive mécaniquement“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4q).

Abbildung 23: Bewertung des Okzitanischunterrichts an den Schulen durch die Befragten

Bei den Antworten zur Frage nach der persönlichen Meinung zum Unterricht der langue régionale an den Schulen, also einer Meinung zu einer konkreten Maßnahme der Politik bzw. der Éducation nationale, überrascht es daher nicht, dass viele ihn nicht für ausreichend halten.

CUB09_72f, CUB06_36f, CUB05_65f und CUB01_65m geben an, den Unterricht gut zu finden. Letzterer räumt aber ein, dass viel zu wenige Lehrer ausgebildet werden, was in den Kompetenzbereich der Éducation Nationale fällt. Die Okzitanischdozentin, CUB06_36f, spricht zudem davon, dass man den Unterricht noch weiter ausbauen müsse.

Sieben weitere Befragte haben grundsätzlich keine negative Einstellung zum Gaskognischunterricht an den Schulen, halten diesen aber für unzureichend.

Die in den Landes lebende S01_80f gibt dagegen an, dass sie prinzipiell viel davon halten würde, hält die Situation der Minderheitensprache aber für relativ aussichtslos, da die Kinder und Jugendlichen einfach nicht das Interesse dafür mitbrächten. Außerdem sehe sie im Zuzug von vielen Menschen von außerhalb, die sich meist nicht in die Dorfgemeinschaft integrieren, ein Hindernis für das Greifen der Maßnahmen.

c’est bien de proposer aux enfants d’apprendre la langue un tout petit peu mais ça prend pas – on a plus que des gens de la région. […] Ce sont des gens qui sont venus – qu’est-ce qu’ils sont venus à Sore? (Vgl. S01_80f, Anhang 4r).

CUB10_44m nimmt eine recht kritische Perspektive ein und meint, dass man es durchaus besser machen könnte. Er räumt aber auch ein, dass es allgemein recht schwierig sei, bilinguale Klassen zu schaffen:

L’Éducation Nationale – ce sont des fonctionnaires, ils refusent de mettre en place – en gros – ils refusent de donner les moyens pour enseigner la langue (vgl. CUB10_44m, Anhang 4r).

Außerdem kritisierte er grundsätzlich den Fremdsprachenunterricht in Frankreich.

Auf ähnliche Weise kritisieren auch CUB03_42m und CUB04_67m das Handeln der Politik in dieser Frage, denn das Angebot sei zu gering. CUB02_72f, die selbst an Schulen unterrichtet hat, bezeichnet das enseignement als „squelette“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4r). CUB08_34m, der hier wieder die Perspektive der Politik einnimmt, gibt in diesem Zusammenhang an, dass es grundsätzlich ein vielfältiges Angebot gebe, man aber nach wie vor zu wenige ausgebildete Lehrer hätte. Man strebe allerdings an, das grundsätzlich zu ändern. Dies sei aber noch nicht im ausreichenden Maße erreicht.

Die anderen Stimmen sind dagegen sehr kritisch – sie halten das geringe Angebot und die Art und Weise, wie der Unterricht an den öffentlichen Schulen abgehalten wird nicht für gut. Die Gründer der inzwischen geschlossenen Calandreta in La Teste-de-Buch, LTB02_60f und LTB01_60m, haben des Weiteren noch ganz andere Kritikpunkte vorzubringen, als das unzureichende Angebot. Ein Kritikpunkt von LTB02_60f ist etwa, dass man die bilingualen Klassen nur eingerichtet habe, um die Gründung von Calandretas zu vermeiden, denn dort würde man ihrer Meinung nach ein gutes, effizientes Vorgehen verfolgen. Die Calandreta in Pessac, „une [seule] dans le département“, die es aufgrund der Gründung dieser Klassen nur noch gebe, wäre zudem eine „école d’intellos.“ Bezüglich der von ihnen gegründeten Calandreta, schildert sie, mit etwas verbitterten Worten, die aktuellen Entwicklungen: Die Calandreta sei eine Schule,

qui s’adresse à des enfants d’universitaires – c’est pour ça que je disais la langue restera à l’université – ça s’adresse pas à des enfants de – d’ici – non – parce que nous – à la Calandreta […] les gens – ils payaient pas – c’était pas une école de – c’était pas une école de ‘fin – une école pour d’intellos quoi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4r).

Hier äußert sie einen Kritikpunkt, der der Okzitanismusbewegung immer wieder vorgeworfen wird: seine besondere Anziehungskraft auf Akademiker, sowie eine Integration und Missionierung von Personen, die nicht aufgrund ihrer Herkunft mit dem Idiom verbunden sind (vgl. Moreux 2004, 44Milhé 2007, 100.

Zudem äußern beide, LTB01_60m noch mehr als seine Lebensgefährtin, ihre Missgunst darüber, dass „le gascon à travers l’occitan“ unterrichtet werden würde. Er präzisiert diesbezüglich weiter: „c’est quelque chose qui me convienne pas – je voudrais que le gascon soit enseigné en tant que gascon et pas en tant qu’occitan.“ Ein weiterer Kritikpunkt ist auch bei ihm, dass sich der Unterricht vor allem an Universitäre richte, was der Tatsache geschuldet sei, dass es sich nur um eine fakultative Option an den Schulen und um kein Pflichtfach handle. Dazu sagte er des Weiteren: „on est sorti de la réalité quoi“ (vgl. LTB01_60m, Anhang 4r). Daher sagen beide, dass sie es grundsätzlich für zu spät hielten, um noch etwas an der aktuellen Situation ändern zu können. Auf der Straße würde Gaskognisch ohnehin nicht mehr gesprochen werden.

CUB07_70m, der wie oben erwähnt, nicht an die Rolle der Politik in dieser Frage glaubt, sagt zwar, dass er es prinzipiell gut heiße, dass das Gaskognische durch den Status als Unterrichtssprache in der Öffentlichkeit aufgewertet werde, aber von der Umsetzung habe er keine Ahnung und könnte die Frage deshalb auch nicht beantworten.

4.10. Affektive Komponente

Da es für das Fortbestehen einer Sprache von immenser Bedeutung ist, dass es innerhalb der Sprechergruppe einen Zusammenhalt174Dieser äußert sich durch eine Identifikation der Sprecher mit ihrem Idiom und einem Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe der anderen Sprecher dieses Idioms. gibt (vgl. 2003, 7), wurden im letzten Teil des Interviews Fragen auf affektiver Ebene gestellt. Dabei wurde zunächst gefragt, ob die Sprecher lieber Gaskognisch oder Französisch sprechen175Vgl. Anhang 4s. und anschließend die Frage gestellt, ob sich die Sprecher in erster Linie als Franzosen oder als Gaskognier fühlen.176Vgl. Anhang 4t.

Abbildung 24: Bevorzugte Sprache der Befragten beim Sprechen

Von den Befragten entschieden sich lediglich vier bedingungslos dafür, dass sie das Gaskognische lieber sprechen als das Französische. Auffallend ist dabei, dass nur ein L1-Sprecher darunter ist: S01_80f. Sie spreche zwar auch gerne Französisch, aber ihre Beziehung zum Gaskognischen sei viel persönlicher. Es wäre ein „distinguo“, ein Zeichen der Zugehörigkeit, der Ausdruck einer lokalen Identität, die die ihr nachfolgenden Generationen in der Familie nicht mehr hätten:

je suis pour la langue – la langue à bloc – à bloc – à bloc pour le gascon – j’sais pas comment vous expliquer – c’est à moi ça – c’est à moi – comme – qu’on appartient à une région quoi – c’est notre nous quoi (vgl. S01_80f, Anhang 4s).

Ebenfalls mehr Spaß daran Gaskognisch zu sprechen, hätten CUB04_67m und CUB07_70m, wobei beide keine Begründung dazu abgegeben haben und diese Antwort vor dem Hintergrund, dass es sich bei ihnen nicht um Muttersprachler handelt, doch erstaunlich ist. Auch der bekennende Gaskognist, LTB01_60m gibt an, dass er das Gaskognische bevorzuge, jedoch gibt er zu, dass das Französische doch seine Muttersprache sei, weshalb er komplexere Sachverhalte – insbesondere auch in schriftlicher Form – besser in ihr ausdrücken könnte.

Vier weitere Befragte geben an, gerne Gaskognisch zu sprechen, knüpfen dies aber an verschiedene Bedingungen:

LTB02_60f äußert, dass sie grundsätzlich Spaß daran hätte gascon zu sprechen, allerdings käme es darauf an, mit wem. Mit jenen Sprechern, die es völlig außerhalb eines familiären Kontextes gelernt haben, also L2B-Sprechern im strikten Sinne, bereite es ihr keinen Spaß, Gaskognisch zu sprechen. Abgesehen davon bevorzuge sie es, wenn die Leute ihr eigenes lokales Gaskognisch sprechen: „Le gascon d’ici, maritime“ – sie kritisiert in diesem Zusammenhang die unnatürliche klingende Sprache der néolocuteurs, die vor allem béarnais sprechen würden:

il y a des gens avec lesquels ça me fait pas plaisir de parler gascon quoi – parce que souvent ce sont des gens qui ont appris le gascon que dans les livres et donc c’est un gascon très artificiel qu’ils parlent et ça me dérange de parler avec eux – ça me dérange et on sent tout de suite d’ailleurs qu’ils ont appris dans les livres et que voilà – ils ont pas un bon accent – voilà – en tout cas c’est très artificiel et tandis que – bon – avec les gens d’ici – le petit reste qui parle encore – avec des vieux par exemple – des copains de mon père comme ça – des fois – voilà – ça c’est naturel – parce que eux – ils ont une langue beaucoup moins pure que les autres – ils ont une langue un peu francisée aussi – comme ils ont beaucoup gasconisé le français – tout ça s’est mélangé – mais c’est plus naturel – voilà et puis d’autant que – pour la plupart qui l’apprennent – ils apprennent le béarnais – ils savent pas parler le gascon d’ici (vgl. LTB02_60f, Anhang 4s).

Von dieser Schwierigkeit, allerdings in Bezug auf L1-Sprecher, spricht auch Marie-Anne Roux-Châteaureynaud in ihrem Aufsatz, die ein großes Hindernis für die Transmission darin sieht, dass Muttersprachler nicht mit der Generation der L2A- oder L2B-Sprecher reden möchten (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986-988).

Erstaunlich ist dennoch, dass diese Ansicht von einer Sprecherin kommt, die das Gaskognische gar nicht muttersprachlich von den Eltern vermittelt bekommen hat und selbst maximal in eine Kategorie zwischen L2A- und L2B-Sprechern eingeordnet werden könnte. Sie reiht sich damit in die Reihe der Kritiker der néolocuteurs ein.

CUB02_72f geht ebenfalls einer tatsächlichen Entscheidung aus dem Weg. Sie betont, dass sie vor allem, wenn sie in Paris wäre, gerne Gaskognisch sprechen würde. Auf die Nachfrage nach dem genauen Grund dafür, antwortete sie: „pour montrer qu’il n’y a pas que les Parisiens à Paris – la résistance – je dis.“ Sie lenkt allerdings ein und sagt auch, dass sie nicht mit jemandem Gaskognisch sprechen würde, der dies nicht selbst beherrscht (vgl. CUB02_72f, Anhang 4s).

Auch die L1-Sprecherin CUB05_65f nimmt eine solche Einschränkung vor: Zwar sei es für sie eine Freude Gaskognisch zu sprechen, jedoch nicht mit jedem. Sobald es jemanden gebe, der es nicht verstehe, spreche sie Französisch. Auch diese Aussage stützt die Hypothese von Roux-Châteaureynaud, die besagt, dass L1-Sprecher das Sprechen nur auf sehr private Gelegenheiten beschränken. Sie praktizieren es nur dann, wenn definitiv klar ist, dass alle Anwesenden das betreffende Idiom sprechen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.). Sie berichtet in diesem Zusammenhang auch davon, dass ihre Familie es aufgab vor einem ihrer Schwager gascon zu sprechen.

Eine ähnlich einschränkende Erklärung zu seiner Begeisterung für das Gaskognische gab CUB10_44m ab: es hänge vom Ziel ab, welches mit der Wahl des gesprochenen Idioms verfolgt werde und er sehe im occitan:

un outil de communication – par contre – il ne doit pas être un empêchement à la communication ce qui peut être le cas dans le milieu occitan – il y a des gens qui se comprennent pas (vgl. CUB10_44m, Anhang 4s).

Er weißt also auch auf ein Problem innerhalb der okzitanischen Sprechergemeinschaft hin, denn auch in dieser imaginierten Sprecherfamilie ist eine ungehinderte Kommunikation, aufgrund der Unterschiede zwischen den benannten Varietäten, nicht immer möglich (vgl. Field 2009, 759f.). Außerdem betont er, dass es ihm persönlich durchaus Freude machen würde es zu sprechen, jedoch vertritt er folgende Meinung, wenn es darum geht Okzitanisch177Er bezeichnete das Idiom selbst als Okzitanisch. zu sprechen: „La langue doit rester un plaisir pas une obligation“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4s).

Die beiden jüngsten Interviewten, CUB06_36f und CUB08_34m, geben dagegen an, gleich viel Spaß am Sprechen beider Sprachen zu haben, da beide Sprachen zu ihrer Identität gehören würden. CUB06_36f formuliert dies daher so: „Je suis à la fois française et occitane et ces deux langues – je les aime à égale teneur – voilà“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4s). Jedoch geben beide zu, dass das Französische dennoch ihre Muttersprache bleibe und damit die Sprache, in der sie wirklich intime Dinge ausdrücken könnten. Außerdem sei das Französische die Sprache, die sie mit ihren Eltern verbinde.

CUB01_65m und CUB03_42m berichten dagegen von ihrer allgemeinen Begeisterung für Fremdsprachen, wobei der ältere CUB01_65m vor allem seine Begeisterung für romanische Sprachen in Abgrenzung zum Englischen betont. CUB03_42m spricht dagegen von Fremdsprachen im Allgemeinen, betont aber auch ein „attachement sentimental, affectif pour l’occitan puisque c’est la langue de [sa] grand-mère“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4s).

CUB09_72f, die sich das Gaskognische erst nachträglich selbst angeeignet hatte, gesteht sich bei dieser Frage ein, dass sie vor einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dieser Frage erstmal die notwendigen Kompetenzen haben müsste, um wirklich gut Gaskognisch sprechen zu können. Sie betont aber, dass sie daran arbeite.

Abbildung 25: Identitäre Zuordnung der Befragten

Bei der Frage der primären Zuordnung der Sprecher zu ihrer lokalen oder nationalen Identität, gab es recht unterschiedliche Antworten, die sich zum Teil auf die angestrebte Diplomatie der Sprecher sowie auf ihr ideologisches Verständnis von der Offenheit ihrer Sprache und Kultur zurückführen lassen.

Drei der Sprecher geben an, sich vorrangig als Gaskognier zu fühlen. Gemeinsam ist diesen drei Befragten, dass sich diese in ihrer ideologischen Zuordnung von den restlichen Befragten dahingehend unterscheiden, dass sie sich nicht der Okzitanismusbewegung zuordnen und einen gaskognistischen – beziehungsweise politischen – Blickwinkel auf die Identitätsfrage haben.

Als explizit gaskognisch vor der französischen Zugehörigkeit fühlen sich LTB01_60m und LTB02_60f. Beide sind sich der Tatsache, dass sie französische Staatsbürger sind, gewahr. Sie bestehen aber explizit auf ihrer gaskognischen Identität, wie dieses Zitat von LTB01_60m verdeutlicht:

je pense que je pourrais toujours m’adapter partout – mais je serai toujours Gascon. […] je me définis d’abord comme Gascon – comme je vous ai dit – je me définis comme nationalité gasconne et de citoyenneté française (vgl. LTB01_60m, Anhang 4t).

LTB02_60f geht noch etwas weiter, da sie sich strikt von einer nationalen Identität lossagt, und später sogar betont, dass sie lieber englisch geblieben wäre, da die Engländer, zur Zeit ihrer Herrschaft in der Aquitaine, mehr Respekt vor dem gesprochenen Idiom des gaskognischen Volkes gehabt hätten:

‘fin – moi – je me sens pas du tout coquerico-machin-marseillaise – non – ‘fin – ça n’est pas moi – je sens que c’est pas moi – ça m’intéresse pas (h) (vgl. LTB02_60f, Anhang 4t).178Gründe, für diese ablehnende Haltung, sind vermutlich in der, von ihr als sehr traumatisch empfundenen, Diskriminierung wegen ihres Akzents und ihrer Wortwahl zu sehen, die sie von anderen Personen, die nicht aus dem Süden Frankreichs stammen, erfahren hat.

Prinzipiell würde CUB07_70m auf diese Frage ebenfalls mit Gascon antworten, jedoch reagiert der Wissenschaftler relativ entrüstet. Grund dafür ist die Fragestellung an sich, denn das würde seiner Meinung nach voraussetzen, dass es eine „expression politique de Gascogne – expression de mouvement politique gascon“ gebe, was nicht der Fall sei. Seine Aussage habe daher keine politischen Folgen (vgl. CUB07_70m, Anhang 4t).

Bei den restlichen Antworten, wurde deutlich, dass auch diese Sprecher sich des vermeintlich politischen Gehalts der Frage bewusst waren, was nicht zuletzt an der Vorstellung des Identitätskonzept des französischen État-Nation, sowie der Weltoffenheit und dem integrativen Potential der Okzitanismusbewegung zu liegen scheint. Dementsprechend fühlten sich die restlichen Sprecher verpflichtet, ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gascogne diplomatisch zu formulieren, indem sie nach Kompromisslösungen suchten: Man fühle sich entweder Frankreich und der Gascogne verbunden, betont den besonders sentimentalen Bezug zum Gaskognischen oder vermied es eine konkrete Antwort zu geben, um hervorzuheben, dass man keine politischen, sondern nur kulturelle Ziele verfolge.179Auch hier zeigt sich der Einfluss der okzitanistischen Ideologie: Laut Colette Milhé versuchen die Okzitanisten ihre politischen Ziele durch die kulturelle Dimension zu verschleiern. Sie bezeichnet dies als „stratégie du silence“. Ob dies bei den Befragten tatsächlich der Fall ist, kann hier nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Vgl. dazu: Milhé 2010: 7. Ein Befragter betonte, dass er eine lokalere Identität habe, die nichts mit anderen Identitätskonzeptionen zu tun habe.

Die Problematik dieser weitverbreiten französisch-nationalen Zuordnung wurde auch während des Interviews mit CUB03_42m angesprochen:

mais ce que les Français ne comprennent pas – ils pensent que si on est breton, la culture bretonne ou occitane – corse va contre la culture nationale – alors que les Allemands n’ont pas ce problème (vgl. CUB03_42m, Anhang 4t).

Dementsprechend wählte dieser als Selbstzuschreibung „Français de culture occitane“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4t). Eine gaskognische Nationalität gebe es nicht. CUB05_65f verwendet mit „Française avec des racines gasconnes“ eine ähnlich diplomatische Lösung und betont ebenfalls, dass die Gascogne, in Zeiten von EU und ähnlichen heutigen Erscheinungen, ja nicht unabhängig sein könnte (vgl. CUB05_65f, Anhang 4t). Ähnlich wie CUB03_42m betont auch CUB04_67m, dass „français“ eine nationale, administrative Identität umschreiben würde, wohingegen „gascon“ etwas Persönlicheres wäre. Zudem sagt sie  „ça permet de me distinguer parmi les autres“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4t).

Vergleichbar formuliert auch CUB02_72f ihr Anliegen, mit den Worten „j’aime bien à titre personnel – j’aime bien sentir ma différence, c’est tout“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4t). Allerdings betont sie auch, dass die gaskognische und französische Identität für sie untrennbar wären. Die ursprünglich aus dem Médoc stammende CUB09_72f geht in ihrer identitären Zuordnung sogar noch kleinteiliger, als etwa CUB10_44m und CUB05_65f, vor, betont aber dennoch ihr Zugehörigkeitsgefühl zur französischen Nation: Sie fühle sich als „Française – mais du Médoc“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4t). S01_80f betont auch zu Beginn, dass sie sich als beides gleichermaßen fühlen würde, jedoch hebt auch sie die affektiven Gefühle, die sie für die Gascogne hegt, hervor. Sie bezeichnet sich als „Gasconne de cœur“ (vgl. S01_80f, Anhang 4t). Die beiden jüngsten Befragten betonen auch hier – ähnlich wie in der Frage nach der von ihnen bevorzugten Sprache, dass sie keine Zugehörigkeit über die andere stellen würden: CUB06_36f spricht von einer „double identité“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4t), CUB08_34m weitet dagegen sein Zugehörigkeitsspektrum bis auf die europäische Dimension aus,180Auch für diesen taktischen Schachzug ist das okzitanistische Umfeld bekannt. was vermutlich nicht zuletzt auf seine berufliche Funktion zurückzuführen ist:

Alors – je me sens Bordelais – Gascon – Occitan –Français – Européen (h) je met pas de – tout – tout en même temps – c’est ça – c’est pas – ce ne sont pas des couches qui sont – qui sont verticales en fait – c’est – c’est très horizontale ouais –voilà – tout ça à la fois (vgl. CUB08_34m, Anhang 4t).

Eine bewusst noch kleinteiligere identitäre Zuordnung, ohne die Betonung einer französischen oder okzitanischen Identität, die für ihn damit einherginge, nimmt CUB10_44m für sich vor: Er betrachtet sich in erster Linie als Landais, gibt aber dennoch zu, dass er schon sehr lange in Bordeaux lebt und sich im Grunde eigentlich auch als Pessacais fühle. Er nimmt des Weiteren eine Abgrenzung von umfassenderen Identitätskonzepten vor, denen er sich dezidiert nicht zugehörig fühle:

Je me suis toujours défini comme Landais – je sais c’est le truc que je dis le plus souvent – en fait – en – fait – je dis bien que je suis Bordelais parce que je peux pas dire le contraire – honnêtement – j’ai quasiment toujours vécu ici. [ausführliche Detailierung] Moi je suis – je suis Bordelais – je me sens en partie Pessacais parce que je travaille ici – je suis à Pessac – moi – je suis passionné par Félix Arnaudin – je suis passionné par les comptes traditionnels – je suis passionné par les musiques traditionnelles – je suis passionné par les chants traditionnels – par des choses anciennes – par contre je suis pas habillé – j’ai pas de costume traditionnel – ici plus personne ne porte le costume traditionnel – je porte pas le béret – je refuse de porter le béret – j’en ai un à la maison mais je refuse de porter le béret – je veux pas vivre dans le passé – je veux vivre dans le présent avec le passé – avec mon identité – qui est pas une identité gasconne – qui n’est pas une identité occitane (vgl. CUB10_44m, Anhang 4t).

Da es sich hierbei um jenen Sprecher handelt, der, aufgrund seines Misstrauens, im Vorfeld ein Indiz auf den konkreten Untersuchungsgegenstand der Arbeit erhalten hatte, ist davon auszugehen, dass er – aufgrund seiner Funktion als directeur des IEO Gironde – zum einen eine diplomatische Antwort geben wollte und zum anderen bewusst vermeiden wollte, als dem Folklorismus verbundener Sprachbewahrer, fernab der Realität, zu gelten. Wie es typisch für das okzitanistische Milieu ist, betont er, dass er sein Sprachbewahrungsstreben auf die Gegenwart und nicht auf die Vergangenheit ausgerichtet ist (vgl. Milhé 2011, 99).

Als explizit nicht französisch, bezeichnete sich nur CUB01_65m, denn er sei nicht „hexagonal“. Damit gibt er im Grunde keine konkrete Antwort auf diese Frage. Er fühlte sich zudem zu einer Betonung der Tatsache, dass er keine Unabhängigkeit von Frankreich anstrebe, verpflichtet und sagt in diesem Rahmen, dass er sich darüber im Klaren sei, dass es eine übergreifende politische Organisationsform brauche. Er verfolge mit seine Arbeit keine politischen, sondern kulturelle Ziele:181Wiederum wird dieses okzitanistische Ziel betont. Vgl. Milhé 2010: 7.

c’est que je considère très important c’est de préserver la culture et de vivre dans cette culture et d’inciter des personnes de vivre dans une culture locale (vgl. CUB01_65m, Anhang 4t).

Letztlich äußern also alle, wenn auch häufig in Verbindung mit dem Französischen, dass sie sich mit der Sprechergruppe in irgendeiner Art und Weise identifizieren und dass das Idiom bei ihnen Ansehen genießt. Bei einem Großteil war allerdings ein gewisses Unbehagen bei dieser Frage bemerkbar – was nicht zuletzt auf den Umgang der französischen Politik mit der Frage der Regional- und Minderheitensprachen und –kulturen zurückzuführen zu sein scheint. Ob sie dies aus strategischen Gründen tun, sei dahingestellt, in jedem Fall betonen sie neben der lokalen auch ihre nationale Identität, um nicht als Gruppierung betrachtet zu werden, die der nationalen Einheit des französischen Staates gefährlich werden könnte. Außerdem heben die Befragten aus dem okzitanistischen Milieu die kulturelle Dimension ihres Handelns hervor. Die Frage, ob dahinter politische Intentionen versteckt werden, kann in diesem Rahmen nicht beantwortet werden.

5. Fazit und Ausblick

Abschließend lässt sich feststellen, dass ein qualitativer, sprachbiographischer Ansatz für eine Annäherung an diesen Untersuchungsgegenstand unbedingt notwendig gewesen ist: Die Vielfalt der unterschiedlichen Ansichten, Meinungen und geäußerten Bezüge der Sprecher zum Gaskognischen, welche sich nur vor dem Hintergrund der persönlichen Lebensgeschichten der Befragten interpretieren lassen, sowie weitere interessante Aspekte, die nicht unmittelbar mit der Fragestellung verknüpft gewesen sind, wären bei einem standardisierten Fragebogen so vermutlich nicht zur Sprache gekommen.

Die Frage, ob beim Gaskognischen eine Tendenz in Richtung Erinnerungsdialekt respektive Erinnerungssprache zu erkennen ist, lässt sich aufgrund der sehr individuellen Sprechergeschichten nicht so ohne Weiteres beantworten: Ob sie das von ihnen gesprochene Idiom nun selbst als eigene Sprache, patois oder Dialekt des Okzitanischen bezeichneten, kohärent blieb vor allem die Individualität der Beziehung zu diesem. Verschiedene Züge des von Stellino und Radtke erforschten Phänomens sind aber durchaus vorhanden: Bei den Befragten, die allesamt Sprecher des Gaskognischen sind, handelte es sich nur um einen sehr kleinen Anteil an der Bevölkerung. Sie hatten sich das Gaskognische in zehn von dreizehn Fällen erst nachträglich angeeignet. Auffällig ist das dennoch recht hohe Sprachniveau, das sich allerdings durch die Tatsache erklärt, dass es sich bei den Befragten meist um Aktivisten sowie Personen gehandelt hat, welche beruflich mit dem Gaskognischen in Kontakt stehen. Faktisch verwenden sie ihr Idiom nur sehr wenig – zu sehr ausgewählten Anlässen – meist im milieu associatif oder in ihrem beruflichen Kontext, jedoch wenig in der eigenen Familie, was für den Aufbau einer vie communautaire und für den Erhalt des Idioms mittels Transmission, aber wichtig wäre.182Vgl. zur Bedeutung des „vie communautaire“: Roux-Châteaureynaud 2009: 988f. Die Transmission an Kinder wird weitestgehend gutgeheißen, jedoch mangelt es an der Umsetzung einer solchen: sei es aufgrund der damals noch schlechten Sprachkenntnisse oder den Bedingungen des Alltags in einem frankophonen Umfeld.

Demgegenüber stehen die positive Bewertung des Idioms, sowie seine Wertschätzung, hinsichtlich seiner Bedeutung für die eigene Identität, in einer, sich stetig verändernden, globalisierten Welt. Als Vorteil, der sich aus dem Sprechen des lokalen Idioms ergibt, wird gerade von Befürwortern der Okzitanismusbewegung die Öffnung für andere Kulturen gesehen. Die Zukunftschancen werden von etwa der Hälfte der Befragten positiv eingeschätzt: Am Wohnort spielt das Gaskognische allerdings meist – mit Ausnahme von Pessac, wo es eine Art vie communautaire183Vgl. zum Begriff „vie communautaire“: Roux-Châteaureynaud 2009: 988. zu geben scheint – eine sehr geringfügige Rolle. Daher sind die meisten Befragten auch der Meinung, dass man das Gaskognische retten müsse, was viele von ihnen auch aktiv versuchen. Mit der aktuellen Sprachpolitik sind sie meist unzufrieden – sei es aufgrund seiner Konzeption184Die Gaskognisten. oder aufgrund seines bisher noch unzureichenden Angebots. Nichtsdestoweniger sprechen sie gerne Gaskognisch und fühlen sich der gaskognischen Identität verbunden, wenn auch in einem ideologieabhängigen Maße, welches unterschiedliche Offenheitsgrade der Identität, Kultur und Sprache impliziert (vgl. 3.1.-3.10.).

Sehr auffällig war außerdem die Tatsache, dass sich sehr verschiedene Definitionen des Gaskognischen, die ganze Zeit der Untersuchung über, durch die Interviews gezogen hatten, was sich besonders an den Fragen zum Verhältnis des Gaskognischen zum Französischen und der Frage nach einer eigenen Kultur gezeigt hatte: Während die einen Sprecher restriktiv auf den Begriff Gaskognisch beharrten, bedienten sich andere der Bezeichnung Okzitanisch, wohinter meist die „stratégie d’un occitan régionalisé“ (vgl. Field 2009, 770f.) zu stecken scheint. Sie gehen davon aus, dass das Gaskognische Teil einer großen okzitanischen Sprache ist und das Gaskognische der Dialekt des Okzitanischen ist, der in der Gascogne gesprochen wird.

Hinter diesen Interpretationen stecken zwei ideologische Strömungen und eine weitere, davon losgelöste, Gruppe an Personen: das okzitanistische und das gaskognistische Milieu, sowie die locuteurs naturels,185Zum Begriff locuteurs naturels, als Gruppe in Abgrenzung zu den militanten Sprechern. Vgl.: Milhé 2011: 23. Milhé spricht hier selbst davon, dass es aber selbstverständlich auch locuteurs naturels im okzitanistischen Milieu gibt (in dieser Untersuchung CUB01_65m und CUB05_65f). die mit dieser Thematik weniger ideologisch umgehen.

Die Okzitanisten verstehen sich als auf die Moderne – Gegenwart und Zukunft – ausgerichtete Bewegung, die sich den Entwicklungen und Bedürfnissen der Postmoderne verpflichtet fühlt. Sie möchte auch neue Personen integrieren, „n’ayant pas d’enracinement local particulier“186Vgl. zu dieser Formulierung: Field 2009: 770.: Die Gaskognisten und locuteurs naturels suchen ihren Bezugspunkt dagegen in der Vergangenheit, in der Nostalgie.187 Vgl. 1.1.3. Die letzten beiden Strömungen würden eine Entwicklung in Richtung Erinnerungsdialekt fördern, da so nur noch Überbleibsel des Gaskognischen übrig blieben, die sich gegebenenfalls zu diaphasischen Markern entwickeln könnten. Bei den Okzitanisten ist unklar, ob man, falls sich nur noch der neu entwickelte okzitanische Standard hält – was bei einem Fortbestehen einer mangelnden Transmission des Gaskognischen im Speziellen der Fall sein könnte – noch von Gaskognisch sprechen kann oder ob ein neues, künstlich-generiertes Idiom entsteht, das den Bedürfnissen einer lokalen Identitätsfindung und eines enracinement188Vgl. zur Verwendung des Begriffs enracinement in diesem Kontext: Milhé 2007: 103. in die Region gerecht werden könnte.

Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass ein politischer Prozess der réappropriation im Gange ist, der von der Region und den départements gestützt und zusammen mit dem okzitanischen Milieu getragen wird (vgl. Milhé 2007, 7f.). Dieser könnte zu einer Revitalisierung des Idioms, beziehungsweise des Okzitanischen allgemein, beitragen. Fraglich bleibt nur, ob dieser erfolgreich ist, wenn der Konflikt zwischen den konkurrierenden Lagern der selbsternannten Sprach- bzw. Dialektbewahrer weiterhin fortbesteht, da diese Ungereimtheiten bisweilen abschreckend auf Außenstehende wirken konnten (vgl. Field 2009, 758).

Sollte sich die okzitanische Strategie durchsetzen können, so könnte sich möglicherweise die These von Colette Milhé bewahrheiten, wonach das Okzitanische zu einer neuen, auf die postmodernen Bedürfnisse ausgerichteten, Sprache der in der Region lebenden Menschen werden könnte, die sich, in Zeiten der Globalisierung, zu verschiedenen Identitäten zugehörig fühlen.189Und die französisch-nationale Zugehörigkeit mit ihrem restriktiven Gebrauch des Französischen nicht mehr die einzige Komponente ihrer Identität ausmacht. Das Sprechen nach althergebrachter Art würde dagegen der alternden Generation auf dem Land vorbehalten bleiben, sodass fortan „deux langues“ existieren würden:

La valorisation du local et le discours sur la diversité s’opposent à l’idéal universel [du français] et entendent lutter contre la mondialisation. L’occitanisme participe de cette logique. La fracture avérée entre deux usages de la langue nous conduit à affirmer qu’il y a désormais deux langues. Elle marque la disparition d’un monde et illustre l’avènement d’un autre. L’occitan pourrait devenir, loin de son image désuète le moyen de communication symbolique d’une nouvelle société: il entend en tout cas recréer de l’appartenance, dans un univers où l’individu se définit par ses multi-appartenances choisies (vgl. Milhé 2007, 107f.).

6. Anhang

6.1. Anhang 1: Kontaktemail

Bonsoir,

Je suis une étudiante allemande en philologie française à l’Université Louis-et-Maximilien de Munich. Après avoir passé 10 mois à Bordeaux III à Pessac en 2013/14, j’étais tellement fascinée par la langue occitane et le gascon que je me suis décidée à écrire mon mémoire de fin d’études de master II sur le gascon, l’identité gasconne et la „conscience linguistique“ en Gascogne. Afin de mieux cerner ces thématiques, mon prof de l’université souhaite que je fasse quelques interviews avec des locaux, de préférence des gens de la région de Bordeaux, de Mont-de-Marsan et aux alentours du bassin d’Arcachon (pas forcément des personnes qui parlent encore le gascon mais ce ne serait évidemment pas mal non plus) Auriez-vous des contacts, des pistes, des recommandations ou des noms d’associations qui pourraient m’aider dans mes recherches ? Je serai à Bordeaux du 23 mars au 7 avril 2015.

Je vous remercie d’avance pour toute aide de votre part. Je vous en serais vraiment très reconnaissante.

Cordialement,
Anna Unsinn

6.2. Anhang 2 : Antwortemail zur Illustration des Forschungsvorhabens

Merci beaucoup pour votre aide! Je suis vraiment ravie d’avoir trouvé des gens prêts à m’aider puisque ce n’est réellement pas facile de trouver des personnes à interviewer depuis l’Allemagne! Comme il s’agit des interviews narratives, il n’est pas tant question d’interroger un grand nombre de personnes,  mais plutôt d’avoir des personnes qui viennent des lieux différents, qui ont des âges différents etc. pour avoir l’occasion de faire une petite comparaison. Ce que vous avez proposé conviendrait donc tout à fait aux attentes de mon responsable de recherche à l’université. Dans le meilleur des cas, ce serait un mélange de tout. Mais comme ce n’est vraiment pas facile de trouver des gens, je serais ravie de rencontrer tous ceux qui seraient d’accord pour m’accorder un petit entretien. C’est vraiment un grand plaisir pour moi d’avoir votre soutien! Je vais de ce pas contacter le contact que vous m’avez envoyé, je vous en suis vraiment reconnaissante.

Cordialement,
Anna Unsinn

6.3. Anhang 3: Schriftlicher Fragebogen190Die Angaben wurden wortgenau den ausgefüllten Fragebögen der Befragten entnommen (inklusive Groß- und Kleinschreibung).

LTB01_60m (La Teste de Buch, 03.04.2015)

Sexe masculin
Age 60
Lieu de naissance Arcachon, Gironde, Aquitaine
Domicile La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine
Métier Musicien
concubiné
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle français
Vos Parents
  Père Mère
Langue maternelle français français
Lieu de naissance Arcachon, Gironde, Aquitaine Arcachon, Gironde, Aquitaine
Domicile Arcachon, Gironde, Aquitaine Arcachon, Gironde, Aquitaine
Métier Ostréiculteur Employé
Année de naissance 1930 1931
Votre compagne (LTB02_60f)
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Arcachon, Gironde, Aquitaine
Domicile La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine
Métier Enseignante
Age 60

LTB02_60f (La Teste de Buch, 03.04.2015)

Sexe féminin
Age 60 ans
Lieu de naissance Arcachon, Gironde, Aquitaine
Domicile La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine
Métier Enseignante
mariée
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle français
Vos Parents
  Père Mère
Langue maternelle français / gascon français
Lieu de naissance La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine Montbron, Charente, Poitou-Charentes
Domicile La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine
Métier Ostréiculteur Couturière
Année de naissance 1928 1928
Compagnon (LTB01_60m)
Langue maternelle français
Lieu de naissance Arcachon
Domicile La Teste-de-Buch, Gironde, Aquitaine
Métier Musicien
Age 60

CUB01_65m (Pessac, 26.03.2015)

Sexe masculin
Age 65
Lieu de naissance Maspie-Lalonquère-Juillacq, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine
Domicile Pessac, Gironde, Aquitaine
Métier Retraité (ex enseignant)
veuf
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle Occitan gascon
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Occitan gascon Occitan gascon
Lieu de naissance Maspie-Lalonquère-Juillacq, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine Maspie-Lalonquère-Juillacq, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine
Domicile Décédé Décédée
Métier Agriculteur Agriculteur
Année de naissance 1916 1926
Votre compagne (k.A., Begründung: décédée)

CUB02_72f (Bordeaux, 29.03.2015)

Sexe Féminin
Age 72
Lieu de naissance Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Institutrice Education Nationale
Célibataire
Nombre d’enfants k.A.
Langue maternelle français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français, gascon (pas couramment) Français, quelques souvenirs de Carcinol (Quercy)
Lieu de naissance Saint-Selve, Gironde, Aquitaine Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Charpentier marine/ SNCF Secrétariat
Année de naissance 1912 1921
Votre compagnon (k.A. Begründung: célibataire)

CUB03_42m (Pessac, 28.03.2015)

Sexe Masculin
Age 42
Lieu de naissance Talence, Gironde, Aquitaine
Domicile Talence, Gironde, Aquitaine
Métier Cadre territorial (Mairie)
marié
Nombre d’enfants 2
Langue maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français/ òc Français, italien
Lieu de naissance Saint-Jean-de-Duras, Lot-et-Garonne, Aquitaine Bergerac, Dordogne, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Retraité Médecin
Année de naissance 1945 1946
Votre compagne
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Domicile Talence, Gironde, Aquitaine
Métier Professeur
Age 36

CUB04_67m (Pessac, 28.03.2015)

Sexe Masculin
Age 67
Lieu de naissance Périgueux, Dordogne, Aquitaine
Domicile Lormont, Gironde, Aquitaine
Métier Retraité (Cadre)
Célibataire
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français Français
Lieu de naissance Le Bugue, Dordogne, Aquitaine Angoulême, Charente, Poitou-Charentes
Domicile  Décédé Décédée
Métier Coiffeur Couturière
Année de naissance 1919 1920
Votre compagne (k.A., Begründung: célibataire)

CUB05_65f (Pessac, 26.03.2015)

Sexe Féminin
Age 65
Lieu de naissance Lasseube, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine
Domicile Pessac, Aquitaine, France
Métier Retraitée de France Télécom, contrôleur de gestion
mariée
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle Gascon, puis français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle gascon gascon
Lieu de naissance Lasseube, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine Lasseube, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine
Domicile Lasseube, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine Lasseube, Pyrénées-Atlantiques, Aquitaine
Métier Agriculeur  
Année de naissance 1909 1917
Votre compagnon
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Saint-Gaudens, Haute-Garonne, Midi-Pyrénées
Domicile Pessac, Aquitaine, France
Métier Retraité, Technicien de Télécom
Age 69 ans

CUB06_36f (Pessac, 31.03.2015)

Sexe Féminin
Age 36 ans
Lieu de naissance Libourne, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Maître de conférences d’occitan
célibataire
Nombre d’enfants 0
Langue maternelle Français (j’ai entendu l’occitan petite)
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français (entendu occitan petit) Français
Lieu de naissance Bages, Pyrénées-Orientales, Pyrénées-Orientales Saint-Genis-du-Bois, Gironde, Aquitaine
Domicile Libourne, Gironde, Aquitaine Libourne, Gironde, Aquitaine
Métier Retraité, chauffeur de bus Retraitée, sécrétaire de Mairie
Année de naissance 1953 1953
Votre compagnon
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Acteur, metteur en scène
Age 43

CUB07_70m (Bordeaux, 02.04.2015)

Sexe Masculin
Age 70
Lieu de naissance Soustons, Landes, Aquitaine
Domicile Garein, Landes, Aquitaine
Métier Professeur émérité (Anmerkung: d’Anthropologie)
marié
Nombre d’enfants 1
Langue  maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français Français
Lieu de naissance Capbreton, Landes, Aquitaine Herm, Landes, Aquitaine
Domicile Soustons, Landes, Aquitaine Soustons, Landes, Aquitaine
Métier Instituteur Institutrice
Année de naissance 1900 1910
Votre compagne
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Neuilly-sur-Seine, Hauts-de-Seine, Île-de-France
Domicile Garein, Landes, Aquitaine
Métier Retraité
Age 70 ans

CUB08_34m (Bordeaux, 01.04.2015)

Sexe Masculin
Age 34 ans
Lieu de naissance Bruges, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Chargé de mission langues et régionales – Région Aquitaine
concubiné
Nombre d’enfants 0
Langues maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Espagnol, français Français
Lieu de naissance Madrid, Espagne Marmande, Lot-et-Garonne, Aquitaine
Domicile Tarbes, Hautes-Pyrénées, Midi-Pyrénées Bruges, Gironde, Aquitaine
Métier Aide chemiste Secrétaire
Année de naissance 1942 1949
Votre compagne
Langue maternelle Français / occitan
Lieu de naissance Montpellier, Hérault, Languedoc-Roussillon
Domicile Toulouse, Haute-Garonne, Midi-Pyrénées
Métier Attachée territoriale (chargée de mission)
Age 33

CUB09_72f (Mérignac, 24.03.2015)

Sexe Féminin
Age 72
Lieu de naissance Parempuyre, Gironde, Aquitaine
Domicile Mérignac, Gironde, Aquitaine
Métier Gérante
mariée
Nombre d’enfants 2
Langue maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français(grands-parents: gascon du Médoc) Français(grands-parents:  gascon du Médoc)
Lieu de naissance Médoc Médoc
Domicile k.A. (décédé) k.A. (décédée)
Métier k.A. (décédé) k.A. (décédée)
Année de naissance
Votre compagne
Langue maternelle français
Lieu de naissance Bordeaux, Aquitaine, France
Domicile Mérignac, Aquitaine, France
Métier k.A. (vermutlich retraité)
Age 78

CUB10_44m (Pessac, 30.03.2015)

Sexe Homme
Age 44
Lieu de naissance Mont-de-Marsan, Landes, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier „directeur“ de l’IEO Aquitània
Marié
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle Français
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français Français
Lieu de naissance Mont-de-Marsan, Landes, Aquitaine Guéret, Creuse, Limousin
Domicile Saint-Jean-de-Marsacq, Landes, Aquitaine Saint-Jean-de-Marsacq, Landes, Aquitaine
Métier Retraité Retraité
Année de naissance 1945 1950
Votre compagne
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Pessac, Gironde, Aquitaine
Domicile Bordeaux, Gironde, Aquitaine
Métier Professeur des écoles
Age 44

S01_80f (Sore, 30.03.2015)

Sexe Féminin
Age 80
Lieu de naissance Sore, Landes, Aquitaine
Domicile Sore, Landes, Aquitaine
Métier Retraitée de la boulangerie
Mariée
Nombre d’enfants 1
Langue maternelle Français / patois
Vos parents
  Père Mère
Langue maternelle Français patois Français patois
Lieu de naissance Sore, Landes, Aquitaine Sore, Landes, Aquitaine
Domicile Sore, Landes, Aquitaine Sore, Landes, Aquitaine
Métier Agriculteur, Berger Agricultrice, Résinier
Année de naissance 1893 1899
Votre compagnon
Langue maternelle Français
Lieu de naissance Jonzac, Charente-Maritime, Poitou-Charante
Domicile Sore, Landes, Aquitaine
Métier Boulanger, Artisan
Age 85

6.4. Anhang 4: Transkription der Tonaufnahmen in Tabellenform

6.4.1.  4a) Quand vous êtes entré à l’école, quelle langue saviez-vous parler ?

LTB01_60m

Le français – uniquement le français.

LTB02_60f

Le français – Oh je – quand je suis entrée en maternelle – j’entendais parce que moi j’étais – j’avais une dame qui me gardait – mes parents ont travaillé – donc mes parents tous les deux – donc il y avait une dame qui me gardait qui habitait à côté de la maternelle et qui m’amenait à l’école – qui allait me chercher et qui elle parlait tout le temps – tout le temps gascon donc voilà – j’entendais – c’est une langue que j’entendais beaucoup – donc moi – je la parlais pas non. [Vous avez compris?] Ah oui – bien sûr – oui – oui – enfin – c’était intégré dans ma tête – ça m’est venu très vite quand j’ai voulu (h) le gascon de chez moi à table – le parler français plutôt – (h) il fallait plutôt faire des efforts pour savoir le mot français – il y avait beaucoup de choses que je ne savais pas dire en français – du vocabulaire que je connaissais pas – tout ce qui concernait la mer – tout ça – la forêt – je ne savais pas les mots en français. [Donc votre famille a quand même parlé gascon en quelque sorte ?] Oui – enfin – c’était un gascon francisé. [Wortbeispiele] Donc moi je faisais pareil – en même temps quand j’étais à l’école française – enfin à l’école – donc il fallait que j’élimine tous ces mots – parce que nous les années 50 – on a pu l’entendre – sans faire exprès – mais bon ils disaient que c’était du patois – il fallait pas le parler parce que c’était pas une langue – c’était une espèce de truc – ‘fin – c était pas bien quoi – c était pas convenable de parler ça – donc voilà – on l’entendait – on entendait bien qu’il y avait des gens qui parlaient ça – des gens partout – mais nous – les enfants – il fallait pas qu’on parle comme ça – c’était pas bien – mais on parlait un français dégoûtant quand même – franchement – mais je veux dire que c’était pas du français – un français dégoûtant – on parlait pas français – je veux dire – il faut pas le nier – si on parle une langue – il faut la parler correctement – ça n’était pas le cas – mais vraiment pas le cas – les gens de ma génération – quand on est rentrés à l’école – je parle pas de la maternelle parce qu’elles étaient – les instits étaient moins chiantes quand même […] mais quand on est rentrés vraiment en primaire – on parlait très mal français – tous – on parlait tous comme – pareil et ça c’est sûr – quand on est partis pour jouer dans la forêt – on se comprenait – nous – mais à l’école ça passait pas – ce qu’on disait quoi – ça n’allait pas – ça – n’était pas du français – c’était pas du français – on parlait avec des mots gascons francisés – voilà.

CUB01_65m

L’occitan et un petit peu le français. [Avec qui avez-vous parlé gascon quand vous étiez enfant?] Dans ma famille – avec toutes les personnes du village – tout le monde du village. [Et en dehors du village?] Nous y allions pas (h) donc jusqu’à ce que je sois entré à l’école – jusqu’à l’âge de six ans – je parlais occitan – j’ai entendu parler français – je parlais un petit peu – mais peu. [Et quand vous étiez à l’école – le prof a dit que c’est pas bien de parler le gascon? Ça s’est passé comment?] Non – j’ai eu la chance que le – l’instituteur à ma petite école parlait un petit peu gascon – il était même bien intégré dans la commune bien qu’il n’y vivait pas – il vivait à [Angabe des genauen Wohnorts] mais sans souci d’intégration – la participation de la commune faisait que – à nos parents – aux hommes – il parlait ou même aux femmes – à tout le monde – il disait – il parlait un peu en gascon et nous – nous apprenait des chants en gascon – il nous apprenait pas la langue mais il nous apprenait les chants.

CUB02_72f

Le français – uniquement le français – on vivait dans les quartiers populaires et alors – c’était pas le gascon mais tous ces gens qui arrivaient de la campagne – ils avaient l’accent à eux et finalement – ils prononçaient à la gasconne – bien sûr ou d’autres – ils arrivaient des autres coins de l’Occitanie et ça faisait vraiment un accent bordelais qu’on appelait le bordeluche – voilà et ça – c’était l’accent des quartiers des Capucins. [Eingehen auf Bücher über Bordeluche und bestimmte typische Wörter]

CUB03_42m

Le français – seulement.

CUB04_67m

Le français. [Et quand vous étiez enfant?] Non – non – enfant non – j’ai entendu parler – j’ai pas parlé – non – c’était francophone.

CUB05_65f

Beh le gascon – le gascon – quand je suis arrivée à l’école – je connaissais un peu le français parce que j’avais deux grandes sœurs qui – bon beh – quand elles faisaient la lecture à la maison – voilà – donc – mes parents quand même – mes parents étaient des lettrés donc ils faisaient faire lire – ils faisaient faire la lecture à mes deux grandes sœurs – donc – je suivais avec elles – donc en fait – je savais lire le français quand même quand je suis arrivée à l’école – parce que je – comme c’était à la campagne – quand je suis allée à l’école – j’avais – j’ai pas fait l’école maternelle quoi – donc j’avais cinq ans et demi par là – à l’école. [Quand vous étiez enfants – avec qui avez-vous parlé gascon?] Beh avec mes parents et avec ma famille – voilà – pas à école mais avec mes amis parce que à l’école d’abord si l’instit’ – la maîtresse voyait – entendait qu’avec mes frères et mes sœurs on parlait gascon – elle me punissait et c’était pas – c’était pas – et on passait un peu – comme on venait d’un hameau – on passait pour des gens (.) un peu – pas arriérés – mais bon – enfin pas modernes quoi – voilà parce que c’était dans les – bah oui – c’était comme ça. [Quand même vous avez pas arrêté de parler?] Dans ma famille – c’était – l’idée de mon père – lui – c’était – il valait mieux – parce que lui – il avait eu – il avait le même problème quand il est allé à l’école – donc c’était pendant la première guerre mondiale [genaue Datierung] Il avait un instituteur qui disait qu’il valait mieux – il voulait pas que les enfants parlent à moitié français-à moitié gascon – donc quand il a vu les enfants qui arrivaient qui savaient pas parler français – il a dit qu’il faut mieux parler un bon français à l’école et continuer à parler gascon chez vous – donc lui – ce monsieur-là – n’avait pas – donc lui – il appliquait cette règle à ses enfants – donc on parlait gascon à la maison – le gascon et on parlait français à l’école. [Et c’était quoi la justification ?] En fait – après – quand on mélange les deux – après en français – on faisait – en français – si on met des mots gascon au milieu du français – c’est pas – c’est pas – voilà – c’est mauvais pour les études – l’école tout ça – donc on fait des – si on peut pas parler des choses par leur mot – comme il faut on peut faire des contresens – faire plein de choses – ‘fin bon – c’était – c’était la justification de mon père.

CUB06_36f

Le français uniquement. [Quand vous étiez enfant avec qui avez-vous parlé gascon ?]Mes grand-mères – mais je l’ai pas parlé – enfant. [Mais vous avez compris ce qu’elles disaient ?] Je comprenais pas – je comprenais pas ce qu’elles disaient – elles ne s’adressaient pas à moi en occitan – elles s’adressaient à moi en français – l’occitan – c’était la langue qu’elles partageaient entre elles – c’est la langue que ces vieilles dames parlaient entre elles – j’ai habité autour – j’entendais – mais quand il s’agissait à s’adresser à moi – c’était du français. [Et pourquoi, vous croyez?] Je suppose parce qu’elles considéraient que la langue qui me serait utile – c’était le français – et peut-être – ça peut être – j’aimerais bien leur poser la question aujourd’hui – mais peut-être que pour elles – c’était la langue de leur enfance – c’était déjà une langue passée. [geht auf Erinnerung von Familienfeiern ein] Je savais que c’était la langue de mes arrière-grand-mères – j’avais l’impression que c’était un moment vraiment privilégié pour ces femmes – je n’ai entendu cette langue que par des femmes : mes grands-mères et mes arrière-grand-mères – donc – pour moi – c’est vraiment la langue de la femme – c’est vraiment très lié à ça.

CUB07_70m

Le français – je dirais pas uniquement – mais c’est le français – oui – bien sûr – à la maison – on en a parlé hier – c’est vrai que – j’ai réfléchi depuis – il y avait des choses qu’ils disaient en gascon mais c’étaient toujours des espèces de citations – alors parce que le mot n’existait pas en français ou l’expression parce que c’était pittoresque. [Beispiele] C’était quand même un mélange des langues – non seulement dans les mots mais la syntaxe – une valorisation de certaines formes dans la syntaxe y compris une valorisation de certaines formes de syntaxe gasconne – alors – les enfants ne parlaient pas gascon entre eux – il y en a qui parlent mieux que moi mais je me souviens encore […] À l’école – on nous faisait chanter en gascon [Präzisierung] Nous avons commencé par lire le texte et il y avait des expressions dont je me souviens encore […] et moi j’avais pas compris – j’étais vexé comme tout – je connaissais pas le terme et j’étais vexé – on dit toujours l’inverse – qu’on a honte de parler gascon – moi – je suis convaincu du contraire – c’était – ‘fin chez moi – ‘fin dans l’école chez moi – c’était très valorisé au contraire. […] C’étaient les années cinquante.

CUB08_34m

Ehm – le français – uniquement.

CUB09_72f

Ah l’école quand j’étais petite ? Ah ouais – le français – c’était le français.

CUB10_44m

Les néo-locuteurs jeunes qui ont plus aucun contact avec la langue – moi – j’en fais partie – ma langue maternelle – c’est le français – je suis né à Mont-de-Marsan – ma famille est en partie landaise – je suis un vrai Occitan – génétiquement – je suis issu d’une famille de bourgeois – je suis pas du tout – je suis le contraire d’Albert Cassou à l’origine – toute ma famille – ce sont des Bourgeois c’est-à-dire je n’en ai aucun de mes grands-parents qui parlaient patois – ma grand-mère paternelle qui est la vraie Landaise de souche – sa langue maternelle était le français – c’est-à-dire que le français était déjà présent dans ma famille au XIVème siècle.

S01_80f

Je savais – je parlais que le patois et un tout petit peu le français – voilà – surtout le patois parce qu’évidemment – je suis rentrée à l’école – je suis née en 37 – je suis allée à l’école en 40. [Et le français ?] À l’école – avant non – c’était le patois – mais l’école – j’aimais beaucoup. […] [Quand vous étiez enfant, avec qui avez-vous parlé gascon?] Avec tout le monde – là – parce qu’autrefois on parlait tous patois – le gascon. [Et les profs ont réagi comment lorsque vous parliez gascon?] Les professeurs – les professeurs – moi – je me souviens pas de – de mon entrée à l’école – c’était pendant la guerre – je m’en souviens pas – de cette entrée à l’école – ce que je me souviens – ce que je devais apprendre le français très vite – puisque d’autres qui arrivaient après moi qui ne parlaient que le patois – la maîtresse me disait – Andréa – dis-moi ce qu’il dit – je me souviens d’un gamin qui disait qu’il voulait pas enlever son béret [weitere Detailierung] j’ai dû apprendre le français très vite finalement – quand on a une langue – petite – je crois que ça peut rentrer très vite – on apprend très vite une langue.

6.4.2. 4b) Quand et comment avez-vous appris le gascon ?

LTB01_60m

Beh – j’ai appris le gascon dans la – en vacances à la campagne – ehm – ça vient de la guerre parce que pendant la guerre (.) les gens d’ici avaient – allaient chercher du rabiot – c’est-à-dire de la nourriture – à l’intérieur du pays dans les Landes – donc – à l’occasion de ce déplacement de ces gens – comment dire – des contacts ont été noués et – qui se sont transformés en liens d’amitié après la guerre et les familles ont continué à se fréquenter – donc le gascon avait quand même – était pas disparu – mais était déjà très en recul sur la côte –déjà – tandis qu’à l’intérieur du pays – il était encore très – très vivant en tant que parler – donc – moi j’ai commencé à aller en vacances – j’avais à peu près 9 ans – alors dans les années 60 – ça fait 51 ans maintenant et donc là – je suis tombé dans un milieu (.) gasconophone où les gens ont parlé pratiquement que le gascon entre eux – ils parlaient tous français – ils étaient déjà bilingues – j’ai pratiquement – je peux dire – j’ai pas connu de personne qui était unilingue gascon. [weitere Detailierung] Mais disons que les gens qui avaient l’âge de mes parents – ils ne parlaient que le gascon donc j’étais baigné dans ce contexte linguistique – et j’ai fini par l’apprendre comme ça – voilà – tout simplement. [Detailierung wo in den Landes]. [Vous avez eu quel âge?] Quand j’ai commencé d’aller là-bas? J’avais à peu près 9 ans – j’y suis allé toutes les vacances scolaires – sans interruption – pratiquement jusqu’à (.) 13 ou 14 ans – parce qu’après – je me suis posé la question de savoir – un peu comme vous d’ailleurs – d’où venait cette langue – pourquoi elle était différente – ce qui m’a fait prendre conscience que c’était une langue – parce que les gens disaient que c’était un patois et moi j’ai toujours entendu dire dans ma famille que le patois qu’on parlait dans le village à côté – il était différent et en allant justement dans cette localité qui est quand même assez éloignée d’ici parce qu’elle est à 50 km – je me suis aperçu que c’était la même langue en fait. […] On va simplifier – mes grands-parents connaissaient beaucoup de mots gascons – ils savaient parler un peu et donc lorsque j’ai demandé par exemple à ma grand-mère comment dit ceci en gascon – je me rendais compte que c’était la même chose là-bas – 50 km plus loin – donc j’ai pris conscience qu’en fait c’était la même langue – qu’il y avait très – très peu de différence – donc à partir de là – je me suis posé les questions et puis ce qu’a été un phénomène déclencheur pour moi – c’est lorsque je suis parti – je me suis un peu expatrié de la région à 16 ans – je suis parti faire des études de musique au conservatoire de Paris – donc le fait de ne plus être dans la région – d’avoir un accent très différent des Parisiens effectivement – un accent dont les gens là-bas avaient tendance à se moquer un peu – à rire de nous parce qu’on parlait différemment d’eux – ça m’a fait prendre conscience d’une – que j’avais une identité qui était différente et donc je l’ai reliée à la langue et après j’ai essayé de comprendre d’où venait cette langue – j’ai appris à l’écrire – à lire en achetant des bouquins – c ’est pour ça que je suis – c’est une manière un peu autodidacte – c’est en faisant des recherches – tout simplement. [A la maison, personne ne parlait gascon?] Ma grand-mère un peu – très – très peu – quelques mots tout simplement – je pense que ma grand-mère et mon grand-père – ils parlaient avec leurs parents – mais moi – je les ai pas connus – ils étaient déjà morts – il m’est arrivé avec la personne qui me gardait d’entendre des conversations entières en gascon – lorsqu’il rencontrait dans la rue des gens dans la rue – des gens de son âge. […] Avec moi – non – il parlait toujours en français.

LTB02_60f

Ah – moi – j’ai appris le gascon tardivement – avec Francis [ihr Ehemann : LTB01_60m] qui lui donnait des cours de gascon – j’étais à l’université – j’étais en espagnol parce que comme beaucoup de gens d’ici – quand on – on possédait pas sa langue vraiment – ce qui était mon cas – je le savais bien qu’elle existait – tout ça – j’avais un père qui parlait un français qui était tellement peu français que bon – j’avais du vocabulaire – mais (h) mais – mais bon voilà – je la possédais pas – et donc – il y a beaucoup de gens d’ici qui disposaient pas cette langue et qu’on n’a pas transmis réellement – à part comme ça – à l’entendre mais pas voilà demander qu’on réponde dans cette langue donc beaucoup étaient intéressés à l’espagnol bien sûr – donc ça a été mon cas et je suis partie à l’université en fac d’espagnol – et donc Francis donnait des cours de gascon – c’était avec mon frère et mon cousin germain – donc voilà donnait des cours de gascon – j’y suis allée – bien sûr ça a été vite parce que je savais des choses – beaucoup de choses – c’était pas très compliqué à apprendre – c’était se mettre à parler surtout – parce que pour le reste – c’était facile. [Vous avez eu quel âge ?]J’avais 20 ans – 21 ans. 20 ans – 21 ans.

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Dans – dans la maison où je suis né – mes parents – mon frère aîné – ma sœur aînée – ma grand-mère parlaient occitan unique(ment) – oui – communiquaient entre eux en occitan – et avec les voisins aussi – donc jusqu’à ce que je sois entré à l’école – jusqu’à l’âge de six ans – je parlais occitan – j’ai entendu parler français – je – parlais un petit peu – mais peu […] J’ai eu de la chance que l’instituteur à la petite école – il était même bien intégré dans la commune même s’il y vivait pas – il vivait à (x) à tout le monde – il parlait un petit peu en gascon – et nous – nous apprenait des chants en gascon – il nous apprenait pas la langue mais il nous apprenait les chants.

CUB02_72f

Alors – le gascon m’a été transmis par mon père qui s’exprimait de temps à autre – en faisant – en travaillant – en faisant le jardin – en parlant des cousins qui le parlaient couramment et voilà – et quant (.) à ma mère – je sais pas si la question va venir – mais je l’ai appris par mes arrière-grands-parents qui venaient souvent nous voir à Bordeaux qui venaient du Quercy alors dans le Massif Central. [Avec qui aviez-vous parlé gascon quand vous étiez enfant ?] Oui – enfin – en fait – enfant – je n’ai pas eu l’occasion – tout simplement – d’entendre mon père – des mots comme ça – après c’est plutôt ado quand on avait l’autorisation d’aller toutes seules à la campagne se balader et j’allais voir des cousines qu’on voyait pas souvent donc voilà – je m’exerçais un petit peu comme ça avec elles – c’était comme ça quoi. [Avez-vous suivi des cours de gascon ?] Oui – des nombreuses fois. [siehe unten] [Pourquoi?] Et bien par goût mais aussi parce que la façon dont j’ai parlé m’a été reproché entre guillemets lorsque je suis allée travailler ailleurs – c’est-à-dire dans la vallée de la Loire – et il a fallu que je me déshabitue parce que je parlais ce qu’on appelle le bordeluche – alors j’avais un accent du Sud-Ouest (.) que je n’ai jamais perdu parce que bon – c’était comme ça et j’utilisais des mots issus du gascon mais que l’on disait à la française mais c’étaient des mots gascons. [einige Beispiele] Donc on utilisait carrément dans la conversation française beaucoup de mots plus ou moins déformés qui arrivaient directement du gascon et puis mon père s’exprimait beaucoup – beaucoup comme ça et avec des expressions et puis j’ai fréquenté quand même des cousins à la campagne – et voilà – ce qui m’a plu – j’ai pu revenir en Gironde et je me suis mise sérieusement à l’apprentissage de cette langue.

CUB03_42m

Je l’ai appris – eh – c’est compliqué – j’ai appris le gascon – mais avant je comprenais déjà ce que disait ma grand-mère qui était Languedocienne du Périgord – j’ai appris le gascon – mais (.) ma famille – elle parle pas gascon. [Quand vous étiez enfant ?] Comme beaucoup d’enfants – on m’a pas demandé de parler – moi – j’ai entendu – quand j’étais enfant – ma grand-mère – mon arrière-grand-père le parler. [Pourquoi ?] Pour apprendre la langue de ma grand-mère.

CUB04_67m

Le gascon ? Plus tard – il y a dix ans – il y a dix ans – ouais. [Pourquoi ?] Bah – parce que déjà je m’intéressais à la langue occitane et je connaissais le dialecte limousin – je vis à Bordeaux – je voulais apprendre le dialecte de Bordeaux.

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Beh mes parents – chez moi – tout le monde parlait gascon – dans ma famille – parce qu’en fait – on était dans un hameau donc on était très isolés – voilà – j’avais – on était isolé donc on allait – bon les seules – les seules sorties qu’on avait – c’était donc – mes parents n’avaient pas beaucoup d’argent – ni de véhicule donc la seule sortie que nous avions – c’était dans les – à la messe le dimanche – (h) donc – je suis née dans une – donc en fait – à la messe aussi j’entendais parler français – voilà et puis les prières aussi – on les apprenait en français – on les apprenait pas en gascon – donc je savais réciter les prières en français (h).

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Alors – j’étais élevée – il faut que je revienne un peu en arrière – j’étais élevée – j’ai appris le français dans ma famille – mais j’étais élevée par mes grand-mères et mes arrière-grands-mères souvent qui elles parlaient l’occitan – mais on m’a pas transmis et on m’a jamais expliqué ce que c’était cette langue que mes grands-mères parlaient – donc j’ai mis ça à côté – j’ai fait mon cursus scolaire et arrivée au lycée – il y avait une série d’options à prendre dont – tout le monde voulait que je prenne latin – et moi – j’ai pas voulu – j’ai choisi l’occitan sans savoir vraiment ce que c’était l’occitan – et en fait – au premier cours – j’ai fait le lien entre la langue que j’ai entendu pendant mon enfance et la langue que j’apprenais – donc c’est comme ça que ça se fait.

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Je l’ai appris – ‘fin il y avait plusieurs phases d’abord – j’ai toujours plus au moins entendu donc sous des formes diverses – ensuite – j’ai son importance – j’ai toujours revendiqué d’être landais – je me souviens qu’au lycée à Montaigne – je me moquais de Charentais parce qu’ils avaient un accent du Nord – c’est pas eux qui se moquaient de moi – c’est moi qui se moquais d’eux – bon – puis – c’étaient des Charentais – c’est facile aussi. [anderes Beispiel] J’ai découvert deux dimensions : la dimension politique à 68 et la dimension linguistique et découvert anthropologie aussi – et donc l’anthropologie ne pouvait se faire qu’en gascon – les enquêtes – on ne peut les faire qu’en gascon – ce n’est pas si compliqué que ça – en tout cas c’est une manière ancienne –d’en faire certaines entités en gascon – Ça fait partie du métier quoi – et donc – à ce moment-là – je me suis mise à – à lire le gascon – à disposer à une littérature – à une bibliothèque au minimum et à en discuter avec des gens – voilà – et de demander à certains de me parler du gascon et m’obliger de parler gascon pour attraper que les mots arrivent vite.

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J’ai appris l’occitan en classe de première au lycée à l’âge de 17 ans. [Et c’était le parler d’ici ou le languedocien ?] C’était le languedocien parce que ma prof était originaire du Sarladais donc une zone de languedocienne – elle nous a appris un languedocien plutôt neutre. [Le lycée était à Bordeaux?] Oui Bordeaux centre-ville – lycée Montesquieu. [Et pourquoi avez-vous appris le gascon ?]Le hasard complet – mais vraiment complet parce que je suis issu d’un – d’un milieu très urbain de la banlieue bordelaise et avec un père espagnol et – avec qui je n’étais pas complètement élevé – et avec une mère sarte-lot-et-garonnaise qui n’a pas du tout eu le contact avec la langue donc ça fait que ma rencontre avec l’occitan est liée à des difficultés scolaires – j’étais un élève plutôt moyen et je souhaitais rentrer dans la filière économique et sociale – mais alors mon niveau en mathématiques ne me permettait pas de passer en première économique et sociale – donc j’ai dû choisir par défaut une première littéraire – donc il me fallait choisir une nouvelle option et dans ce lycée – il y avait occitan – un mot que je n’avais absolument jamais entendu prononcer – je savais même pas ce que c’était l’occitan – ce que c’était l’Occitanie et on était – dans ce cours d’occitan – on était trois – seulement – et là – ça a été une rencontre avec une enseignante qui était passionnante et en plus il y a – parmi ces trois que nous étions – il y avait un garçon de mon âge avec qui nous nous sommes liés d’amitié à travers cette passion commune qui était née autour de l’occitan. [Mais du côté de votre mère, vous avez jamais entendu parler ?] Non – c’est après que j’ai des oncles qui m’ont dit – mais en fait, oui – moi – je parle un peu le patois et c’est là où j’ai fait le lien – voilà.

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Bah – il y a une dizaine d’années – étrangement quand ma mère était morte – j’ai eu un besoin de reparler cette langue parce qu’il me manquait quelque chose – j’avais plus ma mère qui me faisait le lien – je pense que ça devrait être ça qui faisait le lien avec le passé gascon parce qu’elle – elle connaissait tout ça – elle parlait pas mais souvent on avait des expressions qu’elle disait – et voilà – on est comme ça – voilà – elle aimait bien cette langue – elle la comprenait parfaitement tout ce qu’on disait – elle comprenait mais elle ne savait pas s’exprimer comme moi – c’était pareil – je comprenais tout ce qu’il se disait (..) Et mon arrière-grand-mère – j’avais 20 ans quand mon arrière-grand-mère est morte – alors j’ai pu l’entendre longtemps chez moi – ma grand-mère – après elle a parlé plus quand mon arrière-grand-mère est morte – mon arrière-grand-père était mort aussi alors elle avait plus personne à qui elle pouvait parler – rien que des fois quand elle est allée au village pour rencontrer des gens qui parlaient – quoi – et moi – il y a une dizaine d’années – j’ai eu un besoin comme ça – j’avais tout le temps pensé à revenir au gascon mais là – ça a été – alors là – je me suis mis – voilà j’ai cherché vraiment à l’apprendre alors que dans l’entourage personne ne parlait et j’ai fait des recherches dans des milieux justement où ils parlaient – c’est – c’est comme ça que je suis venue au cours à Blanquefort […] Et là je suis tombée sur une professeur qui s’appelait Émilie Lostain qui était vraiment – qui était du Médoc aussi qui était – qui nous a bien appris qui donnait l’intérêt à apprendre le gascon et là je suis tombée sur des gens qui venaient au cours – c’était formidable – on chantait – c’était une ambiance […] Donc après – j’ai arrêté ces cours à Blanquefort parce le temps a passé – j’y suis allée pendant longtemps et puis c’était – avec la circulation pour aller à Blanquefort – c’est hyper dur. […] Donc alors après – après avoir fait le gascon voilà – j’ai trouvé que ‘fin – j’étais mis dans le bain pour danser – pour faire la danse – donc j’étais à un atelier de danse et après donc – j’ai trouvé l’Estaca comme ça. [weitere Detailierung] Et après ça – je me suis mis à l’accordéon diatonique. [weitere Detailierung] Voilà – donc je suis venue comme ça au gascon parce que j’avais – je sais pas – j’ai eu un besoin – comme ça – d’avoir cette langue que je trouvais qui est jolie et c’est dommage que ça se perde – et pendant toute ma vie – disons – en fait je l’ai occulté beaucoup et là quand le professeur – il redit des trucs – j’entends parler mon arrière-grand-mère et je – c’est incroyable parce que quand même – il y a 50 ans que – 52 ans que j’ai plus mon arrière-grand-mère et beh je – AH OUAIS – elle disait comme ÇA – ELLE DISAIT ÇA – elle disait ça – ça me revient des expressions qu’il donnait – alors quand on a entendu quelque chose quand on est petit – on le garde – c’est drôle quand même – voilà – alors que pendant toute ma vie j’étais pas du tout dans le même milieu de gascon du Médoc et puis dans la famille de mon mari – non – y a aucun qui parle ça – qui fait ça – j’ai jamais eu du contact – j’ai un autre truc à vous dire – quand j’étais – ‘fin dans les Gascons – il y a un monsieur aussi qui a écrit un bouquin qui s’appelle – Le Gric du prat – vous avez entendu parler peut-être – il s’appelait le docteur Romefort – et c’est peut-être aussi pour ça peut-être un peu que j’ai le lien avec le gascon parce que ce docteur de Romefort là – ma grand-mère – c’était une fille Romefort – alors je ne sais pas si c’était pas un de mes cousins – je suis en train de faire l’arbre généalogique pour voir si j’ai un lien de parenté avec ce Romefort – donc le gascon voilà – pourquoi le lien.

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[Pourquoi?] Alors pourquoi – parce que j’ai cet attachement à l’identité landaise. [Comment ?] Tout seul – parce que je suis – il y a plusieurs raisons – ça correspond à mon tempérament en fait – ensuite j’ai eu un problème avec l’apprentissage de la langue – ça a à voir avec les questions de la langue – dialecte -gascon-occitan – il y a eu un mouvement revivaliste par rapport aux langues régionales aux années soixante-dix – quatre-vingt – mon père a acheté des livres. […] Mon père a essayé de m’apprendre quelques mots – mon père a entendu parler – donc j’ai un ancrage très fort aux Landes – je me suis intéressé – on m’a fait lire des contes traditionnels – les contes d’Arnaudin. [schwärmt von Arnaudin] J’ai beaucoup plongé dans la littérature épique. [spricht über sein Jurastudium, dass ihn nie begeistern konnte. Ging letzten Endes nie einen Beruf in diesem Bereich nach] Je suis arrivé à l’occitan par les Troubadours – je croyais comprendre mais en fait je comprenais rien du tout […] j’ai toujours passé mes weekends dans les Landes même si je m’ennuyais – enfin je me suis dit – il faut que j’apprenne l’occitan […] je me suis posé la question que tout le monde se pose au début – c’est quelle forme d’occitan que je vais apprendre – alors je me suis dit – alors je vais apprendre un occitan local – j’étais fou de faire ça – j’y ai passé des centaines d’heures – ça aurait été plus rapide de prendre la méthode de (x) en fait – j’ai travaillé tout seul – j’ai pris des bouquins linguistiques – je me suis demandé quel parler apprendre – je me suis demandé d’apprendre le parler de Mont-de-Marsan – le gascon de Mont-de-Marsan/ de Bordeaux – je lisais les contes Arnaudin – de Tyros. […] Je me suis plongé dans l’Atlas linguistique de la Gascogne de Jean Séguy etc. […] J’ai perdu un temps fou et ensuite j’ai pris des cours – après j’ai donné des cours de langue à des adultes à partir de 2004 – j’ai commencé avec ce que je savais – comme j’étais à Bordeaux – il fallait mieux enseigner du bordelais – le parler local – puisque c’était la méthode appliquée par moi – et je me suis aperçu que le gascon de Bordeaux est un gascon très particulier.

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Alors le gascon – je vous dis ma grand-mère n’a parlé que patois – et en famille c’était la conversation en patois tout le temps – maman – elle me parlait que en patois – voilà. [Vous savez l’écrire ?] Oui – enfin phonétiquement – j’écris phonétiquement – comme je parle – vous voyez – il y a pas un alphabet – c’est phonétique.

6.4.3. 4c) Avez-vous suivi des cours de gascon ?

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Non – en gascon – je suis un autodidacte.

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Oui – j’étais en cours de Francis [ihr jetziger Ehemann] et puis – et puis voilà après je l’ai appris toute seule – mais bon – j’étais déjà habituée à travailler sur les langues. [weitere Präzisierung]

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[Membre de l’Estaca]

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Oui – des nombreuses fois – donc j’ai commencé par y aller – par aller à l’université le mercredi qui était un jour où je n’avais pas classe et j’allais à des cours d’amphi [Detailierung zum Kurs] J’y suis allée par goût pendant plusieurs années – j’ai commencé comme ça – après j’ai fait autre chose – je me suis vraiment intéressée avec les cours après à la fac – en DEUG – avec des formations – des stages d’été – des stages de weekend depuis 1990.

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Oui– de  deux milles – pendant cinq ans de 2006 à 2011 voilà.

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Oui – oui – oui – oui – des cours du soir à Pessac – à Pessac.

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[Vorgeschichte] Je savais lire – Sur le journal que recevait mon père – il y avait des articles en gascon – et donc j’ai appris à lire – je lisais à voix haute – donc j’entendais – avec les sons et il est vrai que l’orthographe – elle était pas très normalisée donc les articles qu’il y avait c’était plus en phonétique – voilà – la phonétique française. [Beispiele] Alors après quand j’étais à la retraite – j’ai dit – beh – pourquoi pas l’écrire – donc là – je me suis mise à regarder un peu la grammaire – les machins – l’écriture et puis je me suis mise à l’écrire – j’écris – bon de temps en temps – j’ai besoin d’un dictionnaire parce qu’il faut réfléchir à la conjugaison – bon beh – c’est – j’arrive à écrire – beh c’est-à-dire que – à l’Estaca là [geht auf Eindrücke der Interviewerin in der Sitzung ein] mais sinon pendant – pendant – on commence à travailler sur des textes à six heures et demi jusqu’à sept heures et quart – sept heures et demi – alors là – on lit et puis on apprend les règles de grammaire et puis même de temps en temps – il est organisé une dictée occitane – voilà – donc on profite après pour bien manger et bien chanter.

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Oui – tout le temps – on devait être dans l’année scolaire – depuis cette année-là – alors on était -attendez- on devait être dans l’année scolaire 93-94 et depuis 93/94 – je crois que – je peux dire – l’occitan ne m’a jamais quitté – voilà.

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Non – non – je n’ai jamais suivi des cours en rien. [Vous l’avez appris comment?] En parlant – en parlant – ouais. [Vous savez l’écrire?] ÇA S’ECRIT COMME ÇA SE PRONONCE. [Der Befragte ist ausgewiesener Rechtschreibgegner, vgl. seine Veröffentlichungen.]

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[Au lycée, siehe oben] Après j’ai poursuivi à l’université – à Bordeaux Montaigne – puis en licence à Montpellier et à nouveau à l’université de Bordeaux Montaigne par une maitrise de – de littérature que je n’ai pas achevé – voilà. [Tout ça, c’était du languedocien?] Non – à Bordeaux – c’était du gascon – avec un gascon lui-même standard – donc un gascon qu’on pourrait qualifier de la plaine béarnaise – ce qui m’a bien plus tard questionné et qui a fait que j’ai pas mal cheminé sur l’occitan que – que j’étais amené à parler d’autant qu’en licence à Montpellier l’éloignement de Bordeaux m’a – m’a convaincu de – de – d’appren(dre) – enfin de me tourner vers un occitan gascon – un occitan qui soit celui de Bordeaux en tout cas – celui du nord de la Gascogne et le fait d’aussi avoir eu un module de collecte en licence – il fallait collecter des locuteurs naturels – m’a permis de rencontrer des personnes proches du cercle familial de ma mère dans le Lot-et-Garonne – sur la zone du gascon du Lot-et-Garonne et m’a permis de mieux comprendre ce qui était le gascon – à la fois de ma famille maternelle et plus largement du nord de la Gascogne.

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C’est – c’est comme ça que je suis venue au cours à Blanquefort […] Et là je suis tombée sur une professeur qui s’appelait Émilie Lostain qui était vraiment – qui était du Médoc aussi qui était – qui nous a bien appris qui donnait l’intérêt à apprendre le gascon et là je suis tombée sur des gens qui venaient au cours – c’était formidable – on chantait – c’était une ambiance […]

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[Autodidakt, siehe oben]

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Non – non – non – non – j’ai pas suivi des cours – non – j’ai pas suivi des cours – c’est l’occitan en ce moment-là – les cours – on apprend pas le patois – c’est autre chose parce qu’on le lit souvent sur le journal mais il faut que je décodique [sic!] pour comprendre – l’occitan – c’est large – ça va – tout le sud-ouest et même – je pense à la Provence là – on comprend mais il faut faire attention – c’est l’occitan.

6.4.4. 4d) Avec qui parlez-vous gascon ?

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Actuellement ? Avec des amis – des militants – des gens qui ont – des gens qui se sont intéressés au gascon qui ont fait des études dessus. [Et avec elle (Hinweis auf seine Ehefrau: LTB02_60f)?] Avec Nicole – de temps en temps – surtout quand on va à l’étranger pour pas que les gens nous comprennent. [Exkurs über Reisen in frankophone Länder] En définitif – on parle plus en gascon presque à l’étranger actuellement que chez nous en France.

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Maintenant? Avec Francis [ihrem Ehemann] (.) pas quotidiennement mais dans certaines circonstances – en particulier en voyages – parce que ‘fin on est plus tranquilles comme ça – ‘fin – on vient pas nous emmerder – parce que – oui – avec ma copine catalane – je vais très souvent à Barcelone – qui vivait à Bordeaux – c’est assez amusant parce que moi je parle gascon – elle catalan – on parle toutes les deux comme ça et quand on est ailleurs on parle comme ça aussi. [Auflistung einiger Anekdoten] Donc on ne parle pas français – comme ça – ils nous emmerdent pas. [Et quand vous étiez jeune?] Oui – bien sûr – bah oui – forcément – parce que moi j’étais – j’ai créé l’école Calandreta à La Teste – j’étais la première instit de cette école donc bien sûr – j’ai parlé gascon beaucoup plus que maintenant – évidemment – voilà – avec d’autres gens – des gens que j’ai rencontré – dans notre mouvement – des militants quoi – voilà – bien entendu – oui – beaucoup plus que maintenant – maintenant – avec Francis, un peu avec quelques copains – comme ça – comme Philippe ou – Lartigue – des gens comme ça – voilà. [Vous parlez de tout ? Il n’y a pas de sujets qui sont difficiles à exprimer?] De tout – non – je trouve pas.

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Avec ma sœur – dans ma famille ma sœur – avec une de mes sœurs parce que ma sœur plus jeune le parle moins – mais à l’occasion on le parle aussi – avec mon voisin d’en face qui est Gascon aussi – avec les amis du cercle occitan le mardi – avec les amis de l’Ostau Occitan de Gironde occitane d’autres jours dans la semaine – et je parle gascon aux enfants dans les écoles où je vais faire des animations – le jeudi – parfois le vendredi aussi – donc je parle occitan – presque tous les jours.

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Alors – avec des amies et collègues qui sont – elles aussi – issues de la campagne girondine et puis – que j’ai un peu embarquées avec moi dans des cours – dans des cours de gascon – dans des fêtes – des bals traditionnels – des concerts – voilà et alors on parle au début comme on peut mais il y en a qui parlent beaucoup mieux que moi parce qu’en fait – elles arrivent de la campagne et l’ont toujours entendu parler et puis quand on trouve qu’on parle pas assez – donc on a institué quelque chose avec une amie à moi – c’est-à-dire que tous les lundis nous avons une conversation téléphonique d’une demie heure en gascon uniquement – français interdit – et le sujet est choisi par une de nous deux – voilà.

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Eh alors avec les membres de l’association – avec (.) des artistes – avec des parents d’élèves de la Calandreta d’ici – avec  quelques amis – voilà.

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(h) mais comme je suis – je suis membre de l’Institut d’études occitanes – donc je parle avec mes collègues – de l’Institut d’études occitanes voilà et puis quelques personnes dans les Pyrénées aussi.

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Avec – maintenant avec mes sœurs – elles – elles sont restées dans le Béarn donc – bon beh – je leur téléphone et sinon avec les amis de l’association voilà – sinon – pas – pas avec mon mari parce que mon mari – même si – il le connaît – il connaît le gascon mais lui – il voit pas l’intérêt – il est pas intéressé par ça – par cette culture gasconne.

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Alors mes amis – mais c’est rare – mes étudiants – surtout – j’aurais bien aimé le parler avec mon père mais mon père [x] lui – savait que c’était le patois – lui – il appelle ça le patois mais on lui a pas transmis non plus – par contre – il le comprend de façon naturelle – de temps en temps on échange quelques expressions pour montrer que – comment dire – qu’on appartient à une même culture mais malheureusement je peux pas tenir une conversation avec mon père parce qu’il sait pas – il n’est pas bilingue – voilà. [Et avec vos amis, ça se passe dans quel contexte?] Soit l’occitan vient comme ça – ça dépend – soit c’est l’occitan donc on va faire la conversation en occitan – soit c’est le français – on peut commencer en français et finir en occitan – c’est vraiment comme ça vient.

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Mais – comme j’habite à la campagne à Garein – j’habite – je parle gascon avec des gens s’ils me parlent en gascon. [Avec tout le monde ?] Oui – tout le monde – oui – ‘fin – tous  les gens – ‘fin pas les gosses – les enfants – mais je discute pas avec des enfants – je discute avec des adultes – les adultes – bon – ils sont contents aussi – ça dépend avec qui parle parce que comme je suis pas du village – je suis Landais quoi – il y a trente ans – ça fait trente ans que j’y habite – je suis quand même étranger quoi.

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Là – aujourd’hui je parle professionnellement avec beaucoup de – de monde puisque – mes missions aujourd’hui. [Mais en gascon ?] Oui – enfin je parle dans mon occitan donc – après la question des interlocuteurs – s’ils parlent dans ma forme de l’occitan donc je –je – parle de fait le gascon du nord avec mes interlocuteurs professionnels lorsque – lorsqu’ils parlent la même langue – après j’ai ma compagne qui est elle aussi occitanophone donc je parle aussi occitan avec elle – et – et ensuite avec des amis parce que certains sont aussi locuteurs – voilà. [Informationen zum Gebrauch] Lorsque je vais commencer une relation en occitan – je vais parler qu’en occitan – après – lorsque la relation s’est nouée en français – même si la personne est locutrice – c’est vrai – on est sur du 50/50 – c’est après parfois difficile de revenir en une relation en occitan.

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Et beh – entre nous. [A l’Estaca ?] Oui – à l’Estaca, oui – et puis – mais bon – souvent il y a des réunions – ‘fin, il y a des – ‘fin on parle entre nous – beh, c’est embêtant qu’on parle tellement mais en fait autour de cette langue, il y a quand même une culture – c’est la culture aussi qui est intéressante – même s’il y a des gens – par exemple à la danse – il y a des gens qui parlent pas le gascon – il y en a que oui, il y en a que non – mais il y a un esprit – que disons – on trouve un certain esprit – voilà.

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(h) alors moi – je parle occitan avec (h) oui – c’est – le problème c’est que moi – je parle – j’ai mon parler – je peux parler avec des – je peux parler avec mes élèves parce que j’ai des élèves – je peux parler avec des gens comme Albert parce qu’Albert est quelqu’un de très précieux pour moi – parce qu’il a maintenu une flamme ici en Gironde pendant des années au niveau de l’Estaca – voilà – je peux parler avec des copains du Limousin – je peux parler dans mon parler – mes amis limousins – ils vont parler limousin – ça nous pose pas de problème – les gens qui n’ont pas entendu parler gascon vont avoir un peu de mal à le comprendre – voire perturbant – mais il peut avoir des Languedociens qui peuvent être perturbés par mon parler. [geht auf linguistische Gründe dafür ein] Voilà – mais je peux – je peux – je peux – on se comprend – on se comprend – les gens sont peut-être perturbés  par – je peux même parler avec des Catalans.

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On est plus tellement nombreux – mon frère – quelques amis encore – pas beaucoup – elle se perd – elle se perd – et ça c’est dommage. [Et qu’est-ce que vous faites lorsqu’il y a quelqu’un qui ne comprend pas?] C’est embêtant – dans ma famille – tout le monde le comprend – mes enfants le comprennent – mes petits-enfants pas trop – mes enfants comprennent et après – beh non – on parle français – on peut pas faire autrement. [Quand vous étiez enfant, avec qui avez-vous parlez gascon?] Avec tout le monde – là – parce qu’autrefois on parlait tous patois – le gascon – maintenant – c’est plus possible parce qu’on a plus de gens qui arrivent d’ailleurs – qui – des Parisiens – de partout – alors – ces gens-là (..) essayent de chercher quelques mots – mais bon – c’est pas facile – là maintenant – trop tard – c’est surtout avec les gens de mon âge quoi – mon frère – ma belle-sœur – des gens – des amis mais qui sont de notre âge.

6.4.5. 4e) Parlez-vous gascon avec vos enfants ?

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Alors tint Maria – ma fille – elle est née en 1978 – elle a 35 [sic!] ans –effectivement – quand elle était petite je lui parlais tout le temps en gascon jusqu’à – après peut-être – jusqu’à 10/12 ans – bon après le français a fini par prendre le dessus – malheureusement – donc il y a eu un éloignement – elle est partie en Angleterre pour faire des études et enfin bref – bon – actuellement de temps en temps on s’envoie des textos en gascon – je lui dis quelque chose – de temps en temps des phrases en gascon – des trucs comme ça – mais parler couramment – non – non. [Sa langue maternelle?] Sa langue maternelle – c’est le français, ouais – enfin – toute petite – elle comprenait très bien le gascon – c’est peut-être la première langue qu’elle a entendu vraiment chez nous et puis elle comprenait tout quoi et elle parlait un peu aussi – petite – mais après lorsqu’elle se trouvait dans un milieu scolaire francophone – évidemment c’est le français qui a repris le dessus – et en plus – le gascon s’était reconfiné à la maison et dès que vous étiez à l’extérieur – c’était le français donc il y a pas de relais si vous voulez – il y a peu de relais.

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Avec ma fille – plus maintenant – de temps en temps – quand on est aussi quelque part – dans un magasin à Bordeaux – si je veux lui dire quelque chose – je le lui dit en gascon – oui – ça  sert à ça – à ne pas être remarqué – elle arrive plus – elle sait pas – je pense qu’à un moment – elle va s’y remettre – elle parlera – mais elle a peur de pas bien dire alors – voilà – donc – elle comprend, par contre – donc si je lui parle – elle comprend. [Donc sa langue maternelle, c’est le français?] Quand elle était très petite – toute petite – j’sais – j’sais- je peux pas définir – je ne sais pas – oui et non – parce  que elle a eu vraiment les deux langues quand même quand elle était petite, toute petite – alors – il y a peut-être une qui était favorisée – je ne sais pas – mais franchement – toute petite elle – elle parlait vraiment – oui – oui – elle a eu la gymnastique des deux.

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Peu – ce n’est pas notre langue de communication – j’ai un seul fils – il parle un petit peu – il n’a pas souhaité l’apprendre complètement – tout à fait – mais il aime bien me parler un petit peu – comme il a bien appris l’espagnol – il comprend l’occitan et est capable de communiquer un petit peu. [Et la langue maternelle de votre fils, c’est donc le français ?] Oui.

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[Pas d’enfant.]

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Oui, à 100%, ouais. [Langue maternelle ?] Principalement le français – mais l’occitan aussi. [Ils ont appris le gascon à l’école ?] Non et là – j’ai pas pu scolariser mon fils à la Calandreta, voilà – donc – il l’entend à la maison.

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Non – non – non. [Langue maternelle des enfants?] Beh – le  français – enfin – j’utilise quelques mots mais je veux dire c’est pas véritablement parlé – pas trop non- les contes que je leur lis des contes – des histoires (h) […] ils sont petits – ils ont 4 et bientôt 2 ans.

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Non – non – je pensais que ma fille – elle – je pensais que – elle a – elle  voit pas l’utilité. [Elle voulait jamais l’apprendre ?] Beh non – et puis elle veut pas et puis – bon beh – c’est-à-dire que je lui parle – quand elle allait chez ses – du vivant de mes grands-parents – mes parents – pardon – elle entendait gascon donc elle a quelques mots comme ça – mais après – voilà – enfin ça n’a pas – il est vrai que moi – dans ma vie professionnelle – j’étais – j’avais – j’étais assez prise et assez occupée donc je me suis remise au gascon –à part de parler avec ma famille – je me suis remise au gascon quand j’étais retraitée – sinon – finalement – entre –jusqu’à ma retraite – dans ma vie professionnelle – même quand j’étais étudiante – comme j’ai fait des études scientifiques – disons que le gascon – j’ai pas – je parlais – mais disons que c’était pas mon souci primordial quoi – c’était pas mon souci principal – donc en fait je me suis replongée dans la culture gasconne à ma retraite – donc j’ai pas –je parlais – mais c’était tout – voilà – avec mes  parents – avec mes frères et sœurs mais sinon. [Detailierung, dass sie nur wenn sie zufällig über kulturelle Aktivitäten stolperte manchmal dar[an teilnahm] C’était que momentané – c’était le loisir quoi.

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[Pas d’enfant.]

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Non – non – mon fils il doit – c’est lui qui veut pas – mais bon – ce que j’aurais dû faire- mais j’ai pas calculé à l’époque – c’est lui parler qu’en gascon – que sa mère lui parle français et moi gascon – mais ça, je – à l’époque – j’ai pas tenté.

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[Pas d’enfant]

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Et beh non – ils sont pas – quand – alors c’est rigolo parce que quand ils étaient petits – je leur disais des trucs et là je recommence – je disais – voilà je disais des trucs – mais bon – non – ils ont pas du tout – ma fille – mais des fois – en rigolant comme ça – elle me sort des expressions que j’ai dites.

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Oui – (h) non – je parle occitan à ma fille – oui – je parle une variante – ‘fin – une variante familiale qui est voilà – elle a trois ans et elle le comprend. [Sa langue maternelle ?] C’est le français – alors ma femme – elle ne parle pas – elle est pas contre – mais elle ne parle que français donc on parle français à la maison – par contre moi – je ne m’exprime qu’en occitan. [Elle est à la Calandreta ?] Elle est à la Calandreta à Pessac – moi – avec Julie – quand elle parle français – en général la syntaxe est parfaitement française – de temps en temps il y a une syntaxe – il peut y avoir une syntaxe occitane ou un mot occitan parce que j’étais là et qu’elle a mélangé les deux langues.

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Ah non – jamais. [Pourquoi ?] Beh pourquoi ? Je pense que ça les lasse. C’est ça, c’est ça – ma petite-fille dit – écoute Mamie – parle français – oui – oui – comment faire? Avec Nadine – bah avec ma fille – oui – ça passe – mais c’est surtout avec les gens de mon âge quoi [Präzisierung mit wem genau]. [Et quand votre fille était petite ?] Elle parlait pas non plus – elle le comprend – mais elle ne parle pas. [Et sa langue maternelle, c’est?] Le français.

6.4.6. 4f) Est-ce bon ou mauvais de parler gascon avec des enfants ?

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Non – c’est très bon – au contraire – c’est une ouverture d’esprit – c’est une ouverture d’esprit et puis – c’est – c’est aussi une ouverture à la différence de l’autre – je pense que c’est aussi une ouverture pour apprendre une autre langue – parce que moi par exemple – je me débrouille assez bien en espagnol – en catalan aussi. [Exkurs über Schullaufbahn] et il y a quand même des similitudes un peu avec le gascon – quelques racines communes – aussi l’habitude d’un accent différent – d’employer un autre accent – rouler les r par exemple – les Français le font pas – ça procure des facilités – je pense que – avoir une deuxième langue – ça procure des facilités pour en apprendre une troisième.

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Ah oui – c’est très bon de parler plusieurs langues quelles qu’elles soient – d’autant que c’est la langue de chez soi quand même – donc – c’est très important – c’est sûr, c’est très important – ensuite – ça donne une assise dans sa vie et ensuite ça donne la possibilité d’apprentissage des autres langues – tous les enfants que j’ai eus à la Calandreta – sont tous – sont des gens qui ont appris plein de langues très facilement – voilà – donc ça on sait bien : un enfant qui parle deux langues tôt va parler trois – quatre après – ça va très vite quoi – d’abord les muscles autour de la bouche n’étaient pas figés – juste le français – ça fige – encore que nous – on a cet accent [Präzisierung] et donc – une musculature quand même qui nous permet de faire des choses [langer Exkurs darüber wie schwierig es “Français“, also den anderen fällt, andere Sprachen u.a. Gaskognisch zu lernen] Ça n’arrive pas à des enfants qui ont appris des langues comme ça qui demandent une position de muscles différentes – ça leur arrive pas – ils peuvent apprendre plein d’autres langues.

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Ça ne peut être que bon pour eux. [Y-a-t-il des avantages pour les enfants ?] D’abord, en premier le fait qu’ils apprennent – qu’ils prennent conscience – qu’on leur fasse prendre connaissance du lieu où ils se trouvent – les origines du lieu – du patrimoine – du patrimoine linguistique – culturel – jeux traditionnels – chants traditionnels – danses traditionnels – je pense que c’est extrêmement important. [spricht über Kulturfernsehprogramm] Ça ne peut que les aider à affirmer une personnalité – à acquérir une personnalité et la différence je la vois dans la cours de récréation – les animations.

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Alors – je n’ai jamais – jamais – jamais –pendant les 5 ans où j’ai eu un demi-service d’enseignement du gascon dans les classes de Gironde – je n’ai jamais trouvé du désintérêt de la part des enfants – jamais d’opposition de la part des enfants – je précise – mais des enseignants qui n’étaient pas concernés – dont la classe n’a pas été concernée par cette activité – parfois les relations n’étaient pas très amicales. [C’est-à-dire ?] C’est-à-dire que c’était agressif dans le sens où les enfants selon eux perdaient leur temps – chose à laquelle j’ai répondu que – qu’apprendre le gascon c’était apprendre une autre langue tout simplement – au même titre que l’anglais et ça exerçait à une gymnastique – à une gymnastique langagière qui était – moi – je trouve très bénéfique. [Präzisierung über Herkunft der Schüler in der Klasse] Ils étaient à l‘école et j’arrivais moi avec le gascon pour une heure – une heure et demie – pas si souvent – mais au moins deux fois par mois et je vous jure qu’ils m’attendaient avec plaisir quoi – c’était autre chose – c’était, c’était autre chose et je pense que – chez les petits enfants – les tout-petits enfants – alors pour eux ça ne posait aucun problème –ils mémorisaient absolument tout : les comptines – les chansons et puis il n’y avait pas du coup – de valeur ajoutée à cette langue – puisque tout le monde partait du même niveau – c’est-à-dire de zéro – donc – il n’y avait pas de mode de comparaison – on n’avait pas le passé derrière comme le français appris à l’école – il n’y avait rien de tout ça, donc voilà – c’était plus facile d’entrer là-dedans. [Avantages?] Et bien – ça facilite l’accès à d’autres langues parce qu’ils sont déjà habitués – parce qu’ils voient – dans les classes quand il y a un petit Maghrébin qui parle sa langue à la maison plus le gascon – ça ne pose aucune difficulté à des enfants qui ont déjà une autre langue maternelle parce qu’ils ont la langue maternelle – ils ont la langue française – c’est la langue de l’école et moi – je venais leur rajouter là-dessus une troisième langue et cela – on peut s’apercevoir que – ça ne gêne en rien – vraiment – ils font la différence entre les trois – il n’y a pas de problème – il y a la langue de la maison- du cœur- on va dire – il y a la langue de l’école et puis on pourrait dire il y a  la langue du plaisir –cette troisième langue là.

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Forcément – c’est bon – le gascon ou n’importe quelle autre langue. [Y-a-t-il des avantages ?] Le bilinguisme précoce? Oui – oui – oui – tous les scientifiques – toutes les études qui ont été faites montrent que l’apprentissage de deux langues différentes – c’est un bénéfice pour le développement cognitif – voilà. 

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Non – non – non – c’est bon – le plurilinguisme – oui – oui – ça les éveille à une autre langue.

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Non – moi – je pense pas que c’est – c’est pas mauvais – c’est pas mauvais – non – non – c’est pas mauvais. [Avantages ?] Il y a par exemple – ’fin – moi je sais que je m’étais servie de – c’était – c’était l’instituteur d’une de mes sœurs d’ailleurs qui – il y a des mots par exemple – quand on dit châteaux – il faut mettre un accent circonflexe sur le a – voilà pour savoir s’il y a un accent circonflexe parce qu’en occitan ça se dit castet. [weitere Beispiele] Enfin – moi, ça m’a aidée – pour les accents circonflexes – ça m’a aidée – c’était une petite astuce.

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C’est bon. [Pourquoi ?] Parce que – ma réponse – c’est général pour l’apprentissage des langues en générale – il me semble qu’on ne pense pas pareil selon la langue qu’on apprend – en tout cas – il me semble qu’apprendre à parler plusieurs langues c’est la porte à la découverte –de plusieurs cultures – et donc la chance pour l’apprenant de ne pas avoir une pensée unique mais un esprit plus large correspondant aux cultures véhiculées qu’on le veuille ou non par les langues apprises.

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Bah – il faudrait – mais bon – ce que j’ai dû faire- mais j’ai pas calculé à l’époque – c’est lui parler qu’en gascon – que sa mère lui parle français et moi gascon – mais ça, je – à l’époque – j’ai pas tenté. [Y-a-t-il des désavantages?] Non – au contraire – au contraire – c’est sûr que le bilinguisme est qu’un avantage – ça rend intelligent – non – c’est attesté – je suis pas spécialiste de l’affaire – mais ça me semble évident. [Hinweis, dass sich die Frage nur auf seine persönliche Meinung bezieht] Ah oui – mon avis – c’est bon – j’ai pas d’expérience – si – je connais des cas – oui – à priori – je suis pour en tout cas.

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(h) c’est très – très bon – évidemment parce que j’ai eu la chance aussi de – dans mon parcours professionnel – d’enseigner moi-même – enfin – parce que j’étais le premier directeur de la Calandreta de Pessac – dans la banlieue de Bordeaux et donc j’étais déjà convaincu par le principe de la transmission dès le plus jeune âge – pas à l’école et en fait ça s’est confirmé parce que ça a été – ça a été une expérience – très enrichissante et ça a été déterminant dans la compréhension du fait que ça ne posait aucun souci – au contraire – d’avoir une langue forcément de meilleure qualité et puis que les enfants sont beaucoup plus à l’aise avec cette langue – avec cette identité – forcément avoir à se poser des questions pourquoi parler parce qu’eux ils sont petits que donc pour eux c’est leur langue – donc ça coulait – et par – c’est intéressant aussi parce que par la suite – j’ai eu un de mes élèves – je – j’ai noué une relation d’amitié avec ses parents et du coup – j’étais amené à garder des relations avec cet enfant et ses parents et j’ai constaté que ce jeune homme qui a aujourd’hui 16 ans – je m’attendais à lui parler qu’en occitan parce que je n’arrivais pas à lui parler en français – après lui – il n’a pas appris la langue alors j’étais malheureusement amené à lui parler aussi en français mais c’était une expérience assez intéressante. [Y-a-t-il que des avantages?]Non – non – il y a que des avantages après la difficulté c‘est – dans notre contexte sociolinguistique qui fait qu’il y a une forte diglossie entre le français et l’occitan – fait que – par exemple en dehors de l’école – cette question se posera lorsque j’aurai des enfants parce que – de leur parler qu’en occitan – ça – la pratique de l’occitan dans un cadre social entièrement francophone peut rendre parfois difficile la transmission. [En quoi consistent les avantages ?] Beh – il y a un intérêt psychomoteur – parce que – les chercheurs nous ont démontré que -que le bilinguisme précoce permettait un meilleur développement des – des facultés du cerveau à – d’abord à réfléchir et à raisonner et ensuite à apprendre des autres langues – donc pour moi – le bilinguisme c’est pour après tourner vers le multilinguisme et vers des langues étrangères – bien évidemment – et après pourquoi l’occitan – parce que c’est la langue de l’endroit où je vis et que donc ça permet à l’enfant de mieux connaître son pays et bien évidemment dans un esprit d’ouverture : se connaître pour mieux connaître le monde qui l‘entoure.

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Ça fait une autre langue – moi – je trouve que c’est bien – oui – je trouve que c’est – [C’est un avantage ?] Oui – oui – oui – c’est un avantage parce – oui – bon – quand les gens – quand des fois je leur dis – je fais du gascon – ah bon – et à quoi ça vous sert ? je dis – parce que vous êtes ignorant de la chose que – vous voulez pas comprendre à quoi ça sert – mais moi – ça me fait un bien immense parce que – par exemple dans la connaissance de la région – on a des noms de lieux – qui s’appellent – pourquoi ça s’appelle comme ça ici – parce qu’il y a ça – tout est – on est dans une région quand même qui est gasconne évidemment – mais tout est basé – tous les noms de lieux. [zahlreiche Aufzählung von Ortsnamen in der Umgebung mit Erklärung] Vous voyez qu’est-ce que ça veut dire? […] Moi – je trouve que c’est que des avantages parce que c’est une autre langue et ça fait vraiment une gymnastique et on comprendra mieux les choses.

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C’est ni bon – ni mauvais – ce qui est bon – c’est de parler plusieurs langues (h) il y a pas d’avantage à parler occitan – il y a un avantage à parler plusieurs langues – la question de savoir – il y a pas une langue supérieure à une autre – il y a pas de parler – il y a pas de dialecte supérieur à une langue – ça rejoint la question entre les Bordelais et les Béarnais qui a toujours fait des débats ici localement – mais c’est la question simplement de pouvoir sauter sur d’autres langues et d’avoir éventuellement d’autres avantages – je pense que – je pense que l’occitan complète le français (…) voilà donc – c’est pas une langue – c’est – moi – je n’ai pas de supériorité – je pense que c’est pas mieux – par contre – je pense que c’est mieux – c’est – par rapport à l’identité – je sais pas si vous avez prévu cette question-là – c’est d’avoir une identité qui soit – c’est le point de vue que je vous ai donné toute à l’heure – c’est-à-dire avoir une identité d’où on sait d’où on vient – d’avoir une idée claire d’où on vient ce qui manque en France parce que toute la question d’identité locale est en essai de – ‘fin – la société française essaye de la gommer – c’est essayer de la – de la – je pense que la donnée de cette identité là – ça permet – je pense – d’ouvrir un enfant à d’autres cultures en tout cas de savoir où il est au niveau de l’identité – à pas se poser les questions que moi – je me suis posé – les questions que peuvent se poser certains de mes élèves qui ont à peu près votre âge – c’est de savoir – de savoir où est-ce qu’on est. [spricht über Generationenfrage und dass er verstehen kann, dass sich Menschen in der Idenitätsfrage dem Gaskognischen zuordnen] [Et il n’y a que des avantages?] Alors il y a une étude sur la langue – sur la langue il y a une étude – alors sur l’identité je pense qu’il y a que des avantages – ‘fin non – non – il y a pas que des avantages parce que sur l’identité si on s’enferme dans le nationalisme – c’est un désavantage – si on s’ouvre sur le monde et c’est ici où on s’aperçoit que le rando ça a à voir – c’est la danse – ça a à voir avec les rondes du nord de la France comme avec – avec la bourrée d’Auvergne […] en tout cas – ça a à voir avec ça – oui –  si c’est pour avoir du rando la vision de kiki tout ça, non – alors avec un enfant ça peut-être un avantage et un désavantage – il y a une étude – à priori – c’est un avantage parce que ça permet effectivement de donner à l’enfant d’autres sonorités – d’autres – d’autres manières de construire les phrases – au niveau de la syntaxe éventuellement [geht auf seinen parler ein] Il y a une étude récente qui dit c’est un avantage globalement sur le long terme de connaître deux langues – au moins deux langues – trois ou quatre c’est encore mieux.

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Ça serait bon – je suis pour – je suis pour – même très pour parce que je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois – c’est pas évident.

6.4.7. 4g) Pourrait-il avoir des désavantages ?

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Au bilinguisme? [De parler gascon avec des enfants ?] Non – je n’ai vois aucun – je vois que des avantages.

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Non – franchement – je vois pas lesquels – moi.

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J’en ai vu aucun – ça ne peut que les aider à affirmer une personnalité – à acquérir une personnalité – ils sont interrogés – ceux qui viennent à l’occitan sont interrogés par les autres et c’est considérer comme une valeur – le fait d’apprendre un petit peu l’occitan.

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Non – Franchement des désavantages – ce serait – QUE C’EST UN DESAVANTAGE D’APPRENDRE QUELQUE CHOSE QUELQUE SOIT la chose donc non – non.

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Aucun.

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Non – non.

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C’est pas mauvais non – non c’est pas mauvais.

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Non – le seul désavantage que je verrais –si notre société acceptait plus cette diversité alors là – oui il pourrait être – cela pourrait être un désavantage d’avoir des compétences en langues régionales – mais sinon je ne vois pas.

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Non, au contraire- au contraire – c’est sûr que le bilinguisme est qu’un avantage.

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Il y a que des avantages.

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Non – je vois pas – des désavantages – je vois pas – non – moi – je trouve que c’est que des avantages.

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Par contre – effectivement il y a un âge ou ça peut-être – il y a un âge intermédiaire où de fait on sait que les enfants peuvent perdre les langues – une langue – ‘fin avoir l’impression qu’une langue est perdue. [Eingehen auf Beispiel im Bekanntenkreis dazu] Par contre – il y a effectivement – on a des périodes de la vie où ça peut être éventuellement handicapant parce qu’il y a un truc qui va sortir dans la langue et tout ça – ça pose des problèmes.

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Vous voulez dire quoi là ? Je crois qu’ils auraient un avantage à le comprendre et je suis allée plusieurs fois à l’école parce qu’à l’école – ils ont essayé aussi – à l’école – la maîtresse – elle est pour – elle aussi – mais aucun enfant est intéressé vraiment – pour un après-midi – on va les distraire un peu mais pas pour vraiment en parler – quelquefois des mots – des mots – des mots d’enfants qui des – des – des arr(-) – des grands-parents qui comprennent la langue – c’est tout.

6.4.8. 4h) Parlez-vous gascon avec vos petits-enfants ?

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Non – pas encore – si – j’ai des petits-enfants je leur parle en gascon.

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– (Unbehagen)

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J’en ai pas.

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[Exkurs darüber, dass ihr Mann und ihre Schwiegertochter gaskognische Ausdrücke wiederholen, die sie hin und wieder fallen lässt] Parce que des fois – j’en donne des expressions comme ça – par contre – ma petite-fille – elle écoute – alors ce qui est rigolo – c’est là – Bon – elle a quel âge maintenant ? Elle a huit ans – donc je – je l’avais souvent avec moi dans la voiture – bien sûr et je lui demande par exemple [Zitat auf Gaskognisch] en gascon. Elle me dit – oui Mamie – et je lui dis – qu’est-ce que t’as compris – et elle me dit – tu me demandes si je me suis attachée. [C’est rigolo] C’est rigolo –ouais – parce que je lui demande en gascon si elle est attachée et elle me dit – oui – Mamie – je me suis attachée – et comment tu le sais – beh – j’ai compris ce que tu m’as dit – Alors – je sais pas comment [thematisches Abdriften] Ah oui – par contre – elle vient à la danse avec moi.

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Oh jamais – jamais – jamais. [Bon, dommage] Ah oui – c’est dommage – mais comment il faut qu’on fasse? Quand ça les intéresse pas. [Dritte Gesprächspartnerin: Ça fait pas moderne] Oui – il y a eu un temps – c’était comme ça – maintenant ça change un peu. [langer Monolog über l’école d’autrefois, die viel besser war]

6.4.9. 4i) Par rapport au français, qu’est-ce que le gascon ?

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Je comprends pas très bien votre question-là – qu’est-ce que ça représente? [C’est une langue, un patois ?] Sur le plan linguistique ? Mais disons que l’origine du gascon et du français ne sont pas les mêmes. [ausführlicher sprachgeschichtlicher Monolog] Donc – c’est une langue latine avec un substrat basque tandis que le français – c’est une langue latine avec un substrat celtique donc c’est déjà différent et avec un superstrat francique. [weitere sprachwissenschaftliche Detailierung] En tant que langue latine – le gascon est différent du français – très – très différent – et le gascon est aussi différent de l’occitan – moi – je considère pas que le gascon soit un dialecte de l’occitan – je pense que c’est une langue à part entière au même titre que le catalan. [Exkurs über die unterschiedlichen Völker (Aquitanier, Okzitanen)] C’est une langue différente et le français est encore une autre langue différente – ce sont quand même aussi des langues latines.

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Le français – c’est – c’est une langue – que j’ai apprise – je dis que j’ai apprise parce qu’au fond ça a quand même été du travail d’apprendre le français convenablement – donc que j’ai apprise – je l’ai apprise quand même comme ça – par force – et puis en même temps –  moi, je suis curieuse alors ça m’intéressait – voilà – mais pas plus que le latin ou ‘fin c’était une langue – on était bien obligé parce que tout le monde parlait français – il fallait bien parler français – encore que si on restait chez nous on pouvait parler cet espèce de parler bâtard qui était du français gascon – les femmes de ménage d’ici – elles parlaient comme ça – donc bon – après historiquement on partait un peu d’ici – mais on nous comprenait pas – on était bien obligé de faire des efforts – moi – j’allais par exemple en vacances – au moins quinze jours tous les étés  chez une tante à (x) et donc là – évidemment – quand j’étais petite – j’étais avec mes cousines qui étaient grandes – qui étaient beaucoup plus âgées que moi [weitere Detaillierung] il y avait toujours beaucoup de monde autour de moi – ça les faisait beaucoup rire – voilà donc – c’était très désagréable – (h) c’était très désagréable – et je me disais mais pourquoi – je comprenais pas pourquoi ils parlaient si différemment de moi – donc voilà – ça me paraissait très drôle – très bizarre – parce que moi – je pensais que je parlais français – et on va dire – ils pensaient que non – (h) donc – ça les faisait beaucoup rire – ils m’installaient au milieu d’un groupe comme ça – moi – je devrais avoir sept – huit ans – et eux – ils avaient une vingtaine d’années – et ils me posaient des questions – ils me faisaient dire des choses – ça les faisait rire beaucoup – beaucoup – et ça continue – moi – je me suis un peu fâchée avec des gens à Paris [weitere ausführliche Erzählung wie sie sich als Erwachsene wegen ihres Akzents diskrimiert gefühlt hat] Il y a des sonorités que les Français ne prononcent pas du tout comme nous – voilà donc – on met de n vélaire partout et eux – ils mettaient pas de n vélaire (h).

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Mais – il y a des racines communes – entre les deux langues – bon (..) le gascon – le gascon a des racines – a des origines – je pense qu’il y a une part(ie) – je ne suis pas linguiste – mais il y a un part plus important – je crois de la racine latine – de la racine dans le gascon – voilà – bon – ce sont deux langues différentes qui se – qui s’interpénètrent dans le vocabulaire – nous sommes quelques-uns – très conscients – qui cherchons de protéger le gascon – c’est-à-dire qu’on prenne un mot français et qu’on met à la fin du mot – on prononce -ou pour en faire un mot gascon alors en cherchant bien dans les mots de racine latine – il y a des mots qui ont toujours été utilisés que mes parents – par mes parents – mes oncles utilisaient – donc essayer de rester sur le vrai vocabulaire et pour ne pas déformer les mots […] Je fais trouver dans mon village ou autre des personnes de mon âge ou plus ancien qui parlent comme moi – il y a pas de problème – ceux qui mettent [Beispiel] – ils ont oublié – ils ont perdu le vrai mot occitan – voilà – mais après nous sommes ceux qui cherchent à bien enseigner qui écrivent un petit peu – qui écrivent – nous sommes bien sûr dans la recherche de vrais mots – voilà.

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Bon – c’est un peu la langue de la résistance – je crois – voilà – de la résistance – je me place pas en matière de guerre – mais c’est résister à [x] d’une langue  dominante qui n’a pas accepté de conserver des variétés – voilà – c’est la résistance ça – c’est résister – ça c’est important. [Vous participez à des mannifs ?] Toujours – je n’ai manqué aucune – et la prochaine – elle est à Montpellier en 2016 – en 2015 – en automne – cet automne.

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Mais – la langue d’oc – le français c’est la langue d’oïl – le gascon – ça fait partie de la langue d’oc.

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Ah bah – c’est une langue – c’est une langue sœur – une langue ‘fin cousine – c’est une langue qui a plus de sonorités parce que c’est une langue accentuée comme les langues du sud – comme les autres langues romanes – il y a que le français qui a perdu le coup d’accent tonique.

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Bon – il y a des expressions d’ailleurs – il y a des expressions – il y a des mots que – qui me viennent plus vite à l’esprit que [Beispiele] bon – il y a des fois où je pense en gascon je (.) voilà mais – mais et puis le français me vient après.

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(..) une langue – une langue au même titre que le français – ni plus importante ni moins importante.

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Je comprends pas la question. [C’est une langue, un patois, un dialecte ?] AH – j’applique les règles normales – c’est une langue bien évidemment – je parle un dialecte français et je parle également un dialecte gascon ou occitan et mon français – c’est un dialecte  aussi. [weiteres Eingehen darauf, dass er Grammatikregeln anwendet]

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A quel niveau ? [C’est une langue, un patois – voilà ?] Là aussi – je sais pas si je peux y répondre suffisamment. [D’après vous] Suffisamment. [Il y a pas de vraie réponse] Oui – oui – oui bien sûr-mais non – c’est surtout que je voudrais répondre parce que j’ai l’acheminement et que – et donc – linguistiquement c’est – ‘fin l‘occitan est une langue donc il n’y a pas de doute là-dessus – après il y a une situation sociolinguistique qui fait que c’est une langue qui est en difficulté – euh – mais – après (..) c’est une langue qui a la chance d’avoir une littéraire millénaire qui (.) qui – qui- qui a – qui est une manière de voir le monde –mais je ne suis pas un discours – de hiérarchiser une langue par rapport à une autre ‘fin – on ne peut pas hiérarchiser parce qu’elles ne sont pas dans la même situation sociolinguistique mais – après toutes langues sont égales et – et il n’y a pas une langue qui a plus de valeur qu’une autre et je ne vis pas mon Occitanétié comme une revanche par rapport au français –‘fin – je – je – je me sens aussi attaché à la langue et la littérature française – ça m’intéresse et après la France s’est construite comme elle s’est construite – mais bon – c’est comme ça – on a le temps de s’y projeter et par contre d’expliquer – de démontrer que – qu’on peut changer cette manière de – de voir la pluralité linguistique en France et – et de considérer que le bilinguisme et le plurilinguisme sont une force pour eux – pour ce pays – mais c’est quand même – les vues sont en doute que – la France est un peu à part quand même en Europe sur son rapport aux langues – voilà – c’est dommage pour elle surtout ça – à expliquer que la France s’y perd.

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Des fois – ça peut exprimer des autres émotions – le gascon – on peut dire des choses – on peut même inventer des mots – disons – alors qu’en français – ça permet que des fois il y en a qui ne comprennent pas – moi – j’ai un copain – dans le tramway – j’étais avec lui dans le tramway et il y en avait un qui demandait une cigarette – moi – je parle gascon- comme ça – moi – je suis pas embêtée. [Abdriften, sprechen über Entstehung von Phänomenen wie Kréol] C’est une langue latine. [Exkurs über Baskisch] Je sais pas – j’ai pas fait des études là-dedans – voilà – c’est vrai que les gens du Médoc – on leur reconnaît suivant leur timbre de voix – je trouve – on s’est beaucoup moqué de moi parce que j’avais un accent – mais j’ai appris un petit peu de machins pour le dire en français sans accent – accent – mais après – je me suis dit pourquoi cette faveur – pourquoi ce privilège?

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La langue-sœur – c’est la langue-sœur – on a beaucoup à partager entre [x] […] Mais je suis très attaché au fait de ce qu’il va devenir le français – de ce qu’il va devenir l’occitan. [Beispiele zu Sprachwandel, dass es im Okzitanischen oft 2 oder 3 Begriffe für einen Ausdruck im Französischen gibt] [Bitte um Wiederholung der Frage] Oui – la langue-sœur – mais la seule langue jumelle – c’est le catalan –  ah oui – je vais pas exprimer les mêmes choses parce que moi – je suis quand même – je suis quand même francophone. [gibt ein Sprachbeispiel] Ça, c’est l’expressivité – une expressivité très gasconne – elle y est pas en français – parce que le français – c’est une langue très intel(lo) – ‘fin – moi – je considère le français comme une langue très – qui se veut d’une qualité construite lexicologiquement sur le modèle intellectuel.

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Bah – c’est la langue régionale – le gascon – il y a pas de problème – c’est une langue régionale – j’sais pas par rapport au français – c’est-à-dire – d’après ce que j’ai lu dans les archives – en somme – jusqu’à la guerre de 40 – c’était presque – comment dire – que des riches – les patrons – les patrons – les riches – les pauvres – c’était le patois – on parlait peut-être un peu de français – encore – je me doute – je sais pas parce que les riches parlaient patois aussi – pour commander – ils savaient – ils parlaient patois – mais jusqu’à la guerre de 40 mais la guerre de 40 – tous les gens – de toutes les régions se sont rendus à la guerre et pour comprendre ils étaient bien obligés de se mettre au français – toutes ces régions mélangées et là qu’on a perdu le patois – c’est 40 la charnière – oui – c’est 40 – quand avant – avant il y avait les riches qui apprenaient le français à l’école et les pauvres qui ne venaient pas à l’école. [weitere Ausführungen über diesen ungerechten Zustand] C’est pas étonnant qu’on se soit révolté. [weitere Detailierung über Ungerechtigkeit]

6.4.10. 4j) Le gascon a-t-il une culture propre ?

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Oui, bien sûr. [En quoi consiste cette culture ?] Essentiellement – des traditions – des contes populaires – puis des écrivains aussi. [Exkurs über sein Buch] A tous les siècles –il y a eu des écrivains gascons. [Exkurs über Sprachgeschichte Frankreichs] Alors – on peut dire qu’il y a eu une culture gasconne parce que les gens ont écrit en gascon – et puis après il y a des gens qui écrivent toujours en gascon – et puis après si vous voulez – il y a d’autres traditions aussi qui font les entités de la région – par exemple la cuisine – beaucoup de choses comme ça – le carnaval – il y a ‘fin – plein de choses quoi – au fond  la course landaise – qui est une tradition un peu récente – mais bon – qui caractérise un peu le Sud – voilà – beaucoup de choses comme ça qui font que les gens se retrouvent – et puis après il y a des choses plus – bon – d’implantation plus récente qui à un moment ont servi à catalyser aussi l’identité et qui sont  en train de disparaître par le phénomène de la médiatisation – je pense au rugby principalement. [ausführliche Detailierung] Depuis Bordeaux le rugby s’est implanté dans le Sud-Ouest – dans le Midi aussi – et pas du tout dans la région française. C’est assez récent si vous voulez [Monolog über Geschichte des Rugby im Südwesten] Tout ça ce sont quand même des traditions – le sport a été ritualisé […] Une tradition qui est malheureusement en train de disparaître – mais l’identité était influencé par du sport aussi – voilà. [Consultez-vous des livres en gascon ?] Le problème c’est que le gascon ressemble beaucoup à l’occitan au niveau officiel – je ne suis pas du tout partisan de cette vision – je ne suis pas du tout d’accord avec cette vision des choses – donc la plupart des journaux est occitaniste et ça ne m’intéresse pas – donc c’est pour ça que je les consulte  plus […] le problème de l’Occitanie est – si vous voulez – on veut remplacer un centralisme par un autre – on a voulu combattre le centralisme français et imposer un autre qui était le centralisme occitan donc là il y a quand même un problème [Sprechen über okzitanistische Fernsehsendung] – on va vous parler d’occitan de Gascogne – on vous parle pas de gascon – moi – ça me plaît pas – je pense qu’on a diluer notre identité à un ensemble plus grand qui n’a aucune réalité historique – pas vraiment de réalité linguistique non plus – on a pas eu de destin commun – on en aura jamais – ici sur la côte atlantique – on est beaucoup plus proche des Bretons et des Basques à cause de la culture de la pêche par exemple – de la pêche – des traditions maritimes [weitere Präzisierung] Ça n’a rien à voir – la mentalité n’est pas la même – c’est complètement différent – donc – je pense que quand on milite pour une identité – une différence – il faut vouloir assimiler sa différence à celle des autres et recréer une chose artificielle qui n’est au fond pas existante.

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Bien sûr – il y a pas de langue sans culture – ça n’existe pas – c’est une culture qui est métissée parce que le gascon – c’est une langue métissée déjà – donc c’est métissé – ce qui fait que selon les endroits de Gascogne aussi – c’est – parce que la Gascogne – c’est grand quand même – donc il y a les Gascons de la montagne – les Gascons de la mer déjà – c’est pas pareil tout à fait – bien sûr – et puis ceux de l’est et ceux de l’ouest – alors – on fonctionne pas tout à fait – on a pas tout à fait les mêmes choses quoi – mais grosso modo – dans la mesure où – tous  les Gascons d’où qu’ils soient – qu’ils soient du Sud – du Nord – de l’Est – de l’Ouest – c’est une langue métissée – on a tous à peu près les mêmes racines mais bon – il y a de tout petites différences quoi – mais une culture – on l’a eue – oui  – bien sûr – oui évidemment.

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Oui – j’ai une culture propre (h) oui – beh – la culture – beh – c’est – connaître – oui – c’est connaître les origines de son endroit – les – les façons de vivre liées au lieu et à tout ce qui s’est développé sur le lieu et puis – puis forcément les loisirs – les loisirs particuliers – les jeux – les chants – les danses – voilà – patrimoine – jeux – chants – danses – c’est une culture – crois-je.

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Oui – parce qu’il a une langue propre – c’est vraiment – on n’est pas calqué vraiment sur le latin – justement – on a eu des rapports qui sont arrivés de l’Est – de l’Est de l’Europe – du Nord – tout le monde a pris la Garonne – son bateau – où  ils ont traversé – où ils se sont arrêtés – ils sont allés plus loin – mais on a énormément d’apports dans le gascon – de plein de pays – des h aspirés – les diphtongues – alors que chez – le Languedocien – c’est – c’est vraiment issu du latin – voilà.

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C’est complexe – le gascon – c’est – en fait – c’est – c’est inattendu – géographique – territorial assez vaste – jusqu’à l’ouest de la Garonne – en fait entre les Gascons du Nord et les Gascons du Sud – les frontaliers de l’Espagne parfois il y a des différences de – de – de vocabulaire – de prononciation et en fait le gascon c’est pas du tout homogène – voilà et il y a aussi le problème entre les Gascons du centre (x) voire dans les Landes – dans le Gers vers Auch – Mont-de-Marsan qui eux considèrent qu’eux sont de vrais Gascons et que tout autour – on est des Demi-Gascons quoi.

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Oui – tout à fait – une littérature – des chants – des prières – une histoire – il y a aussi une culture gastronomique – la nourriture – oui – oui – oui – il y a beaucoup de caractéristiques.

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Il y a des – oui – il y a des cultures donc bon il y a les danses – il y a les chansons (..) des jeux qui – qui se passent en gascon – mais bon il y a – il y avait des jeux de (x) maintenant ça se fait beaucoup moins – bon – sinon – sinon je ne vois pas – là j’ai pas de – non j’ai pas de – [Mais c’est déjà quelque chose, non?] Oui.

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L’occitan a une culture propre – après les dialectes ont des traditions propres (.) voilà – c’est – il y a des cultures et chacune va mettre l’accent sur tel ou tel point – voilà mais – oui ça fait partie – il y a des traditions –  géo() ‘fin – implantées géographiquement – mais s’englobent dans des choses plus larges –  donc c’est valable pour l’occitan – c’est valable pour la culture française ou la culture bretonne aussi – oui. [Mais vous ne faites pas la différence entre l’occitan  et le gascon?] pour moi – moi – non [C’est une grande langue?] Oui – moi – quand j’apprends le gascon – j’apprends l’occitan – mais je sais que c’est pas le cas pour tout le monde – voilà – mais moi – moi – je suis prof d’occitan avant d’être prof de gascon même si c’est le gascon que j’enseigne.

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Ah bah – énormément – il a une littérature passée et présente (..) oui – bon – alors – j’aime pas trop le mot de culture en tant qu’anthropologue mais culture au sens de savoir – oui – tout ça – une littérature  il a bon puis – depuis – depuis quelques décennies – il y a une valorisation de cet aspect ou de ces aspects – [Beispiel eines berühmten okzitanischen Mathematikers]

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Oui – ‘fin – la – dans le paysage occitan – il y a la Gascogne – ‘fin la culture gasconne – a des – a des traits particuliers aussi bien linguistiques parce que formes linguistiques particulières que – que culturelles – il y a une littérature gasconne qui a – qui a ses propre traits et que la Gascogne même – dans ses traits de caractère ‘fin – pour partager ma vie avec  une Languedocienne maritime – je vois que –je vois que – qu’on a – qu’il y a des traits – je ne vais parler des généralités mais il y a des traits gascons – particuliers – on est de l’Atlantique on est pas des Méditerranéens – on est – en plus – on est à Bordeaux – on est – on – est des Gascons du Nord pas du Sud donc on est peut-être un peu plus renfermé – un peu moins expressifs et après de toute façon ce sont des généralités et ça n’a pas grande valeur – ce ne sont que des impressions mais oui – après il y a des traits particuliers de la culture occitane – de Gascogne.

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Oui. [starkes thematisches Abdriften] Vous le connaissez – le groupe de chanson Nadau ? On aime bien chanter – le dimanche – après l’église – ça chante. [..] On a aussi la nourriture particulière à la Gascogne – c’est aussi la nourriture – alors nous dans le Médoc [ausführliche Auflistung] Dans les Landes [ausführliche Auflistung] Vous voyez comme tout ça se perd – la mondialisation. [spricht über gesamte Occitanie] Et il y a des symboles – chez nous – il y la croix occitane. [geht auf Bedeutung ein, die absolut nichts mit Kultur zu tun hätte] C’est une des premières choses que j’ai appris – ça – donc en fait – l’emblème de l’Occitanie – c’est ça – c’est cette croix – alors – j’ai un petit truc aussi – je sais pas si vous le connaissez – c’est la dame de Preira. [zeigt Figur und redet darüber, dass dies nicht das Orginal wäre, aber geht auf Charakteristika des Originals ein].C’est la plus ancienne représentation d’un visage humain qu’ils ont trouvé dans le monde – (x) dans les Landes.

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Il y a pas une culture – il y en a plusieurs – non – les questions de culture – c’est des questions très locales – je pense – ‘fin – il y a pas une culture – c’est comme – c’est comme de dire le  gascon existe à la rigueur – à la rigueur – je vous dis – le gascon n’existe pas. [vergleicht Varietätensystem mit Quantenmechanik] Donc effectivement – il y a une différence mais en fait on est dans une nébuleuse – ce que j’ai appris – à la fin justement – c’est là la limite de pensée qui distingue et parfois la distinction sert plus à rien. [geht auf linguistische Fragen ein, nicht auf Kultur] On a pas ce côté latin – comme les gens à Montpellier – on est des gens du Nord […] On est des gens d’Atlantique – on est des gens du Nord – on n’est pas des Latins au sens strict du terme – ça – c’est des questions identitaires.

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Ah sûrement – ah oui – une culture – sûrement – ah oui – comment expliquer ça – une culture propre ? Des coutumes en pagaille – des superstitions – si – mais des coutumes – c’était une culture – c’était vivre comme vivre – autrefois – il y avait le patois – oui – c’est une culture – oui – oui – oui – c’est une culture – il y avait plein de traditions. [Par exemple?] C’est pas une culture ÇA – bah ouais – je sais pas – moi – des maïades – la tradition des fêtes – des fêtes surtout – comment dire – ils étaient pétri de religion mais tout était fête – mais pétri de religion – ouais – et puis – ils croyaient – ils croyaient – moi – j’ai écrit dans les archives comment vivaient nos ancêtres – j’ai écrit que le 30 avril – ils allaient se rouler dans l’herbe des prés parce qu’ils pouvaient guérir de tout ce qu’il y avait – des boutons – de tout – plein de superstitions – ils croyaient à cette fontaine miraculeuse – peu importe laquelle – mais c’était toujours la Sainte Anne – la mère de Marie. [weitere Detailierung über den Gang zu den Quellen und anderen Heiligen] Je sais pas lesquels ont existé – moi – moi et les croyances – vous savez – ‘fin bon. (h) c’était dans la culture quand même tout ça – à Pâques –c’était toute une tradition […] Bien vivre quoi – à côté d’être très malheureux – ils étaient heureux – mais c’est vrai – en plus – ils étaient heureux – oui – oui – on vivait avec nos voisins – c’était une autre vie – bon – c’était – mais c’est pas si loin que ça parce que je m’en souviens – c’est vrai – c’était une autre vie – c’était – on était heureux – moi – moi – je suis pas une enfant désirée puisque j’étais la quatrième – on me désirait pas mais j’ai eu une enfance heureuse – comme tout –ça – rien – mais bon – on était heureux avec peu de choses – peu de choses – maintenant ils veulent tout – tout de suite – mais c’est bien – mais à quelque part – ils ont pas les souvenirs qu’on a– non – tous ces souvenirs de Papa Berger – de ses moutons –de cette – de tout – de tout – des carnavals qu’on faisait tout simplement – des – des – des fêtes qu’on attendait parce qu’il y avait rien d’autre – après il y avait toute cette vie religieuse qu’on était obligé – alors la vie religieuse – on en a parlé il y a pas très longtemps – l’histoire des processions – des missions – des – des – bon à la procession – je me vois encore avec mon petit panier de roses – je jetais des fleurs à la procession là […] C’était vraiment –la religion nous plombait – elle nous plombait – à belle de Dieu – ah oui – mais bon – c’était comme ça. [Abschweifen zu heute, dass Kinder überbehütet werden und zum Schulweg während der deutschen Besatzungszeit] Autrefois – c’était autrement – autrefois – c’était autrement – on participait aux choses. [erzählt, dass sie nicht mehr auf Feiern anlässlich des 14. Julis geht, weil die Leute dort Pizza essen und sie dies für eine Missachtung der Traditionen hält.] Maintenant – il y a plus rien – la fête – c’est – c’est pas – c’est pas pour tout le monde – c’est pour les jeunes. [Redet über Fêtes de Dax, de Bayonne und de Mont-de-Marsan. Kommt auf das reichere Baskenland zu sprechen, dass eine rechte Regierung gewählt hat] On est vraiment de gauche.

6.4.11. 4k) Le gascon disparaîtra-t-il ?

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Oui – je pense qu’il va disparaître – il y a une étude justement – un petit bouquin – je cite Massoure qui a écrit un livre. [Jean-Louis?] Jean-Louis Massoure – Le gascon – lengatge estranh en 2005 – déjà – donc lui – il faut une étude qui porte sur – sur le gascon des Hautes-Pyrénées [Präzisierung] Donc moi – je pense que c’est une étude qui est applicable dans le reste du domaine alors – alors oui – ce qu’il écrit dans son bouquin – les (x) statistiques effectuées laissent prévoir une quasi – disparition du gascon à l’essor de 50 ans – lui – il attribue ça à la société – à la disparition de la société pastorale – je sais pas si vous avez eu l’occasion de lire ce bouquin – mais moi – je pense que – qu’il y a d’autres – qu’il y a d’autres raisons aussi – dans l’essentiel – je pense que c’est l’enseignement français – enfin l’esprit français dans l’enseignement qui a fait que toutes ces langues dispar(aissent) – étaient vouées à disparaître et au-delà de ça c’est une volonté politique qui existe depuis la Révolution – l’éradication des patois pour l’unité de la nation – c’est un problème très – très complexe [langer Monolog über Sprachgeschichte, Eingehen auf Bretagne und Basken] Donc il y a pas que la disparation de la société pastorale – c’est un peu trop facile quoi [geht auf Katalonien ein] Il y a pas que ça – c’est aussi la volonté des politiques d’éradiquer les patois qui – qui – qui est vraiment une – une – un phénomène typiquement français au fond – ça, c’est sûr – voilà.

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Bah – je pense qu’il restera dans les universités – c’est tout – je pense que c’est là qu’il va rester – c’est-à-dire comme savoir savant – oui savoir savant, c’est tout – mais après – dans la rue – c’est déjà pratiquement plus (..) même dans le Béarn – les Landes et tout ça – on arrive pas – on arrive pas à entendre des gens dans la rue – comme – moi – quand j’étais petite – à la rue là – les gens s’interpellaient – se parlaient – voilà – ça – je crois que non – ça pourra plus – donc ça va demeurer un savoir savant.

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Non – NON quant au fait – qu’il y a d’abord (..) les écoles (.) Calandretas occitanes se sont créées pour pallier ce que l’Éducation Nationale ne faisait pas – l’Education Nationale refusait d’offrir des sections bilingues – langues régionales – français langues régionales dans les établissements publiques – donc les Calandretas ont été créées pour pallier ce refus et au vu de cela – cela a fait changer le positionnement de l’Éducation Nationale qui maintenant est d’avantage favorable à la création des sections bilingues – français langues régionales pour le moment il y en a une seule dans le département ici mais malgré tout il y en a une et – il y a deux écoles occitanes Calandretas dans le département et les sections bilingues et les sections de l’académie – l’administration est favorable à la création d’une autre ou deux autres mais les empêchements se – se trouvent dans les – dans la population – il y a eu plusieurs communes où des sections bilingues étaient sur le point de se créer – il y a des manifestations des parents d’élèves qui étaient opposés à cela décrétant que c’était passéiste qu’il vaut mieux qu’ils apprennent l’anglais plutôt que d’apprendre leur langue régionale – voilà. [Antwort auf Frage nach den avantages] Les enfants des écoles occitanes Calandretas apprennent la langue – l’apprennent bien et peuvent la pratiquer – et de plus la plupart de leur parents connaissent – il y en a très peu qui connaissent la langue quand ils mettent leur enfants – il y en a – mais ils sont assez peu nombreux et la plupart des parents – une bonne part’ des parents l’apprennent aussi – se mettent à l’apprendre – ils s’inscrivent au cours d’occitan pour adultes pour communiquer avec leurs enfants et puis – parce qu’ils ont pris conscience que c’est une bonne chose – c’est une chose intéressante – donc – donc la langue ne (.) ne disparaîtra pas dans les – dans les (.)deux générations qui me suivent la langue ne disparaîtra pas – c’est sûr – le relais est assuré.

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Alors – il y a beaucoup de langues qui s’éteignent mais on est très étonné – avec des amis – j’en ai discuté [Präzision über Diskussion mit Freunden] et moi – je pense que par contre par ci par là – qu’il y aura des gens voilà – qui font l’effort de se mettre à  l’apprentissage d’une langue – ou bien des autres qui s’intéressent à l’histoire du pays donc forcément il y a des mots de la langue ancienne qui interviennent là-dedans – ou qui s’intéressent aux chants traditionnels ou – je pense que ça passera par là et puis (.) sans doute – les études – les études littéraires – bon – quant au parler couramment y en aura certainement parce qu’il y en a qui ont des facilités – mais enfin j’ai peur qu’on soit passé à la moulinette de l’Americanité – donc – j’espère qu’il restera les noms des rues – voilà – qu’on pourra traduire – qu’il restera des noms célèbres de l’histoire – des expressions – des expressions (…) comment dire – un peu joviales – des expressions intraduisibles aussi qui sont comprises par les gens d’une langue et puis des expressions culinaires alors – alors il y en a – au moins ça restera ça – à table y restera ça. [Et concernant les gens?] Oui – il y en aura sans doute mais ça ne sera certainement pas la langue d’aujourd’hui – elle aura évolué – pas dans le sens – je pense du détail – mais je pense qu’elle durera ou alors une langue plus unifiée sur tous les domaines de  l’occitan – ça sera peut-être pas le gascon qu’on parle aujourd’hui – le risque c’est qu’il sera un peu appauvri – je pense – voilà – mais ce n’est pas sûr – j’en sais rien mais – enfin bon.

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Il disparaîtra pas.

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Non – je pense pas – non – parce que la langue est sauvée – je pense – elle est connue – on connaît la syntaxe – on connaît ses phénomènes grammaticaux – le vocabulaire – après l’autre question c’est qui la parlera dans 20 ans – 20/30 ans – voilà – c’est la question.

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Je pense pas – je pense pas (..) il y a des (.) parce que bon – moi – je vois que les gens s’y mettent – bon maintenant il y a moins de (..) disons il n’y a pas des – des interdits comme – il y avait – il y a cinquante ans quand même – bon alors c’est vrai que – il faudra que – il y a pas mal d’associations et il y a des endroits où c’est bien implanté – bon – mais c’est beaucoup avec les associations qui sont – qui militent –bon – bon – alors est-ce que – il y a quand même – dans notre association – c’est vrai que la moy(enne) – c’est essentiellement des retraités – mais bon – il y a – je ne sais pas – il y a la Calandreta et puis quelques – il y a déjà assez de demandeurs pour retrouver leur racine – alors je pense que – je pense que non – bon – bien sûr il faudra – il faut être vigilant – il faudra être vigilant – bon – je pense qu’il y a la relève quand même.

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Non – non – ce n’est pas objectif – j’en sais rien –je pense pas – [Pourquoi ?] Parce que c’est – l’histoire de l’occitan c’est – c’est une chronique d’une mort annoncée – depuis le treizième siècle (.) et depuis le treizième siècle tout le monde annonce que ça va mourir – quand j’ai commencé à prendre l’occitan au lycée on disait déjà que ça allait mourir – quand j’ai commencé mes études à l’université – on disait que c’était la fin des fins – que voilà – après ça – il y aurai plus rien – quand j’ai passé mon capes – on m’a dit de me dépêcher – parce que le capes allait être éliminé – bon – l’occitan est toujours là – moi aussi – et il y a plein de gens qui ont encore envie de l’apprendre – parce qu’ils sont – même – de voir la culture que cette langue véhicule – ils sont séduits – ils veulent comprendre – ils veulent apprendre – donc, que ça soit pas une langue qui supplante le français – évidemment – ça non – mais de là ce qu’elle meure – non je ne crois pas.

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Je vous ai expliqué hier – NON – parce que c’est une langue d’une classe d’âge – premièrement – deuxièmement – il se maintient sous la forme du français régional qui est pas du français – qui est du gascon mauvais – du mauvais français – mais des mots en gascon et parce que la syntaxe est gasconne – ce français régional par exemple [Beispiele]. Quand les gens ont 50 ans – c’est comme le tiroir d’une armoire – ils remplacent les mots français par des mots gascons – avant c’était du mauvais français – mais puis ils disent ça en gascon – et donc la langue se maintient de façon discrète – oui – parce que – ça aussi – c’est une mention – le gascon – on en a pas parlé hier – le gascon – c’est une langue discrète – c’est-à-dire que vous allez au pays basque – les gens connaissent trois mots de basque – ils vont vous les donner – ici – c’est l’inverse – si quelqu’un ne comprend pas le gascon – on arrête de parler gascon pour pas – par politesse – donc – l’impression que le basque se maintient – ce qui n’est pas vrai – et que le gascon disparaisse –ce qui n’est pas vrai non plus – c’est-à-dire l’impression est fausse – c’est – c’est véritablement une langue discrète – on l’affirme pas – d’autant plus que c’est une langue de l’intimité – de réflexion quoi – on le parle avec des gens qu’on connait bien quoi – pas avec n’importe qui.

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(h) je n’ai pas la prétention de pouvoir répondre à cette question – je pense qu’il y a beaucoup de gens qui se sont dits que – que ça allait mourir de leur vivant et – et – voilà – des années après on voit que cette langue est encore parlée [klingelndes Telefon] après je vais [klingelndes Telefon] après – bon – les enquêtes sociolinguistiques démontrent quand même que – que l’occitan est en sérieux danger de mort et même en menant des politiques lingustiques volontaristes et – puisque c’est sur quoi je travaille – on voit d’un côté – par exemple on a doublé les effectifs en matière d’enseignement bilingue à peine (..) à peine sept ans – six sept ans – mais à la fois ça reste un goutte d’eau dans un océan (.) immense et que – ce que je vois – les (x) que je vois c’est peut-être de la part de la société – occitane – de la société – des – des gens qui habitent ce pays – de voir qu’il n’y a pas une réelle adhésion à – à cette langue – à cette culture – c’est-à-dire que – contrairement par exemple au pays basque – puisque je travaille aussi pour l’euskara – c’est qu’on a pas une adhésion franche de la société – ça a pas eu un basculement –un déclique – oui – ok – on a une langue qui est mal en point mais on va se – faire en sorte de rescolarisier et de retransmettre cette langue et de la pratiquer – non – ce phénomène n’a pas eu lieu et je suis assez pessimiste sur les capacités – c’est en train de devenir une langue patrimoniale et les problèmes de certains politiques sont dès lors du patrimoine et ne vont pas au-delà de ça – et (.) bon – j’aimerais être optimiste – mais je le suis que modérément

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Ah, j’espère que non. (Völliges Abdriften vom Thema) Mais – ce que je veux dire – c’est quand même pas dans l’esprit de maintenant – voilà – parce que maintenant – vous tous ceux qui arrivent – qui nous arrivent de partout – c’est bien peut-être mais seulement on peut pas avoir – garder – on pourra pas garder parce qu’on a trop de choses qui sont pas gasconnes – déjà dans ma famille à moi – il s’est arrêté avec mes enfants – déjà – même ma famille – elle s’est mariée avec quelqu’un qui est d’origine – alors – il est moitié français-moitié espagnol – voilà – voilà – c’est quand même dommage que ces langues se perdent – mais bon – il y a tellement de brassage de population que voilà et c’est pour ça que je trouve qu’il y a plus ce truc identitaire quoi – en fait – l’identité des gens – en fait – même moi – mes enfants – ils se sont mariés avec une autre – d’une autre région – d’une autre race – d’un autre pays – après les enfants qui naissent – ils appartiennent à quelle identité? [spricht über ihren Enkel, der einen halbspanischen Vater hat] s’il y a tellement de brassage –disons – alors qu’autrefois – je vous le dis – dans le Médoc quand j’ai fait mon arbre généalogique – c’était pas difficile – j’étais allée à la mairie – du tout au tout – voilà – ça allait bien – on est remonté à 1640 – voilà – ils étaient tous né là-bas. [längerer Monolog über mögliche Stammbäume in der heutigen Zeit und über ihre Kinder, die alle in irgendeiner Form Ehepartner anderer regionaler beziehungsweise internationaler Herkunft haben] Là donc – voilà – c’est vrai que – donc oui – comment c’est difficile de garder cette identité gasconne. […] Oui – mais voilà – autrefois – il n’y avait pas ce brassage – donc ils le gardaient.

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Comme toutes les langes. [Comme toutes les langues ?] Comme toutes les langues – toutes les langues disparaissent. [Et il y aura quoi à la fin ?] Beh – ça se transforme dans des autres langues – où il y a des langues qui se transforment pas ? Ça évolue toujours – c’est en train d’évoluer d’ailleurs sur – d’ailleurs de manière assez laide – là – je suis tourné vers le passé […] Si les gasconistes – alors les gens qui sont pour le gascon au sens stricte du terme ont pas la connerie de s’enfermer dans leur – de s’enfermer chez eux et de s’enfermer sur leur propre parler qu’ils s’imaginent être le gascon référence – je pense que oui – l’occitan peut être sauvé et le gascon en particulier – dans le sens où – d’abord il y a des enfants qui le parlent – ensuite il y a un des éléments – il y a un élément de survie des langues actuelles – c’est sur internet – il y a quand même pas mal de choses […] Il y a des choses qui se font – voilà et ensuite je pense que si nous changeons – mais c’est le directeur de l’IEO Aquitaine qui dit ça – en tant que militant pendant 15 ans – jeune et d’une génération ‘fin – on est pas tout à fait dans la même génération – je pense qu’on a pu savoir qu’ensemble – qu’avec les générations d’Albert – avec lesquelles j’ai beaucoup d’admiration mais qui a une façon – une façon – à mon avis – ancienne de faire – si on va vers le public – vous ou moi – ils vous proposent des choses qui sont à leur portée – oui il y aura – l’occitan pourra être sauvé – le gascon pourra être sauvé parce qu’en fait – je pense que la génération ancienne était trop ambitieuse par rapport à la société moderne. [spricht über die Trente Glorieuses und die Arbeitslosigkeit in Frankreich] Il faut faire payer les cours d’occitan pour adultes et monter au plafond – le problème – c’est que – on ne peut pas développer des cours d’occitan pour adultes si on ne fait pas payer les gens d’un cours de langue. [weitere Detailierung] Donc oui – si on change de modèle associatif on pourra mettre en place des choses – je pense que nous avons – nous avons notre rôle dedans – pour en changer – c’est aussi ma responsabilité – j’ai peut-être pas fait ce qu’il fallait faire jusque-là – c’est aussi un part de ma responsabilité localement – mais effectivement – il faut qu’on arrive à modifier les trucs – sinon, c’est pas la peine – je pourrais transmettre la langue à ma fille – j’espère que ma famille transmettra la langue à ses enfants. […] Mais oui – la langue pourra être – pourra être transmise – il y a des endroits – il faut le savoir aussi [Hinweis auf andere mögliche Kontakte] La situation n’est pas la même en milieu urbaine et en milieu rural – au niveau de la transmission familiale – au niveau de la transmission familiale – la chance de la transmission familiale s’est vraiment complètement effondrée. […] Mais il y a des endroits qui ont mieux conservé que les autres […] Même dans le milieu rural – elle est pas en extension familiale intégrale – mais je suis optimiste sur la survie de la langue – je pense pas que l’occitan meure d’ici demain – ni d’ici cinquante ans – ni d’ici un siècle – par contre – on est réellement en échec sur le plan sociologique.

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J’en ai peur – je le crains – pas à certains endroits – je crois certains endroits – dans le Béarn-là – la montagne – mais nous – on est devenu angoissé [dritte Person führt zu thematischem Abdriften] Il faut pas se cacher la face de comment c´était avant – comme vous disiez – on avait honte de parler patois – moi pas personnellement mais – mes enfants – mes petits-enfants. [Pourquoi ?] Parce qu’on devait paraître arriéré – on devait paraître – oui – arriéré (.) arriéré. [C’est dommage] Et oui – c’est dommage.

6.4.12. 4l) Le gascon, quelle importance a-t-il là où vous vivez ?

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Il y a une certaine importance dans la mesure – il y a beaucoup de traces linguistique au niveau de la toponymie en gascon – il y a beaucoup de noms de lieux – des noms de quartier. […] le Bassin c’est pareil – le Bassin d’Arcachon – tous les endroits à l’intérieur du Bassin – chaque nom de lieu est en gascon. […] Donc – forcément – on retombe toujours sur un vocabulaire gascon qui renvoie à une tradition – qui renvoie à une histoire – il y a encore une chose – c’est tous les métiers traditionnels – le métier de la pêche – le métier de l’ostréiculture qui est quand même une tradition du Bassin d’Arcachon – le tourisme aussi s’intéresse aux métiers traditionnels – donc j’ai parlé de la forêt – je reviens à l’ostréiculture et à la marine – où il se trouve qu’on a tout un vocabulaire gascon qui est passé dans le français régional – on va dire – au niveau des noms des outils par exemple – beaucoup de choses comme ça – les outils d’ostréiculture – les outils de la pêche – les pêches traditionnelles on va dire [Beispiele] j’ai pas d’exemples qui me viennent assez rapidement comme ça – mais c’est important quand même – donc – oui – le gascon est encore présent – on va dire dans le français régional – il a une place aussi dans le français régional donc – de toute façon – même dans le parler – le français employé en général d’ici le gascon est assez présent quand même – il y a beaucoup de mots français qui sont d’origine gasconne. [weitere Beispiele, spricht über sein Buch]

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Bah – mise à part les noms de lieux (h) – mise à part les noms de lieux – on peut pas faire autrement et dans le bassin aussi les noms des huîtres et tout – bah – oui- c’est du gascon – donc – évidemment la langue est représentée ici parce que quand même il y a énormément des noms de lieux qui sont en gascon – bon – mise à part ça – bon – depuis la Calandreta à la Teste a été fermée – il y a 2 ou 3 ans – quelque chose comme ça – [Et pour les gens d’ici ? Ça n’a plus d’importance ?] C’est-à-dire pour les gens qui habitent ici – tout d’abord il y a une grande partie de la population qui n’est pas d’ici – c’est quand même une langue minoritaire chez nous – donc pour les habitants de La Teste qui sont d’origine gasconne ça demeure important – mais maintenant sur sept-mille habitants je pense qu’il n’y a plus qu’une mille qui restera – on se connait tous d’ailleurs – mais voilà – mise à part qu’on ne se fréquente pas – ou très peu dans notre communauté – voilà – des fois oui – il y a une action intégrée – mais généralement – on les voit même pas ces gens. […] Ils nous intéressent pas, ils se délassent vite – les gens d’ici – ils sont cons – et puis voilà – voilà – on est con – c’est vrai – on est pas du tout accueillant, pas du tout – pas du tout – non – les gens d’ici – ça tient au fait qu’on a beaucoup trop de Français qui sont venus habiter chez nous – tous les vieux à la retraite – alors ça nous emmerde et du coup on est pas du tout accueillant. [weitere Präzisierung] Ça fait trente ou quarante ans – avant ils ne venaient pas du tout habiter – ils venaient en vacances – et puis la vague a été trop grande et ça continue – ça continue – à un moment – on va finir par être extrêmement minoritaires chez nous – donc on reste entre nous.

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À Pessac – il y a une importance – plus grande que dans les autres communes de la communauté urbaine de Bordeaux parce que nous avons eu la chance qu’une municipalité (..) dans un premier temps accueille l’association l’Estaca – cercle occitan de Pessac – du bordelais dans Pessac – l’accueil – c’est-à-dire prêt de salles pour que nous fassions des réunions –  en deuxième – le lieu a mis cette maisonnette à disposition – de la Calandreta – la première Calandreta qui s’est créée – en troisième – en troisième – le lieu a – lorsque la Calandreta a eu besoin des locaux plus grands – elle a donné les moyens de cons(truire) – d’installer des locaux plus conséquents ET nous a permis – nous la fédération de l’association départementale de continuer à disposer de ce lieu – ce qui fait que sur la commune de Pessac –le gascon – l’occitan a – est reconnu et a de l’importance – par rapport à d’autres communes ou tout ça n’a pas été engagé

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Alors – dans la ville où je suis – à Bordeaux – nous avons un maire qui semble être amnésique – pourtant il a fait inscrire – alors ça c’est très bien dans Bordeaux près des bâtiments qui sont reconnus – des bâtiments qui sont historiques – il y a des plaques au sol de cuivre avec l’histoire de Clémence V – pas Clémence V – c’est pas Bordeaux – c’est l’histoire de Pey Berland qui était le premier archevêque gascon – né en Médoc. [weitere Details zu Pey Berland] et puis nous avons remarqué que certaines de ces plaques – quand elles ont des noms gascons (.) ça a été (.) ça a été modifié – c’est du bronze – donc j’imagine que ça a été refondu – Pèir, c’est Pierre en gascon – depuis toujours on dit – les gens qui sont pas d’ici – ils disent la cathédrale Pey Berland – mais bon – peu importe – c’est Pèir Berland – ça a toujours été comme ça – et nous avons vu apparaître avec un ami – l’année dernière – ça nous a étranglé – Pey a été – je vais dire limé ou fondu – je ne sais plus – et il a écrit Pierre en français – Pierre Berland – voilà – il y a beaucoup de choses comme ça – nous avons aussi fait des démarches – nous avons fait – on est allé à la mairie de Bordeaux – on a dit – quand même – vous mettez le drapeau européen – vous mettez le drapeau français – pourquoi vous ne mettez pas le drapeau gascon à la mairie de Bordeaux ? Qu’est-ce que ça coûte de mettre le drapeau gascon ? Ça coûte que les gens osent poser des questions et se demandent qu’est-ce que c’est – ça serait quelque chose de visible – bon voilà – on était accueilli poliment – toujours – par un petit sourire très  condescendant – voilà. [C’est quoi la raison pour laquelle la mairie fait ça ?] Bon – moi – je crois que Monsieur Juppé a un objectif – c’est que (.) et puis d’autres – pas que lui – deviennent métropole – et une métropole qui baragouine – le patois – franchement – ça ne fait pas chic – parce qu’il ratisse large – tant  pis – je me lâche – il ratisse large dans les couches parisiennes qu’il fait venir et tout est fait pour ces gens parisiens et la couronne parisienne – quand je dis parisien – j’englobe banlieusards – qui sont des gens qui sont jeunes et qui ne veulent pas entendre parler de mémoire – de culture – ils sont de partout – Pourquoi pas et pourquoi pas – ça ne les intéressent pas – ils ont la mer à ¾ heures – ils ont les pistes à 3 heures – c’est tout ce qui les intéressent à Bordeaux – Paris à deux heures de Bordeaux dans deux ans – même pas – ils travaillent à Paris et ils rentrent à Bordeaux le soir […] ils vont construire ce TGV – pour ces gens-là.

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À Bordeaux – faible – oui – parce que le pouvoir politique – l’administratif – il le reconnaît pas – donc il a peu de légitimité – contrairement à d’autres régions de la Gascogne comme dans le Béarn – comme eh (..) dans le Gers voilà – comme dans d’autres départements français où il a – il a beaucoup plus de reconnaissance. 

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Où j’habite – autour de moi – il a disparu – oui – j’habite à un petit village à côté de Bordeaux – Lormont – je n’ai jamais entendu parler gascon à Lormont.

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A Pessac (…) ça donne des idées sur les noms de lieux – les noms des rues – quand on prend (.) ‘fin c’est (.) c’est plus culturel que – c’est plus culturel – comment dire – [Mais c’est bien vu par les personnes qui habitent à Pessac ?] J’ai pas – j’ai pas rencontré des gens – bon – il y a des gens qui pensent que – qui pensent que c’est pas utile qu’il faut mieux parler anglais que – qu’occitan – mais bon (.) mais sinon non – je n’ai pas vu des gens qui étaient réfractaire à l’occitan.

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Très peu – malheureusement – euh – c’est un peu effacé – mais récemment – je suis allée faire une conférence dans mon pays à moi – dans le lieu où j’ai grandi –à la Sauve – près de Saint-Genis-du-Bois – où j’ai passé mon enfance et (.) je – c’était très émouvant pour moi – parce que c’était la première fois finalement que revenais faire une conférence là où j’avais grandi et – pour moi le lieu où j’ai grandi – pour moi – le lieu où j’ai grandi – c’est pas du tout le lieu de mon travail – et je me suis surprise de voir des gens qui étaient vraiment très intéressés par leur culture –  et par – justement par la culture des troubadours qu’ils connaissent pas forcément bien – peut-être que c’est pas visible l’intérêt que les gens portent aux langues ou cultures régionales mais il est réel – voilà.

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Ah beh – c’est la langue des gens – c’est la langue de la connivence – voilà – c’est le mot –  j’ai trouvé le mot – c’est la langue de la connivence – on me demande si on parle du gascon – si on comprend du gascon – si voilà – c’est la langue de la connivence, comme toutes – comme plus au moins toutes les langues – ‘fin – même si ça fonctionne – on l’entend par l’accent – ‘fin bon – on sait de suite. […]

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Quelle importance il a à mes yeux? [A vos yeux] A Bordeaux – ça reste à mes yeux mais en tout cas – ce n’est pas objectif – c’est mon propre avis mais – mais le constat qu’on peut faire ce que – c’est vrai que la – le rapport de Bordeaux à son Occitanéité est assez complexe parce que (.) les rues – respirent – transpirent la Gascogne et Bordeaux n’est pas moins occitane que Toulouse ou que Montpellier mais – pour différentes raisons – le processus de réappropriation de l’occitan à Bordeaux est plus difficile sur le secteur associatif – un peu plus faible qu’ailleurs – le taux d’enseignement et un peu plus faible aussi qu’ailleurs (.) et les politiques sont peut-être un peu plus faibles – pas autant pour la région – mais surtout pour la mairie – la métropole et même peut-être un peu pour le département de la Gironde – les politiques ont un peu du mal à se mettre en place et – le pourquoi – c’est extrêmement complexe parce qu’on peut considérer qu’on est dans une zone quand même – on est en (.) frontière de langue d’oïl et – on est aussi une ville portuaire – il y a beaucoup de mélanges – on est aussi sur un axe du Nord très important – donc on a -on a eu beaucoup d’arrivés – des gens du Nord notamment de – de Paris malgré tout avec une vision de – des choses qui peut être un peu parisienne et là aussi je n’ai pas la prétention de pouvoir expliquer pourquoi – je le regrette tout simplement puisque je suis Bordelais et c’est difficile de regretter.

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Mérignac – pas trop à Mérignac – je trouve – à Pessac – il y a plus une identité gasconne – je trouve – en fait – j’ai – justement à Pessac – donc il y a quand même (…) les danses – l’école de la Calandreta – les trucs – des choses alors qu’à Mérignac – on a rien du tout – ça a existé [thematisches Abschweifen] Mérignac n’a pas du tout une identité gasconne même s’il y en a eu.

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Quelle importance dans la société ? Aucun – quasiment aucun – très – très marginal – on est complètement en échec à ce niveau-là – je pense que nous sommes dans un échec. […] Je suis optimiste sur la survie de la langue – je pense que l’occitan meurt d’ici demain – ni d’ici cinquante ans – ni d’ici un siècle – par contre – on est vraiment en échec sur le plan sociologique.

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Là maintenant – l’importance – aucune parce que la seule chose qui me ravie c’est parler quelquefois – rejoindre quelquefois quelqu’un qui vraiment – qui vraiment parle le gascon. [Mais il y en a très peu ici?] Là – très peu – mais voyez – quand elle – quand Françoise Méric fait une réunion de personnes qui parlent patois – où on va chanter – où on va discuter – alors là – oui – on est heureux – là – on est heureux – là – et c’est vrai qu’il y a plus beaucoup d’associations quand même – où on parle patois.[Elle est très contente (zu von einem Telefonat zurückkehrender dritten Person)] Oui – bien sûr – c’est un plaisir – c’est un plaisir de venir parce que – on va dans la maison de retraite là maintenant – mais dans une maison de retraite – il y a plus personne qui parle vraiment patois – ils sont âgés – et puis les autres comprennent pas – c’est toujours la même histoire – mais si on rencontre quelqu’un dans la maison de retraite qui – qui comprend le patois – on parle patois – on parle patois – et ils sont heureux – ils sont heureux.

6.4.13. 4m) Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon ?

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Oui – bien sûr.

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C’est un peu tard – moi – je trouve – je vois pas comment on peut – surtout avec cette – alors – il y a des endroits – oui – d’ailleurs – il y a des endroits où le gascon est sauf – dans la vallée – le val d’Aran – c’est déjà bien – on pourrait aller là-bas – il y aura toujours du gascon mais du côté français – j’ai – peut-être à la montagne – bon – mais – ici à la côte – c’est pas la peine d’en parler – on est foutu dehors – donc – je vois pas comment on peut se remettre à parler gascon dans un pays où on est foutu dehors – […] Donc voilà – ça me paraît pas possible – quoi – c’est une question de population – les gens d’ici– les gens d’ici – ils sont partis pour vivre ailleurs – plus dans les Landes comme ça – quoi. [Pourquoi faut-il sauver la langue ?] Parce que c’est la nôtre (h) – oui – c’est important – c’est important – c’est la langue de notre histoire – de – voilà tout ça – ouais – c’est important – mais bon – ici j’ai pas trop d’illusion – sur la côte – franchement – si on veut parler gascon – il faut partir dans le val d’Aran. [kurzer Diskurs, dass es selbst im Béarn nicht mehr so wäre wie  dort] Le Val d’Aran – les gens parlent comme nous on parlait avant quoi- je veux dire – parce qu’ils font partie de la Catalogne – de la Catalogne – si c’était pas la Catalogne – ils ne parleraient pas gascon – on pourra dire – donc c’est un endroit tout petit où ils parlent gascon dans la rue – partout.

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Il se – il est – il se sauvera par lui-même (h) le gascon se sauvera par lui-même  – c’est sûr (h) après bon – c’est à la volonté des élus bien sûr – à la volonté des élus – les moyens qu’ils veulent mettre à disposition – parfois quelques moyens moins – parfois quelques moyens financiers – quelques subventions pour permettre aux militants des associations de développer la culture.

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Beh – oui – oui quelque chose – mais moi – je pense que ça ne peut passer que par une politique – donc faut que les hommes politiques créent une politique de la langue – une dynamique – bon. [Hinweis, dass Interviewerin darüber ausführlicher mit dem Kulturbeauftragten der Region sprechen könnte] Parce que c’est l’origine – pas du monde – mais en fait c’est l’origine du monde D’ICI – d’ici – donc c’est juste ça – mais on a existé avant qu’arrivaient ces hors de – ces gens déjà conquis par la consommation et tout ça – donc on a existé – et pourquoi ça n’existerait pas dans les mémoires mais vraiment c’est – on est vraiment des extraterrestres parce qu’il y a beaucoup dans les librairies – des gens qui présentent des bouquins – mais bon – c’est – on est quoi – on est quinze quoi – et puis c’est toujours les mêmes grandes librairies – bon – c’est déjà pas si mal mais (.) c’est tout à fait confidentiel – et je n’en ai pas envie de parler de ÇA – non – c’est pas porteur – ce n’est que de la culture – ça ne rapporte rien.

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Oui – il faudrait l’enseigner en école maternelle et primaire dès lors que des parents demandent que leurs enfants puissent l’apprendre ce qui n’est pas le cas parce que beaucoup de parents qui voudraient que leurs enfants l’apprennent et (.) le ministère de l’Éducation nationale ne met pas à disposition les enseignants pour satisfaire la demande. [Pourquoi ?] Parce que ça fait partie du – déjà c’est une langue qui fait partie du patrimoine de l’humanité comme toutes les langues et (.) favoriser la disparition d’une langue c’est – c’est faire disparaître une part de notre humanité – voilà – déjà – c’est un grand principe – autre – autre argument – c’est la langue de ce territoire qui existait avant le français qui a jamais cessé d’être parlé – il y a toujours eu des locuteurs pour la parler et – je veux pas rentrer dans l’histoire de France mais je pense que maintenant la France a un devoir de réparation et dois préserver ce patrimoine qui fait partie de de (.) du pays – patrimoine et matériel.

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Bah oui – c’est notre travail (h) à l’Ostau Occitan – donc il y a des cours pour adultes et puis on a puis – il y a à la Calandreta un enseignement bilingue puis aussi dans la vie – dans la vie quotidienne – il faudrait le resocialiser. [Pourquoi ?] Bah – c’est une vraie langue et puis c’est une langue qui est liée au territoire – à l’histoire de Bordeaux – de cette région.

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Mais je sais pas –c’est peut-être – c’est un peu politique (.) il faudrait peut-être l’introduire plus dans les – dans les écoles.

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Oui – ‘fin – plein de choses sont faites – je pense que dans la société dans laquelle nous vivons aujourd’hui – la voie royale pour sauver une langue – c’est la culture – il faut donner aux gens l’occasion de réfléchir – de savoir – il faut leur donner accès à ça – et c’est par le billet de la culture que – je crois – une langue est (x) d’être sauvée – de séduire encore –voilà – tout à moi – c’est cette démarche là que je vois régulièrement.

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Oui – mais ce qui est de bien avec les Calandretas – qui – c’est que ça leur valorise – c’est qui faut – c’est les valoriser – c’est tout – les Calandretas – ils jouent puisqu’ils l’enseignent à l’école – c’est quelque chose d’important – je crois pas beaucoup à l’efficacité de l’école mais à l’image qui donne une langue à l’école – c’est important puisqu’on apprend (.), on enseigne à l’école et puis ça fabrique des gens à l’aise avec la langue – ce qui n’est pas négligé non plus.

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Oui – oui. (..) ça veut dire – il y a une double responsabilité pour – il y a certes une responsabilité (.) des élus – de la force publique à mettre en place des politique publiques adaptées – donc ça veut dire tant que le maire de Bordeaux ne décidera pas que c’est une priorité et qu’il doit tout mettre en avant pour sauver – et pour promouvoir cette langue on avancera pas de même que le conseil général départemental de la Gironde mais après il y a aussi une responsabilité du secteur associatif qui lui-même – doit arriver à trouver les forces en lui-même pour moins se diviser – mieux se fédérer – se professionnaliser – et par du – surtout je crois – ‘fin, l’essentiel – ça me renvoie Felice Castan – Monsieur sur qui je me suis beaucoup intéressé dans les travaux de recherches qui a beaucoup travaillé sur la décentralisation culturelle en France et sur la force de la culture et de la langue occitane et son intérêt – c’est regagner du publique et convaincre les gens qui nous entourent – passe par une pédagogie – c’est-à-dire – ça veut dire expliquer et sans cesse expliquer et trouver une bonne argumentation et surtout ne pas diviser c’est-à-dire que quand on défend – quand on parle de l’occitan – c’est aussi défendre le français mais aussi défendre les autres langues qui nous entourent et avoir une vision globale et – et des passerelles et des allers-retours permanents entre les langues et les cultures qui nous entourent et – et toujours être sur une dynamique d’explication – de pédagogie et – et d’ouverture et rester dans un champ qui est plus ou moins d’ordre culturel qui est – pas forcément associer l’occitan à la politique ‘fin – être Occitaniste ça veut pas dire être régionaliste ou être nationaliste– on peut être Occitan de droite – de gauche on peut être un Occitan chasseur – un Occitan écologiste –  l’occitan appartient – appartient à tout le monde et à personne ‘fin – ce qui – donc – il nous faut toucher toutes ces parties de la population hormis les plus extrêmes – bien évidemment.

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Bon – il faudrait mais bon – IL FAUDRAIT SAUVER LE GASCON – il y a quand même des enfants – des parents qui mettent leurs enfants dans des Calandretas – génial – je trouve – c’est bien – les enfants – je les connais – le petits. […] Ça fait quelque chose de les voir chanter – je les ai vus – plusieurs fois – les petits qui chantent l’immortela. […] C’est très émouvant de voir les petits là – qui le parlent et bon – on les a pas obligés. […] Et les parents avec lesquels j’ai discuté – ils disent que leurs grands-parents leur parlent en gascon de temps en temps – maintenant.

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Oui – avoir des activités associatives intelligentes – avoir des outils de politique linguistique – une politique linguistique réaliste – ce qui n’est pas le cas – ni l’un – ni l’autre – en fait – si nous sommes en échec – c’est parce que nous sommes en échec aussi bien au niveau associatif que les collectivités locales – chacun essaye de faire des choses. […] Ce qui se passe à l’Estaca – c’est une réussite mais globalement dans la société – ça n’a pas d’impact – on en a besoin parce que ça permet d’avoir un club des gens qui se retrouvent entre eux – qui sont super contents et ça marche super bien – c’est pour ça que l’Estaca est une réussite mais c’est aussi un échec parce qu’il y a pas grand-monde qui vient ce sont surtout des gens d’un certain âge.

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Ça oui – il faudrait faire quelque chose mais je sais pas quoi. [Pourquoi?] Parce qu’on a plus l’âge – oui – il faudrait monter des associations comme ça – et oui – si j’avais 20 de moins – je pense que je le ferais – une association qui – qui – je pense qu’il y aurait des gens peut-être intéressés – mais j’ai pensé – il y a quelques années là – quand la maîtresse aurait réussi – quand la maîtresse aurait réussi à faire comprendre aux enfants qu’on peut – non – ça n’a pas marché – et puis après – il faut des gens qui sont motivés – il faut des gens – quand vous montez quelque chose – il faut assumer – il faut assumer. [Diskussion der beiden Damen darüber wie es mit der Organisation der  association der 3. Gesprächsteilnehmerin läuft.]

6.4.14. 4n) Faites-vous vous-même quelque chose pour sauver le gascon ?

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Mais non – j’ai fait – on a fait – mais au bout d’un moment je suis devenu un peu fatigué – on est passé à autre chose. [Et qu’est-ce que vous avez fait ?] A l’époque – on a fait – alors en 77 – je crois – on a créé une association qui s’appelait [xxx] – nous sommes chez nous en gascon – on donnait des cours de gascon pour les personnes qui étaient intéressées – on développait des activités aussi – d’ apprentissage – des danses traditionnelles – des comptes – des choses comme ça – on a fait ça plusieurs années – à partir de là – on a avancé vers la création d’une école maternelle – la Calandreta – peut-être on en vous a parlé. [A la Teste ?] A la Teste – oui – c’était dans les années 80 ça – malheureusement – elle a fermé il y a pas très longtemps. [spricht über Calandreta in letzten Existenzjahren] Donc pendant des années – on a travaillé là-dedans – bon après – on a travaillé – quand je me suis détaché du mouvement occitan – donc c’était déjà à l’époque de la Calandreta – on a créé une association – on s’est rapproché des Basques aussi – une association vasconne – ça – c’était dans les années 86-87 parce que l’idée qui sous-entend c’est que – c’est qu’en fait les Gascons et les Basques – c’est le même peuple. Disons ce sont les deux branches d’un peuple qui s’appelait les Vascons au Moyen Age [geschichtlicher Exkurs] Donc dans les années 80 on s’est rapproché des Basques et on a essayé de regrouper ça avec une association vasconne – la Vascogne – si vous voulez – c’est la Gascogne  et le  Pays Basque – il y a toute une idéologie derrière aussi. [Erklärung] Moi – j’ai milité dedans assez longtemps – ça a fini à peu près dans les années 90 et après je suis passé à autre chose – je me suis cultivé un peu dans l’apprentissage personnel – c’est-à-dire à écrire quelques textes – j’ai écrit quelques nouvelles – quelques petits textes et puis là actuellement je suis en train de travailler sur un dictionnaire français-gascon – mais ça fait peut-être (h) ça fait peut-être 10 ans que j’ai commencé – je viens juste de finir la lettre B – donc c’est vraiment pas ma priorité – j’espère que j’arriverai à le finir un jour – mais maintenant – si vous voulez – c’est plus pour se faire plaisir que pour l’espoir que bah – puis – à priori – ce n’est pas une question d’esprit intellectuel – je veux dire – c’est une question d’âge tout simplement – a 60 ans – on voit pas les choses de la même manière que quand on a 20 ans – on les voit pas pareil quand on a 30 ans et pas pareil quand on a 40 ans – quand on a 30 ans – on s’imagine qu’on peut tout changer – que c’était possible et puis après bon – on se rend compte que c’est pas possible donc ça a pas forcément – on a fait quelque chose pour le plaisir après – donc – moi actuellement – j’ai tendance à – je n’ai pas du tout changé d’avis – mais j’ai plutôt tendance à vivre ça avec des amis – comme  une chose – dans un cercle un peu plus privé – plutôt dans le plaisir que dans la volonté de – de tout changer tout révolutionner – si vous voulez – ça c’est clair – voilà.

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J’ai fait – j’ai fait beaucoup – alors d’abord la Calandreta – l’école maternelle en gascon – j’ai donné des cours – j’ai fait plein de trucs – ‘fin moi – Francis – tout le groupe-là qu’on était – mon cousin – mais voilà – maintenant – on s’est fait – après on a créé un groupe qui s’appelait – nous sommes chez nous en gascon – il vous en a parlé – Francis [Oui] Quand on a créé ce groupe – on était très jeunes là – on avait 22 ans – donc moi – Francis – mon cousin germain à moi et quelques amis – pas d’autres – on était un petit groupe – tous les copains – on avait tous le même âge – et donc voilà – et à partir de cette association-là on a fait la Calandreta – on a appris – parce qu’on était en communication bien sûr – avec d’autres associations béarnaises et tout ça – donc on appris qu’il y avait une Calandreta à Pau – donc on connaissait le principe – on savait qu’il y avait des écoles comme ça basques – bretonnes mais – donc la première c’est Pau – donc on s’est dit – on était tous jeune avec des enfants petits – donc on s’est dit mais nous aussi – on va faire une école – et puis en fait – on y est arrivé – on a eu du mal – mais on y est arrivé (h) donc on a  ouvert la Calandreta en 82 – mars 82 – donc ça a été un gros – gros travail – on faisait des émissions –  parce qu’on avait pas d’argent – on a pas reçu d’argent de l’État donc – il fallait que j’aie mon salaire – donc on faisait plein de choses – des fêtes – des machins – de tout pour avoir de l’argent et puis les émissions aux radios locales – c’était beaucoup de travail pendant sept ans – très épuisant.

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Pour le transmettre – oui – oui – c’est pas pour le sauver mais pour le transmettre – pour le faire connaître – oui – oui – en toute occasion (..) d’abord, en étant responsable d’associations – à ce titre-là (.) en – en prenant tous les contacts que je peux avoir pour aller faire des animations – pour montrer la langue – la culture – à chaque fois que nous le pouvons – plusieurs fois dans l’année – en différents endroits – et ensuite en étant bénévole pour (.) aller dans des écoles – faire des animations – présenter la langue et la culture aux enfants des écoles (..) et en portant mon béret l’hiver qui est un signe identitaire gascon [x].

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Et bah oui – ça fait quinze ans que je fais ça – donc on fait – on fait de la collecte – donc avec des gens qui l’ont parlé – qui le parlent encore – et qui maintenant – sont très âgés – et bon – on est en passe de terminer tout ce qu’on a fait – de mettre tout au propre et de déposer tout ça aux archives départementales – voilà. [enseignante d’occitan ?] C’était quelque chose qui me tenait à cœur – je me suis occupée de la Calandreta de la Teste pendant 15 ans – donc j’avais vu que ça faisait des enfants parfaitement bilingues – vraiment – même à 5/6 ans quand ils sont entrés en CP – c’est époustouflant quoi – donc j’avais envie de faire ça quoi – de leur partager ça par de petits morceaux [spricht über Finanzierung]

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Oui – oui – moi – je suis membre d’une association qui organise des cours d’adultes – des cours d’histoire et qui organise aussi beaucoup d’événements culturels – artistiques – voilà – pour promouvoir la création artistique en gascon.

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Oui – oui – oui – oui – oui – oui – je suis – je suis administrateur à l’Ostau Occitan avec Pierre Coussy [CUB03_42m] – que vous avez vu toute à l’heure – pour monter un festival occitan à Bordeaux – Le Mascaret – oui.

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‘fin – moi – il me semble que je fais partie d’une association – je suis (.) militante dans une association – mais (.) bon on intervient (.) on intervient pas mal sous forme de – de chansons avec notre association et puis bon – j’essaye de diffuser le plus possible quand j’ai une information – de la diffuser – à faire – oui – de la diffusion puis donc on essaye d’interve(nir) – c’est surtout avec l’association que – que je travaille donc – voilà déjà nous sommes – on prend un peu de temps quand même – c’est – c’est du bénévolat – mais enfin –c’est vrai quand on est retraité – on a le temps – voilà – voilà

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Alors je fais quelque chose dans la – OUI -je crois puisque mon mét(ier) – pour la langue – oui je crois parce que j’en fais mon métier – je l’enseigne – Je la transmets cette langue – pas autant que je l’aimerais mais je le fais et je fais quelque chose pour la culture surtout – donc j’essaye de communiquer le plus possible autour des Troubadours par exemple – voilà – en faisant des festivals – en faisant des cours par internet – par exemple. [C’est accesible pour tout le monde ?] Oui – c’est gratuit et tout le monde peut s’inscrire.

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Bah – je parle tant bien que mal – eh non – je fais pas – je suis pas militant – c’est-à-dire – j’ai beaucoup milité autour de 68 mais depuis je me suis arrêté – j’ai pas changé beaucoup de conviction mais j’ai – j’ai beaucoup de peine à militer quoi – pour une cause quelconque [Witz].

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Je le fais – j’estime d’y participer – à mon échelle – et avec – militer au travers de mon travail puisque j’en ai fait mon métier donc j’ai de la chance – d’avoir cet honneur des tâches d’essayer à sauver – (h) sauver – à développer l‘occitan – donc oui et après à titre plus  personnel j’avais donné quelques cours d’occitan à des adultes pour le plaisir et puis après dans mon entourage je – j’essaie de convaincre les gens – que ça apporte et puis j’espère de transmettre cette langue à mes enfants.

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Déjà je vais à la radio parler tous les 15 jours (h) c’est une émission avec Jean-Paul – vous pouvez l’écouter – la clau d’oc. […] Et on lit des histoires que j’ai trouvées et le truc – ça dure une heure – je participe aussi aux événements qui tournent autour du gascon comme à un bal ou – parce qu’en octobre il y a une fête qui s’appelle Mascaret – un festival – Mascaret – un festival – donc on y va – il y a un marché qui se fait. […] Le festival Mascaret – c’est un festival qui dure un mois à peu près – il y a du cinéma – il y a un bal – des conférences de – des tas de trucs – bon on participe.

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Bah – je donne des cours de langues – j’organise – je suis directeur de l’IEO Aquitaine donc j’ai fait une partie de l’idéo associatif occitan avec le peu de moyens qui sont accordés sur la Gironde à la langue occitane – ça vient de la région et la collectivité qui nous aide est large.

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Très peu de choses maintenant – a la bibliothèque – je me laissais – à la bibliothèque – ça m’est arrivé de – de conseiller – parce qu’il y a des livres quand même à la bibliothèque – on peut lire en patois – mais bon – je peux pas dire que j’ai contribué – non – j’ai passé – je vous dis – il faut avoir 60 ans – être libre – être en bonne santé – oui – voilà.

6.4.15. 4o) Doit-on encore parler gascon ?

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Oui – bien sûr – le plus possible. [Et pourquoi ?] Mais pourquoi – parce que d’abord c’est notre langue – bon vous voulez quoi comme explication –  vous voulez une explication personnelle? [Oui.] Si vous voulez – moi – je pense que – comment – je pense que (.) comment pourrais-je expliquer ça – je pense que l’identité, c’est important – d’abord il faut savoir où on va – il faut savoir d’où on vient – c’est vraiment quelque chose un peu courant je dirais – mais je pense que c’est la vérité – je pense qu’il faut prendre conscience des racines – pour respecter votre voisin – il faut déjà que votre voisin vous respecte – donc vos racines – elles existent – je pense qu’il faut les conserver  – bon – moi – je me pose pas de question – je suis gascon – je dispose de cette culture – c’est une culture  j’ai eu la chance –de – de – de – j’ai eu la chance qu’on me transmette – qu’on me transmette cette langue – j’ai eu aussi la chance de l’apprendre – j’ai fait mon possible de la transmettre à une autre génération – et je vois pas pourquoi ça continuait – notre explication – si voulez – c’est qu’une langue – ça fait vivre un pays – moi personnellement – je me pose pas la question – quoi – parce que moi j’ai essayé d’aller au fond des choses mais – on était les héritiers d’une langue tradition – il y avait très longtemps que les peuples se sont établis ici qu’ils avaient développé une culture spécifique – une histoire qui est très différente de l’histoire de France [langer monologischer Exkurs über die Geschichte und Wurzeln der Gascogne] Moi – c’est mon identité – j’ai pas envie de la changer. [siehe unten]


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Bah oui – pourquoi pas – le problème – c’est que – c’est pas facile quoi – c’est pas facile – ils sont en train de – voilà – je vois pas comment on pourrait renverser – il aurait fallu que ça se passe beaucoup plus tôt déjà – nous – quand on avait une vingtaine d’année – on a commencé la Calandreta tout ça – il y avait quand même encore beaucoup de locuteurs – déjà c’était à moitié éteint – bien entendu – mais enfin – il y avait quand même encore beaucoup – et on a pas réussi à renverser le truc – parce qu’on nous a pas permis de le faire – on nous a pas beaucoup aidé – on se voyait travailler tout seul pour les Calandretas […] bon c’était déjà très tard et maintenant c’est tard – il aurait fallu que la langue soit obligatoire à l’école – elle l’était pas – donc voilà.

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Mais bien sûr absolument – en toute occasion – nous le parlons en tout occasion lorsque nous nous rencontrons ici – dû au fait de notre organisation – bon – ici – c’est le lieu central où il se trouvent beaucoup de personnes de différentes associations qui s’intéressent à l’occitan – il y en a (.) des associations qui s’intéressent à l’occitan et qui pratiquent un peu la langue – il y en a bien vingt-trois sur le département et donc lorsque nous nous rencontrons entre des personnes – qui –qui sont – qui peuvent pratiquer cette langue – nous la pratiquons – dans les lieux publics – systématiquement – nous nous parlons en occitan et ça – ça attire l’attention des personnes – ça permet d’engager la conversation – d’en parler et puis très souvent beaucoup de personnes qui disent – mais oui – moi – mon père – mon grand-père parlaient tout ça – on leur parle un peu – on leur dit que nous faisons des cours du soir pour adultes que nous organisons un festival au mois d’octobre tout ça – il y a plein de choses qui se font – si vous voulez vous pouvez y participer.

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On PEUT PAS EFFACER TOUT ÇA LA – C’est pas possible – en plus – ça représente du monde – des vies – ça représente des vies – c’est pas que des – ça représente des vies – c’est pas des monuments historiques quand même – bon voilà.

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Bien sûr – pourquoi – pourquoi devrait-on pas le parler – c’est la langue qui existe ici depuis mille ans.

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Oui – oui – parce que c’est une vraie langue et puis c’est une langue qui a son origine – qui a été parlé dans la région Aquitaine – dans le sud-ouest depuis des siècles.

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(..) Mais – je suis – moi – personnellement ça me fait plaisir de parler mais bon – c’est vrai que (..) c’est-à-dire – comme moi – je – avec mon mari – ma fille – je parle pas – pour moi c’est uniquement c’est un plaisir – c’est pas une obligation –c’est sûr que si on le parle pas – il va pas – ça va pas – ça peut conduire à une perte – voilà – bon beh – ‘fin- c’est intéressant parce que – bon beh- c’est plus pour la – peut-être qu’il faudrait plus le parler qu’on le fait –‘fin bon – moi, c’est vrai que – depuis que je – j’ai quitté mon lieu de naissance quoi – je suis passée par Paris donc – bon – déjà que je faisais rire avec mon accent alors donc (h) voilà – donc – c’est sûr que si on le parlerait plus ça sera une raison qui sera plus maintenu quoi – qu’il se perde moins.

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Doit-on encore parler le gascon? Oui. [Pourquoi ?] Parce que ça fait partie de l’identité de cette région et d’une grande échelle de notre pays – voilà – c’est comme si on devait arrêter de parler corse ou breton – non – ces langues font partie de nous – de notre culture et il faut les garder.

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Mais bien sûr – oui – bien sûr. [Pourquoi ?] Parce que c’est ma langue – ce qui est la première raison – Ensuite – bon – en tant qu’anthropologue je suis obligé de défendre l’universalité des langues quand même – c’est quand même la fonction de la discipline.

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Est-ce que j’entends parler encore? [Doit-on ?] Ah – doit-on – doit-on encore parler le gascon? Oui – ‘fin de mon point de vue – je ne peux que répondre oui – puisque c’est mon métier donc (h) d’une part – c’est mon métier et ensuite – comme je – j’ai peut-être une nouvelle vocation – mais comme je l’évoquais j’ai décidé de moi-même le transmettre à mes enfants – si j’en ai – parce que (.) ‘fin – pour moi – c’est une évidence – je ne suis plus au stade de me poser la question. [Et pourquoi ?] Parce que – j’ai répondu à cette question d’ailleurs – je crois – parce que – ‘fin – en tout cas la question c’est pourquoi doit-on le parler – pourquoi doit-on le parler (.) si on parle de devoir – je crois pas qu’on doit parler de devoir parce que – après on est que sur le désir et que sur une volonté – c’est une adhésion libre donc – après ça fait sens pour les raisons que j’ai évoqué – parce que c’est vraiment la langue qui est parlée ici – voilà – c’est tout – mais après – je réfute le – le discours des racines – ‘fin – pour moi une langue – c’est pas – c’est pas – ce sont pas des histoires de racine – ‘fin – parce que si on parle de ces bases-là – on exclue 30 ou 40 pourcent des gens qui vivent sur ce territoire et – et ‘fin – pour moi – non – cette langue est d’ici mais c’est tout – moi – je suis franco-espagnol et je – j’ai pas – j’ai peut-être moins de racines que d’autres gens d’ici mais n’empêche que – elle appartient – elle est aux gens qui ont envie de la parler mais pas – pas – pas à ceux qui ont des racines.

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Bah oui.

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Oui – pourquoi ? Oui – alors là – alors là – oui – je suis – là j’ai un point de vue – je vous ai donné un usage toute à l’heure – de la langue occitane où on devrait – vers le languedocien – c’est un usage écrit, un usage public – on peut encore écrire le gascon – bien entendu – je pense qu’au point d’usage juridique – il faut pas parce que ça pose des problème d’interprétation juridique – je pense qu’il y a des moments où on faut accepter d’avoir une langue toit ou des langues qui ont été établies comme koiné – bon [Beispiele, geht auf Hochdeutsch ein]  Par contre – je pense qu’on peut parler – ça empêche pas de comprendre un texte en languedocien – je pense qu’on peut même écrire. [weitere Detailierung] Pourquoi ? Parce que c’est la forme vernaculaire de la langue – on va pas se forcer – moi – je vais pas me forcer à parler bordelais – je parle mal bordelais si je me force – je sais pas le faire – mais si je me force à parler – ça m’amusera pas – parler bordelais – moi – je me force – moi – ma forme naturelle – c’est le gascon – c’est mon gascon de chez moi qui – on se pose pas la question quand on parle – on se pose pas la question de la forme dans laquelle on parle – ce qui compte – c’est de faire passer l’idée et des d’ailleurs c’est même en empêchant – alors par contre – je fais un truc – moi – je suis francophone – je sais que ma langue maternelle – c’est le français – il y a des choses que je peux pas exprimer en occitan – par contre – si je veux exprimer une chose – je pense à la poésie – quelque chose de local – je l’exprime en occitan – ah oui – je vais pas exprimer les mêmes choses parce que moi – je suis quand même – je suis quand même francophone. [gibt ein Sprachbeispiel] Ça, c’est l’expressivité – une expressivité très gasconne – elle y est pas en français – parce que le français – c’est une langue très intel(lo) – ‘fin – moi – je considère le français comme une langue très – qui se veut d’une qualité construite lexicologiquement sur le modèle intellectuel – bon – j’arrête le cours de linguistique – oui – en tout cas – oui – je pense qu’il faut parler – je pense que – oui – il faut parler – après – il y a des usages – je pense que peut-être – la question c’est définir les usages – ce qui compte c’est qu’il est là – est-ce qu’à l’écrit – on a besoin d’une seule langue – on a besoin d’une seule langue – prenant tout simple ce qu’on a sous la main – on l’a – il faut pas inventer une autre langue – le problème c’est que les Occitanistes aiment bien inventer des langues […] Putain – il y a les uns qui sont orienté vers la science-fiction et les autres qui veulent faire du passé de la langue parlée par leur grand-père – mon grand-père – il est mort et la science-fiction […] C’est ça le problème de la pédagogie – quelle langue enseigner ? […] Pourquoi se faire chier à enseigner des formes locales? Pourquoi ne pas prendre le languedocien tout simple? Il y a que les linguistes qui se posent ces questions-là – et en fait ce sont les linguistes qui opposent les deux parce que je pense qu’il faut pas les opposer. 

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Moi – je le voudrais – moi – je le voudrais – je voudrais pas que la langue se perd – vraiment. [Pourquoi ?] Que la langue se perd vraiment – bah – je vous le dis – parce que c’est – c’est notre patrimoine presque là – c’est – c’est – c’est nous quoi – la région – même s’il y a des différences quand on va à la Girose – c’est pas le même parler – mais tout le monde se comprend ce qui – c’est comme on a appris une langue que tout le monde connaît – il nous faudrait une langue que notre région connaisse – même s’il y a des différences – même si – regardez – quand il parlent là-bas en Catalogne – si on fait bien attention – on comprend – et même l’espagnol quelquefois.

6.4.16. 4p) Le gascon sera-t-il un avantage dans l’avenir ?

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Difficile à répondre – dans la mesure où il va disparaître – je pense pas – non – comme je vous ai expliqué c’est une richesse de pouvoir la parler parce que ça donne accès à d’autres cultures – à d’autres langues et puis c’est déjà une ouverture à un esprit différent – c’est pas d’égocentrisme – si vous voulez – moi – je suis – je suis Gascon – je suis ouvert vers l’extérieur – l’avantage d’avoir une deuxième culture – c’est ça. [längerer Exkurs über Basken]

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Ça, je sais pas – je crois que c’est toujours un avantage quel que soit la langue – en parler plusieurs – c’est toujours un avantage – c’est pour le gascon comme pour d’autres langues – c’est un avantage – oui – en tout cas – pour un Gascon – c’est un avantage – et voilà – mais je crois que pour un Gascon – c’est important parce que ça permet de comprendre plein de choses et tout. [Sur sa culture ?] Oui – une langue – c’est – c’est – c’est un miroir – c’est un miroir d’une pensée – d’une façon –  de vivre – de penser – donc – c’est important que les Gascons au moins en sachent un peu (h) il faudrait que ça se maintienne comme ça, bon – dans la vie courante et tout ça – mais je crains que ce soit trop tard – mais que les enfants en Gascogne apprennent cette langue un petit peu – il faudrait – parce que c’est très important – on pense pas tout à fait pareil quand même.

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Il peut l’être – il peut l’être parce que les personnes qui – qui  l’apprennent de façon très sérieuse – lycée – continuer à l’université – qui acquièrent toutes sortes de qualifications professionnelles – c’est un atout niveau relationnel pour voilà pour – il y a des emplois dans la langue occitane –  – nous manquons de personnes dans le tourisme –proposer des randonnées – des randonnées – des visites des villes historiques ou autre – cela fait – par une personne qui connaît bien la langue occitane – ça lui permet – ça lui permet de – d’expliquer et de ne pas dire des bêtises sur les origines des choses qui existent – les noms de lieux –  les explications – oui – oui – c’est important – alors il y a surtout le tourisme après dans le commerce -le fait de mettre en valeur le terroir par la langue – ça a son importance -plusieurs commerces de Gironde nous ont demandé de –de traduire en occitan gascon leur local – leur page de présentation sur l’internet et puis on l’a fait – donc – il y en a et puis au-delà de ça – au-delà de la vie courante – beh – il y a l’enseignement – il y a une pénurie de personnes qualifiée en occitan – et donc la relève – la relève nous espérons

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Alors là – j’ai les plus grands doutes – ça peut-être un avantage (…) au sens que la culture – je pense que ce qui fait la différence entre les êtres humains c’est-à-dire une culture pas forcément polyglotte mais une culture éclectique et je pense que c’est très – très important d’être cultivé – on peut connaître des choses – on peut être très fort en maths – mais être cultivé – c’est quand même déjà intégré – un groupe de gens qui sont curieux de l’autre – qui sont curieux des choses diverses – différentes – parce qu’il y avait beaucoup de parents d’élèves qui disaient – ça sert à quoi – vous savez – faire du ski – à quoi ça sert aussi – ce n’est pas obligé – on est pas obligé – bon – bon alors – je pense que c’est pareil – des gens qui font des conférences comme moi – qui ont 70 ou 80 ans – qu’est-ce que ça leur servira dans  10 ans – on pourrait demander ça aussi – alors non – je pense que la culture – c’est un plaisir – comme moi – je trouve un plaisir culinaire pour moi – voilà- c’est la même chose – c’est une activité gourmande – voilà – hein – du savoir – des choses.

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Mais- le fait de savoir parler n’importe quelle autre langue que sa langue maternelle – c’est un avantage donc (..) non – bien entendu – c’est un avantage – mais je pense même que savoir maîtriser à la fois le français et  l’occitan – ça permet d’apprendre encore plus facilement la troisième langue – l’avenir au monde est au multilinguisme.

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J’en doute – mais alors (h) – le problème – voilà – c’est qu’on a d’autres langues de communication – ici le français et à l’extérieur l’anglais (h).

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(.) euh – c’est le fait que parler le gascon -c’est comme en apprendre une langue – bon – parce que moi je pense que c’est – le fait d’apprendre une langue ça –ça – ça fait une multiple – une diversité dans la culture et donc ça ouvre plus l’esprit vers le – vers toutes les autres cultures puisque si on – si on reste uniquement dans la culture – enfin – de ce qu’on apprend – puisque moi j’apprends des études alimentaires pour pouvoir – avoir un bon métier – beh – bon beh – il faut – il faut autre chose que – que les études qui – qui fonde la vie quoi – il faut avoir – bon – c’est une histoire de culture bon – enfin il me semble que oui pour les sens tout ça – la culture – c’est bien de parler occitan.

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Oui – je crois que – oui – parce que l’enracinement régionale – à mon avis va prendre son essor – va être très important dans l’avenir – il me semble -peut-être que je me trompe (.) et que donc connaître l’histoire de son pays – ehm – connaître l’histoire de la terre où on vit  peut être un avantage – peut-être un point de repère important dans une société difficile – voilà.

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Mais oui – parce que toutes les langues sont un avantage – c’est-à-dire ça permet d’avoir des approches différentes à mélanger – donc – c’est un intérêt de parler plusieurs langues et de passer de l’une à l’autre – évidemment – extrêmement fréquent pourrait-on dire et créatif. [weitere Veranschaulichung des selben Arguments]

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Alors oui – parce que – très concrètement – je sors de – d’une semaine de campagne d’information pour (.) motiver des étudiants à – à l’apprendre et surtout à se former au métier d’enseignant bilingue – puisqu’on a – on délivre une bourse d’études qui s’appelle enseigna – alors enseigner – et donc – très concrètement aujourd’hui on est amené d’expliquer à des jeunes gens (.) que – grâce à l’occitan – ils peuvent non seulement avoir une aide financière mais en plus avoir un métier et donc rien que pour ces raisons-là – oui – aujourd’hui – ça sert à ça – ça peut servir à avoir un métier – et puis, moi-même – je gagne très bien ma vie – grâce – grâce à l‘occitan.

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Si – identitaire – mais c’est tout.

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Un avantage pour quoi ? Un avantage pour être dans le présent – après il y a des gens qui s’en passent – c’est ni un avantage – ni un désavantage – je pense que c’est un avantage pour celui qui maîtrise deux langues – c’est pas avantageux par rapport au français – c’est avantageux par rapport à l’identité parce que ‘fin – il y a pas un avantage par rapport au languedocien – par rapport au gascon par exemple – que ce soit languedocien – gascon – limousin – tout ça, c’est pour moi – ‘fin voilà – l’occitan pour moi – c’est un avantage dans le présent – pour l’avenir – on verra. […] Les choses auront évolué – voilà – ‘fin un peu – les langues peuvent être stables pendant un certain temps – en tout cas – c’est pas une langue tournée vers le passé pour moi – c’est une langue qui doit être tournée vers le présent pour construire quelque chose de futur mais en s’inspirant par le passé.

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J’sais pas quoi vous dire – non – je crois pas – il faudrait vraiment un revirement complet – comment dire – il faudrait que vraiment – dans le département au haut lieu – ils s’attachent vraiment à le promouvoir – c’est une question de politique et maintenant dans le département – je crois que – on a plus de personnes – de gens du terroir vraiment. […] Je crois pas que ça puisse ou vraiment dans plusieurs années – peut-être on retourne en arrière – peut-être vous – si vous venez en France – oui peut-être.

6.4.17. 4q) Croyez-vous que le système politique favorise le gascon/nuit au gascon ?

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Non – pas du tout – l’inverse – bien sûr – il y a une tradition jacobine en France qui se perpétue et qui n’a pas l’air de disparaître – avec l’Europe peut-être – mais ça va être très difficile – actuellement avec notre premier ministre jacobin qui n’est d’ailleurs pas d’origine française – Manuel Valls qui est d’origine catalane mais il est encore plus français que les Français – alors ça, c’est un phénomène bien connu – non – pas du tout – on a eu un espoir dans les années 80 quand Mitterrand est arrivé au pouvoir là et le parti socialiste à l’époque a sorti un bouquin qui s’appelait – la France au pluriel – qui était vraiment un genre de manifeste-antijacobin – il y avait vraiment là-dedans une volonté de décentraliser la France – mais on va dire l’éléphant a accouché une souris quoi – en quelque sorte parce que – oui – il y avait de lourdes décentralisations : la création des régions – les  conseils régionaux – élus au suffrage direct – sauf que pour ce qui concerne la Gascogne en tout cas la région a été découpé d’une manière un peu bizarre. […] C’est vrai que nos régions ont des compétences mais pas suffisamment pour – pour atteindre une vraie décentralisation et ensuite il y a pas eu de réparations historiques sur le plan culturel – on sait pas donner les moyens de créer deux vraies écoles publiques qui enseigneraient non seulement le gascon mais en gascon comme le font les Calandretas [spricht über Finanzierung] Et ensuite bon au niveau des médias surtout – on a pas réussi à avoir des émissions de radio – des émissions de télévision – si ça aurait existé dans les années soixante des émissions de télé – des émissions de radio – des relais au niveau de l’enseignement – des cultures régionales – c’était gagné à l’époque parce qu’il y avait énormément des gens qui parlaient encore – maintenant c’est vécu comme quelque chose au niveau universitaire – c’est un plus si vous apprenez les langues régionales – si vous voulez – ça peut remporter des points – c’est une ouverture – c’est un plus – mais c’est pas quelque chose qui est vraiment en connexion avec la réalité sur le terrain – l’Etat – l’état – maintenant il y a des régressions – vous voyez bien – non seulement on a réduit les régions mais il y a peu de volonté au sein de l’État de redonner des personnalités historiques aux régions – non seulement – on a pas réunifié la Gascogne avec – disons – l’Aquitaine est partagé entre plusieurs régions – l’Aquitaine de l’Est et de l’Ouest – l’Aquitaine de l’Est qui fait partie de la région Midi-Pyrénées notamment le département du Gers et le département des Hautes-Pyrénées qui sont attachés à la région Midi-Pyrénées et qui sont historiquement gasconnes – non seulement – donc ça a eu lieu – mais en plus – on nous a ajouté les Charentais – la région de Poitou-Charentes qui n’est pas du tout de langue d’oc – qui est de langue d’oïl – qui sont vraiment des Français et une partie de la région Centre […] c’est des gens avec lesquels on a pas grand-chose à voir […] Donc il y a une régression au niveau du découpage de régions. [spricht über Bretagne] Donc il y a vraiment une volonté de rien faire – au contraire – de continuer dans les droits files jacobines qui existent depuis la Révolution – non – je suis très – très pessimiste – et la plupart de ces gens-là envisagent la création – le développement de l’Europe non sur la base des nations mais sur la base des États-Nations – pas seulement de la part des extrêmes – de l’extrême-droite – de l’extrême-gauche – non il y a plein  de mouvements – comme le parti socialiste […] en tout  cas il y a très peu de gens dans ces partis-là qui voudraient une vraie décentralisation et je ne parle pas du fédéralisme moi – c’est-à-dire faire l’Europe des nations avec les langues et les cultures différentes et ne pas l’Europe des États – on a pas du tout la même tradition en France comme en Allemagne par exemple – ça aurait pu avoir lieu si la Révolution français se serait passé autrement [langer Exkurs über die Revolution]

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Non – non – non – le système français de toute façon ne favorise rien à part lui-même (h) – donc – il y a encore – c’est quand même – mais voilà – le système de l’enseignement français – le système  politique français – c’est terrible – mais c’est – depuis la Révolution – donc cette Révolution qui a eu – qui a été très bien faite – bien entendu – vous voyez ce que je veux dire – mais en fait – en tout cas pour nous – pour les minorités intérieures de l’Hexagone – a eu des conséquences assez néfastes – quand même et pas seulement sur les minorités mais surtout notre façon de vivre aussi. [parce que je suis aussi féministe. Beispiel, dass im Rahmen der Revolution der traditionelle Fischfang von Frauen verboten wurde] Plein de choses comme ça – tout d’un coup – il y a eu à cause du jacobinisme – il y a eu un hyper centralisme qui demeure une marque française quand même (h) – un hyper centralisme qui était décidé pour tous les territoires – alors que – à l’époque – vous imaginez bien que sur l’ensemble de l’Hexagone il y avait pas grand monde qui parlait français – à part la France c’est tout petit en fait – bon – bref – tous les autres – c’est tout petit la France – donc voilà – et ils ont imposé à tous ce qui n’avait jamais fait les rois tyranniques machins – et eux ils l’ont fait – ils l’ont fait – voilà – et le français aussi – c’est à cause d’eux que – qu’il y a eu (…) ‘fin il fallait parler français parce que c’était la langue de la République quoi – et que si on parlait notre langue – c’était la langue de la sale région – voilà – bon – malgré les choses qui étaient bien dans cette révolution – nous – ça nous a pas arrangé nos affaires – c’est sûr voilà.

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Non – non il est – on peut simplement dire que les – que les – certains élus réagissent favorablement et positivement aux demandes associatives que nous formulons – mais ce n’est pas général. [Et autrefois ?] Autrefois – il vivait naturellement – puisqu’il était pratiqué (.) il y a cinquante ans – il y a cinquante ans – dans nos – dans nos campagnes – le gascon était pratiqué par tout le monde – par les élus comme – comme par les citoyens ordinaires – donc il n’y avait pas de raison de le défendre ou de le menacer – bon – par contre – la culture avait été (..) a été un petit peu gommé par le – le souci de modernisme – l’adaptation au modernisme – toutes les populations des villes et des campagnes voient depuis (.) c’est parti depuis l’entre-deux-guerres je pense – se sont tournés vers – les cultures d’Europe et puis à la fin de la deuxième guerre mondiale à la culture américaine – je jazz – le beebop – tous les trucs et puis c’est parti – grande assimilation de tout ce que venait d’ailleurs au détriment de notre culture propre et là – bon il y a des personnes des associations – des communes qui – au vu de ça prennent conscience et organisent – des moment où on remet – on rappelle la culture gasconne. [Nachfrage darüber wie es ihm in eigener Schulzeit erging, siehe oben]

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Aucune langue régionale – ça vraiment c’est clair – les Bretons ont déposé des bombes pendant vingt ans – ils sont pas arrivés à ce qu’ils voulaient ‘fin très peu – un peu mieux qu’il y a 40 ans – mais bon franchement – les Basques ont déposé des bombes – pareil – nous – on a jamais déposé des bombes – les Languedociens non plus – voilà –non – c’est – je veux dire – les politiques n’en ont rien à faire – on est dans une France – dans une France verticale et il faut que rien ne dépasse (.) voilà – on est français POINT BARRE (.) et bah oui – je veux bien – ça, je le refuse pas mais je pense qu’on devrait avoir le droit d’avoir un accent – bon – les gens du Nord – les Chtis – ont un accent particulier – ils parlent le français – c’est pas une autre langue mais ils parlent le français d’une autre façon et beh voilà – mais quand on les demandent d’écrire – ils écrivent le français normal – je vois pas où il est le problème.

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Ni l’un – ni l’autre – il fait un petit eu mais ce petit effort n’est pas suffisant pour – pour sauver la culture.

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Bah non – il favorise pas du tout – depuis la Révolution – on a un système trop centralisé – le français est la langue de la République – non – c’est un système politique qui est très négatif.

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Il le favorise pas trop parce que – bon quand – ils ont voulu mettre la diversité des langues là – passer au parlement et ils en veulent – ils en veulent toujours pas ‘fin au niveau – au niveau français – au niveau de l’état français – alors que – je crois qu’on est un de rare pays où – dans l’Europe où c’est pas – où c’est pas passé dans la constitution d’usage du français – ‘fin voilà en France c’est le français unique et donc c’est pas – à un moment donné c’était sur le point d’être voté – je sais plus où en est d’ailleurs – j’ai pas suivi – voilà.

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C’est difficile à dire – je crois que – on est pas dans une période vaste pour la culture et donc les langues dites minoritaires en – je ne peux pas dire que notre gouvernement – l’idée ‘fin – comment-dire- notre gouvernement -autorise l’enseignement – autorise la résistance- enfin – reconnaît la résistance – mais je ne suis pas certaine qu’il la reconnaisse à la hauteur qu’elle mérite (.) voilà – et que donc il y aurait très certainement des choses à faire – mais (.) je ne suis pas sûre que dans le contexte actuel cela puisse être fait parce que – il me semble que pour améliorer – pour ouvrir la culture d’un pays – il faut que les pays sont d’(x) vaste et je ne suis pas sûre que nous le soyons.

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Je crois pas beaucoup à la – au rôle des politiques dans cette histoire – bon – c’est bien alors – c’est bien qu’ils fassent des écoles – ça je suis pour – mais bon – on a pas besoin de ça à la limite au contraire – c’est bien que ça soit une langue discrète – une langue souterraine – c’est ça la réalité – c’est pas les décisions – bon. [Hinweis, dass Collette Milhé darüber mehr erzählen könnte] mais on a créé des institutions qui sont (xx) et puis on sait aussi que les institutions ça – ça instaure des réactions négatives – oui – donc c’est pas seulement toujours positive – l’intervention depuis en  haut. [Transmission?] C’est une langue de classe d’âge – donc moi – je m’inquiète pas pour le gascon. […]Ça arrive mécaniquement.

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C’est une question très difficile parce que – on peut considérer depuis une dizaine d’années – il y a eu une prise de conscience politique – donc il y a un début de politique linguistique mais (.) qui d’une part n’est pas suffisamment ambitieuse au regard de -de l’état de la langue mais après il faut – il me semble – avoir l’honnêteté de dire aussi que cette politique est à la hauteur de l’état dans lequel se trouve la langue aujourd’hui et aussi à l’image du secteur associatif aujourd‘hui – parce que même si demain on décrèterait que l’occitan est obligatoire – on serait dans l‘incapacité – de le proposer parce que nous ne disposons pas du nombre d’enseignants compétents pour le faire – c’est pour ça que – je suis justement dans une logique plus constructive de lancer pas à pas et mais aussi de travailler sur le long terme voilà

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Ils s’en foutent complètement – non – les hommes politiques – il y en a pas – ils s’intéressent qu’à leur portefeuille – ça les intéresse pas – mais non – ça va pas dans leur idée ça – si on est gascon – on reste ici – alors qu’eux – ils veulent tout mélanger – donc moi – à mon avis – ça va pas marcher. [Non?] On demande pas cher – moi – je ne demande pas ça honnêtement – on a pas une identité comme les Basques comme ça – mais ça serait bien.

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Je pense que la culture politique française – l’identité française – enfin – ce qui est à affirmer par la classe politique et administrative française va complètement contre – va complètement contre la prise en compte des langues régionales – en particulier l’occitan – voilà donc – et les élus locaux – ils comprennent pas forcément grand-chose – d’ailleurs là-dessus c’est aussi – c’est pour ça aussi que – c’est pour ça aussi que je parle de l’occitan – ça a aussi un impact politique – ce que je préfère plutôt parler de l’occitan que du gascon parce que si on parle du gascon – oui – mais on va rentrer dans la division – alors ce dont on a besoin – c’est une politique – c’est un élément politique cohérent par rapport à la langue occitane et ça a pas de sens par rapport au découpage territorial – au découpage territorial ici – non seulement – la Gironde – il y a du gascon – mais il y a deux autres variantes de l’occitan dans la Gironde – on a du languedocien et du limousin – il faut le savoir. [spricht über Teil in der langue d’oïl vorherrscht] déjà sur la Gironde – on a trois dialectes occitans donc ça n’a pas de sens de parler que du gascon dans la Gironde – même si c’est la majeure partie du territoire – il y a des trucs – des trucs quand même assez atypiques dans le gascon que certains vont considérer comme une aberration – mais c’est pas du tout aberrant – c’est pas du tout atypique. [geht auf Regionsebene ein, wo Schema nochmals reproduziert wird] Donc – moi je parle de l’occitan pour justement que les politiques prennent conscience de la question des langues régionales et de l’occitan en particulier – enfin – pour moi – c’est pas que la question de l’occitan – c’est la question de la langue régionale et par contre – je refuse de parler du gascon parce que sinon on risque de rentrer dans des débats qui risquent d’apporter de la division et diviser c’est renier pour une politique ensuite deux-deux – il faut dire aussi que les gens qui s’accrochent à l’identité du gascon de manière – de manière trop affective – il y en a qui fraient avec le Front National et c’est le problème de l’IBG.

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Mais non – je crois pas et pourtant – mais non – mais non le maire de Bordeaux – il pourrait – il parle pas patois – il parle parisien – il est imbu de sa personne – c’est dommage – ce garçon – il est fier de sa personne. [Croyez-vous que le système politique nuit au gascon ?] Il nuit pas – il nuit pas au gascon – oui – en somme par son désintérêt – il lui nuit dans l’ignorance – il l’ignore – les langues régionales – pourtant il y en a qui se battaient – les Bretons – les Basques se battaient – les Basques plus que les autres – oui peut-être qu’ils sont plus en avance que nous. [spricht über einen Politiker der sich öffentlich zu seiner Region bekennt, den sie gut leiden kann] Je sais pas quoi vous répondre – la politique nuit-elle au gascon? [spricht darüber,dass junge Generation nicht mehr an der Sprache interessiert ist] Les politiques font pas ce qu’il faut là non plus – ils se posent pas la question – même pas et non – ils se posent pas la question – mais c’est même pas les politiques là – c’est.[spricht über Concours ihrer Enkelin für Beamte] Il est dans la Gascogne – il y est déjà le gascon au bac – non ? Voilà – ma petite-fille n’a pas pris le gascon – le basque – elle aurait pu – on est en déficit pour l’enseignement pour le gascon.

6.4.18. 4r) Que pensez-vous de l’enseignement du gascon/d’occitan dans les écoles ?

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Beh – si vous voulez – disons – il est insuffisant – ça, c’est sûr – c’est certain – il y a plusieurs aspects – d’abord – il est insuffisant – c’est-à-dire, il n’est pas réellement pris en charge par l’Éducation Nationale – ça, c’est une chose – la seconde chose – c’est le contenu – moi – je pense qu’enseigner le gascon à travers l’occitan – c’est quelque chose qui me convienne pas – je voudrais que le gascon soit enseigné en tant que gascon et pas en tant qu’occitan – ça – c’est la deuxième chose – si  vous voulez – après – quant à la qualité de l’enseignement – ce n’est pas mon boulot si vous voulez – je suis musicien donc je peux pas trop juger – j’sais pas – j’ai pas pris de cours ni de gascon – ni d’occitan à l’école – donc – je connais pas les contenus du programme – actuellement – je pense que bon – maintenant – les gens (.) – l’enseignement – lui – il est insuffisant dans la mesure où on peut l’apprendre qu’à partir du secondaire – c’est une option facultative – déjà le fait que ça soit facultatif – ça veut dire que ce sont que les  gens qui sont intéressés au fond ou qui sont curieux qui vont s’y intéresser – ensuite à l’université ça devient un sujet d’études – on est sorti de la réalité  quoi –  s’il y avait eu une véritable réappropriation de cette culture – c’est – bien entendu – au niveau de la maternelle et au niveau de l’enseignement qu’il aurait fallu le faire et d’une manière intensive.

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Mais c’est-à-dire que maintenant – alors bon – ne parlons pas de circules Calandreta parce que c’est une bonne chose – mais dans l’enseignement public – il y a des écoles bilingues mais bon – elles ont surtout été ouvertes – les écoles bilingues pour la plupart – il y en a plus en Gascogne – elles ont surtout été ouvertes dans des endroits où on avait eu l’intention de créer des Calandretas – et pour parer à la chose – l’Education nationale s’est empressée de créer des classes bilingues pour qu’on ouvre pas les Calandretas. [Themaabweichung] Mais il y en a pas trop – sinon – à l’école primaire – il y a des instits ignorantes – ignorantes – ce sont des filles – mais – surtout des femmes – je crois – voilà qui font quelques heures de gascon dans les écoles primaires – dans le secondaire peut-être un peu plus – je ne sais pas – voilà et c’est tout – voilà – c’est très peu – […] Les écoles calandretas n’ont pas été créées quand il était important de le faire – donc voilà – maintenant il n’y a plus qu’une à Pessac – pour tout le département – donc voilà et donc qui s’adresse à des enfants d’universitaires – c’est pour ça que je disais la langue restera à l’université – ça s’adresse pas à des enfants de – d’ici – non – parce que nous – à la Calandreta […] les gens – ils payaient pas – c’était pas une école de – c’était pas une école de ‘fin – une école pour d’intellos quoi – c’était une vraie école avec des enfants du quartier quoi – bon et là – c’est pas le cas. […] Voilà – c’est compliqué – et à l’université – bon – on fait quelques progrès – une licence – à l’époque ça existait pas – bien entendu – une licence – mais bon – je sais pas quel est le contenu – Je pense que de toute façon – c’est pas que le gascon – c’est l’occitan – donc voilà – c’est pas ça qui peut le faire – à l’université – qui peut faire que les gens se mettent à parler dans la rue – une langue vivante dans les magasins quand elle est dans la rue – voilà – c’est pas – nous – on faisait des trucs – on faisait de tout – bon voilà – nous – on a fait des échecs  – mais on a fait nos échecs en gascon. [Sprechen über alte Zeit als militante]. Si c’est pas – si c’est pas partout – ça sert à rien quoi. [Exkurs über Baskenland] Dans le Val d’Aran – est là dans la rue – le gascon est là – dans les papiers officiels – la langue d’un pays – c’est ça – sinon – c’est une langue morte – alors – on peut toujours l’apprendre – c’est toujours intéressant d’apprendre le latin ou le grec par exemple – mais ce sont des langues mortes – donc voilà – c’est toujours intéressant intellectuellement – mais c’est tout – bon – je crois que l’enseignement peut plus faire grand-chose – c’est trop tard – nous – quand on était jeune – on sentait que c’était tard aussi – je crois que c’est notre génération à nous – il aurait fallu le faire là – parce que là – vraiment […] Tout était faisable à ce moment-là et puis voilà nous – on a pas fait – nous on a dû nous bagarrer pour retrouver notre langue. [Exkurs über eigene Kindheit und wie viel damals noch auf der Straße gesprochen wurde, siehe Frage 1]

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Beh – ce qu’il est trop rare (h) sans ça – sans ça – il est – il est très bien fait – dans les (..) les enseignants d’occitan sont formés (.) pour des méthodes de pédagogie active – donc pour rendre l’élève acteur de cet apprentissage et donc pour moi – je trou(ve) – je pense que c’est très bien comme ça –c’est très bien fait – le problème – c’est que donc il manque – il manque d’enseignants parce que dans les universités langues régionales ont été réduites – ils ont été réduites parce que le nombre de postes au concours de l’Éducation Nationale a toujours été réduit – restreint à une limite ridicule [sehr ausführlicher weiterer Monolog über die Problematik]

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Bah – c’est un squelette – l’enseignement – il y plus rien – il n’y a presque plus rien – quand je suis partie à la retraite – il y a un collègue – il y a deux collègues qui m’ont suivi dans le poste et ils ont trouvé que – vraiment – il y avait beaucoup trop de travail qu’on rentrait trop tard – c’est sûr que – quand j’ai travaillé dans le Médoc […] je faisais classe – jusqu’à l’heure de la fin des classes de cet école-là – sauf s’il fallait que j’aille dans une autre école dans l’après-midi – bon –  j’ai terminé – j’ai terminé à 17 heures – et à 17 heures j’avais deux heures pour rentrer quoi – jusqu’ici – à ma porte quoi – j’étais célibataire – donc je pouvais me permettre ça mais ceux qu’ils m’ont suivi dans le poste – ils étaient mariés – ils avaient des enfants – ils ont fait ça un an chacun et basta.

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Les écoles publiques ? Insuffisant – trop insuffisant. [Nennung von Vereinen, die sich für ein größeres Angebot einsetzen] Il y a beaucoup d’exemples où des parents d’élèves voulaient avoir un enseignant bilingue et l’Éducation nationale – le ministère – n’a pas mis – n’a pas trouvé volontairement ou involontairement l’enseignant pour répondre au besoin.

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Bah – il faudrait le développer – il faudrait surtout – c’est un travail très difficile – très long.

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Bon c’est-à-dire j’y interviens pas – bon – je trouve que c’est une très bonne chose – dans la Calandreta – je vois que ça donne des enfants qui ont – quand même il y a un peu de recul – c’est des enfants qui ont l’air tout à fait équilibrés qui réussissent très bien par la suite donc j’ai l’impression que ça – ça donne une ouverture d’esprit puisqu’en plus – les écoles bilingues – c’est de petits unités – donc – il y a moins de – il y a moins de problèmes que dans les grandes unités et puis ceux qui font de l’occitan dans les collèges et les lycées – je trouve que c’est – c’est – c’est bien – bon – ‘fin, disons que ça ramène un peu – ça fait connaître les racines quoi – du lieu – voilà.

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Oui – il faut que ça continue – oui il faut que continue – il faut que ça se développe – il faut donner aux enfants l’occasion d’apprendre cette langue qui est la langue de la terre qu’ils foulent tous les jours.

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Je sais pas – je connais pas – je connais pas – je sais pas.

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Mais – ça fait partie des solutions – en tout cas dans ma vie professionnelle – nous – c’est le pilier des politiques linguistiques – à des fois d’avoir une transmission familiale – le rôle de l’école est primordial et puis (.) c’est – c’est – on a trois système d’enseignement – le système  immersif via les Calandretas – les écoles associatives – on a maintenant le système bilingue public et après l’enseignement confessionnel et – donc il y a – il y a une offre diverse et suffisamment importante pour pouvoir répondre au besoin mais après oui – l’offre n’est pas suffisamment importante aujourd’hui –bientôt développée – mais  encore faut-il des enseignants – voilà (h)

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C’est génial.

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On peut mieux faire – l’Éducation Nationale – ce sont des fonctionnaires – ils refusent de mettre en place – en gros –ils refusent de donner les moyens pour enseigner la langue – et puis de toute façon – il y a le problème de l’enseignement des langues en France (h) – j’ai un gros souci à ce niveau-là – au niveau de la pédagogie – à revoir. [spricht über eigenen Unterricht] Les choses se sont améliorées mais – voilà – mais après – sur la question des langues en fait c’est surtout – éventuellement – ça va être une option – c’est très compliqué de mettre en place des classes bilingues – il y a la possibilité de mettre des classes bilingues que dans l’enseignement public et ensuite c’est pas simple de mettre en place des Calandretas. [spricht über die Freinet-Pädagogik]

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J’en penserais beaucoup de choses si – si vraiment ils s’en donnaient la peine. [Mais vous trouvez ça bien?] Oui – je trouve ça bien – c’est bien de proposer aux enfants d’apprendre la langue un tout petit peu mais ça prend pas – on a plus que des gens de la région. […] Ce sont des gens qui sont venus – qu’est-ce qu’ils sont venus à Sore ? Parce qu’on a rien – industrie – on a rien – beaucoup de gens vont chez Bordeaux – Mont-de-Marsan. [3. Person : Ils s’intègrent?] Et beh voilà le problème – quelques-uns qui s’intègrent – les autres – non – ils travaillent à Bordeaux. Mont-de-Marsan – il y a pas de boulot – alors – ils viennent à la campagne parce qu’ils en ont marre d’habiter en ville.

6.4.19. 4s) Avez-vous plus plaisir à parler gascon ou à parler français ?

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Ah c’est très différent – disons que – moi – je préfère parler en gascon – oui. [Toujours? Il n’y a pas de choses que vous préférez exprimer en français?] Mais disons que si – si j’ai besoin d’écrire des choses – plus abstraites – pour moi – c’est plus facile d’utiliser le français – j’ai appris le gascon – c’est ma seconde langue – j’ai appris à le lire – à l’écrire – j’ai intégré la littérature – j’ai appris les règles de grammaire mais c’est plus facile quand même pour moi d’écrire en français – parler des choses plus abstraites c’est le français – oui – j’ai plus de facilités en français – j’ai été éduqué en français – donc – bien sûr.

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Ça dépend avec qui – ça dépend avec qui – maintenant je parle beaucoup plus souvent français – donc – mais avec certaines personnes de chez moi – ça me fait plaisir de parler gascon – de chanter en gascon – voilà c’est – oui – bien sûr – mais après – maintenant – avec d’autres personnes – ça me fait pas autant plaisir – il y a des gens avec lesquels ça me fait pas plaisir de parler gascon quoi – parce que souvent ce sont des gens qui ont appris le gascon que dans les livres et donc c’est un gascon très artificiel qu’ils parlent et ça me dérange de parler avec eux – ça me dérange et on sent tout de suite d’ailleurs qu’ils ont appris dans les livres et que voilà – ils ont pas un bon accent – voilà – en tout cas c’est très artificiel et tandis que – bon – avec les gens d’ici – le petit reste qui parle encore – avec des vieux par exemple – des copains de mon père comme ça – des fois – voilà – ça c’est naturel – parce que eux – ils ont une langue beaucoup moins pure que les autres – ils ont une langue un peu francisée aussi – comme ils ont beaucoup gasconisé le français – tout ça s’est mélangé – mais c’est plus naturel – voilà et puis d’autant que – pour la plupart qui l’apprennent – ils apprennent le béarnais – ils savent pas parler le gascon d’ici. [Exkurs über ihren Unterricht des gascon d’ici in der Calandreta] Le gascon d’ici – maritime.

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Mon plus grand plaisir – c’est de parler occitan et pas que gascon – parce que j’aime bien communiquer avec les Languedociens et les Limousins qui ont un parler un petit peu différent – les Provençaux – mais j’aime bien comparer la langue – le vocabulaire – j’adore – j’adore parler occitan (.) parler catalan – espagnol – italien – les langues anglo-saxonnes pas tellement dans ma bouche – c’est – j’ai pas autant de plaisir à parler la langue anglo-saxonne que je parle ma langue latine. [Et le gascon comparé au français ?] Bien sûr que je préfère nos langues – évidemment. [Le Gascon ?] Oui.

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Alors – quand je suis à Paris – j’aime bien parler gascon avec les gens avec qui je suis – si jamais ils parlent occitan ou une autre langue – bien entendu – bon – et ici aussi – voilà – donc quand – évidemment – je ne parlerais pas gascon à quelqu’un qui ne pourra pas me répondre – je parle gascon avec des gens en compagnie desquels je suis et ça interpelle les gens mais – personne – une fois – il y avait une petite fille : « Tu parles chinois – Madame ? » (h) Ça m’a vexée (h) [Pourquoi ça vous fait plaisir de parler gascon à Paris?] Pour montrer qu’il n’y a pas que les Parisiens à Paris – la résistance – je dis.

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J’aime les deux langues – je parle aussi l’anglais – l’espagnol – moi – j’aime parler les langues – donc – j’ai un attachement sentimental – affectif pour l’occitan puisque c’est la langue de ma grand-mère.

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Ah j’ai plus de plaisir à parler gascon.

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Beh – j’aime bien parler gascon avec les – les gens qui – les personnes que – dont je sais qu’elles parlent gascon – mais sinon – beh – sinon nous sommes – moi – c’est suivant les gens avec qui j’suis – si je suis avec des gens qui parlent occitan – qui connaissent pas l’occitan je parle français – je vais pas me mettre à parler occitan et – parce que j’ai connu ça dans ma famille – quand mes sœurs ont épousé des gens (.) ont eu des maris qui ne parlent pas occitan donc – disons que j’avais un beau-frère qui – que – ça le gênait beaucoup quand on parlait occitan entre nous – bon –il pensait qu’on disait – il avait peur qu’on disait du mal de lui alors (h)- c’est gênant quoi – ‘fin – même mes parents qui ne parlaient pas beaucoup français – il a – il s’est (.) il parlait quand ils étaient là – ils parlaient français – voilà.

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Je suis à la fois française et occitane et ces deux langues – je les aime à égale teneur – voilà. [Vous vous exprimez mieux dans une langue que dans l’autre?] Oui – je vais pas exprimer – je vais pas dire les mêmes choses – voilà – je vais pas dire les mêmes choses – je vais dire – en occitan – je peux dire plein de choses – mettre en place plein de trucs – mais les choses vraiment intimes de moi – ça sera le français – parce que c’est ma langue maternelle – c’est la première langue que j’ai apprise – donc c’est logique.

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Ah gascon – bien évidemment – ça fait pas le moindre doute.

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J’ai pas de – comme je l’ai dit – j’ai pas de – il y a pas de hiérarchie entre les deux langues – parce que malgré tout –ce qui est un fait – c’est que ma langue maternelle – c’est le français et l’occitan restera toujours malheureusement une langue – non pas étrangère parce que c’est maintenant ma langue mais –mais je ne suis pas un parfait locuteur – franchement c’est une langue que – qu’on apprend en permanence et – donc (.) la langue des relations avec mes parents – c’est le français et (.) donc c’est comme ça – évidemment j’ai beaucoup de plaisir à parler en occitan et a priori  la langue des relations qui – qui sera celle qui me liera à mes enfants sera l’occitan et – et sans doute que l’occitan – donc oui – ça a du sens pour moi.

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On aimerait bien savoir parler bien gascon – mais – je vais bientôt y arriver – le truc pour le parler – il faut l’écrire parce que si vous n’apprenez pas à l’écrire – c’est pas la peine. [spricht über ihre Lerntechniken] Moi – je désespère pas – je me donne encore deux ans pour savoir le parler.  

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Ça dépend – ça dépend quel est l’objectif – ça dépend quel est l’objectif – moi – je – ça dépend quel est l’objectif – c’est – pour moi l’occitan est un outil de communication – par contre – il ne doit être un empêchement à la communication ce qui peut être le cas dans le milieu occitan – il y a des gens qui se comprennent pas – il y a des gens qui comprennent pas – donc – ils comprennent pas ce que je dis – le sens de ce que je dis – donc – ils écoutent pas – donc il y a des malentendus – mais en fait là on pourra utiliser le français – après oui – moi – je prends plaisir à parler – j’y pense pas beaucoup mais – parce que je suis pas comme Albert – qui voudrait absolument parler occitan – mais pour moi ça doit être un plaisir – la langue doit rester un plaisir pas une obligation – je prends mon pied à lire des textes de Félix Arnaudin – il y a une expressivité –une expressivité qu’on a pas en français – et en français – on a une expressivité qui est complètement différente.

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AH – je suis pour le gascon – AH OUI – mais j’aime bien parler français – J’aime bien parler français – mais j’aime bien parler gascon – mais c’est vrai que – quand on s’est rencontré – mon frère – à la boulangerie ou ailleurs – quelqu’un qui parle patois – ça m’est arrivé que des gens se soient arrêtés à côté de moi pour nous dire – vous parlez quoi – des gens qui sont pas d’ici – des gens qui sont pas d’ici – à la boulangerie – vous le disiez – à la boulangerie – ils s’arrêtaient – ravis d’ailleurs – ravis – parce qu’il m’a dit – il nous a dit – c’est tellement rare – il était ravi de nous entendre parler patois – des gens qui sont là depuis quelque temps – qui arrivent – qui sont de Paris – qui sont d’ailleurs – ravis de nous écouter parler patois – mais quand même – je suis pour la langue – la langue à bloc – à bloc – à bloc pour le gascon – j’sais pas comment vous expliquer – c’est à moi ça – c’est à moi – comme – qu’on appartient à une région quoi – c’est notre nous quoi – et après – je dis souvent à notre petite-fille – bah ouais – d’accord – tu es née à Sore – tu es de Sore – tu aimes bien ta région –  je veux pas aller plus loin que Mont-de-Marsan  – je dis –oui – mais après ça – tu es comme tout le monde – t’as pas de distinguo. [3. Gesprächsteilnehmerin : Un petit plus qui manque] un petit plus – et ma fille Nadine qui a 57 ans – c’est pareil – elle est d’ici – elle comprend le patois et tout – mais elle fait pas l’effort de faire une conversation en patois – si on parle avec mon frère en patois – elle comprend – elle va rigoler quand on dit une bêtise ou autre – elle va rigoler – mais un mot – ça ne lui dit pas de parler patois.

6.4.20. 4t) Vous sentez-vous d’abord Français/e ou Gascon/ne ?

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Moi – c’est mon identité – j’ai pas envie de la changer – si vous voulez – moi je me définis de nationalité gasconne et d’identité française – je fais la différence en fait entre la nationalité et la citoyenneté – je suis citoyen de la République française – moi – je ne suis pas nationaliste français – pas du tout – ma nation – ma nationalité – c’est la Gascogne. [Vous avez déjà répondu à cette question je pense, mais je vais vous poser la question quand même : Vous sentez-vous d’abord Français ou Gascon?] Non – Gascon – voilà – je pense que je pourrais appartenir à n’importe quelle région du monde – je pense que je pourrais toujours m’adapter partout – mais je serai toujours Gascon. […] ça c’est sûr – je me définis d’abord comme Gascon – comme je vous ai dit – je me définis de nationalité gasconne et de citoyenneté française.

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Gasconne – sans doute – j’appartiens à l’état français – encore que ça m’énerve souvent mais bon – c’est un fait – c’est un fait – c’est comme ça – voilà – je préférerais qu’on serait resté anglais – parce que les Anglais ont été beaucoup plus respectueux avec les langues des gens et tout – donc on parlerait toujours gascon – si on serait resté anglais – les gens nous auraient pas abattus quoi – voilà – mais maintenant on est français et mais bon – ‘fin – moi – je me sens pas du tout coquerico-machin-marseillaise – non – ‘fin – ça n’est pas moi – je sens que c’est pas moi – ça m’intéresse pas (h) [Exkurs über Besuch von Queen Elizabeth II in der Aquitaine] Bah oui – c’est notre reine quand même – même si – je suis pas royaliste – c’est notre reine. […]

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Alors – non – je me – non – je ne me sens pas français parce que je suis pas hexagonal – je – j’ai conscience de – de la nécessité d’avoir une organisation politique relativement – sur une dimension relativement grande quoi – je – je n’envisage pas que – ou la Gascogne ou l’Aquitaine soient indépendantes – j’envisage pas du tout ça – j’envisage pas du tout ça – bon voilà – après si l’Etat français décid(ait) – disait ah oui ce serait bien que – que vous ayez davantage d’autonomie dans les régions – après – si (.) voilà – après nos amis catalans nous font des appels du pied pour que – pour que nous créions l’état occitan ou catalan – ça – c’est une réalité – ça existe véritablement – bon – c’est pas ma – ma démarche n’est pas politique et – et c’est culturel – voilà – moi – c’est que – c’est que je considère très important c’est de préserver la culture et de vivre dans cette culture et d’inciter des personnes de vivre dans une culture locale – voilà – bon beh – voilà – c’est pas par hasard que je suis aussi plutôt altermondialiste – voilà – c’est – c’est dans le cadre quoi – c’est dans une suite logique.

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Ah moi – c’est absolument inséparable – alors – je peux pas dire – je suis insultée quand – quand – quand des gamins – je dis des gamins qui  jouent au foot qui sont payés d’une façon SCANDALEUSE – SCANDALEUSE – alors que les gens dans leur pays crèvent de la faim et qui sifflent la Marseillaise à la fin du match – qui sont des Français de naissance – alors ça – ça me met très en colère – ça me met très en colère et parce que – s’ils vivaient chez eux (…) ils ne vivraient pas comme des rois du pétrole – voilà – alors ça me met très en colère – parce qu’il faut pas cracher dans la soupe quand même – je trouve – voilà – voilà – mais sinon – c’est – j’aime bien à titre personnel – j’aime bien sentir ma différence – c’est tout – mais – mais comme les Alsaciens la sentent très fort – on peut comprendre ça HE – les Lorrains – ce sont des pays façonnés de façon différente par rapport à ici – ils sont vraiment – on peut pas effacer TOUT ÇA là – c’est – c’est pas possible – ça représente du monde – des vies. [Mais vous sentez-vous d’abord Française?] De toute façon – je ne serai reconnue que comme français – bien entendu – dans un pays quand je voyage – je vais pas dire – je suis Gasconne – d’où  ça sort? [Donc vous dites « Je viens de Bordeaux »] Non, je ne dis pas ça –j’attends qu’ils disent – oh – il y a un petit accent – vous venez d’où – non – c’est pas Marseille – ah non – je dis – non – non – c’est pas Marseille – en général – ils hésitent pourtant – les Toulousains ils n’ont pas la même intonation – et normalement – ils hésitent – voilà c’est la preuve qu’ils ont aucune oreille. [Völliges Abdriften vom Thema, spricht über ihre  Vorliebe Akzente zu erkennen und darüber woher der Bordelaiser Akzent historisch gesehen kommt.]

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Mais gascon – c’est pas une nationalité – moi – je suis Français de culture occitane – comme on peut être Allemand de culture bavaroise – mais ce que les Français ne comprennent pas – ils pensent que si on est breton – la culture bretonne ou occitane – corse va contre la culture nationale – alors que les Allemands n’ont pas ce problème.

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C’est différent – parce que français – c’est une identité – je sais pas comment dire – nationale – administrative – Gascon – ça touche à des choses plus profondes – plus intimes et puis ça permet de me distinguer parmi les autres.

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Pour le moment je suis – je suis Française avec des racines gasconnes – voilà – c’est – puisque – bon – ça ne peut pas être – la  Gascogne ne peut pas être une région puisque bon – il faut bien – même la France sans l’Europe (h) mais bon – on ne peut pas dire que je suis d’abord Européenne parce que – bon beh – je vais pas beaucoup dans les autres pays européens – à part l’Espagne – je vais pas – il y a longtemps – je suis allée en Allemagne puisque j’ai fait la connaissance d’une Allemande mais – voilà.

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Les deux. [Les deux ? Comme vous avez dit ?] Voilà j’ai vraiment la double-identité – j’aime énormément la culture française – la littérature française – je peux pas m’en passer – de même manière que je ne peux me passer ni de la culture ni de la langue occitane.

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Gascon – ça veut pas dire grand-chose – il y a jamais eu d’expression politique de Gascogne – expression de mouvement politique gascon et comme montre la thèse très bien de Colette c’est que y compris les politiques – ils cachent leur intérêt dans la dimension culturelle quoi. [..] Gascon – mais ça n’a pas de conséquences politiques.

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Alors – je me sens Bordelais – Gascon – Occitan –Français – Européen (h) je mets pas de – tout – tout en même temps – c’est ça – c’est pas – ce ne sont pas des couches qui sont – qui sont verticales en fait – c’est – c’est très horizontal ouais –voilà – tout ça à la fois.

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On fait pas la différence – Français-gascon – mais comme je me sens Française et Gasconne – moi – je suis Française – mais du Médoc – voilà – Française et Médocaine – l’endroit où on est né – ça, tu vois – moi – je suis Française – mais je suis Médocaine – moi – je revendique mon identité médocaine.

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Je me suis toujours défini comme Landais – je sais c’est le truc que je dis le plus souvent – en fait – en – fait – je dis bien que je suis Bordelais parce que je peux pas dire le contraire – honnêtement – j’ai quasiment toujours vécu ici. [ausführliche Detailierung] Moi je suis – je suis Bordelais – je me sens en partie Pessacais parce que je travaille ici – je suis à Pessac – moi – je suis passionné par Félix Arnaudin – je suis passionné par les comptes traditionnels – je suis passionné par les musiques traditionnelles – je suis passionné par les chants traditionnels – par des choses anciennes – par contre je suis pas habillé – j’ai pas de costume traditionnel – ici plus personne ne porte le costume traditionnel – je porte pas le béret – je refuse de porter le béret – j’en ai un à la maison mais je refuse de porter le béret – je veux pas vivre dans le passé – je veux vivre dans le présent avec le passé – avec mon identité – qui est pas une identité gasconne – qui n’est pas une identité occitane – ça a un lien avec mon parcours d’apprentissage de l’occitan – c’est pour ça que j’ai pris deux heures – au bout de deux heures – je suis même pas sûr d’avoir parlé de tout – par contre – pour moi c’est une langue du présent – c’est une langue – c’est une culture qui est ouverte sur le monde – je dis ça parce que moi – à côté de ça – je fais de la danse – je fais partie de la danse traditionnelle mais est-ce que vous voulez aller dans cette direction? Parce que moi – j’ai rien à voir avec les hauts folkloriques.

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Ah – les deux quand même – mais – comment dire – Gasconne de cœur – Française aussi – mais Gasconne de cœur – oui – ah oui – oui – oui – Gasconne de cœur – mais je fais rien pour – je fais plus rien pour – je vais vous dire – il faut monter des associations – se réunir plus souvent – amener qui – il y en a quelques-uns – il y en a encore – ma voisine qui est Parisienne – s’il y avait des cours de gascon – elle y irait pour s’intégrer – il y en a encore – mais bon – chez les jeunes – pas trop.

6.5. Anhang 5: Eidesstattliche Erklärung

Die unterschriebene eidesstattliche Erklärung ist der gedruckten Version dieser Arbeit beigefügt. 

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