Linguistic Landscaping in Bozen


1. Einleitung

Südtirol, offiziell „Autonome Provinz Bozen-Südtirol“ genannt, ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht unter anderem wegen der unterschiedlichen Sprachgruppen, die dort aktuell zu finden sind, von großem Interesse. In dieser Provinz sind vor allem drei Sprachgruppen ansässig: die italienische, die deutsche sowie die ladinische. Während in Südtirol die deutsche Sprachgruppe die Mehrheit darstellt, sind in dessen Hauptstadt Bozen mehrheitlich Italienischsprachige zu finden. Die deutschsprachigen Bozner machen einen Anteil von etwa 25 Prozent der Stadtbevölkerung aus (vgl. Arntz 1998: 22f).

Die Stadt Bozen und die dort verwendeten Sprachen sind das Thema der vorliegenden Arbeit. Grob umrissen lautet die Fragestellung dieser Arbeit: Welche Sprachen sind wo in Bozen zu finden und aus welchen Gründen sind diese Sprachen dort zu finden? Zur Beantwortung dieser Frage soll in einem ersten Schritt die Linguistic Landscape Bozens anhand der Namen von Bozner Restaurants, Cafés, Bars etc. ermittelt werden. Hierfür wird mit Hilfe eines Korpus’ untersucht, welches Sprachen in den Restaurantnamen1Ist hier und im Folgenden von „Restaurantnamen“ die Rede, so sind natürlich nicht nur die erhobenen Namen von Restaurants, sondern alle Namen des erstellten Korpus’, zum Beispiel auch die Namen von Bars und Cafés, gemeint. Statt „Restaurantname“ wird in dieser Arbeit außerdem auch häufig nur von „Namen“ gesprochen. Gemeint sind aber natürlich ebenfalls – sofern es aus dem Kontext nicht anders hervorgeht – die Namen, die das Korpus dieser Arbeit beinhaltet. verwendet werden und wo, also in welchen Gegenden der Stadt, in welchen Bozner Stadtteilen und wiederum in welchen Gebieten dieser Stadtteile, die Namen bestimmter Sprachen zu verorten sind. Bezüglich der Betrachtung der Stadtteile ist es außerdem unter anderem von Interesse zu untersuchen, ob und in welcher Form sich die „sprachspezifischen Linguistic Landscapes“ der einzelnen Stadtteile möglicherweise voneinander unterscheiden. Im zweiten Schritt soll auf mögliche Gründe eingegangen werden, die die ermittelte Gestalt und die Besonderheiten der Bozner Linguistic Landscape erklären können. In der gesamten gerade erläuterten Untersuchung liegt der Fokus auf der Verwendung des Italienischen und des Deutschen, da Sprecher dieser beiden Sprachen in Bozen am zahlreichsten sind. Dennoch soll auch auf die Verwendung anderer Sprachen in den Namen von Bozner Restaurants eingegangen werden.

Die Arbeit besteht aus folgenden Teilen: Nach dieser Einleitung (Kapitel 1) wird zunächst in Kapitel 2 der Arbeit auf die Sprachsituation in Südtirol, auf die Lage und Demografie der Stadt Bozen sowie auf den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Stadt eingegangen. Kapitel 3 behandelt die Geschichte Südtirols und der Stadt Bozen. Hierbei werden, nach einem kurzen Überblick über die Geschichte Bozens von der Stadtgründung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Südtirol bzw. Bozen thematisiert, da diese in einem engen Zusammenhang mit der aktuellen Sprachsituation in Bozen stehen. Dazu gehören (grob umrissen) die Annexion Südtirols durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg, die Entnationalisierung und Italianisierung Südtirols unter den Faschisten sowie die Erlangung der Autonomie Südtirols in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im vierten Kapitel wird auf Theoretisches zum „Linguistic Landscaping“ eingegangen: Hier werden das Konzept von Landry/Bourhis zum Linguistic Landscaping und die Funktionen einer Linguistic Landscape präsentiert sowie Forschungsansätze und -ziele, die im Rahmen des Linguistic Landscapings möglich sind, dargelegt. In Kapitel 5 werden Barbara Planks Untersuchung und entsprechenden Ergebnisse zur Linguistic Landscape Bozens erläutert. Außerdem wird das Forschungsziel, -vorhaben und –vorgehen zum Linguistic Landscaping in Bozen in dieser Arbeit grob dargelegt, um auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Arbeit Barbara Planks und dieser Arbeit einzugehen. Die Erläuterung der Methode, welche in dieser Arbeit zur Erstellung des Korpus’, zur Kategorisierung der Namen des Korpus’ und zur georeferenzierten Darstellung der Namen angewandt wird, wird im sechsten Kapitel dargestellt. In Kapitel 7 folgt eine detaillierte Auswertung des Korpus’ bzw. der Korpora. Hier werden die elementaren und aufschlussreichsten Aspekte der Linguistic Landscape Bozens sowie die der individuellen Linguistic Landscapes der einzelnen Stadtteile beschrieben. Das achte Kapitel beinhaltet die Erläuterung von Theorien und möglichen Gründen, die die ermittelte Gestalt der Bozner Linguistic Landscape erklären können. Dabei geht es vor allem um die Frage der Linguistic Landscape Bozens als Spiegel der Bozner Bevölkerung, um sprachlich vielfältige Gebiete, die gleichzeitig auch als Treffpunkt verschiedenster Gruppen fungieren, um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Geschichte einzelner Stadtviertel und Stadtteile und der dortigen aktuellen Linguistic Landscape sowie um die Faktoren Tradition und Modernität. Im neunten Kapitel folgt ein Rückblick auf die Arbeit, ein abschließendes Fazit sowie ein Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten im Rahmen des Linguistic Landscapings in Bozen.

2. Theoretisches zu Südtirol und der Stadt Bozen

Im folgenden Kapitel werden einige Daten und Fakten zu Südtirol und der Stadt Bozen dargestellt, welche für diese Arbeit relevant sind. Hierbei wird zunächst auf die Sprachsituation und die drei „großen“ Sprachgruppen (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) in Südtirol eingegangen. Anschließend wird der Fokus auf die Stadt Bozen gelegt: Dabei wird auf die Lage der Stadt, ihre Gliederung in verschiedene Stadtteile sowie auf wichtige demografische Daten (unter anderem auf die Einwohnerzahl nach Stadtteilen, die Sprecher pro Sprachgruppe und den ausländischen Anteil der Bozner Gesamtbevölkerung) eingegangen. Unter dem dritten Punkt dieses Kapitels wird schließlich noch auf den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Südtirol und Bozen eingegangen, da dieser im Laufe dieser Arbeit noch von Bedeutung sein wird (siehe Kapitel 8.3).

An dieser Stelle sei vorab erläutert, dass Südtirol (offiziell „Autonome Provinz Bozen-Südtirol“) und die Provinz Trient gemeinsam die Autonome Region Trentino-Südtirol darstellen. Bozen ist wiederum die Landeshauptstadt Südtirols (vgl. Wikipedia-Eintrag „Südtirol“).

2.1. Zur Sprachsituation in Südtirol

2.1.1. Allgemeines

Ein Merkmal Italiens ist dessen relativ hohe Anzahl an dort zu findenden ethnischen Minderheiten, die unter anderem durch verschiedene, eigene Sprachen charakterisiert sind. Zu diesen Minderheitenprachen zählen unter anderem das Deutsche, Französische, Ladinische, Friaulische und Sardische. Die Region Südtirol wiederum ist durch Mehrsprachigkeit geprägt. Hier finden sich drei „große“ Sprachen: das Italienische sowie die eben erwähnten Minderheitensprachen Deutsch und Ladinisch. Unter diesen drei Sprachen in Südtirol kann einzig das ladinische Sprachgebiet als „geschlossenes Sprachgebiet“ (Arntz 1998: 22) bezeichnet werden2Auch in Egger 2001: 36 wird das ladinische Sprachgebiet als „geschlossen“ beschrieben. Egger begründet diese Beschreibung mit den Ergebnissen der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen von 1991, in welchen sich zwischen 88,3 Prozent und 98,0 Prozent aller Teilnehmer aus den ladinischen Gemeinden als Sprecher des Ladinischen „bekannt“ haben.. Das deutsche und das italienische Sprachgebiet lassen sich dagegen als „eng miteinander verflochten“ (Arntz 1998: 22) beschreiben (vgl. Arntz 1998: 22).

Mittels der Sprachgruppenzugehörigkeits- und Sprachgruppenzuordnungserklärungen der Volkszählung aus dem Jahr 2011 konnte erhoben werden, dass 314.604 Südtiroler (= 69,41%) deutschsprachig, 118.120 Südtiroler (= 26,06%) italienischsprachig sowie 20.548 Südtiroler (= 4,53%) ladinischsprachig sind (vgl. Südtirol in Zahlen 2016: 15).

Folgende Karte3Um die jeweiligen Anteile der drei Sprachgruppen in den einzelnen Gemeinden zu erfahren, muss auf den zu Abb. 1 angegebenen Link geklickt werden. Fährt man auf der Seite, die sich dann öffnet, mit dem Pfeil über die Karte bzw. über eine Gemeinde, die auf dieser Karte eingezeichnet ist, so erscheint ein Fenster, welchem die entsprechenden Zahlen entnommen werden können. visualisiert den jeweiligen Anteil der Sprecher der drei genannten Sprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch in den einzelnen Südtiroler Gemeinden, welcher im Rahmen der Volkszählung von 2011 ermittelt werden konnte:

Abb. 1: Der jeweilige Anteil der Sprecher des Deutschen (blau), Italienischen (orange) und Ladinischen (grün) in den Südtiroler Gemeinden (Abbildungsquelle: ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Bevölkerung/Sprachgruppenzugehörigkeit“)

Wie die Karte in Abb. 1 zeigt, ist einzig in den fünf Südtiroler Gemeinden Salurn, Pfatten, Branzoll, Leifers und Bozen jeweils eine mehrheitlich italienischsprachige Bevölkerung zu finden. In etwa ausgeglichen ist der Anteil an Italienischsprachigen und Deutschsprachigen in Meran4Dies wird auch in Egger 2001: 35 erläutert. (vgl. ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Bevölkerung/Sprachgruppenzugehörigkeit“). 

Der vergleichsweise hohe Anteil an Italienischsprechern in den im Tal gelegenen Orten sowie in den Städten (und hierbei vor allem in Bozen) lässt sich mit der Siedlungspolitik des faschistischen Regimes erklären (vgl. Egger 2001: 35), worauf in Kapitel 3.4 im Detail eingegangen wird.

Ebenfalls der Karte in Abb. 1 kann entnommen werden, dass das Ladinische in den Gemeinden im Südosten Südtirols gesprochen wird, hierbei vorrangig in Enneberg, Wengen, Abtei, St. Martin in Thurn, Corvara, Wolkenstein in Gröden, St. Christina in Gröden und St. Ulrich. Während in den eben aufgezählten Gemeinden größtenteils das Ladinische gesprochen wird, ist der Anteil der Ladinischsprecher in den übrigen Gemeinden verschwindend gering (vgl. ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Bevölkerung/Sprachgruppenzugehörigkeit“). 

Zudem wird das Ladinische auch in bestimmten Gebieten der Provinzen Trient und Belluno gesprochen (vgl. Egger 2001: 25).

Nachstehende Abbildung zeigt die Entwicklung der Südtiroler Bevölkerung im Zeitraum zwischen 1880 und 2011 hinsichtlich der verschiedenen Sprachgruppen auf:

Abb. 2: Entwicklung der Südtiroler Bevölkerung zwischen 1880 und 2011 nach Sprachgruppen (Abbildungsquelle: Südtirol in Zahlen 2016: 19)

Interessant ist Abb. 2 vor allem in Bezug auf die Entwicklung der deutschen und italienischen Sprachgruppe in Südtirol. Generell war die deutschsprachige Gruppe stets deutlich größer als die italienischsprachige Gruppe. Auffällig ist jedoch der Zeitraum zwischen 1921 und 1961, in welchem die Anzahl der Italienischsprecher in Südtirol um circa 100.000 Sprecher gestiegen ist, während sich die deutsche Sprachgruppe im selben Zeitraum lediglich um etwa 40.000 Sprecher vergrößerte. Außerdem verzeichnete die deutsche Sprachgruppe im Jahr 1921 seinen niedrigsten Wert im gesamten 20. Jahrhundert: In diesem Jahr wurden 193.271 Sprecher gezählt, circa 30.000 weniger als im Jahr 1910. Außerdem ist im Zeitraum zwischen 1971 und 2001 die Anzahl der Italienischsprecher stetig gesunken, seit 2001 jedoch wieder angestiegen. Die deutsche Sprachgruppe hingegen ist seit 1961 stets gewachsen, die ladinische Sprachgruppe wächst seit 1910 kontinuierlich (vgl. Südtirol in Zahlen 2016: 19). 

2.1.2. Gesetzeslage

Die europäischen Minderheiten sind Inhalt zahlreicher Erklärungen und Dokumente, die von diversen europäischen Institutionen ausgearbeitet wurden. Zu diesen gehören die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, das Rahmenabkommen zum Schutz nationaler Minderheiten, der Bozner Entwurf, die Charta gentium et regionum sowie das Paket für Europa5Für eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte dieser Dokumente siehe Egger 2001: 19-23.. Diese Dokumente befassen sich, grob gesagt, mit „den Rechten der Minderheiten, um ihre Existenz und Förderung zu sichern“ (Egger 2001: 23). Jedoch müssen die eben aufgezählten Dokumente „jeweils erst durch innerstaatliche Gesetze zur Rechtsnorm erhoben werden“ (Egger 2001: 23), damit die in diesen Dokumenten festgesetzten Punkte in einem Staat als verbindlich gelten und beispielsweise vor einem Gericht eingeklagt werden können (vgl. Egger 2001: 19-23). 

Bezüglich der gesetzlichen Regelungen zum Status’ und zur Verwendung des Italienischen sowie der Minderheitensprachen Italiens6Da im Rahmen dieser Arbeit v.a. das Deutsche und Italienische in Südtirol bzw. Bozen relevant sind, wird das Ladinische in den folgenden Absätzen lediglich beiläufig behandelt. sind vor allem auch das italienische Verfassungsrecht sowie das Südtiroler Autonomiestatut zu erwähnen.

Das Italienische wurde erst im Jahr 1999 mit dem Gesetz 482 des italienischen Verfassungsrechts offiziell als die Staatssprache Italiens bestimmt. In diesem Gesetz werden zudem die zwölf Minderheiten aufgezählt (darunter die deutsche sowie die ladinische Minderheit), deren Sprache und Kultur unter dem Schutz der Republik Italien stehen (vgl. Risse 2013: 23f).

Auf Initiative des Landes Österreich hin, welches als „Schutzmacht“ Südtirols fungierte, führten Italien und Österreich in den 1960er Jahren Gespräche bezüglich verschiedener „Maßnahmen zum besseren Schutz der Südtiroler“ (Arntz 1998: 24). Zu diesen vereinbarten Maßnahmen gehörte auch das sogenannte Autonomiestatut aus dem Jahr 19727Auf die historischen Hintergründe hierzu wird in Kapitel 3.7 eingegangen., welches von besonderer Bedeutung ist (vgl. Arntz 1998: 23f).

Wichtige Artikel dieses Autonomiestatuts sind vor allem die Artikel 99 und 100, die die Gleichstellung des Deutschen und Italienischen in Südtirol regeln (vgl. Arntz 1998: 24). Diese Artikel lauten wie folgt:

99. Die deutsche Sprache ist in der Region der italienischen Sprache, die die amtliche Staatssprache ist, gleichgestellt. In den Akten mit Gesetzeskraft und immer dann, wenn dieses Statut eine zweisprachige Fassung vorsieht, ist der italienische Wortlaut maßgebend.

100. Die deutschsprachigen Bürger der Provinz Bozen haben das Recht, im Verkehr mit den Gerichtsämtern und mit den Organen und Ämtern der öffentlichen Verwaltung, die ihren Sitz in der Provinz haben oder regionale Zuständigkeit besitzen, sowie mit den Konzessionsunternehmen, die in der Provinz öffentliche Dienste versehen, ihre Sprache zu gebrauchen. 

(Autonome Provinz Bozen-Südtirol: Das neue Autonomiestatut 142009: 101f)

Aufgrund dieser festgelegten Gleichstellung des Deutschen und Italienischen sind die deutschsprachigen Südtiroler beispielsweise berechtigt, die Kommunikation mit Gerichten und der Verwaltung in der eigenen Sprache zu führen (vgl. Arntz 1998: 25).

In Artikel 19 des Autonomiestatus wird zudem die Sprache des Schulunterrichts in Südtirol geregelt. Dieser Artikel besagt, dass die Schüler das Recht haben, Schulunterricht in ihrer eigenen Muttersprache zu erhalten. Infolgedessen werden die italienischsprachigen und deutschsprachigen Schüler Südtirols an getrennten, jeweils einsprachigen Schulen unterrichtet8Im Gegensatz dazu werden die ladinischsprachigen Schüler Südtirols an dreisprachigen Schulen unterrichtet (vgl. Arntz 1998: 26). (vgl. Arntz 1998: 25).

Aufgrund dieser gesetzlichen Lage ist der Staat zum einen dazu veranlasst, „ein entsprechendes Schulangebot zur Verfügung zu stellen“ (Arntz 1998: 25) und zum anderen „für angemessene Mehrsprachigkeit seiner Organe Sorge zu tragen“ (Arntz 1998: 25). Um diese letztgenannte Pflicht zu erfüllen, werden die Arbeitsplätze in der Südtiroler Verwaltung mittels einer Proporzregelung vergeben: Dieser Regelung gemäß werden „die einzelnen Sprachgruppen entsprechend ihrem jeweiligen Anteil an der Gesamtbevölkerung bei der Besetzung von Stellen berücksichtigt“ (Arntz 1998: 27). Im Rahmen der Volkszählungen ist es daher notwendig, sich als „Mitglied“ einer der drei Sprachgruppen, Deutsch, Italienisch und Ladinisch, zu erklären. Zudem ist jeder potenzielle Mitarbeiter der Verwaltung zur Teilnahme an der Zwei- bzw. Dreisprachigkeitsprüfung verpflichtet. Mittlerweile ist es aber auch durchaus üblich, für eine Anstellung außerhalb der öffentlichen Verwaltung eben erwähnte Prüfung bestehen zu müssen (vgl. Arntz 1998: 25-28).

Kurt Egger beschreibt den Umgang mit Minderheiten in Italien insgesamt wie folgt: „Südtirol wird vielfach als ein gelungenes Modell für die Lösung von Sprach- und Volksgruppenkonflikten gesehen“ (Egger 2001: 13).

2.2. Die Stadt Bozen

2.2.1. Lage und Gliederung der Stadt

Die Stadt Bozen ist in etwa am Zusammenfluss von Etsch, Eisack und Talfer in einem Talkessel im südlichen Südtirol zu verorten. Bozen liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Trient sowie 120 Kilometer südlich von Innsbruck. Diese beiden Städte stellen die der Stadt Bozen am nächstgelegenen Großstädte dar (vgl. Wikipedia-Eintrag „Bozen“).

Nachstehende Karte veranschaulicht die Lage Bozens im Norden von Italien:

Abb. 3: Lage der Stadt Bozen im nördlichen Italien (Abbildungsquelle: Stepmap-Karte „Bozen“)

Folgende Gemeinden umgeben das Stadtgebiet Bozens als direkte Nachbargemeinden (vgl. Wikipedia-Eintrag „Bozen“):

  • südlich von Bozen: Deutschnofen, Leifers und Pfatten
  • westlich von Bozen: Eppan und Terlan
  • nördlich von Bozen: Ritten und Jenesien
  • östlich von Bozen: Karneid

Die Stadt Bozen ist in fünf Stadtteile eingeteilt: Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Gries-Quirein, Europa-Neustift, Don Bosco sowie Oberau-Haslach (vgl. Wikipedia-Eintrag „Bozen“). Die jeweilige Lage der fünf Stadtteile in Bozen wird auf folgender Abbildung veranschaulicht.

Abb. 4: Stadtteile von Bozen (Abbildungsquelle: Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 11)

Die vorangegangene Abb. 4 zeigt, dass der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch den Osten der Stadt umfasst. Gries-Quirein liegt im Norden bzw. Nordwesten Bozens, südlich davon liegen der Stadtteil Don Bosco sowie, im zentralen Stadtgebiet, der Stadtteil Europa-Neustift. Oberau-Haslach erstreckt sich vom Zentrum des Stadtgebiets in Richtung Süden/Südwesten.

Die Gesamtfläche des Bozner Stadtgebiets beträgt 52,34 km2. Den größten Anteil an dieser Fläche – das wird auch aus Abb. 4 ersichtlich – hat der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch während Europa-Neustift der flächenmäßig kleinste Bozner Stadtteil ist9Die jeweiligen Flächen der Bozner Stadtteile im Einzelnen: Zentrum-Bozner Boden-Rentsch 22,81 km2, Oberau-Haslach 10,92 km2, Europa-Neustift 0,84 km2, Don Bosco 4,28 km2, Gries-Quirein 13,46 km2 (vgl. Bozen 2016. Die Stadt in Zahlen: 2) (vgl. „Bozen 2016. Die Stadt in Zahlen“: 2).

Auf demografische Daten zu den einzelnen Stadtteilen, wie beispielsweise auf die jeweilige Einwohnerzahl der Stadtteile, wird im folgenden Kapitel eingegangen. 

2.2.2. Demografische Daten zur Stadt Bozen

Der amtlichen Bevölkerungsstatistik der Stadt Bozen zufolge, zählt Bozen im Jahr 201510Stichtag 31.12.2015. offiziell 106.441 Einwohner. Die Bozner Bevölkerung hat damit einen Anteil von 20,4% an der Einwohnerzahl von ganz Südtirol11Informationen der ASTAT zufolge, ist Bozen (im Jahr 2015) damit die einwohnerreichste Gemeinde Südtirols. Die Stadt Meran ist im selben Jahr mit 39.462 Einwohner die Südtiroler Stadt mit den zweitmeisten Einwohnern (vgl. Südtirol in Zahlen 2016: 10-12) (vgl. Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 10).

Folgende Karte visualisiert die Entwicklung Südtirols und der Städte Bozen, Meran und Brixen bezüglich ihrer jeweiligen Einwohnerzahl im Zeitraum zwischen 1754 und 2011:

Abb. 5: Einwohnerzahlen Südtirols und der Städte Bozen, Meran und Brixen im Zeitraum zwischen 1754 und 2011 (Abbildungsquelle: Südtirol in Zahlen 2016: 8)

Im Zusammenhang mit dieser Arbeit sind vor allem die Angaben zur Stadt Bozen relevant. Generell zeigt diese Aufstellung, dass die Bevölkerung von Bozen stetig gewachsen und sich lediglich zwischen 1981 und 2001 verringert hat. Von besonderem Interesse ist hierbei die Entwicklung der Einwohnerzahlen zwischen 1931 und 1951: In diesem Zeitraum hat sich die Bozner Bevölkerung beinahe verdoppelt (vgl. Südtirol in Zahlen 2016: 8). Diese Entwicklung der Bozner Bevölkerung in den Jahren 1931 bis 1951 lässt sich vor allem mit der Politik des faschistischen Regimes begründen, auf welche in Kapitel 3.4 eingegangen wird.

Hinsichtlich demografischer Daten zur Stadt Bozen ist zudem die Größe der jeweiligen Sprachgruppen Italienisch, Deutsch und Ladinisch interessant. Wie unter Punkt 2.1.1 bereits erwähnt, ist Südtirol durch eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung charakterisiert. Bezüglich der Bozner Bevölkerung zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Im Jahr 2011 machte in der Stadt Bozen die italienische Sprachgruppe 73,80%, die deutsche Sprachgruppe 25,52% sowie die ladinische Sprachgruppe 0,68% aus (vgl. Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 83). Die italienische Sprachgruppe ist in der Stadt Bozen demnach die am stärksten vertretene Sprachgruppe, gefolgt von der deutschen Sprachgruppe, welcher lediglich ein Viertel der Bozner Bevölkerung angehört. 

Folgende Tabelle stellt die Zahl der Einwohner Bozens und des wenige Jahre später eingemeindeten Gries – aufgeteilt nach den drei „großen“ Sprachgruppen – gemäß der Volkszählung von 1921 dar (vgl. Delle Donne 2004: 93):

  Bozen Gries
deutschsprachig 12.977 4.444
italienischsprachig 6.332 1.343
ladinischsprachig 156 37
andere Sprachen 5.850 1.673
Gesamt 25.315 7.497

Abb. 6: Einwohner Bozens und Gries’ nach Sprachgruppen gemäß der Volkszählung von 1921 (vgl. Delle Donne 2004: 93)

Die Zahlen in Abb. 6 zeigen, dass die deutsche Sprachgruppe sowohl in Bozen als auch im später eingemeindeten Gries im Jahr 1921 jeweils die mit Abstand am stärksten vertretene Gruppe war, während die italienische Sprachgruppe die zweitgrößte Gruppe darstellte (vgl. Delle Donne 2004: 93). Dieses mengenmäßige Verhältnis steht in einem deutlichen Gegensatz zu den gerade erläuterten Einwohnerzahlen Bozens nach Sprachgruppe aus dem Jahr 2011, in welchem die italienischsprachigen Einwohner Bozens klar dominierten und die deutsche Sprachgruppe die zweitgrößte Gruppe darstellte. Auf die Gründe für diesen Wandel wird im dritten Kapitel dieser Arbeit eingegangen.

Hinsichtlich der Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte je Stadtteil im Jahr 2015 ist folgende Grafik aufschlussreich:

Abb. 7: Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte je Stadtteil (Stichtag 31.12.2015) (Abbildungsquelle: Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 13)

Die meisten Bozner Einwohner wohnen in den Stadtteilen Gries-Quirein und Don Bosco. Danach folgen (in einem relativ großen Abstand) die Stadtteile Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie Europa-Neustift. Hinsichtlich seiner Bewohnerzahl ist Oberau-Haslach der kleinste Stadtteil Bozens. Die höchste Bevölkerungsdichte weist Europa-Neustift auf, während der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch die geringste Bevölkerungsdichte vorzuweisen hat (vgl. Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 11-13).

Mit 14,4 Prozent der Bozner Bevölkerung sind 15.380 der in der Stadt Bozen im Jahr 2015 gemeldeten Personen Ausländer. Der Ausländeranteil ist im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch mit 19 Prozent am höchsten, während er mit 9,8 Prozent in Don Bosco am niedrigsten ist (vgl. Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 40f). Einen genauen Überblick über den Anteil der ausländischen Einwohner je Stadtteil gibt folgende Grafik:

Abb. 8: Anteil ausländischer Einwohner je Stadtteil (Stichtag 31.12.2015) (Quelle: Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 41)

Die in Bozen wohnenden Ausländer stammen aus insgesamt 120 unterschiedlichen Herkunftsländern, wobei die „Top 10“ dieser Herkunftsländer sich wie folgt gestaltet (vgl. Auswertung der Stadt Bozen zur „Bevölkerungsentwicklung und –struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel 2016“: 44):

  1. Albanien: 2.564 Einwohner – 16,7%12Die Prozentangabe versteht sich in dieser gesamten Auflistung als der Anteil der Bozner Einwohner dieses Herkunftslandes an der Gesamtanzahl aller ausländischen Einwohner Bozens.
  2. Marokko: 1.670 Einwohner – 10,9%
  3. Pakistan: 1.122 Einwohner – 7,3%
  4. Rumänien: 1.048 Einwohner – 6,8%
  5. Ukraine: 724 Einwohner – 4,7%
  6. China: 703 Einwohner – 4,6%
  7. Moldawien: 670 Einwohner – 4,4%
  8. Deutschland: 582 Einwohner – 3,8%
  9. Peru: 556 Einwohner – 3,6%
  10. Bangladesch: 466 Einwohner – 3,0%

Auf die ausländische Bevölkerung Bozens als ein möglicher Grund für die Gestalt der Linguistic Landscape der Stadt wird im Kapitel 8.2 eingegangen.

2.3. Tourismus in Bozen

Erwähnenswert ist bezüglich der Provinz Südtirol und der Stadt Bozen auch der Tourismus, der dort eine bedeutende Rolle spielt. Im Folgenden werden aus diesem Grund einige interessante Daten und Fakten hierzu dargestellt.

Eine Erhebung der ASTAT zum Tourismusjahr 2016 ergab, dass in Bozen im genannten Jahr insgesamt 3.542 Gästebetten im Fremdenverkehr zur Verfügung standen. Auf einer Skala, die alle 118 Südtiroler Gemeinden der Gästebettenanzahl nach absteigend auflistet, liegt die Stadt Bozen damit auf Platz 20. Die Gemeinde Kastelruth belegt in dieser Skala Platz 1 und bot im Jahr 2016 knapp 8.800 Gästebetten an. Insgesamt kam die Provinz Südtirol auf circa 220.000 Gästebetten (vgl. ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Betten“).

Für das Jahr 2016 konnten in der Stadt Bozen insgesamt 638.790 Übernachtungen erfasst werden (vgl. ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Übernachtungen“). Hiervon entfallen 408.414 Übernachtungen, also knapp zwei Drittel aller Übernachtungen, auf ausländische Gäste (vgl. ASTAT-Statistikatlas, Unterpunkt „Übernachtungen Inländer/Ausländer“).

Bezüglich dieser Statistiken zum Tourismus in Bozen darf nicht vergessen werden, dass Bozen selbstverständlich auch ein attraktives Reiseziel für diejenigen Touristen darstellt, die nicht in der Stadt selbst, sondern beispielsweise in einer der umliegenden Gemeinden, die ebenfalls vom Tourismus geprägt sind, ihre Unterkunft haben. Daher kann man vermutlich davon ausgehen, dass die Zahl der Bozen-Touristen sich nicht allein aus der Anzahl der in Bozen übernachtenden Gäste ergibt, sondern durch Touristen der anderen Gemeinden, Städte oder Regionen noch einmal weiter ansteigt. 

Im Jahr 2015 konnten in der Provinz Südtirol insgesamt 20.080.507 Übernachtungen von ausländischen Touristen gezählt werden. Folgende Liste zeigt, wie sich diese Zahl auf die Übernachtungen der ausländischen Gäste eines bestimmten Herkunftslandes aufteilt (vgl. Statistisches Jahrbuch 2016, Kapitel „Tourismus“: 437):

  1. Deutschland: 14.378.294 Übernachtungen
  2. Schweiz und Liechtenstein: 1.454.231 Übernachtungen
  3. Österreich: 901.497 Übernachtungen
  4. Niederlande: 551.419 Übernachtungen
  5. Belgien: 374.575 Übernachtungen
  6. Polen: 291.603 Übernachtungen
  7. Tschechische Republik: 288.949 Übernachtungen
  8. Vereinigtes Königreich: 234.273 Übernachtungen
  9. Andere Länder: 1.605.666 Übernachtungen

Die Aufstellung zeigt, dass die meisten der ausländischen Touristen in Südtirol aus Deutschland, der Schweiz, Lichtenstein und Österreich stammen. Einen großen Anteil machen zudem auch die niederländischen und belgischen Touristen sowie osteuropäische Touristen aus Polen und der Tschechischen Republik aus. Südtirol ist dementsprechend Reiseziel für Touristen aus verschiedensten Herkunftsländern (vgl. Statistisches Jahrbuch 2016, Kapitel „Tourismus“: 437).

 

3. Geschichte (Süd)tirols und Bozens im 20. Jahrhundert

Da in dieser Arbeit der Fokus auf der Sprachsituation in Bozen liegt, wird im folgenden Kapitel vor allem auf diejenigen geschichtlichen Ereignisse, Etappen und Phasen eingegangen, die für die Entstehung des aktuellen, mehrsprachigen Bozens (siehe hierzu auch Kapitel 2.1 und 2.2.2 dieser Arbeit) von besonderer Bedeutung waren. Detailliert erläutert wird dementsprechend die Geschichte Südtirols des 20. Jahrhunderts und hierbei vorrangig die Annexion Südtirols durch Italien, die Entnationalisierung und Italianisierung Südtirols sowie die Annäherung der verschiedenen Sprachgruppen in der Nachkriegszeit. Darüber hinaus wird im folgenden ersten Unterpunkt dieses Kapitels auch kurz auf die Gründung Bozens und einige bedeutende Ereignisse in der Geschichte der Stadt vom 13. bis 19. Jahrhundert eingegangen.

3.1. Kurzer historischer Überblick: Stadtgründung und die Stadt Bozen im 13. bis 19. Jahrhundert

Die wichtigsten Etappen in der Geschichte Bozens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

Bozen wurde im 12. Jahrhundert von den Trientiner Bischöfen als Marktsiedlung gegründet – in dieser Zeit gewann Tirol (im Kampf mit den Bischöfen von Trient) die Vorherrschaft über Bozen. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Bozen zum Zentrum der Politik und Wirtschaft der Tiroler Grafschaft weiterentwickelt. Diese Entwicklung und die damit einhergehende Bedeutungssteigerung Bozens setzte sich fort: Unter anderem durch die stetige Zuwanderung aus dem süddeutschen und österreichischen Raum im 16. und 17. Jahrhundert entstand „in Bozen eine hochgradig spezialisierte Handwerker- und Händlerkultur“ (Obermair 2005: o.S.). Claudia de Medici ließ 1633/35 schließlich das sogenannte Merkantilmagistrat errichten, welches eine Art Handelsgericht darstellte (vgl. Obermair 2005: o.S.). 

Das 19. Jahrhundert war ein weiteres wichtiges Jahrhundert in der Geschichte Bozens, das an dieser Stelle kurz erwähnt werden soll. Zu dessen Anfang ging Tirol (und damit auch Bozen) nach der Schlacht von Austerlitz an Max Joseph von Bayern, der wiederum mit den Franzosen verbündet war, über. Wenig später annektierte Napoleon I., in dieser Zeit französischer Kaiser und italienischer König, den Süden Tirols und machte diesen zu einem Teil des italienischen Königreichs. Es entstand eine neue Provinz, die im Italienischen die Bezeichnung „Dipartimento dell’Alto Adige“ trug und dessen Hauptstadt Trient war. Mit dem Ende der Regentschaft von Napoleon I. fiel Tirol wenige Jahre später jedoch wieder an die Habsburger zurück (vgl. Petri 1989: 19-23).

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bozner Handelssektor in Europa weitaus unbedeutender als in den vorangegangenen Jahrhunderten. Dieser Bedeutungsverlust lässt sich auch mit dem Bau der Eisenbahnlinie Mailand-Venedig-Triest erklären, durch den Bozen seine „funzione mediatrice del traffico commerciale tra l’area italiana e quella mitteleuropea“ (Petri 1989: 27), also seine Vermittlerrolle im Handel zwischen Italien und Mitteleuropa, verlor (vgl. Petri 1989: 27). Unter anderem mit dem Bau der Eisenbahnlinie Innsbruck-Bozen gewann jedoch der Tourismussektor stetig an Bedeutung (vgl. Petri 1989: 33). 

Diese Entwicklung des Tourismussektors beschränkte sich im Übrigen nicht nur auf die Stadt Bozen. Bedingt durch die „Erschließung der Bergwelt“ (Fontana et al. 1987: 179) wurde Tirol als Ziel deutscher und österreichischer Touristen zunehmend beliebter. Vor allem in den Dolomiten, dem Hochpustertal und rund um dem Ortler entwickelten sich wichtige touristische Zentren. Der Tourismus wurde für viele Bauern, die auch als Fremdenführer oder Wirte arbeiteten, zu einer nicht zu verachtenden Einkommensquelle (vgl. Fontana et al. 1987: 179). 

Zudem wurde Gries, damals noch eine eigenständige Gemeinde, „zu einem Klimakurort ersten Ranges“ (Fontana et al. 1987: 45), der bald auf einer Stufe mit hochangesehenen Kurorten, wie beispielsweise Meran, stand und vor allem von österreichischen, deutschen, russischen und englischen Gästen höherer gesellschaftlicher Schichten besucht wurde (vgl. Fontana et al. 1987: 45f).

3.2. Italien und Südtirol im Ersten Weltkrieg und der Geheimvertrag von London

Am 26. April 1915 wird zwischen Italien und den Westmächten der sogenannte Londoner Geheimvertrag geschlossen. Dieser Vertrag enthielt eine Zusicherung von „Gebiete[n] wie Südtirol, die für Italien strategisch, wirtschaftlich und expansionistisch von Bedeutung waren“ (Mittermaier 1986: 19) und die Italien teilweise zuvor bereits mehrfach von Österreich eingefordert hatte. Im Gegenzug dazu versicherte Italien mit diesem Vertrag gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und Russland gegen Österreich-Ungarn und Deutschland zu kämpfen (vgl. Mittermaier 1986: 19f). 

Karl Mittermaier fasst die Bedeutung dieses Vertrags für die daran beteiligten Parteien wie folgt zusammen:

Für Italien bedeutete dieser Vertrag, daß es nun endlich von den europäischen Großmächten ernst genommen wurde, daß es voll akzeptiert an ihrer Seite kämpfen konnte, um der italienischen Nation Ruhm zu verschaffen und den Staat territorial zu vergrößern. Für Frankreich und England bedeutete ein Kriegseintritt Italiens, daß Österreich-Ungarn im Süden einer zusätzlichen Offensive ausgesetzt war. (Mittermaier 1986: 20)

Am 23. Mai 1915 folgte Italiens Kriegserklärung an Österreich-Ungarn und Italien trat somit in den ersten Weltkrieg ein. Ein knappes Jahr später, am 28. August 1916, erklärten die Italiener schließlich auch Deutschland den Krieg (vgl. Mittermaier 1986: 22). 

3.3. Die Annexion Südtirols durch Italien

Nach der Verständigung über einen Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und Italien im November 1918 wurde Südtirol durch die Truppen Italiens besetzt. Jeglicher Kontakt und Verkehr zwischen Südtirol und Österreich sowie dem weiteren Ausland wurde gestoppt, die Presse wurde zensiert, Post von und nach Südtirol wurde zensiert und in vielen Fällen erst gar nicht an die Empfänger ausgetragen. Bald wurden zudem österreichische Offizielle durch eine italienische Verwaltung abgelöst (vgl. Steininger 2003: 9f).

Österreich hatte schließlich keine Chance mehr, Südtirol zu halten: „In Saint Germain wurde inzwischen nicht mehr verhandelt, sondern diktiert“ (Steininger 2003: 10). Gemäß den Abmachungen, welche im Londoner Geheimvertrag getroffen wurden, wurde Südtirol am 2. September 1919 durch den Vertrag von Saint Germain den Italienern zugesprochen. Ein (wie auch immer gearteter) Schutz der Südtiroler Minderheit oder gar eine Form von Autonomie der Südtiroler in Italien war dabei nicht vorgesehen (vgl. Steininger 2003: 10).

Mittels der Abstimmung der Nationalversammlung in Wien vom 6. September 1919 wurde schließlich beschlossen, den Vertrag von Saint Germain zu akzeptieren, der dementsprechend wenige Tage später vom damaligen österreichischen Bundeskanzler Karl Renner unterschrieben wurde. Am 10. Oktober 1920 folgte schließlich die offizielle Annexion Südtirols durch Italien: Südtirol war nun nicht mehr österreichisch, sondern fortan italienisch (vgl. Steininger 2003: 10f).

3.4. Die Entnationalisierung und Italianisierung Südtirols unter den Faschisten 

In diesem Kapitel wird auf die Entnationalisierung und Italianisierung Südtirols unter dem faschistischen Regime eingegangen, unter Punkt 3.4.1 zunächst auf das Entnationalisierungsprogramm der Faschisten, in den Kapiteln 3.4.2 bis 3.4.4 auf die Umsetzung dieses Programms sowie auf weitere, mit diesem Programm in Zusammenhang stehende Maßnahmen. Das Umsiedlungsabkommen zwischen Mussolini und Hitler sowie die sogenannte „Option“, die in einem Zusammenhang mit dem Entnationalisierungs- und Italianisierungsplan der Faschisten stehen, werden in Kapitel 3.4.5 erläutert.

3.4.1. Ettore Tolomeis Entnationalisierungsprogramm

Ab Oktober 1922 übernahmen die Faschisten die Macht in Italien. Unter der Führung Benito Mussolinis entstand ein diktatorisches Italien: Der „Partito Nazionale Fascista“ (kurz PNF), also die Nationale Faschistische Partei, war ab 1928 die einzige Partei im Parlament Italiens und baute nach und nach, zum Beispiel durch ein Versammlungs-, Presse- und Streikverbot, das demokratische Italien ab (vgl. Mittermaier 1986: 30). 

Die Hoffnung der Südtiroler auf Autonomie wurde mit dem Beginn des neuen faschistischen Regimes in Italien zerschlagen. Die bestehenden Freiheiten und Rechte der Südtiroler sollten in den folgenden Jahren vielmehr drastisch eingeschränkt bzw. abgeschafft werden. So gab Ettore Tolomei13Der nationalistische Ettore Tolomei spielt in in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: Dessen Hauptziele waren es nämlich, Südtirol endgültig an Italien anzuschließen und das, seiner Meinung nach eigentlich italienische Südtirol, wieder zu italianisieren (vgl. Steininger 2003: 16). im Jahr 1923 die entsprechenden Maßnahmen bekannt, durch welche Südtirol von Grund auf entnationalisiert werden sollte (vgl. Mittermaier 1986: 33). 

Tolomeis Entnationalisierungsprogramm14Eine Auflistung aller 32 Maßnahmen findet sich in Steininger 2003: 19f. sah – und die folgenden sind nur einige wenige der insgesamt 32 aufgelisteten Maßnahmen – die Gründung einer Provinz, bestehend aus Alto Adige und dem Trentino mit Trient als deren Hauptstadt, ein Verbot diverser nicht-italienischer Vereine und Einrichtungen (z.B. deutsche Banken) sowie die Kündigung oder Versetzung deutscher Beamter vor (vgl. Steininger 2003: 19f). Zudem sollten deutsche Orts- und Familiennamen durch italienische ersetzt, das Italienische zur in den Verwaltungen, vor Gericht und in den Schulen verwendeten Sprache gemacht, das Denkmal zu Ehren von Walther von der Vogelweide entfernt sowie die Zuwanderung von Italienern gefördert werden. Die angekündigten Maßnahmen wurden in den anschließenden Jahren etappenweise in die Tat umgesetzt (vgl. Steininger 2003: 19f) – die konkrete Umsetzung dieser vier (im vorangegangenen Satz) erwähnten Ziele und Maßnahmen zur Entnationalisierung und Italianisierung Südtirols werden in den folgenden Kapiteln 3.4.2 bis 3.4.4 erläutert. 

Steininger resümiert zu Tolomeis Programm zur Entnationalisierung Südtirols: „Die Maßnahmen des faschistischen Programms berührten jeden Bereich der Südtiroler Gesellschaft“ (Steininger 2003: 21).

3.4.2. Italienische Orts- und Familiennamen sowie das Italienische in Verwaltungen, bei Gericht und in Schulen

Ab April des Jahres 1923 ersetzte man die deutschen Ortsnamen in Südtirol durch italienische15Zum Vorgehen bei der Italianisierung der deutschen Ortsnamen siehe Mittermaier 1986: 39.. Im August desselben Jahres trat das Verwendungsverbot der Bezeichnung „Tirol“ und ihrer Ableitungen (wie zum Beispiel „Südtiroler“ oder „Tiroler“) in Kraft. Im Oktober 1923 folgte ein Gesetz zur Verwendung „der italienischen Sprache in der öffentlichen Verwaltung auf Staats-, Provinz- und Gemeindeebene“ (Steininger 2003: 23) sowie ein Gesetz zu jeglichen Aufschriften, z.B. in Fahrplänen, auf Plakaten oder auf Landkarten, die künftig auf Italienisch zu verfassen waren und die die italienischen anstatt der deutschen Ortsnamen enthalten mussten (vgl. Steininger 2003: 22-24). 

Mit dem sogenannten „Lex Gentile“, welches am 1. Oktober 1923 erlassen wurde und dessen Benennung auf Giovanni Gentile, Unterrichtsminister unter Mussolini, zurückzuführen ist, wurde das Deutsche etappenweise aus dem Schulunterricht verbannt. Hierzu wurden italienische Lehrkräfte nach Südtirol versetzt und ab 1928 wurde dann ausschließlich das Italienische als Schulsprache verwendet (vgl. Steininger 2003: 26). 

Jeder Südtiroler Lehrer, der seinen Arbeitsplatz nicht verlieren wollte, war dazu verpflichtet, eine Sprachprüfung abzulegen, um zu zeigen, dass man über die entsprechenden Italienischkenntnisse verfügte und somit qualifiziert war, Schulunterricht in italienischer Sprache durchzuführen. Di Michele zufolge wurde mittels dieser Sprachprüfung aber schon bald eher die politische Orientierung der Lehrerkräfte anstatt deren Italienischkenntnisse getestet (vgl. Di Michele 2008: 159f).

Südtiroler Lehrer, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr an den Südtiroler Schulen unterrichten durften, wurden versetzt, entlassen oder zwangspensioniert (vgl. Di Michele 2008: 162).

Andrea di Michele fasst die Bedeutung der Italianisierung der Südtiroler Schulen wie folgt zusammen:

Dem faschistischen Regime gelang es durch dieses Maßnahmenbündel, die Südtiroler Lehrerschaft binnen weniger Jahre drastisch zu italianisieren; wohl in keinem anderen Bereich dürfte es in den frühen Zwanzigerjahren zu ähnlich einschneidenden personellen „Säuberungen“ durch das Regime gekommen sein wie im Schulsektor. (Di Michele 2008: 163)

Eine Ausnahme stellte aber der Religionsunterricht an den Südtiroler Schulen dar, in welchem aufgrund der Initiative des Bischofs von Brixen das Deutsche noch als Unterrichtssprache verwendet werden durfte. Erst 1925 wurde auch der Religionsunterricht schrittweise italianisiert. Mit der Erlaubnis des Vatikans im Jahr 1928 konnte schließlich jedoch „Pfarrunterricht in deutscher Sprache außerhalb der Schule“ (Steininger 2003: 27) erteilt werden (vgl. Steininger 2003: 27). 

Zur Bedeutung des Pfarrunterrichts bezüglich des Deutschen stellt Rolf Steininger fest: „Diesen Pfarrschulen (…) kommt für die Erhaltung der deutschen Sprache ein großes Verdienst zu“ (Steininger 2003: 27). 

Im Zusammenhang mit dem Italienischen als einzige Schulsprache an den Südtiroler Schulen ist auch noch zu erwähnen, dass die deutschen Kindergärten ebenfalls italianisiert wurden: Auf ein Dekret des Trentiner Schulamts aus dem Mai 1924 hin, war auch in den deutschen Kindergärten fortan das Italienischen anstatt des Deutschen zu verwenden (vgl. Steininger 2003: 26).

Im September 1925 wurde das Deutsche schließlich auch als Sprache bei Gericht abgeschafft und durch das Italienische ersetzt. So war es deutschsprachigen Richtern und Geschworenen nicht mehr möglich bzw. erlaubt, an Südtiroler Gerichten zu arbeiten. Bürger, die vor Gericht aussagen mussten, „wurden (…) vielfach zu falschen Aussagen gezwungen“ (Steininger 2003: 24), da viele von ihnen über keine oder lediglich rudimentäre Italienischkenntnisse verfügten. Die Missachtung dieser Vorschrift wurde durch Geldstrafen geahndet (vgl. Steininger 2003: 24).

Im Januar 1926 wurde per Dekret des Königs beschlossen, dass alle Familiennamen zu italianisieren waren. Die Übersetzungen wurden unter der Leitung von Professor Carlo Battisti vorgenommen. Die Familiennamen wurden in den meisten Fällen „wörtlich oder sinngemäß übersetzt“ (Mittermaier 1986: 40), sodass zum Beispiel aus „Müller“ der Name „Molinari“ gemacht wurde und „Haller“ mit „Alleri“ übersetzt wurde (vgl. Mittermaier 1986: 40).

3.4.3. Südtiroler und italienische Denkmäler

Ein weiterer Punkt in Tolomeis Maßnahmenkatalog war, wie bereits erwähnt, die Entfernung des Waltherdenkmals in Bozen. Jedoch fielen neben dem Waltherdenkmal noch weitere Denkmäler den Faschisten zum Opfer. Hierauf wird in diesem Kapitel eingegangen.

Aufgrund ihres immensen Symbolcharakters war im Zusammenhang mit der Italianisierung Südtirols die Bedeutung der Entfernung oder Vernichtung Südtiroler Denkmäler sowie die Errichtung von Denkmälern durch die Italiener nicht zu unterschätzen. Hierbei sind besonders das Waltherdenkmal, der Laurinbrunnen sowie auch das Bozner Museum zu erwähnen. Das sogenannte Waltherdenkmal war bzw. ist ein Monument zu Ehren des Dichters Walther von der Vogelweide. Da das Waltherdenkmal von den Faschisten als Symbol des Deutschen in Südtirol interpretiert wurde, wurde es im Jahre 1935 entfernt und in einem abgelegenen Park aufgestellt. Anfang der 1980er Jahre wurde das Denkmal allerdings wieder dorthin zurückgebracht, wo es ursprünglich platziert worden war (vgl. Steininger 2003: 36f). 

Auch im Laurinbrunnen, welcher die Legende um König Laurin und dessen Niederlage gegen den deutschen Dietrich darstellt, bzw. in der Figur des Dietrichs, sah Tolomei ein Symbol „für das Deutschtum, das den Italiener besiege“ (Steininger 2003: 37). Im Jahr 1933 wurde der Laurinbrunnen zerstört. Nach seiner Restaurierung in den 1980er Jahren steht der Laurinbrunnen heute vor dem Bozner Landhaus im Zentrum der Stadt (vgl. Steininger 2003: 37). 

Außerdem fiel auch das Bozner Museum den Faschisten zum Opfer. Gegründet im Jahr 1882 – unter anderem mit der Intention, die deutschen und tirolerischen Bräuche und Sitten Bozens zu dokumentieren – wurde das Museum 1918 von den Faschisten unter der Führung Ettore Tolomeis eingenommen. Man richtete dort das sogenannte „Kommissariat für die Sprache und Kultur des Oberetsch“ ein. Damit einher ging auch Tolomeis Forderung, das Bozner Museum zu italianisieren und so das dort (seiner Auffassung nach) herrschende Deutschtum zu vertreiben. 1934 wurde schließlich entschieden, den Turm des Museums zu entfernen (vgl. Steininger 2003: 37f). 

Steininger mutmaßt über die wahren Gründe für diesen Beschluss und sieht darin eine symbolträchtige Maßnahme „um die äußere Gestalt des Museums zu italianisieren: Im Mittelalter stutzten nämlich die siegreichen Familien die Türme der Unterlegenen“ (Steininger 2003: 38). 

Gleichzeitig errichteten die Faschisten auch neue, eigene, „italienische“ Denkmäler (vgl. Mittermaier 1986: 43). Mittermaier fasst deren Intention hierbei wie folgt zusammen:

Durch die Schaffung großer faschistischer Symbole sollte aller Welt der italienische Charakter Südtirols aufgezwungen werden, der Südtiroler selbst sollte überall mit faschistischen Merkmalen konfrontiert werden. (Mittermaier 1986: 43)

Im Zusammenhang mit der Errichtung faschistischer Denkmäler ist besonders das Siegesdenkmal in Bozen zu erwähnen. Das Siegesdenkmal, dessen erster Entwurf von Mussolini persönlich angefertigt wurde, wurde an der Talferbrücke errichtet, was als eine weitere Beleidigung der Südtiroler, der Deutschen sowie der Österreicher verstanden werden kann: Genau an dieser Stelle sollte eigentlich ein Monument für die sogenannten Kaiserjäger, welche im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren, errichtet werden. Nach der Zerstörung des Rohbaus dieses Kaiserjägermonumets, wurde im Juli 1926, unter anderem unter der Anwesenheit von König Viktor Emanuel III., schließlich der Grundstein für den Bau des Siegesdenkmals gelegt. Exakt zwei Jahre später wurde das Denkmal eingeweiht (vgl. Steininger 2003: 32f). 

Steininger erläutert zur Intention der Errichtung des Siegesdenkmals:

Das Denkmal sollte nicht nur den italienischen Sieg über den Feind jenseits der Alpen darstellen, Mussolini wollte auch ein Symbol für die von ihm vorangetriebene Italianisierung, das auch noch in die neue Stadtplanung in Bozen, die mit der Kolonisierung Südtirols einherging, eingebaut werden sollte.“ (Steininger 2003: 32)

Während einige Denkmäler der Faschisten nach 1945 (also nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Ende des faschistischen Regimes) zerstört wurden, steht das Siegesdenkmal noch heute genau dort, wo es von den Faschisten errichtet worden war. 1998 wurde jedoch im Gemeinderat der Stadt Bozen „mit großer Mehrheit – 34 Ja- gegen vier Nein-Stimmen – die Neugestaltung des Siegesdenkmals und des umliegenden Platzes“ (Steininger 2003: 34) vereinbart (vgl. Steininger 2003: 34).

3.4.4. Zuwanderung und Errichtung der Bozner Industriezone

Eine weitere Maßnahme, mit welcher das faschistische Regime versuchte, Südtirol zu italianisieren, war die Ansiedlung italienischsprachiger Arbeiter. Diese italienischen Zuwanderer kamen vorrangig aus der nahegelegenen Region Veneto sowie aus Belluno, Vicenza, Padua, Rovigo und Verona und darüber hinaus auch aus dem Friaul, der Lombardei und dem Trentino nach Bozen und wurden in der (auf die Bestrebungen Benito Mussolinis hin) neu errichteten Bozner Industriezone beschäftigt. Um die Industriezone zu verwirklichen und Unternehmen und Betriebe nach Bozen zu „locken“, um dort Niederlassungen zu errichten, stellte man per Dekret finanzielle Unterstützung und Erleichterungen unterschiedlicher Art in Aussicht. Auf eigentlich landwirtschaftlich genutztem Gebiet entstand ab Herbst 1935 die Industriezone, in der sich Unternehmen verschiedener Branchen, wie zum Beispiel ein Aluminium- oder ein Karosseriewerk, ansiedelten. Etwa im Jahr 1936 begann dann die Zuwanderung der in den Werken arbeitenden Italiener – ungefähr elf Jahre später, im Jahr 1947, verzeichnete man in der Industriezone von Bozen bereits 12.000 italienischsprachige Arbeiter (vgl. Steininger 2003: 38f).

Um Wohnraum für die Arbeiter und ihre Familien zu schaffen, wurde – zeitgleich mit der Errichtung des Industriegebiets – auf der anderen Seite des Eisacks, vis-a-vis des Industriegebiets, eine Siedlung mit kleinen Miethäusern, den sogenannten „Semirurali“, gebaut (vgl. Steininger 2003: 39).

Auf die Themen der Zuwanderung und des Semirurali-Viertels sowie auf deren Bedeutung für die Bozner Linguistic Landscape wird in Kapitel 8.4.2 noch detailliert eingegangen.

3.4.5. Das Umsiedlungsabkommen und die „Option“

In einem engen Zusammenhang (auf den im Folgenden noch eingegangen wird) mit der Entnationalisierung Südtirols bzw. der Südtiroler steht das deutsch-italienische Umsiedlungsabkommen und die darin vereinbarte „Option“ für die Südtiroler Bevölkerung. Dieses Abkommen wird nun in diesem Kapitel erläutert.

Vorab muss erwähnt werden, dass die nationalsozialistische Politik Hitlers in Südtirol bzw. bei den Südtirolern auf fruchtbaren Boden stieß, da das faschistische Regime den Südtirolern zunehmend das Leben erheblich erschwerte. So setzten die Südtiroler ihre Hoffnungen auf Deutschland, das zu Beginn der „Optionsphase“ im Jahr 1939 zum einen unter anderem bereits das Saargebiet zurückerobert und zum anderen Österreich angeschlossen hatte. Die Südtiroler vertrauten darauf, dass bald auch Südtirol zum Deutschen Reich gehören würde. In Südtirol wollte und konnte man derzeit nicht glauben oder verstehen, dass Hitler schon längst fest entschlossen war, von einer Annexion Südtirols abzusehen und den Brenner als Grenze zwischen dem Deutschen Reich und Italien zu akzeptieren. Diese Entscheidung wurde Mussolini von Hitler im Jahr 1938 noch einmal offiziell bestätigt (vgl. Steininger 1997: 372-374).

Das faschistische Regime, allen voran Ettore Tolomei, war sich lange Zeit sicher, dass die von ihnen im Entnationalisierungsprogramm aufgestellten und durchgeführten Maßnahmen sowie die Zuwanderung Italienischsprachiger hinsichtlich der angestrebten Italianisierung Südtirols erfolgreich sein würden. Als sich aber herauskristallisierte, dass der erhoffte Erfolg ausbleiben würde, begann man sich Gedanken über eine mögliche Umsiedlung der Südtiroler Bevölkerung zu machen (vgl. Mittermaier 1986: 52f).

Das deutsche, nationalsozialistische Regime und das italienische, faschistische Regime, teilten eine grundlegende Überzeugung: Es würde ermöglicht werden, „die Südtirolfrage durch Umsiedlung radikal und endgültig zu lösen“ (Steininger 1997: 377).

Nachdem Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen worden war, begann der Plan der Umsiedlung zu reifen: Nach diversen Verhandlungen, welche ab Frühjahr 1938 stattfanden, und nach einer im Juni 1939 in Berlin abgehaltenen Geheimkonferenz zur Umsiedlung, wurde am 21. Oktober 1939 zwischen der deutschen und der italienischen Führung schließlich das Abkommen zur schrittweisen Umsiedlung16Zu den Details des Dreistufenplans, also den vereinbarten Etappen der Umsiedlung, siehe Mittermaier 1986: 53. von in Südtirol ansässigen Reichsdeutschen und Volksdeutschen geschlossen. Zudem wurden die sogenannten „Richtlinien für die Rückwanderung der Reichsdeutschen und Umsiedlung der Volksdeutschen aus dem Alto Adige“ verabschiedet. Diese Richtlinien sahen unter anderem die verpflichtende Rückkehr aller Reichsdeutschen in das Deutsche Reich vor. Den Südtirolern (oder „Volksdeutschen“) überließ man selbst die Entscheidung, sie hatten gewissermaßen die „Option“: Entweder sprachen sie sich dafür aus, in Südtirol bzw. Italien zu verbleiben und zeigten „sich damit mit der italienischen Staatsform einverstanden“ (Mittermaier 1986: 54), oder sie entschieden sich für die deutsche Staatsbürgerschaft und die damit einhergehende bzw. verpflichtende Umsiedlung (vgl. Mittermaier 1986: 53f). 

Während „das Deutsche Reich auf eine hundertprozentige Option für Deutschland aus war“ (Mittermaier 1986: 55), strebte die italienische Regierung allerdings eine Umsiedlung von „nur“ 60 000 bis 80 000 Südtirolern und die parallele Umsiedlung einer gleich großen Zahl an Italienern nach Südtirol an. Als Italien die eben erwähnte Intention der Deutschen erkannte, begann man sogar damit, Maßnahmen zur „Gegenpropaganda“ (Mittermaier 1986: 55) zu starten. Eine komplette Umsiedlung aller Südtiroler war unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen für die Italiener undenkbar (vgl. Mittermaier 1986: 55).  

Im Zusammenhang mit dem Umsiedlungsabkommen ist auch die Rolle des sogenannten „Völkischen Kampfring Südtirols“ (kurz: VKS) zu erwähnen. Diese Bewegung formierte sich (noch unter der Bezeichnung „Südtiroler Heimatfront“) im Juni 1933. Deren Mitglieder waren Südtiroler Nationalsozialisten, die anfangs unter anderem die „Befreiung Südtirols“ (Steininger 1997: 373) sowie eine „großdeutsche Lösung“ anstrebten (vgl. Steininger 1997: 372f).

Bereits während der Verhandlungen über ein Umsiedlungsabkommen zwischen Mussolini und Hitler machte der KVS klar, dass er eine solche Maßnahme, trotz seiner Treue zu Hitler, nicht nachvollziehen könne und nicht unterstützen würde. Nach dem schlussendlichen Zustandekommen des Abkommens bekräftigte der KVS seine Meinung zwar noch einmal und stellte sich hiermit vorerst gegen Hitler. Kurze Zeit später änderte der KVS seinen Standpunkt allerdings komplett und erklärte die Bereitschaft der Südtiroler, ins Deutsche Reich auszuwandern. Hauptgrund für diesen kompletten Meinungswandel ist nach Steininger die sogenannte „sizilianische Legende“, also das von Generalkonsul Bene in Umlauf gebrachte Gerücht17Zum Urheber dieses Gerüchts schreibt Steininger: „Generalkonsul Bene hat demnach am 29. Juni als erster von einer möglichen Deportation gesprochen (…). Bene hat es geschickt verstanden, die Urheberschaft dieses Gerüchts zu verschleiern; tatsächlich wurde sie später fast ausschließlich Mastromattei zugeschrieben (…).“ (Steininger 1997: 381)., dass diejenigen, die sich gegen eine Umsiedlung ins Deutsche Reich entschieden, von den Italienern nach Süditalien zwangsumgesiedelt werden würden. Nach Rolf Steininger ist es durch Untersuchungen bewiesen, dass ein großer Teil der Südtiroler, die sich für die Option der Umsiedlung entschied, ihre Entscheidung wegen ebendiesem Gerücht traf (vgl. Steininger 1997: 380f). 

Der VKS betrieb in der Folge immense Propaganda um die Südtiroler dazu zu bewegen, ihre Entscheidung zugunsten der Umsiedlung zu treffen. Die wirksamsten Mittel waren dabei die bereits erwähnte „sizilianische Legende“ sowie das Versprechen, dass alle Optanten in ein geschlossenes Territorium umgesiedelt werden würden. Es herrschte ein „Propagandakrieg des VKS zwischen Gehern und Bleibern“ (Steininger 1997: 383f), in dem diejenigen, die sich für den Verbleib in Südtirol entschieden, an den Pranger gestellt und geächtet wurden (vgl. Steininger 1997: 382-384). 

Steininger zieht hierzu die Schlussfolgerung: „Das übelste Kapitel in der Geschichte Südtirols wurde von den Südtirolern selbst geschrieben!“ (Steininger 1997: 384).

Aber auch diejenigen Südtiroler, die sich entschieden hatten, nicht umzusiedeln, verstanden es, für den Verbleib in der Südtiroler Heimat Propaganda zu betreiben: Sie begründeten ihre Entscheidung mit ihrer Treue und Liebe zur Heimat. Außerdem versuchten sie, den Optanten die Inhalte der nationalsozialistischen Politik Hitlers zu verdeutlichen (vgl. Mittermaier 1986: 56).

Die Absicht des deutschen, nationalsozialistischen Regimes war es, die umzusiedelnden „Volksdeutschen“ in diejenigen Territorien zu schicken, die man in der Zukunft erobern wollte. Dazu gehörten Gebiete wie Polen oder auch die ehemalige Tschechoslowakei. Speziell für die Südtiroler Umsiedler, die man „in einem möglichst geschlossenen Gebiet anzusiedeln“ (Mittermaier 1986: 61) gedachte, entwickelte man immer wieder neue Pläne, die dann wieder verworfen oder abgelehnt wurden, wie beispielsweise eine Umsiedlung in das galizische Beskidengebiet, nach Burgund oder auf die Krim (vgl. Mittermaier 1986: 61f).

Anfang des Jahres 1940 wurden die Entscheidungen der Südtiroler bezüglich der Umsiedlung ausgewertet und veröffentlicht. Das finale Ergebnis variierte je nach Quelle, ein exaktes Endergebnis wurde nie bekannt. Folgende Tabelle zeigt die veröffentlichen Zahlen des VKS sowie die Ergebnisse, wie sie von den faschistischen Zeitungen verkündet wurden (vgl. Mittermaier 1986: 59):

  faschistische Zeitungen  VKS
Optanten 185.363 (≙ 69,4%) 194.748 (≙ 90,7%)
Nicht-Optanten  38.247 (≙ 14,3%)
Enthaltungen 43.626

Abb. 9: Optionsergebnisse18Anmerkungen zu den hier aufgelisteten Optionsergebnissen: In Mittermaier 1986: 59 werden keine Angaben zur vom VKS genannten Anzahl der „Dableiber“ und Enthaltungen gemacht. Es wird darüber hinaus nicht klar, ob die VKS diese Anzahl nicht genannt hat oder ob sie bei Mittermaier schlichtweg nicht genannt wird. (vgl. Mittermaier 1986: 59)

Obwohl die Wahlergebnisse, wie bereits erwähnt, erheblich variieren, so zeigen die Zahlen aus Abb. 9 dennoch, dass sich, zumindest den bereits genannten Quellen zufolge, ein Großteil der Südtiroler für eine Umsiedlung ins Deutsche Reich entschied (vgl. Mittermaier 1986: 59).

Auch die Anzahl derjenigen, die Italien tatsächlich verließen, ist nur schwer zu bestimmen. Mittermaier nennt hier eine Zahl von insgesamt ungefähr 75.000 Volksdeutsche, die umsiedelten (vgl. Mittermaier 1986: 60).

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowie dem Ende der faschistischen und nationalsozialistischen Regimes fand auch die Phase der Option und der Umsiedlung sein Ende. Da dann nur ein Teil derjenigen, die umsiedelten, nach Südtirol rücksiedelte, erlitt man in Südtirol einen bedeutenden Bevölkerungsverlust, der sich in der Folge in wirtschaftlicher Hinsicht bemerkbar machte (vgl. Mittermaier 1986: 62).

3.5. Südtirol unter den Nationalsozialisten

Der Südtiroler und norditalienische Raum wurde ab September 1943 von deutschen Truppen besetzt. Hitler ließ zudem im besetzen Gebiet Operationszonen errichten, darunter die sogenannte „Operationszone Alpenvorland“, die die Provinzen Bozen, Belluno und Trient umfasste. Die Bemühungen Franz Hofers, der als „Oberster Kommissar“ dieser gerade erwähnten Operationszone fungierte, Südtirol wieder an Tirol-Vorarlberg anzugliedern, wurden von Hitler, mit Mussolini verbündet, verhindert (vgl. Steininger 2003: 57).

Rolf Steiniger beschreibt die Folgen der Präsenz deutscher Truppen in Südtirol und die Errichtung der Operationszone wie folgt:

Auch wenn im Operationsgebiet die italienische Gebietshoheit und die Staatsgrenzen formell unangetastet blieben und die Lira gesetzliches Zahlungsmittel blieb, hatten die deutschen Behörden praktisch die Macht übernommen und sorgten für entsprechende Erleichterungen für die Südtiroler. (Steininger 2003: 58f)

So sorgte Franz Hofer dafür, dass das Deutsche ab September 1943 dem Italienischen als Amtssprache ebenbürtig wurde und im öffentlichen Raum verwendet werden durfte. Zudem fanden neben den italienischen Ortsnamen nun auch wieder Ortsnamen in deutscher und ladinischer Sprache Verwendung und auch die deutschsprachigen Schulen wurden wieder geöffnet und durften Unterricht erteilen (vgl. Steininger 2003: 59).

Ab November 1943 galt für die Südtiroler die allgemeine Wehrpflicht, widersetzte man sich dieser, so konnte hierfür die Todesstrafe verhängt werden (vgl. Steininger 2003: 58). Zudem griff das nationalsozialistische Regime erheblich in die Südtiroler Presselandschaft ein. So wurde beispielsweise die Zeitung „Dolomiten“ verboten, da diese kritisch über den Nationalsozialismus berichtet hatte. Außerdem wurde ein „Verbot jeglicher Parteibetätigung in der Operationszone“ (Steininger 2003: 59) ausgesprochen (vgl. Steininger 2003: 59).

Unter anderem aber weil den Südtirolern durch „die nationalsozialistische Herrschaft (…) eine Reihe von Grundrechten“ (Steininger 2003: 60) zurückgegeben wurde und weil sich in Südtirol zwei Gruppierungen bildeten, die komplett unterschiedliche Ziele verfolgten – der „Comitato di Liberazione Nazionale“ (CLN), welcher für ein italienisches Südtirol und ein Beibehalten des Brenners als Grenze stand, sowie der „Andreas-Hofer-Bund“, der den Anschluss Südtirols an Österreich anstrebte – , wurde in Südtirol nur kaum Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet (vgl. Steininger 2003: 60).

Südtirol wurde schließlich ab dem 3. Mai 1945 von der CLN regiert, die eine deutliche antideutsche Haltung einnahm. So wurden beispielsweise in zahlreichen Gemeinden ehemalige offizielle Vertreter des faschistischen Regimes zu Bürgermeistern ernannt, wodurch man „zu einer direkten Fortsetzung der ehemals faschistischen Politik“ (Steininger 2003: 61) gelangte (vgl. Steininger 2003: 60f).

3.6. Bozen und Südtirol in der Nachkriegszeit: der „Pariser Vertrag“, das „Gruber-Degasperi-Abkommen“ und das Autonomiestatut von 1946

Zum 1. Januar 1946 übergaben die Alliierten die Zivilverwaltung über den oberitalienischen Raum an die Regierung Italiens, jedoch wurde Südtirol weiterhin von den Alliierten verwaltet, da dessen „territoriale Zugehörigkeit“ (Mittermaier 1986: 69) noch nicht geklärt war (vgl. Mittermaier 1986: 69). 

Die deutsch- und ladinischsprachigen Bewohner Südtirols plädierten mit Kundgebungen und Unterschriftaktionen fast ausnahmslos für eine Rückkehr Südtirols nach Österreich. Die Amerikaner tendierten jedoch – „unter dem Druck italienischer Diplomatie und durch das Versagen der österreichischen Außenpolitik“ (Mittermaier 1986: 70) – immer mehr dazu, Südtirol Italien zuzusprechen (vgl. Mittermaier 1986: 69f).

Ein Ereignis von besonderer Wichtigkeit in der Nachkriegszeit ist die Pariser Friedenskonferenz im Jahr 1946, bei welcher Südtirols Zugehörigkeit zu Italien bestätigt wurde. Im Rahmen dieser Konferenz schloßen Karl Gruber, seinerzeit Außenminister Österreichs, und Alcide de Gasperi, Ministerpräsident Italiens, einen Vertrag, der auch als „Gruber-Degasperi-Abkommen“ oder „Pariser Vertrag“ bekannt ist (vgl. Zappe 1996: 73). 

Dieser Vertrag regelte unter anderem die Durchführung verschiedener Maßnahmen, durch welche die deutschsprachige Bevölkerung geschützt werden sollte. Zu diesen Maßnahmen gehörten unter anderem das Abhalten von Schulunterricht je nach Muttersprache der Schüler, die Gleichstellung des Italienischen und des Deutschen (z.B. auf offiziellen Urkunden oder auch in Bezug auf zweisprachige Ortsbezeichnungen) sowie das Recht, italianisierte Nachnamen in ihre ursprüngliche Form umzuändern. Ein weiterer wichtiger inhaltlicher Punkt war zudem auch das Zugeständnis, die Entscheidungen, welche die Südtiroler im Rahmen der Option (siehe Kapitel 3.4.5) getroffen hatten, erneut zu prüfen (vgl. Homepage der Provinz Bozen zum Pariser Vertrag).

Der Pariser Vertrag stellte zudem die Basis der Autonomie Südtirols dar, dennoch wurde durch diesen Vertrag und die folgende politische Entwicklung die Südtiroler Bevölkerung nicht zufriedengestellt. Die Südtiroler empfanden die Bemühungen der Regierung Italiens zur Lösung der Probleme der Südtiroler Bevölkerung als unzureichend, zudem wanderten immer mehr Italiener nach Südtirol ein. Im Januar 1948 trat schließlich auch noch die Vereinigung von „Südtirol mit dem Trentino unter einer Generalautonomie“ (Mittermaier 1986: 73) in Kraft, wodurch Südtirol entscheidungsabhängig vom einwohnerstärkeren Trentino wurde. All dies führte zu großen Protesten, die ihren Höhepunkt in Sprengstoffattentaten fanden, auf die im folgenden Kapitel näher eingegangen wird (vgl. Mittermaier 1986: 73f).

Am 5. Februar 1948 wurde schließlich das sogenannte „Optantendekret“, ein Abkommen zwischen den Italienern und den Österreichern, rechtswirksam. Dieses ermöglichte es den Optanten, die italienische Staatsbürgerschaft wieder anzunehmen (vgl. Steininger 2003: 75). 

3.7. Das Autonomiestatut von 1972

Bis Ende der 1950er Jahre kämpften die Südtiroler, getrieben von einer immensen Unzufriedenheit mit dem in dieser Zeit rechtskräftigen Autonomiestatut, gegen eine Autonomie zusammen mit dem Trentino und für eine unabhängige Autonomie, auf die sie (dem Pariser Vertrag zufolge) Anspruch hatten. Ein wichtiges Ereignis, durch welches die Südtiroler versuchten dieses Ziel zu verwirklichen, war die Protestaktion der Südtiroler Volkspartei (SVP) unter der Führung von Silvius Magnago auf Schloss Sigmundskron im November 1957 (vgl. Mittermaier 1986: 74).

Einschneidende und äußerst drastische Ereignisse, die ebenfalls in direktem Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen in Südtirol, dem Handeln der SVP und dem Autonomiebestreben der Südtiroler standen, waren die (bereits kurz erwähnten) Attentate, die vorrangig im Zeitraum zwischen 1956 und 1969 verübt wurden. Hierzu zählen beispielsweise die Angriffe auf die Bozner Otto-Huber-Kaserne sowie eine Bahnoberleitung im September 1956, welche von Südtirolern verübt wurden. Später folgten weitere Attentate in Form der „Sprengung von Symbolen der faschistischen Unterdrückung“ (Steininger 2003: 82). Von besonderer Bedeutung ist jedoch die sogenannte „Feuernacht“ im Juni 1961, in welcher Anschläge auf insgesamt 37 Hochspannungsmasten verübt wurden, wodurch die Stromversorgung der Bozner und weiterer oberitalienischer Industrieanlagen gekappt war, und die eine Serie weiterer Anschläge zur Folge hatte. Durch diese Anschläge wurde weltweite Aufmerksamkeit erregt, welche die Südtirolthematik erst recht publik werden ließ (vgl. Steininger 2003: 82f). 

Ab 1962/1963 nahm die Gewalt in Südtirol jedoch weitaus schlimmere Formen an, da nicht mehr „nur“ Sachschaden verursacht wurde, sondern auch Todesopfer zu beklagen waren. Des Weiteren waren nun auch immer mehr Deutsche und Österreicher in die Attentate (auf Seiten der Attentäter) involviert (vgl. Steininger 2003: 85).

Gegen den Willen der italienischen Regierung, die der Auffassung war, den Pflichten, die ihnen mit dem Pariser Vertrag auferlegt wurden, vollständig nachgekommen zu sein, und auf das Bestreben der Regierung Österreichs hin, wurde die sogenannte „Südtirolfrage“ im Oktober 1960, also genau während der Phase der Attentate in Südtirol, zum Diskussionsthema der UNO. In Folge dieser Diskussion und auf die Aufforderung der UNO hin, nahmen schließlich österreichische und italienische Regierungsvertreter die Gespräche zur Lösung der „Südtirolfrage“ auf. Das Ergebnis dieser Gespräche zwischen Italien und Österreich stellt das sogenannte „Paket“ aus dem Jahr 1969 dar (vgl. Mittermaier 1986: 74f).

Mittels dieses „Pakets“, welches eine Art Abkommen zwischen der SVP, Italien und Österreich (als Schutzmacht Südtirols) darstellte (vgl. Mittermaier 1986: 82), wollte man versuchen, „die politischen Spannungen beizulegen und sich gegenseitig näherzukommen“ (Mittermaier 1986: 82). 

Das „Paket“ beinhaltete insgesamt 137 festgelegte Maßnahmen (vgl. Steininger 2003: 89), wobei Steininger die Kerninhalte dieses „Pakets“ wie folgt zusammenfasst:

Dieses „Paket“ stellte eigentlich nichts anderes (sic!) dar als die Summe der Zugeständnisse Italiens zur Erweiterung der durch das Autonomiestatut von 1948 nicht ausreichend gewährten Autonomie für Südtirol. (…) Der wichtigste Teil des „Pakets“ war die Abänderung des alten Autonomiestatuts bzw. die Genehmigung eines neuen Statuts (…). Maßnahme 137 sah die Einrichtung einer ständigen Kommission für die Probleme der Provinz Bozen vor. (Steininger 2003: 89)

Am 20. Januar 1972 wurde schließlich das im eben erwähnten „Paket“ zugesicherte neue Autonomiestatut rechtswirksam (vgl. Steininger 2003: 89). Die wichtigsten Passagen und inhaltlichen Punkte dieses Autonomiestatuts bezüglich der Sprache in der Kommunikation mit Verwaltungen, vor Gericht und in der Schule wurden bereits in Kapitel 2.1.2 erläutert. 

Gegenüber dem Autonomiestatut von 1948 konnte dieses neue Autonomiestatut als deutlicher Verbesserung der Situation Südtirols und der Südtiroler bezeichnet werden.  Südtirol, fortan offiziell die „Autonome Provinz Bozen-Südtirol“, „wurden (…) mehrere primäre und sekundäre Zuständigkeiten, die bisher bei der Region und dem Staat lagen, übertragen“ (Steininger 2003: 92), wobei der Schul- und Fremdenverkehrssektor von besonderer Wichtigkeit waren (vgl. Steininger 2003: 92).

Im Juni 1992 reichte schließlich die österreichische Bundesregierung bei der UNO die offizielle Streitbeilegungsurkunde ein – die im Paket festgelegten Maßnahmen waren vollständig erfüllt worden und der Streit zwischen Österreich und Italien bezüglich Südtirols konnte somit „formell beendet“ (Steininger 2003: 105) werden (vgl. Steininger 2003: 104f).

4. Theoretisches zum Linguistic Landscaping

4.1. Das „Linguistic Landscape“-Konzept von Landry/Bourhis

Zum Begriff „Linguistic Landscape“ existieren unterschiedliche Konzepte (vgl. Gorter 2006: 1). Da das Konzept der beiden Wissenschaftler Rodrigue Landry und Richard Y. Bourhis, welches sie in ihrer Arbeit „Linguistic Landscape and Ethnolinguistic Vitality“ erläutern, besonders häufig rezipiert wird, soll dieses im Folgenden ausführlich betrachtet werden. In eben erwähnter Arbeit gehen Landry/Bourhis unter anderem darauf ein, was ihrem Verständnis nach Teil der Linguistic Landscape ist oder sein kann bzw. woraus sich eine Linguistic Landscape zusammensetzt:

The language of public road signs, advertising billboards, street names, place names, commercial shop signs, and public signs on government buildings combines to form the linguistic landscape of a given territory, region, or urban agglomeration. (Landry/Bourhis 1997: 25)

Nach Landry/Bourhis setzt sich die Linguistic Landscape also aus der Sprache bzw. den Sprachen zusammen, die zum Beispiel auf öffentlichen Werbetafeln, in den Namen von Straßen und Plätzen oder auf Schildern an Verwaltungsgebäuden verwendet wird bzw. werden (vgl. Landry/Bourhis 1997: 25).

Landry/Bourhis beschreiben darüber hinaus auch unterschiedliche Arten von „signs“ bzw. öffentlich sichtbaren Beschilderungen, nämlich die „government signs“ sowie die „private signs“19Da in diesem Kapitel ausdrücklich das Konzept zur Linguistic Landscape von Landry/Bourhis dargelegt wird, werden auch deren Definitionen zu „government signs“ und „private signs“ erläutert. Die grundsätzliche Unterscheidung von „government signs“ und „private signs“ geht Landry/Bourhis zufolge auf Leclerc zurück (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26). Sie verweisen dabei aber auf folgende Literatur: Leclerc, J. (1989): La guerre des langues dans l’affichage. Montréal: VLB éditeur., deren Unterscheidung sie in Bezug auf das Linguistic Landscaping als hilfreich erachten: Dabei verstehen Landry/Bourhis unter den „government signs“ diejenige Beschilderung, die von nationalen, regionalen oder städtischen Verwaltungen eingesetzt wird. Dazu zählen beispielsweise offizielle Straßenschilder oder bestimmte Schilder an Verwaltungsgebäuden, Universitäten, Schulen, in öffentlichen Parkanlagen etc. Zu den „private signs“ hingegen zählen sie unter anderem Werbeschilder an Schaufenstern oder auch Werbung an entsprechenden Reklametafeln, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an privaten Fahrzeugen. Im Gegensatz zu den „government signs“, bei deren sprachlicher Gestaltung eine bestimmte Sprachpolitik verfolgt und beachtet wird bzw. werden muss, können „private signs“ von öffentlichen Institutionen unabhängig und nach individuellen Vorstellungen gestaltet werden (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26f). Anhaltspunkte zur Unterscheidung von „government signs“ und „private signs“ sind also sowohl bestimmte Schwerpunktgebiete der „signs“, also Orte, an welchen eine bestimmte Art von öffentlicher Beschilderung vorranging zu finden ist, als auch gewisse Vorgaben, an die man sich bei der Gestaltung bezüglich der Sprache der entsprechenden „signs“ halten muss bzw. nicht halten muss (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26f).

Landry/Bourhis stellen außerdem fest:

Sociolinguistically, language diversity in private signs may most realistically reflect the multilingual nature of a particular territory, region, or urban agglomeration. As such, the diversity of language present in the linguistic landscape can be seen as a concrete manifestation of the linguistic and cultural diversity of the ethnolinguistic groups inhabiting a particular administrative territory or region. (Landry/Bourhis 1997: 27)

Landry/Bourhis nehmen diesem Zitat zufolge also an, dass die „language diversity“, also die sprachliche Vielfalt, die man bei der Untersuchung von „private signs“ feststellen kann, am realistischsten die sprachliche Situation bzw. die Mehrsprachigkeit des untersuchten Raumes abbilden kann. Man kann daher davon ausgehen, dass die Vielfalt bezüglich der Sprache und Kultur ethnolinguistischer Gruppen eines bestimmten Gebietes auch in der sprachlichen Vielfalt innerhalb der Linguistic Landscape zum Ausdruck kommt (vgl. Landry/Bourhis 1997: 27).

Im Zusammenhang mit den Arten von Schildern bzw. Schriftstücken (oder eben „signs“), die Teil der Linguistic Landscape sind, sind auch die Bezeichnungen „top-down“ und „bottom-up“ geläufig. Dieses Begriffspaar wird zur Kategorisierung der „signs“ bzw. zur Unterscheidung zwischen „offiziellen“ und „inoffiziellen“ Beschilderungen verwendet: Während die Schilder der Kategorie „top-down“ beispielsweise von einer staatlichen Verwaltungen angebracht werden, werden die Schilder der Kategorie „bottom-up“ zum Beispiel durch ein privates Unternehmen oder durch Privatpersonen platziert (vgl. Gorter 2006: 3).

Durk Gorter umreißt die Forschungsarbeit derjenigen Wissenschaftler, die ihrer Arbeit das Linguistic Landscape-Konzept von Landry/Bourhis zugrunde legen, wie folgt: „(…) they are concerned with the use of language in its written form in the public sphere. It refers to language that is visible in a specified area.“ (Gorter 2006: 2). Orientiert man sich beim Linguistic Landscaping also am Ansatz von Landry/Bourhis, so liegt der Fokus (Gorter zufolge) auf der geschriebenen Sprache, die in einem bestimmten öffentlichen Raum sichtbar ist (vgl. Gorter 2006: 2).

4.2. Symbol- und Informationsfunktion einer Linguistic Landscape

Nach Landry/Bourhis erfüllt die Linguistic Landscape im Wesentlichen zwei Funktionen: eine Symbolfunktion sowie eine Informationsfunktion (vgl. Landry/Bourhis 1997: 25). Die beiden genannten Funktionen werden im Folgenden nun näher erläutert.

Landry/Bourhis führen zur Symbolfunktion aus, dass die Linguistic Landscape den Sprechern das Gefühl vermitteln kann, dass ihre eigene Sprache „wertig ist“, wertgeschätzt wird und über einen gewissen Status verfügt. Dadurch, dass die Sprecher ihre eigene Sprache auf „private signs“ sowie „government signs“ verwendet sehen, wird der Sprecher also in gewisser Weise auch auf einer emotionalen Ebene angesprochen. Dieser Aspekt der Wertschätzung und des Status’ der eigenen Sprache ist für die jeweiligen Sprecher natürlich auch in Relation zur Präsenz anderer Sprachen im selben Gebiet von Bedeutung (vgl. Landry/Bourhis 1997: 27).

Wird die eigene Sprache auf öffentlichen „signs“ bevorzugt verwendet, so wird dem Sprecher auch das Gefühl der Stärke und Vitalität der eigenen Sprachgruppe symbolisiert. Auch dieser Aspekt versteht sich vor allem im Vergleich zu anderen Sprachen und Sprechergruppen des gleichen Raumes bzw. im Vergleich zu Stärke und Vitalität dieser Sprachen und Sprechergruppen (vgl. Landry/Bourhis 1997: 28). Landry/Bourhis stellen in diesem Zusammenhang außerdem fest:

Public signs in the in-group language imply that one’s own group has gained a measure of institutional control within key sectors of the economy, mass media, and state functions, such as education, health, defense, and the civil administration. (Landry/Bourhis 1997: 28)

Wird die eigene Sprache eines Sprechers auf öffentlich sichtbaren „signs“ verwendet, so bedeutet das (eben gebrachtem Zitat zufolge) also auch, dass die Gruppe des Sprechers in bestimmten Bereichen, wie z.B. in der Wirtschaft oder den Massenmedien, einen gewissen Grad an Kontrolle erlangt hat (vgl. Landry/Bourhis 1997: 28).

Nicht zu vergessen ist, dass es ebenso der Fall sein kann, dass die eigene Sprache auf „public signs“ nicht verwendet wird. Im Umkehrschluss zu den vorangegangenen Ausführungen zur Symbolfunktion der Linguistic Landscape, kann dem Sprecher dadurch vermittelt werden, dass die eigene Sprache nicht wertgeschätzt wird und innerhalb der Gesellschaft nur niedriges Ansehen genießt. Darüber hinaus kann in einem solchen Fall auch vermittelt werden, dass eine Sprache in gewissen Bereichen nicht oder nur kaum verwendbar ist (vgl. Landry/Bourhis 1997: 28).

Hinsichtlich der Informationsfunktion einer Linguistic Landscape führen Landry/Bourhis unter anderem Folgendes aus: Die Linguistic Landscape kennzeichnet allem voran ein bestimmtes Gebiet (im geographischen Sinne), in welchem eine spezifische Sprechergemeinschaft zu finden ist. Sie kann darüber hinaus auch die geographischen Grenzen von bzw. zwischen verschiedenen Sprachgruppen abstecken (vgl. Landry/Bourhis 1997: 25).

Darüber hinaus zeigt die Linguistic Landscape auch die Sprachenvielfalt im betrachteten Gebiet. Die Linguistic Landscape gibt so Auskunft über die „sociolinguistic composition of the language groups inhabiting the territory in question“ (Landry/Bourhis 1997: 26), verdeutlicht also, wie sich ein bestimmtes Gebiet hinsichtlich der dort ansässigen Sprachgruppen zusammensetzt (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26).

Die Linguistic Landscape lässt, in zwei- oder mehrsprachigen Räumen, auch Schlüsse über eine mögliche Diglossiesituation im untersuchten Raum zu. Je nach Verwendungsbereichen der verschiedenen Sprachen kann die Linguistic Landscape auch von dieser Perspektive aus beschrieben und analysiert werden. Auf diese Weise kann man des Weiteren auch aufschlussreiche Informationen über den Status und die Macht oder Stärke einer Sprache erhalten (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26).

4.3. Mögliche Forschungsansätze und –ziele im Rahmen des Linguistic Landscapings

Durch die Betrachtung und Analyse einer Linguistic Landscape eröffnen sich unterschiedliche Forschungsmöglichkeiten und -ziele, wobei einige davon unter den vorangegangenen Punkten dieses vierten Kapitels bereits angedeutet wurden.

Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass Forschungen zur Linguistic Landscape natürlich vor allem im Zusammenhang mit Zwei- oder Mehrsprachigkeit in einem bestimmten Gebiet interessant sind (vgl. Cenoz/Gorter 2006: 68).

So können nach Durk Gorter, recht allgemein formuliert, zum Beispiel die Beschreibung und Untersuchung der Sprachsituation eines ausgewählten Landes, die Untersuchung zum Vorkommen und Gebrauch mehrerer Sprachen in einem bestimmten Raum oder auch die Analyse zur Verbreitung und zu den Grenzen von Dialekten mittels der Linguistic Landscape Grundlage und Ziel der Forschung sein. Im Zusammenhang mit Linguistic Landscapes können darüber hinaus auch das System einer Sprache, die Sprachgeschichte oder aber Sprecherzahlen betrachtet werden (vgl. Gorter 2006: 1-2).

Cenoz/Gorter verweisen des Weiteren zum Beispiel auch auf die Möglichkeit zu untersuchen, welche Sprachen eines Raumes in Schildern verwendet werden, um diese Ergebnisse dann in einen Zusammenhang mit ausgewählten Statistiken zum Sprachgebrauch oder mit den offiziellen sprachpolitischen Regelungen und Vorschriften des untersuchten Raumes zu setzen. Dies ermöglicht einen Vergleich zwischen dem tatsächlichen, alltäglichen Sprachgebrauch, der Sprachpolitik und den entsprechenden Umfrageergebnissen zur Sprachverwendung im ausgewählten Gebiet (vgl. Genoz/Gorter 2006: 68).

Auch ist ein Vergleich der Sprachverwendung in „top-down signs“ und „bottom-up signs“ möglich und von Interesse. Während sich die Gestaltung der „top-down signs“ nämlich, wie in Kapitel 4.1 bereits erläutert, nach einer offiziellen Sprachpolitik richtet, kann mit Hilfe der „bottom-up signs“ untersucht werden, ob und wie sich diese Sprachpolitik auf den individuellen, persönlichen Sprachgebrauch auswirkt, der sich in den eben genannten „bottom-up signs“ widerspiegelt (vgl. Cenoz/Gorter 2006: 68).

5. Die Linguistic Landscape von Bozen

5.1. Forschungen von Barbara Plank

Zur Linguistic Landscape von Bozen hat bereits Barbara Plank Forschungen angestellt. Eine Schilderung ihrer Herangehensweise sowie die Ergebnisse ihrer Untersuchung liegen in Form einer Präsentation aus dem Jahr 2006 vor und werden im Folgenden kurz erläutert.

Plank untersuchte, recht allgemein formuliert, „commercial shop signs, signs of bars/restaurants“ (Plank 2006: 6), also die Schilder von Läden sowie von Bars und Restaurants, und konzentrierte sich hierbei auf zwei Gegenden in Bozen: das Stadtzentrum20Das Bozner Stadtzentrum, welches von Plank untersucht wird, ist Teil des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch., das sie vorab als „multilingual area“ (Plank 2006: 5), also als mehrsprachiges Gebiet einstufte, sowie den Stadtteil Europa-Neustift, den sie als „monolingual area“ (Plank 2006: 5), als einsprachige Gegend, einschätzte. Sie versuchte durch ihre Untersuchung vor allem folgende Fragen zu beantworten: Welche Sprachen sind in den ausgewählten Gebieten zu finden und in welchem quantitativen Verhältnis steht ihr jeweiliges Vorkommen zueinander? Und: Wie sind diejenigen „signs“, die zwei- oder mehrsprachig sind, gestaltet? Welche Sprache ist also auf diesen „signs“ diejenige, die zuerst verwendet wird bzw. welche Sprache wird auf den „signs“ auf prominentere Art und Weise verwendet (vgl. Plank 2006: 3-10)?

Für ihre Studie erstellte Plank ein Korpus und sammelte hierfür insgesamt knapp 230 Fotos von „signs“, die sie in vier Straßen des Bozner Stadtzentrums (vgl. Plank 2006: 9f) sowie in fünf Straßen des Stadtteils Europa-Neustift sammelte (vgl. Plank 2006: 26).

Die Auswertung ihres Korpus‘ ergab Folgendes: Die meisten „signs“ im Stadtzentrum, nämlich 53%, sind zweisprachig während knapp 27% einsprachig und 20% dreisprachig sind. Die auf den dortigen „signs“ am häufigsten verwendete Sprache war das Italienische, welches auf circa 87% aller „signs“ zu finden war. Danach folgten das Deutsche (62%), das Englische (35%) sowie das Französische (2%). Das Deutsche bzw. Italienische waren dabei auf 55% bzw. 42% aller mehrsprachigen „signs“ die zuerst verwendeten oder am prominentesten platzierten Sprachen (vgl. Plank 2006: 13-15).

Im Stadtteil Europa-Neustift hingegen waren die meisten „signs“ einsprachig, nämlich insgesamt knapp 58%. Im Gegensatz dazu waren nur in etwa 38% zweisprachig und circa 4% dreisprachig. Auf allen ausgewerteten „signs“ von Europa-Neustift wurde das Italienische verwendet, auf knapp 31% der „signs“ fand sich das Deutsche und auf 13% der „signs“ das Englische. Das Chinesische wurde auf circa 2% aller „signs“ verwendet. Die auf den „signs“ zuerst bzw. am prominentesten verwendete Sprache war in allen Fällen, also zu 100%, das Italienische (vgl. Plank 2006: 29-31).

Plank führte zudem eine „microstudy“ zur Linguistic Landscape des Obstplatzes im Zentrum der Stadt Bozen durch. Auch hier untersuchte sie die Sprachen, welche jeweils auf den Schildern an zwanzig ausgewählten, verschiedenen Marktständen verwendet wurden. Die Untersuchung ergab, dass fünf der Marktstände zweisprachig, und zwar italienisch-deutsch, waren, während drei Stände einsprachig deutsch und sechs Stände einsprachig italienisch waren. An fünf weiteren Ständen wurde in erster Linie das Italienische verwendet, während das Deutsche an diesen Ständen lediglich zur genaueren Erläuterung des angebotenen Produkts (Geschmack, Herkunft etc.) verwendet wurde. An einem weiteren Stand wurden das Italienische, Deutsche und Englische gemischt verwendet (vgl. Plank 2006: 19-25).

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung fasst Plank wie folgt zusammen: Die „signs“ im Stadtzentrum sind mehrheitlich zweisprachig, wobei das Italienische und Deutsche in etwa gleichermaßen prominent verwendet werden. In Europa-Neustift sind die „signs“ vor allem einsprachig, hierbei wird vorrangig das Italienische verwendet. Plank folgert aus diesen Ergebnissen, dass das Zentrum eine eher mehrsprachige, hauptsächlich durch das Deutsche und Italienische geprägte Gegend ist, während sie Europa-Neustift als eher einsprachig italienisch bezeichnet. Darüber hinaus gibt es einen merkbaren Einfluss der englischen Sprache, wobei das Englische im Zentrum präsenter ist als in Europa-Neustift (vgl. Plank 2006: 35-37).

5.2. Linguistic Landscaping und die Bozner Linguistic Landscape in dieser Arbeit

Genau wie bei Barbara Plank, soll auch im Rahmen dieser Arbeit die Linguistic Landscape der Stadt Bozen ermittelt und analysiert werden. Auf das genaue Forschungsvorgehen wird detailliert ab dem Kapitel 6.1 eingegangen – in diesem gerade vorliegenden Kapitel soll die Herangehensweise allerdings bereits grob umrissen werden, um zu erläutern, inwiefern und bezüglich welcher methodischen und inhaltlichen Aspekte sich die vorliegende Arbeit von der Untersuchung Planks unterscheidet.

Die Frage nach den verwendeten Sprachen in bestimmten Stadtvierteln bzw. Stadtteilen Bozens ist auch in dieser Arbeit eine zentrale Forschungsfrage. Das Korpus, das im Rahmen dieser Arbeit erstellt wird, beinhaltet dabei lediglich die Namen von Restaurants, Bars, Cafés etc., die je nach Sprache oder Sprachkombination kategorisiert werden. Wie einige beispielhafte Schriftstücke aus Planks Arbeit (vgl. Plank 2006: 16-18) zeigen, analysierte Plank hingegen (unter anderem?21Planks recht allgemein formulierte (und unter Punkt 5.1 bereits zitierte) Bezeichnung des von ihr gesammelte Materials als „commercial shop signs, signs of bars/restaurants“ (Plank 2006: 6) lässt eine eindeutige Bestimmung der Art und des Inhalts des Materials leider nicht zu. Dennoch kann Planks Material mithilfe beispielhafter Fotos (vgl. Plank 2006: 16-18, 23-25, 32f) ein wenig näher bestimmt werden.) Werbeplakate und Kundeninformationen in Läden, sodass das von ihr analysierte Material und das Material, welches für die vorliegende Arbeit gesammelt wurde, sich hinsichtlich ihrer Art bzw. ihres Inhalts (zumindest teilweise) voneinander unterscheiden.

Einen grundlegenden Unterschied stellt außerdem die Methode des Sammelns von zu analysierendem sprachlichen Material dar. Plank fertigte für die Erstellung ihres Korpus Fotos von Schriftstücken bzw. Schildern in den ausgewählten Straßen an (vgl. Plank 2006: 5), sodass ihr Korpus nur tatsächlich öffentlich sichtbare Schriftstücke beinhaltet. Im Gegensatz dazu basiert das Korpus dieser Arbeit auf den Einträgen der online-Plattform TripAdvisor – dass das auf diese Weise gesammelte Material (in genau dieser Form und an exakt der geographischen Position, welche durch die Informationen in TripAdvisor ermittelt werden konnten) auch wirklich auf öffentlich sichtbaren Schildern oder ähnlichem zu finden ist, kann daher lediglich angenommen und nicht sichergestellt werden. Da im Rahmen dieser Arbeit auch nicht, wie bei Barbara Plank, die Prominenz einzelner Sprachen oder die Reihenfolge verschiedener Sprachen auf den mehrsprachigen Schildern untersucht wird, ist diese gewählte Methode der Datensammlung für das Forschungsziel der Arbeit aber vollkommen ausreichend22Eine kritische Reflexion zur Vorgehensweise und Methode findet sich in Kapitel 6.1.6..

Während sich Plank bei ihrer Untersuchung außerdem auf einige wenige Straßen in zwei ausgewählten Vierteln bzw. Stadtteilen Bozens konzentrierte, werden in dieser Arbeit (soweit Daten erhoben werden können) alle fünf Bozner Stadtteile betrachtet. Es wird also ein Korpus erstellt, das Namen von Restaurants etc. beinhaltet, die sich nicht nur über einige wenige Straßen der Stadt verteilen. Auf diese Weise können in der vorliegenden Arbeit die sprachlichen Gegebenheiten und Eigenschaften der Stadt Bozen (hinsichtlich der Restaurantnamen verschiedener Sprachen) relativ detailliert dargestellt werden. Darüber hinaus soll durch den Verzicht auf eine Beschränkung des zu untersuchenden Raums auf einige wenige Straßen eine möglichst hohe Repräsentativität gesichert und „zufällige“ Ergebnisse möglichst ausgeschlossen werden. Die nach den verwendeten Sprachen kategorisierten Namen werden außerdem auf einer Google Earth Karte georeferenziert dargestellt. Mit Hilfe der Karten, kann das Vorkommen von Namen, die in verschiedenen Sprachen verfasst sind, in bestimmten Gebieten Bozens noch einmal besonders gut veranschaulicht und mögliche Besonderheiten bezüglich der Verteilung der Namen aufgezeigt werden.

Die Ergebnisse, die im Rahmen dieser Arbeit ermittelt werden können, werden unter dem Punkt 7.5 mit den Ergebnissen Planks verglichen.

In einem weiteren Part dieser Arbeit, nämlich im achten Kapitel, soll zudem auf mögliche Gründe, die der Gestalt der ermittelten Linguistic Landscape unter Umständen zugrunde liegen, eingegangen werden.

6. Methodisches und Methodenreflexion

Im folgenden sechsten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird zum einen erläutert, wie das Korpus, welches zur Ermittlung der Bozner Linguistic Landscape verwendet wird, erstellt wird, nach welcher Vorgehensweise die Namen des Korpus’ kategorisiert werden und wie die Namen georeferenziert dargestellt werden. Zum anderen wird als Abschluss dieses Kapitels die beschriebene Methode kritisch reflektiert und auf beispielhafte alternative Vorgehensweisen eingegangen.

6.1. Erläuterungen zu Methode und Vorgehensweise bei der Korpuserstellung, Kategorisierung und georeferenzierten Darstellung

6.1.1. Erstellung eines ersten, vorläufigen Gesamtkorpus’ mit Hilfe von TripAdvisor

Zur Ermittlung und Analyse der Linguistic Landscape von Bozen wird, wie bereits erwähnt, ein Korpus erstellt, der die Namen von Bars, Restaurants, Cafès etc. in Bozen enthält. Dieses Korpus wird mit Hilfe von TripAdvisor bzw. tripadvisor.com erstellt.

TripAdvisor ist eine Onlineplattform, auf der sich Interessierte rund um das Thema Reisen informieren können: Angeboten werden zum Beispiel Preisvergleiche oder auch Empfehlungen bezüglich Sehenswürdigkeiten und Unterkünften zu weltweiten Reisezielorten. Des Weiteren, und dies ist für die vorliegende Arbeit, bzw. für die Erstellung des Korpus’ dieser Arbeit, von besonderem Interesse, ist es bei TripAdvisor möglich, Restaurants, Bars etc. in einer bestimmten Stadt oder in einem bestimmten Ort zu recherchieren. Der User erhält eine Liste an Lokalitäten im gesuchten Gebiet und kann diese nach verschiedenen Kriterien (zum Beispiel nach der Art der Lokalität) filtern sowie zu den unterschiedlichen Lokalitäten die Bewertungen anderer User von TripAdvisor bzw. der Besucher der Lokalität lesen (vgl. Informationen zur Plattform TripAdvisor).

Zur Erstellung des Korpus’ wird über die Suchmaske von TripAdvisor zum Themenbereich Restaurants nach der Stadt Bozen gesucht. Über eine Filtermaske werden anschließend die Arten von Lokalitäten ausgewählt, die von TripAdvisor aufgelistet werden sollen, nämlich die Lokalitäten der Kategorien „Restaurants“, „Dessert“, „Kaffee & Tee“, „Bäckereien“ sowie „Bars und Kneipen“. Weitere von TripAdvisor angebotene Möglichkeiten zur Filterung der Ergebnisliste werden zur Erstellung des Korpus’ nicht in Anspruch genommen. Der Stichtag für die Erstellung des Korpus’ ist der 17.03.2017: Alle Lokalitäten, die zu diesem Zeitpunkt auf TripAdvisor erfasst sind und über die gerade erläuterte Suche ausgespielt wurden, wurden berücksichtigt.

Die so ermittelte Liste an Lokalitäten in Bozen enthält rund 360 Restaurants, Bars etc. Die Namen all jener auf diese Weise ermittelten Lokalitäten werden in ein erstes, vorläufiges Gesamtkorpus übernommen.

Zu jedem Namen bzw. zu jeder Lokalität wird auch dessen jeweilige Adresse erfasst, da diese vor allem für zwei weitere Arbeitsschritte notwendig ist:

  1. Die einzelnen Restaurants bzw. Restaurantnamen des Gesamtkorpus’ sollen zu einem späteren Zeitpunkt in fünf Teilkorpora eingeteilt werden, wobei jeder Teilkorpus für einen Stadtteil steht und dementsprechend diejenigen Restaurantnamen beinhaltet, die sich in diesem Stadtteil befinden. So kann nicht nur die Linguistic Landscape der Stadt Bozen im Allgemeinen betrachtet werden, sondern auch die individuellen Linguistic Landscapes der einzelnen Stadtteile. Auf diese Weise kann zudem untersucht werden, wie sich die einzelnen Linguistic Landscapes unter Umständen voneinander unterscheiden und ob sie gewissermaßen einen Spiegel der Geschichte und/oder aktuellen (vor allem demografischen) Situation der Stadtteile darstellen. Auf das Prozedere bei der Bildung dieser Teilkorpora wird im Kapitel 6.1.3 näher eingegangen.
  2. Um aufschlussreiche Aspekte der Linguistic Landscape von Bozen bzw. die Verwendung verschiedener Sprachen innerhalb der Stadt besonders anschaulich abzubilden, werden die einzelnen Restaurantnamen verschiedener Kategorien bzw. verschiedener Sprachen auf google maps-Karten übertragen und auf diese Weise georeferenziert dargestellt. Für eine exakte Verortung der Namen auf den Karten sind die genauen Adressen der Lokalitäten notwendig. Auf die Vorgehensweise bei der Erstellung der Karten wird unter Punkt 6.1.5 im Detail eingegangen.

6.1.2. Ergänzungen und Anpassungen zur Erstellung des zweiten, finalen Gesamtkorpus’

Dieses erste, vorläufige Gesamtkorpus, das wie unter Punkt 6.1.1 beschrieben erstellt wurde, muss in einem weiteren Arbeitsschritt ergänzt und angepasst werden. Da die Plattform TripAdvisor relativ anfällig für unvollständige oder unkorrekte Angabe zu den einzelnen Lokalitäten ist, ist es notwendig, dieses erste Gesamtkorpus in weiteren Schritten mit notwendigen Informationen zu vervollständigen, unkorrekte Angaben zu korrigieren und einige irrelevante Lokalitäten auszuschließen. Auf diese Weise wird das zweite, finale Gesamtkorpus erstellt. Hierauf wird in diesem Kapitel näher eingegangen.

Da, wie in Kapitel 6.1.1 bereits erwähnt, für weitere Arbeitsschritte auch die genauen Adressen der Lokalitäten von besonderer Wichtigkeit sind, ist es notwendig, fehlende Angaben (vorrangig Straßennamen und Hausnummern) hierzu zu ergänzen. Darüber hinaus kommt es in einigen TripAdvisor-Einträgen vor, dass zu Lokalitäten kein Ort bzw. keine Postleitzahl oder aber nur „Bozen“ bzw. „Bolzano“ als Ort erfasst ist. Weil das finale Korpus jedoch ausschließlich Lokalitäten beinhalten soll, die sich in der Stadt Bozen befinden, muss auch hier noch einmal überprüft werden, wo genau die entsprechende Lokalität zu verorten ist. In all diesen Fällen werden die noch fehlenden, aber zwingend notwendigen Informationen nachträglich ermittelt. Dies erfolgt durch einfache Internetrecherche mit Hilfe der Angaben von Google My Business (also der Angaben, die rechts in den Suchergebnissen erscheinen, wenn man bei google.de nach einem Restaurant oder ähnlichem sucht), der Facebook-Seiten zu den betreffenden Restaurants und der Seite paginegialle.it. Die so ermittelten Informationen werden ergänzt.

Im Gegensatz dazu gibt es allerdings auch (einige wenige) Fälle, in welchen auf TripAdvisor „zu viele“ bzw. für diese Arbeit irrelevante Angaben gemacht werden. Dies betrifft in erster Linie die Namen der Restaurants an sich. So wird beispielsweise das „Cafè St. Anton“ auf TripAdvisor als „Cafe St. Anton Di Gasser Maria and Co“ bezeichnet. Da der Name des Cafébetreibers (zumindest im Rahmen dieser Arbeit) irrelevant ist, wird dieser Teil des Restaurantnamens eliminiert. Des Weiteren werden selbstverständlich auch offensichtliche (Rechtschreib-)Fehler in Restaurantnamen korrigiert. Auch diese beiden Anpassungs- und Korrekturarbeiten erfolgen unter Zuhilfenahme von Google My Business, Facebook und den Pagine Gialle.

Nachdem fehlende Informationen ergänzt und falsche Angaben korrigiert wurden, werden nun in einem letzten Schritt irrelevante Namen aus dem Korpus aussortiert.

Irrelevant sind vor allem sämtliche Namen von Restaurants, Cafés etc., die sich nicht in 39100 Bozen, also in der Stadt Bozen, befinden. Diese Namen wurden aufgrund falscher oder fehlender Informationen bezüglich ihrer Adresse zwar von TripAdvisor aufgelistet, müssen nun aber, da sie für diese Arbeit nicht relevant sind, nachträglich aus dem Gesamtkorpus entfernt werden. Auch Lokalitäten, die offensichtlich keine Restaurants, Bars, Cafès etc. sind, werden nicht weiter berücksichtigt. Darüber hinaus wird ein und dieselbe Lokalität, die auf TripAdvisor mehrfach erfasst ist, im Korpus nur einmal aufgeführt. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch der Umgang mit den beiden TripAdvisor-Einträgen „Restaurant Schloss Rafenstein“ und „Ristorante Castel Rafenstein“, welche sich, den Namen und Adressen nach zu urteilen, auf dieselbe Lokalität beziehen. Die beiden Einträge wurden zusammengefasst und als „Restaurant Schloss Rafenstein – Ristorante Castel Rafenstein“ in das Gesamtkorpus übernommen.

Auf diese eben erläuterte Weise werden nachträglich knapp 60 Lokalitäten bzw. Namen aussortiert. Das so entstandene zweite, finale Gesamtkorpus23Dieses zweite, finale Gesamtkorpus wird im Folgenden nur noch als „Gesamtkorpus“ bezeichnet. umfasst damit 304 Namen, die in den nächsten Arbeitsschritten in Teilkorpora eingeteilt und kategorisiert werden.

6.1.3. Bildung von Teilkorpora nach Stadtteilen

Wie im Kapitel 6.1.1 bereits kurz erwähnt, sollen die Restaurantnamen des Gesamtkorpus’ in fünf unterschiedliche Teilkorpora eingeteilt werden. Jeder der Teilkorpora steht hierbei für einen Stadtteil Bozens und beinhaltet diejenigen Namen, die in diesem jeweiligen Stadtteil zu verorten sind.

Die Bestimmung des Stadtteils, in welchem sich eine bestimmte Lokalität befindet, bzw. die Einteilung eines Namens in einen bestimmten Teilkorpus erfolgt über die Adressen, welche, wie unter den Punkten 6.1.1 und 6.1.2 beschrieben, miterfasst wurden. Mit Hilfe der Straßenverzeichnisse der einzelnen Stadtteile (Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Oberau-Haslach, Europa-Neustift, Don Bosco, Gries-Quirein), welche im offiziellen Internetauftritt der Stadt Bozen zu finden sind, wird ermittelt, in welchem Stadtteil eine bestimmte Adresse zu finden ist und in welchen Teilkorpus der entsprechende Restaurantname deswegen eingeordnet werden muss. Auf diese Weise entstehen fünf Teilkorpora. Folgende Abbildung gibt einen Überblick über den jeweiligen Umfang der Teilkorpora:

Teilkorpus „Don Bosco“ 16 Namen
Teilkorpus „Europa-Neustift“ 28 Namen
Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ 146 Namen
Teilkorpus „Oberau-Haslach“ 54 Namen
Teilkorpus „Gries-Quirein“ 60 Namen

Abb. 10: Überblick über den jeweiligen Umfang der Teilkorpora

Die Einteilung der Restaurantnamen in Teilkorpora je nach Stadtteil stellt eine sinnvolle Gruppierung der Namen dar, die es ermöglicht, denn Blick vom gesamten Bozner Stadtgebiet auf kleinere Ausschnitte zu richten, die sich nicht nur in geographischer, sondern, wie im zweiten Kapitel der Arbeit schon erläutert, auch in demografischer Hinsicht voneinander abgrenzen und unterscheiden. Zudem hat jeder Stadtteil seine eigene Entstehungsgeschichte vorzuweisen. Innerhalb dieser Ausschnitte, also innerhalb eines einzelnen Stadtteils, wird es daher interessant sein zu beobachten, welche Besonderheiten die Linguistic Landscape generell dort aufweist und wie die entsprechende Linguistic Landscape eines Stadtteils sich unter Umständen von der Linguistic Landscape anderer Stadtteile unterscheidet. Es ist außerdem von Interesse zu untersuchen, ob sich bestimmte geschichtliche Aspekte oder aktuelle Gegebenheiten der einzelnen Stadtteile in der jeweiligen, individuellen Linguistic Landscape widerspiegeln.

6.1.4. Kategorisierung24Zur individuellen Kategorisierung aller Restaurantnamen der Korpora vgl. Anhang 1.

Um zu ermitteln, welche Sprache bzw. Sprachen in den Restaurantnamen Verwendung finden, werden im folgenden Arbeitsschritt die Namen nach einem festgelegten System kategorisiert. Das Vorgehen bei der Kategorisierung wird in diesem Kapitel erläutert.

Da Eigennamen in dieser Arbeit eine besondere Rolle spielen, sei vorab jedoch noch auf einige für die Kategorisierung interessante Aspekte aus Loulou Edelmans Aufsatz „What’s in a name? Classification of Proper Names by Language.“ eingegangen. In seiner Arbeit geht Edelman unter anderem der Frage nach, wie ein Eigenname hinsichtlich seiner Sprache kategorisiert werden kann (vgl. Edelman 2009: 141). Zu denjenigen Eigennamen, die Teil der Linguistic Landscape sind, zählt Edelman unter anderem die Namen von Läden sowie Markennamen (vgl. Edelman 2009: 143). Edelman stellt bezüglich der Kategorisierung von Eigennamen nach der Sprache, in welcher sie verfasst sind, grundsätzlich fest, dass aufgrund von Sprachverwandtschaft und Sprachkontakten viele Eigennamen nicht nur einer Sprache zugeordnet werden können. Zwar gibt es beispielsweise Übersetzungen von Ortsnamen und in einigen Ländern und Kulturen ist es darüber hinaus auch unter bestimmten Umständen durchaus gängig, Vornamen in andere Sprachen zu übersetzen (vgl. Edelman 2009: 145), jedoch sei es schwierig, eine konkrete und allgemeingültige Antwort auf die Frage nach der Kategorisierung von Eigennamen zu geben (vgl. Edelman 2009: 148). Eine sehr allgemeine Schlussfolgerung Edelmans ist daher, dass es zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Eigennamen nach ihrer Sprache zu kategorisieren und dass es schwierig ist, eine einheitliche Methodologie, die im Rahmen des Linguistic Landscapings angewendet werden kann, zu entwickeln. Wie man bei der Kategorisierung letzten Endes vorgeht, hängt vom Ziel der Untersuchung ab. Aufgrund dieser Vielfalt an Möglichkeiten ist es notwendig, – und dies gilt es auch im Rahmen dieser Arbeit zu beachten – das entsprechende Kategorisierungsvorgehen detailliert zu beschreiben. Nur so sei es möglich, zum Beispiel die Ergebnisse unterschiedlicher Untersuchungen zu vergleichen (vgl. Edelman 2009: 153).

Grundsätzlich muss vorausgeschickt werden, dass sich in zahlreichen Fällen die Namen nicht als ein Ganzes einer Sprache zuweisen lassen, nämlich dann, wenn ein Name aus mehreren Elementen besteht, die unterschiedlichen Sprachen angehören. Deswegen ist es für die Kategorisierung notwendig, bei jedem zu kategorisierenden Namen dessen einzelne Elemente zu betrachten und gegebenenfalls unterschiedlichen Sprachen zuzuordnen. Dabei können diese einzelnen Elemente nicht nur ganze Wörter sein, sondern in bestimmten Fällen auch ein Präfix oder Suffix – wobei auf diesen Fall später noch eingegangen wird. Unter einem „Element“ wird in dieser Arbeit, zusammenfassend gesagt, also ein Bestandteil eines Restaurantnamens verstanden, der einer Sprache zugeordnet werden kann.

Jeder Name wird einer Oberkategorie und einer Unterkategorie zugewiesen: Konkret bedeutet das, dass je nach Anzahl der im Namen verwendeten Sprachen, der Name in die entsprechende Oberkategorie („Oberkategorie ‚einsprachig’“, „Oberkategorie ‚zweisprachig’“ etc.) einsortiert wird und je nach der im Namen verwendeten Sprache oder Sprachkombination der Restaurantname zudem einer bestimmten Unterkategorie („Unterkategorie deutsch“, „Unterkategorie italienisch-deutsch“ etc.) zugeordnet wird. Dieses Kategorisierungssystem wird nun detaillierter erläutert. Zum besseren Verständnis wird das Vorgehen an geeigneten Beispielen aus dem Korpus dieser Arbeit veranschaulicht.

Hierzu sei ergänzend erwähnt, dass das Korpus dieser Arbeit einige Namen enthält, die in einem Dialekt verfasst sind. Beispiele hierfür sind

(1) „Nto Ziffredu“ sowie

(2) das Element „–häusl“ im Restaurantname „Batzenhäusl“.

Während der Name in (1) – den Angaben eines Mitarbeiters des Lokals zufolge25Für ergänzende Erläuterung hierzu siehe auch die Bemerkung zu diesem Namen in Anhang 1 dieser Arbeit. – in einem kalabrischen Dialekt und demnach nicht im Standarditalienischen verfasst ist, ist „-häusl“ – Duden online zufolge (vgl. Duden online-Eintrag zu „Häusl“) – im Bayrischen und Österreichischen gebräuchlich und damit kein hochdeutscher Ausdruck. Beide Namen werden dennoch im Rahmen dieser Arbeit nicht in eine Unterkategorie „kalabrisch“, „bairisch“ oder „österreichisch“ einsortiert, sondern als Namen, die in einem Dialekt des Italienischen (siehe (1)) bzw. des Deutschen (siehe (2)) verfasst sind, den Unterkategorien „italienisch“ bzw. „deutsch“ zugewiesen. Grund hierfür ist zum einen, dass, wie Beispiel (2) zeigt, eine Zuweisung exakt eines Dialekts bzw. exakt einer Unterkategorie schwierig ist. Zum anderen wäre eine Betrachtung der Dialekte in der Bozner Linguistic Landscape zwar sicherlich interessant und aufschlussreich, bedürfte aber auch einer gesonderten, detaillierten Erläuterung, die im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist.

Die Kategorisierung nach dem eben erläuterten Muster verläuft in vielen Fällen problemlos, nämlich immer dann, wenn sich ein Element oder ein ganzer Name eindeutig einer einzigen Unterkategorie zuweisen lässt. Unter anderem folgende Restaurantnamen aus dem Korpus dieser Arbeit lassen sich bereits durch dieses gerade beschriebene Vorgehen vollständig kategorisieren:

(3) „Al Ponte“ = Unterkategorie „italienisch“, Oberkategorie „einsprachig“;

(4) „Cavallino Bianco – Weisses Rössl“ = Unterkategorie „italienisch-deutsch“, Oberkategorie „zweisprachig“;

(5) „Wirtshaus Vögele“ = Unterkategorie „deutsch“, Oberkategorie „einsprachig“.

Einige Namen des Korpus’ bzw. einzelne Elemente stellen jedoch auch Ausnahmefälle dar, die bezüglich der Kategorisierung gesondert betrachtet werden müssen. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang vorab die neutralen Elemente26In ihrer Arbeit zur Untersuchung finnischer Unternehmensnamen unterscheidet auch Paula Sjöblom zwischen neutralen und nicht-neutralen Bestandteilen der Namen. Sie beschreibt die neutralen Elemente wie folgt: „Neutral parts could be any language, or many languages. Neutral parts belong to some language but it is impossible to tell which language they are.“ (Sjöblom 2009: 290). Als neutrale Bestandteile wertet sie in ihrer Arbeit Abkürzungen und Zahlen, Eigennamen und international verwendete Wörter (vgl. Sjöblom 2009: 290)., also diejenigen Elemente, die nicht eindeutig einer Sprache zugeordnet werden können. Diese neutralen Elemente haben keinen Einfluss auf die Zuordnung des Namens in die entsprechende Unter- und Oberkategorie. Ein Name, wie zum Beispiel

(6) „Bar Internazionale“,

der aus einem neutralen Element („Bar“) und einem italienischen Element („Internazionale“) besteht, wird dementsprechend in die Unterkategorie „italienisch“ und in die Oberkategorie „einsprachig“ eingeordnet. Restaurantnamen, die ausschließlich neutrale Elemente beinhalten, wie beispielsweise

(7) „Dublin Pub“ oder

(8) „Pizzeria Ristorante Europa“,

werden wiederum in die Oberkategorie „neutral“ eingeordnet. Unter welchen Umständen ein Element als „neutral“ deklariert wird sowie der Umgang mit den weiteren Ausnahmefällen, die in dieser Arbeit bei der Kategorisierung aufgetreten sind, wird im Folgenden erläutert.

a) Unbestimmbare und undefinierbare Elemente

Zu Beginn sind diejenigen Elemente zu erwähnen, die keiner Sprache zugeordnet werden können. Dazu gehören beispielsweise die Elemente

(9) „pims“ im gleichlautenden Restaurantnamen sowie

(10) „Diamound“ in „Diamound`s Pizza & Coffee“.

Bezüglich dieser beiden Beispielen ist nicht klar, welcher Sprache bzw. welchen Sprachen die genannten Elemente jeweils zugeordnet werden können. Anders als bei Beispiel (28), das unter dem Punkt f) noch erläutert wird, können in diesen Fällen die genannten Elemente auch nicht in weitere, „kleinere“ Elemente zerlegt werden, so dass man hier auch beispielsweise kein einzelnes Suffix genauer bestimmen und kategorisieren könnte. Elemente dieser Art sind dementsprechend bezüglich ihrer Sprache undefinierbar bzw. unbestimmbar und werden daher als neutrale Elemente gewertet.

b) In mehreren Sprachen lexikalisierte Wörter

Einen weiteren Sonderfall stellen Elemente dar, die in mehreren Sprachen lexikalisiert sind. Auch diese müssen gesondert betrachtet werden. Zu diesem Ausnahmefall zählen vor allem Wörter, die die Art einer Lokalität näher bestimmen (z.B. Restaurant, Bar, Cafè), sowie solche Wörter, die einen Hinweis auf die jeweils angebotenen Produkte geben (z.B. Pizza, Sushi, Snack). Ein Wort wie beispielsweise „Pizza“ ist (unter anderem) – wie auch der entsprechende Eintrag (vgl. Kluge 242002: 705) in Kluges Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache zeigt – natürlich eine Entlehnung des it. pizza ins Deutsche und ist – wie wiederum der entsprechende Duden online-Eintrag zeigt (vgl. Duden online-Eintrag zu „Pizza“) – mittlerweile in den deutschen Standardwortschatz übergegangen, sprich lexikalisiert worden. Dementsprechend kann ein solches Wort bzw. Element nicht (mehr) nur einer Sprache zugeordnet werden. Elemente, die in mehreren Sprachen lexikalisiert sind, gelten daher als neutrale Elemente. Selbstverständlich kann eine Überprüfung der Lexikalisierung eines Elements nicht für alle Sprachen durchgeführt werden. Daher liegt der Fokus in dieser Arbeit im Besonderen auf einer möglichen Lexikalisierung im Italienischen, Deutschen und/oder Englischen, da diese drei Sprachen diejenigen sind, die in der Linguistic Landscape der Stadt Bozen wohl am ehesten zu erwarten sind. Diese Erwartung beruht nicht zuletzt auch auf den Ergebnissen der Untersuchung von Barbara Plank, welche in Kapitel 5.1 bereits erläutert wurden. Ob Elemente der Namen in den drei genannten Sprachen lexikalisiert sind, wird mit Hilfe von drei online-Wörterbüchern überprüft: Treccani für das Italienische, Duden für das Deutsche sowie leo.org für das Englische.

In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, dass Elemente (wenn möglich) unter Betrachtung des Kontextes, in welchem sie in einem Namen stehen, kategorisiert werden. Beispielsweise das Element „Wild“ im Restaurantnamen

(11) „Old Wild West“

ist in mehreren Sprachen lexikalisiert. Dennoch wird das Element „Wild“ nicht als neutrales Element gewertet, sondern wird, da es in einem Kontext mit dem Element „Old“ steht, das eindeutig dem Englischen zugewiesen werden kann, ebenfalls dem Englischen zugeordnet. Die Kategorisierung von „Wild“ erfolgt also über den Kontext, in welchem dieses Element steht, und daher in Abhängigkeit vom englischen Element „Old“.

c) Markennamen und Namen von Restaurantketten

Einen weiteren Ausnahmefall stellen Markennamen und die Namen von Restaurantketten, die man nicht nur in der Stadt Bozen findet, dar. Beispiele hierfür aus dem Korpus dieser Arbeit sind

(12) „Autogrill“ im gleichlautenden Restaurantnamen,

(13) „Burger King“ im ebenfalls gleichlautenden Restaurantnamen sowie

(14) „Paulaner“ in „Paulaner Stuben“.

Diejenigen Restaurantnamen des Korpus’, die Markennamen oder Namen von Restaurantketten sind, sowie Restaurantnamen, die Markennamen beinhalten, werden direkt der Oberkategorie „neutral“ zugeordnet. Einerseits sind natürlich auch Markennamen und Restaurantkettennamen Teil der Linguistic Landscape einer Stadt und eine Zuordnung der Elemente dieser Namen zu einer konkreten Sprache bzw. einer der Unterkategorien wäre unter Umständen durchaus auch möglich und vertretbar. Andererseits, und das ist die ausschlaggebende Überlegung hinter diesem Vorgehen, sind derartige Namen nicht spezifisch für eine bestimmte, zu untersuchende Stadt und deren Linguistic Landscape. Dies bedeutet natürlich nicht, dass ein Restaurantname, der kein Markenname oder Restaurantkettenname ist bzw. einen solchen beinhaltet, genau in dieser Form nicht auch in anderen Städten oder Ländern existieren kann. Für diese Arbeit sind jedoch ausschließlich diejenigen Namen von Bedeutung, die auch einen Bezug (jeglicher Art) zur Stadt Bozen haben und die speziell für eine Lokalität in Bozen geschaffen wurden, denn diese Namen spiegeln die sprachlichen Besonderheiten innerhalb der Stadt wider und sind bezüglich der Linguistic Landscape und Sprachsituation einer Stadt um einiges aussagekräftiger als beispielsweise Markennamen. Dementsprechend werden Markennamen und die Namen von Restaurantketten, die auch außerhalb Bozens zu finden sind, zumindest im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt.

d) Nachnamen und Vornamen

Einen weiteren Sonderfall stellen Nachnamen, die ein Element des Restaurantnamens sind, dar. Diese werden als neutrale Elemente gewertet. Zwar kann man sagen, dass Nachnamen wie

(15) „Zanolini“ im gleichlautenden Restaurantnamen,

(16) „Nussbaumer“ in „Pizzeria/Trattoria Nussbaumer“ und

(17) „Mair“ im gleichlautenden Restaurantnamen

eher italienisch (vgl. Bsp. (15)) bzw. deutsch (vgl. Bsp. (16)) klingen oder typisch deutsche Nachnamen (vgl. Bsp. (17)) sind, dennoch ist es schwierig bis unmöglich einen Nachnamen einer bestimmten Sprache zuzuordnen. Aus diesem Grund werden Nachnamen grundsätzlich als neutrale Elemente betrachtet. Das gleiche Vorgehen gilt für Restaurantnamen, die Bezug zu Straßen- oder Platznamen nehmen, die wiederum Nachnamen beinhalten. Ein Beispiel hierfür ist

(18) „Bar Galvani“ in der Via Luigi Galvani.

Dieser Name spielt auf den Mediziner Luigi Galvani an und das Element „Galvani“ wird, da es ein Nachname ist, ebenfalls als neutrales Element gewertet. Auf weitere Restaurantnamen, die Bezug auf Straßennamen, Platznamen etc. anderer Art nehmen, wird unter Punkt e) noch näher eingegangen.

Mit dem Vorgehen bei der Kategorisierung von Vornamen verhält es sich ein wenig anders als bei der der Nachnamen. Wie im Bezug auf die Arbeit von Loulou Edelman zu Beginn dieses Kapitels bereits erwähnt wurde, ist es in manchen Fällen möglich, Vornamen in andere Sprachen zu übersetzen. Dementsprechend ist es auch möglich, „übersetzbare“ Vornamen einer bestimmten Sprache zuzuordnen (vgl. Edelman 2009: 145). Aus diesem Grund soll bei der Kategorisierung des Korpus’ dieser Arbeit wie folgt vorgegangen werden: Vornamen, die nicht übersetzbar sind bzw. zu denen keine entsprechende Übersetzung existiert, wie zum Beispiel

(19) „Anna“ in „Anna & Roby“ oder

(20) „Tiffany“ in „Bar Tiffany“,

werden als neutrale Elemente gezählt. Vornamen, die übersetzbar sind bzw. die in einer oder mehreren weiteren Sprachen in anderer Form existieren, werden der entsprechenden Sprache zugeordnet. So wird beispielsweise

(21) „Alfonso“ in „Da Zio Alfonso“

dem Italienischen zugewiesen, da sich dieser Vorname von seiner deutschen Entsprechung „Alfons“ unterscheidet. Die Kategorisierung geschieht in diesem Fall also dadurch, dass mehrere Formen eines Vornamens existieren, die als „typisch“ für eine Sprache eingestuft werden können. Hinsichtlich der Überprüfung auf Übersetzbarkeit von Vornamen liegt der Fokus in dieser Arbeit auf dem Italienischen und Deutschen. Ein nützliches Hilfsmittel zur Ermittlung der Sprache eines Vornamens und vor allem zur Recherche bezüglich eventueller Übersetzungen eines Namens stellt die online-Namensdatenbank „Namepedia“ dar.

e) Wörter mit inhaltlichem Bezug zu Stadtteilen, Städten, Straßen, Sehenswürdigkeiten etc.

Auch Elemente in Restaurantnamen, die Bezug auf Stadtteile, Städte, Länder etc. nehmen, bedürfen einer besonderen Betrachtung. Hierbei gibt es zum einen diejenigen Elemente bzw. Wörter, die eindeutig einer Sprache zugeordnet werden können, weil sie in anderen Sprachen anders lauten würden. Beispiele aus dem Korpus dieser Arbeit sind die Elemente

(22) „Italia“ in „Osteria L’Italia A Tavola“ sowie

(23) „Vesuvio“ in „Pizzeria Vesuvio“.

Diese Elemente unterscheiden sich deutlich von beispielsweise dt. Italien bzw. dt. Vesuv und können eindeutig dem Italienischen zugewiesen werden.

Zum anderen gibt es Elemente bzw. Wörter mit Bezug zu Stadtteilen, Städten usw., die sich keiner Sprache eindeutig zuordnen lassen. Grund hierfür kann im Umkehrschluss beispielsweise sein, dass das jeweilige Element bzw. Wort nicht in andere Sprachen übersetzt werden kann bzw. dass es hierfür keine entsprechende Übersetzung in andere Sprachen gibt oder auch die Tatsache, dass das Wort in mehreren Sprachen genau in dieser Form verwendet wird bzw. lexikalisiert ist. Im Korpus dieser Arbeit trifft dies unter anderem auf folgende Wörter zu:

(24) „Dublin“ in „Dublin Pub“

(25) „Capri“ in „Pizzeria Nuova Capri“.

Elemente bzw. Wörter wie die in (24) und (25) werden als neutrale Elemente eingestuft. Hierzu sei noch erwähnt, dass bei der Kategorisierung dieser Wörter (genau wie bei der der Vornamen) der Fokus auf dem Italienischen und dem Deutschen liegt.

Dieses im vorangegangenen Absatz beschriebene Vorgehen entspricht auch dem bei der Kategorisierung von Elementen in Namen, die auf Straßennamen, Sehenswürdigkeiten oder bestimmte Einrichtungen in der Stadt Bezug nehmen. So wird beispielsweise das Element

(26) „Maso della Pieve“ in „Pizzeria Maso della Pieve“,

welches auf die Via Maso della Pieve, in welcher sich das Restaurant befindet, anspielt, als „italienisch“ gewertet. Grund hierfür ist, dass es zu diesem Element auch eine deutsche Übersetzung („Pfarrhofstraße“)27Bezüglich der Übersetzung italienischer Straßen- und Platznamen ins Deutsche ist auch folgender Wikipedia-Artikel hilfreich, in welchem alle Straßen- und Platznamen Bozens sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache aufgelistet werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Straßen_und_Plätze_in_Bozen gibt, die nicht der Form ihres italienischen Pendants entspricht.

f) Wortspiele

Auch durch Wortspiele entstandene Restaurantnamen bedürfen einer gesonderten Betrachtung. Beispiele hierfür sind

(27) „Sonder Bar“ im gleichlautenden Restaurantnamen sowie

(28) „gingerino“ in „Bar Gingerino“.

Während (27) auf das Adjektiv dt. sonderbar anspielt und dementsprechend in die Unterkategorie „deutsch“ eingeordnet wird, ist bezüglich der Kategorisierung von (28) vor allem das Suffix –ino von Bedeutung. Dieses Suffix ist ein typisches Diminutivsuffix des Italienischen, wie auch Treccani (vgl. Häufige Diminutivsuffixe des Italienischen nach treccani.it) bestätigt. Aus diesem Grund wird diese Endung bzw. dieses Element als „italienisch“ gewertet. Wegen seiner Lexikalisierung in mehr als einer Sprache wird das Element „ginger-“ hingegen als neutral betrachtet. Beispiel (28) zeigt also, dass für die Kategorisierung in bestimmten Fällen auch Suffixe von Bedeutung sein können28Zur Bestimmung von italienischen Suffixen herangezogen wurde folgende Seite von treccani.it sowie die dort weiter unten verlinkten Seiten unter „VEDI ANCHE“: http://www.treccani.it/enciclopedia/suffissi_%28La-grammatica-italiana%29/.

6.1.5. Georeferenzierte Darstellung der Namen

Wie bereits erwähnt, werden die Restaurantnamen des Korpus’ auch georeferenziert auf Karten dargestellt, was bedeutet, dass eine Markierung auf einer Karte genau dort platziert wird, wo das dem Namen entsprechende Restaurant, Café etc. zu finden ist. In dieser Arbeit wird zum einen pro Teilkorpus eine Karte erstellt, auf der alle zum jeweiligen Teilkorpus gehörigen Namen verortet sind. Zum anderen werden interessante Aspekte der Linguistic Landscape, die detailliert erläutert werden, (wenn es hilfreich ist) anhand von entsprechenden Karten veranschaulicht. Im Folgenden wird die Erstellung dieser Karten erläutert.

Vorab muss jedoch erwähnt werden, dass nicht alle Restaurantnamen des Gesamtkorpus’ auf den Karten erfasst werden. Nicht berücksichtigt werden die Namen der Oberkategorie „neutral“, da diese keine Rückschlüsse auf die Verteilung verschiedener Sprachen in Bozen und für diese Arbeit relevante Aussagen bezüglich der Linguistic Landscape der Stadt ermöglichen. Dementsprechend kann auf die georeferenzierte Darstellung dieser Namen verzichtet werden. Auf der Karte erfasst werden also nur diejenigen Namen, die nicht der Oberkategorie „neutral“ angehören.

Für die georeferenzierte Darstellung werden zwei Hilfsmittel verwendet: Google Earth sowie Google MyMaps. In einem ersten Arbeitsschritt wird jeder Restaurantname in Google Earth über seine entsprechende Adresse, die bei der Erstellung des Korpus’ miterfasst wurde, lokalisiert. Mittels der Funktion „Ortsmarkierung hinzufügen“ wird der Name auf der Karte markiert und benannt. Die Benennung der gesetzten Ortsmarkierung entspricht dem entsprechenden Restaurantnamen.

Um die Karten auch online zugänglich zu machen, werden die in Google Earth (wie gerade beschrieben) angelegten Ortsmarkierungen in einem zweiten Arbeitsschritt in Google MyMaps importiert. Hierzu wird die Markierung, die übertragen werden soll und in Google Earth im Feld „Orte“ aufgelistet ist, als .kmz-Datei gespeichert. Anschließend wird in Google MyMaps diese .kmz-Datei bzw. die darin enthaltene Ortsmarkierung über den Menüpunkt „Importieren“ auf eine „Blanko-Karte“ übertragen. Über den Menüpunkt „Teilen“ kann die Karte schließlich öffentlich zugänglich gemacht werden.

Im siebten sowie achten Kapitel der Arbeit finden sich zudem Karten, auf denen zum Beispiel Straßenverläufe nachgezeichnet sind. Diese Linien wurden in Google MyMaps über die Funktion „Linie zeichnen“ eingefügt.

6.2. Methodenreflexion und Frage der Repräsentativität

In den vorangegangenen Kapiteln 6.1.1 bis 6.1.5 wurden die Methode und Vorgehensweise, welche im Rahmen dieser Arbeit zur Ermittlung und Untersuchung der Linguistic Landscape von Bozen angewandt werden, erläutert. Im Folgenden werden diese Methode und Vorgehensweise nun kritisch reflektiert sowie der Aspekt der Repräsentativität dieser Untersuchung kommentiert.

Zu Beginn muss in diesem Zusammenhang auf die Plattform TripAdvisor eingegangen werden. TripAdvisor bzw. diejenigen Bozner Restaurantnamen, die dort hinterlegt wurden, bilden die Basis, auf welcher die Linguistic Landscape Bozens im Rahmen dieser Arbeit ermittelt und untersucht wird. Hierzu muss gesagt werden, dass bei TripAdvisor sehr wahrscheinlich nicht alle Bozner Restaurants, Bars etc. erfasst sind und dass die Namen der einzelnen Lokalitäten dort teilweise unter Umständen nur unvollständig oder nicht korrekt wiedergegeben werden. Mit dieser Arbeit kann dementsprechend nicht der Anspruch erhoben werden, die vollständige und „reale“ Linguistic Landscape Bozens abzubilden. Es wird vielmehr diejenige Linguistic Landscape der Stadt ermittelt, die TripAdvisor abbildet bzw. die mit TripAdvisor abgebildet werden kann. An dieser Stelle sei vorab jedoch erwähnt, dass sich die Linguistic Landscape, die sich aus dem Korpus dieser Arbeit ergibt, in elementaren Aspekten mit den Forschungsergebnisse Planks deckt. Dementsprechend ist nicht davon auszugehen, dass sich die mit Hilfe von TripAdvisor ermittelte Linguistic Landscape von der „realen“ Linguistic Landscape Bozens, die man durch eine Datensammlung vor Ort erheben würde29Wie schon erwähnt, erstellte Plank ihr Korpus auf Basis von Schriftstücken, die sie vor Ort abfotografierte., in hohem Maße unterscheidet.

Zudem wären bezüglich der Kategorisierung der Namen des Korpus’ selbstverständlich auch andere Vorgehensweisen möglich und vertretbar gewesen, als diejenige, die für diese Arbeit letzten Endes angewandt wird. So wäre es beispielsweise ebenfalls akzeptabel, auch Nachnamen einer konkreten Unterkategorie zuzuweisen (anstatt diese als neutrale Elemente zu werten). Hierzu könnte man bei der Kategorisierung zum Beispiel sprachliche Eigenschaften, die als typisch für eine Sprache gelten und aufgrund derer sich ein Name daher einer bestimmten Sprache zuweisen lassen könnte, miteinbeziehen. Des Weiteren wäre es auch nachvollziehbar, Kunstwörter, wie die in Beispiel (27) und (28), als neutral einzustufen, da diese – in exakt der Form, in welcher sie in den entsprechenden Restaurantnamen verwendet werden – wohl in keiner Sprache lexikalisiert sind. Genauso wäre auch ein alternativer Umgang mit den Wörtern, welche in mehreren Sprachen lexikalisiert sind, möglich. Diese Wörter könnte man, anstatt sie als neutrale Elemente zu betrachten, auch ihrer jeweiligen Ursprungssprache zuweisen. Ein Wort wie it. pizza, das wie in Kapitel 6.1.4 bereits erwähnt, aus dem Italienischen ins Deutsche entlehnt wurde, wäre dementsprechend dann dem Italienischen zugeordnet worden. Bezüglich der Kategorisierung der Restaurantnamen sind andere Vorgehensweisen, als die Vorgehensweise, die in dieser Arbeit angewandt wird, daher durchaus auch denkbar und vertretbar. Das unter dem Punkt 6.1.4 vorgestellte Kategorisierungsvorgehen erscheint jedoch für den Zweck dieser Arbeit geeignet.

7. Auswertung der Korpora30Eine Zusammenfassung der Auswertung des Gesamtkorpus’ und der Teilkorpora findet sich in Anhang 2.

7.1. Vorbemerkung zur Auswertung

Nachdem das Gesamtkorpus bzw. die jeweiligen Teilkorpora (wie unter Punkt 6.1.1 bis 6.1.4 geschildert) erstellt und kategorisiert wurden, werden das Gesamtkorpus bzw. diese Teilkorpora im folgenden ersten Teil des siebten Kapitels ausgewertet und einige Besonderheiten erläutert und beschrieben. Hierbei wird zunächst eine Auswertung der Korpora bezüglich der Ober- und Unterkategorien bzw. Sprachen und Sprachkombinationen, die grundsätzlich ermittelt wurden, durchgeführt. Des Weiteren wird gezeigt, in welchem mengenmäßigen Verhältnis die Namen verschiedener Ober- und Unterkategorien innerhalb des Gesamtkorpus’ sowie innerhalb der Teilkorpora zueinanderstehen. Ergänzend dazu erfolgt außerdem eine Auswertung der Korpora hinsichtlich der geographischen Verortung der Namen. Hierbei werden interessante und aufschlussreiche Aspekte erläutert und mit Hilfe von Google MyMaps-Karten, die wie unter Punkt 6.1.5 erläutert erstellt werden, veranschaulicht. Hinsichtlich der Google MyMaps-Karten sei an dieser Stelle erwähnt, dass in den Fließtext dieser Arbeit jeweils ein Screenshot der entsprechenden Karte eingefügt wird. Da es in einigen Fällen jedoch kaum möglich ist, alle relevanten Details in einem Screenshot zu erfassen, wird zusätzlich auf die entsprechende interaktive Google MyMaps-Karte verlinkt, auf der selbstständig herangezoomt werden kann, der Kartenausschnitt verändert werden kann etc. Zudem wird zu jedem Teilkorpus bzw. Stadtteil eine Karte verlinkt, auf der alle Namen des entsprechenden Teilkorpus’ verortet sind. Auf diese gerade erläuterte Weise werden im ersten Teil dieses Kapitels also zum einen die Gestalt der Linguistic Landscape des gesamten Bozner Stadtgebiets, die sich aus der Auswertung des Gesamtkorpus’ ergibt, und zum anderen die einzelnen, individuellen Linguistic Landscapes der fünf Bozner Stadtteile, die sich aus der Auswertung der Teilkorpora ergeben, erläutert.

Ein Zwischenfazit zur Linguistic Landscape Bozens und den Linguistic Landscapes der einzelnen Stadtteile, Schlussfolgerungen, die aus dieser Auswertung gezogen werden können, ein Vergleich zwischen den Ergebnissen, die durch die Auswertung der einzelnen Teilkorpora gewonnen werden konnten, sowie ergänzende Erläuterungen finden sich im zweiten Teil dieses siebten Kapitels. Auch hier werden, wenn es hilfreich erscheint, Karten zur Veranschaulichung eines bestimmten Aspekts erstellt und beigefügt.

Bereits an dieser Stelle sei zum Verständnis der nun folgenden Abbildungen und Karten sowie der dazugehörigen Ausführungen erwähnt, dass die Restaurantnamen der Oberkategorie „neutral“ nicht berücksichtigt werden. Dementsprechend werden auch (sofern es nicht anders erläutert wird) zum Beispiel zur Berechnung des Anteils einer bestimmten Oberkategorie am Gesamtkorpus die Namen der Oberkategorie „neutral“ nicht miteinbezogen. Der Fokus soll nämlich vor allem auf denjenigen Restaurantnamen liegen, die den übrigen Oberkategorien angehören und sich, anders ausgedrückt, einer bestimmten Sprachen oder (bei mehrsprachigen Namen) einer bestimmten Sprachkombination zuordnen lassen. Grund für die Konzentration auf diese Oberkategorien ist, dass es diese „nicht-neutralen“ Namen ermöglichen, konkrete bzw. konkretere Aussagen über die Linguistic Landscape der Stadt Bozen zu treffen. Eine Betrachtung der neutralen Namen wäre jedoch hierfür kaum aufschlussreich.

7.2. Auswertung des Gesamtkorpus’

Das finale Gesamtkorpus, das im Rahmen dieser Arbeit erstellt wurde, enthält insgesamt 304 Restaurantnamen. Durch die Kategorisierung aller Namen konnten insgesamt vier Oberkategorien gebildet werden: „neutral“, „einsprachig“, „zweisprachig“ sowie „dreisprachig“. Der Oberkategorie „neutral“ wurden hierbei 91 von 304 Namen, also knapp ein Drittel aller Namen, zugewiesen.

Folgende Abbildung veranschaulicht, wie viele der „nicht-neutralen“ Namen jeweils den Oberkategorien „einsprachig“, „zweisprachig“ sowie „dreisprachig“ zugeordnet werden konnten. Zudem wird der Anteil genannt, den die jeweilige Oberkategorie am Gesamtkorpus hat.

Oberkategorie Anzahl Anteil
einsprachig 191 89,7%
zweisprachig 21 9,9%
dreisprachig 1 0,4%

Abb. 11: Quantitative Auswertung der Oberkategorien des Gesamtkorpus’

Grundsätzlich kann anhand dieser Abbildung festgestellt werden, dass keiner der Namen des Gesamtkorpus’ aus verschiedenen Elemente besteht, die mehr als drei unterschiedlichen Sprachen angehören. Abb. 11 zeigt außerdem, dass der mit Abstand größte Teil aller Restaurantnamen einsprachig ist, während nur ein relativ kleiner Teil zweisprachig ist. Lediglich ein Name des Gesamtkorpus’ ist dreisprachig.

Nach dieser eher allgemeinen Betrachtung des Gesamtkorpus’ durch die Analyse der Oberkategorien, werden nun die Unterkategorien betrachtet, um das Gesamtkorpus detaillierter zu untersuchen. Hierzu stellt Abb. 12 zum einen dar, welche Unterkategorien bezüglich der Namen der Oberkategorie „einsprachig“ ermittelt werden konnten. Zum anderen wird angeben, mit welcher Häufigkeit diese Unterkategorien im Gesamtkorpus jeweils auftreten und welchen Anteil sie am Gesamtkorpus haben.

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Oberkategorie „einsprachig“
italienisch 102 53,4%
deutsch 43 22,5%
englisch 35 18,4%
japanisch 4 2,1%
französisch 3 1,6%
spanisch 1 0,5%
ladinisch 1 0,5%
altgriechisch 1 0,5%
lateinisch 1 0,5%

Abb. 12: Quantitative Auswertung zu den Unterkategorien des Gesamtkorpus‘ innerhalb der Oberkategorie „einsprachig“

Unter den einsprachigen Restaurantnamen sind, wie Abb. 12 zeigt, mit besonderer Häufigkeit die Namen der Unterkategorien „italienisch“, „deutsch“ und „englisch“ vertreten. Die Gruppe der italienischen Namen ist dabei die größte: Sie ist mehr als doppelt so groß wie die der deutschen und knapp dreimal so groß wie die der englischen Namen. Innerhalb der Oberkategorie „einsprachig“ mehrfach vorkommend und aufgrund dieser Häufigkeit ebenfalls erwähnenswert, sind außerdem die Namen der Unterkategorien „japanisch“ und „französisch“. Abb. 13 stellt die ermittelten Unterkategorien innerhalb der Oberkategorie „zweisprachig“ dar:

Unterkategorie Anzahl Ungefährer Anteil innerhalb der Oberkategorie „zweisprachig“
deutsch-italienisch 10 47,6%
englisch-italienisch 4 19,0%
deutsch-englisch 4 19,0%
italienisch-lateinisch 1 4,8%
japanisch-italienisch 1 4,8%
spanisch-englisch 1 4,8%

Abb. 13: Quantitative Auswertung zu den Unterkategorien des Gesamtkorpus‘ innerhalb der Oberkategorie „zweisprachig“

Bezüglich der Zahlen zur Oberkategorie „zweisprachig“ ist besonders auffällig, dass italienische und deutsche Elemente in etwa gleich häufig an der Bildung eines zweisprachigen Namens beteiligt sind. Deutsch-italienische Namen sind darüber hinaus auch diejenigen zweisprachigen Namen, die im Rahmen dieser Arbeit am häufigsten ermittelt werden konnten. Erwähnenswert ist zudem, dass das Englische – genau wie bei den einsprachigen Namen schon gesehen – auch in zweisprachigen Namen relativ häufig verwendet wird. Es tritt vor allem in Kombination mit dem Italienischen und dem Deutschen auf.

An dieser Stelle sei auch noch auf den einzigen dreisprachigen Namen („Gelateria Iceberg“) des Gesamtkorpus’ hingewiesen, welcher seinen einzelnen Elementen entsprechend, der Unterkategorie „italienisch-deutsch-englisch“ zuzuordnen ist.

7.3. Auswertung der Teilkorpora: Ergebnisse im Bezug auf die einzelnen Stadtteile

Im Folgenden werden die fünf Teilkorpora sowohl hinsichtlich des quantitativen Vorkommens verschiedener Unter- und Oberkategorien, als auch in Bezug auf die geographische Verortung und Verbreitung von Namen bestimmter Kategorien im jeweiligen Stadtteil ausgewertet. Jeder der fünf Teilkorpora entspricht hierbei einem der fünf Bozner Stadtteile. Durch die Auswertung und Analyse des jeweiligen Teilkorpus ergibt sich die individuelle Linguistic Landscape des (dem Teilkorpus entsprechenden) jeweiligen Stadtteils.

Jeder einzelne Teilkorpus hat zahlreiche unterschiedliche Aspekte. Im Rahmen dieses Kapitels können jedoch nur einige davon näher erläutert werden. Im Fokus dieser Auswertung stehen diejenigen Aspekte, die hinsichtlich der Verwendung des Deutschen und Italienischen in Bozen besonders aufschlussreich sind. Von besonderer Bedeutung sind des Weiteren Details und Eigenschaften, die einen Teilkorpus von den anderen Teilkorpora bedeutend unterscheiden oder hinsichtlich derer ein Teilkorpus einem anderen besonders ähnlich ist.

7.3.1. Kurzer Überblick

In diesem Kapitel wird zunächst ein kurzer Überblick zu den fünf Teilkorpora gegeben. Die folgende Abb. 14 zeigt, welcher Teilkorpus wie viele Restaurantnamen enthält. Hierbei wird zwischen der Anzahl der „nicht-neutralen“ Namen (also den Namen der Oberkategorien „einsprachig“, „zweisprachig“ und „dreisprachig“), der Anzahl der „neutralen Namen“ (also den Namen der Oberkategorie „neutral“) sowie der Anzahl aller Namen des jeweiligen Teilkorpus’ unterschieden.

Teilkorpus Anzahl der „nicht-neutralen“ Namen Anzahl der „neutralen“ Namen Gesamtanzahl aller Namen
Don Bosco 13 3 16
Europa-Neustift 21 7 28
Zentrum-Bozner Boden-Rentsch 106 40 146
Oberau-Haslach 29 25 54
Gries-Quirein 44 16 60

Abb. 14: Anzahl der „nicht-neutralen“ und „neutralen“ Restaurantnamen sowie Gesamtanzahl aller Restaurantnamen je Teilkorpus

Allgemein kann gesagt werden, dass sich die Teilkorpora bezüglich ihres jeweiligen Umfangs teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Der Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ enthält mit Abstand die meisten Namen, was ganz einfach durch eine große Anzahl an Restaurants, Bars etc., die es im Bozner Stadtzentrum (wie in so vielen anderen Stadtzentren auch) gibt, erklärt werden kann. Die anderen Teilkorpora sind im Gegensatz dazu bedeutend kleiner. Abb. 14 kann außerdem auch die Anzahl der „neutralen“ Namen entnommen werden, die an dieser Stelle aber nicht weiter kommentiert werden sollen.

An diesem Punkt sei, auch als kurzer Ausblick auf die folgende Auswertung der einzelnen Teilkorpora, noch einmal auf die bereits erwähnte eindeutige Dominanz von Namen der Oberkategorie „einsprachig“ im Gesamtkorpus zurückgekommen. Dieses Bild ergibt sich nämlich auch hinsichtlich der Teilkorpora: In ausnahmslos jedem der Teilkorpora finden sich erheblich mehr einsprachige als mehrsprachige Namen. Interessant im Bezug auf die Auswertung der Teilkorpora ist es zu sehen, welchem Teilkorpus bzw. welchen Teilkorpora die wenigen mehrsprachigen Namen zuzuordnen sind.

Im Teilkorpus zum Stadtteil Don Bosco finden sich ausschließlich einsprachige Restaurantnamen. Wie sich diese Restaurantnamen hinsichtlich der Unterkategorien aufteilen, veranschaulicht die folgende Tabelle:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „einsprachig“
italienisch 11 84,6%
deutsch 1 7,7%
englisch 1 7,7%

Abb. 15: Überblick über die Unterkategorien des Teilkorpus’ „Don Bosco“

Im Teilkorpus „Don Bosco“ dominieren ganz deutlich die Namen der Unterkategorie „italienisch“, während die der Unterkategorien „deutsch“ und „englisch“ mit jeweils einem Namen vertreten sind. Erwähnenswert bezüglich der Unterkategorie „italienisch“ ist zudem, dass diese auch den Namen „Nto Ziffredu“ beinhaltet, der in einem kalabrischen Dialekt32Bezüglich der Kategorisierung dieses Namens ist auf die entsprechende Bemerkung in Anhang 1 zu verweisen. verfasst ist.

Folgende Karte visualisiert die Verteilung der italienischen, deutschen sowie englischen Namen im Stadtteil Don Bosco:

Karte 2: Verteilung der italienischen (grün), deutschen (schwarz) und englischen (rot) Namen im Stadtteil Don Bosco [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=16q726aaCqjVLOTL_CxWogdlHhK8&usp=sharing ]

Die Karte zeigt bezüglich der italienischen Restaurantnamen in Don Bosco, dass einige dieser Namen im geographischen Zentrum des Stadtteils an der Via Piacenza, Via Resia und Via Sassari gehäuft auftreten. In diesem Schwerpunktgebiet findet sich zudem auch der einzige englische Restaurantname des gesamten Stadtteils. Im Zusammenhang mit dem Italienischen in Don Bosco ist außerdem auch der italienische Name „Punto Ristoro Wiesl“ erwähnenswert, da dieser außerhalb des dicht besiedelten Bereichs des Stadtteils, nämlich im westlichen, eher ländlichen Gebiet von Don Bosco zu lokalisieren ist. Unweit dieses Namens ist zudem auch der einzige deutsche Name Don Boscos zu finden. Dementsprechend lässt sich also feststellen, dass im dicht besiedelten Bereich des Stadtteils zwar nicht nur italienische Namen zu finden sind, dieses Gebiet, wie Karte 2 veranschaulicht, jedoch frei von deutschen Namen ist.

Genau wie im Teilkorpus „Don Bosco“, sind auch im Teilkorpus „Europa-Neustift“ ausschließlich einsprachige Restaurantnamen enthalten. Diese Namen verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Unterkategorien:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „einsprachig“
italienisch 19 90,6%
deutsch 1 4,7%
französisch 1 4,7%

Abb. 16: Überblick über die Unterkategorien des Teilkorpus’ „Europa-Neustift“

In diesem Teilkorpus sind die italienischen Restaurantnamen besonders häufig. Hinsichtlich der Dominanz der einsprachigen Namen und der Dominanz der italienischen Namen gleicht der Teilkorpus „Europa-Neustift“ also dem eben beschriebenen Teilkorpus „Don Bosco“. Zusätzlich finden sich im Teilkorpus „Europa-Neustift“ auch die Unterkategorien „deutsch“ und „französisch“ mit jeweils einem Namen.

Folgende Karte zeigt, wo die Restaurantnamen des gerade beschriebenen Teilkorpus’ „Europa-Neustift“ lokalisiert werden können:

Karte 4: Verteilung der italienischen (grün), deutschen (schwarz) und französischen (blau) Namen im Stadtteil Europa-Neustift [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1NjmGwuh27H6SAg1jzVlrbhGVqds&usp=sharing]

Die Karte verdeutlicht, dass das Italienische im Prinzip weiträumig verteilt ist, wobei zahlreiche italienische Namen im Osten bzw. Südosten entlang der Via Dalmazia, Via Torino und Via Roma gebündelt auftreten. Besonders die Via Roma ist eine bedeutende Straße des Stadtteils Europa-Neustift: Sie verläuft an der östlichen Grenze des Stadtteils von Norden nach Süden, grenzt diesen im Osten von Gries-Quirein ab und führt zur Ponte Roma, die Europa-Neustift mit Oberau-Haslach verbindet. Zwei der Namen dieses Bündels lassen sich direkt an der Via Roma verorten. Die übrigen sind unweit dieser wichtigen Straße in Seitenstraßen zu lokalisieren. In diesem italienischen Schwerpunktgebiet des Stadtteils findet sich zudem der einzige französische Name Europa-Neustifts. Der einzige deutsche Name ist, wie Karte 4 zeigt, im Süden von Europa-Neustift zu finden.

Da die Teilkorpora „Don Bosco“ und „Europa-Neustift“, wie in Abb. 15 und Abb. 16 gesehen, (verglichen mit den noch zu erläuternden weiteren Teilkorpora) keine große sprachliche Vielfalt aufweisen, fallen die Erläuterungen zu diesen beiden Korpora relativ knapp aus. Trotzdem ist die Analyse dieser zwei Teilkorpora sehr aufschlussreich und auf keinen Fall zu vernachlässigen: Dass in den individuellen Linguistic Landscapes der Stadtteile Don Bosco und Europa-Neustift jeweils fast ausschließlich das Italienische verwendet wird, ist eine wichtige Erkenntnis, auf die vor allem in Kapitel 8.4.2 noch näher eingegangen wird.

Der Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ zeichnet sich, verglichen mit den anderen vier Teilkorpora, durch viele unterschiedliche Unterkategorien aus. Diese sprachliche Vielfalt ist mit Sicherheit auch mit der vergleichsweise großen Anzahl an Restaurantnamen, die dieser Korpus enthält, zu begründen. Hierauf wird aber in Kapitel 7.4.2 detaillierter eingegangen.

Die Aufteilung der Restaurantnamen dieses Teilkorpus’ auf die verschiedenen Oberkategorien zeigt die nachstehende Tabelle:

Oberkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil
einsprachig 89 84,0%
zweisprachig 16 15,1%
dreisprachig 1 0,9%

Abb. 17: Überblick über die Oberkategorien des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“

Auch in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch finden sich zwar größtenteils einsprachige Namen. Aber mit 16 von insgesamt 21 zweisprachigen Namen des Gesamtkorpus’ sind in diesem Teilkorpus auch die meisten der zweisprachigen Namen. Erwähnenswert ist außerdem, dass der bereits erwähnte einzige dreisprachige Name des Gesamtkorpus’ (nämlich „Gelateria Iceberg“) diesem Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ zuzuordnen ist.

Folgende Abbildung veranschaulicht die Unterkategorien, in welche die einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ eingeteilt wurden.

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „einsprachig“
italienisch 36 40,5%
deutsch 36 40,5%
englisch 12 13,5%
japanisch 1 1.1%
französisch 1 1,1%
spanisch 1 1,1%
altgriechisch 1 1,1%
lateinisch 1 1,1%

Abb. 18: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“

Hinsichtlich der Unterkategorien der einsprachigen Namen zeigen sich vor allem die Unterkategorien „deutsch“ und „italienisch“ dominant: Diese beiden Unterkategorien sind mit Abstand die umfangreichsten dieses Teilkorpus’, wobei die Namen beider Unterkategorien gleich häufig vertreten sind. Eine aufgrund seines relativ großen Umfangs bedeutende Unterkategorie ist auch die Unterkategorie „englisch“, die mit zwölf Namen ein Drittel so viele Namen beinhaltet wie jeweils die Unterkategorien „deutsch“ und „italienisch“ und damit in diesem Teilkorpus die drittgrößte Unterkategorie darstellt. Darüber hinaus existieren zudem Namen der Unterkategorien „japanisch“, „französisch“, „spanisch“, „altgriechisch“ und „lateinisch“, die mit jeweils einem Namen zwar nicht umfangreich sind, aber trotzdem zu einer – mit den übrigen vier Teilkorpora verglichen – großen Anzahl an unterschiedlichen Unterkategorien im Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ beitragen.

Wo in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch die einsprachigen, deutschen Restaurantnamen zu lokalisieren sind, veranschaulicht nachstehende Karte:

Karte 6: Verteilung der deutschen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=18v0UbHu3uGnZwlcficpWiRMFrlA&usp=sharing ]

Wie Karte 6 zeigt, treten die deutschen Namen gebündelt im Zentrum des Stadtteils, welches zugleich das historische Zentrum Bozens ist, auf. Dies lässt sich natürlich vor allem mit einer hohen Dichte an Restaurants in diesem Gebiet erklären. Ein noch wichtigerer Aspekt bezüglich der Verteilung der deutschen Namen ist jedoch, dass sich zudem auch einige deutsche Namen außerhalb dieses Zentrums im eher ländlichen Stadtgebiet finden. Die deutschen Namen sind also vor allem im Zentrum zu finden, beschränken sich jedoch nicht hierauf.

Folgende Karte zeigt nun die Verteilung der italienischen Restaurantnamen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch:

Karte 7: Verteilung der italienischen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1CRe84G8bZKp3vPMwAhmPZf_zNrE&usp=sharing ]

Die italienischen Restaurantnamen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch befinden sich, wie Karte 7 veranschaulicht, fast ausschließlich im historischen Kern Bozens bzw. im Kern des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Nur zwei Namen – „Grissino“ sowie „Il Palato Italiano“ – befinden sich außerhalb des Zentrums dieses Stadtteils. Kein italienischer Name ist im ländlichen Gebiet des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch zu verorten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die deutschen Namen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch relativ weitläufig verbreitet sind. Zum einen finden sich deutlich mehr deutsche als italienische Namen außerhalb des historischen Kerns. Zum anderen sind auch einige deutsche Namen im eher ländlichen Stadtgebiet zu verorten, während dort kein einziger italienischer Name zu finden ist.

Die Verteilung der einsprachigen Namen der „anderen“ Sprachen (englisch, japanisch, französisch, spanisch, altgriechisch, lateinisch) visualisiert die folgende Karte:

Karte 8: Verteilung der englischen (rot), japanischen (grau), französischen (blau), spanischen (grün), lateinischen (gelb) und altgriechischen (lila) Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1ZOBQMheP4Ya-8mz_f8rWjqPBjK8&usp=sharing]

Die englischen, japanischen, französischen, spanischen, lateinischen und altgriechischen Namen beschränken sich größtenteils auf das historische Zentrum: 13 von 17 Namen können dort verortet werden. Auffällig ist zudem ein gehäuftes Auftreten englischer Namen („Delicious“, „Elmar Number One“, „Downtown“, „Sunrise Winebar“) entlang der Via Museo sowie an der Piazza delle Erbe. Lediglich drei englische Namen („Smart Noodles“, „Bar Risto Self Agora“ und „Cascade“) sowie der einzige lateinische Name des Stadtteils („Ristorante Bauzanum“) finden sich am Rand des dicht besiedelten Stadtgebietes bzw. an der Grenze zum eher ländlichen Stadtgebiet des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch.

Die Unterkategorien bzw. Sprachkombinationen, die bezüglich der zweisprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ ermittelt werden konnten, zeigt folgende Abbildung:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „zweisprachig“
deutsch-italienisch 8 50,0%
englisch-italienisch 3 18,75%
englisch-deutsch 3 18,75%
japanisch-italienisch 1 6,25%
italienisch-lateinisch 1 6,25%

Abb. 19: Überblick über die Unterkategorien der zweisprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“

Auch bei den zweisprachigen Namen zeigt sich die auffällig starke Präsenz des Deutschen und Italienischen, die besonders häufig miteinander kombiniert (also in der Kombination „deutsch-italienisch“) auftreten. Genau wie bei den einsprachigen Namen des betrachteten Teilkorpus’ ist auch das Englische bei den zweisprachigen Namen relativ häufig vertreten. Es kommt dabei in unterschiedlichen Kombinationen, die Abb. 19 entnommen werden können, insgesamt sechsmal im Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ vor.

Der bereits erwähnte einzige dreisprachige Name, nämlich „Gelateria Iceberg“, gehört seinen Elementen entsprechend der Unterkategorie „italienisch-deutsch-englisch“ an.

Die Verteilung der zwei- und dreisprachigen Namen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ist auf folgender Karte 9 ersichtlich:

Karte 9: Verteilung der mehrsprachigen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (italienisch-deutsch: schwarz, italienisch-englisch: grün, deutsch-englisch: rot, japanisch-italienisch: grau, italienisch-lateinisch: gelb, italienisch-deutsch-englisch: lila) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AJils6eLzGFAYt9a_fYzmk3_4Rs&usp=sharing]

Die zwei- bzw. dreisprachigen Namen befinden sich fast ausschließlich im dicht besiedelten Gebiet und sind damit in etwa dort zu lokalisieren, wo auch der größte Teil der einsprachig italienischen, englischen, französischen, spanischen, japanischen und altgriechischen Namen zu finden ist (vgl. Karte 7 und Karte 8). Außerhalb dieses Raumes im dünner besiedelten Gebiet des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch befindet sich ausschließlich der deutsch-italienische Name „Bad St. Isidor – Bagni Sant’Isidoro“.

Die einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus „Oberau-Haslach“ verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Unterkategorien:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „einsprachig“
italienisch 10 38,5%
deutsch 4 15,4%
englisch 10 38,5%
ladinisch 1 3,8%
japanisch 1 3,8%

Abb. 20: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“

Besonders auffällig an den Zahlen, die sich für den Teilkorpus „Oberau-Haslach“ ergeben, ist, dass die meisten einsprachigen Namen den Unterkategorien „englisch“ und „italienisch“ angehören und dass diese beiden Unterkategorien genau gleich umfangreich sind. Weitere Namen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“, die weitaus weniger häufig vertreten sind, gehören zu den Unterkategorien „deutsch“, „ladinisch“ und „japanisch“.

Die Verteilung der Namen der Unterkategorien „italienisch“ sowie „deutsch“ im Stadtteil Oberau-Haslach ist aus nachstehender Karte ersichtlich:

Karte 11: Verteilung der italienischen (grün) und deutschen (schwarz) Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=18_U3BsXJkPftdDiYHMcEjm00Wh0&usp=sharing]

Ein gebündeltes, konzentriertes Auftreten der relativ wenigen deutschen Namen in Oberau-Haslach kann anhand der Karte 11 nicht festgestellt werden. Jedoch lässt sich sagen, dass sich in der geographischen Mitte Oberau-Haslachs keine deutschen Namen finden: Je ein deutscher Name ist im Nordosten, Südosten, Südwesten sowie Nordwesten des Stadtteils zu verorten. Die Verteilung der italienischen Namen zeichnet ein ähnliches Bild: Auch diese Namen treten nicht in bestimmten Gebieten gehäuft auf, sondern verteilen sich relativ gleichmäßig (mit Ausnahme des westlichen und zentralen Gebiets von Oberau-Haslach) über den gesamten Stadtteil.

Folgende Karte zeigt die Verteilung der Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“, die der Unterkategorie „englisch“ zugewiesen wurden:

Karte 12: Verteilung der englischen Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AgR5ohWJU-IrfVCereLWviRkAw4&usp=sharing]

Die Karte 12 verdeutlicht, dass englische Namen in Oberau-Haslach im Süden, Südwesten und Norden des Stadtteils zu finden sind, wobei die englischen Namen im Norden Oberau-Haslachs gebündelt auftreten. Einer der englischen Namen, nämlich „Old Wild West“, bzw. die dem Namen entsprechende Lokalität findet sich im Einkaufszentrum „Twenty“, Via Galileo Galilei 20. Im Zusammenhang mit diesem Einkaufszentrum und den dort zu verortenden Namen muss darüber hinaus ergänzt werden, dass genau dort noch weitere Namen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“ zu lokalisieren sind: Diese sind das Kunstwort „litalissimo“, das aufgrund seiner italienischen Endung der Unterkategorie „italienisch“ angehört, der Name „Bistro 20“, der zur Oberkategorie „neutral“ gehört, sowie die Namen von Restaurantketten, wie beispielsweise „Sushiko“, die ebenfalls der Oberkategorie „neutral“ zugeteilt wurden. Auf einen möglichen Einfluss derartiger Einkaufszentren auf die Linguistic Landscape einer Stadt wird in Kapitel 8.5 genauer eingegangen.

In Bezug auf die eben erläuterte Lokalisierung der italienischen und englischen Namen, die, wie bereits erwähnt, den größten Teil dieses Teilkorpus’ ausmachen, ist auch ein Vergleich zwischen den Lagen dieser Namen interessant: Während die italienischen Namen sich (mit Ausnahme des zentralen und westlichen Raums) über ganz Oberau-Haslach verteilen, sind die englischen Namen (bis auf eine Ausnahme) ausschließlich im Industriegebiet zu finden. Diesen Aspekt veranschaulicht folgende Karte:

Karte 13: Verteilung der englischen (rot) sowie italienischen (grün) Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1EGFDsPqmeYG6ACQwxC31dJqSRKg&usp=sharing]

Karte 13 zeigt ganz deutlich, dass die allermeisten der englischsprachigen Namen westlich der (gelb markierten) Bahnstrecke, im Bozner Industriegebiet lokalisiert werden können. Im Wohngebiet des Stadtteils, welches östlich der Bahnstrecke liegt, ist nur einer von zehn englischen Namen von Oberau-Haslach – nämlich „Bar Happy’s Cafè“ – zu finden. Die italienischen Namen sind im Gegensatz zu den englischen Namen jedoch (zusätzlich zum Industriegebiet) auch in diesem Wohngebiet zu finden.

Dass die drei Sprachen Italienisch, Deutsch und Englisch bezüglich der zweisprachigen Restaurantnamen dieses Teilkorpus’ gleichermaßen stark vertreten sind, veranschaulicht die nachstehende Tabelle:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „zweisprachig“
deutsch-italienisch 1 33,3%
englisch-italienisch 1 33,3%
deutsch-englisch 1 33,3%

Abb. 21: Überblick über die Unterkategorien der zweisprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“

Die eben genannten drei Sprachen Italienisch, Deutsch und Englisch treten in allen untereinander bildbaren Kombinationen (siehe Abb. 21) jeweils einmal im Teilkorpus „Oberau-Haslach“ auf.

Zuletzt folgt nun noch die Auswertung des Teilkorpus’ Gries-Quirein. Die Verteilung der einsprachigen Restaurantnamen gestaltet sich hier wie folgt:

Unterkategorie Anzahl der Namen Ungefährer Anteil innerhalb der Unterkategorie „einsprachig“
italienisch 26 61,9%
englisch 12 28,5%
japanisch 2 4,8%
deutsch 1 2,4%
französisch 1 2,4%

Abb. 22: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Gries-Quirein“

Die mit Abstand meisten einsprachigen Restaurantnamen gehören im Teilkorpus „Gries-Quirein“ der Unterkategorie „italienisch“ an. Danach folgt die Unterkategorie „englisch“, die knapp halb so viele Namen beinhaltet. Die Unterkategorie „deutsch“ ist, verglichen mit den beiden eben genannten, sehr klein: Sie besteht nur aus einem Namen und entspricht damit in etwa dem jeweiligen Umfang der Unterkategorien „französisch“ und „japanisch“.

Unter den einsprachigen Restaurantnamen sind im Stadtteil Gries-Quirein demnach die italienischen sowie die englischen Namen besonders präsent. Folgende Karte zeigt, wie sich die italienischen Namen im Stadtteil verteilen:

Karte 15: Verteilung der italienischen Restaurantnamen im Stadtteil Gries-Quirein [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AOl-RMrsqYCGsjkjOtrZaofMaVo&usp=sharing]

Die Karte zeigt, dass die einsprachigen, italienischen Namen im Osten, Nordosten und Südosten des Stadtteils in besonderem Maße vertreten sind, prinzipiell aber im gesamten dicht besiedelten Gebiet des Stadtteils Gries-Quirein zu finden sind.

Die englischen Namen sind im Osten des Stadtteils zu verorten. Hierbei lassen sich deutlich zwei Gruppen an Namen ausmachen, die jeweils gebündelt auftreten. Dies veranschaulicht folgende Karte:

Karte 16: Verteilung der englischen Restaurantnamen im Stadtteil Gries-Quirein [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1W4-XUjTTD-1A0NdrzLuUNQF6pMQ&usp=sharing]

Betrachtet man die Verortung der Namen der nördlicheren Gruppe, so lässt sich feststellen, dass die den Namen entsprechenden Lokalitäten entlang des Corso della Libertà bzw. an der Piazza Giuseppe Mazzini, welche direkt am Corso della Libertà gelegen ist, zu finden sind. Die Namen des zweiten, südlicheren Schwerpunktgebietes sind rund um den Corso Italia und die Piazza Tribunale zu finden. Was beide Gruppen von Namen verbindet, ist deren Lage um und an bedeutenden, großen Straßen bzw. Plätzen des Stadtteils: Der Corso della Libertà führt, ausgehend von der Piazza Gries, durch den nördlichen Teil des Stadtteils und endet an der Piazza Vittoria. Von dort aus gelangt man über die Talferbrücke nach Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Der Corso Italia hingegen verbindet den nördlichen mit dem südlichen Teil des Stadtteils.

Auch die Verortung des einzigen deutschen Restaurantnamens („Post Gries“) in diesem Stadtteil ist interessant. Die dem deutschen Namen entsprechende Lokalität ist auf der nachstehenden Karte schwarz markiert. Zudem ist der Karte die Position des Grieser Platzes (grün) sowie der Alten Grieser Pfarrkirche (rot) zu entnehmen:

Karte 17: Verortung des deutschen Restaurantnamens (schwarz) in Gries-Quirein sowie Lage des Grieser Platzes (grün) und der Alten Grieser Pfarrkirche (rot) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1yMLV85dFhPmLWgsFHVhTRPt-mfw&usp=sharing]

Der einzige deutsche Restaurantname des Teilkorpus’ „Gries-Quirein“ ist am Grieser Platz im Norden des Stadtteils zur verorten. Unweit dieses Restaurants ist außerdem auch die Alte Grieser Pfarrkirche zu finden. Diese beiden Bezugspunkte wurden für die Darstellung in Karte 17 gewählt, da sie als die „beiden historischen Ortskerne[n]“ (Montel 1996: 13) der bis zum Jahr 1925 eigenständigen Gemeinde Gries bezeichnet werden können (vgl. Montel 1996: 13) und dadurch zeigen, dass der deutsche Restaurantname in diesem alten Teil von Gries-Quirein zu finden ist. Auf diesen Zusammenhang wird in Kapitel 8.4.3 im Detail eingegangen.

Der in diesem Kapitel betrachtete Teilkorpus „Gries-Quirein“ enthält darüber hinaus außerdem auch zwei zweisprachige Namen. Diese Namen wurden den Unterkategorien „italienisch-deutsch “ und „englisch-spanisch “ zugeteilt. Im Teilkorpus „Gries-Quirein“ ist damit auch einer von zwei Namen des Gesamtkorpus’ zu finden, die ein spanisches Element enthalten. Interessant im Zusammenhang mit den zweisprachigen Namen ist die Lage des Restaurants mit dem Namen „Restaurant Schloss Rafenstein – Ristorante Castel Rafenstein“ der Unterkategorie „italienisch-deutsch“:

Karte 18: Lage des italienisch-deutschen Restaurantnamens (schwarz) im Stadtteil Gries-Quirein [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1xLEAjMagWDUK2gAKOFSgYQQMogs&usp=sharing]

Im Vergleich zu den anderen Namen (bzw. den entsprechenden Restaurants) in Gries-Quirein, befindet sich eben erwähnter italienisch-deutscher Name relativ weitab des dicht besiedelten Stadtgebietes im Norden des Stadtteils Gries-Quirein.

7.4. Zwischenfazit und Zusammenfassung, Vergleich zwischen den einzelnen Stadtteilen sowie ergänzende Erläuterungen

In den vorangegangenen Kapiteln 7.2 und 7.3 wurden das Gesamtkorpus sowie die einzelnen Teilkorpora ausgewertet und beschrieben. Im Folgenden wird nun eine Zusammenfassung der wichtigsten und prägnantesten Punkte der bisherigen Ergebnisse sowie ein kurzes Zwischenfazit gegeben. Außerdem werden Schlussfolgerungen, die die Ergebnisse der Auswertung bezüglich der Linguistic Landscape Bozens bzw. bezüglich der individuellen Linguistic Landscapes der einzelnen Bozner Stadtteile ermöglichen, sowie eventuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen thematisiert. Darüber hinaus werden zu den Restaurantnamen im weniger dicht besiedelten Gebiet der Stadt Bozen sowie zu den zwei- und mehrsprachigen Restaurantnamen, die bisher noch nicht oder nur beiläufig behandelt wurden, ergänzende Bemerkungen gemacht.

7.4.1. Relative Heterogenität in Bezug auf die individuellen Linguistic Landscapes

Betrachtet und vergleicht man die Linguistic Landscapes der einzelnen Bozner Stadtteile, so lässt sich grundsätzlich feststellen, dass sich diese in Bezug auf die darin vorkommenden Sprachen und Sprachkombinationen sowie hinsichtlich der Verortung der Namen verschiedener Sprachen teilweise stark voneinander unterscheiden. Dementsprechend weist die individuelle Linguistic Landscape eines Bozner Stadtteils verschiedene Eigenschaften auf, die in dieser Gestalt und in dieser Kombination typisch für ebendiesen Stadtteil sind und sich in der Regel nicht ohne Weiteres genau so auf einen anderen Stadtteil übertragen lassen bzw. nicht auch dort genau so feststellen lassen. So kann die Bozner Linguistic Landscape in ihrer Gesamtheit als sprachlich heterogen und als ein Mosaik aus einzelnen, unterschiedlichen Linguistic Landscapes bezeichnet werden.

Dieser gerade erläuterte Aspekt muss allerdings relativiert werden: Durch die Vielzahl an sprachlichen Merkmalen, die die Stadtteile jeweils charakterisieren, ist es dennoch möglich, dass die Linguistic Landscape eines Stadtteils bezüglich eines oder mehrerer ausgewählter Merkmale der Linguistic Landscape eines anderen Stadtteils gleicht oder zumindest ähnlich ist. Die Bozner Stadtteile sind hinsichtlich ihrer individuellen Linguistic Landscapes also nicht komplett unterschiedlich – vielmehr lassen sich sozusagen „Schnittmengen“ in Bezug auf die Charakteristika der individuellen Linguistic Landscapes feststellen. Je nach Umfang oder Art dieser „Schnittmengen“ sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Linguistic Landscapes in einigen Fällen extremer, in anderen Fällen weniger extrem: Betrachtet man beispielsweise das Verhältnis zwischen der Anzahl an deutschen und italienischen Namen in Europa-Neustift sowie Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (vgl. Kapitel 7.3.3 und 7.3.4), so unterscheiden sich diese beiden Stadtteile hinsichtlich dieses Aspekts extrem voneinander. Im Gegensatz dazu ähneln sich jedoch zum Beispiel Europa-Neustift und Don Bosco in Bezug auf die große Präsenz italienischer Namen im Stadtteil deutlich.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Die für die Stadt Bozen typische Linguistic Landscape zeichnet sich beispielsweise nicht durch ein bestimmtes mengenmäßiges Verhältnis zwischen den präsenten Sprachen, welches sich genau in dieser Form in ganz Bozen feststellen ließe, aus, sondern vielmehr durch eine relative Heterogenität innerhalb der Linguistic Landscape Bozens, die sich in Gestalt von individuellen und mehr oder weniger einzigartigen Linguistic Landscapes je nach Stadtteil manifestiert.

7.4.2. Sprachliche Vielfalt und Mehrsprachigkeit in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Oberau-Haslach und Gries-Quirein

Verglichen mit den anderen vier Teilkorpora, findet man im Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ die größte Anzahl an unterschiedlichen Unterkategorien. Der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch lässt sich also, hinsichtlich der dort in den Restaurantnamen präsenten Sprachen und der sich daraus ergebenden individuellen Linguistic Landscape des Stadtteils, als der vergleichsweise sprachlich vielfältigste Stadtteil Bozens bezeichnen. Auch findet man in diesem Teilkorpus die meisten der mehrsprachigen Restaurantnamen des Gesamtkorpus’ (17 von 22 Namen). Diese Beobachtung spricht dafür, dass im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch nicht nur, wie im vorangegangenen Absatz beschrieben, verschiedene Sprachen „nebeneinander“ – also im gleichen Raum, aber in unterschiedlichen Restaurantnamen – existieren, sondern auch, dass die Sprachen „miteinander kombiniert“ und innerhalb eines Namens Verwendung finden und Teil der Linguistic Landscape des Stadtteils werden. Zentrum-Bozner Boden-Rentsch zeichnet sich in diesem Zusammenhang also auch durch eine gewisse Mehrsprachigkeit aus. Zudem gliedern sich die Namen der Oberkategorie „zweisprachig“ in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch wiederum in fünf verschiedene Unterkategorien. Auch diese Tatsache verdeutlicht noch einmal die sprachliche Vielfalt in diesem Stadtteil. Die Linguistic Landscape von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ist insgesamt also wegen der Verwendung diverser Sprachen in ein- wie mehrsprachigen Restaurantnamen und den zahlreichen mehrsprachigen Namen von einer auffallenden sprachlichen Vielfalt und Mehrsprachigkeit gekennzeichnet.

Diese Schlussfolgerungen bezüglich des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, die aus den Auswertungen der Korpora gezogen werden konnten und im vorangegangenen Absatz erläutert wurden, müssen natürlich auch vor dem Hintergrund des besonders großen Umfangs des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ betrachtet werden: In Zentrum-Bozner Boden-Rentsch konnten nämlich – im Vergleich zu den anderen Bozner Stadtteilen – die meisten Restaurantnamen erhoben werden (wie bereits in den Kapiteln 7.3.1 und 7.3.4 erwähnt). Dieser relativ große Umfang des Teilkorpus’ bietet somit natürlich eine günstige Grundlage für vergleichsweise große sprachliche Vielfalt der darin enthaltenen Namen – wobei ein großes Korpus natürlich keine vielfältigen Ergebnisse garantiert und diese selbstverständlich auch nicht zwingend mit sich bringen muss.

Im Zusammenhang mit der gerade erläuterten sprachlichen Vielfalt und Mehrsprachigkeit ist noch darauf hinzuweisen, dass nicht alle in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ermittelten Sprachen in diesem Stadtteil in gleichem Maße Verwendung finden. Aus diesem Grund soll im folgenden Absatz kurz auf die Frequenz der Sprachen und Sprachkombinationen eingegangen werden: Zu den in „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ am häufigsten verwendeten Sprachen gehören, wie die Auswertung des Teilkorpus’ ergeben hat, das Italienische sowie das Deutsche, die exakt gleich häufig in den einsprachigen Namen verwendet werden und in diesem Stadtteil folglich gleich stark vertreten sind. Dies lässt sich nicht nur anhand der einsprachigen Restaurantnamen feststellen, sondern auch mit Hilfe der zwei- und dreisprachigen Restaurantnamen, unter welchen vor allem deutsch-italienische Namen sowie Namen mit entweder einem deutschen oder einem italienischen Element existieren. Neben dem Deutschen und dem Italienischen prägt auch das Englische in besonderem Maße die Linguistic Landscape dieses Stadtteils: Zwar ist das Englische nicht so präsent wie die anderen beiden Sprachen, dennoch ist dessen Vorkommen hier sowohl in einsprachigen als auch in zweisprachigen Namen relativ häufig und somit gewissermaßen ebenfalls ein elementarer Bestandteil der Linguistic Landscape des Stadtteils. Die in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch am schwächsten vertretenen Sprachen sind das Japanische, Französische, Spanische, Altgriechische und Lateinische (je ein Name) sowie die Sprachkombinationen Italienisch-Japanisch und Italienisch-Lateinisch (ebenfalls je ein Name). Auch wenn diese Sprachen bzw. Sprachkombinationen im betrachteten Stadtteil nur selten verwendet werden, haben sie trotzdem einen Einfluss auf die Linguistic Landscape des Stadtteils und tragen zu dessen sprachlicher Vielfalt bei.

Im Zusammenhang mit der sprachlichen Vielfalt in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sind auch die Stadtteile Oberau-Haslach und Gries-Quirein zu nennen. Auch diese Stadtteile kann man hinsichtlich der verschiedenen dort jeweils zu findenden Sprachen als relativ vielfältig beschreiben. Zwar findet man hier im Bereich der einsprachigen Restaurantnamen je nur fünf verschiedene Sprachen, so dass Zentrum-Bozner Boden-Rentsch mit seinen acht verschiedenen Sprachen noch vielfältiger ist, jedoch kann man auch an diesem Punkt wieder das bereits erläuterte Argument des unterschiedlichen Umfangs der zu vergleichenden Teilkorpora anbringen: Der Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ enthält erheblich mehr Namen, was eine Vielfalt an Ergebnissen (zumindest) begünstigt. Die Linguistic Landscape Oberau-Haslachs ist vor allem durch die Verwendung des Italienischen und Englischen gekennzeichnet: Namen dieser beiden Sprachen treten hier gleich häufig auf. Bezüglich in Gries-Quirein zu findender Sprachen ist besonders die Präsenz des Italienischen, das mit großem Abstand am häufigsten verwendet wird, erwähnenswert. Im Gegensatz dazu (und zum Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch) sind in Gries-Quirein jedoch nur sehr wenige deutsche Restaurantnamen zu finden. Interessant ist zudem auch die Rolle des Englischen in Gries-Quirein – hierauf wird in Kapitel 7.4.6 eingegangen. Die Menge an zweisprachigen Namen ist in den Stadtteilen Oberau-Haslach und Gries-Quirein jedoch sehr gering. Hinsichtlich dieses Aspekts unterscheiden sich die beiden Stadtteile deutlich vom Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch.

7.4.3. „Relative Einsprachigkeit“ in Don Bosco und Europa-Neustift

Im Gegensatz zu den Stadtteilen Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Oberau-Haslach und Gries-Quirein stehen Don Bosco sowie Europa-Neustift für eine „relative Einsprachigkeit“: Wie die entsprechenden Teilkorpora zeigen konnten, sind diese Stadtteile nicht, wie es unter anderem in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch der Fall ist, von vielen unterschiedlichen Sprachen geprägt. Don Bosco wie Europa-Neustift sind vielmehr durch die fast ausschließliche Verwendung des Italienischen gekennzeichnet: Zwar gibt es in beiden Stadtteilen auch einige wenige nicht-italienische Restaurantnamen, jedoch ist deren Anteil jeweils so gering, dass er im Gesamtbild kaum ins Gewicht fällt. Auffallend ist zudem, dass sich in den Stadtteilen Don Bosco und Europa-Neustift auch kein einziger zwei- oder dreisprachiger Restaurantname findet. Die beiden Stadtteile sind dementsprechend (fast ausschließlich) durch einsprachige, italienische Restaurantnamen gezeichnet. Die beiden individuellen Linguistic Landscapes können als relativ einheitlich oder relativ homogen – im Sinne von Linguistic Landscapes, die jeweils durch Namen gekennzeichnet sind, die fast alle derselben Ober- und Unterkategorie angehören – beschrieben werden.

Besonders betont werden muss im Zusammenhang mit den Linguistic Landscapes von Don Bosco und Europa-Neustift auch die geringe Präsenz des Deutschen und Englischen, denn sowohl die deutschen als auch die englischen Restaurantnamen machen, wie in der quantitativen Auswertung unter Punkt 7.2 gesehen, einen bedeutenden und nicht zu vernachlässigenden Teil der Linguistic Landscape der gesamten Stadt Bozen aus. Zudem muss gesagt werden, dass die englischen Namen in den Teilkorpora „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“, „Gries-Quirein“ und „Oberau-Haslach“ einen relativ großen Anteil (zwischen 13,5% und 38,5%) an der jeweiligen Menge an einsprachigen Namen haben. Betrachtet man jedoch die individuellen Linguistic Landscapes von Don Bosco und Europa-Neustift, so kann man feststellen, dass das Englische und Deutsche hier kaum bzw. (im Falle des Englischen in Europa-Neustift) gar nicht präsent sind. Hinsichtlich dieser Aspekte unterscheiden sich die Linguistic Landscapes der Stadtteile Don Bosco und Europa-Neustift also deutlich von der Linguistic Landscape des gesamten Bozens sowie von den individuellen Linguistic Landscapes der übrigen drei Stadtteile.

7.4.4. Starke Präsenz des Italienischen in allen Bozner Stadtteilen

Durch die Auswertung der Teilkorpora konnte festgestellt werden, dass das Italienische in allen fünf Bozner Stadtteilen sehr präsent ist. Folgende Auflistung zeigt, welchen Anteil die italienischsprachigen Namen in den einzelnen Bozner Stadtteilen unter allen einsprachigen Namen haben. Um diesen jeweiligen Anteil in Relation zu den Anteilen der anderen Sprachen des Stadtteils setzen zu können, wird zudem angegeben, an welcher „Position“ die entsprechende Sprache bezüglich der Häufigkeit ihrer Verwendung in einsprachigen Namen innerhalb des entsprechenden Stadtteils liegt (Position 1 = im Stadtteil am häufigsten verwendete Sprache) und wie viele Positionen je Stadtteil zu vergeben sind (das heißt, wie viele unterschiedliche Sprachen in Bezug auf die einsprachigen Namen im jeweiligen Stadtteil festgestellt werden konnten).

  • Europa-Neustift: 90,6% – Position 1 von 3
  • Don Bosco: 84,6% – Position 1 von 3
  • Gries-Quirein: 61,9% – Position 1 von 5
  • Zentrum-Bozner Boden-Rentsch: 40,5% – Position 1 von 8 (zusammen mit dem Deutschen)
  • Oberau-Haslach: 38,5% – Position 1 von 5 (zusammen mit dem Englischen)

Wie im vorangegangenen Kapitel bereits erwähnt, sind die Stadtteile Europa-Neustift und Don Bosco unter anderem durch die dominierende Präsenz italienischer Namen geprägt. Das Italienische ist darüber hinaus auch in jedem der drei anderen Stadtteile, also in Gries-Quirein, Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie Oberau-Haslach, präsent. Zwar ist in keinem der drei zuletzt genannten Stadtteile ausschließlich oder fast ausschließlich das Italienische zu finden (wie es in Europa-Neustift und Don Bosco der Fall ist), jedoch ist der Anteil der italienischen Namen in allen Stadtteilen trotzdem äußerst bedeutend: In Gries-Quirein sind die italienischen Restaurantnamen die mit Abstand am häufigsten vertretenen einsprachigen Namen. In Oberau-Haslach findet man vor allem englische und italienische Namen, wobei hier beide Sprachen gleich häufig verwendet werden. In Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, das wurde bereits erläutert, ist die Linguistic Landscape vor allem durch das Italienische und Deutsche geprägt, wobei italienische wie deutsche Restaurantnamen ebenfalls gleich häufig vertreten sind.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass sich in ganz Bozen – im Sinne von „in allen fünf Bozner Stadtteilen“ – das Italienische findet. Der Anteil italienischer Restaurantnamen variiert dabei von Stadtteil zu Stadtteil, jedoch sind die italienischen Namen in allen Stadtteilen die am häufigsten verwendeten Namen. Das Italienische stellt damit in den individuellen Linguistic Landscapes aller Stadtteile einen sehr bedeutenden Anteil dar.

7.4.5. Unterschiedliche Präsenz des Deutschen in den Bozner Stadtteilen

Bezüglich der Präsenz der deutschen Namen kann festgestellt werden, dass diese in einigen Stadtteilen sehr stark, in anderen Stadtteilen aber nur sehr schwach ist. Folgende Auflistung gibt einen Überblick über den Anteil der deutschsprachigen Namen an der Menge aller einsprachigen Namen im angegebenen Stadtteil:

  • Zentrum-Bozner Boden-Rentsch: 40,5% – Position 1 von 8 (gemeinsam mit dem Italienischen)
  • Oberau-Haslach: 15,4% – Position 3 von 5
  • Don Bosco: 7,7% – Position 3 von 3 (gemeinsam mit dem Englischen)
  • Europa-Neustift: 4,7% – Position 3 von 3 (gemeinsam mit dem Französischen)
  • Gries-Quirein: 2,4% – Position 5 von 5 (gemeinsam mit dem Französischen)

Während in den beiden Stadtteilen Don Bosco und Europa-Neustift, wie erläutert, fast ausschließlich das Italienische verwendet wird, findet das Deutsche, welches (wie in Kapitel 2.1.2 geschildert) dem Italienischen in Südtirol offiziell gleichgestellt ist, in diesen Stadtteilen kaum Verwendung. Im Stadtteil Gries-Quirein wiederholt sich diese Feststellung: Auch hier ist der Anteil an deutschsprachigen Restaurantnamen äußerst gering. In den drei genannten Stadtteilen wird das Deutsche jeweils genauso häufig verwendet wie das Englische bzw. das Französische.

Das Deutsche in Restaurantnamen findet man – verglichen mit den eben erwähnten Stadtteilen Don Bosco, Europa-Neustift und Gries-Quirein – in größerem Umfang zum einen in Oberau-Haslach: Hier ist das Deutsche zwar nicht die am häufigsten verwendete Sprache, aber dennoch hat es einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von 15,4% an der Menge der einsprachigen Namen und ist hier dementsprechend erheblich präsenter als jeweils in Don Bosco, Europa-Neustift und Gries-Quirein. Zum anderen ist das Deutsche – verglichen mit den anderen vier Stadtteilen – in besonders großem Ausmaß in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch vertreten: In diesem Stadtteil machen die deutschsprachigen Restaurantnamen nämlich einen Anteil von 40,5% aller einsprachigen Namen aus und sind gemeinsam mit den italienischen Namen die am stärksten vertretenen Namen im Stadtteil.

Zum Deutschen in Bozen lässt sich also zusammenfassend sagen, dass dieses nicht in allen, sondern nur in einigen Stadtteilen in einem größeren Umfang vertreten ist und in diesem Sinne die Präsenz der deutschen Namen in Bozen als eher unregelmäßig und partiell bezeichnet werden kann. Konkret heißt das: In den Stadtteilen Don Bosco, Europa-Neustift sowie Gries-Quirein findet man nur wenige bis sehr wenige deutsche Restaurantnamen. In der Linguistic Landscape von Oberau-Haslach, verglichen mit den eben genannten Stadtteilen, ist der Anteil des Deutschen hingegen um einiges größer und bedeutender, wobei sich jedoch das Vorkommen deutscher Namen in der Stadt Bozen vor allem auf den Stadtteil Zentrum-Bozner Boden Rentsch konzentriert.

7.4.6. Auffällige Präsenz der englischen Namen in Oberau-Haslach und Gries-Quirein

Die englischen Namen nehmen in der Linguistic Landscape Bozens eine besondere Rolle ein, da diese in einigen Stadtteilen vergleichsweise stark vertreten sind. Die Präsenz der englischen Namen kann in diesen Stadtteilen, ganz allgemein ausgedrückt, als „auffällig“ beschrieben werden: Wie in den Kapiteln 2.1.2 und 2.2.2 erläutert, sind das Deutsche und Italienische die offiziellen Amtssprachen in Südtirol und die vom allergrößten Teil der Bozner Bevölkerung gesprochenen Sprachen. Dennoch findet man englische Namen vor allem in den Stadtteilen Oberau-Haslach und Gries-Quirein recht häufig.

Folgende Auflistung gibt einen Überblick über die Präsenz englischer Namen in den fünf Bozner Stadtteilen in Relation zur Anzahl aller einsprachigen Namen im jeweiligen Stadtteil:

  • Oberau-Haslach: 38,5% – Position 1 von 5 (gemeinsam mit dem Italienischen)
  • Gries-Quirein: 28,5% – Position 2 von 5
  • Zentrum-Bozner Boden-Rentsch: 13,5% – Position 3 von 8
  • Don Bosco: 7,7% – Position 3 von 3 (gemeinsam mit dem Deutschen)
  • Europa-Neustift: keine englischen Namen vorhanden

Während englische Namen in Gries-Quirein am zweithäufigsten verwendet werden und dort etwas mehr als ein Viertel aller einsprachigen Restaurantnamen ausmachen, sind englische Namen in Oberau-Haslach, gemeinsam mit den italienischen Namen, sogar die am häufigsten vertretenen einsprachigen Namen. Die englischen Namen sind im Stadtteil Oberau-Haslach sowie im Stadtteil Gries-Quirein dementsprechend präsenter als deutsche Namen.

Zu diesen Ausführungen sei ergänzend noch auf die Stadtteile Don Bosco und Europa-Neustift hingewiesen, in welchen die englischen Namen kaum bzw. gar nicht vertreten sind.

7.4.7. Ergänzende Bemerkungen zu den Namen in den unterschiedlich dicht besiedelten Stadtteilen Bozens

Ein weiteres interessantes Detail der Bozner Linguistic Landscape, auf das bisher nur teilweise eingegangen wurde, lässt sich erkennen, wenn man diejenigen Restaurantnamen betrachtet, die im eher „ländlich anmutenden“, weniger bzw. nicht-dicht besiedelten Gebiet der Stadt Bozen zu lokalisieren sind. Alle diese Namen sind auf folgender Karte verortet:

Karte 19: Deutsche (schwarz), italienische (grün) sowie deutsch-italienische (rot) Namen im nicht-dicht besiedelten Gebiet der Stadt Bozen [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1rltnEOxDeN1UvG7cMsRaLXHGzLw&usp=sharing]

Betrachtet man die auf der Karte 19 verzeichneten, im eher „ländlich anmutenden“ Stadtgebiet Bozens zu findenden Restaurantnamen, so fällt auf, dass diese Restaurantnamen deutsch (fünf Namen37Diese deutschen Namen sind „Rentschnerhof“, „Kohlern“, „Buschenschank Graf-Hof“, „Gasthof Buschenschank“ sowie „Mendelhof“.), italienisch (zwei Namen38Diese italienischen Namen sind „Maso Fohrner“ und „Punto Ristoro Wiesl“.) oder deutsch-italienisch (zwei Namen39Diese italienisch-deutschen Namen sind „Bad St. Isidor – Bagni Sant’Isidoro“ sowie „Restaurant Schloss Rafenstein – Ristorante Castel Rafenstein“.) sind. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass unter den im weniger oder nicht-dicht besiedelten Stadtgebiet zu verortenden Restaurantnamen keine Namen sind, die einer anderen Sprache als dem Deutschen oder Italienischen oder einer anderen Sprachkombination als der Kombination „deutsch-italienisch“ angehören.

Zur Untermauerung dieser Erkenntnis stellt die folgende Karte die Verortung aller Namen, die nicht italienisch und nicht deutsch (sondern englisch, französisch, spanisch, japanisch, ladinisch, altgriechisch oder lateinisch) sind, sowie die Verortung aller mehrsprachigen Namen, die nicht italienisch-deutsch (sondern italienisch-lateinisch, spanisch-englisch, englisch-italienisch, deutsch-englisch, japanisch-italienisch oder italienisch-englisch-deutsch) sind, dar:

Karte 20: Verortung aller ein- und mehrsprachigen Restaurantnamen, die nicht deutsch, italienisch oder italienisch-deutsch sind [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1qbxRijNsVasDhHn4z50sjVYchh0&usp=sharing]

Die Karte zeigt deutlich, dass sich alle Namen, die nicht deutsch, italienisch oder deutsch-italienisch sind, im dicht besiedelten Gebiet der Stadt Bozen befinden. Kein einziger dieser Namen findet sich im nicht-dicht besiedelten Stadtgebiet Bozens.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass sich bezüglich der Sprachen der Restaurantnamen nicht nur Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen feststellen lassen, sondern auch zwischen den dicht besiedelten und nicht-dicht besiedelten Gebieten Bozens. Hierbei zeigt sich im dicht besiedelten Raum insgesamt eine große sprachliche Vielfalt während im nicht-dicht besiedelten Raum lediglich das Deutsche und das Italienische zu finden sind.

7.4.8. Ergänzende Bemerkungen zu den mehrsprachigen Namen

Auf die mehrsprachigen (also zwei- oder dreisprachigen) Restaurantnamen in Bozen wurde in den vorherigen Kapiteln nur am Rande eingegangen. Deswegen werden im Folgenden ein kurzer Überblick sowie ergänzende Erläuterungen zu diesen Namen gegeben.

Insgesamt wurden 22 mehrsprachige Namen ermittelt, was einen Anteil von circa 10 Prozent an der Menge aller nicht-neutralen Namen des Gesamtkorpus’ ausmacht. 17 mehrsprachige Namen, und damit der Großteil dieser Namen, finden sich in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, drei in Oberau-Haslach sowie zwei Namen in Gries-Quirein. In Don Bosco und Europa-Neustift finden sich jeweils nur einsprachige Namen.

Betrachtet man diese mehrsprachigen Namen, so fällt auf, dass die meisten davon aus Elementen bzw. Wörtern bestehen, die unterschiedlichen Sprachen angehören, aber dasselbe bezeichnen. Beispiele hierfür sind

(29) „Bäckerei Panificio Hackhofer“ oder

(30) „Cavallino Bianco – Weisses Rössl“.

Zweisprachige Namen, die nach diesem Schema gebildet wurden, sind darüber hinaus ausschließlich deutsch-italienisch und in allen drei oben genannten Stadtteilen vertreten.

Ein weiteres Muster, das bezüglich der Bildung von mehrsprachigen Namen häufig festgestellt werden kann, veranschaulichen die folgenden Beispiele:

(31) „Tortuga Beer & Pizza“ sowie

(32) „Franziskaner Pasticceria Panificio“

Diese Namen bestehen aus einem Element, welches einen Hinweis auf die Art bzw. das Angebot des Restaurants gibt (in (31) „Beer“ sowie „Pizza“ und in (32) „Pasticceria“ sowie „Panificio“) und in einer ersten Sprache verfasst ist, sowie aus einem Element, das sozusagen als der eigentliche Name dieses Restaurants oder als Kern des Namens angesehen werden kann (in (31) „Tortuga“ und in (32) „Franziskaner“). Im Gegensatz zu den Namen, welche dem Bildungsmuster der Beispiele (29) und (30) folgen, sind die Namen, die wie die Beispiele (31) und (32) gebildet werden, nicht auf die Unterkategorie „italienisch-deutsch“ beschränkt.

7.5. Vergleich mit den Ergebnissen der Forschung von Plank

An dieser Stelle soll nun auf Barbara Planks Forschung bzw. Forschungsergebnisse zur Linguistic Landscape Bozens zurückgekommen werden. Wie in Kapitel 5.1 bereits erläutert, untersuchte Plank im Rahmen ihrer Arbeit öffentlich sichtbare „signs“ von Restaurants, Bars, Läden etc. in ausgewählten Straßen des Stadtteils Europa-Neustift und des Stadtzentrums von Bozen, welches wiederum Teil des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ist – bezüglich dieser grundlegenden Punkte, also der Art des gesammelten Materials und dem untersuchten Gebiet, unterscheidet sich Planks Vorgehen ganz offensichtlich von der Herangehensweise in dieser Arbeit. Trotz dieser Unterschiede, soll nun auf einige Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den Ergebnissen der Arbeit Barbara Planks und denen der Untersuchung der vorliegenden Arbeit eingegangen werden.

Während Plank im Stadtzentrum hauptsächlich zweisprachige „signs“ (53,33%) ausmachen konnte (vgl. Plank 2006: 14), wurden im Rahmen dieser Arbeit in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch vorranging einsprachige Namen (84%) ermittelt. Mehr als drei Sprachen pro „sign“ bzw. Restaurantname konnten sowohl bei Plank (vgl. Plank 2006: 14) als auch in dieser Arbeit nicht festgestellt werden. Darüber hinaus stellten sich in beiden Arbeiten die dreisprachigen „signs“ im Stadtzentrum bzw. die dreisprachigen Restaurantnamen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch als am schwächsten vertreten heraus: Plank ermittelte insgesamt neun dreisprachige „signs“ (vgl. Plank 2006: 14) in den ausgewählten Straßen des Stadtzentrums. Im Rahmen dieser Arbeit konnte in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ein dreisprachiger Restaurantname ermittelt werden.

Eine besonders häufige Verwendung von einsprachigen, italienischen „signs“ bzw. Namen im Stadtteil Europa-Neustift konnte sowohl bei Plank (vgl. Plank 2006: 30) als auch im Rahmen dieser Arbeit festgestellt werden. In diesem Punkt stimmen die Ergebnisse beider Untersuchungen überein. Darüber hinaus ergab sowohl Planks Arbeit (vgl. Plank 2006: 37) als auch die vorliegende eine stärkere Präsenz des Englischen im Bozner Stadtzentrum bzw. im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch als im Stadtteil Europa-Neustift.

Vergleicht man die Ergebnisse beider Untersuchungen, so darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Ergebnisse (wie einleitend bereits erwähnt) auf Basis von Schriftbelegen unterschiedlicher Art gewonnen wurden. Je nach Art des Schriftbelegs kann die jeweilige Funktion, die es erfüllt, selbstverständlich variieren. Loulou Edelman führt zur Funktion von „proper names“, also Eigennamen, Folgendes aus: „(…) proper names distinguish individuals from each other; they identify someone or something“ (Edelman 2009: 143) – Eigennamen dienen nach Edelman also dazu, jemanden oder Etwas zu bezeichnen und von jemand anderem oder etwas Anderem unterscheidbar zu machen (vgl. Edelman 2009: 143). Die Restaurantnamen, die im Rahmen dieser Arbeit erhoben wurden und die ja auch als eine Art Eigennamen von Restaurants angesehen werden können, ermöglichen es dementsprechend also, diese verschiedenen Restaurants zu differenzieren. Die vorrangige Funktion von „shop signs“ sieht Edelman hingegen darin, einen potenziellen Kunden davon zu überzeugen, ein Produkt zu erwerben oder eine angebotene Dienstleistung in Anspruch zu nehmen (vgl. Edelman 2009: 142). Im Vergleich zwischen den analysierten Schriftbelegen dieser Arbeit und denen der Arbeit von Barbara Plank stehen sich also eine Art Bezeichnungs- sowie Identifizierungsfunktion von Eigen- bzw. Restaurantnamen und die Werbefunktion von „shop signs“ gegenüber. Je nach Funktion des Schriftbelegs kann es unter Umständen wiederum ausreichend sein, eine Sprache zu verwenden oder aber notwendig sein, mehrere Sprachen zu verwenden. Auf einen Einfluss der Sprachwahl (zum Beispiel für „shop signs“) auf eine bestimmte Sprechergemeinschaft weist auch Edelman hin:

Through the use of particular languages in advertisements or on shop signs, products are associated with the corresponding groups of speakers. (Edelman 2009: 142)

Durch die Wahl von bestimmten Sprachen in der Werbung oder in „shop signs“ wird also eine Verbindung zur entsprechenden Sprechergruppe hergestellt (vgl. Edelman 2009: 142). Bezogen auf die „signs“ aus Barbara Planks Korpus, die (wie gerade erwähnt) wohl eher eine werbende Funktion haben, bedeutet dies möglicherweise, dass mehrsprachige „signs“ sinnvoll sind, um in einer von Mehrsprachigkeit und Tourismus geprägten Stadt beim (potenziellen) Kunden möglichst erfolgreich für ein Produkt, eine Dienstleistung etc. zu werben.

Die Dominanz der zweisprachigen „signs“ in Planks Korpus lässt sich möglicherweise durch diese spezielle Funktion erklären. Hierzu sei abschließend noch erwähnt, dass die Wahl einer oder mehrerer bestimmter Sprachen für eine bestimmte Art von Schriftbeleg viele Gründe haben kann und die eben erläuterte Überlegung lediglich einen möglichen Grund für die unterschiedlichen Forschungsergebnisse darstellt.

Trotz und gerade auch wegen der unterschiedlichen Herangehensweisen zur Untersuchung desselben sprachlichen Raumes, ist es interessant zu sehen, wie die Forschungsergebnisse bezüglich elementarer Aspekte, wie beispielsweise der ermittelten Anzahl an unterschiedlichen Sprachen, teilweise sehr voneinander abweichen (können). Betrachtet bzw. kombiniert man die Ergebnisse beider Untersuchungen, so ergibt sich darüber hinaus eine neue, andere Linguistic Landscape von Bozen, die weitere, detailliertere und tiefere Einblicke in die Sprachlandschaft der Stadt zulässt.

8. Theorien und Erklärungsversuche zur Gestalt der Linguistic Landscape von Bozen

8.1. Vorbemerkungen und Vorannahmen

In Kapitel 6 wurde erläutert, wie im Rahmen dieser Arbeit die Linguistic Landscape der Stadt Bozen ermittelt wurde. Unter den Punkten 7.1 bis 7.4 wurden einige wichtige und prägnante Aspekte und Eigenschaften dieser Linguistic Landscape erläutert und beschrieben. In diesem achten Kapitel der Arbeit wird nun auf mögliche Gründe und Theorien eingegangen, mit welchen man die ermittelte Gestalt der Linguistic Landscape Bozens erklären kann. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf der Demografie, dem Tourismus und der Geschichte von bzw. in Bozen sowie auf den Faktoren Tradition und Modernität.

Vorab muss jedoch gesagt werden, dass es nicht den einen Grund bzw. die eine Theorie gibt, durch welchen bzw. welche ein bestimmter Aspekt der Linguistic Landscape erklärt werden kann. Eine Stadt oder ein Stadtteil stellt einen Raum dar, der nach und nach entsteht und sich entwickelt. Diese Entwicklung unterliegt vielen und verschiedensten Einflüssen und Umständen, die die Stadt bzw. den Stadtteil formen und die zu deren bzw. dessen Gestalt beitragen. Eine Linguistic Landscape entsteht also durch das Zusammenwirken verschiedener Komponenten und Faktoren. Es werden daher im Folgenden nur einige mögliche Gründe erläutert.

Zudem muss auch erwähnt werden, dass die verschiedenen dargestellten Erklärungsversuche teilweise auch in einem Zusammenhang miteinander stehen, in dem Sinne, dass sie sich beispielsweise gegenseitig bedingen. So ist zum Beispiel die aktuelle demografische Zusammensetzung der Bozner Bevölkerung, die in Kapitel 8.2 als möglicher Grund angeführt wird, wiederum auch durch die Geschichte Bozens bzw. die Geschichte der Bozner Stadtteile, worauf in Kapitel 8.4 eingegangen wird, hervorgebracht worden.

Zu den im Folgenden erläuterten Gründen gilt es des Weiteren zu beachten, dass diese nur Mutmaßungen und Theorien darstellen, die eine mögliche Erklärung zu den Eigenschaften der Linguistic Landscape liefern, diese jedoch nicht mit abschließender Gewissheit erklären können. All diese Mutmaßungen und Theorien haben Stärken sowie Schwächen und vermutlich kann man zu jeder Theorie nachvollziehbare Einwände vorbringen. Die folgenden Kapitel sind daher lediglich als eine Reflexion zu den Ergebnissen der Korpusauswertung, die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde, sowie zu den theoretischen und geschichtlichen Erläuterungen zur Stadt Bozen zu verstehen.

Die in den folgenden Kapitel 8.2 bis 8.5 ausgeführten Erklärungsversuche basieren vorrangig auf einer der beiden folgenden Vorannahmen:

  1. Die Sprache eines Restaurantnamens spiegelt gewissermaßen den Namengebenden wider und es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der im Namen zu findenden Sprache, der Muttersprache des Namengebenden und dem betrachteten Stadtteil. Soll also beispielsweise erläutert werden, warum in einem Stadtteil ausschließlich italienische Restaurantnamen zu finden sind, so kann dies dadurch begründet werden, dass der Stadtteil (aus den jeweils zu erläuternden Gründen) von einer vorrangig italienischsprachigen Bevölkerung bewohnt wird, die wiederum Namen in ihrer Muttersprache für Restaurants in ihrem Stadtteil kreiert. Diese Annahme ist beispielsweise Grundlage der Ausführungen in Kapitel 8.4.3: Darin wird unter anderem die ursprünglich deutschsprachige Bevölkerung im Bozner Stadtzentrum als möglicher Grund für das ermittelte Auftreten deutscher Namen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch geschildert.
  2. Die Sprache eines Restaurantnamens spiegelt den Gast und/oder dessen Bedürfnisse wider. Die Wahl der passenden Sprache für einen Restaurantnamen folgt einer Vermarktungsstrategie – die Sprachwahl bei der Namensgebung richtet sich daher nach den potenziellen Gästen, die sich durch einen entsprechenden Restaurantnamen angesprochen fühlen sollen. Durch die Wahl einer bestimmten Sprache bei der Namensgebung wird bei den Gästen in Bezug auf das bezeichnete Restaurant ein bestimmtes Bedürfnis angesprochen oder eine gewisse Erwartungshaltung geweckt: So kann man sich möglicherweise durch einen italienischen Namen angesprochen fühlen, da dieser zum Beispiel suggeriert, dass im entsprechenden Restaurant für Italien typische Speisen und Getränken angeboten werden. In dieser gerade erläuterten Theorie kann der Gast (je nach erläuterter Erklärungsmöglichkeit) nicht nur seine Muttersprache sondern auch jede andere Sprache als „ansprechend“ empfinden und außerdem gleichermaßen Bewohner des betrachteten Stadtteils, Bewohner eines anderen Stadtteils oder auch „ortsfremd“ sein. Diese erläuterte Theorie ähnelt auch ein wenig der im vorangegangen Kapitel im Zusammenhang mit der Sprachwahl für „shop signs“ dargelegten These: Ein „shop sign“ soll den Kunden zum Kauf anregen und durch bestimmte Sprachen in „shop signs“ kann eine Verbindung zu bestimmten Sprechergruppen entstehen (vgl. Edelman 2009: 142). Auf dieser zweiten grundlegenden Theorie basieren zum Beispiel die Erläuterungen in Kapitel 8.3, in welchem unter anderem die Funktion des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch als zentraler Treffpunkt für Touristen unterschiedlichster Herkunft und Bewohner aller Stadtteile als möglicher Grund für die dortige sprachliche Vielfalt erläutert wird.

Dass jede in diesem achten Kapitel erläuterte Erklärungsmöglichkeit zur Gestalt der Bozner Linguistic Landscape ihre Schwachstellen hat, wurde bereits erwähnt, so dass die beiden gerade dargelegten theoretischen Grundlagen dieser Erklärungsmöglichkeiten ebenfalls kritisch betrachtet werden können: So muss selbstverständlich zum Beispiel kein Zusammenhang zwischen der Sprache, in der ein Namen verfasst ist, und der Muttersprache des Namengebenden bestehen. Ganz generell kann dazu nämlich angemerkt werden, dass eine Namens- und Sprachwahl auch ausschließlich das Ergebnis des „persönlichen Geschmacks“ des Namengebenden sein kann und sich in diesem Fall durch keinen anderen Grund als den des subjektiven Gefallens einer Sprache und/oder eines Namens erklären lässt.

Möchte man auf mögliche Erklärungen zur Gestalt der Linguistic Landscape eingehen, so ist nicht zu vergessen, wie in dieser Arbeit bereits mehrfach angemerkt (siehe hierzu v.a. Kapitel 7.4.2), dass sich die erstellten Teilkorpora hinsichtlich ihrer jeweiligen Größe bzw. Anzahl an enthaltenen Namen teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Ein vergleichsweise umfangreiches Korpus stellt zum Beispiel eine gute Basis für die Einteilung der darin enthaltenen Namen in vergleichsweise viele unterschiedliche Unter- und Oberkategorien dar. Die unterschiedlichen Korporagrößen sind also ein erster möglicher Grund für die Gestalt der Bozner Linguistic Landscape. Da er bereits zuvor in dieser Arbeit erläutert wurde, wird nicht nochmals näher darauf eingegangen. Er sollte aber an dieser Stelle noch einmal kurz erwähnt werden.

8.2. Spiegel der Bozner Bevölkerung

Im Folgenden soll nun erläutert werden, ob die ermittelte Gestalt der Linguistic Landscape auch als Spiegel der Bozner Bevölkerung bzw. der Sprachsituation in Bozen beschrieben werden kann und ob demnach die Gestalt der ermittelten Linguistic Landscape auch durch die Zusammensetzung der Bozner Bevölkerung begründet werden kann. Ein Hintergrund dieser Überlegung ist auch die in Kapitel 4.2 erläuterte Funktion einer Linguistic Landscape: Die Linguistic Landscape kann zeigen, welche Sprachgruppen in einem bestimmten Gebiet zu finden sind (vgl. Landry/Bourhis 1997: 26).

Zunächst einmal wäre hierbei auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anzahl an Einwohner Bozens, die italienisch-, deutsch- oder ladinischsprachig sind, und der Menge an italienischen, deutschen und ladinischen Namen in Bozen hinzuweisen. Wie unter Punkt 7.2 bereits gesehen, sind circa 53% der einsprachigen Namen des Gesamtkorpus’ italienisch, knapp 23% der einsprachigen Namen sind deutsch. Der einzige ladinische Name hat einen Anteil von etwa 0,5% am Gesamtkorpus. Die italienischen Namen in Bozen sind damit klar in der Überzahl, die deutschen Namen sind die zweithäufigsten. Diese Beobachtung lässt sich im Groben auch in Bezug auf die unterschiedlichen Größen der verschiedenen Sprachgruppen in Bozen feststellen, die in Kapitel 2.1.1 erläutert wurden. Auch hier ist das Italienische besonders präsent, in dem Sinne, dass die italienischsprachige Bevölkerung in Bozen die Mehrheit darstellt. Währenddessen ist die deutsche Sprachgruppe die zweitstärkste in der Stadt, der Anteil der Ladinischsprachigen beträgt weniger als ein Prozent der gesamten Bozner Bevölkerung. Die Linguistic Landscape spiegelt zwar nicht das exakte mengenmäßige Verhältnis zwischen der italienischen, deutschen und ladinischen Sprachgruppe wider, jedoch zeigt sich auch in der in dieser Arbeit ermittelten Linguistic Landscape der Stadt die Dominanz des Italienischen, eine starke Präsenz des Deutschen sowie eine äußerst geringe Präsenz des Ladinischen. Auch wenn dieser Zusammenhang offensichtlich erscheinen mag, soll er in diesem Kapitel dennoch nicht unerwähnt bleiben.

Ein weiterer Faktor, der die Bozner Linguistic Landscape unter Umständen beeinflussen kann, ist der Anteil an ausländischen Bewohnern Bozens. Dieser Anteil liegt, wie unter Punkt 2.2.2 schon erläutert, bei insgesamt 14,4%, wobei die Zahl der ausländischen Einwohner (im Vergleich aller Stadtteile) in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch am höchsten und in Don Bosco am niedrigsten ist. Im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch wurde im Rahmen dieser Arbeit zudem die größte sprachliche Vielfalt aller Stadtteile festgestellt: Neben dem Italienischen und dem Deutschen wurden in diesem Stadtteil nämlich sechs weitere Sprachen ermittelt, welche in ein- oder mehrsprachigen Namen Verwendung finden. Darüber hinaus werden diese „weiteren“ Sprachen in 26 von insgesamt 106 ein- oder mehrsprachigen Namen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ verwendet. In Don Bosco hingegen wurde neben dem Deutschen und dem Italienischen nur eine weitere Sprache festgestellt: Das Englische, welches lediglich in einem Namen verwendet wird. Don Bosco hat sich demnach als „relativ einsprachiger“ Stadtteil herausgestellt. Zusammengefasst kann man also sagen, dass in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowohl die größte sprachliche Vielfalt hinsichtlich der Restaurantnamen als auch der größte Anteil an ausländischen Bewohnern zu finden sind, während in Don Bosco neben einer geringen Sprachvielfalt auch der geringste Ausländeranteil festgestellt werden kann. Möglicherweise besteht also ein Zusammenhang zwischen einer geringen oder großen sprachlichen Vielfalt innerhalb eines Stadtteils sowie dem dortigen relativ hohen oder relativ niedrigen Ausländeranteil.

Hierzu ist aber auch zu erwähnen, dass in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch zwar eine große sprachliche Vielfalt festgestellt werden konnte, unter die sechs „weiteren“ (also nicht-italienischen und nicht-deutschen) Sprachen jedoch auch das Lateinische und Altgriechische fallen. Dies wiederum verdeutlicht, dass die in der Linguistic Landscape auftretenden Sprachen nicht unbedingt den von der ausländischen Bevölkerung beherrschten und gesprochenen Sprachen40Hierzu sei angemerkt, dass die Staatsbürgerschaft einer Person natürlich niemals konkrete Rückschlüsse auf die von der Person beherrschten und/oder gesprochenen Sprachen zulässt, sondern (wenn überhaupt) lediglich eine vage Vermutung diesbezüglich ermöglicht. entsprechen müssen. Die These eines Zusammenhangs zwischen einer sprachlich vielfältigen Linguistic Landscape und einem relativ hohen Anteil an ausländischen Bewohnern in dem Sinne, dass die Linguistic Landscape die (Mutter-)Sprachen der ausländischen Stadtteilbewohner widerspiegelt, ist (zumindest in Bezug auf diese Arbeit) wohl eher nicht haltbar. Hierfür sind die Schwachstellen der These zu schwerwiegend. Womöglich besteht jedoch ein Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil und der Sprachenvielfalt insofern, als dass die nicht-deutschen und nicht-italienischen Namen dieses Stadtteils in gewisser Weise einen fehlenden oder weniger ausgeprägten emotionalen Bezug der ausländischen Stadtteilbewohner zum Italienischen und Deutschen widerspiegeln, der unter Umständen wiederum die Verwendung anderer Sprachen mit sich bringt.

Diese mögliche Erklärung lässt sich jedoch nicht auf alle Stadtteile und Teilkorpora ohne weiteres übertragen: Auch in Gries-Quirein wurde eine relativ große sprachliche Vielfalt festgestellt. Der Ausländeranteil ist dort jedoch, verglichen mit den anderen Stadtteilen, der zweitniedrigste und bedeutend geringer als in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (siehe hierzu Kap. 2.2.2). Zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Sprachenvielfalt und Ausländeranteil in einem Stadtteil muss also auch gesagt werden, dass weder ein hoher Ausländeranteil für eine große Anzahl an unterschiedlichen, in einem Stadtteil zu findenden Sprachen sprechen muss, noch ein geringer Ausländeranteil auch automatisch die Verwendung weniger verschiedener Sprachen implizieren41Eine Aufschlüsselung der einzelnen Nationalitäten und ihre Präsenz in den einzelnen Stadtteilen wurde in den konsultierten Quellen nicht gegeben. muss.

Während die Linguistic Landscape der gesamten Stadt Bozen, die im Rahmen dieser Arbeit ermittelt wurde, das mengenmäßige Verhältnis zwischen der deutschen Sprachgruppe und der italienischen Sprachgruppe sicherlich zumindest grob widerspiegelt, spiegelt die sprachliche Vielfalt in der Linguistic Landscape von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch möglicherweise die relativ große kulturelle Vielfalt in diesem Stadtteil und vor allem den daraus resultierenden schwachen oder fehlenden Bezug zum Italienischen und Deutschen wider.

8.3. Zentrum-Bozner Boden-Rentsch als Treffpunkt und „melting pot“ der Stadt Bozen

Wie in den vorangegangenen Kapiteln bereits mehrfach erwähnt, findet man im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch – im Vergleich zu den anderen vier Bozner Stadtteilen – die größte Sprachvielfalt und Anzahl an mehrsprachigen Restaurantnamen. Des Weiteren halten sich die Mengen der deutschen und italienischen Namen in diesem Stadtteil die Waage. Ein Aspekt, der diese beiden genannten Details in der Bozner Linguistic Landscape begünstigt, ist möglicherweise die Tatsache, dass der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch gewissermaßen als zentraler „Treffpunkt“ der Stadt fungiert.

In Zentrum-Bozner Boden-Rentsch treffen zum einen die Bozner Bürger aus allen Stadtteilen aufeinander, was nicht nur an der großen Anzahl42Für diese vergleichsweise große Zahl an Restaurants und Cafes in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch spricht auch der relativ umfangreiche Teilkorpus „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“. an Restaurants und Cafés liegt, sondern auch an vielen weiteren Anlaufstellen, die sich in diesem Stadtteil befinden und die für die Bozner Bürger von Wichtigkeit sind: So finden sich in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch beispielsweise wichtige administrative Einrichtungen (wie z.B. das Bozner Rathaus), Bildungseinrichtungen (z.B. die Universität Bozen und die Universitätsbibliothek), kulturelle Einrichtungen (wie Kinos und Theater) sowie Einkaufsstraßen mit den Geschäften bekannter Modemarken. Einige dieser Bezugspunkte der Bozner Bevölkerung sind auf folgender Karte (mit gelben Stecknadeln) markiert:

Karte 21: Beispiele für wichtige Bezugspunkte (gelb markiert) der einheimischen Bevölkerung Bozens in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch [Link zur entsprechenden interaktiven Karte https://drive.google.com/open?id=1T6xiHv0XtufDUxWlN-YTdmQwWC0&usp=sharing]

Aus dieser Erläuterung soll nicht geschlussfolgert werden, dass in den anderen Teilen der Stadt keine Einrichtungen dieser Art gefunden werden können. Vielmehr sollen diese Beispiele verdeutlichen, dass Zentrum-Bozner Boden-Rentsch durch wichtige Anlaufstellen und Einrichtungen ein Treffpunkt aller Bozner Bürger ist. Unter der Annahme, dass die Sprachwahl bei der Benennung eines Restaurants auch dem Zweck des Anwerbens von Gästen dient (vgl. Kapitel 8.1), spiegelt die Linguistic Landscape dieses Stadtteils die sprachliche Vielfalt der gesamten Bozner Bevölkerung wider, die durch entsprechende Namen angesprochen werden soll. Aus diesem Grund ist Zentrum-Bozner Boden-Rentsch nicht, wie etwa die Stadtteile Don Bosco und Europa-Neustift, durch die Dominanz des Italienischen geprägt, sondern durch unterschiedliche Sprachen und vor allem, im Gegensatz zu den beiden genannten „italienischsprachigen“ Stadtteilen, auch durch eine bedeutende Präsenz des Deutschen.

Zum anderen ist der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch innerhalb der Stadt Bozen auch eine wichtige Anlaufstelle für Touristen. Auch dieser Aspekt kann sich durch eine Vielzahl an Restaurants, kulturellen Einrichtungen (wie beispielsweise die Bozner Museen), historische Denkmäler und Einkaufsmöglichkeiten erklären lassen. Zudem befindet sich in diesem Stadtteil der Bozner Bahnhof. Um diese Bedeutung des Stadtteils für Touristen zu verdeutlichen, sind auf der nachstehenden Karte einige wichtige touristische Bezugspunkte (gelb) markiert:

Karte 22: Beispiele für wichtige Bezugspunkte (gelb markiert) der Touristen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch [Link zur entsprechenden interaktiven Karte https://drive.google.com/open?id=1tziwXBh2wJjg65MHHPDzcFiy_as&usp=sharing]

Neben diesen gerade erwähnten und auf der Karte visualisierten Bezugspunkten für Touristen, ist auch zu erwähnen, dass der größte Teil der Bozner Hotels im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch liegt. Auf der Plattform TripAdvisor, die bereits für die Erstellung des Korpus’ dieser Arbeit herangezogen wurde, sind insgesamt 24 Hotels (vgl. TripAdvisor-Liste „Hotels in Bozen“) in der Stadt Bozen erfasst43Hier kann kein Anspruch auf Vollständigkeit dieser Liste bzw. auf eine komplette Erfassung aller Hotels in der Stadt Bozen erhoben werden.. 16 dieser Hotels befinden sich in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, die übrigen verteilen sich auf die Stadtteile Oberau-Haslach und Gries-Quirein (je drei Hotels) sowie Europa-Neustift und Don Bosco (je ein Hotel)44Die Bestimmung der jeweiligen Stadtteile, in welchen sich die Hotels befinden, ist wie die Einteilung der Restaurantnamen des Gesamtkorpus’ in Teilkorpora erfolgt: Hierzu wurde mit Hilfe der Adressen der Hotels und des offiziellen Straßenverzeichnisses der Stadt Bozen der jeweilige Stadtteil bestimmt. Vgl. hierzu Kapitel 6.1.3. . Diese Häufung von Hotels in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch führt wiederum zu der Schlussfolgerung, dass in diesem Stadtteil viele Touristen beherbergt sind und sich folglich auch in diesem Stadtteil aufhalten. Der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch hat also eine wichtige Bedeutung für den Tourismus in Bozen.

Wie unter Punkt 2.3 dieser Arbeit erläutert, setzt sich die Anzahl an Touristen in Südtirol sowohl aus inländischen als auch aus ausländischen Touristen, die wiederum aus verschiedensten Ländern stammen und unterschiedlichste Sprachen sprechen, zusammen. Zentrum-Bozner Boden-Rentsch wird durch Touristen unterschiedlichster Herkunftsländer und Kulturen gewissermaßen zu einer Art „melting pot“. Dieser Aspekt spiegelt sich möglicherweise in der sprachlichen Vielfalt der Restaurantnamen des Stadtteils wider. Diese Sprachen dienen unter Umständen auch dazu, sich (als Restaurant) gegenüber den Touristen unterschiedlicher Herkunft ansprechend zu präsentieren, um diese als Gäste zu gewinnen. In diesem Zusammenhang ist der vergleichsweise hohe Anteil des Englischen in ein- wie mehrsprachigen Namen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch hervorzuheben.

Abschließend und zusammenfassend zu diesem Kapitel lässt sich also sagen, dass der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch eine wichtige Bedeutung als Treffpunkt aller Bozner Bürger sowie der Touristen der Stadt hat. In diesem Stadtteil kommen folglich Menschen unterschiedlicher Kulturen und Sprecher verschiedener Sprachen zusammen, was möglicherweise wiederum (in unterschiedlichen Erscheinungsformen) in die Linguistic Landscape des Stadtteils Eingang findet.

8.4. Spiegel der Stadtgeschichte Bozens

8.4.1. Vorbemerkung

Wie in Kapitel 6.1.3 bereits erläutert, hat jeder Stadtteil Bozens seine eigene (Entstehungs-)Geschichte vorzuweisen. Unter anderem aus diesem Grund, wurden in dieser Arbeit das Gesamtkorpus in Teilkorpora unterteilt und die Linguistic Landscape Stadtteil für Stadtteil betrachtet. Sucht man nach Gründen, welche die Gestalt der Linguistic Landscape erklären, so ist es im Fall der Stadt Bozen auch notwendig, die Geschichte der Stadt bzw. der Stadtteile zu betrachten. Hierbei ist natürlich die Phase des italienischen Faschismus’ von besonderer Bedeutung: Durch die Entnationalisierungspolitik und die Italianisierungspolitik des faschistischen Regimes wurde das mengenmäßige Verhältnis der deutschen und italienischen Sprachgruppen in Bozen bedeutend und nachhaltig verändert. Dies wurde bereits in den Kapiteln 2.1.1 und 3.4 erläutert. Im Folgenden wird nun auf eine Maßnahme der faschistischen Regierung eingegangen, die im direkten Zusammenhang mit der Italianisierung steht: der Bau von Siedlungen für italienischsprachige Zuwanderer, der in Kapitel 3.4.4 schon kurz angedeutet wurde. Es soll hierbei der Frage nachgegangen werden, inwieweit diese durch das Italienische geprägten Viertel einen Einfluss auf die heutige Gestalt der Bozner Linguistic Landscape haben könnten.

Des Weiteren soll das Vorkommen deutscher Restaurantnamen, das bezüglich seines mengenmäßigen Auftretens oder seiner besonderen Lage in den historischen Zentren der Stadt – sehr allgemein formuliert – als besonders auffällig bezeichnet werden kann, auf einen möglichen geschichtlichen Hintergrund hin untersucht werden.

8.4.2. Ehemalige Siedlungen italienischsprachiger Zuwanderer

Wie in Kapitel 3.4.4 bereits erwähnt, wurde unter dem faschistischen Regime Mussolinis und unter anderem wegen dessen Bestreben, eine mehrheitlich italienischsprachige Bevölkerung in Bozen zu erlangen, eine Industriezone gebaut. In dieser Zone fanden italienischsprachige Zuwanderer Arbeit. In dessen Folge war es notwendig, Wohngebiete für diese Arbeiter und ihre Familien zu bauen (vgl. Steininger 2003: 38f).

Von diesen Wohnvierteln, die für die italienischsprachigen Zuwanderer errichtet wurden, ist vor allem das sogenannte „Semirurali-Viertel“ zu nennen, welches auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Don Bosco entstand (vgl. Rath et al. 2000: 63) und einen möglichen Grund für die auffällige Dominanz des Italienischen in der heutigen Linguistic Landscape dieses Stadtteils darstellt. Im Folgenden liegt der Fokus nun vorrangig auf der Entstehungsgeschichte des Semirurali-Viertels (und damit auch auf der Geschichte Don Boscos), auf dessen typischen Eigenschaften sowie auf der Frage, inwieweit sich die damalige Sprachsituation in diesem Arbeiterviertel in der heutigen Linguistic Landscape Don Boscos möglicherweise widerspiegelt. Das Littorio-Viertel und der Rione Venezia, ebenfalls ehemalige für die Zuwanderer errichtete Wohnsiedlungen, werden hingegen nur oberflächlich thematisiert.

Anfang des Jahres 1938 war der Beginn des etappenweisen Baus des oben erwähnten Semirurali-Viertels, welches auch unter der Bezeichnung „Dux“ bekannt war (vgl. Marcelli 2004: 214). Bezüglich der Lage dieses Viertels erläutert Ennio Marcelli:

Den Höhepunkt seiner Ausdehnung erreichte das Viertel als es von der Aostastraße bis jenseits der Parmastraße und von der Mailandstraße bis zum Fluss reichte. (vgl. Marcelli 2004: 214)

Auf folgender Karte sind die Verläufe der eben zitierten Straßen (lila) nachgezeichnet sowie die Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Don Bosco“ markiert:

Karte 23: Ungefähre Lage des ehemaligen Semirurali-Viertels und Markierung der Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Don Bosco“ [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1il8RCHzwNOnJMHjrG0rvCBm_lBA&usp=sharing]

Ein Abgleich mit den offiziellen Straßenverzeichnissen der Stadtteile Don Bosco (vgl. Straßenverzeichnis des Stadtteils Don Bosco) und Europa-Neustift (vgl. Straßenverzeichnis des Stadtteils Europa-Neustift) zeigt, dass das ehemalige Semirurali-Viertel größtenteils auf einem Teilgebiet des heutigen Don Bosco errichtet wurde. Lediglich der kleine Abschnitt des Viertels zwischen Palermostraße und Aostastraße gehört zum heutigen Europa-Neustift.

Die oben zitierte Angabe zur Lage des ehemaligen Semirurali-Viertels ist sicherlich nicht sehr exakt und detailliert, dennoch kann durch die Einzeichnung der genannten Straßen auf der Karte veranschaulicht werden, in welchem Gebiet Bozens das Semirurali-Viertel in etwa errichtet wurde. In Kombination mit den markierten Restaurantnamen wird zudem gezeigt, dass dort, wo ehemals die Semirurali-Häuser standen, heute die vor allem italienischsprachigen Restaurantnamen (grün markiert) Don Boscos zu finden sind.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden der Bau des geplanten Wohnraums im Semirurali-Viertel zu Ende gebracht: Das Viertel zählte 327 Semirurali-Häuser, die insgesamt 1151 Wohnungen umfassten (vgl. Marcelli 2004: 218).

Im Semirurali-Viertel fanden sich relativ kleine Häuser, die Platz für zwei, vier oder sechs Familien boten und bei deren Baustil man sich an den typisch venezianischen, ländlichen Häusern orientierte. Auf den kleinen Anbauflächen, die um die Häuser herum angelegt waren, hatten die Bewohner die Möglichkeit, Gemüse, Obst etc. anzubauen. Ziel war es, dadurch „den meist aus ländlichen Gebieten stammenden Arbeiterfamilien die Anpassung an die städtische Umgebung“ (Montel 1996: 97) zu vereinfachen (vgl. Montel 1996: 97).

Aufgrund der Tatsache, dass man zwischen dem Semirurali-Viertel und dem Stadtzentrum vorerst keinerlei Verbindung in Form eines öffentlichen Nahverkehrs einrichtete, und durch die daraus resultierende Isolation und „soziale Homogenität“ (Rath et al. 2000: 61) des Viertels, wollte das Regime außerdem die Bewohner des Semirurali-Viertels „aufgrund fehlender anderer Bezugspunkte an das Regime binden“ (Rath et al. 2000: 61) und Konflikte zwischen den sozialen Schichten vermeiden (vgl. Rath et al. 2000: 61).

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des faschistischen Regimes in Italien ließen sich weitere Zuwanderer aus dem italienischsprachigen Raum im (in dieser Zeit noch immer abgeschiedenen und von der Altstadt isoliert gelegenen) Semirurali-Viertel nieder (vgl. Verdorfer 2004: 174).

Jedoch plante man mit dem Bozner Bauleitplan von 1964 den Abriss des kompletten Viertels: Um den Baugrund besser ausnutzen zu können, sah man vor, dort, wo die Semirurali-Häuser standen, große Wohnhäuser zu errichten, die (dem Bauleitplan von 1976 zufolge) Wohnraum für 7000 Personen in 2000 Wohnungen bieten sollten. Hierfür fing man ab 1970 „mit der systematischen Entleerung der Semiruralizone“ (Verdorfer 2004: 175) an – trotz einer extremen Wohnungsnot in der Stadt (vgl. Verdorfer 2004: 175).

Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die ehemaligen Bewohner des Semirurali-Viertels im Zuge der Umstrukturierung nicht alle in Don Bosco bleiben und die (nahe der Semirurali-Häuser) neu errichteten Häuser beziehen konnten. Vielmehr wurden diese Neubauten, die unabhängig von den Semirurali-Häusern gebaut wurden, von Familien unterschiedlichster Herkunft bezogen. Hierdurch verlor das Viertel seine ursprüngliche Charakteristik (vgl. Marcelli 2004: 233).

Bereits vor dem Bau des Semirurali-Viertels entstanden zwei weitere Viertel, in welchen italienischsprachige Zuwanderer unterkommen sollten: Zum einen das sogenannte „Littorio-Viertel“, welches ab Sommer 1935 parallel zur Errichtung der Industriezone gebaut wurde. Genau wie im Semirurali-Viertel kamen auch dort die Arbeiter der Fabriken mit ihren Familien unter, die vorrangig aus dem Veneto stammten (vgl. Marcelli 2004: 212f).

Im Littorio-Viertel errichtete man eher große Wohnhäuser. Das Viertel wurde in dem Gebiet errichtet, das heute von der Dalmatienstraße und dem Eisack begrenzt wird (vgl. Rath et al. 2000: 60). Als ein für die Bewohner wichtiger Ort im Viertel galt der „Littorioplatz“, der heute als Matteottiplatz bekannt ist (vgl. Marcelli 2004: 212).

Um die ungefähre Lage des ehemaligen Littorio-Viertels zu veranschaulichen, sind auf folgender Karte ebendieser Matteottiplatz sowie der Verlauf der Dalmatienstraße markiert, der Eisack verläuft südlich davon.

Karte 24: Die ungefähre Lage des ehemaligen Littorio-Viertels, veranschaulicht durch die Lage des Matteottiplatz (rot) und den Verlauf der Dalmatienstraße (gelb) sowie den Verlauf des Eisackufers (grün) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1s4zFlbasUvRU-vTP1a5PVpK4-UM&usp=sharing]

Ein Abgleich mit dem offiziellen Straßenverzeichnis der Stadt Bozen (vgl. Straßenverzeichnis des Stadtteils Europa-Neustift) ergibt darüber hinaus, dass sowohl die Dalmatienstraße als auch der Matteottiplatz zum heutigen Stadtteil Europa-Neustift gehören und das Littorio-Viertel demnach auf dem Grund dieses heutigen Bozner Stadtteils errichtet wurde.

Zum anderen ist der sogenannte „Rione Venezia“ zu nennen, welcher ab dem Jahr 1927 errichtet wurde. Anders als im Semirurali-Viertel entstanden im Rione Venezia, wo der gehobene Mittelstand unterkam, „Wohnhäuser von hervorragender Qualität und großzügiger Ausstattung“ (Rath et al. 2000: 39). Bis in die heutige Zeit beinhalten die Straßennamen dieses Viertels die Namen venezianischer Städte, wodurch ein Bezug zur Herkunft vieler Zuwanderer hergestellt wurde (vgl. Rath et al. 2000: 39f).

Auf folgender Karte sind die Via Gorizia, Via Fiume, Viale Venezia sowie Viale Trieste45Rath et al. nennen u.a. die aufgezählten Straßen als Beispiele für Straßennamen im ehemaligen Rione Venezia (vgl. Rath et al. 2000: 40). markiert, um die ungefähre Lage des ehemaligen Rione Venezia zu visualisieren:

Karte 25: Die ungefähre Lage des ehemaligen Rione Venezia, veranschaulicht durch den Verlauf der Via Gorizia (gelb), Via Fiume (rot), Viale Venezia (grün) sowie der Viale Trieste (lila) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1B475spK9y1GMgZQ8h947eCCWstY&usp=sharing ]

Dem Bozner Straßenverzeichnis (vgl. Straßenverzeichnis des Stadtteils Gries-Quirein) zufolge, finden sich diese Straßen, und damit der ehemalige Rione Venezia, auf dem heutigen Gebiet des Stadtteils Gries-Quirein.

Die vorangegangenen Ausführungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Während des Faschismus wurden für italienischsprachige Zuwanderer Wohnviertel errichtet, unter anderem das Semirurali-Viertel, das Littorio-Viertel sowie der Rione Venezia. Diese Viertel waren (geographisch gesehen) Teil der heutigen Stadtteile Don Bosco, Europa-Neustift und Gries-Quirein. Die Frage, welche sich nun stellt, ist, ob die Ansiedlung der Zuwanderer in diesen drei Stadtteilen in einem Zusammenhang mit der heutigen Linguistic Landscape von Don Bosco, Europa-Neustift und Gries-Quirein steht. Die Tatsachen, dass in den genannten Vierteln ursprünglich italienische Muttersprachler untergebracht wurden und dass alle drei genannten Stadtteile in heutiger Zeit jeweils durch die vorwiegende Verwendung des Italienischen charakterisiert sind, stellen die Grundlage für diese Frage. Diese Frage wird nun, aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit, am ehemaligen Semirurali-Viertel und dem heutigen Don Bosco versucht zu beantworten.

Folgende drei Charakteristika des ehemaligen Semirurali-Viertels in damaliger Zeit, die in den anschließenden Absätzen näher erläutert werden, sprechen für einen Zusammenhang zwischen der Geschichte des Semirurali-Viertels und der aktuellen Dominanz des Italienischen in der Linguistic Landscape Don Boscos:

  • die isolierte Lage und das „Eigenleben“ des Semirurali-Viertels
  • die räumliche Trennung der Sprachgruppen innerhalb der Stadt
  • die emotionale Distanz zwischen den Sprachgruppen

Zuerst sei an dieser Stelle auf ein gewisses „Eigenleben“ des Semirurali-Viertels und die damit in Zusammenhang stehende Isolation des Viertels, welche in diesem Kapitel bereits kurz thematisiert wurde, eingegangen.

Sowohl die neu errichtete Industriezone als auch die für die italienischen Arbeiter errichteten Semirurali-Häuser bildeten „nach außen abgeschlossene, rein italienischsprachige Lebens- und Arbeitsräume“ (Rath et al. 2000: 57), sodass die Italienischsprachigen im Semirurali-Viertel folglich unter sich blieben (vgl. Rath et al. 2000: 57).

Die Isolation des Semirurali-Viertels bestand zeitweilig auch noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des faschistischen Regimes (vgl. Marcelli 2004: 230). Ennio Marcelli fasst die Situation im Semirurali-Viertel in einem Satz zusammen: „Mitte der 50er Jahre lebte das Viertel „Semirurali“ noch sein eigenes Leben und war vom Rest der Stadt fast abgetrennt.“ (Marcelli 2004: 230).

Der Beschreibung des Semirurali-Viertels als in sich geschlossen und isoliert schließt sich Martha Verdorfer an. Verdorfer beschreibt die Situation in Bozen nach dem Ende des 2. Weltkriegs wie folgt:

Auch die Stadt selbst war ethnisch segmentiert, die Wohnviertel der deutsch- und italienischsprachigen Bevölkerung waren relativ klar voneinander abgegrenzt und definiert. (…) Das Zentrum des deutschsprachigen Handels war die Altstadt, an den Rändern der Stadt (Gries und Rentsch) siedelte die bäuerliche Bevölkerung. Die italienischen Beamten konzentrierten sich vorwiegend um den Siegesplatz und in Quirein, während die Arbeiterschaft in Oberau und in den Semirurali wohnten [sic!]. (Verdorfer 2004: 168f)

Diesem Zitat nach gab es im Bozen der Nachkriegszeit einerseits Viertel, in welchen die deutschsprachige Bevölkerung zu finden war, und andererseits Viertel, die den Italienischsprachigen vorbehalten waren, sodass eine räumliche Trennung zwischen beiden Sprachgruppen bestand (vgl. Verdorfer 2004: 168f).

Ganz wichtig ist im Zusammenhang mit dieser Arbeit zu erwähnen, dass „[d]iese Tendenz zur sozialen und ethnischen Segmentierung“ (Verdorfer 2004: 169) noch heute (in weniger intensiven Ausmaßen) zu erkennen ist (vgl. Verdorfer 2004: 169). In den 1970er und 1980er Jahren war die (emotionale) Distanz zwischen den Sprachgruppen sogar so groß, dass die Deutschsprachigen insbesondere das Industriegebiet und das Semirurali-Viertel, welches von ihnen als fremdartig empfunden wurden, teilweise gezielt mieden (vgl. Verdorfer 2004: 177f).

Diese in den vorangegangenen Absätzen beschriebenen Charakteristika des Semirurali-Viertels sind (nach Verdorfer, wie oben bereits erwähnt) teilweise noch heute spürbar. Sie stellen bzw. stellten mögliche Faktoren dar, die den Erhalt des Italienischen in Don Bosco begünstigt und ein Ein- oder Vordringen der deutschen Sprache in das Viertel bis heute verhindert oder zumindest erschwert haben könnten. Dieses Beibehalten eines italienischsprachigen Viertels könnte sich selbstverständlich auch in der Dominanz italienischsprachiger Restaurantnamen zeigen, wie sie im Rahmen dieser Arbeit für Don Bosco festgestellt werden konnte. Unter diesen Umständen kann man also davon ausgehen, dass die Linguistic Landscape Don Boscos durch die Geschichte des Stadtteils deutlich beeinflusst ist bzw. wurde und diese gewissermaßen widerspiegelt.

Es gibt jedoch auch einige Argumente, die den dargelegten geschichtlichen Einfluss auf die Linguistic Landscape Don Boscos unwahrscheinlich erscheinen oder vielleicht eher einen schwachen Einfluss vermuten lassen. Hierbei ist vor allem die starke Veränderung durch den Abriss und die Umstrukturierung des ehemaligen Semirurali-Viertels zu nennen, worauf in diesem Kapitel bereits kurz eingegangen wurde.

Bedingt durch die baulichen Veränderungen des Semirurali-Viertels, änderte sich auch die Bevölkerung des Viertels. Die italienischsprachige Bevölkerung, welche die Semirurali-Häuser ursprünglich bewohnte, musste in andere Wohnungen umgesiedelt werden. Einigen wurden Unterkünfte in anderen Stadtteilen Bozens zur Verfügung gestellt, viele weitere kamen in der Turinstraße unter (vgl. Marcelli 2004: 233). Durch diese Umsiedlung erfolgte eine „Zerstreuung des Volkes der „Semirurali““ (Marcelli 2004: 233) und das Viertel verlor seine ursprüngliche Charakteristik (vgl. Marcelli 2004: 233). Wie viele der ehemaligen Semirurali-Bewohner Don Bosco wegen der Umstrukturierung endgültig verlassen mussten, geht aus der konsultierten Literatur nicht hervor.

Zudem darf auch nicht vergessen werden, dass das ehemalige Semirurali-Viertel nicht das gesamte Gebiet umfasste, das heute zum Stadtteil Don Bosco gehört. Vielmehr wurde (unabhängig von den Semirurali-Häusern) weiterer Wohnraum geschaffen, beispielsweise im Rahmen des Bebauungsplans der Stadt Bozen aus dem Jahr 1964, der die Errichtung der „Zweiten Erweiterungszone“ der Europaallee, zwischen der Reschenstraße sowie der Drususallee46Hierzu ist zu erwähnen, dass die Europaallee und die Drususallee nicht nur Don Bosco durchlaufen und dass deswegen diese „Zweite Erweiterungszone“ möglicherweise auch auf dem Gebiet anderer Stadtteile liegt. , vorsah (vgl. Azzolini 2004: 128).

Die Europaallee, die Reschenstraße sowie die Drususallee „umranden“ das ehemalige Semirurali-Viertel in dessen Norden und Westen, wie folgende Karte veranschaulicht:

Karte 26: Die ungefähre Lage des ehemaligen Semirurali-Viertels (lila) sowie der Verlauf der Europaallee (rot), der Reschenstraße (gelb) sowie der Drususallee (grün)
[Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1TDlccNhnmgAG7UDrG6HNdtG-Psg&usp=sharing  ]

Ende der Siebziger Jahre wurden schließlich im Rahmen dieser „Zweiten Erweiterungszone“ 1400 Wohnungen für 5000 Bewohner errichtet (vgl. Azzolini 2004: 128). Dieses Beispiel zeigt, dass das Semirurali-Viertel zwar einen bedeutenden Teil der Geschichte Don Boscos ausmacht. Jedoch ist der Stadtteil auch noch weiter und um das einst abgeschieden gelegene Semirurali-Viertel herum bedeutend gewachsen, so dass nicht nur die ehemaligen Semirurali-Bewohner einen Einfluss auf die Linguistic Landscape Don Boscos haben müssen bzw. gehabt haben müssen, sondern auch die Bewohner derjenigen Wohngebiete, die erst viel später und unabhängig von den Semiruralis entstanden sind. Inwieweit sich die Sprache der ursprünglichen Bewohner (also das Italienische) durchsetzen bzw. im Stadtteil halten und sich auf die Linguistic Landscape auswirken konnte, ist also fraglich. Denkbar wäre schließlich auch eine Begründung der Dominanz des Italienischen in Don Bosco durch die aktuelle Bevölkerung des Stadtteils, die in keinerlei Zusammenhang mit den Semiruralis steht.

Zur Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Dominanz des Italienischen in der aktuellen Linguistic Landscape und dem italienischsprachigen Semirurali-Viertel lässt sich als Fazit festhalten, dass es Aspekte dafür sowie dagegen gibt. Für einen Zusammenhang zwischen dem Semirurali-Viertel und der Linguistic Landscape von Don Bosco spricht die erwähnte „ethnische[n] Segmentierung“ (Verdorfer 2004: 169), die noch heute festzustellen ist, sowie die abgeschiedene, isolierte Lage und das „Eigenleben“, welche das Semirurali-Viertel lange Zeit charakterisierten. Diese Aspekte begünstigen natürlich den Erhalt des Italienischen im Viertel. Andererseits darf nicht vergessen werden, dass diese Abgeschiedenheit und Isolation des Stadtteils heute in dieser Form nicht mehr besteht und dass das Gebiet um das Semirurali-Viertel und das Semirurali-Viertel selbst erhebliche bauliche Veränderungen erlebten, so dass die Linguistic Landscape vermutlich nicht nur von den (ehemaligen) Semirurali-Bewohnern beeinflusst wird bzw. wurde. Zudem gibt es keine detaillierten Angabe dazu, wie groß der Anteil an ehemaligen Semirurali-Bewohnern (oder ihrer nachfolgenden Generationen) während und nach dem Abriss der Semiruralis in Don Bosco war, auf welche Art und Weise sich die Bevölkerung Don Boscos entwickelt hat, wie sich die Bevölkerung (v.a. im Hinblick auf die Sprachgruppen) aktuell zusammensetzt und inwiefern sie unter dem Einfluss der Semirurali-Vergangenheit steht. Dementsprechend ist es schwierig, ein abschließendes Urteil zu einem Einfluss des Semirurali-Viertels auf die heutige Linguistic Landscape Don Boscos zu fällen. Nach Abwägung aller gerade noch einmal erwähnten Aspekte scheint allerdings eher ein schwächerer Einfluss der Semirurali-Vergangenheit auf die Linguistic Landscape wahrscheinlich.

Abschließend sei noch einmal auf den Rione Venezia und das Littorio-Viertel zurückgekommen. Um auch diese beiden Viertel auf einen möglichen Einfluss auf die Linguistic Landscape hin zu prüfen, wäre es notwendig, deren Geschichte möglichst komplett und umfassend zu rekonstruieren. Im Gegensatz zum Semirurali-Viertel konnte durch die konsultierte Literatur jedoch fast ausschließlich die frühe Geschichte des Rione Venezia und des Littorio-Viertels nachvollzogen werden.

8.4.3. Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Gries als historische Kerne der Stadt Bozen

In diesem Kapitel soll nun auf Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie auf Gries, welches zum Stadtteil Gries-Quirein gehört, eingegangen werden. Diese beiden Gebiete in Bozen stehen in einem deutlichen Gegensatz beispielsweise zu dem Gebiet, auf welchem (wie unter dem vorangegangenen Punkt erläutert) das Semirurali-Viertel errichtet wurde. Während der Bau des Semirurali-Viertels „mit einem politischen Ereignis der faschistischen Vergangenheit verknüpft ist“ (Rath et al. 2000: 63), nämlich der Entstehung der Industriezone in Bozen sowie der anvisierten und damit verbundenen Zuwanderung von Italienern (siehe Kapitel 3.4.5 und 8.4.2 dieser Arbeit), umfassen Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Gries jeweils einen Raum, dessen Geschichte noch weit vor der Annexion Südtirols (mitsamt Bozen) durch Italien und der darauf folgenden Italianisierung seinen Anfang nimmt. Dies wird im Folgenden dargelegt. Zudem wird der Frage nachgegangen, ob und inwiefern die vergleichsweise große Anzahl an deutschen Restaurantnamen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie die besondere Verortung des einzigen deutschen Restaurantnamens in Gries-Quirein durch die „deutsche Geschichte“ bzw. durch die „deutschsprachige Vergangenheit“ von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Gries begründet werden kann. Hierzu wird zunächst in einigen wenigen Sätzen auf geschichtliche Ereignisse, Daten und Fakten eingegangen, die bei der Beantwortung der gerade aufgeworfenen Frage hilfreich sein können.

Wie in Kapitel 3.1 bereits erwähnt, wurde Bozen im 16. bzw. 17. Jahrhundert zu einer wichtigen Handelsstadt. Von Bedeutung waren für die Händler in Bozen die sogenannten Lauben, in welchen sich die Handelshäuser befanden und die im Stadtzentrum, also im heutigen Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, zu finden sind (vgl. Obermair 2005: o.S.). Dass Teile von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ihren Ursprung vor mehreren Jahrhunderten hatten, kann auch anhand der Geschichte bzw. der Entstehungszeit einiger Gebäude in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch nachvollzogen werden. Hierzu gehören beispielsweise das Kapuziner- oder auch das Franziskanerkloster, deren jeweilige Verortung in der Stadt bereits in Kapitel 8.4, Karte 22 vorgenommen wurde. Nach Angaben des Amts für Bau- und Kunstdenkmal der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol entstand das Kapuzinerkloster Anfang des 17. Jahrhunderts (vgl. Monumentbrowser „Kapuzinerkloster“), das Franziskanerkloster wurde erstmals 1237 erwähnt (vgl. Monumentbrowser „Franziskanerkloster“). Laubengasse, Kapuzinerkloster und Dominikanerkloster stellen natürlich nur einige wenige Beispiele für Bozner Örtlichkeiten bzw. Bauwerke in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch dar, die über eine mehrere Jahrhunderte alte Geschichte bzw. Vergangenheit verfügen.

Die Beispiele zeigen, dass der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch über Jahrhunderte hinweg gewachsen ist. Die Gegend des Stadtteils Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, in welchem die genannten Objekte zu finden sind, entstand, den Baujahren der Objekte zufolge, in einer Zeit, in der Bozen noch zum österreichischen Tirol gehörte, und lange bevor Bozen unter dem faschistischen Regime zu einer mehrheitlich italienischsprachigen Stadt wurde. Teile von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch haben demnach, verglichen mit dem Gebiet des ehemaligen Semirurali-Viertels, eine vergleichsweise lange Geschichte, die daher vermutlich zu einem bedeutenden Teil durch das Deutsche, also zum Beispiel auch durch die deutsche Sprache, geprägt ist.

Bis zum Jahr 1925 war Gries eine eigenständige Gemeinde. Dann allerdings wurde – entgegen dem Wunsch der meisten Einwohner von Gries und auf den Befehl des faschistischen Regimes hin – Gries nach Bozen eingemeindet (vgl. Montel 1996: 13). Eine bedeutende Hochphase, das wurde bereits in Kapitel 3.1 kurz erwähnt, erlebte die Gemeinde Gries, als sie sich im 19. Jahrhundert (damals noch als Teil des österreichischen Tirols) zu einem der angesehensten europäischen Kurorte entwickelte (vgl. Fontana et al. 1987: 45).

Zwei bedeutende historische Plätze bzw. Bauwerke, die in Gries zu finden sind, sind der Grieser Platz sowie die alte Grieser Pfarrkirche, auch „Keller“ genannt, die als die „beiden historischen Ortskerne[n]“ (Montel 1996: 13) von Gries gelten (vgl. Montel 1996: 13).

Die Historie des Grieser Platzes kann mit Hilfe der konsultierten Quellen und Literatur leider nicht nachvollzogen werden. Zur alten Pfarrkirche in Gries kann jedoch gesagt werden, dass diese mehrfach erweitert wurde. Der Chor der Kirche ist der wohl älteste Gebäudeteil und wurde ungefähr um das Jahr 1414 erbaut. Weitere Gebäudeteile wurden im 16. Jahrhundert hinzugefügt (vgl. Monumentbrowser „Alte Pfarrkirche“). Aufgrund der jeweils vergleichsweise langen Historie von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Gries (als ein Teil des Stadtteils Gries-Quirein) kann man von einer größtenteils „deutschen Vergangenheit“ bzw. „deutschsprachigen Vergangenheit“ ausgehen. So entsteht die Vermutung, dass sich diese Vergangenheit in einer besonders großen Anzahl an deutschen Restaurantnamen (im Falle von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch) bzw. in der auffälligen Verortung des einzigen deutschen Namens des gesamten Stadtteils (im Falle von Gries bzw. Gries-Quirein) widerspiegelt.

Wie in den Kapiteln 7.3.4 und 7.4.5 bereits erwähnt, liegt der Anteil der deutschen Namen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch bei knapp 41% und ist damit dort, verglichen mit den übrigen vier Stadtteilen, mit Abstand am höchsten. In der Linguistic Landscape des Stadtteils Gries-Quirein findet sich, wie in den Kapiteln 7.3.6 und 7.4.5 erwähnt, lediglich ein deutscher Restaurantname. Das Deutsche ist hier, verglichen mit den anderen Bozner Stadtteilen, mit einem Anteil von 2,4% an der Menge aller einsprachigen Namen am schwächsten vertreten. In diesem Kapitel ist dieser einzige deutsche Name aber dennoch erwähnenswert, da er in Gries, dem ehemals eigenständigen und ursprünglich deutschsprachigen Teil von Gries-Quirein, in der Nähe der alten Pfarrkirche und direkt am Grieser Platz (siehe hierzu auch Karte 17) zu verorten ist – und nicht beispielsweise auf dem Gebiet des ehemaligen Rione Venezia, dessen Lage in Kapitel 8.4.2 anhand von Karte 25 veranschaulicht wurde. Der Name lässt sich also in einem Gebiet Bozens verorten, das sich, genau wie das Bozner Zentrum, über mehrere Jahrhunderte entwickelt zu haben scheint und offensichtlich schon lange bevor Bozen durch die Faschisten italianisiert und die Bozner Bevölkerung zu einer überwiegend italienischsprachigen Bevölkerung wurde, seinen Ursprung hatte.

Die beiden gerade noch einmal ausgeführten Ergebnisse zur Linguistic Landscape von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Gries-Quirein können zu einem gewissen Teil mit Sicherheit durch die gerade erläuterte Geschichte der beiden Stadtteile begründet werden: Der Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie Gries (als ehemals selbstständige Gemeinde und heutiger Bestandteil von Gries-Quirein) sind (zumindest in Teilen) ursprünglich deutschsprachige Räume. Das Deutsche könnte sich hier jeweils durch eine vorwiegend deutschsprachige Bevölkerung, die dort bereits lange vor dem Faschismus ansässig war, gewissermaßen festgesetzt haben. Es scheint möglich, dass das Deutsche durch die Phase der Entnationalisierung, während der das Deutsche in ganz Südtirol verboten wurde (siehe Kapitel 3.4), und die Phase der Italianisierung hier nicht komplett „ausgelöscht“ wurde und demnach nach dieser Phase nicht „ausgestorben“ war. Vielmehr ist das Deutsche möglicherweise durch diese deutschsprachigen Bewohner der Stadtteile genau dort heute wieder präsent. Hierbei ist natürlich zu beachten, dass das Deutsche in Gries bzw. Gries-Quirein natürlich keinesfalls in hohem Maße präsent ist, jedoch muss noch einmal die Besonderheit betont werden, dass der deutsche Name eben Gries und nicht in einem anderen Teil von Gries-Quirein zu finden ist.

Die These, dass sich das Deutsche in den gerade erläuterten Gebieten festgesetzt haben könnte, wird auch durch Martha Verdorfers Aussage gestützt, die bereits in Kapitel 8.4.2 zitiert wurde: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Bozen noch immer eine geteilte Stadt – während die deutschsprachigen Händler und Bauern in der Altstadt, in Rentsch und in Gries ansässig waren, siedelten die italienischsprachigen Einwohner beispielsweise in Quirein oder Oberau. Diese Trennung blieb über Jahrzehnte bestehen und ist noch heute spürbar (vgl. Verdorfer 2004: 168f).

Die hohe Präsenz deutscher Restaurantnamen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und die besondere Verortung des einzigen deutschen Namens in Gries-Quirein hat als möglichen Grund also auch die durch das Deutsche bzw. die deutsche Sprache geprägte Vergangenheit beider Stadtteile.

8.4.4. Fazit

Als Fazit dieses Kapitels kann gesagt werden, dass die Linguistic Landscape Bozens, bzw. die individuellen Linguistic Landscapes der einzelnen Stadtteile, möglicherweise zu einem gewissen Teil die Geschichte der Stadt bzw. der Stadtteile widerspiegeln. Dies wird noch einmal besonders deutlich, wenn man die Geschichte sowie die Linguistic Landscape des Gebiets, in welchem sich das ehemalige Semirurali-Viertel befand, und die Geschichte sowie die Linguistic Landscape von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch miteinander vergleicht: Das Semirurali-Viertel wurde für italienischsprachige Zuwanderer gebaut – heute findet man hier vorrangig italienische Namen. Währenddessen ist das Gebiet, welches Zentrum-Bozner Boden-Rentsch umfasst, durch eine deutschsprachige Vergangenheit geprägt – heute findet man hier eine vergleichsweise große Anzahl an deutschsprachigen Namen. Der Einfluss der Geschichte auf die Gestalt der Linguistic Landscape scheint also wahrscheinlich, jedoch ist es kaum möglich zu sagen, wie bedeutend oder stark dieser geschichtliche Einfluss ist. Um diesen Einfluss detaillierter beschreiben zu können, wäre es notwendig, die Geschichte der einzelnen Stadtviertel so detailliert wie möglich zu beschreiben, wobei hierbei vor allem die Entwicklung der Bevölkerung der Stadtviertel hinsichtlich unterschiedlicher Sprachgruppen von Interesse wäre. So könnten sich möglicherweise einige in diesem Kapitel ausgeführte Thesen bestätigen oder aber widerlegen lassen. Zudem könnte es in einigen Fällen ebenfalls interessant sein, die Geschichte einzelner Restaurants etc. nachzuverfolgen, also beispielsweise herauszufinden, wann ein Restaurant eröffnet wurde, von wem es eröffnet wurde, unter welchen Umständen und mit welcher Begründung man einem Restaurant seinen entsprechenden Namen gab etc. Man könnte damit unter Umständen herausfinden, ob sich die Geschichte eines Restaurants tatsächlich in einen Zusammenhang mit der Geschichte Bozens bzw. der Geschichte des jeweiligen Stadtteils bringen lässt und ob somit ein Zusammenhang zwischen der Linguistic Landscape und der Stadtgeschichte besteht.

8.5. Tradition und Modernität

Zwei weitere Faktoren, die unter Umständen Auswirkungen auf die Gestalt der Bozner Linguistic Landscape haben, sind die Faktoren Tradition bzw. Traditionsbewusstsein und Modernität.

Auf die Faktoren Tradition und Modernität weist auch Maria Schlick in ihrer Arbeit „The English of shop signs in Europe“ hin. In dieser Arbeit fasst Schlick die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Sprache auf den Schildern und in den Schaufenstern von Geschäften in drei europäischen Städten zusammen. Ihr Fokus liegt hierbei auf einem möglichen fremdsprachlichen, vor allem englischsprachigen, Einfluss auf eben erwähnte Schriftstücke (vgl. Schlick 2002: 3). Zum Gebrauch des Englischen in einem Schriftzug, wie z.B. „LEISURE WEAR“, im österreichischen Klagenfurt erläutert Schlick: „The use of English in these cases is meant to convey the message that the shop is up-to-date and selling the latest fashion“ (Schlick 2002: 5). Des Weiteren stellt Schlick hinsichtlich deutsch-englischer Geschäftsnamen in derselben Stadt fest: „Such signs are doubly eye-catching: first by using English to mark trendiness, then by using German as a marker of beeing rooted with one’s soil“ (Schlick 2002: 5). Während also das Englische in diesen Geschäftsnamen die Modernität des Geschäfts vermittelt und zeigt, dass man „mit dem Trend geht“, verdeutlicht die Verwendung des Deutschen die Verbundenheit mit der Stadt. Die Kombination beider Sprachen in einem Geschäftsnamen machen diesen besonders prägnant und auffällig (vgl. Schlick 2002: 5-7).

An diesem Punkt sei auch noch einmal auf die Restaurantnamen in Oberau-Haslach zurückgekommen. In Kapitel 7.3.5 wurde bereits erwähnt, dass in diesem Stadtteil sechs Restaurantnamen erhoben wurden, die allesamt am selben Ort in Bozen zu finden sind, nämlich im Einkaufszentrum „Twenty“ in der Via Galileo Galilei 20. Einer dieser Namen ist einsprachig englisch („Old Wild West“), der Name des Einkaufszentrums selbst ist ebenfalls englisch und ein weiterer Restaurantname wurde zwar als „neutral“ kategorisiert, scheint sich aber auf den Namen des Einkaufszentrums zu beziehen („Bistro 20“). Auch in diesem Fall lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Sprachwahl, also der Wahl des Englischen, und dem Faktor Modernität herstellen. Ein Einkaufszentrum kann (im Gegensatz zur eher klassischen, traditionellen Einkaufsstraße) gewissermaßen als eine modernere Einkaufsmöglichkeit bezeichnet werden, die wiederum ein Publikum anzieht, das sich von ebendieser Modernität angesprochen fühlt. Dementsprechend kann es auch Sinn machen, Restaurants in einem solchen Einkaufszentrum sowie dem Einkaufszentrum selbst einen englischen Namen zu geben, der (nach Schlick, wie oben bereits erwähnt) ebenfalls für Trendbewusstsein und Modernität steht (vgl. Schlick 2002: 5) und von der Kundschaft des Einkaufszentrums als ansprechend empfunden wird.

Die Faktoren Tradition und Modernität sind zudem auch hinsichtlich der Unterschiede zwischen der Linguistic Landscape des nicht-dicht besiedelten Stadtgebiets Bozens, im Folgenden als „ländlich“ bezeichnet, und der des dicht besiedelten Stadtgebiets Bozens, im Folgenden als „städtisch“ bezeichnet, von Bedeutung. In Kapitel 7.4.6 wurde bereits erläutert, dass sich, wie anhand der Korpora dieser Arbeit festgestellt werden konnte, im „ländlichen“ Bozen ausschließlich deutsche, italienische und deutsch-italienische Namen finden, während sich die Namen der „anderen“ Sprachen bzw. die Namen mit Elementen der „anderen“ Sprachen auf das „städtische“ Gebiet beschränken bzw. konzentrieren, was wiederum den Grund für die relativ große Sprachvielfalt im „Städtischen“ darstellt. Diese beobachteten Unterschiede innerhalb der Bozner Linguistic Landscape lassen sich in einen Zusammenhang mit den Faktoren Tradition und Modernität bringen: Die „ländliche“ Linguistic Landscape Bozens ist von den in Bozen bzw. Südtirol traditionell gesprochenen Sprachen geprägt. Hierzu gehören das Deutsche, welches (grob gesagt) bis zur Italianisierung Südtirols in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die in Bozen vorrangig gesprochene Sprache war (siehe Abb. 6) und nach dem Ende des faschistischen Regimes (wieder) unter anderem zu einer offiziellen Schulsprache der Provinz wurde, und das Italienische, welches seit der eben erwähnten Italianisierung Südtirols die Muttersprache des Großteils der Bozner Bürger ist (siehe Abb. 1). Derweil findet man in der „städtischen“ Linguistic Landscape auch Restaurantnamen, die in anderen Sprachen verfasst sind, wobei unter diesen das Englische von besonders großer Präsenz ist. Diese „anderen Sprachen“ stehen im Gegensatz zum Deutschen und Italienischen eher für Modernität und ein angesagtes Flair, worauf auch Maria Schlick im Bezug auf das Englische schon hingewiesen hat (siehe oben).

Im Zusammenhang mit dem Faktor Tradition ist des Weiteren zu erwähnen, dass diejenigen Restaurantnamen, die nicht in den traditionellen Sprachen des Südtiroler Raums verfasst sind, in zahlreichen Fällen auch eher die Restaurants benennen, die nicht traditionell südtirolerisch sind. So bezeichnen die Namen

(33) „Coffee Bean“,
(34) „Mister Ye“ und
(35) „Maharaja Indian Restaurant & Bar“

einen take away-Coffee Shop (Beispiel (33)) (vgl. Facebook-Seite „Coffee Bean“) sowie Restaurants mit typisch asiatischer Küche (Beispiel (34)) (vgl. TripAdvisor-Eintrag „Mister Ye“) oder indischer Küche (Beispiel (35)) (vgl. TripAdvisor-Eintrag „Maharaja Indian Restaurant & Bar“).

Hierzu muss jedoch auch erwähnt werden, dass ein Restaurantname, der in einer der in Südtirol traditionell gesprochenen Sprachen verfasst ist, nicht zwingend der Name eines traditionellen, Südtiroler Restaurants sein muss. Dies veranschaulichen folgende Beispiele:

(36) „Ristorante Cinese il Drago d’oro“ sowie
(37) „Bar Pizzeria Le Bon“.

Das Restaurant, welches durch den Namen aus (36) bezeichnet wird, ist (seinem Namen zufolge) ein Restaurant, das chinesische Speisen anbietet – sein Name ist jedoch im Italienischen verfasst. Das durch (37) bezeichnete Lokal ist unter anderem eine Pizzeria, das heißt, ein Lokal, das typisch italienische Speisen anbietet. Aufgrund des Namenselements „Le Bon“ gehört der Name jedoch der Unterkategorie „französisch“ an.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass die Art der Gastronomie unter Umständen mit dem Namen bzw. der für den Namen gewählten Sprache korrelieren kann (aber nicht muss), in dem Sinne, dass einige nicht-traditionelle Restaurants (also Restaurants, die für Südtirol bzw. Bozen eher untypisch sind) durch Namen, die in nicht-traditionellen Sprachen verfasst sind, benannt werden. Die Art der Gastronomie kann sich also unter Umständen auch auf die Wahl einer traditionellen oder eben nicht-traditionellen Sprache für den entsprechenden Namen auswirken und damit einen Einfluss auf die Linguistic Landscape der Stadt haben.

9. Rückblick, abschließendes Fazit und Forschungsausblick

In diesem letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit sollen ein Rückblick auf die Untersuchung zur Bozner Linguistic Landscape gegeben werden, in einem abschließenden Fazit die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst werden sowie mögliche weitere Forschungsmöglichkeiten bezüglich des Linguistic Landscapings in Bozen erläutert werden. Die Linguistic Landscape der Stadt Bozen wurde in dieser Arbeit anhand der Sprachen, in welchen die Namen der Bozner Restaurants, Cafés etc. verfasst sind, ermittelt und erläutert. Hierzu wurde ein (Gesamt)Korpus von Restaurantnamen erstellt, der es ermöglichte, die Häufigkeit des Vorkommens verschiedener Sprachen und Sprachkombinationen zu untersuchen. Durch die Aufteilung dieses Korpus’ in einzelne Teilkorpora konnten zudem auch die individuellen Linguistic Landscapes der einzelnen Bozner Stadtteile Don Bosco, Europa-Neustift, Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Oberau-Haslach und Gries-Quirein dargestellt werden. Durch die Verortung der Namen bzw. der den Namen entsprechenden Restaurants auf Karten konnten einige Aspekte der Linguistic Landscape veranschaulicht werden. Des Weiteren wurde auf Erklärungsversuche zur Gestalt der Bozner Linguistic Landscape eingegangen, wobei ein möglicher Zusammenhang zwischen der Geschichte Bozens und der ermittelten Linguistic Landscape besonders detailliert erörtert wurde.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen dieser Arbeit gehören die jeweilige Anzahl sowie die Verortung der italienischen und deutschen Restaurantnamen. Es konnte gezeigt werden, dass das Italienische in allen Bozner Stadtteilen sehr präsent ist und dass es sogar Stadtteile gibt, nämlich Don Bosco und Europa-Neustift, in denen fast ausschließlich italienische Namen zu finden sind. Im Gegensatz dazu gibt es keinen Stadtteil in Bozen, in welchem ausschließlich oder fast ausschließlich deutsche Namen zu finden sind – ganz im Gegenteil: In den meisten Stadtteilen ist das Deutsche entweder kaum vorhanden oder bedeutend schwächer vertreten als das Italienische. Einzig im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch stellt das Deutsche gemeinsam mit dem Italienischen die am häufigsten in einsprachigen Restaurantnamen verwendete Sprache dar.

Diese im vorangegangenen Absatz erläuterten Ergebnisse sind interessant, weil sie zeigen, dass es in Bozen nicht nur eine mehrheitlich italienischsprachige Bevölkerung gibt, sondern dass das Italienische im öffentlichen Raum (zumindest in Restaurantnamen) auch deutlich häufiger verwendet wird. Die besondere Verortung dieser italienischen und deutschen Restaurantnamen, die im vorherigen Absatz ebenfalls noch einmal dargelegt wurde, kann zudem teilweise und in gewissem Maße auch als Spiegel oder Folge der durch das Deutsche bzw. das Italienische geprägten Geschichte der entsprechenden Stadtteile und Stadtviertel gesehen werden.

Aufschlussreich ist zudem auch die Betrachtung der Restaurantnamen, die in anderen Sprachen als dem Italienischen und dem Deutschen verfasst sind. Hierbei sind ganz besonders die englischen Namen hervorzuheben, die man vor allem in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch sowie in Gries-Quirein und Oberau-Haslach findet, wobei sie in den beiden letztgenannten Stadtteilen sogar häufiger vertreten sind als die deutschen Namen. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf den Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch zurückzukommen: Hier findet man die größte sprachliche Vielfalt sowie die meisten der, in Bozen eher selten zu findenden, mehrsprachigen Restaurantnamen. Diese Tatsache steht wiederum möglicherweise in einem Zusammenhang mit der Funktion dieses Stadtteils als Treffpunkt für Sprecher unterschiedlichster Sprachen.

Betont werden muss abschließend auch, dass diese Ergebnisse bezüglich der Bozner Linguistic Landscape auf Grundlage von Restaurantnamen ermittelt wurden. Würde man sprachliches Material anderer Art (z.B. Plakate, Graffitis oder Straßenschilder) untersuchen, so könnte sich unter Umständen eine ganz andere Linguistic Landscape ergeben, was im Zusammenhang mit dem Vergleich zwischen den Ergebnissen der Arbeit Barbara Planks und den Ergebnissen dieser Arbeit bereits angedeutet wurde.

In diesem Kapitel ist es natürlich unmöglich, alle Erkenntnisse dieser Arbeit noch einmal zusammenzufassen. Grundsätzlich lässt sich zudem auch sagen, dass die vorgenommene Untersuchung zahlreiche äußerst interessante Aspekte der Bozner Linguistic Landscape erkennen hat lassen, deren Erörterung ebenfalls aufschlussreich gewesen wäre. Ebenso war es nicht möglich, auf all diese Aspekte und ihre entsprechenden Hintergründe im Rahmen dieser Arbeit einzugehen, so dass sich im Bezug auf das Linguistic Landscaping in Bozen viele weitere Forschungsmöglichkeiten ergeben.

In dieser Arbeit wurde vor allem auf die italienischen und deutschen Namen sowie auf die englischen Namen eingegangen. Daher wäre es beispielsweise interessant, im Detail auf die Namen, welche in „anderen“ Sprachen verfasst sind, einzugehen. Aufschlussreich wäre es zum Beispiel im Detail zu untersuchen, ob solche Namen eher gebündelt oder vereinzelt auftreten. Unter anderem in Kapitel 7.3.6 wurde bereits die Verortung von Namen verschiedener Sprachen entlang bedeutenderer Straßen und kleinerer Nebenstraßen in Gries-Quirein angedeutet: Hier wurde erwähnt, dass die italienischen Namen über das ganze Viertel verteilt sind, während sich englische Namen vor allem an den wichtigen Durchfahrtsstraßen des Stadtteils finden. Es wäre daher interessant, die Sprachwahl für Namen von Restaurants an stark frequentierten Orten mit den Namen von Restaurants an weniger stark frequentierten Orten zu vergleichen und auf einen möglichen Zusammenhang hin zu untersuchen.

Diese Arbeit konnte zeigen, dass in Bozen (allgemein formuliert) viele unterschiedliche Sprachen im öffentlichen Raum zu finden sind und die Stadt daher durch eine gewisse sprachliche Vielfalt gekennzeichnet ist. Der Grad oder das Maß dieser Vielfalt kann jedoch nur durch einen Vergleich mit der Linguistic Landscape einer anderen Stadt oder eines anderen Ortes genauer bestimmt und eingeordnet werden. So könnte man beispielsweise die Linguistic Landscape einer Südtiroler Gemeinde untersuchen, in welcher der Tourismussektor noch viel ausgeprägter ist als in Bozen, und die Ergebnisse mit denen zur Bozner Linguistic Landscape vergleichen. Hieraus würden sich unter Umständen weitere interessante Rückschlüsse auf den Einfluss des Tourismus auf die Linguistic Landscape einer Stadt ergeben.

In jedem Fall ist das Linguistic Landscaping ein sprachwissenschaftliches Arbeitsfeld, das viele weitere, spannende Forschungsmöglichkeiten, die selbstverständlich auch über die Untersuchungsräume Bozen und Südtirol hinausgehen, bietet.

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11. Datengrundlage zur Korpuserstellung

Suchmaske von TripAdvisor zum Themenbereich „Restaurants“: <https://www.tripadvisor.de/Restaurants> [Zugriff am 17.03.2017]

 

Auflistung von TripAdvisor bzgl. Lokalitäten in der Stadt Bozen zur Erstellung des Korpus’: <https://www.tripadvisor.de/Restaurants-g187857-Bolzano_Province_of_South_Tyrol_Trentino_Alto_Adige.html#EATERY_OVERVIEW_BOX> [Zugriff am 17.03.2017]

Hier als PDF abrufbar:

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Hilfsmittel für die Ergänzung und Anpassung der Daten zur Erstellung des zweiten, finalen Gesamtkorpus:

Google My Business, abrufbar über Google: <https://www.google.de>

Facebook: <https://www.facebook.com>

Pagine Gialle: <https://www.paginegialle.it>

12. Hilfsmittel zur Kategorisierung

Hilfsmittel zur Bestimmung der Lexikalisierung von Wörtern im Italienischen, Deutschen und Englischen:

<http://www.treccani.it/vocabolario/

<www.duden.de

<http://dict.leo.org/german-english/

“Namepedia” – Hilfsmittel zur Kategorisierung der Vornamen: <http://www.namepedia.org/de/firstname/translate/> [Zugriff am 28.04.2017]

Allgemeines Hilfsmittel zur Bestimmung typisch italienischer Suffixe = Anonymus (o.J.): „Suffissi.“ Treccani.it. <http://www.treccani.it/enciclopedia/suffissi_%28La-grammatica-italiana%29/> [Zugriff am 30.04.2017]

Duden online-Eintrag zu „Häusl“ = Anonymus (o.J.): „Häusl.“ Duden online. <http://www.duden.de/rechtschreibung/Haeusl> [Zugriff am 20.06.2017]

Duden online-Eintrag zu „Pizza“ = Anonymus (o.J.): „Pizza.“ Duden online. <http://www.duden.de/rechtschreibung/Pizza> [Zugriff am 20.06.2017]

Häufige Diminutivsuffixe des Italienischen nach treccani.it = Anonymus (o.J.): „Diminutivi, suffissi.“ Treccani.it. <http://www.treccani.it/enciclopedia/suffissi-diminutivi_(La-grammatica-italiana)/> [Zugriff am 30.04.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Alumix Cafe Ristorante Pizzeria“ = Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Abteilung Denkmalpflege (o.J.): „Manifesta 7 – Die Fabrikanlage „Alumix“ in der Bozner Industriezone als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst.“ <http://www.provinz.bz.it/denkmalpflege/service/archiv.asp?aktuelles_action=4&aktuelles_article_id=232078> [Zugriff am 15.05.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Bento“ = Anonymus (o.J.): „Bento.“ Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. <https://de.wikipedia.org/wiki/Bentō> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Cafe Bistro Museion“ = Anonymus (o.J.): „Museum.“ Wiktionary. <https://de.wiktionary.org/wiki/Museum> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Eurac Cafe“ = Autonome Provinz Bozen-Südtirol (o.J.): „Europäische Akademie Bozen – EURAC Research.“ <http://www.provinz.bz.it/entwicklungszusammenarbeit/organisationen/suche-organisation.asp?devaid_org_perid=PERS_6973> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Ichiban“ = Anonymus (o.J.): „Ichiban.“ Langenscheidt. <https://de.langenscheidt.com/japanisch-deutsch/一番> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Kaiten Sushi Qin“ = Anonymus (o.J.): „Kaiten.“ Langenscheidt. <https://de.langenscheidt.com/japanisch-deutsch/回転> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Kyo“ = Anonymus (o.J.): „kyo.“ Glosbe.
<https://de.glosbe.com/ja/de/kyō> [Zugriff am 15.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Shiro“ = Anonymus (o.J.): „Shiro.“ Langenscheidt. <https://de.langenscheidt.com/japanisch-deutsch/城> [Zugriff am 16.06.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Jona“ = Anonymus (o.J.): „jona.“ Micura.it. <http://www.micura.it/de/woerterbuecher/vb/ldplus?q=jona&op=ct&f=&b=&k=&g=&-find=Suchen> [Zugriff am 20.07.2017]

Hilfsmittel zur Kategorisierung des Namens „Vives“ = Anonymus (o.J.): „vives.“ Micura.it. <http://www.micura.it/de/woerterbuecher/vb/ldplus?q=vives&op=ct&f=&b=&k=&g=&-find=Suchen> [Zugriff am 20.07.2017]

Beschreibung des Restaurants „Jona“ = Anonymus (o.J.): „Jona.“ <https://www.jonabz.it> [Zugriff am 20.07.2017]

Wikipedia-Artikel „Liste der Straßen und Plätze in Bozen“ = Anonymus (o.J.): „Liste der Straßen und Plätze in Bozen.“ Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. <https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Straßen_und_Plätze_in_Bozen> [Zugriff am 01.05.2017]

13. Hilfsmittel zur Erstellung der Karten

Google Earth, hier zum Download: <https://www.google.com/earth/>

Google MyMaps: <https://www.google.com/mymaps>

14. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der jeweilige Anteil der Sprecher des Deutschen, Italienischen und Ladinischen in den Südtiroler Gemeinden (Kap. 2.1.1)

Abb. 2: Entwicklung der Südtiroler Bevölkerung zwischen 1880 und 2011 nach Sprachgruppen (Kap. 2.1.1)

Abb. 3: Lage der Stadt Bozen im nördlichen Italien (Kap. 2.2.1)

Abb. 4: Stadtteile von Bozen (Kap. 2.2.1)

Abb. 5: Einwohnerzahlen Südtirols und der Städte Bozen, Meran und Brixen im Zeitraum zwischen 1754 und 2011 (Kap. 2.2.2)

Abb. 6: Einwohner Bozens und Gries’ nach Sprachgruppen gemäß der Volkszählung von 1921 (Kap. 2.2.2)

Abb. 7: Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte je Stadtteil (Stichtag 31.12.2015) (Kap. 2.2.2)

Abb. 8: Anteil ausländischer Einwohner je Stadtteil (Stichtag 31.12.2015) (Kap. 2.2.2)

Abb. 9: Optionsergebnisse (Kap. 3.4.5)

Abb. 10: Überblick über den jeweiligen Umfang der Teilkorpora (Kap. 6.1.3)

Abb. 11: Quantitative Auswertung der Oberkategorien des Gesamtkorpus’ (Kap. 7.2)

Abb. 12: Quantitative Auswertung zu den Unterkategorien des Gesamtkorpus‘ innerhalb der Oberkategorie „einsprachig“ (Kap. 7.2)

Abb. 13: Quantitative Auswertung zu den Unterkategorien des Gesamtkorpus‘ innerhalb der Oberkategorie „zweisprachig“ (Kap. 7.2)

Abb. 14: Anzahl der „nicht-neutralen“ und „neutralen“ Restaurantnamen sowie Gesamtanzahl aller Restaurantnamen je Teilkorpus (Kap. 7.3.1)

Abb. 15: Überblick über die Unterkategorien des Teilkorpus’ „Don Bosco“ (Kap. 7.3.2)

Abb. 16: Überblick über die Unterkategorien des Teilkorpus’ „Europa-Neustift“ (Kap. 7.3.3)

Abb. 17: Überblick über die Oberkategorien des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ (Kap. 7.3.4)

Abb. 18: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ (Kap. 7.3.4)

Abb. 19: Überblick über die Unterkategorien der zweisprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ (Kap. 7.3.4)

Abb. 20: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“ (Kap. 7.3.5)

Abb. 21: Überblick über die Unterkategorien der zweisprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“ (Kap. 7.3.5)

Abb. 22: Überblick über die Unterkategorien der einsprachigen Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Gries-Quirein“ (Kap. 7.3.6)

15. Kartenverzeichnis

Karte 1: Verortung aller Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Don Bosco“ (Kap. 7.3.2) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1K_raVQSORaHHuEEGm934o0zxcds&usp=sharing]

Karte 2: Verteilung der italienischen, deutschen und englischen Namen im Stadtteil Don Bosco (Kap. 7.3.2) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=16q726aaCqjVLOTL_CxWogdlHhK8&usp=sharing]

Karte 3: Verortung aller Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Europa-Neustift“ (Kap. 7.3.3) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1tDN6aPjHtSQF85lpn5wM5GZElhs&usp=sharing]

Karte 4: Verteilung der italienischen, deutschen und französischen Namen im Stadtteil Europa-Neustift (Kap. 7.3.3) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1NjmGwuh27H6SAg1jzVlrbhGVqds&usp=sharing]

Karte 5: Verortung aller Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Zentrum-Bozner Boden-Rentsch“ (Kap. 7.3.4) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1r1H2uHyP2D8FYQhUabHVF_Zhtos&usp=sharing]

Karte 6: Verteilung der deutschen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 7.3.4) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=18v0UbHu3uGnZwlcficpWiRMFrlA&usp=sharing]

Karte 7: Verteilung der italienischen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 7.3.4) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1CRe84G8bZKp3vPMwAhmPZf_zNrE&usp=sharing]

Karte 8: Verteilung der englischen, japanischen, französischen, spanischen, lateinischen und altgriechischen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 7.3.4) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1ZOBQMheP4Ya-8mz_f8rWjqPBjK8&usp=sharing]

Karte 9: Verteilung der mehrsprachigen Restaurantnamen im Stadtteil Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 7.3.4) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AJils6eLzGFAYt9a_fYzmk3_4Rs&usp=sharing]

Karte 10: Verortung aller Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Oberau-Haslach“ (Kap. 7.3.5) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1lxSYH989OMAqTV5HoQ7C5KPP670&usp=sharing]

Karte 11: Verteilung der italienischen und deutschen Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach (Kap. 7.3.5) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=18_U3BsXJkPftdDiYHMcEjm00Wh0&usp=sharing]

Karte 12: Verteilung der englischen Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach (Kap. 7.3.5) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AgR5ohWJU-IrfVCereLWviRkAw4&usp=sharing]

Karte 13: Verteilung der englischen sowie italienischen Restaurantnamen im Stadtteil Oberau-Haslach (Kap. 7.3.5) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1EGFDsPqmeYG6ACQwxC31dJqSRKg&usp=sharing]

Karte 14: Verortung aller Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Gries-Quirein“ (Kap. 7.3.6) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1xA8gpjWlwTz_e0QPY4P3VEfRwps&usp=sharing]

Karte 15: Verteilung der italienischen Restaurantnamen im Stadtteil Gries-Quirein (Kap. 7.3.6) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1AOl-RMrsqYCGsjkjOtrZaofMaVo&usp=sharing]

Karte 16: Verteilung der englischen Restaurantnamen im Stadtteil Gries-Quirein (Kap. 7.3.6) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1W4-XUjTTD-1A0NdrzLuUNQF6pMQ&usp=sharing]

Karte 17: Verortung des deutschen Restaurantnamens in Gries-Quirein sowie Lage des Grieser Platzes und der Alten Grieser Pfarrkirche (Kap. 7.3.6) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1yMLV85dFhPmLWgsFHVhTRPt-mfw&usp=sharing]

Karte 18: Lage des italienisch-deutschen Restaurantnamens im Stadtteil Gries-Quirein (Kap. 7.3.6) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1xLEAjMagWDUK2gAKOFSgYQQMogs&usp=sharing]

Karte 19: Deutsche, italienische sowie deutsch-italienische Namen im nicht-dicht besiedelten Gebiet der Stadt Bozen (Kap. 7.4.7) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1rltnEOxDeN1UvG7cMsRaLXHGzLw&usp=sharing]

Karte 20: Verortung aller ein- und mehrsprachigen Restaurantnamen, die nicht deutsch, italienisch oder italienisch-deutsch sind (Kap. 7.4.7) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1qbxRijNsVasDhHn4z50sjVYchh0&usp=sharing]

Karte 21: Beispiele für wichtige Bezugspunkte der einheimischen Bevölkerung Bozens in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 8.3) [Link zur entsprechenden interaktiven Karte https://drive.google.com/open?id=1T6xiHv0XtufDUxWlN-YTdmQwWC0&usp=sharing]

Karte 22: Beispiele für wichtige Bezugspunkte der Touristen in Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Kap. 8.3) [Link zur entsprechenden interaktiven Karte https://drive.google.com/open?id=1tziwXBh2wJjg65MHHPDzcFiy_as&usp=sharing]

Karte 23: Ungefähre Lage des ehemaligen Semirurali-Viertels und Markierung der Restaurantnamen des Teilkorpus’ „Don Bosco“ (Kap. 8.4.2) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1il8RCHzwNOnJMHjrG0rvCBm_lBA&usp=sharing]

Karte 24: Die ungefähre Lage des ehemaligen Littorio-Viertels, veranschaulicht durch die Lage des Matteottiplatz und den Verlauf der Dalmatienstraße sowie den Verlauf des Eisackufers (Kap. 8.4.2) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1s4zFlbasUvRU-vTP1a5PVpK4-UM&usp=sharing]

Karte 25: Die ungefähre Lage des ehemaligen Rione Venezia, veranschaulicht durch den Verlauf der Via Gorizia, Via Fiume, Viale Venezia sowie der Viale Trieste (Kap. 8.4.2)
[Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte: https://drive.google.com/open?id=1B475spK9y1GMgZQ8h947eCCWstY&usp=sharing]

Karte 26: Die ungefähre Lage des ehemaligen Semirurali-Viertels sowie der Verlauf der Europaallee, der Reschenstraße sowie der Drususallee (Kap. 8.4.2) [Link zur entsprechenden interaktiven MyMaps-Karte https://drive.google.com/open?id=1TDlccNhnmgAG7UDrG6HNdtG-Psg&usp=sharing]

16. Anhang 1: Kategorisierte Teilkorpora

Hier klicken: Excel-Datei „Kategorisierte Teilkorpora“

(Pro Teilkorpus ist in dieser Datei eine Registerkarte angelegt. In der Spalte „Bemerkungen“ wird in Sonderfällen die jeweilige Kategorisierung kurz erläutert.)

17. Anhang 2: Zusammenfassung der Auswertung des Gesamtkorpus‘ und der Teilkorpora

Hier klicken: PDF-Datei Auswertungsübersicht

18. Anhang 3: Eidesstattliche Versicherung

Die unterschriebene eidesstattliche Versicherung ist der gedruckten Version dieser Arbeit beigefügt.