Das Gaskognische – eine Erinnerungssprache oder ein Erinnerungsdialekt? Eine sprachbiographische Betrachtung


1. Einleitung

Si mes racines italiennes se sont développées sur la terre gasconne de l’agenais, c’est bien la belle langue occitane qui a tout de même bercée mon enfance. Et même si on ne la parlait pas chez moi, elle était partout, dans les ruelles du village, chez mes plus proches voisins, dans les fermes isolées et jusque sur la place où elle rythmait le jeu de boule. C’est sur cette terre là que j’écris mes chansons, que grandissent mes enfants, ce qui explique mon attachement à cette langue que je ne pratique pas (ou très peu), mais qui compte dans mon rapport intime à ‘ce bout de terrain qui a brûlé mon mémoire‘.“ Francis Cabrel, Künstler (vgl. o.J., 6)

Seit geraumer Zeit haben die Themen Heimat und lokale Verortung in den geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächern Konjunktur, denn die Globalisierung scheint in den postmodernen Gesellschaften eines bewirkt zu haben: Sie „hat das Bewusstsein nationaler Zugehörigkeiten geschärft, aber auch das Bewusstsein regionaler und lokaler Identität“ (vgl. Bausinger 2001, 124). Ein scheinbar übergreifendes Phänomen in den westlichen Gesellschaften scheint folglich eine Inwertsetzung des lokalen Lebensraums sowie der dazugehörigen Charakteristika zu sein. Zu letzteren können auch die am Ort gesprochenen Sprachen und Dialekte gezählt werden (vgl. Stellino 2010, 192-196).

Doch wie gestaltet sich dieses Phänomen in einem Land wie Frankreich, das von seiner nationalen Identität, die stark mit der offiziellen Landessprache verknüpft ist, derart geprägt ist, dass es, bereits das gesamte 20. Jahrhundert über, um das Fortbestehen der französischen Sprache gemäß des „bon usage“ besorgt war und für seinen Kampf gegen interne und externe Sprachminderheiten bekannt ist (vgl. Gadet 2006, 1787f.)?1 Auf sprachpolitischer Ebene scheint sich – vor dem Hintergrund einer erneuten Ablehnung der Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen – ein Sträuben gegen das offene Ausleben regionaler Partikularismen zu halten. Dennoch erheben sich immer wieder Stimmen von Befürwortern des Schutzes der regionalen Identität und der dazugehörigen Sprachen und Kulturen (vgl. Gadet 2006, 1788).

In der vorliegenden Arbeit wurde das Augenmerk exemplarisch auf eine galloromanischen Varietät im Südwesten Frankreichs, das Gaskognische, gerichtet. Viele der auf diesem Gebiet lebenden Menschen tragen neben ihrer nationalfranzösischen Identität2 auch eine Verbundenheit zu ihrer geographischen Heimat, „plus précisément au Sud-Ouest“, nach außen. Doch wie verhält es sich mit dem Idiom, das noch vor dem Französischen auf diesem Gebiet gesprochen wurde? Spielt es nach wie vor eine Rolle für die Identität seiner Sprecher und kann gegebenenfalls als räumlicher Identitätsmarker gebraucht werden? Kann man noch davon sprechen, dass das Gaskognische – trotz seiner Situation als Minderheitenidiom – vital ist oder bekommt es neue Funktionen, wie dies beispielsweise bei manchen Dialekten in Italien der Fall ist und die in der Forschung, wegen ihrer diaphasischen Markierung, als „Erinnerungsdialekt“ bezeichnet werden?3 Mittels einer sprachbiographischen Betrachtung sollte folgender Fragestellung nachgegangen werden: Handelt es sich beim Gaskognischen um einen Erinnerungsdialekt beziehungsweise um eine Erinnerungssprache oder ist eine Entwicklung in diese Richtung feststellbar?4

Der erste Teil der Arbeit widmet sich den theoretischen Grundlagen der drei namensgebenden Konzepte: dem gaskognischen Idiom, dem Erinnerungsdialekt und der Sprachbiographie. Des Weiteren liefert dieser Einführungsteil einen Überblick zum Forschungsstand zu diesen Konzepten. Das Kapitel, das sich mit dem Gaskognischen an sich auseinandersetzt, ist detaillierter als die Passagen zum Erinnerungsdialekt und zur Sprachbiographie angelegt, da es zum einen eine erläuterungswerte Forschungskontroverse zu seiner Natur als eigene Sprache oder als Dialekt des Okzitanischen gibt und sich zudem im Laufe der Untersuchung die Notwendigkeit ergeben hat, auf Phänomene wie die Okzitanismusbewegung einzugehen. Letzteres ist mit einer erstaunlich großen Präsenz von Okzitanisten im sample der Untersuchung zu begründen.

In einem zweiten Teil wird dann auf die bei der Untersuchung angewandte Methode eingegangen, weil Sprachbiographien auf verschiedene Art und Weise erhoben und ausgewertet werden können. Da das Verfahren an den Untersuchungsgegenstand angepasst werden musste, soll dieses, auf möglichst transparente Art und Weise, von den methodischen Vorüberlegungen, über die Auswahl von Orten, Befragten und Fragen, bis hin zu den Transkriptionsprinzipien erläutert werden.

Zum Schluss soll auf die konkreten Untersuchungsergebnisse eingegangen werden, die dann in einem abschließenden Fazit eine Beantwortung der Forschungsfrage ermöglichen, beziehungsweise eine Interpretationshilfe für eine weitere Entwicklung der Situation des Gaskognischen bereitstellen.

Die Arbeit konzentriert sich weitestgehend auf synchrone Aspekte.5 Da die Untersuchung ihren Fokus auf die Analyse von individuellen Sprecherbiographien richtet, wird allerdings auch auf vergangene Erwerbsprozesse und Lebensabschnitte der Sprecher eingegangen. Zudem wird an entsprechender Stelle – wenn auch weniger detailreich – ebenso auf sprachhistorische Informationen zurückgegriffen, wenn eine Kohärenz der Darstellung dies erfordert und die Auswertung der Untersuchungsergebnisse erleichtert.

Da es sich um eine soziolinguistische Arbeit handelt, konzentriert sich die Fragestellung auf den Gebrauch, den Nutzen sowie die Einstellung der Sprecher zu ihrem Idiom. Sprachliche Merkmale, wie etwa ein bestimmter accent der Sprecher im Französischen und der Gebrauch von regionalen Ausdrücken oder syntaktischen Strukturen werden nicht behandelt.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.

2. Theorie

2.1. Gaskognisch?

Wer sich mit den Idiomen im Süden Frankreichs beschäftigt, wird schnell auf das Konzept von einem großen Sprachraum stoßen, der sich über das südliche Drittel Frankreichs erstreckt (vgl. Cichon 2002, 16). Auf diesem Gebiet soll die okzitanische Sprache gesprochen werden, welche im Mittelalter das Kommunikationsmedium der südfranzösischen Troubadoure war und in Form einer gemeinsamen koinè ihre kulturelle Blüte erlebte (vgl. Cichon 2002, 10f., Pusch 2001). Innerhalb dieses Kulturraums werden sechs verschiedene Dialekte des Okzitanischen unterschieden, die sich in zwei Hauptgruppen einteilen lassen: occitan septentrional (Limousinisch, Auvergnatisch und Vivaro-alpinisch) und occitan méridional. Zu Letzterer gehört neben dem Languedokischen und Provenzalischen auch das Gaskognische, um das es in dieser Arbeit schwerpunktmäßig gehen soll (vgl. Massoure 2005, 344).6 

Abbildung 1: Die verschiedenen Dialekte des Okzitanischen (Quelle: http://occitanet.free.fr/imatges/mapoc.gif)

Diese Vorstellung von einer großen okzitanischen Sprache ist weit verbreitet und international anerkannt, allerdings nehmen die eigentlichen Muttersprachler des Okzitanischen diese Zuordnung als ihnen fremd wahr und scheinen mit dieser Begrifflichkeit nur sehr wenig anfangen zu können (vgl. 2009, 11).

Da diese Unsicherheit bzw. Ablehnung in der durchgeführten Umfrage omnipräsent war, sollen nun die Gründe für sie dargestellt werden. Eine korrekte Interpretation der Daten wäre ansonsten nicht möglich gewesen.

2.1.1. Sprachgebiet und Klassifizierung

Als Gaskognisch wird jenes Idiom bezeichnet, das im Südwesten Frankreichs im historischen Gebiet der Gascogne gesprochen wird. Dieses Gebiet erstreckt sich „dans le triangle qui s’étend entre l’océan Atlantique, la Garonne et les Pyrénées“ (vgl. Lartigue 2010, 86). Außerdem kommen noch vereinzelte gaskonischsprachige Gebiete rechts der Garonne und das Val d’Aran in Spanien hinzu, wo es unter der Bezeichnung Aranesisch den Status einer offiziellen Sprache besitzt (vgl. Pusch 2001, 7, Lartigue 2010, 136). Der baskischsprachige Südwesten ist dem gaskonophonen Kulturraum abzuziehen (vgl. Pusch 2001, 7), sodass sich folgendes Gesamtbild ergibt:

Abbildung 2: Karte der Gascogne (Quelle: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~dc4/neu/CarteGascogne.jpg)

Das Sprachgebiet innerhalb Frankreichs ist heute in über neun Departements, beziehungsweise zwei französische Regionen, darunter auch die in dieser Arbeit in den Fokus genommene Aquitaine sowie die Region Midi-Pyrénées aufgeteilt (vgl. Lartigue 2010, 112).7

Der Name Gaskognisch, der heute hauptsächlich von Sprachwissenschaftlern verwendet wird, basiert auf einem linguistischen Vergleich des Idioms mit den umliegenden romanischen Varietäten8 und beruft sich hauptsächlich auf die Hervorhebung von bestimmten sprachlichen Merkmalen, die das Gaskognische diesen gegenüber auszeichnen (vgl. Moreux 2004, 28). Der Name wurde im Mittelalter von den Gaskogniern selbst und von außen als Bezeichnung genutzt, um es von der langue d’oc zu unterscheiden. Verantwortlich hierfür sind formale Unterschiede, die das Gaskognische seit jeher von den anderen Varietäten des Okzitanischen unterscheiden und es aus Außenperspektive als eine eigene „lengatge estranh“ erschreinen haben lassen (vgl. Lafitte & Pépin 2009, 48, 84f.).9  Charakteristische Züge bestehen im Bereich der Phonetik, Morphologie und Syntax.10 Daher kommt auch die Ansicht von Kritikern des Okzitanismuskonzepts, dass das Gaskognische eine „langue à part entière“ wäre und somit nicht als Dialekt des Okzitanischen zu werten ist (vgl. Massoure 2012, 27). Das Gaskognische wäre, gleichberechtigt mit dem Okzitanischen und Katalanischen, „une des trois langues du groupe linguistique occitano-roman“ (vgl. Lartigue 2010, 122) und somit nicht dem Okzitanischen untergeordnet (vgl. Massoure 2012, 31)

Allgemein ist die Benennung des Idioms als „Gaskognisch“ gerade bei seinen eigentlichen Sprechern umstritten, da sich diese mit dem wissenschaftlichen Begriff nur wenig identifizieren können. In der Umfrage der Region Aquitaine von 2008, kam diese Bezeichnung bei den Sprechern lediglich auf 6%. Konkurrierende Bezeichnungen sind und waren patois (53%), Okzitanisch (20%), béarnais (11%) oder Namen lokaler Varietäten des Gaskognischen wie médocain oder landais (vgl. 2009, 11).11 Diese identitären Zuordnungen sind insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache nicht überraschend, als sich sowohl hinter der Bezeichnung Gaskognisch, als auch hinter der Bezeichnung Okzitanisch ideologische Konzepte verbergen, mit denen der gemeine Sprecher nur wenig verbindet (vgl. Moreux 2004, 28).

Innerhalb des gaskognischen Sprachgebietes gibt es weitere sprachliche Besonderheiten, die an Isoglossen charakteristischer Merkmale festgemacht werden. Anhand dieser Isoglossen wurde eine Unterteilung des Sprachgebietes vorgenommen, die sich an einem sogenannten degré de gasconnité orientiert.12 In der Regel ist dieser degré desto niedriger, je näher man sich an den Fluss Garonne und damit dem Sprachgebiet anderer romanischer Varietäten annähert, sodass entlang dieses Gradients drei verschiedene Abstufungen – vom niedrigsten zum höchsten Grad – der Gaskognizität vorgenommen werden können: das gascon garonnais, gascon intermédiare oder gascon central (vgl. Lartigue 2010, 96). Dies kann dadurch begründet werden, dass das Gaskognische im Bereich des Flusses früher mit dem Französischen in Kontakt getreten war und im Gebiet der Pyrenäen am spätesten (vgl. Pusch 2001, 7f.)

Abbildung 3: Übersicht über die degrés de gasconnité (vgl. Lartigue 2010: 66)

Abgesehen davon ist eine Aufteilung des Gaskognischen in verschiedene Unterdialekte möglich. Dazu zählen: médoquin, bordelais, du Buch, bazadais, néracais, landais,13 armagnacais, lomagnol, chalossais, béarnais, bigourdan, comingeois und couserans. Über die gesamte Zeit des Bestehens der langue régionale hat sich nie einer dieser Dialekte als dominierende Varietät behauptet, was der Tatsache geschuldet ist, dass sich innerhalb der Gascogne nie ein Zentrum herausbilden konnte (vgl. 1.1.2). Dementsprechend existierte auch nie eine verbindliche Kodifikation (vgl. Lartigue 2010, 122-124).14

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.

2.1.2. Sprachgeschichte

Da in der Forschung umstritten ist, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigenständige Sprache oder um einen Dialekt des Okzitanischen handelt (vgl. Field 2009, 758-762), ist es unabdingbar einen knappen Überblick über die Sprachgeschichte des Gaskognischen zu geben:

Das dem Galloromanischen zuzuordnende Idiom entstand auf der Grundlage eines aquitanischen Substrats in der Begegnung mit dem – von den Römern gesprochenen – Lateinischen, als diese die römische Provinz Aquitania Novempopulana einrichteten.15 Die Aquitanier waren ein großer nicht-keltischer Volksstamm, der sich aus verschiedenen Stämmen zusammensetzte und dessen Herkunft umstritten ist. Als überlebender aquitanischer Dialekt gilt allgemein l‘euskara, das Baskische (vgl. Lartigue 2010, 86, 104-106, 108), was die Erklärung für strukturelle Gemeinsamkeiten des Gaskognischen und des Baskischen liefert (vgl. Massoure 2012, 27f.). Diese strukturellen Besonderheiten sind unumstritten in der Forschung, jedoch wird ihre Bedeutung für eine etwaige Zuordnung des Gaskognischen zum Okzitanischen unterschiedlich hoch eingeschätzt. Diese Besonderheit ist als eines der Hauptargumente der gaskognistischen Forschungsrichtung zu betrachten, die das Gaskognische als eigene Sprache und nicht als Dialekt des Okzitanischen betrachtet (vgl. Field 2009, 746, Massoure 2012, 27f.). Darüber hinaus bleibt für  die Romanisierung der Gascogne festzuhalten, dass diese extrem langsam vonstatten ging und gerade in der Region um die Pyrenäen recht unvollständig blieb (vgl. Pusch 2001, 8),16 was ebenfalls ein Grund für die besondere Entwicklung des Gaskognischen sein könnte.

Nach der römischen Herrschaft durchquerten mehrere Völker das Gebiet und machten zum Teil Besitzansprüche geltend,17 jedoch hinterließen diese Episoden der Geschichte kaum linguistische Spuren im Gaskognischen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die Gascogne trotz allem viel Autonomie besessen hatte (vgl. Lartigue 2010, 108-110).  Inzwischen ist erwiesen, dass sich die Merkmale des proto-gascon, des Vorgängers des Gaskognischen, daher bereits um 600 ausgeprägt hatten, zu einem Zeitpunkt als die umliegenden okzitanischen Varietäten, wie das Languedokische, noch keine definitorischen Züge entwickelt hatten.18Das würde für eine Deklaration des Gaskognischen als eigene Sprache sprechen (vgl. Massoure 2012, 31). Außerdem hatte die Gascogne relativ viel Kontakt zur Iberoromania.19 Aus diesem ergaben sich weitere Entlehnungen, die das Gaskognische in eine Sonderstellung  brachten.(vgl. Field 2009, 748f., vgl. auch: Cichon 2002, 9)

Während der Herrschaft der Engländer in der Gascogne, die über drei Jahrhunderten dauerte,20 war das Gaskognische dann „langue officielle et administrative à Bayonne, Dax, Bordeaux ainsi qu’à Londres“ (vgl. Lartigue 2010, 110-112). Insbesondere im Kontext der Albigenserkriege, die das Gewicht der okzitanischen Schriftlichkeit in den anderen südfranzösischen Gebieten drückte, konnte sich eine explizit gaskognische Schriftlichkeit entwickeln. Die Zentren waren dabei der Béarn, im Bereich der Administration und Literatur, und das gaskonischsprachige Gebiet zwischen Bordeaux und Toulouse, hauptsächlich im Bereich der Literatur (vgl. Pusch 2001, 8f.). Mit dem Edikt de Villers-Cottêrets von 1539 wurde dann die Verwendung der Regionalsprachen in den offiziellen Dokumenten verboten (vgl. Lusignan 2012, 83f.).

1607 bzw. 1620 fiel mit dem Béarn dann das letzte unabhängige Gebiet der Gascogne in französische Hände (vgl. Lartigue 2010, 112). Das Gaskognische wurde dort, aufgrund besonderer historischer Umstände, in den offiziellen Dokumenten beibehalten. Durch dieses und weitere Privilegien (vgl. Massoure 2012, 52f.), konnte sich bis heute ein besonderes bearnaisisches Zugehörigkeitsgefühl halten, dass so weit geht, dass von einigen Béarnais die eigene gaskognische Varietät, le béarnais, als eigene Sprache betrachtet wird, die man vom Gaskognischen unterscheiden müsse. Linguistisch betrachtet gilt eine solche Zuordnung allerdings als nicht haltbar (vgl. Lartigue 2010, 126).

Der vermeintliche „frère ou [le] cousin germain romanisé du basque“ trotzte dann – außerhalb des offiziellen Schriftgebrauchs und im Béarn – der Durchsetzung des Französischen, die sich ab dem 16. Jahrhundert abzeichnete, sodass es, über die Französische Revolution hinaus, die Sprache des einfachen Volkes blieb (vgl. Lartigue 2010, 86-88). Mit der Revolution verschwand es allerdings überall aus dem schriftsprachlichen Gebrauch (vgl. Pusch 2001, 9).

Zur Folge hatte das Bestehen unterschiedlicher Zentren im Laufe der Geschichte der historischen Region, dass das Gaskognische keine Standardisierung oder Normierung erfahren hatte, sodass man laut Lartigue vielmehr nur von einem „domaine gascon“, der sich durch eine Vielfalt an verschiedenen Dialekten auszeichnet, sprechen könne. Den Begriff Sprache sollte man daher laut Letzterem vermeiden (vgl. Lartigue 2010, 122-124). Auch hinsichtlich der Positionierung zum Okzitanischen lässt die Sprachgeschichte erhebliche Zweifel offen, sodass eine definitive Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten nicht möglich ist  (vgl. Field 2009, 749).

Im Zuge der Revolution kam es dann zur vehementen Bekämpfung sämtlicher französischer Regionalidiome. Es kam beispielweise zur administrativen Aufteilung des Sprachgebietes und zu seiner Aufsplitterung in kleinere territoriale Einheiten – die heutigen départements – um die auf historischer Kontinuität basierenden, lokalen Zugehörigkeitsgefühle und Identitäten zu zerschlagen (vgl. Ammon 1994, 113-115). So sollte eine – auf dem Grundprinzip der Gleichheit fundierte – Einheit entstehen: der französische État-Nation, welcher lange und mit Nachdruck gegen das Fortbestehen der langues régionales ankämpfte, da er sie als Gefahr der neuen gesamtfranzösischen Identität betrachtete (vgl. Erfurt 2005, 87). Diese Politik führte dazu, dass viele der damals gesprochenen lokalen Idiome zu, vom Aussterbenden bedrohten, Minderheiten wurden, die sich nunmehr in einer prekären, vom Aussterben bedrohten soziolinguistischen Lage befinden (vgl. Geckeler & Dietrich 2012, 249). Dennoch blieb das Gaskognische noch länger „la langue du peuple“ (vgl. Lartigue 2010, 88), wurde dann aber immer mehr zurückgedrängt, was sowohl auf sprachpolitische Maßnahmen, aber auch auf die Angst der Sprecher, diskriminiert und wirtschaftlich marginalisiert zu werden, zurückführen ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.), wie dies für Sprecher nicht-dominanter Sprachen häufig typisch ist (vgl. 2003, 2).

Man geht allerdings davon aus, dass noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Eltern mit ihren Kindern Gaskognisch gesprochen hatten. Zwischen den beiden Weltkriegen riss dann, laut Massoure, die Transmission der Sprache weitestgehend ab, sodass sich die Sprecherzahl, jener, die das galloromanische Idiom sprachen, um 60% bis 1945 verringerte (vgl. Massoure 2012, 335). Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sich die in der französischen Armee dienenden Männer gezwungen sahen, auf das Französische zurückzugreifen, um sich dort verständigen zu können. Des Weiteren spielte ebenfalls die zunehmende Industrialisierung der Region, die eine Abwanderung eines großen Bevölkerungsteils in die Städte auslöste, eine Rolle (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f.). Diese Bevölkerungsbewegungen hatten einen dramatischen Rückgang der „société pastorale“ auf dem Land zur Folge, welche nach wie vor den Großteil der Sprecher umfasst (vgl. Massoure 2012, 335).21 Mit ihr kam es zu einer „dislocation sociale“, sodass in weiten Teilen der Bevölkerung der „mode de vie traditionnel, rural et essentiellement agricole“ verschwand, der das Praktizieren der typischen Sprache und Kultur beinhaltete. Der Gebrauch des Idioms beschränkte sich fortan auf rurale Gegenden und die dort lebende Schichten. In den Städten war der Anreiz des lokale Idiom zu sprechen, durch Kontakte zu Menschen aus anderen Regionen und aufgrund der Tatsache, dass das Gaskognische für die berufliche Zukunft und das korrekte Erlernen der französischen Hochsprache als hinderlich empfunden wurde, immer geringer geworden. Bereits in den 1930er Jahren wurde es dort kaum noch verwendet (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982-985). Außerdem gestaltete sich ein Weitergeben des Idioms als sehr schwierig, sofern nicht beide Elternteile Muttersprachler waren (vgl. Massoure 2005, 218).

Nichtsdestoweniger kam es, im Rahmen der Dezentralisierungsbestrebungen des französischen Staates, nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere in den 1980er Jahren, zu Maßnahmen, die auf eine Wiederaufwertung der zurückgedrängten Minderheitensprachen und -kulturen ausgerichtet waren (vgl. Erfurt 2005, 88).

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.

2.1.3. Okzitanismus und Gaskognismus

Bereits seit dem 19. Jahrhundert, gab es Bestrebungen die, im Süden Frankreichs gesprochenen, Varietäten der langue d‘oc zu schützen. Die Provence bildete sich geographisch gesehen als erstes Zentrum heraus. Dort entstand die Félibrige-Bewegung, die 1854 von sieben Dichtern, darunter Frédéric Mistral, gegründet wurde. Diese Bewegung hatte eine konservativ-nostalgische Sicht auf das Provenzalische und wollte es durch eine „nouvelle littérature d’Oc“ aufwerten (vgl. Milhé 2007, 95). Um dieser Literatur ein schriftliches Medium zu geben, legte Louis Alibert (1884-1959) eine Orthographienorm fest, die sich an der mittelalterlichen Troubardourlyrik, dem Lateinischen und dem languedocien als Standard orientierte (vgl. Massoure 2005, 345). Mit der Inwertsetzung der provenzalischen Sprache und Kultur, die nicht mehr mit den „parlers populaires“ in Verbindung gebracht werden sollte, versuchte man der Diskreditierung der Provence und später Gesamtsüdfrankreichs, gegenüber den langue d’oïl-Gebieten, entgegenzuwirken (vgl. Milhé 2007, 95).

Dies versuchte man durch die „glorification des ‚petites patries‘ (les anciennes provinces), d’une société rurale immobile et folklorisée, mythique, garante de valeurs vraies“ zu erreichen, sodass sich die südfranzösische Bevölkerung nicht länger minderwertig fühlen sollte. Die Félibres versprachen sich also „[de] relever, raviver en Provence le sentiment de la race, restaurer la langue naturelle et historique du pays“. Diese glorification stand ganz im Zeichen einer Verherrlichung der Vergangenheit und der Tradition, mit der Folklore als Ausdrucksform. Die Überzeugungen der Félibres waren stark vom Konservatismus geprägt. Durch ihre Ausrichtung auf eine Hinwendung zur Vergangenheit, die sich insbesondere auf die nostalgische Erinnerung konzentrierte, war die Bewegung dennoch nicht gegenläufig zum französischen État-Nation (vgl. Milhé 2007, 96).

Ende des 19. Jahrhunderts schwappte die Félibrige-Bewegung auch in die Gascogne, wo anlässlich dessen die Escole Gastoû Febus im Béarn gegründet wurde. Schon damals gab es die Bestrebung das Gaskognische bzw. le béarnais besonders zu schützen, mit dem Ziel sich gegen den „impérialisme provençal“ aufzulehnen. Hier wurde nun das béarnais als Standard festgelegt und eine eigene Grammatik sowie ein Wörterbuch verwirklicht. Außerdem wurden ebenfalls Literatur und Theater gefördert. Im Vergleich zur Félibrigebewegung in der Provence, die sich mit dem gemeinen Volk nur wenig abgab, stützte sich die Escole Gastoû Febus mehr auf die ländlich-ruralen Ideale, ähnelt dem Félibrige aber dennoch, in Bezug auf seine konservativen, nationalen Einstellungen (vgl. Moreux 2004, 39f.). Die Escole Gastoû Febus war bis in die 1980er Jahre aktiv, bekam aber etwa seit dem 2. Weltkrieg Konkurrenz von der Okzitanismusbewegung (vgl. Moreux 2004, 40), die sich dezidiert in die Tradition der Résistance stellt, wohingegen das Félibrige im Zweiten Weltkrieg mit dem, mit den Deutschen kollaborierenden, Vichy-Regime zusammengearbeitet haben soll (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 11).

Schon sehr bald zeigten die Okzitanisten,22 in Form der IEOs (Instituts d’Études Occitanes), Präsenz in ganz Südfrankreich. In der Gascogne geschieht dies in Bayonne, im département Gironde, im Bigorre und im Béarn, wo der Verein Per Noste gegründet wurde. Die Okzitanismusbewegung zeichnet sich im Vergleich zu den anderen Bewegungen durch stärkere regionalistische Tendenzen aus und ist hinsichtlich der politischen Gesinnung seiner Anhänger eher links einzuordnen (vgl. Moreux 2004, 40). Sie betrachten „various autochthonous regional and local languages and dialects of Southern Gallo-Romance as a single language known as Occitan“ (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 1). Hinter dem letzten Argumentationsstrang steckt zum Teil auch eine Art Ideologie, von der sich versprochen wird, dass das Aussterben der langues régionales – in diesem Fall der okzitanischen Varietäten – am besten verhindert werden kann, wenn diesen ein möglichst hohes Gewicht, hinsichtlich Größe und Einheit seiner Sprechergemeinschaft und seines Sprachgebietes, beigemessen wird (vgl Moreux 2004, 25). Das Tragen von partikularistischen Tendenzen nach außen – in Form einer dezidierten Aufteilung in kleinere Untereinheiten, der innerhalb dieses Gefüges vorhandenen Kulturen, Sprachen oder Dialekte – soll daher verhindert werden, damit die Politik von der Bedeutung der langues régionales Kenntnis nimmt und diesen Minderheitensprachen und –kulturen Anerkennung zu Teil werden lässt (vgl. Field 2009, 756-757, 770-771). Die Bewegung versteht sich daher als dezidiert auf die Anforderungen der Moderne ausgerichtete Strömung. Sie lehnt nostalgische Folklore weitestgehend ab (vgl. Milhé 2007, 99).

Da sie den französischen Zentralismus und das radikale Durchsetzen des Französischen, mit dem Hauptakteur der französischen Schulen, für das Verschwinden des Okzitanischen verantwortlich machen, versuchten sie einen Standard für alle langue d’oc-Varietäten zu schaffen, der dem Französischen ebenbürtig sein sollte. Diese neue Inwertsetzung setzte sowohl einen neuen Standard für alle „oc-varieties“, als auch eine Orthographienorm, die sich nicht am Französischen orientieren sollte, voraus. Man verwendete hierbei die von Félibre Alibert entwickelte, etymologisch orientierte Graphie23 als Richtlinie24 und ließ sich zudem vom Katalanischen inspirieren. Als Standard wurde wie bei Alibert das „Central Languedocien“ ausgewählt.(vgl. Moreux 2004, 40, 42) Diese Maßnahmen hatten bereits Auswirkungen auf das Gaskognische, da es zu einer Art Okzitanisierung des Idioms kam. Gaskognische Besonderheiten wurden an den languedokischen Standard angeglichen und Gallizismen, die sich durch den Kontakt mit dem Französischen ergeben hatten, durch Entlehnungen aus dem Languedokischen, Katalanischen oder Lateinischen ersetzt (vgl. Moreux 2004, 40, 42). Bei den Muttersprachlern stieß diese Entwicklung nicht immer auf Verständnis, da diese so den Eindruck erlangten, dass es sich beim Okzitanischen um eine andere Sprache handelte, die nur sehr wenig mit dem von ihnen gesprochenen Idiom gemeinsam hat (vgl. Moreux 2004, 43).

Die, hauptsächlich von Akademikern getragene Bewegung stößt daher mit L1-Sprechern auf Konflikte. Gerade Muttersprachler aus dem Béarn meldeten und melden sich sehr kritisch zu Wort. Da sich Anhänger der Okzitanismusbewegung das Okzitanische meist nachträglich angeeignet haben, beherrschen sie das Gaskognische meist schlechter als jene Sprecher, die es auf dem Land – wenn auch nur im mündlichen Gebrauch – tagtäglich praktizieren. Die locuteurs naturels nehmen deshalb auch die Umbenennung ihres Idioms in Okzitanisch nicht immer wohlwollend auf, denn für sie sei es eine Sprache, die nicht mit ihrem patois übereinstimme (vgl. Moreux 2004, 43-45). Von den Okzitanisten wird diese Ablehnung häufig mit dem Phänomen la vergonha,25 das dem Diglossiekonzept in Katalonien entlehnt ist, in Verbindung gebracht. Demnach würden sich die Muttersprachler, aufgrund der sozialen Diskriminierung, die sie aufgrund des Sprechens des wenig prestigereichen Idioms ertragen mussten, schämen. Sie könnten eine Aufwertung des Gaskognischen deshalb nicht positiv aufnehmen (vgl. Milhé 2010, 4, Roux-Châteaureynaud 2009, 985).

In den Augen der Muttersprachler handelt es sich dagegen um eine „langue de l’intime“, deren Gebrauch im Privaten nichts mit Scham zu tun hat (vgl. Milhé 2011, 23f.). Sie kommunizieren mit „people who ‚belong‘“ auf Gaskognisch. Daher befürchten manche, der häufig älteren und traditionell eher konservativen, Sprecher, dass ihre eigene Gruppenidentität von den Okzitanisten infrage gestellt werden könnte. Sie können eine Missionierung von fremden Personen, die nicht von Geburt an Teil ihrer lokalen Kultur sind, nur schwer nachvollziehen (vgl. Moreux 2004, 43f.).

Die Okzitanismusbewegung scheint wegen dieser Hindernisse Schwierigkeiten zu haben, einfache konservative Leute vom Land und Intellektuelle zu vereinen. Die okzitanistische Gemeinschaft findet insbesondere bei jungen Menschen und Intellektuellen, die sich mit deren fortschrittlich-linken Vorstellungen identifizieren können, Anhänger (vgl. Moreux 2004, 43f.). Des Weiteren ist der Okzitanismus besonders für Stadtbewohner, „néo-ruraux“ oder „néo-arrivants dans une région“ ansprechend, da die Befürworter der Bewegung integrierend auf postmoderne Erscheinungen, wie die Mobilität von Menschen, reagieren und letzteren mit ihrer Ideologie die Möglichkeit einer Integration in eine neue Heimat, beziehungsweise einer neuen lokalen Verwurzelung, geben wollen (vgl. Milhé 2007, 94f.). Der Okzitanismus betrachtet sich außerdem als „mouvement qui se veut inscrit dans la modernité, le présent, l’avenir“ (vgl. Milhé 2007, 97).

Um die Diglossiesituation in Südfrankreich zu überwinden, setzten und setzen die Okzitanisten auf politische Maßnahmen. Sie legen dabei einen Schwerpunkt auf die Präsenz des Okzitanischen in den öffentlichen Medien und auf die Bildungspolitik: Maßnahmen sind etwa die Einführung von Okzitanischunterricht an den öffentlichen Schulen sowie die Gründung bilingualer Schulen, die sogenannten Calandretas. Letztere orientieren sich, den progressiven Idealen der Bewegung entsprechend, an alternativen Lehrmethoden, wie der Reformpädagogik, und zielen darauf ab, alle in der Region lebenden Kinder, auch Kinder mit Migrationshintergrund, zu integrieren (vgl. Milhé 2007, 99f.). Man habe ein droit du sol und somit das Recht auf die Aneignung und das Sprechen der okzitanischen Sprache. Auf sprachlichem Niveau wird an den Schulen die graphie classique unterrichtet,26 aber auch viel Wert auf interdialektales Verständnis gelegt.(vgl. Moreux 2004, 42) Im Unterricht wird den Schülern allerdings klargemacht, dass sich die Verwendung der regionalen Normen ausschließlich auf die Nähesprache beschränken soll (vgl. Massoure 2012, 430f., Field 2009, 770f.).

Folglich haben sich die Okzitanisten erfolgreich auf institutionellem Niveau durchgesetzt und so politisches Gewicht erlangt. Vor 1981 gehörte zu ihren Forderungen des Weiteren, dass eine eigene politische Einheit mit dem Namen Occitania entstehen solle (vgl. Moreux 2004, 40, Blanchet & Schiffman 2004, 1).27 Seither sind die politischen Bestrebungen im Wesentlichen abgeebbt, sodass nun besonders die kulturelle Dimension ihres Werkes von den Aktivisten betont wird. Laut der Anthropologin Colette Milhé, versteckt sich hinter dieser Überbetonung des kulturellen Wertes aber vielmehr ein strategisches Unterfangen, das darauf abzielt, sich erst dann wieder auf politische Ziele zu konzentrieren, wenn die Abneigung der nicht okzitanischsprachigen Bevölkerung gegenüber den okzitanistischen Bestrebungen gesunken ist (vgl. Milhé 2010, 7f., Moreux 2004, 40).

Dieser Diskurs hat sich als derart erfolgreich erwiesen, dass die Okzitanismusbewegung „succeeded in occupying all of the institutional, associative and media space that the French central government and the various regional governments had granted to militant linguistic movements in Gascony”. Dies führte sogar dazu, dass in den beiden betroffenen Regionen okzitanistische attachés für regionale Minderheitensprachen und –kulturen angestellt wurden und sich auch Politiker, wie der im Béarn geborene François Bayrou, für die Okzitanismusbewegung gewinnen ließen. 1984 schloss sich schließlich auch die Escole Gastoû Febus der Bewegung an, sodass 1996 das Institut Occitan in Pau gegründet wurde (vgl. Moreux 2004, 41). Wie mächtig die Okzitanismusbewegung geworden ist, zeigt sich auch daran, dass der Eintrag für die gaskognische Sprache in der Online-Datenbank Ethnologue gelöscht wurde, wo das Gaskognische nun endgültig als Dialekt des Okzitanischen deklariert wird (vgl. Ethnologue 2016: Occitan).28

1993 meldete sich schließlich der Linguist J. Lafitte, der ebenfalls Mitglied des IEO war, zu Wort und sprach mit der Deklaration des Gaskognischen als „langue à part entière“, die kein Dialekt des Okzitanischen sei, vielen enttäuschten Gaskognischmuttersprachlern aus der Seele. Diese empfanden den neuauferlegten Standard sowie die Unterordnung ihres parler unter diesen, als Sieg eines neuen Zentralismus, der dem französischen Zentralismus sehr ähneln würde.29 Lafitte machte sich daher an die Arbeit an einem gaskognischen Wörterbuch und orientierte sich am okzitanischen Prinzip der Inwertsetzung – jedoch in diesem Fall der Inwertsetzung des Gaskognischen.30 Er richtete sich bei der Festlegung einer gaskognischen Standardorthographie nach den mittelalterlichen, gaskognischen Texten und versuchte ebenfalls Entlehnungen aus dem Französischen zu tilgen. Alternativ wird in der Bewegung aber auch auf die, an der französischen Ortographie orientierte, Schreibung der Escole Gastoû Febus zurückgegriffen, um Muttersprachler, die das Idiom nur mündlich erworben hatten, nicht vor den Kopf zu stoßen.(vgl. Moreux 2004, 43f., 46) Er bezeichnet seine Graphie in Abgrenzung zur graphie classique der Okzitanisten als graphie moderne (vgl. Massoure 2012, 436). Die Gaskognismusbewegung findet, aufgrund ihrer rigideren Vorstellungen, weniger Anhänger: Unterstützer der Bewegung sind wenige Wissenschaftler und Personen, die aufgrund ihres familiären Hintergrundes einen Bezug zum Gaskognischen besitzen. Außerdem sind seine Anhänger traditionell aus dem ländlichen Lebensraum, insbesondere aus dem Béarn31 und eher konservativ und politisch-rechts einzuordnen, wodurch sich die restriktive Haltung gegenüber Personen erklärt, die nicht ein Teil der lokal definierten „sociocultural in-group“ sind (vgl. Moreux 2004, 43f., 46).

Die Gaskognisten versuchen so einen Gegenpol zur Okzitanismusbewegung herzustellen und haben anlässlich dessen 1995 das IBG (Institut Béarnais et Gascon) in Pau im Béarn gegründet. Dort befindet sich auch das Zentrum der Bewegung. Politisch ist auch diese Bewegung eher zurückhaltend, allerdings befürworten die Gaskognisten in deutlich stärkerer Form eine Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen (vgl. Moreux 2004, 46).

Diese beiden Parteien, die nach wie vor im Streit miteinander liegen, dominieren nach wie vor die öffentliche Diskussion um die langue régionale. Zwischen dem ehemaligen Félibrige und den Okzitanisten scheint sich allerdings eine Einigung ergeben zu haben (vgl. Milhé 2011, 19). Im Gegensatz dazu bestehen die Konflikte zwischem dem IBG in Pau und den Okzitanisten fort. Eine Einigung scheint nach wie vor nicht eingetreten zu sein (vgl. Milhé 2007, 98, 103).

Um das schlechte Image des (von ihnen so bezeichneten) occitan, das durch diese Ungereimtheiten generiert wird, abzuschütteln sowie eine größere Masse an Menschen zu erreichen, verfolgt man im okzitanistischen Milieu seit geraumer Zeit eine „stratégie d’un occitan régionalisé“. Man versucht demnach, den Menschen klarzumachen, dass das lokale Okzitanisch als gascon, beziehungsweise als béarnais im Béarn, zu bezeichnen ist. Diese Varietäten lernt man auch in den Sprachkursen, neben dem übergreifenden okzitanischen Standard (vgl. Field 2009, 770f.). Damit scheint eine Kompromisslösung angestrebt zu werden, deren Tragfähigkeit noch nicht abzusehen ist.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.

2.1.4. Aktuelle soziolinguistische Situation

Laut der international anerkannten soziolinguistischen Homepage Ethnologue sprechen 110.000 Menschen in Frankreich Okzitanisch. Offizielle Sprecherzahlen zum Gaskognischen gibt es seit der Löschung des dazugehörigen Artikels auf der Seite nicht mehr.32 Sein Zustand ist der Kategorie 6b zuzuordnen und damit bedroht, da die Transmission zwischen den Generationen unterbrochen sei. Da das Okzitanische von der aktuellen Elterngeneration noch verstanden wird, bestehe aber noch die Möglichkeit es durch sprachpolitische Maßnahmen wiederzubeleben (vgl. 2016, Occitan).

Zur Erfassung der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen wurden, im Zuge der Bewusstwerdung über die regionalen Besonderheiten der französischen Regionen, während der Dezentralisierungswelle in den 1980er Jahren, verschiedene Umfragen durchgeführt. Die aktuellsten Erhebungen auf dem untersuchten Gebiet fanden in den Jahren 1997, 1999 bzw. 2008 statt.33 Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass in diesem Fall die Bezeichnung „occitan“ gewählt wurde, was der Tatsache geschuldet ist, dass in der Region Aquitaine, auf die sich diese Untersuchungen hauptsächlich beziehen, neben dem Gaskognischen auch Languedokisch und Limousinisch gesprochen werden (vgl. Massoure 2012, 334).

Die aktuelle soziolinguistische Situation ist, laut dieser Studien, insbesondere dadurch geprägt, dass die Sprecherzahlen stetig rückläufig sind. Das liegt insbesondere daran, dass die Transmission des Gaskognischen, beziehungsweise des Okzitanischen, in der Familie nahezu abgebrochen ist. Massoure spricht hier lediglich von einer einprozentigen Quote (vgl. Massoure 2012, 333, 335). Dies führt dazu, dass jene Sprecher, die das Gaskognische tatsächlich noch als Muttersprache innerhalb der Familie erlernten, sehr alt sind. Sie gehören in der Regel einer sozial benachteiligten Schicht an. Die Generation nach dieser Generation und damit die Kinder der Muttersprachler, an die das galloromanische Idiom nicht mehr weitergegeben wurde, löste für sich den Konflikt der Diglossie mit dem sogenannten francitan: „langue transitoire où accent, lexique et syntaxe étaient empruntés à leur langue familiale“. Die Generation nach dieser francitanophonen Generation spricht dagegen häufig auch kein francitan mehr, sodass man hier von einer „substitution linguistique très avancée“ sprechen kann (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f).

Laut der Untersuchung der région Aquitaine von 2008 lag der Anteil der Sprecher des Okzitanischen auf die gesamte Region gesehen bei 9%, wobei auch jene Personen als Sprecher erfasst wurden, die nur angegeben hatten, dass ihre Kompetenzen „suffisamment pour tenir une conversation simple“ wären (vgl. 2009, 7).34 Von einem alltäglichen Gebrauch kann bei allen in dieser Gruppe also nicht die Rede sein.

Die Verteilung über die regionseigenen départements verdeutlicht des Weiteren starke lokale Unterschiede: So sind es im département Gironde, das Bordeaux, die Hauptstadt der Region einschließt, nur 3%, in den deutlich ländlicher geprägten départements Landes und Dordogne 15% und in dem, den Béarn einschließenden, département 12% der Bevölkerung, die als Sprecher des Gaskognischen betrachtet werden. Dies ist nicht überraschend, da die Gaskognischkompetenz im ländlichen Raum deutlich mehr verbreitet zu sein scheint. Außerdem sind die Sprecher – wie dies in der Regel bei allen Untersuchungen zum Okzitanischen angegeben wird – eher Männer35 und gehören der älteren Generation an: 63% der Sprecher sind mindestens 60 Jahre alt, wohingegen nur 14% der Sprecher jünger als 45 Jahre sind (vgl. 2009, 7f.).

Auch bei der Einteilung der Sprecher in sozioprofessionelle Kategorien gibt es Auffälligkeiten: So waren bei einer Umfrage von 1999 30% der Bauern, 7 % der Handwerker und Händler und 7% der Arbeiter Sprecher des occitan. Damit sind die Sprecher gerade in den Berufen vertreten, die keine höhere Schulbildung erfordern und – in den ersten beiden Fällen – vor allem auf dem Land leben. In den professions libérales (4%) und den professions intermédiaires (6%) und der Kategorie der Angestellten (5%), die in der Region am meisten verbreitet ist, kommen Gaskognischsprecher deutlich weniger vor (vgl. Massoure 2012, 333, 335).

Abgesehen von den aktiven Sprachkompetenzen erhob die Untersuchung von 2008 auch passive Sprachkompetenzen sowie geringe aktive Sprachkompetenzen sodass, nach Interpretation der Durchführenden dieser Studie, der Prozentsatz jener, die in irgendeiner Form Okzitanisch verstehen – und sei dies auch nur zu einem Minimum – bei 44% lag.36 Im Vergleich zur Untersuchung von 1997 wäre dies ein Rückgang von 9% (vgl. 2009, 10). Dieser Anteil überrascht angesichts der geringen familiären Transmission nicht (vgl. Massoure 2012, 335). Die Entwicklung wird auch dadurch verstärkt, als der Trend von der Transmission durch die Eltern, zu einer Transmission durch die Großeltern geht, je älter die Sprecher sind (vgl. 2009, 13).

In der Umfrage von 2008 wurde festgestellt, dass die aktuelle Transmission bei den jetzigen Sprechern bei 73% in der Familie erfolgte,37 diese geben ihren Kindern aber kaum etwas von der Sprache weiter: 71-93% der Befragten mit Kindern sagten, dass sie es in gar keiner Form an die nachfolgende Generation weitergegeben hätten. Ansonsten scheint neben der familiären Umgebung auch das direkte Umfeld mit Nachbarn, Freunden und der Dorfumgebung, mit 15%, eine Rolle bei der Transmission gespielt zu haben. Lediglich 6% erwarben das Okzitanische dagegen in der Schule. Noch weniger, erwarben es freiwillig im Erwachsenenalter – hierbei liegt der Prozentsatz lediglich bei 2% (vgl. 2009, 13). Seit den frühen 1980er Jahren gibt es für Kinder und Jugendliche in der Aquitaine die Möglichkeit das Gaskognische an zehn öffentlichen Schulen – Grundschulen, collèges und lycées – oder an zwölf privat getragenen privaten Schulen, den Calandretas zu erlernen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 987f.). In der Regel wird das Idiom dort unter dem Namen occitan unterrichtet. Außerdem gibt es an Schulen, die Okzitanisch nicht als Unterrichtsfach anbieten, zum Teil das Angebot, eine Einführung in die okzitanische Sprache und Kultur von „itinerant teachers (caminàyrés)“ zu erhalten (vgl. Moreux 2004, 33). Für Erwachsene gibt es das Angebot des sogenannten cours du soir, das insbesondere von den IEOs unterstützt wird. Allerdings wird immer wieder kritisiert, dass der Übergang zwischen den verschiedenen schulischen Einrichtungen, oftmals kein Fortsetzen der Okzitanischkurse ermöglicht (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 989).

Abgesehen davon wird Okzitanisch von seinen – meist den älteren Generationen angehörenden – Sprechern fast ausschließlich mit vertrauten Personen in einem privaten Umfeld gesprochen: Etwa 9% der Befragten sprechen mit Freunden und Nachbarn, 5% mit ihren Eltern und geringere Anteile mit anderen Familienmitglieder38 sowie 4% mit Personen, mit denen man sich explizit trifft, um sich auf Gaskognisch, bzw. Okzitanisch zu unterhalten. Im beruflichen Kontext spricht dagegen nur 1% der Befragten dieses Idiom. Dementsprechend sprechen 10% der Befragten innerhalb des Familie Okzitanisch, 8,6% mit ihren Nachbarn und Freunden und nur 0,6% im öffentlichen Raum. Als Ausnahme können spezielle Festlichkeiten gesehen werden, die von 3,4% der Befragten genutzt werden, um dort explizit Okzitanisch zu sprechen. Im Vereinsalltag wird dagegen nur von 1,3% der Interviewten ein langue d’oc-Idiom gesprochen. Im beruflichen Kontext sprechen 2,6% der Befragten das Idiom, was sich durch die Bedeutung okzitanischer Varietäten im Handel und Marktkontexten erklären lässt, die über den Sprachunterricht und kulturelle Tätigkeiten hinausgehen (vgl. 2009, 8f.).

Trotz der recht geringen Sprecherzahlen, scheinen die Menschen in der Region ein gewisses attachement zum Okzitanischen zu haben, denn, auf die gesamte Region gesehen, geben immerhin 47% an, einen sentimentalen Bezug zum galloromanischen Idiom zu haben. Damit wäre es, laut der hauptsächlich von Okzitanisten durchgeführten Umfrage, ungefähr dieselbe Anzahl an Sprechern, die in irgendeiner Form Kenntnisse des Idioms besitzen und dieses auch positiv bewerten, beziehungsweise es als Teil ihrer Identität betrachten (vgl. 2009, 14). Dieser Umstand ist nach der Fishmanschen Methode, hinsichtlich eines möglichen „renversement de la substitution linguistique“, sehr bedeutend, da es laut dieser wichtig wäre, sowohl die Minderheitensprache, als auch die mit ihr verknüpfte Identität zu erhalten. Dies würde über den Erhalt und das öffentliche Praktizieren, der mit der Sprache verbundenen Kultur, die untrennbar von dieser wäre, geschehen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 981). Allerdings ist dieses Zugehörigkeitsgefühl bei der anderen Hälfte der regionseigenen Bevölkerung gar nicht vorhanden (vgl. 2009, 4). Das könnte daher rühren, dass diese entweder gar nicht aus der Region stammt oder sich die „substitution linguistique“ bei dieser bereits vollständig vollzogen hat.

In soziolinguistischen Studien wird immer wieder die Bedeutung einer „vie communautaire“ für den Erhalt von Minderheitensprachen betont, die den Sprechern Raum bietet, um ihre Sprache zu sprechen und die dazugehörige Kultur zu leben. Dies sei die Basis für eine „substitution linguistique inversée“ in Richtung Bilingualismus. Notwendig wäre also eine gewisse socialisation der Sprache, nicht zuletzt in der Familie und ihrer unmittelbaren Umgebung, der voisinage, um eine Transmission der Sprache zu gewährleisten: Ansonsten kann sich die Überzeugung von Kindern, die Sprache aktiv und passiv zu erwerben, für die Eltern schwierig gestalten (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 981, 988f.).

Für die Linguistin Roux-Châteaureynaud sind zwei Phänomene symptomatisch für die Sitation des, als Okzitanisch bezeichneten, Idioms in der Region Aquitaine: Eine „dislocation sociale“, also eine Verlagerung des Okzitanischen in den fast ausschließlichen Gebrauch durch eine Gesellschaftsschicht, die hauptsächlich in den ländlichen Regionen lebt, sowie eine „dislocation culturelle“, ein Verdrängen der okzitanischen Kultur aus dem öffentlichen Raum, sodass die Sprecher ihr Idiom nur im Privaten sprechen und hören können. Dadurch entsteht bei den Muttersprachlern der Eindruck, dass ihre Sprache Teil einer verschwundenen „mode de vie traditionnel rural et essentiellement agricole“ ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982f.).

Aktuell ist die Präsenz des occitan in den Medien sehr niedrig. In der nationalen Öffentlichkeit ist das Okzitanische nicht präsent, jedoch ist es in der Region Aquitaine auf lokaler und regionaler Ebene in einem geringen Maß in den Medien vertreten. So gibt es in der regionsübergreifenden Tageszeitung Sud-Ouest eine Kolumne und vereinzelte Reportagen, die Sendung Punt de vista auf dem Fernsehsender FR3 sowie die Wochenzeitung La setmana, die allerdings nur eine sehr niedrige Auflage erreicht. Die Möglichkeiten der Sprecher, ihre Sprache zu hören und zu lesen, sind also dennoch sehr gering (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 983-990).

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass das Gaskognische mit einem niedrigen Prestige verbunden und somit für die Sprecher auf die private Sphäre beschränkt bleibt, da es einem karrerietechnischen Vorwärtskommen im Weg stehen könnte. Folglich wird der Nutzen der Sprache für die eigenen Kinder auch nicht mehr erkannt, weshalb die Transmission abreißt. Die ansässige Bevölkerung fühlt sich zwar mit ihrer Region verbunden, nennt deren Namen, sowie die dazugehörige Sprache und Kultur, aber nicht beim Namen39 und hat das Gefühl „[d‘] appartenir à une culture „du Sud“, voire précisément du Sud-Ouest (rarement désignée par l’adjectif occitan lui-même)[…] excluant la langue“, die mit dieser Kultur verbunden ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.):

Très souvent les Occitans se déclarent attachés au Sud […], ils se sentent du Sud, attachés à sa gastronomie, à ses vins, ceux de Bordeaux, à une façon de faire la fête, celle des festaires et celles des aficionados, à des sports traditionnels ou au rugby, parfois même à leur accent et à un lexique francitan, mais en excluant la pratique de la langue occitane de leur univers (Roux-Châteaureynaud 2009, 986).

Zur Folge hat diese Entwertung des Idioms, eine Art Kluft zwischen den Muttersprachlern, den L1-Sprechern, und den L2-Sprechern, die sich die Sprache – meist unter dem Namen Okzitanisch – nachträglich angeeignet haben. Letztere tragen ihren Bilingualismus in der Regel stolz nach außen und sehen im Idiom eine zukunftsfähige Sprache, die sich nicht allein auf die private Sphäre beschränken sollte. Außerdem schätzen sie beispielsweise die okzitanische Literatur (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986f.). Diese Haltung sowie das von den L2-Sprechern in Büchern und in der Schule gelernte Okzitanisch,40 das für die L1-Sprecher unnatürlich wirkt, führen zu einer Ablehnung auf Seiten vieler L1-Sprecher und verhindern einen kommunikativen Austausch zwischen beiden Generationen (vgl. Milhé 2011, 2). Dies und die wenigen Gelegenheiten für die Sprecher ihr Idiom und ihre Kultur zu praktizieren, stellen ein Hindernis für die Entstehung einer „vie communautaire“ dar. Ziel der militants, die in der Regel der Okzitanismusbewegung angehören, ist es daher eine „socialisation“ der Sprache zu erreichen, indem ein Vereinsnetzwerk aufgebaut wird sowie Sprachkurse und Gelegenheiten angeboten werden, um den kommunikativen Austausch zwischen den Generationen zu ermöglichen und so eine „substitution linguistique inversée“ zu erreichen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 987f.). Dies erfordert allerdings langfristig gesehen noch viel Arbeit, sodass die Linguistin Marie-Anne Roux-Châteaureynaud für „l’occitan en Aquitaine“ vorerst zu folgendem Schluss kam:

La société occitane en Aquitaine n’a plus de cellule linguistique de base capable de restaurer une transmission intergénérationnelle. Par ailleurs, il est évident que l’occitan n’atteint pas les plus hauts sphères de la société qu’elles soient politiques, économiques ou institutionnelles. La situation est donc très préoccupante (Roux-Châteaureynaud 2009, 991).

Losgelöst von der Gesellschaft wird das Idiom in verschiedenen Formen bewahrt. Außerdem gibt es noch locuteurs naturels, auch wenn diese nicht sehr zahlreich sind (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 990). Laut Roux-Châteaureynaud ist allerdings fraglich, ob man überhaupt noch von einer Diglossiesituation für die Region sprechen kann, da das Französische für die jüngeren Generationen eindeutig zur dominanten Sprache geworden ist (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982).

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.

2.2. Erinnerungssprache/-dialekt

2.2.1. Sozial- und kulturwissenschaftlicher Hintergrund

In der Arbeit soll nun das Konzept des Erinnerungsdialekts auf das Gaskognische angewendet werden. Dieses Konzept wurde von dem deutschen Romanisten Edgar Radtke geprägt, der den Begriff in Bezug auf das Neapolitanische in Italien gebrauchte (vgl. Radtke 2006, 1797). Seine sich damit befassenden Veröffentlichungen sowie die Arbeiten seines Schülers Till Stellino sind einer „anthropologisch orientierten Soziolinguistik“ zuzuordnen (vgl. Radtke 2010, 11).41 Die beiden unternahmen den Versuch sozial- und kulturwissenschaftliche Erkenntnisse sowie die diesen Wissenschaften zugrunde liegenden Methoden zu berücksichtigen, um soziolinguistisch relevante Veränderungen zu erfassen und zu begründen. Sie interessieren sich daher für die, durch Industrialisierung und Globalisierung stark veränderte, traditionelle Lebenswelt der Sprecher, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Sprecherverhalten und die Wahrnehmung beziehungsweise die Einstellung der Sprecher zu den gesprochenen Varietäten (vgl. Stellino 2010, 11, 30, Radtke 2001, 130).42

Den Arbeiten der beiden liegt die Annahme zahlreicher Soziologen und Ethnologen zugrunde, dass sich infolge der erzwungenen Wanderungsbewegungen moderner Gesellschaften die Angst vor einem Identitätsverlust herausbildet. Diese Migrationsbewegungen lassen sich häufig als erzwungene Abwanderungen in städtische Ballungszentren charakterisieren. Vor Ort müssen und mussten sie sich dann mit einer neuen und von der Globalisierung bestimmten Wirtschaftsweise auseinandersetzen. Die Ausprägung des Gefühl des Verlusts der eigenen Wurzeln hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die betroffenen Gesellschaften durch diese äußeren Veränderungen langfristig einem damit einhergehenden Wertewandel, der Veränderung althergebrachter Strukturen sowie dem Wandel oder der Ablegung von Traditionen ausgesetzt sind (vgl. Stellino 2010, 189-192)

Der dadurch generierte Mentalitätswandel wird von den betroffenen Bevölkerungsgruppen zumeist als negativ empfunden, weshalb daraus ein Streben nach einem gewissen Maß an Kompensation dieses Verlustes erwächst. Häufig kommt es daher dazu, dass eben dort, wo geographische Bezugspunkte und damit die Zugehörigkeit zu einem (Heimat-)ort keine Selbstverständlichkeit mehr sind, ein Gefühl der Leere und dadurch ausgelöst ein „Grundbedürfnis nach identitätsstiftender räumlicher Orientierung“ und Zusammengehörigkeit entsteht. Als Auffangbecken für den Verlust an Individualität und das „Gefühl der Entwurzelung“ ist häufig eine Inwertsetzung des lokalen Lebensraumes zu beobachten: es kommt also zu einer besonderen Wertschätzung der als Heimat empfundenen Regionen und Orte (vgl. Stellino 2010, 191f.). Diese müssen, aufgrund der zur Normalität gewordenen Mobilität in der heutigen Gesellschaft, nicht mit dem traditionellen Herkunftsort der Familie übereinstimmen. Diese Aufwertung macht sich in sämtlichen Lebensbereichen bemerkbar. Auch der Einzelhandel greift sie auf (vgl. Stellino 2010, 194f.).43

Das Resultat ist also eine Aufwertung des Regionalen, welches plötzlich an positiven Konnotationen gewinnt, die über seine vorherige, rein geographische Verortung hinausgehen. Der territoriale Bezug, der im Rahmen dieses individuellen Findungsprozesses bedeutsam wird, wurde auch von dem Soziologen Michel Maffesoli aufgegriffen, der in seinem Werk „Le lieu fait lien“ explizit auf dieses Phänomen moderner Gesellschaften eingeht. Darin betont auch er, dass die Suche nach einem lokalen Bezugspunkt nicht nur die rein geographische Ebene betrifft, sondern auch andere, historisch im Boden dieses territorialen Bezugspunktes verwurzelte, Werte und Traditionen (vgl. Maffesoli 2003, 30-34). So schreibt er in seiner Veröffentlichung:

[…] le lieu fait lien. Un lien qui ne s’est pas constitué à partir d’un idéal lointain, mais bien au contraire, se fonde, organiquement, sur la commune possession de valeurs enracinés: langues, coutumes, cuisine, posture corporelles (Maffesoli 2003, 31f.).

Auch die traditionell mit dem Ort verwurzelte Sprache betrachtet er also als einen dieser lokalen Bedeutungsträger.

Les „grands récits de référence“ se particularisent, s’incarnent, se limitent à la dimension d’un territoire donné. D’où les pratiques langagières, juvéniles, le retour des dialectes locaux (Maffesoli 2003, 34).

In diesem Absatz stellt Maffesoli genau das fest, was auch Radtke in seiner Arbeit zum Neapolitanischen betont: nämlich, dass im Rahmen des vom Gesellschaftswandel verursachten Selbstfindungsprozesses auch alte Sprachformen einen Ansehensgewinn erfahren (vgl. Radtke 1997, 115f, 125f.)

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.

2.2.2. Das Beispiel Neapel

In seinen Arbeiten zum Neapolitanischen stellte Letzterer fest, dass sich dieses Stützen auf Regionalität auch auf die diatopische Variation des Italienischen und ihre Perzeption durch die Sprecher auswirkte. So wurde eine bestimmte Form des Dialekts, nämlich der Dialekt in seiner archaischen Ausprägung, zum identitätsverortenden Element. Einhergehend mit einer nostalgischen Erinnerung an die vergangenen Zeiten, die im Kontrast zur als negativ empfundenen Erfahrung der Postmoderne steht, erhält er ein völlig neues, positiv besetztes Prestige (vgl. Radtke 1997, 115f, 125f.)

Das italienische Varietätengefüge hat also durch den Gesellschaftswandel eine entscheidende Verschiebung erfahren. Radtke spricht, im Rahmen der Italienisierung der letzten Jahrzehnte, von einem Rückgang des Dialekts beziehungsweise von einer stetig schlechter werdenden Dialektkompetenz bei den jüngeren Sprechergenerationen (vgl. Radtke 2001, 135). Das hatte zur Folge, dass von den befragten Sprechern eine Unterscheidung vorgenommen wurde: Die älteren Sprechergenerationen sprechen demnach den Dialekt nach althergebrachter Art, wohingegen die jüngeren Sprechergenerationen einen neuen, weniger typischen und formal stark durch den italienischen Standard beeinflussten Dialekt sprechen. Dementsprechend kann also eine Unterscheidung, basierend auf der Dialektkompetenz der Sprecher, sowie eine Unterteilung nach Generationen vorgenommen werden (vgl. Stellino 2010, 70-75).

In Reaktion auf die Angst vor einem Identitätsverlust, erfährt gerade die als genuiner empfundene, ältere Dialektform – als eine Art „Instrument räumlicher Identitätsstiftung“ (vgl. Stellino 2010, 193) – eine besonders hohe Aufwertung in der Wahrnehmung der Sprecher. Das geschieht, obwohl dieser im Alltag kaum noch gebraucht wird und von den meisten Sprechern des Dialekts selbst gesagt wird, dass sie den dialetto ‚verace‘ nicht mehr sprechen würden (vgl. Radtke 1997, 116, Stellino 2010, 70-75).

Allgemein ergibt sich aus dem Gesellschaftswandel, dann ein aus fünf Varietäten zusammengesetztes Gefüge, das man in Neapel und Umgebung unterscheiden kann: Zum einen die zwei sehr prestigereichen Varietäten: die italienische Hochsprache, die allerdings nur passiv gebraucht wird und das Neapolitanische, das zwar mit einem hohen Prestige versehen ist, aber auch nicht gesprochen wird und maximal als diaphasischer Marker verwendet wird.44 Darüber hinaus gibt es den lokalen Dialekt, der im Zuge der Italienisierung immer seltener verwendet wird und die Zwischenvarietät, zwischen Standard und lokalem Dialekt, die in der Regel mit der fünften Varietät, der individuellen Sprache, übereinstimmt (vgl. Radtke 2002, 66)

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.

2.2.3. Charakteristika eines Erinnerungsdialekts

Die Bezeichnung für das Phänomen, welchem das Neapolitanische demnach unterliegt, ist der schon oben angedeutete Begriff des „Erinnerungsdialekt[s]“. Damit ist per definitionem gemeint, dass die betroffene Dialektform mehr und mehr aus der täglichen Nutzung verschwindet, aber dennoch eine positive „folkloristisch-vergangenheitsbezogene Konnotation“ erhält (vgl. Stellino 2010, 85). Im Falle eines Erinnerungsdialekts, kann man laut Radtke nicht mehr von einer Konkurrenzsituation zwischen dominanter und dominierter Sprache sprechen, denn der Dialekt steht nicht mehr in Wettstreit zur landesspezifischen Hochsprache, sondern nur noch neben Letzterer (vgl. Radtke 1997, 121). In diesem Kontext tritt die diastratische und diatopische Markierung in den Hintergrund. Die stilistische Markierung, welche durch die nostalgische Konnotation gegeben ist, wird dagegen zur ausschlaggebenden Funktion des Dialekts. Radtke schrieb dazu treffend, dass es sich um einen „reaktionären Dialektgebrauch [handle], der eine bereits überwundene Realität vortäuscht“. Letztlich ist der Dialekt also nichts anderes mehr als ein positiv besetztes Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen, das keinerlei Bezug mehr zur Alltagsrealität hat. Die Orte, beziehungsweise die Gelegenheiten, an denen diese Form des Dialekts überhaupt noch gegenwärtig ist, bezeichnet Radtke daher als „nostalgische Rückzugsgebiete“. Als Beispiel sei die Verwendung dialektaler Ausdrücke in der Werbung genannt. Diese werden dort verwendet, um ein gewisses Maß an Echtheit und Qualität zu suggerieren (vgl. Radtke 1997, 118, 120f.).45

Kennzeichnend für diesen neuen Prestigegewinn des Dialektes ist ebenfalls, dass nicht nur das Neapolitanische selbst als „schützenswertes Kulturgut“ (vgl. Stellino 2010, 88) empfunden und dementsprechend nostalgisch verklärt wird, sondern auch die gesamte Kultur um den Dialekt herum. Ein Symptom dieser gesellschaftlichen Entwicklung kann auch das Auftauchen von engagierten Rettern des Dialekts sein, die mit allerlei kulturellen Projekten und Mitteln versuchen, diesen, in einer archaischen Form, zu revitalisieren. Radtke bezeichnet dieses Phänomen in Bezugnahme auf das Neapolitanische als „recupero del dialetto“ (vgl. Radtke 1997, 120f., Stellino 2010, 85). Letztlich versuchen also jene Verfechter, im Einklang mit der von Maffesoli beschriebenen neuen Rückbesinnung auf den lieu (vgl. Maffesoli 2003, 30), durch die bewusste Wahl dieser Varietät, ihr Bedürfnis nach Identitätsfindung zu stillen (vgl. Stellino 2010, 193). In der Berufung auf die althergebrachten Werte und Traditionen, die mit dem Sprechen der alten Varietät verbunden sind (vgl. Radtke 1997, 121), versuchen sie einen neuen Bezugspunkt zu finden, indem sie, in der fürs sie ins Ungleichgewicht geratenen Welt, eine alternative Identitätskonstruktion annehmen und eine nostalgische „Sentimentalität“ an den Tag legen (vgl. Stellino 2010, 193f.).

Legt man dieses Konzept nun schablonenhaft auf das Gaskognische an, so gilt es sich zu fragen, ob sich auch das Gaskognische auf dem Weg zum Erinnerungsdialekt beziehungsweise zur Erinnerungssprache befindet. Allerdings sollte im Hinterkopf behalten werden, dass sich die Situation von der in Italien schon darin grundlegend unterscheidet, als dort eine Minderheitensprache mit dem Französischen im Kontakt steht und es sich beim Gaskognischen nicht, wie beim Neapolitianischen, um einen Dialekt, der dort gesprochenen Hochsprache, sondern um eine eigenständige Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen, handelt (vgl. 1.1.1). Abgesehen davon bleibt festzuhalten, dass es sich beim Gaskognischen an sich um ein Konstrukt handelt, das durch zahlreiche regionale und zeitliche Unterschiede geprägt ist, die auf verschiedene Art und Weise von ihren Sprechern wahrgenommen und bewertet werden (vgl. 1.1.1 und 1.1.3). Daher werden aus Vereinfachungsgründen nicht verschiedene Dialekte des Gaskognischen in der Untersuchung unterschieden oder dessen Mischformen mit dem Französischen – wie das francitan – einbezogen,46 sondern das Gaskognische soziolinguistisch als Gesamtkonstrukt dahingehend untersucht, ob sich dort Entwicklungen in Richtung Erinnerungsdialekt beziehungsweise Erinnerungssprache, wie beim nun prestigereichen neapolitanischen Dialekt, aufzeigen lassen. Hinsichtlich des Gaskognischen wird es außerdem von Bedeutung sein, die Ideologie von Gaskognisten und Okzitanisten zu unterscheiden (vgl. 1.1.3), da eine der beiden Strömungen die Entwicklung zur Erinnerungssprache beziehungsweise zum Erinnerungsdialekt möglicherweise mehr unterstützt als die andere.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.

2.3. Sprachbiographien

Als geeignetes Analyseinstrument zur Erschließung des Sachverhalts, ob es sich auch im Fall des Gaskognischen um einen, neben dem Französischen stehenden, „Erinnerungsdialekt“ respektive „Erinnerungs[sprache]“ handelt,47 wurde auf eine ebenfalls relativ junge Methode in der Soziolinguistik zurückgegriffen, die vor allem in den 90er Jahren in Europa populär wurde (vgl. Franceschini 2002, 19) und seit der Jahrhundertwende einen immensen Popularitätsgrad in der Forschung erlangt hat. Es handelt sich um die sogenannte Sprachbiographie, die im Bereich der Romanistik gerade durch Rita Franceschini entscheidend geprägt wurde (vgl. Barbarić 2014, 71Franceschini 2002Franceschini & Miecznikowski 2004).

Ursprünglich kam die Idee von einem biographischen – sich auf individuelle Lebensschicksale stützenden – Vorgehen aus den Sozialwissenschaften (vgl. Barbarić 2014, 67). Hier nahm man erstmals an, dass sich dieser Zugriff dazu eigne gesamtgesellschaftliche Vorgänge zu analysieren, da sich Letztere immer im individuellen Erleben widerspiegeln und personenübergreifend ähnlich rezipiert werden. Gesellschaftliche Veränderungen werden nicht nur von den Menschen während ihres Lebens miterlebt, sondern auch verarbeitet und haben somit einen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der Identität der Menschen. Biographien haben daher „als Typen von Lebensschicksalen“ ihre überindividuelle Bedeutung, weil sie „Prozeßstrukturen [sic!] des Lebensablaufs“ abbilden (vgl. Treichel 2004, 73) und auf größere soziale Gefüge wie Generationen oder Organisationen übertragbar sind (vgl. Rosenthal 2015, 189).

Entgegen der ehemals von der Soziolinguistik verfochtenen These, dass Sprache nur ein Mittel sei, um gesellschaftsrelevante Geschehnisse und Ereignisketten darzustellen (vgl. Treichel 2004, 89), ist man in den letzten Jahrzehnten zu der Ansicht gelangt, dass die „sprachliche Lebenswelt“ einen Teil der „sozialen Lebenswelt“ ausmacht und daher von dieser untrennbar ist (vgl. Barbarić 2014, 59-61), denn Sprecher nehmen den Erwerb und das Leben mit ihren Sprachen als wesentlichen Bestandteil ihrer Biographie wahr (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 17). Für die Erforschung des Untersuchungsgegenstands Sprache bedeutet das daher, dass er unmittelbar in Zusammenhang mit dem individuellen Erleben der Sprecher, mit und in ihrer sozialen Umwelt, betrachtet werden muss, da sich die soziale Umwelt auf sein Leben mit seiner Sprache beziehungsweise seinen Sprachen auswirkt  (vgl. Treichel 2004, 89f.). Gerade im Bereich der Soziolinguistik, die sich mit Phänomenen wie der Identität der Sprecher und deren Auswirkung auf die individuelle Sprachenwahl auseinandersetzt, scheint ein solcher Zugriff von hoher Bedeutung zu sein, um wichtige Forschungserkenntnisse zu erlangen.

Um die Einzelperspektive eines sozialen Wesens zu erhalten, sind aber auch Vorgehensweisen erforderlich, die sich von denen der klassischen Sprachforschung unterscheiden. Diese neue Herangehensweise unterscheidet sich von den vorherigen Forschungsmethoden, wie dem klassischen Fragebogen, dadurch, dass ihr Schwerpunkt nicht mehr auf der Sammlung von einer quantitativ hohen Menge an Daten, sondern auf qualitativen Datenerhebungen liegt (vgl. Franceschini 2002, 19f.).

Daher bildete sich die sprachbiographische Forschung in der Linguistik als besondere Form der aus den Sozialwissenschaften bekannten autobiographischen Forschung heraus und unterschied sich von dieser grob durch die thematische Fokussierung auf den Umgang und das Leben mit Sprachen. Als Ergebnis erhält man sprachliche Autobiographien. Dieses Vorgehen kann insbesondere beim Umgang mit mehreren Sprachen sehr hilfreich sein. Es zeichnet sich durch folgende Charakteristika aus: Der Einzelsprecher wird in den Fokus gestellt und schildert aus seiner Perspektive seine sprachliche Autobiographie (vgl. Franceschini 2002, 19-21, 26).

Unter Sprachbiographien können zudem – dadurch dass es sich um einen recht jungen Forschungszweig handelt – verschiedene Formen von autobiographischen Daten verstanden werden. Bei Sprachbiographien „in einem engen Sinn“ handelt es sich um Autobiographien, die sowohl die Erfahrungen der betroffenen Person, als auch die interpretativen Ausdeutungen derselben enthalten (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 9f., 13). In der Regel kommt es dabei zu einer Rekonstitution der „sozialen Lebenswelt“ und „kommunikativer Räume“ von Sprecherseite (vgl. Barbarić 2014, 59-61, 63) mit dem Produkt einer „narrativ hervorgebrachten sprachlichen Autobiographie“ (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 10), die in der Regel mit technischen Hilfsmitteln aufgezeichnet wird und später in ein schriftliches Medium – das Transkript – überführt wird (vgl. Barbarić 2014, 72). Somit werden nicht nur Lebensdaten, sondern auch „innere Reaktionen“ wiedergegeben (vgl. Treichel 2004, 73). In der Regel werden solche Erzählungen mit der von Friedrich Schütze entwickelten Technik des narrativen Interviews gewonnen, das für sprachwissenschaftliche Zwecke von Rita Franceschini, mit der inhaltlichen Beschränkung auf Sprachliches, umgemünzt wurde (vgl. Franceschini 2002, 25f.). Diese Art des Interviews geht sehr in die Tiefe und gibt den Beforschten sehr viel Raum, ihren Umgang mit Sprachen und Erwerb ihrer Sprachen in Worte zu fassen – und dies in der Regel ohne konkrete Nachfragen unter alleiniger Vorgabe eines Erzählstimulus (vgl. Barbarić 2014, 88f.).48 Damit überschreitet die sprachbiographische Methode in diesem Sinne weit die Tiefe der in der Soziolinguistik praktizierten „‘freien‘ Fragen“. Durch diese Technik werden so „untereinander kaum vergleichbare Erzählungen“ gewonnen, die sich durch ein besonders hohes Maß an „Verschiedenartigkeit“ auszeichnen: umso schwieriger ist daher die gewinnbringende Auswertung dieser Daten. Diese Unterschiedlichkeit ist der Tatsache geschuldet, dass den Interviewten besonders viel Raum für eine Darlegung ihrer persönlichen Interpretation des Erwerbsprozesses und ihres Lebens mit Sprachen gegeben wird (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 7, 10).

Sprachbiographien – verstanden „im weitesten Sinne“ – bezeichnen dagegen einfach sämtliche autobiographische Daten mit dem thematischen Schwerpunkt Sprache, die auf verschiedene Weise gewonnen werden können. In der Regel werden diese Daten nicht von einer anderen Person als der Untersuchten zu Tage geführt – daher handelt es sich in der Regel um Autobiographien. Sie bilden durch die Verwobenheit von „individuelle[m] Erleben mit sozialen und lebensgeschichtlichen Kontexten“, generelle Sachverhalte sprachlichen Erlebens ab (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 11f.).

Auffällig ist, dass sich die – durch diese Methoden gewonnenen – Autobiographien in ihrem Aufbau und ihrem Ausdruck ähneln. Immer wieder wird klar, dass Sprachen und ihre Sprecher für die Beforschten affektiv besetzt sind, was sich auch auf ihren Sprachgebrauch und ihre Sprachidentität auswirkt. Des Weiteren zeichnen sich diese Erzählungen durch einen komplexen Aufbau aus: Sie enthalten erzählende und von den Sprechern interpretierte und gewichtete Passagen, die verhältnismäßig lang und umständlich formuliert sind, was sie auf den ersten Blick schwer auf wesentliche Punkte zusammenfassbar und vergleichbar macht (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13, 17). Das Ergebnis solcher Erlebnis- und Erfahrungsberichte ist ein Abriss über Sprachliches in der Welt des beforschten Individuums in Form einer „oral history“ – denn in der Regel fanden die untersuchten Ereignisse, wie der Spracherwerb, in der Vergangenheit statt und unterliegen so den Gesetzen einer Rekonstitution der vergangenen Lebenswelt: Es handelt sich daher um kein Abbild der tatsächlich geschehenen Ereignisse, sondern um „Interpretationen der eigenen Sprachentwicklung“,49 die durch die Formulierung von früheren Motivationen und Begründungen gespeist werden. Will man nun mit dem erhaltenen Material arbeiten, sollte man sich darüber gewahr sein womit man arbeitet: mit „Konstruktionen und Sinngebungen zu einem Eigenerleben, welches in Interaktion hervorgebracht wird“. Innerhalb dieser Erlebniserzählungen müssen dann die persönliche Relevanzsetzung und die „Alltagstheorien“ der Sprecher herausgearbeitet und interpretiert werden, um für die Untersuchung gewinnbringend nutzbar gemacht zu werden (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 12f.). Daher gibt es verschiedene methodische Vorüberlegungen zur inhaltlichen Brechung solcher Erzählungen, die darauf abzielen die innere Schlüssigkeit, unter Beachtung der individuellen Schwerpunktsetzung und der Art und Weise der Darstellung, herauszuarbeiten. Ein Forschungsteilziel ist es daher die „Relevanzsysteme“ des Beforschten zu erfahren, was jedoch nur gelingen kann, wenn dieser diese auch sprachlich formulieren kann, also ein gewisses Maß an narrativer Kompetenz mitbringt, was aber nicht unbedingt immer gegeben sein muss (vgl. Treichel 2004, 74f., Barbarić 2014, 95).50

In der Regel werden Sprachbiographien zunächst einzeln betrachtet, um die individuellen Deutungsmuster zu identifizieren. Später ist das Ziel allerdings einen Vergleich mit anderen Sprachbiographien herzustellen, um jene Muster zu erkennen, die über den speziellen Einzelfall hinausreichen, denn nur über ein „ausgedehntes Korpus an Daten“ kann deutlich werden, welche der versprachlichten Informationen und Formulierungsmuster für mehrere Sprecher gültig sind: So können im Idealfall – durch einen Abgleich mit immer mehr Erfahrungsberichten – alle möglichen Erlebensmuster offengelegt und Verallgemeinerungen festgestellt werden (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13). Laut Rosenthal, können somit nicht nur für Einzelpersonen gültige Erkenntnisse getroffen werden, sondern auch für Personen mit ähnlichen biographischen Konstitutionen – aus derselben Familie, Generation oder einem sozialen Umfeld – was durch die Identifizierung der „strukturbildenden Merkmale“ geschieht (vgl. Rosenthal 2015, 227).

Durch den Vergleich können neue Behauptungen aufgestellt werden, die dann mit der weiteren Erhebung von Sprachbiographien überprüft werden können, bis eine Art Sättigung der Theoriebildung eintritt und alle möglichen Arten menschlichen Empfindens identifiziert sind (vgl. Barbarić 2014, 103). Durch ihren überindividuellen Aussagegehalt können Sprachbiographien dann für sämtliche Forschungsüberlegungen hinsichtlich Mehrsprachigkeit und Sprachverwendung bahnbrechende Erkenntnisse liefern, die man bei  Modellbildungsversuchen nicht außer Acht lassen sollte (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 14).51 

Da eben auch die Entwicklung einer Sprache zur Erinnerungssprache mit einem gesellschaftlichen Prozess einhergeht, kann diese Methode auch für den hier untersuchten Sachverhalt gewinnbringend eingesetzt werden, zumal es sich beim Gaskognischen um eine Minderheitensprache handelt und sich seine Sprecher in einer Mehrsprachigkeitssituation befinden.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.

3. Methode

3.1. Methodologische Vorüberlegungen 

Ausgehend von dem Untersuchungsziel, das Gaskognische auf eine Anwendbarkeit des Konzepts der Erinnerungssprache hin zu untersuchen, sollten zunächst Sprecher des Gaskognischen gefunden werden, mithilfe derer evaluiert werden sollte, wie vital dieses Idiom tatsächlich noch ist:

Das Konzept der Erinnerungssprache geht davon aus, dass die Sprachkompetenz der Sprecher abnimmt, sie das Idiom aber gleichzeitig hoch bewerten und als sehr schützenswert empfinden (vgl. Stellino 2010, 85). Neben einer Ermittlung der individuellen Fertigkeiten in der Sprache, galt es also auch zu ermitteln, mit welchen affektiven Bewertungen die Sprecher das Gaskognische charakterisieren und welchen Stellenwert das Idiom für sie einnimmt. Abgesehen davon soll auch ihre Bewertung der Zukunft der Minderheitensprache eine Rolle spielen, um festzustellen, ob sich das Gaskognische bereits auf dem Weg zum sprachlichen Relikt befindet oder ob es noch Zukunftsaussichten in anderen vitaleren Funktionen hat, die über eine Funktion als Erinnerungssprache hinausgehen.52 Abschließend sollen diese Komponenten in Bezug zueinander gesetzt und die Frage nach einer etwaigen Entwicklung des Gaskognischen in Richtung Erinnerungssprache oder Erinnerungsdialekt beantwortet werden beziehungsweise ein Ausblick auf eine mögliche Entwicklung gegeben werden.

Da diese Fragestellung, in Bezug auf das Gaskognische, so noch nicht beleuchtet wurde, wurde eine eigene Untersuchung in Form einer persönlichen Befragung für angemessen gehalten. Da die persönliche Beziehung des Sprechers zu seiner Sprache im Konzept des Erinnerungsdialekts im Vordergrund steht, wurde zudem ein qualitatives Vorgehen in Erwägung gezogen und sich für eine Datenerhebung mittels Sprachbiographien entschieden, da qualitative Interviews insbesondere bei der Untersuchung gesellschaftlicher Phänomene und aufgrund ihrer „explorative[n]“ Natur bei der Prüfung von eben solchen „Forschungshypothesen“ äußerst geeignet sind (vgl. Diekmann 2014, 531f.).

Im Vordergrund steht bei dieser Art des Vorgehens die „Subjektperspektive“ der Befragten. Abgesehen davon soll möglichst viel „Offenheit“ hinsichtlich der Fragen und Antworten gegeben sein, um zu gewährleisten, dass Phänomene, die außerhalb des Fragerasters liegen, nicht außen vor bleiben und den Sprechern so auch Raum für Begründungen ihrer Antwort gegeben werden kann. Indem das Gespräch möglichst an gewöhnliche Gesprächssituationen angelehnt ist, soll Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern geschaffen werden, damit auf Seiten der Befragten Hemmschwellen herabgesetzt werden können, sodass „validere“ Antworten als jene der quantitativen Forschung, zu Tage treten könnten (vgl. Diekmann 2014, 531f.). Gerade hinsichtlich der Untersuchung biographischer Abläufe, gilt bei qualitativen Interviewmethoden die Technik des narrativen Interviews als geeignetste Variante.53 Obgleich diese Vorgehensweise vielversprechend gewesen wäre, so sind mit ihr aber doch Nachteile verbunden, die dazu hätten führen können, dass der Rahmen der Arbeit – insbesondere vor dem Hintergrund des zeitlich begrenzten Forschungsaufenthalts – gesprengt worden wäre: Eine äußerst zeitintensive Durchführung und eine noch zeitintensivere Nachbereitung, eine Transkription sämtlicher Gemütsregungen eingeschlossen, wäre notwendig gewesen (vgl. Diekmann 2014, 540-542).54 Zudem hätte das Risiko bestanden, bei der Erhebung von Sprachbiographien in einem gänzlich offen strukturierten Interview, sehr unterschiedliche und schwer vergleichbare Daten zu erhalten, die in der ebenfalls begrenzten Bearbeitungszeit unter Umständen schwer auswertbar gewesen wären (vgl. Diekmann 2014, 543-545, Franceschini & Miecznikowski 2004, 7. Als weitere Problematik hätte sich die mangelnde „narrative Kompetenz“ der Befragten erweisen können, die nicht zwingend gegeben sein muss, sodass eine stimmige Strukturierung der Befragung unter Umständen nicht zu gewährleisten gewesen wäre (vgl. Barbarić 2014, 95). Das Verfahren musste daher hinsichtlich Strukturierung und Standardisierung an die besonderen Umstände der Untersuchung angepasst werden.

Da ein vollständig strukturiertes Interview im Widerspruch zu einer Orientierung an der Erhebungsmethode der Sprachbiographien und damit zum Untersuchungsziel gestanden hätte, wurde auf derart strikte Vorgaben verzichtet. Daher wurde die Entscheidung zugunsten einer Mischform aus offener und strukturierter Befragung getroffen. Diese wurde mithilfe der Technik des „problemzentrierte[n] Interview[s]“ durchgefürt (vgl. Diekmann 2014, 542f.). Denn in der Forschung wird auch immer wieder Folgendes betont:

Erst durch das Zusammenspiel unterschiedlicher qualitativer und quantitativer Methoden wird der Forscher oder die Forscherin in die Lage versetzt, ein verlässliches Gesamtbild eines sozialen Gegenstands zu erstellen (Diekmann 2014, 543).

Zu einer genauen Erfassung der außersprachlichen Variation beziehungsweise „sozialstatistischer Daten“ (vgl. Diekmann 2014, 252) wurden zunächst standardisierte Fragebögen ausgeteilt, die die interviewten Sprecher, vor dem Beginn einer Aufzeichnung des Interviews, ausfüllen sollten.55 Im Anschluss sollten in Interviewform offene Fragen, die die Interviewerin in Form eines Leitfadens bereit hielt, in immer der gleichen Reihenfolge gestellt werden, um eine gute Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten (vgl. Diekmann 2014, 542).56 

Als Vorüberlegung, vor Beginn des Interviews, war allerdings Folgendes wesentlich: Bei einem Interview handelt es sich immer um eine „künstliche, asymmetrische Interaktion unter Fremden mit der stillschweigenden Vereinbarung, dass keine dauerhafte Beziehung eingegangen wird“. In der Regel bleiben die gemachten Aussagen für den untersuchten Part also ohne Konsequenzen (vgl. Diekmann 2014, 439). Um diesen Eindruck zu verstärken, wurde den Interviewpartnern vor der Befragung versichert, dass ihre Angaben vertraulich behandelt werden, da sie vor allem der Bereicherung des Forschungszwecks dienen werden. Sie wurden daher um eine Einverständniserklärung gebeten, dass das gesammelte Datenmaterial am Ende zu eben jenem Zweck verwendet werden darf.

Bei der Durchführung der – auf Diktiergerät aufgezeichneten – Befragung im Anschluss, wurde zudem versucht, sich an die „Maxime der neutralen Interviewtechnik“ zu halten,57 soweit dies überhaupt gänzlich möglich ist,58 welche beinhaltet, dass die Antwortreaktionen weder positiv noch negativ durch den Fragensteller bewertet werden. Allerdings wurden auch sogenannte „‘weiche‘ Elemente“ in die Gesprächsführung einbezogen, die für eine qualitative Erhebungsmethode typisch sind und die dazu dienen eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen, indem etwa dosierte Zustimmungsreaktionen gegeben werden, sowie eine Erklärung der Fragen erfolgt, sofern es bei den Interviewten zu Verständnisproblemen kommt (vgl. Diekmann 2014, 440, 445). So konnten, obwohl es sich zwischen den beiden Gesprächspartnern um Unbekannte handelte, Hemmungen abgebaut werden, sodass es, auch bei den persönlichen Fragen, zu einem offenen Gespräch mit möglichst unverzerrten Antwortreaktionen kommen konnte. Durch die Kürze des Forschungsaufenthalts bedingt, hätte dies ansonsten durchaus problematisch werden können, da persönliche Informationen – wie die Lebensgeschichte und der individuelle Bezug zum Gaskognischen – eher ungern an Fremde weitergegeben werden.

Gleichwohl nimmt der Interviewer bei der Technik des problemzentrierten Interviews, aber auch einen aktiven Part ein (vgl. Diekmann 2014, 542f.). Es wurde jedoch auch darauf geachtet, den Befragten genug Platz zur Artikulation einzuräumen, sodass Fragen, die im Frageleitfaden erst später aufgeführt wurden, auch spontan früher beantwortet werden konnten.

Da Umfragen, ob qualitativer oder quantitativer Natur, grundsätzlich immer durch verschiedene Chancen und Risiken gekennzeichnet sind, ist es unabdingbar die Erhebungsbedingungen und das konkrete Vorgehen bei der Forschungsarbeit in den folgenden Kapiteln offen zu legen. Denn für eine korrekte Interpretation und Auswertung der Daten ist es zwingend notwendig von ihrer konkreten Herkunft und von der Art des Datenmaterials zu wissen. Zur Offenlegung dieser Umstände ist daher ein Maximum an Transparenz erforderlich (vgl. Barbarić 2014, 92). In den folgenden Unterkapiteln soll daher detaillierter auf die Bedingungen der Untersuchung eingegangen werden, um das konkrete Vorgehen so nachvollziehbar und transparent wie möglich zu machen.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.

3.2. Auswahl der Orte

Die Auswahl der Orte sollte aus pragmatischen Gründen erfolgen, aber auch dem Erkenntnisinteresse dienlich sein. Dementsprechend wurde die Stadt Bordeaux als Basis gewählt, da dort – aufgrund seiner Größe und der umfassenden Infrastruktur – auch Vereinsstrukturen vorhanden sind, die sich eignen, um Sprecher zu kontaktieren.

Wie eingangs bemerkt, sind in der Stadt sowohl der degré de gasconnité, als auch die Sprecherzahlen sehr niedrig (vgl. Massoure 2012, 32-36, 333). In den örtlichen Vereinsstrukturen sind jedoch auch Menschen aktiv, die im Zuge der starken Binnenmigrationsbewegungen im 20. Jahrhundert ihr ehemaliges Heimatumfeld verlassen haben (vgl. Blanchet & Schiffman 2004, 17). Somit konnten auch Eindrücke aus anderen Regionen im gaskognischen Sprachgebiet gewonnen werden, wenn auch häufig nur in Form von Erinnerungen der befragten Personen. Um außerdem noch einen authentischen Einblick in die aktuelle Lebenswelt von Gaskognischsprechern aus anderen Regionen des Sprachgebietes zu erhalten, wurde in der verfassten Kontaktemail auch angegeben, dass man neben Sprechern, die in Bordeaux und Umgebung ansässig sind, auch nach Personen suche, die aus den Landes, aus der Umgebung von Mont-de-Marsan, oder aus der Umgebung des Arcachonbeckens stammen.59 Als Grundüberlegung zählte hier, dass auch noch Personen aus Gebieten mit anderen Gaskognizitätsgraden für die Untersuchung gewonnen werden sollen. Die Gegend um das Arcachonbecken hat etwa einen degré de gasconnité von etwa 50%, die Umgebung um Mont-de-Marsan 80-90%, wohingegen Bordeaux‘ Grad stark unter 50% liegt (vgl. Massoure 2012, 34f.).

Personen aus der Region Midi-Pyrénées oder aus dem Val d’Aran in Spanien konnten in die Untersuchung nicht miteinbezogen werden, da dies aus zeitlichen und logistischen Gründen nicht möglich gewesen wäre.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.

3.3. Auswahl der Befragten

Da in der Untersuchung mit qualitativen Methoden gearbeitet wurde, wurde eine sehr viel geringere Zahl an Befragten ausgewählt, als dies bei quantitativen Methoden der Fall ist (vgl. Diekmann 2014, 532). Die Befragten wurden dabei primär nach dem Kriterium ausgewählt, dass diese, in irgendeiner Form, dem Gaskognischen mächtig sind.

Um diese zu finden, ist man als Interviewer auf zwei Motive der Befragten angewiesen, die diese überhaupt erst zu einer freiwilligen Teilnahme an der Studie bewegen, ohne dass diese durch positive, materielle Sanktionen honoriert wird: Ein Interesse am Untersuchungsgegenstand, der Wille die Untersuchung zu unterstützen und eine positive Sanktionierung zumindest dadurch, dass der Interviewer die persönliche Meinung bzw. in diesem Fall die persönliche Lebensgeschichte, die in irgendeiner Art und Weise durch das Gaskognische geprägt wurde und ist, als besonders interessant und bedeutsam empfindet, sodass dem Befragten dadurch Anerkennung zu Teil wird (vgl. Diekmann 2014, 441). Diese Anreize mussten geschaffen werden, indem durch eine Kontaktemail bereits im Vorfeld versucht wurde, das Interesse für die Arbeit und für eine mögliche Beteiligung der Sprecher zu wecken.

In diesem Teilnehmergesuch wurde dezidiert darauf hingewiesen, dass tatsächliche Sprecher des Gaskognischen – aus den in 2.2. erwähnten Gebieten – gesucht werden. Zudem wurde auf das Befragungsthema an sich hingewiesen: das Gaskognische und die gaskognische Identität, sowie das Verhältnis der Gaskognier zu ihrem Idiom. Auf die Tatsache, dass man sich bei der Untersuchung auf das Konzept der Erinnerungssprache konzentrieren wolle, wurde im Vorfeld nicht hingewiesen (vgl. Anhang 1 und Anhang 2).60

Da es aufgrund des stark bedrohten Zustands der Sprache relativ schwierig ist, Sprecher zu finden, wurde zunächst versucht potentielle Beforschte über persönliche Kontakte zu finden, was allerdings nicht so recht gelang. Dies scheint nicht zuletzt der Tatsache geschuldet zu sein, dass die Sprecher, insbesondere die locuteurs naturels, in den meisten Fällen schon relativ alt sind. Eine Ausnahme stellte der Kontakt zu einer Okzitanischdozentin, CUB06_36f, an der Université Bordeaux Montaigne dar, die einem persönlichen Kontakt bekannt war. Doch auch hier musste noch Überzeugungsarbeit von Seiten der Kontaktperson geleistet werden, um eine Befragung möglich zu machen.

Die Kontaktaufnahme erfolgte hier und auch sonst per Email, wobei Emails an verschiedene, vor allem Bordelaiser, Vereine sowie an das IEO Aquitaine geschickt wurden. Auf eine Email, die an das gaskognistisch ausgerichtete IBG in Pau adressiert war, hat Letzteres nicht reagiert.61 Anfangs war die Resonanz nur sehr zaghaft und der Stein sollte erst ins Rollen kommen, als die association L’Estaca kontaktiert wurde, die die E-Mail an ihren Verteiler weiterleitete und es so potenziellen Interessenten ermöglichte, sich bei der Interviewerin zu melden, was aber immer noch etwas zögerlich geschah.62 Erst vor Ort ergaben sich weitere Befragungsmöglichkeiten, die vor allem durch das Schneeballprinzip gewonnen werden konnten. Für die Durchführung der Befragung wurde ein 14-tägiger Forschungsaufenthalt im Zeitraum vom 23. März bis 7. April 2015 unternommen. Die Stadt Bordeaux fungierte als Basis für Fahrten nach La Teste-de-Buch im département Gironde und Sore in den Landes, da sich auch dort Sprecher für Interviews bereit erklärt hatten.

Grundsätzlich muss man sich natürlich immer klar machen, dass es bestimmte Motive sind, die einen Interviewten zur Teilnahme an einer solchen Untersuchung bewegen und daher handelte es sich bei den Befragten vorwiegend um Personen, die selbst ein Interesse an den Ergebnissen der Untersuchung hatten (vgl. Diekmann 2014, 441), was sich teilweise beruflich, aber auch durch das ehrenamtliche Engagement der Personen begründen ließ.63 Daher handelte es sich bei den Befragten auch häufig um Mitglieder oder ehemalige Mitglieder von Vereinen zur Erhaltung des Gaskognischen, beziehungsweise des Okzitanischen, oder um Menschen, die beruflich mit dem Okzitanischen zu tun haben. Insbesondere Mitglieder der Vereine L’Estaca und Ostau Occitan beziehungsweise des IEO Aquitaine, das mit dem IEO Gironde übereinstimmt, waren zentral bei der Findung von möglichen Befragten.64

Beim Verein L’Estaca handelt es sich um einen, vor allem aus Rentner zusammengesetzten Verein, der sich einmal wöchentlich trifft, um zusammen Gaskognisch, aber auch andere Varietäten des Okzitanischen zu sprechen. Außerdem wird in den Sitzungen auf Gaskognisch gesungen, wobei die Stücke auch zu besonderen Anlässen – wie Festen der Calandreta in Pessac, bei denen die Interviewerin auch selbst teilgenommen hatte – zur Aufführung gebracht werden. Von diesem Verein werden zudem auch traditionelle Tanzkurse angeboten.65 Über deren Verteiler war dann nach weiteren Mitgliedern, beziehungsweise anderen interessanten Kontakten, gesucht worden. Hierüber kam es zur Kontaktaufnahme mit der Ostau Occitan, einer Nebenbezeichung des IEO Gironde beziehungsweise des IEO Aquitaine, dem lokalen okzitanistischen Institut d’Études Occitanes. Das IEO Gironde bietet selbst Okzitanischabendkurse, sowie eine Bibliothek an und veranstaltet einmal im Jahr das okzitanische Kulturfestival Le Mascaret.66 Über den Verteiler wurde auch der Kontakt zu einer Initiatorin des Vereins Bruc e Brana hergestellt. Dieser Verein zielt darauf ab die Sprache in gesprochener Form für die Gemeindearchive zu erhalten. Dies geschieht in Form von zum Teil gefilmten Theateraufführungen und der Aufzeichnung von Geschichten in den verschiedenen Dialekten des Gaskognischen. Außerdem versucht er unter den Mitgliedern eine angenehme Vereinsatmosphäre zu schaffen. Über diese Kontaktperson konnte auch eine der Geschichtenerzählerinnen aus dem département der Landes für die Untersuchung gewonnen werden. Darüber hinaus  konnte über sie die Verbindung zu den ehemaligen Gründern der inzwischen geschlossenen Calandreta von La Teste-de-Buch hergestellt werden, die früher ebenfalls einen strikt gaskognistisch ausgerichteten Verein gegründet hatten und so die Untersuchung um eine gaskognistische Perspektive bereichern konnten. Außerdem wurde auch der chargé de misssion der Region Aquitaine für die ansässigen Minderheitensprachen und –kulturen,67 CUB08_34m, befragt, sowie ein privat an der Untersuchung interessierter Anthropologieprofessor, CUB07_70m.

So konnten insgesamt 13 Befragte im Alter von 34 bis 80 Jahren gewonnen werden, wovon sieben männlich und sechs weiblich sind. Aufgrund der recht kleinen Anzahl von Sprechern allgemein und der hohen Präsenz von engagierten Sprechern im Besonderen, wurde im Laufe der Untersuchung immer wieder festgestellt, dass sich die Befragten im Grunde fast alle kannten.68

Das sample der Untersuchung gestaltete sich folgendermaßen:

Tabelle 1: Das sample der Untersuchung
Das sample69
(La Teste-de-Buch/Communauté urbaine de Bordeaux/Sore, März-April 2015)
La Teste-de-Buch, Gironde Communauté urbaine de Bordeaux, Gironde Sore, Landes
LTB01_60m LTB02_60f CUB01_65m CUB02_72f CUB03_42m CUB04_67m CUB05_65m CUB06_36f CUB07_70m CUB08_34m CUB09_72f CUB10_44m S01_80f
So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).

3.4. Auswahl der Fragen

Die Auswahl der Fragen erfolgte in Hinblick auf die Fragestellung, die von Anfang an auf das Konzept der Erinnerungssprache abzielte. Abgesehen davon wurde bei den Vorüberlegungen der aktuelle Zustand des Gaskognischen berücksichtigt, sodass dementsprechend auch Fragen gestellt wurden, die möglicherweise die in den soziolinguistischen Arbeiten und Umfragen hervorgebrachten Erkenntnisse berücksichtigen, wenn auch nicht unbedingt bestätigen sollten. Vor dem Hintergrund, dass zur Durchführung der Untersuchung ein qualitativer Ansatz gewählt wurde, wurden also gerade solche Fragen in Erwägung gezogen, die ein individuelles Erleben des mehrsprachigen Alltags mit dem Gaskognischen in den Fokus stellen.

Des Weiteren hat sich als besondere Referenzquelle das Werk von Johann Fischer erwiesen, der in den frühen 1990er Jahren eine Vergleichsstudie zur Einstellung der jeweiligen Sprecher zum Okzitanischen beziehungsweise zum Rätoromanischen anhand von Fragebögen durchgeführt hatte.70 Diese Untersuchung hatte sich auch auf affektive Einstellungen und Sprachkompetenzen der Sprecher konzentriert und somit ein ähnliches Forschungsziel verfolgt, wenn auch mit Fokus auf das gesamte okzitanische Sprachgebiet und somit nicht auf das Gaskognische im Speziellen.71 Aus seinem Fragenkatalog mit rund 49 Fragen waren sowohl ein Teil für die sozialstatistische Datenerhebung in Fragebogenform, als auch 20 Fragen ausgewählt worden, die den Befragten mündlich gestellt wurden (vgl. Fischer 1993, 243-246).

Bei der Frageauswahl wurde, nicht zuletzt um einen spezifisch gaskognischen Blickwinkel zu erhalten, als Vergleichswert eine soziolinguistische Untersuchung von Fabrice Bernissan im Bigorre berücksichtigt und mit den Ergebnissen der von Johann Fischer durchgeführten Untersuchung verglichen, um auf mögliche Abweichungen aufmerksam zu werden, die es für einen Zugriff aus gaskognischer Perspektive braucht. Bernissan hatte allerdings nur Personen einer bestimmten Generation befragt, nämlich jene, die das Gaskognische noch als Muttersprache erworben hatten und sich dann entschieden hatten, es nicht an ihre Kinder weiterzugeben (vgl. Bernissan 2004, 73-75). Dieser Vergleich wurde gerade auch deshalb als vielversprechend betrachtet, da – unter Berücksichtigung der allgemeinen soziolinguistischen Daten zum Gaskognischen beziehungsweise Okzitanischen – davon ausgegangen musste, dass es sich bei den zu befragenden Personen vor allem um ältere Menschen handeln würde, die für eine Befragung überhaupt in Frage kämen. Dementsprechend wurde auch in den durchgeführten Interviews, ein Fokus auf die markanten Lebensabschnitte dieser Generation gelegt.

Die ausgewählten Fragen tragen außerdem dem, von der UNESCO im Jahr 2003 herausgegebenen, language vitality index Rechnung, wobei insbesondere jene Faktoren Berücksichtigung fanden, welche eine sprecherindividuelle Beantwortung ermöglichen. Daher wurden insbesondere die Faktoren 1, 5 und 8 bei der Auswahl der Fragen berücksichtigt: Das Weitergeben der Sprache an jüngere Generationen, der Sprachgebrauch, beziehungsweise der Kontext, indem die Sprache verwendet wird und die Einstellung der Sprecher zu der von ihnen gesprochenen Sprache. Außerdem wurde auch Faktor 7 insofern berücksichtigt, als nach der Wahrnehmung und Bewertung der französischen Sprachpolitik gefragt wurde (vgl. 2003, 17).

Bevor es zur eigentlichen Befragung kam, wurden mittels eines einseitigen Fragebogens die sozialstatistischen Daten der Befragten erfasst. Die Interviewten sollten an dieser Stelle Angaben zu sich selbst, ihren Eltern und ihrem Lebenspartner machen.72 Diese Angaben dienten der Interviewerin auch als Hilfe zum Stellen von Filterfragen, da nicht alle Fragen für alle Befragten zu beantworten waren.73

Bei der Frageformulierung hatte man sich – wie bereits oben erwähnt – an bereits einschlägigen vorhandenen Untersuchungen hinsichtlich der Frageformulierung orientiert.74 Diese beachteten bereits die Maximen, die Diekmann in seinem Grundlagenwerk betont und sollten daher den Effekt sozialer Erwünschtheit nicht noch zusätzlich fördern.75Abgesehen davon wurden im Gegensatz zum Fragebogen von Johann Fischer vorgegebene, wählbare Antworten weggelassen, um weniger vorgefertigte Antworten zu erhalten.76 Des Weiteren hatte man die Fragen mit leichter Abwandlung aus bereits vorgegebenen Themenblöcken entnommen und dem Interesse der Arbeit entsprechend neu angeordnet, wobei darauf geachtet wurde, ungewollte Kontexteffekte zu vermeiden. Die Themenblöcke gestalteten sich daher wie folgt:

Tabelle 2: Präsentation der ausgewählten Fragen in den entsprechenden Themenblöcken
1. Fragen zur Sprachkompetenz der Sprecher: Quand vous êtes entré/e à l’école, quelle langue saviez-vous parler? Quand et comment avez-vous appris le gascon? Avez-vous suivi des cours de gascon?
2. Fragen zum Gebrauch des Gaskognischen: Avec qui parlez-vous gascon?
3. Fragen zur Transmission des Gaskognischen: Parlez-vous gascon avec vos enfants? Quelle est la langue maternelle de vos enfants? Est-ce bon ou mauvais de parler gascon avec des enfants? Pourrait-il avoir des désavantages? Parlez-vous gascon avec vos petits-enfants?
4. Was ist das Gaskognische im Verhältnis zum Französischen? Par rapport au français, qu’est-ce que le gascon?
5. Frage zum kulturellen Wert des Gaskognischen: Le gascon a-t-il une culture propre?
6. Fragen zur Zukunftsperspektive des Gaskognischen: Le gascon disparaîtra-t-il? Le gascon, quelle importance a-t-il là où vous vivez? Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon? Faites-vous vous-même quelque chose pour sauver le gascon?
7. Fragen zu den Gründen des Festhaltens am Gaskognischen: Doit-on encore parler gascon? (Pourquoi?) Le gascon sera-t-il un avantage dans l’avenir?
 8. Fragen zur Bewertung der Sprachpolitik: Croyez-vous que le système politique favorise le gascon/ nuit au gascon? Que pensez-vous de l’enseignement du gascon/d’occitan dans les écoles?
 9.  Fragen zum affektiven Bezug der Sprecher zum Gaskognischen: Avez-vous plus plaisir à parler gascon ou à parler français?77 Vous sentez-vous d’abord Français/e ou Gascon/ne?

Als Problem wurde erst während der Untersuchung – aufgrund eines fehlenden Pretests – erkannt, dass der Austausch des Begriffs occitan durch den Begriff gascon zum Teil als störend empfunden wurde. Gründe hierfür sind vermutlich darin zu sehen, dass ein Teil der Befragten ideologisch dem Okzitanismuskonzept verbunden ist und sich daher häufig dazu verpflichtet fühlte, sich für diese Sichtweise zu rechtfertigen.78 Andere fühlten sich dadurch allerdings eher bestärkt oder ignorierten die Bezeichnung einfach völlig.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.

3.5. Verallgemeinerbarkeit

Die Verallgemeinbarkeit der gewonnenen Ergebnisse ist durch Probleme qualitativer Methoden allgemein eingeschränkt: Zum einen findet die Auswahl der Befragten dort in der Regel vorab nach bestimmten Kriterien statt, sodass Fälle, die nicht in diesen Regelkatalog passen, unter Umständen nicht erfasst werden können: die zugrundeliegende Forschungsfrage bestimmt also die Stichprobenauswahl (vgl. Diekmann 2014, 543).

Es handelt sich, wie oben vermerkt, um eine recht kleine Stichprobe, in einem bestimmten Milieu, mit einer bestimmten geographischen Reichweite, die durch die „Schneeballmethode“ gewonnen wurde: man hatte also bereits interviewte Informanten um weitere Kontakte gebeten (vgl. Diekmann 2014, 400).79

In der Methodenforschung ist dieses Vorgehen, hinsichtlich seiner Produktivität beim Finden von möglichen Befragten in Minderheitensituationen, positiv hervorgehoben worden. Allerdings ist es als problematisch zu betrachten, dass mögliche weitere Kontakte von den vorherigen Kontakten – aufgrund ihrer Sympathie für diese – vorgeschlagen werden, wohingegen andere – für das Forschungsvorhaben möglicherweise auch gewinnbringende Meinungen liefernde – Personen nicht genannt und so in der Forschung nicht erfasst werden können. Wie man diese Personen überhaupt integrieren könnte, ist in der Forschung allerdings auch umstritten (vgl. Barbarić 2014, 103f.). Dadurch, dass die Kontakte von verschiedenen Kontaktpersonen vermittelt und aus unterschiedlichen Vereinen bezogen wurden, wurde dennoch versucht eine Variation an unterschiedlichen Sprechertypen zu erreichen.

Den Anspruch auf eine „theoretische Sättigung“, eine Erfassung aller möglicher Sprechertypen,80 wie diese in der qualitativen Sozialforschung immer wieder benannt wird (vgl. Barbarić 2014, 103), konnte aber nicht erhoben werden: dazu ist die Stichprobe zu klein und die Bearbeitungszeit zu kurz. Durch die Kombination der verschiedenen Auswahlkriterien (Geographie, Alter, Geschlecht  usw.), die auch vor den, durch das Schneeballsystem gewonnenen, Kontakten als Auswahlkriterium formuliert wurden,81 wurde aber trotzdem versucht einer zu einseitigen Selektion von Beforschten entgegenzuwirken, um so eine breite Variation an möglichem Sprechererleben zu erreichen, die so insgesamt Aufschluss über das Erleben und Praktizieren der Sprache von Sprechern des Gaskognischen geben kann.

Als grundsätzlicher Beeinflussungsfaktor ist das Phänomen „going native“ in der Sozialforschung zu berücksichtigen (vgl. Lüdtke 2006, 1047),82 vor dem auch die  Interviewerin nicht vollständig gefeit war. Durch ausreichenden zeitlichen Abstand und die Bewusstmachung dieses Phänomens wurde versucht damit verbundene Verzerrungen zu vermeiden.

In Bezug auf die Beantwortung der Fragen ist es selbstverständlich, dass es sich bei den erhobenen Sprachbiographien um „Interpretationen der eigenen Sprachentwicklung“ handelt. Es werden also nicht tatsächliche Fakten offengelegt, sondern „Erlebnisberichte“ abgegeben, die durch „Alltagstheorien“ und eigene Begründungen der Sprecher geprägt sind (vgl. Franceschini & Miecznikowski 2004, 13). Bezüglich der Einschätzung der persönlichen Sprachkompetenz, handelt es sich um Autoevaluationen durch den Sprecher, die durch die Interviewerin – aufgrund ihrer fehlenden Gaskognischkenntnisse – nicht objektiv auf ihre Richtigkeit überprüft werden konnten und daher so hingenommen werden mussten. Durch einen Abgleich mit den anderen Angaben des Einzelsprechers, wurde aber dennoch versucht geschönte Antworten zu identifizieren und zu relativieren.

Wie bei rein quantitativen Befragungen, gelten auch bei qualitativen Interviews sowie bei Mischformen bestimmte Fehlerquellen, die es zu berücksichtigen gilt, da sie die Güte der gesammelten Angaben beeinträchtigt haben könnten. Je nach Erhebungssituation, den Persönlichkeitseigenschaften der Beforschten und  den Charakteristika des Messinstruments kann es zu Verfälschungen der Antwortreaktionen auf die gestellten Fragen kommen. In der qualitativen Sozialforschung wird in der Regel zwischen drei Arten von Merkmalen unterschieden, die sich negativ auf die Datenqualität auswirken können (vgl. Diekmann 2014, 447, 543f.).83

Erstens gibt es „Befragtenmerkmale“, die die Untersuchung entscheidend beeinflussen können. Als Voraussetzung für eine Sprachbiographie gilt die narrative Kompetenz der Sprecher, die notwendig ist, um ausreichend gut auswertbares Datenmaterial zu erhalten (vgl. Barbarić 2014, 95). Da diese vorab als Einschränkung für das Forschungsvorhaben erkannt wurde, wurde ein Fragegerüst vorgegeben, um zumindest eine Beantwortung der für die Untersuchung wesentlichen Punkte zu gewährleisten.

Außerdem gibt es allgemeine Grundnormen, die die Befragten im Grunde immer einhalten sollten, die aber natürlich auch bewusst oder nicht bewusst, nicht beachtet werden könnten. Eine Grundvoraussetzung ist es etwa, dass die Sprecher die Norm berücksichtigen, nach der auf einen Frageimpuls auch eine wahrheitsgetreue Reaktion gegeben wird. Eine Garantie dafür, dass dies tatsächlich geschieht, gibt es selbstverständlich nicht. Wichtig ist es außerdem, dass Interviewer und Befragter „eine gemeinsame Sprache“ in dem Sinn sprechen sollten, als sie Frage und Antwort nicht nur auf der sprachlichen, sondern auch auf der inhaltlichen Ebene gleich verstehen. Eine wichtige Rolle spielt auch der Faktor „soziale Erwünschtheit“,84 der den Befragten dazu bewegt, die Antwort zu geben, die scheinbar – aufgrund der gesellschaftlichen Vorerwartungen – von ihm erwartet wird. Damit möchte der Befragte entweder eine positive Reaktion des Interviewers erhalten, beziehungsweise eine negativ wertende Reaktion vermeiden. Diesem Drang versuchte man mit einer, zwar neutralen, aber dennoch durch „‘weiche‘ Elemente“ geprägten, Interviewführung vorzubeugen. Allerdings muss eine „verzerrte Antwort“ nicht unbedingt vom Beforschten als Lüge empfunden werden, da viele Fragen auch ihren „Gestaltungsraum“ zulassen. Entscheidend war in diesem Kontext auch, wie heikel eine Frage individuell eingeschätzt wurde, denn hier macht sich der Effekt sozialer Erwünschtheit ganz besonders bemerkbar (vgl. Diekmann 2014, 441-446, 448f.): gerade jene Befragte, die sich auch beruflich mit dem Gaskognischen – beziehungsweise mit dem Okzitanischen befassen – empfanden den Ausdruck gascon als heikel und fühlten sich so in einem Rechtfertigungszwang, in dem sie sich dazu angehalten fühlten, die von ihrer Institution vertretene Ansicht zum Ausdruck zu bringen.

Als wesentlicher Faktor kommt bei einem sprachbiographischen Interview auch die individuelle „Erinnerungsleistung“ des Beforschten, bei Fragen bezüglich vergangener Geschehnisse, hinzu (vgl. Diekmann 2014, 445), denn man erhält nun einmal persönliche Deutungen der Vergangenheit und keine – unmöglich zu erbringende – exakte verbale Rekonstruktion der vergangenen Lebenswelt (vgl. Barbarić 2014, 85f.). Die Erinnerungen sind wie jeglicher Versuch einer Rekonstruktion der Vergangenheit „psychologischen Gesetzmäßigkeiten aktiver Informationsverarbeitung“ ausgesetzt, wobei Menschen dazu neigen zurückliegende Ereignisse oder Prozesse in der Vergangenheit mit anderen – für sie relevanten Geschehnissen – zu verknüpfen, um so eine zeitliche Einordnung vornehmen zu können, die aber nicht unbedingt korrekt sein muss, da Erinnerung eben auch immer den Gesetzen der menschlichen Psyche unterliegt: Im Falle eines sprachbiographischen Interviews äußert sich diese Tendenz durch das Erzählen von anderen – für die Biographie des Individuums relevanten Erlebnissen (vgl. Diekmann 2014, 445f.) – sodass die Erzählung gegebenenfalls sehr ausführlich ausfallen konnte, bis die für die Untersuchung relevanten Informationen preisgegeben wurden (vgl. Diekmann 2014, 544).

Als zweiter großer Beeinflussungsfaktor werden zudem Fragemerkmale relevant. Darunter lassen sich etwa Effekte der Frageformulierung fassen, denn in der qualitativen Sozialforschung ist man sich einig, dass bereits „logisch äquivalente Begriffe“ andere Antwortreaktionen hervorrufen können (vgl. Diekmann 2014, 458-464). Dort wo solche aufgetreten waren, wurden diese allerdings bei der Interpretation identifiziert, sodass sich dadurch entstandene Irritationen nicht auf die Daten auswirken konnten.85 Auch etwaige Fragereiheneffekte, wie der „Halo-Effekt“ (vgl. Diekmann 2014, 464-466), wurden – sofern solche überhaupt aufgetreten waren – bei der Interpretation der Daten berücksichtigt.

Als letzten Merkmalskomplex, der zu einer Beeinflussung der Antworten hätten führen können, sind die Eigenschaften der Interviewerin sowie der Erhebungssituation zu nennen (vgl. Diekmann 2014, 447). Da „Interviewermerkmale ohnehin nur dann eine besondere Bedeutung [erlangen], wenn sie sich aufgrund ihrer Verschränkung mit der Forschungsfrage manipulativ auf das Antwortverhalten auswirken“ (vgl. Barbarić 2014, 93), kann diesbezüglich keine größere Beeinträchtigung angenommen werden. Auffallend war jedoch, dass mit der weiblichen, leger gekleideten, deutlich bis entschieden jüngeren und muttersprachlich deutschen Interviewerin, gemäß dieser Eigenschaften umgegangen wurde. Im Gespräch wurden daher immer wieder Bezüge zur deutschen Herkunft der Interviewerin – beispielsweise durch ein Eingehen auf den 2. Weltkrieg – hergestellt. Aufgrund der anderen Herkunft, sowie des jungen Alters – was die Interviewerin theoretisch in die Nähe von Töchtern und Enkelinnen der Befragten rückte – fühlten sich einige der Beforschten auch dazu veranlasst Hintergründe, etwa historischer Natur, ausführlicher darzustellen – auch wenn diese in dieser Form so nicht gefragt worden waren. Allerdings scheint sich die Herstellung eines solchen Bezugs nicht unbedingt negativ auf die Daten ausgewirkt zu haben, da aufgrund der dadurch hergestellten Vertrautheit die Erzählbereitschaft scheinbar sogar gefördert werden konnte. Da die Muttersprache von Befragten und Forscherin ebenfalls nicht dieselbe war, wurde diesbezüglich Rücksicht aufseiten der Befragten genommen. Auffallend oft wurde zudem von den Befragten die Frage gestellt, warum sich die Interviewerin denn überhaupt für den Forschungsgestand interessiere, wenn sie doch nicht aus demselben kulturellen Umfeld stamme.86 Das Interesse wurde allerdings weitestgehend sehr positiv aufgenommen und war überwiegend gesprächsfördernd wahrgenommen worden. Lediglich einmal – vom directeur des IEO Gironde und Aquitaine, CUB10_44m – war das Interesse an der Thematik sehr argwöhnisch in Frage gestellt worden – gerade auch weil es sich dezidiert um eine Arbeit über das Gaskognische handelte: Er vermutete dahinter offensichtlich einen politischen Hintergrund und konnte erst nach einem halbstündigen Gespräch mit der Interviewerin – ohne Diktiergerät – von der politischen Neutralität überzeugt werden. Hier war es daher notwendig gewesen das genaue Forschungsinteresse zu nennen, was sich auf die Präsentation seiner Antworten auswirken konnte, indem er immer wieder dementierte ein Sprachbewahrer zu sein.87 Dieser Umstand war bei der Interpretation des Datenmaterials jedoch berücksichtigt worden.

Außerdem kann sich auch die konkrete Erhebungssituation auf die Qualität der gewonnenen Daten auswirken (vgl. Diekmann 2014, 468): Die Interviews wurden alle auf Französisch durchgeführt, was aber allen Beteiligten entgegenkam, da die Interviewerin selbst nicht Gaskognisch spricht und es sich beim Französischen ohnehin bei fast allen Befragten um die eigentliche Muttersprache handelte. Was die konkrete Erhebungssituation betrifft, so fanden die Interviews teilweise bei den Befragten zuhause, aber auch in den Vereinsräumlichkeiten, beziehungsweise am Arbeitsplatz der Befragten statt. Gerade bei jenen Personen, die in ihrem Arbeitsumfeld, das in allen drei Fällen direkt mit der Minderheitensprache zu tun hatte, interviewt worden waren, wurde die Tendenz festgestellt, dass, aus ihrer Sicht, kritischen Fragen,88 besonders vehement ausgewichen worden war. Allgemein hatte sich außerdem der Umstand, dass die Befragung in Form eines face-to-face-Interviews abgelaufen war, insofern auf die Daten ausgewirkt, als es sich bei einem solchen, um einen „starken Eingriff in die Lebenswelt des Sprechers“ handelt (vgl. Barbarić 2014, 94) und so viele Befragte das Gefühl gehabt haben mussten, aufgrund der weiten Anreise der Fragenstellerin besonders weit ausholen zu müssen. Eine weitere Beeinflussungsquelle stellt zudem die „Anwesenheit Dritter“ dar, da Befragte hier erwiesenermaßen eher dazu neigen Antworten zu geben, die den Ansichten der dritten Person entsprechen (vgl. Diekmann 2014, 468). Eine dritte Person war im Laufe der Erhebung dreimal anwesend89 und so war auch dieser Umstand bei der Interpretation des vorliegenden Datenmaterials im Hinterkopf behalten worden.

Abschließend bleibt anzumerken, dass man sich in der qualitativen Sozialforschung durchaus über den Umstand gewahr ist, dass das Kriterium der Durchführungsobjektivität nicht immer gegeben ist: Denn auch qualitative, problemzentrierte Interviews führen nicht immer zu eindeutigen Interpretationen. Wie bereits zu Beginn des Methodenteils angemerkt, ist der „Prozess der Datengewinnung“ als Vorteil von qualitativen Herangehensweisen zu sehen. Um aber eine Vergleichbarkeit des Datenmaterials zu gewährleisten, empfiehlt Diekmann, sich auch quantitativer Vorgehensweisen bei der Auswertung zu bedienen (vgl. Diekmann 2014, 545-547), was hier in Form eines Fragegerüsts auch geschehen ist, denn laut Diekmann sei es folgendermaßen: „Die Vorzüge qualitativer Erhebungs- und quantitativer Analysemethoden lassen sich mithin durchaus verbinden“ (vgl. Diekmann 2014, 546).

Außerdem hatte es sich bei der Auswertung der Daten zudem als hilfreich erwiesen, Diagramme mit groben Meinungstendenzen der Befragten anzufertigen, um eine leichtere Vergleichbarkeit der Meinungen miteinander zu gewährleisten.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.

3.6. Zugrunde liegendes Transkriptionsprinzip

Um die gewonnenen Daten für eine sprachwissenschaftliche Untersuchung nutzbar machen zu können, ist es von immenser Bedeutung die Aufnahmen zu transkribieren, die Daten also in ein anderes Medium zu überführen. Dabei sollte sich allerdings immer Folgendes vor Augen gehalten werden: Eine „Übertragungsleistung ist immer eine Reduktion.“ (Gerstenberg 2013, 114). Dementsprechend war es wichtig sich, vor dem Hintergrund der gewählten Fragestellung, sinnvolle Transkriptionsprinzipien zu überlegen und diese dann auch transparent für den Leser darzulegen.

Da es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine soziolinguistische Untersuchung handelt, die sich weniger mit phonetischen Merkmalen, als mit den inhaltlichen Aussagen der Befragten beschäftigt, wurde auf eine phonetische Transkription verzichtet.90 

Um den Fokus vor allem auf den Inhalt des Gesagten zu lenken, wurde – sich an anderen sprachbiograpischen Arbeiten orientierend – eine Art und Weise der Transkription gewählt, die im Vergleich zu konversationsanalytischen Arbeiten vereinfacht ist. Jedoch wurde dennoch darauf geachtet, die „Formulierungsarbeit“ der Befragten möglichst nachvollziehbar zu machen, da diese, gerade in Hinblick auf die geleistete Erinnerungsarbeit und die Autoevaluation der eigenen Identität, durchaus eine wichtige Rolle für die spätere Interpretation des Gesagten spielt. Daher wurden die entsprechenden Elemente im Gesprächsverlaufs hervorgehoben (vgl. Gerstenberg 2013, 116f., Miecznikowski 2004, 191).

Die angewandten Transkriptionskonventionen sind dementsprechend die Folgenden:

Tabelle 3: Transkriptionskonventionen
 – Pausen
(.), (..), (…) längere Pausen (je nach Länge Erweiterung um einen Punkt)
(h) Lachen
(x) unverständliches Wort
[ ] nützliche Erklärungen
Großbuchstabe auffällig betont
() abgebrochenes Wort, mit eventueller Ergänzung des möglichen Wortendes
So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.

4. Untersuchungsergebnisse

4.1. Auswertung der Papierfragebögen: außersprachliche Variation91

Von den dreizehn Befragten, die allesamt Sprecher des Gaskognischen sind, waren sieben männlich und sechs weiblich, sodass man von einem relativ ausgewogenen Geschlechterverhältnis sprechen kann.

Den aktuellsten Umfrageergebnissen der région Aquitaine von 2008 entsprechend (vgl. 2009, 8), waren auch bei der hier durchgeführten Untersuchung die meisten Befragten 60 Jahre alt oder älter: neun der Befragten waren zwischen 60-80 Jahre alt, wohingegen die vier jüngeren Befragten 34-44 Jahre alt waren. Letztere Altersgruppe kam in der regionsweiten Umfrage auf lediglich 14% (vgl. 2009, 8), sodass diese in der vorliegenden Untersuchung mehr als doppelt so stark vertreten war.

Abbildung 4: Aktuelle Wohnorte der Befragten

Die Interviews waren alle im näheren Umkreis der Metropolregion Bordeaux geführt worden. Laut Umfragen der Region sind in Gemeinden mit mehr als 30000 Einwohner allerdings nur 12% des Gaskognischen mächtig. Erschwerend kommt hinzu, dass im département Gironde – der die Hauptstadt Bordeaux, der damals noch bestehenden Region Aquitaine, beinhaltet – nur 3% der ansässigen Bevölkerung das Idiom sprechen (vgl. 2009, 7f.). Umso auffälliger ist es daher, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Befragten ursprünglich nicht aus diesem département stammt: Aus der communauté urbaine de Bordeaux, welcher die Großstadt Bordeaux und 27 Vorstädte angehören, stammen lediglich drei der Befragten,92 zwei weitere Personen stammen aus den ländlichen Regionen der Gironde, dem Médoc (CUB09_72f) und aus Libourne (CUB06_36f). Der Rest der neun aktuell in der Metropolregion lebenden Beforschten stammt aus dem Béarn im département Pyrénées-Atlantiques (CUB01_65m, CUB05_65f), aus der limousinischsprachigen Gegend um Périgueux im département Dordogne (CUB04_67m) und aus Mont-de-Marson im département Landes (CUB10_44m). Ein weiterer Sprecher, CUB07_70m, lebte lange in Bordeaux, kam aber ursprünglich aus dem ländlichen Raum der Landes und lebt dort auch seit der Rente wieder. Das Interview fand allerdings nicht am neuen Wohnort Garein, sondern in Bordeaux statt. Wegen seiner langjährigen Prägung durch das Stadtleben, wurde  er in der Untersuchung zur CUB gezählt. Ansonsten wurden drei der Beforschten an ihrem Wohnort, außerhalb der Hauptstadt der Region, befragt: ein aus der Umgebung des Arcachonbeckens stammendes und nach wie vor dort lebendes Paar (LTB01_60m, LTB02_60f) sowie eine Befragte aus Sore, das sich in den Landes befindet (S01_80f). Somit stammen mehr als zwei Drittel der Befragten eigentlich aus dem ländlichen Raum und aus insgesamt vier verschiedenen aquitanischen départements,93 auch wenn neun der dreizehn Befragten aktuell in der Metropolregion leben.

Abbildung 5: Geburtsorte der Befragten

Was die soziale Herkunft betrifft, so fällt auf, dass die Muttersprachler vorwiegend aus dem ruralen, bäuerlichen Milieu stammen.94 Bei Sprechern, die sich die Sprache selbst angeeignet oder diese nur bruchstückhaft im Elternhaus erworben hatten, kamen zwei aus einem maritimen, von der Austernzucht geprägten Milieu,95 eine aus dem ländlichen Raum,96 vier aus Arbeiter- oder Angestelltenfamilien,97 zwei aus Lehrerfamilien98 und einer aus einer „famille de Bourgeois“.99

Die Interviewten gehören ihrem ehemaligen Herkunftsmilieu in der Regel nicht mehr an, was im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tatsache zu stehen scheint, dass viele der Befragten zur Ausübung ihres Berufes in die Umgebung von Bordeaux gezogen sind. Bis auf eine Befragte, S01_80f, die gelernte Bäckerin ist und damit während ihrer beruflichen Karriere Handwerkerin war, handelt es sich hauptsächlich um Akademiker. Auffallend viele von ihnen und damit etwa die Hälfte aller Befragten sind oder waren Lehrer: Es waren zwei Grundschullehrer (CUB01_65m, CUB02_72f) eine Lehrerin für die Sekundarstufe (LTB02_60f), zwei Hochschullehrer (CUB06_36f, CUB07_70m) und ein Lehrer, der Abendsprachkurse gibt und gleichzeitig directeur des IEO Aquitaine ist (CUB10_44m), interviewt worden.100 Der Rest arbeitet oder arbeitete in hohen Verwaltungspositionen (CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB09_72f), die ebenfalls ein Studium erfordern bzw. ist in kreativen oder kulturellen Berufen tätig: Ein Befragter ist Musiker (LTB01_60m), ein anderer  Interviewter Beauftragter für die langues et cultures régionales der Region Aquitaine (CUB08_34m). Diese recht homogene sozioprofessionelle Struktur lässt sich vermutlich durch das angewandte Schneeballprinzip erklären. Man muss sich daher bewusst sein, dass mit dieser Personengruppe ein recht spezifisches Milieu untersucht wird, das in dieser Hinsicht nicht unbedingt die Mehrheitsverhältnisse aus den von der Region durchgeführten Umfragen abbildet.101

Überdurchschnittlich viele der Befragten sind im Vereinsmilieu aktiv, das sich explizit dem Erhalt der gaskognischen Sprache und Kultur verschrieben hat.102 Auch dies ist relativ untypisch für den gemeinen Gaskonophonen: Nur 1,3% der Bevölkerung der Aquitaine sprechen im Rahmen von Vereinen Gaskognisch, bei Festen und ähnlichen Veranstaltungen sind es 3,4% (vgl. 2009, 9).103

Da die Okzitanismusbewegung insbesondere von Akademikern getragen wird, überrascht es auch nicht, dass neun von 13 Personen dieser Bewegung sehr wohlgesonnen, beziehungsweise ein Teil von ihr, sind,104 wohingegen zwei der Beforschten sich eher der gaskognistischen Sicht verbunden fühlen.105 Die restlichen zwei Befragten haben einen neutraleren Blickwinkel auf die kulturellen und politischen Ereignisse, die sich um die langue régionale drehen.106

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.

4.2. Sprachkenntnisse 

Um sich zunächst ein Bild von den Spracherwerbsbedingungen und etwaigen Sprachkenntnissen der Befragten machen zu können, wurden den Befragten drei Fragen gestellt: Zum einen wurde explizit gefragt, welche Sprache beziehungsweise Sprachen sie gesprochen hatten, als sie das schulfähige Alter erreicht hatten. Im Anschluss daran folgte eine Frage zum Erwerbszeitpunkt sowie zu den Erwerbsbedingungen des Gaskognischen und schließlich die Frage, ob die Untersuchten zum Erlernen bzw. zur Vertiefung der Sprachkenntnisse Sprachkurse besucht hatten. Um den Bezug der Sprecher zu ihrer Sprache besser begreifen zu können, wurde zudem bei jenen, die sich das Gaskognische erst später angeeignet hatten, nachgefragt, warum sie sich für die Aneignung dieses Idioms entschieden hatten.107

Drei der Befragten hatten das Gaskognische tatsächlich zur Muttersprache, sodass sie im Folgenden als L1-Sprecher bezeichnet werden können. Gemeinsam ist diesen drei Personen, dass sie allesamt aus dem ländlichen Milieu stammen und das Gaskognische die Sprache der ganzen Familie und des Herkunftsortes war. Mit dem Französischen hatten sie alle schon vorher Kontakt, wenn auch nicht sonderlich viel (vgl. Anhang 4a). Was die Erfahrungen in der Schule mit dem Gaskognischen betrifft, so spricht CUB01_65m von keinerlei negativen Erfahrungen, er sagt aber auch:

Non – j’ai eu la chance que le – l’instituteur à ma petite école parlait un petit peu gascon – il était même bien intégré dans la commune bien qu’il n’y vivait pas – il vivait à [Angabe des genauen Wohnorts] mais sans souci d’intégration […] – à tout le monde – il disait – il parlait un peu en gascon et nous – nous apprenait des chants en gascon – il nous apprenait pas la langue mais il nous apprenait les chants (vgl. CUB01_65m, Anhang 4a).

Ihm scheint also doch klar zu sein, dass es sich dabei nicht um einen selbstverständlichen Umstand handelte.

Ganz anders erging es CUB05_65f, deren Eltern aufgrund eigener negativer Erfahrungen in der Schule darauf beharrten, dass ihre Kinder nur zuhause Gaskognisch, in der Schule aber Französisch sprechen sollten. Die Begründung des Vaters war folgende:

c’est mauvais pour les études – l’école tout ça – donc on fait des – si on peut pas parler des choses par leur mot – comme il faut on peut faire des contresens – faire plein de choses – ‘fin bon – c’était – c’était la justification de mon père (vgl. CUB05_65f, Anhang 4a).

Außerdem betonte sie auch, dass es von Seiten der Schule nicht positiv bewertet wurde, dass die Kinder eine andere Muttersprache hatten. Die Lehrer hatten daher teilweise mit drastischen Maßnahmen auf den Gebrauch des Gaskognischen reagiert:

si l’instit’ – la maîtresse voyait – entendait qu’avec mes frères et mes sœurs on parlait gascon – elle me punissait et c’était pas – c’était pas – et on passait un peu – comme on venait d’un hameau – on passait pour des gens (.) un peu – pas arriérés– mais bon – enfin pas modernes quoi (vgl. CUB05_65f, Anhang 4a).

S01_80f gab dagegen an, sich nicht mehr an ihren Eintritt in die Schule zu erinnern und sagt: „j’ai dû apprendre le français très vite finalement“ (vgl. S01_80f, Anhang 4a). Auf die Frage, ob sie Gaskognischsprachkurse besucht habe, entgegnet dieselbe Sprecherin:

Non – non – non – non – j’ai pas suivi des cours – non – j’ai pas suivi des cours – c’est l’occitan en ce moment-là – les cours – on apprend pas le patois – c’est autre chose (vgl. S01_80f, Anhang 4c).

Die anderen beiden sind dagegen Mitglieder in der association L’Estaca in Pessac, wo sie sich regelmäßig mit der Grammatik und korrekten Schreibweise ihres parler auseinandersetzen, aber auch andere Varietäten des Gaskognischen erlernen.108 Die Befragte CUB05_65f betont aber etwa, dass sich dieses besondere Engagement für das Gaskognische erst wieder seit ihrer Rente eingestellt habe, sonst hätte sie in ihrem Alltag als Berufstätige und Mutter andere Prioritäten gehabt (vgl. CUB05_65f, Anhang 4c, 4e).

Was die anderen Befragten anbelangt, so lässt sich unter diesen eine weitere Aufteilung vornehmen: Prototypisch wäre eine solche in L2A- und L2B-Sprecher möglich, wobei L2A-Sprecher die Kinder der L1-Sprecher-Generation wären. In der Regel waren diesen zumindest passive Sprachkenntnisse vermittelt worden. Später hatten sie dann selbst den Drang dazu verspürt, sich durch Unterricht die Sprache der Eltern anzueignen. L2B-Sprecher sind Sprecher ohne einen wirklichen Bezug zur betroffenen Sprache (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986f.). Strenggenommen war unter den Befragten, kein einziger L2A-Sprecher. Jedoch soll dennoch eine Trennung zwischen jenen vorgenommen werden, die dennoch in irgendeiner Form familiäre Bezüge zum Gaskognischen haben und hatten und denen, bei denen dies gar nicht der Fall ist. Ein solcher Bezug kann durch andere Familienmitglieder, die L1-Sprecher sind oder waren, oder auch eine indirekte Beziehung zum Gaskognischen, die über den Umstand gegeben ist, dass in der Familie des Befragten eine Art francitan gesprochen worden war bzw. immer noch wird, bestehen.109 Die Entscheidung für eine solche Unterscheidung liegt darin begründet, dass sich nach genauerer Auswertung der Interviews die Vermutung ergab, dass durch einen persönlichen und/oder familiären Bezug eine sentimentale Beziehung zum Gaskognischen aufgebaut werden konnte, die einen besonderen Antrieb zur Aneignung des Idioms gegeben zu haben scheint.

In eine solche Zwischenkategorie lässt sich etwa die, aus La Teste-de-Buch stammende, Befragte, LTB02_60f, einordnen. Sie nannte bei ihrer Muttersprache zwar das Französische, sagte aber in ihren weiteren Ausführungen: „il y avait beaucoup de choses que je ne savais pas dire en français – du vocabulaire que je connaissais pas“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a). Auf eine gezieltere Nachfrage hin, ob die Eltern dann nicht doch Gaskognisch gesprochen hätten, antwortete sie: „Oui, enfin, c’était un gascon francisé“, es scheint sich also um eine Form des von Roux-Châteaureynaud beschriebenen francitan gehandelt zu haben (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 982). Das Gaskognische als solches hatte in ihrem Ort keinen positiven Status besessen:

ils disaient que c’était du patois – il fallait pas le parler parce que c’était pas une langue – c’était une espèce de truc – ‘fin – c’était pas bien quoi – c’était pas convenable de parler ça – donc voilà – on l’entendait – on entendait bien qu’il y avait des gens qui parlaient ça – des gens partout – mais nous – les enfants – il fallait pas qu’on parle comme ça – c’était pas bien (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a).

In den weiteren Ausführungen wurde zudem klar, dass sie, im Laufe ihrer Kindheit und Jugend, zahlreiche Negativerfahrungen wegen ihres vermeintlich schlechten Französisch gemacht hatte:

à l’école ça passait pas – ce qu’on disait quoi – ça n’allait pas – ça – n’était pas du français – c’était pas du français – on parlait avec des mots gascons francisés (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a).

Abgesehen davon hatte sie als Kind eine Babysitterin gehabt, die das Gaskognische muttersprachlich gesprochen hatte, weshalb sie die Sprache regelmäßig hören konnte. LTB02_60f gibt deshalb an, dass sie das Gaskognische als Kind auch verstanden hätte: „C’était intégré dans ma tête – ça m’est venu très vite quand j’ai voulu“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4a). Sie erlernte das Gaskognische dann schließlich in ihren frühen Zwanzigern in einem Kurs, den ihr jetziger Mann gab. Sie betonte, dass ihr das Erlernen aber sehr leicht gefallen wäre, da der Grundstock durch ihre Vorkenntnisse schon gegeben gewesen sei. In ihren Ausführungen merkte sie zum Gaskognischen sogar an: „on possédait pas sa langue vraiment – ce qui était mon cas – je le savais bien qu’elle existait“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4b). Auf affektiver Ebene scheint sie das Gaskognische also sogar als ihre eigentliche Muttersprache zu betrachten. Aufgrund der Tatsache, dass sie später ihre Kenntnisse im Selbststudium noch weiter ausbaute und dann als Mitgründerin der Calandreta von La Teste-de-Buch unterrichtete, ist von guten Sprachkenntnissen bei der Befragten auszugehen.

Auch die aus den „quartiers populaires“ Bordeaux‘ stammende CUB02_72f (vgl. CUB02_72f, Anhang 4a) ist in eine solche Zwischenkategorie einzuordnen: Als Muttersprache gibt sie ebenfalls das Französische an, spricht aber später davon, dass sie in Kindheit und Jugendjahren das sogenannte bordeluche gesprochen hatte und nach wie vor „un accent du Sud-Ouest“ besitze:

on utilisait carrément dans la conversation française beaucoup de mots plus ou moins déformés qui arrivaient directement du gascon et puis mon père s’exprimait beaucoup – beaucoup comme ça et avec des expressions et puis j’ai fréquenté quand même des cousines à la campagne – et voilà – ce qui m’a plu (vgl. CUB02_72f, Anhang 4b).

Die Vorwürfe, die ihr deshalb außerhalb der Region gemacht wurden, als sie beruflich wegziehen musste, hatten sie dazu bewogen, sich nach ihrer Rückkehr intensiv dem Erlernen des Gaskognischen zu widmen.110 Aus dem letzten Zitat wird aber auch ersichtlich, dass sie mit dem Gaskognischen in ihrer Kindheit und Jugend nichts Negatives verbunden hatte. Bei genauerem Nachfragen hatte sie angegeben, dass es sich bei den Sprachkompetenzen des Vaters um keine guten gehandelt hätte. Auf dem Fragebogen schrieb sie auch, dass er „pas couramment“ gesprochen habe (vgl. CUB02_72f, Anhang 3). Von mütterlicher Seite hätte sie es aber von den Urgroßeltern aus dem Quercy gelernt. Sie fing vor allem ab dem Jugendalter an es mehr und mehr, damals noch ohne die Hilfe von Sprachkurse zu beherrschen, da sie es mit ihren oben genannten Cousinen sprach. Sie besuchte später Sprachkurse, sodass auch sie an der Calandreta von La Teste-de-Buch unterrichten konnte. Auch bei ihr ist daher von einem höheren Sprachniveau auszugehen.

Neben dieser explizit familiären Überlieferung des Gaskognischen auf die eine oder andere Art und Weise, gab es auch Befragte, die das Idiom über ihr unmittelbares Umfeld, also die Nachbarschaft oder „‚anciens‘ du village“ bzw. Freunde und Bekanntschaften gelernt hatten.111 Dies betraf bei der durchgeführten Umfrage zwei Personen. Auf die gesamte Region gesehen, ging man von 15% unter den Sprechern aus, die ihr Idiom so erlernt hatten (vgl. 2009, 13).

Auch der aus dem département Landes stammende CUB07_70m, der das Gaskognische erst später erlernte, kann auf erste Begnungen mit dem Gaskognischen in seiner Kindheit zurückblicken. Diese haben das Erlernen des Idioms begünstigt. Im Elternhaus hatte auch er eine Art francitan gehört, was er aber ebenfalls nicht als solches bezeichnete:

il y avait des choses qu’ils disaient en gascon mais c’étaient toujours des espèces de citations – alors parce que le mot n’existait pas en français ou l’expression parce que c’était pittoresque. [Beispiele] C’était quand même un mélange des langues – non seulement dans les mots mais la syntaxe – une valorisation de certaines formes dans la syntaxe y compris une valorisation de certaines formes de syntaxe gasconne (vgl. CUB07_70m, Anhang 4a).

Entgegen der in der okzitanistisch geprägten Forschungsliteratur stetig wiederholten Ansicht, dass das Gaskognische in seiner Generation nicht gewürdigt worden wäre (vgl. Milhé 2010, 14), berichtet er von folgender Kindheitserinnerung:

À l’école – on nous faisait chanter en gascon [Präzisierung] Nous avons commencé par lire le texte et il y avait des expressions dont je me souviens encore […] et moi j’avais pas compris – j’étais vexé comme tout – je connaissais pas le terme et j’étais vexé – on dit toujours l’inverse – qu’on a honte de parler gascon – moi – je suis convaincu du contraire – c’était – ‘fin chez moi – ‘fin dans l’école chez moi – c’était très valorisé au contraire (vgl. CUB07_70m, Anhang 4a).

Die Tatsache, dass dieser Sprecher den anderen Schülern in seiner Gaskognischkompetenz unterlegen war, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass seine Eltern, als Lehrer, weniger in der ländlichen Lebenswelt verwurzelt waren, als die der anderen (vgl. CUB07_70m, Anhang 3). Die Aneignung hatte bei ihm mitunter identitäre Gründe: „j’ai toujours revendiqué d’être Landais“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4b). Abgesehen davon gibt er als ehemaliger militant der 68er Generation an, dass er auch politische, linguistische und berufliche Gründe für das Erlernen gegeben hätte. Letzteres erklärt sich aus seinem Beruf als emeritierter Professor für Anthropologie, wo das Gaskognische ihm bei der Feldforschung auf dem Land von Nutzen gewesen war. Den Besuch von Sprachkursen lehnte er dagegen ab. Er eignete es sich „en parlant“ mit Leuten auf dem Land an (vgl. CUB07_70m, Anhang 4b, 4c). CUB07_70m hatte sie  dazu ermutigt ihn auf Gaskognisch anzusprechen, sodass er es nun „tant bien que mal“ spräche (vgl. CUB07_70m, Anhang 4n). Er könne es zudem schreiben. Allerdings verschriftliche man es laut ihm so, wie man es ausspreche – was zeigt, dass er bezüglich der Schreibung keinen okzitanistischen Blickwinkel vertritt.

Der französische Muttersprachler LTB01_60m hatte wie seine Frau LTB02_60f einen gaskognophonen Babysitter. Dazu kommt die Tatsache, dass seine Großeltern bestimmte gaskognische Ausdrücke verwendeten und der Umstand, dass er vom 9. bis zu seinem 13. Lebensjahr die Ferien bei Freunden seiner Eltern in den Landes verbrachte, wo er sich in einem „milieu (.) gasconophone“ befunden hatte. Er beschrieb den Erwerb der Sprache unter diesen Bedingungen folgendermaßen:

Donc – j’étais baigné dans ce contexte linguistique – et j’ai fini par l’apprendre comme ça – voilà – tout simplement (vgl. LTB01_60m, Anhang 4b).

Der Auslöser, sich das Gaskognische und damit auch sämtliche sprachgeschichtliche Informationen in autodidaktischer Manier anzueignen, war der karrieretechnisch bedingte Weggang nach Paris, wo sich die Menschen über seinen Akzent lustig gemacht hatten:

ça m’a fait prendre conscience d’une – que j’avais une identité différente et donc je l’ai reliée à la langue et après j’ai essayé de comprendre d’où venait cette langue (vgl. LTB01_60m, Anhang 4b).

Diese Selbstaneignung der Sprache ging soweit, dass er selbst, in jungen Jahren, dazu fähig war Sprachkurse zu geben und die erste Calandreta in La Teste-de-Buch zu gründen, sodass davon auszugehen ist, dass sein Sprachniveau relativ hoch ist.

Andere Befragte haben dagegen die Möglichkeit genutzt, freiwillige Sprachkurse im Erwachsenenalter zu besuchen. In den Umfragen hatte dies, mit einem Anteil von 2%, nur bei einem sehr kleinen Teil der Sprecher zugetroffen (vgl. 2009, 13). Sprecher mit diesem Lernhintergrund waren daher, mit drei von dreizehn Befragten, überrepräsentiert.112

Die im Médoc geborene CUB09_72f hatte schon familiäre Bezüge zum Gaskognischen gehabt, da sie die Unterhaltungen ihrer Großmutter mit den Urgroßeltern in ihrer Kindheit und Jugend gehört hat. Ihre Mutter verstand es, jedoch stellte sie im Gespräch fest: „elle parlait pas mais souvent on avait des expressions qu’elle disait“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b), an sie selbst hatte man das Gaskognische nicht weitergegeben. Laut eigener Aussage hatte sie, durch die Heirat mit ihrem Mann, auch ihr restliches Leben keinen Kontakt mehr zum Gaskognischen gehabt, auch wenn sie immer wieder daran zurückgedacht hatte. Den ausschlaggebenden Moment sich vor 15 Jahren, im späten Erwachsenenalter, an eine Wiederaneignung der Sprache zu machen, beschreibt sie folgendermaßen:

Étrangement quand ma mère était morte – j’ai eu un besoin de reparler cette langue parce qu’il me manquait quelque chose – j’avais plus ma mère qui me faisait le lien – je pense que ça devrait être ça qui faisait le lien avec le passé gascon parce qu’elle – elle connaissait tout ça (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b).

In der Folgezeit wollte sie es dann ernsthaft erlernen. Sie besuchte ab dem Alter von etwa 62 Jahren Kurse, die sie aber vor allem hinsichtlich der „ambiance“ als besuchenswert empfand.113 Außerdem hatte sie während des Unterrichts durch die dadurch geweckten Erinnerungen das Gefühl, ihre Urgroßmutter wieder sprechen zu hören. In ihrem Fall ist besonders hervorzuheben, dass sie offensichtlich mit dem „revenir au gascon“ auch ein Zurückkehren zur gaskognischen Kultur verbindet, da sie nach dem Erzählen von ihren Sprachkursbesuchen auch darauf eingeht, dass sie nach dem Kennenlernen der association L‘Estaca auch Tanzkurse besucht und Musikunterricht genommen hätte. Sie stellt den für sie bestehenden Zusammenhang durch die Aussage „voilà, donc je suis venue comme ça au gascon“ her (vgl. CUB09_72f, Anhang 4b). Die Erfolge ihrer Unterrichtsbesuche beschränken sich darauf, dass sie im Grund nur gerne Gaskognisch sprechen würde. Ihr Niveau sei aktuell noch nicht sehr hoch (vgl. CUB09_72f, Anhang 4s).

Die restlichen Befragten könnte man dagegen tatsächlich als néolocuteurs – beziehungsweise Angehörige der Gruppe L2B – bezeichnen. Allerdings lassen sich auch hier unterschiedliche Bezüge der Betroffenen zum Gaskognischen und unterschiedliche Erwerbsgeschichten feststellen. Bei den ersten beiden Beispielen handelt es sich um Personen, die das Gaskognische auf freiwilliger Basis in Abendkursen erworben haben:

Die beiden am IEO Aquitaine tätigen männlichen Befragten CUB04_67m und CUB03_42m bezeichnen das Französische beide als ihre Muttersprache, geben aber an, in ihrer Kindheit mit dem Okzitanischen und laut eigener Aussage – mit anderen Varietäten des Okzitanischen – in Kontakt gekommen zu sein, jedoch nicht mit dem Gaskognischen an sich. Die Großmutter von CUB03_42m war Languedocienne und sprach Okzitanisch mit seinem Urgroßvater, weshalb er im Interview sagte, als Kind passive Sprachkenntnisse gehabt zu haben. Als Gründe für den Spracherwerb gab er an, die Sprache seiner Großmutter lernen zu wollen, sagt aber auch: „ma famille – elle parle pas gascon“ (vgl. CUB03_42f, Anhang 4b). CUB04_67m kannte das limousin, da er im Limousin aufgewachsen ist, geht allerdings nicht auf spezielle familiäre Bezüge dazu ein. Er gibt an das Gaskognische, ab dem Alter von 57 Jahren, aus Interesse an der okzitanischen Sprache gelernt zu haben. Außerdem habe der geographische Bezug zum Gaskognischen eine Rolle gespielt: „je vis à Bordeaux – je voulais apprendre le dialecte de Bordeaux“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4b). Da beide im Rahmen ihrer Vereinsarbeit mit dem Gaskognischen zu tun haben, ist von einer passablen Sprachkompetenz auszugehen, die aber möglicherweise unter derer der Befragten liegt, die das Gaskognische tatsächlich selbst unterrichten.

Zwei der Befragten hatten das Gaskognische in der Schule gelernt. Diese Art des Spracherwerbs war bei den regionsweiten Umfragen auf einen Wert von 6% gekommen (vgl. 2009, 13), sodass auch hier festgestellt werden kann, dass überdurchschnittlich viele Befragte bei der durchgeführten Umfrage einen Sonderweg eingeschlagen haben.

Ein Beispiel für einen solchen Fall war die Okzitanischdozentin an der Université Bordeaux Montaigne, CUB06_36f. Auch sie gab das Französische als Muttersprache an. Sie hatte das Schulfach Okzitanisch durch Zufall an der Schule gewählt, ohne wirklich zu wissen, um was es sich dabei überhaupt handelte. Im Nachhinein stellte sie dann aber doch einen sentimentalen Bezug zu ihrer eigenen Familie her:

J’étais élevée par mes grand-mères et  mes arrière-grands-mères souvent qui elles parlaient l’occitan – mais on m’a pas transmis et on m’a jamais expliqué ce que c’était cette langue. […] et en fait – au premier cours – j’ai fait le lien entre la langue que j’ai entendu pendant mon enfance et la langue que j’apprenais (vgl. CUB06_36f, Anhang 4b).

Obwohl sie ihre Groß- und Urgroßmütter „occitan“ hatte sprechen hören,114 hatte sie es selbst nicht verstanden. Seit ihren ersten Unterrichtsstunden war ihre Begeisterung derart groß, dass sie die Sprache zu ihrem Beruf machte. Auch wenn sie betont, dass Französisch, ihre Muttersprache, ihr Kommunikationsmittel für „des choses intimes“ wäre (vgl. CUB06_36f, Anhang 4s), so scheint ihre Sprachkompetenz des Gaskognischen doch relativ hoch zu sein.

Auch der chargé de mission langues et cultures régionales der région Aquitaine, CUB08_34m, hatte Okzitanisch im lycée gewählt, ohne vorab zu wissen, worum es sich dabei überhaupt handelte. Er hatte ähnlich wie CUB06_36f danach die Sprache studiert und zu seinem Beruf gemacht. In der Familie hatte er wenig bis gar keinen Bezug zum Gaskognischen, da er laut eigener Aussage in einem „milieu très urbain de la banlieue bordelaise“, in Bruges, aufgewachsen war und keiner seiner Elternteile Kontakt zur Sprache gehabt hatte. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sein Vater Spanier ist. Die Wahl des Okzitanischen sei auf „des difficultés scolaires“ zurückzuführen gewesen, da er deswegen in der première eine nouvelle option hatte wählen müssen (vgl. CUB08_34m, Anhang 4b). Erst wesentlich später stellte er den familiären Bezug her:

c’est après que j’ai des oncles qui m’ont dit – mais en fait – oui – moi – je parle un peu le patois et c’est là où j’ai fait le lien (vgl. CUB08_34m, Anhang 4b).

Da der Sprecher es fern von jeglicher familiärer Verbindung gelernt hatte, wurde des Weiteren eine genauere Erklärung verlangt, welche lokale Variante er gelernt hatte. In der Tat hatte er zunächst das languedocien erlernt und sich erst später, im Rahmen seiner licence in Montpellier, freiwillig für das Erlernen eines „occitan gascon – un occitan qui soit celui de Bordeaux en tout cas – du Nord de la Gascogne“ entschieden (vgl. CUB08_34m, Anhang 4c). Aufgrund seines Studiums und seiner ehemaligen Tätigkeit als Lehrer an der Calandreta von Pessac ist von einer guten Sprachkompetenz auszugehen, allerdings betont er an anderer Stelle im Interview, dass er das Französische, als Muttersprache, natürlich besser beherrschen würde (vgl. CUB08_34m, Anhang 4s).

Als biographischer Sonderfall ist die Spracherwerbsgeschichte von CUB10_44m zu betrachten, der seine Liebe zum Okzitanischen115 mit seinem „attachement à l’idenité landaise“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4b) begründet und die Situation selbst folgendermaßen umschreibt:

Les néo-locuteurs jeunes qui ont plus aucun contact avec la langue – moi – j’en fais partie – ma langue maternelle – c’est le français – je suis né à Mont-de-Marsan – ma famille est en partie landaise – je suis un vrai Occitan – génétiquement – je suis issu d’une famille de Bourgeois – je suis pas du tout – je suis le contraire d’[CUB01_65m] à l’origine – toute ma famille – ce sont des Bourgeois c’est-à-dire je n’en ai aucun de mes grands-parents qui parlaient patois – ma grand-mère paternelle qui est la vraie Landaise de souche – sa langue maternelle était le français – c’est-à-dire que le français était déjà présent dans ma famille au XIXe siècle (vgl. CUB10_44m, Anhang 4a).

Dennoch verspürte er, aufgrund seiner geographischen Herkunft und vor allem durch die Lektüre okzitanischer Literatur, das Bedürfnis sich die Sprache anzueignen, sodass er im Anschluss begann, sich, in autodidaktischer Manier, mit dem Okzitanischen auseinanderzusetzen:

Je me suis posé la question que tout le monde se pose au début – c’est quelle forme d’occitan que je vais apprendre – alors je me suis dit – alors je vais apprendre un occitan local (vgl. CUB10_44m, Anhang 4b).

Er entschied sich nach intensiver Auseinandersetzung für den parler noir, der in den Landes gesprochen wird, und beschäftigte sich selbst so intensiv im Selbststudium damit, dass er sich für nahezu zweisprachig hält. Diese Autoevaluation scheint aufgrund der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen Lehrer für Abendsprachkurse und den directeur de l’IEO Aquitaine handelt, durchaus der Realität zu entsprechen.

Abbildung 6: Sprachkompetenz der Befragten

Abschließend gilt es also festzustellen, dass etwa neun der 13 Befragten gute bis muttersprachliche Sprachkenntnisse haben. Die Sprachkenntnisse von zwei der weiteren Befragten scheinen auch passabel zu sein.116 Zwei der Befragten geben allerdings zu, dass ihre Sprachkompetenz relativ beschränkt ist.

Die bereits in regionalen Umfragen angesprochenen Erwerbsgelegenheiten sind auch bei den Beforschten dieser Umfrage ausgeschöpft worden.

Abbildung 7: Wie wurde das Gaskognische durch die Befragten erworben?

Neben dem Erwerb in der Familie, der drei Mal auf muttersprachlichem Niveau erfolgte und zwei der Befragten eine reiche Grundlage für einen späteren Aneignungsprozess lieferte, wurde auch das Erlangen von Sprechfertigkeiten über das ländliche Umfeld und Freunde zweimal genutzt. Außerdem erwarben je zwei der Befragten das Idiom in der Schule, beziehungsweise in freiwilligen Abendsprachkursen für Erwachsene. Ein Sprecher schlug mit einem Selbststudium über die Troubardourlyrik und Sprachatlanten einen sehr ungewöhnlichen Weg des Spracherwerbs ein.

Bei jenen Sprechern, die keine Muttersprachler sind, ist es zudem auffällig, dass viele trotzdem einen direkten familiären Bezug zum Gaskognischen besitzen, der sie dazu bewogen hatte, sich das Gaskognische anzueignen. Außerdem spielt auch die Herkunft aus der Gascogne mehrere Male eine Rolle, da sich einige der Beforschten nach Aufenthalten außerhalb der Region über ihre andere regionale Identität bewusst geworden waren und dies ebenfalls zum Anlass für das Erlernen der Sprache der Region genommen hatten. Für Sprecher, die keinen direkten familiären Bezug zum Gaskognischen an sich haben, schien die Tatsache, dass sie Kontakte zu anderen Varietäten des Okzitanischen haben und hatten ebenfalls eine begünstigende Rolle gespielt zu haben. Außerdem zeigte sich auch, dass das Erlernen des Gaskognischen zum Teil als Integrationsmöglichkeit begriffen wurde, was der Forderung der Okzitanisten vom droit du sol entspricht (vgl. Milhé 2007, 99) Das Idiom wurde jedoch gerade von den beiden Sprechern, die das Gaskognische zu Schulzeiten erworben hatten, vollkommen unbewusst ausgewählt, sodass man hier im Grunde nur von Zufall sprechen kann.

Was die Erwerbszeitpunkte betrifft, so handelt es sich bei drei der Sprecher um die Muttersprache, zwei der Sprecher erlernten die Sprache durch Reisen im Jugendalter, andere im früheren Jugendalter, im Berufsleben oder fast bzw. im Rentenalter. Unter den Befragten war zudem die Dichte derer, die Sprachkurse besucht hatten, überdurchschnittlich hoch. Sogar zwei der drei Muttersprachler besuchen Sprachkurse, um den Anforderungen auch im Schriftsprachgebrauch gewachsen zu sein und um andere regionale Varianten des Gaskognischen zu erlernen. Von den restlichen zehn Sprechern, haben sieben Sprachkurse besucht. Bei den übrigen drei Befragten ist, durch den autodidaktischen Erwerb und die Beschäftigung mit gaskognischer Literatur und Lehrwerken, von einem sehr verschulten Erwerb auszugehen.117

Abbildung 8: Besuch von Gaskognischunterricht durch die Befragten

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.

4.3. Sprachgebrauch

Um etwas über den Sprachgebrauch der Beforschten zu erfahren, sollte exemplarisch festgestellt werden mit wem diese Gaskognisch sprechen.118

Abbildung 9: Mit wem sprechen die Befragten Gaskognisch?

Auffällig war zunächst, dass innerhalb der Familie oder mit dem Lebenspartner kaum Gaskognisch gesprochen zu werden scheint. Erstaunlich ist, dass sogar jene, die später die Frage, ob sie mit ihren Kindern Gaskognisch sprechen mit Ja beantwortet haben, dies im Rahmen dieser Frage nicht angegeben hatten.

Das in La-Teste-de-Buch lebende Paar, LTB01_60m und LTB02_60f, erläutert außerdem, dass sie eigentlich nur in sehr außergewöhnlichen Situationen Gaskognisch miteinander sprechen: etwa wenn es im Ausland darum geht nicht als Franzose erkannt und verstanden zu werden. LTB01_60m, der überhaupt erst erwähnt hatte, dass er auch mit seiner Frau Gaskognisch spricht, nachdem gezielt noch einmal danach gefragt wurde, sagt etwa: „En définitif, on parle plus en gascon presque à l’étranger – actuellement – que chez nous en France“ (vgl. LTB01_60m, Anhang 4d).

Ansonsten sprechen vor allem die L1-Sprecher das Gaskognische noch in irgendeiner Form innerhalb der Familie oder in der Nachbarschaft. Die Rolle des Gesprächspartners übernehmen allerdings keinesfalls die Lebensgefährten oder Kinder, sondern vielmehr die Geschwister, mit denen von Kindesbeinen an in diesem Idiom kommuniziert wurde. CUB01_65m gibt etwa an noch mit einer seiner Schwestern und seinem Nachbarn von gegenüber Gaskognisch zu sprechen. CUB05_65f nennt als Gesprächspartner innerhalb der Familie ihre Schwestern:

avec – maintenant avec mes sœurs – elles – elles sont restées dans le Béarn donc – bon beh – je leur téléphone (vgl. CUB05_65f, Anhang 4d).

Faktisch hat sie also auch keinen regelmäßigen Kontakt zum Gaskognischen zuhause. Sie fügt zudem hinzu, dass sie mit ihrem Ehemann kein Gaskognisch spricht mit der Begründung, dass „il connaît le gascon – mais lui – il voit pas l’intérêt“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4d).

Die in den Landes gebliebene S01_80f spricht dagegen von einem Aussterben der Sprecher. Sie spricht noch mit „[son] frère – quelques amis encore“ (vgl. S01_80f, Anhang 4d). Die Familie würde zwar über passive Kenntnisse verfügen, aber da man es nicht anders machen könne, würde Französisch gesprochen werden. Sie hob außerdem hervor, dass sie früher innerhalb des Dorfes, Sore in den Landes, mehr Gaskognisch gesprochen hätte, was wegen dem stetigen Zuzug von Personen nun nicht mehr möglich wäre:

parce qu’autrefois on parlait tous patois – le gascon – maintenant – c’est plus possible parce qu’on a plus de gens qui arrivent d’ailleurs – qui – des Parisiens – de partout – alors – ces gens-là (..) essayent de chercher quelques mots – mais bon – c’est pas facile – là maintenant – trop tard – c’est surtout avec les gens de mon âge quoi (vgl. S01_80f, Anhang 4d).

Aus der jüngeren Generation hob CUB06_36f die Kommunikationssituation innerhalb ihrer Familie  hervor, die sie als bedauernswert betrachtet, da sie sehr gerne mit ihrem Vater Gaskognisch sprechen würde, dies aber nicht kann:

j’aurais bien aimé le parler avec mon père mais mon père [x] lui – savait que c’était le patois – lui – il appelle ça le patois mais on lui a pas transmis non plus – par contre – il le comprend de façon naturelle – de temps en temps on échange quelques expressions pour montrer que – comment dire – qu’on appartient à une même culture mais malheureusement je peux pas tenir une conversation avec mon père parce qu’il sait pas – il n’est pas bilingue – voilà (vgl. CUB06_36f, Anhang 4d).

Ansonsten gibt auch der jüngste Befragte, CUB08_34m, an, mit seiner Lebensgefährtin, welche aus der zone languedocienne, aus Montpellier, stammt, occitan zu sprechen.119

Darüber hinaus würden sieben Personen beruflich Gaskognisch sprechen: CUB08_34m spricht es im Rahmen seiner missions, als Beauftragter der Region Aquitaine für Regionalsprachen und Minderheitenkulturen. CUB06_36f und CUB10_44m sprechen mit ihren Schülern, beziehungsweise Studenten, denen sie die Sprache vermitteln. Auch der ehemalige Grundschullehrer CUB01_65m gibt an, bei verschiedenen associations, im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, regelmäßig Animationen für Kinder in den Schulen durchzuführen, um sie für die Sprache und Kultur zu begeistern, wo er dann auch Gaskognisch mit den Kindern sprechen. Auch LTB02_60f, die früher als Lehrerin tätig war und an der Calandreta in La Teste-de-Buch unterrichtet hatte, sprach bei dieser Gelegenheit mit den Schülern. Sie hatte daduch wesentlich häufiger die Gelegenheit Gaskognisch zu sprechen, als dies jetzt der Fall ist.120 Mit den Arbeitskollegen sprechen zudem die ehrenamtlich am IEO Aquitaine tätigen Befragten CUB04_67m und CUB03_42m.

Ansonsten scheint sich der Großteil der Kommunikation der Befragten im assoziativen Milieu abszuspielen, was nicht zuletzt daran liegt, dass viele der Befragten sich als militant für die Sprache – Okzitanisch beziehungsweise Gaskognisch – betrachten, was sich in den Interviews später noch herausstellen sollte.121

Aktiv in ein assoziatives Netz integriert sind CUB01_65m, CUB05_65f, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB09_72f und CUB10_44m, welche auch alle angeben im Rahmen dieses Milieus das Gaskognische zu praktizieren. Daraus zurückgezogen hat sich das Paar, LTB01_60m und LTB02_60f: sie waren früher selbst militants und pflegen auch heute noch freundschaftlichen Kontakt zu Leuten, die sich explizit mit dem gascon, nicht dem occitan, beschäftigen und kommunizieren auch mit diesen auf Gaskognisch.

Teilweise werden das Engagement und die dadurch geschaffenen Kommunikationsmöglichkeiten mit Stolz hervorgehoben, so etwa von CUB01_65m, der betont, dass er so „presque tous les jours“ occitan sprechen würde (vgl. CUB01_65m, Anhang 4d).122

Schwierig ist es in diesem Zusammenhang Angaben wie „quelques amis“ zuzuordnen,123 da daraus nicht klar ersichtlich wird, ob diese Freunde Teil des assoziativen Milieus sind oder nicht. In einigen Fällen scheint dies durchaus der Fall zu sein: Einige – stark ins Vereinsleben integrierte – Befragte bezeichnen zum Beispiel auch die anderen Vereinsmitglieder als „les amis [du cercle occitan]“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4d).

Etwas atypisch war außerdem die Aussage des befragten Anthropologen CUB07_70m, da diese doch etwas, in Richtung soziale Erwünschtheit, verzerrt wirkt:

Mais – comme j’habite à la campagne à Garein – j’habite – je parle gascon avec des gens s’ils me parlent en gascon.[Avec tout le monde ?] Oui – tout le monde – oui – ‘fin – tous  les gens – ‘fin pas les gosses – les enfants – mais je discute pas avec des enfants – je discute avec des adultes (vgl. CUB07_70m, Anhang 4d).

Später soll derselbe Befragte das Gakognische zudem als „langue des gens“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4l), also als Sprache des Volkes – der einfachen Leute allgemein – bezeichnen, eine Ansicht, die vor dem Hintergrund des Zustands des, stark vom Aussterben bedrohten, Idioms, doch als recht ungewöhnlich zu betrachten zu sein scheint – aber wohl an der Auffassung der locuteurs naturels orientiert ist, die nicht im okzitanistischen Milieu aktiv sind (vgl. Milhé 2011, 23). Im Schaubild wurde seine Angabe daher, als ein Sprechen mit Freunden und Nachbarn interpretiert.

Eine – in Bezug auf die Untersuchung auf eine Tendenz zum Erinnerungsdialekt hin – wertvolle Antwort war jene von CUB09_72f, die erst später zugab eigentlich nicht wirklich gut zu sprechen: „on aimerait bien savoir parler bien gascon“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4s). Denn auf die Frage nach den Gesprächspartnern antwortet sie zunächst mit einem „entre nous“, womit Personen aus dem Vereinsmilieu gemeint sind, die sie speziell für das Praktizieren der gaskognischen Sprache und Kultur aufsucht:

‘fin, il y a des – ‘fin on parle entre nous – beh, c’est embêtant qu’on parle tellement mais en fait autour de cette langue, il y a quand même une culture – c’est la culture aussi qui est intéressante – même s’il y a des gens – par exemple à la danse – il y a des gens qui parlent pas le gascon – il y en a que oui, il y en a que non – mais il y a un esprit – que disons – on trouve un certain esprit – voilà (vgl. CUB09_72f, Anhang 4d).

Diese Präzisierung, die erst nach einer gezielten Nachfrage gegeben wurde, liefert ein Indiz darauf, dass die vermeintliche Vitalität des Idioms von einigen Sprechern doch etwas romantisiert zu werden scheint, denn bei den Veranstaltungen scheint es mehr um das Zelebrieren einer gemeinsamen Kultur, als um das Sprechen des Gaskognischen zu gehen. Bei der Kommunikation wird aus pragmatischen Gründen auf das Französische zurückgegriffen, sofern Leute anwesend sind, die Gaskognisch weniger gut sprechen.

Da durch das Schneeballprinzip hauptsächlich Sprecher gewonnen wurden, die stark im milieu associatif tätig sind, beziehungsweise teilweise sogar beruflich Kontakt mit dem Gaskognischen haben, bleibt anzumerken, dass die hier gewonnen Ergebnisse durchaus nicht verwunderlich sind. Die Anzahl jener, die auf Gaskognisch mit Kontakten aus diesem Umfeld kommunizieren, ist im Vergleich mit den Angaben der gesamten Befragten in der Region Aquitaine deutlich erhöht. Dort machten jene, die beruflich auf Gaskognisch kommunizieren nur 1% aller Befragten aus. Gesprächspartner, die eigens zum Praktizieren des Gaskognischen aufgesucht werden, hatten auch nur 4% der Sprecher (vgl. 2009, 9).

Aufgrund der expliziten Frage nach dem Sprechen von gascon, gab dies bei manchen Anstoß zu einer Rechtfertigung des eigenen parler oder einer Umbenennung des gesprochenen Idioms in occitan.  An dieser Stelle wurde auch von manchen Beforschten auf die geographische Reichweite des gesprochenen Idioms hingewiesen. Man könne, laut CUB10_44m, theoretisch mit Leuten aus dem Limousin, aus dem Sprachgebiet des languedociens und sogar aus Katalonien sprechen. LTB02_60f bekräftigt Letzteres dadurch, dass sie angab mit ihrer copine catalane immer Gaskognisch zu sprechen, wohingegen diese in ihrer Muttersprache Katalanisch spricht.

Dies kann auch in Verbindung mit dem von Roux-Châteaureynaud angesprochenen Phänomen betrachtet werden, nachdem es ein großes Problem des „occitan en Aquitaine“ sei, dass sich die L1-Sprecher weigern würden mit den L2-Sprechern zu sprechen, da deren Sprache für sie extrem künstlich wäre (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 988). An anderer Stelle hob LTB02_60f genau das hervor:

il y a des gens avec lesquels ça me fait pas plaisir de parler gascon quoi – parce que souvent ce sont des gens qui ont appris le gascon que dans les livres et donc c’est un gascon très artificiel qu’ils parlent et ça me dérange de parler avec eux – ça me dérange et on sent tout de suite d’ailleurs qu’ils ont appris dans les livres (vgl. LTB02_60f, Anhang 4s).

Sie spricht daher lieber mit einer katalanischen Muttersprachlerin, als mit den néolocuteurs ihres Idioms.

Diese Ansicht wurde von den anderen Befragten allerdings nicht geäußert, was nicht zuletzt auf die offene Einstellung der meisten Befragten, die in okzitanistischen Vereinen tätig sind, zurückzuführen zu sein scheint. Da gerade die Mitglieder, die im Rahmen des cercle occitan in Pessac aktiv sind, viel mit jüngeren Sprechern und insbesondere mit den Kindern aus der Calandreta zu tun haben, ist bei diesen von einem solchen Hindernis eher weniger auszugehen.124

Bei der Auswertung war außerdem auffällig gewesen, dass sich eine Unterteilung der Sprecher ausgehend von ihrem persönlichen Engagement vornehmen lässt, die diese in ihrem Alltag für den Erhalt der Sprache zeigen. Denn de facto befinden sich alle Sprecher in einem weitestgehend durch das Französische dominierte sozialen Umfeld und müssen aufgrund der extrem minoritären Lage der Sprache nach Gelegenheiten suchen, um überhaupt Gaskognisch sprechen zu können: Befragte, die sich aktuell für den Erhalt des Gaskognischen – insbesondere innerhalb des okzitanistischen Milieus – engagieren, verwenden das Idiom auch im Umgang mit einem größeren Personenkreis.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.

4.4. Transmission

Im weiteren Verlauf des Interviews ging es dann um die Weitergabe des Gaskognischen an die nachfolgende Generation, da die Transmission der Minderheitensprache nicht nur ihren Erhalt sichert, sondern auch ein Indiz für ihre Vitalität sein kann. Daher wurde sich nach der Weitergabe des Gaskognischen an die eigenen Kinder erkundigt und außerdem nach grundsätzlichen Einstellungen zum Gaskognischsprechen mit Kindern, sowie etwaigen Vor- und Nachteilen gefragt, die sich daraus ergeben könnten.125 Ziel war es also festzustellen, ob die prinzipiell guten oder schlechten Einstellungen zu einer etwaigen Transmission auch umgesetzt werden beziehungsweise in die Tat umgesetzt worden waren.

Mittels des Fragebogens und dem Stellen von Filterfragen war vorab festgestellt worden, dass von den dreizehn Befragten neun Kinder und drei bereits Enkelkinder haben.126 Davon sprechen zwei aktuell mit ihren Kindern auf Gaskognisch, zwei weitere hatten dies getan, als ihre gemeinsame Tochter noch Kind beziehungsweise Jugendliche war. Die restlichen Sprecher sprechen gar nicht oder nur in Form von wenigen gaskognischen Ausdrücken mit ihren Kindern. Letztere scheinen daher mehr der Illustration als einer tatsächlichen Kommunikation zu dienen. Die langue de communication ist das Französische.

Abbildung 10: Transmission an Kinder und Enkelkinder

Bei den beiden Befragten, die sowohl Kinder als auch Enkelkinder haben, lässt sich im Übergang von der Kinder- zur Enkelgeneration, ein Unterschied hinsichtlich der Sprachkenntnisse feststellen. Auf die Frage, ob eine der Befragten, S01_80f, mit ihrer Tochter Gaskognisch spräche, antwortete diese „ah non – jamais“ und unterstreicht, dass das sowohl für ihre Tochter, als auch für ihre Enkelin undenkbar wäre: „je pense que ça les lasse“. Ihre Tochter verstehe das Gaskognische zwar, spreche es aber nicht und habe es auch als Kind nicht sprechen wollen (vgl. S01_80f, Anhang 4e). Ihre Enkeltochter verstehe das Gaskognische bereits nicht mehr und habe auch kein Interesse daran.127 Auf die Aussage „bon, dommage“ entgegnete sie deshalb: „ah oui, c’est dommage – mais comment il faut qu’on fasse – quand ça les intéresse pas“ (vgl. S01_80f, Anhang 4h).

CUB09_72f berichtet dagegen davon zu ihren Kindern, als diese noch klein waren, immer wieder „des expressions comme ça“ gesagt zu haben, an die sich diese immer noch zu erinnern scheinen. Ihre Enkeltochter nimmt sie auch zu traditionellen Tanzveranstaltungen, auf denen auch Gaskognisch gesprochen wird, mit, weshalb sie auch einiges zu verstehen scheint. Allerdings kann hier von einer richtigen Transmission der Sprache keine Rede sein, da sich die Sprachkenntnisse der Befragten damals, wie es sich im Gesprächsverlauf gezeigt hat, nur auf ein passives Verständnis beschränkt hatten und sie das Gaskognische nach wie vor nicht gut beherrscht (vgl. CUB09_72f, Anhang 4e, 4h).

Der dritte Befragte mit Enkelkindern gibt ebenfalls nur an, „quelques mots“ zu diesen zu sagen. Da CUB04_67m das Gaskognische auch erst mit Ende 50 erlernt hatte, hatte er auch mit seinem Sohn kein Gaskognisch gesprochen. Allgemein merkte er an: „c’est pas véritablement parlé“, was zeigt, dass er die Frage an sich für absurd hielt (vgl. CUB04_67m, Anhang 4e).128

Zwei Sprecher, CUB03_42m und CUB10_44m, die beide im Moment Kinder im Kindergartenalter haben, geben an, mit diesen immer Gaskognisch zu sprechen. CUB10_44m betont allerdings, dass seine Frau zwar nicht dagegen sei, diese aber Französisch mit der gemeinsamen Tochter spreche, weshalb innerhalb der Familie Französisch gesprochen wird: „par contre moi – je ne m’exprime qu’en occitan“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4e). Des Weiteren gehe die gemeinsame Tochter auch in die Calandreta in Pessac. CUB03_42m, der angibt „à cent pourcent“ mit seinem Sohn occitan zu sprechen,129 konnte diesen allerdings nicht an der Calandreta einschreiben, da es dort zu wenige Plätze gegeben hatte (vgl. CUB03_43m, Anhang 4e). Dies scheint ihm in Hinblick auf eine erfolgreiche Transmission Sorgen zu bereiten.

Zwei der Befragten, LTB01_60m und LTB02_60f, hatten in den Kinderjahren der gemeinsamen Tochter einen sehr intensiven Transmissionsversuch unternommen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet zu sein scheint, dass eben dieses Paar in derselben Zeit die erste Calandreta in La Teste-de-Buch aufgebaut hatte. Inzwischen sprechen sie allerdings unter normalen Umständen Französisch mit dieser. Aktuell kommunizieren sie nur in sehr ungewöhnlichen Situationen auf Gaskognisch mit ihrer Tochter, etwa wenn sie in der Öffentlichkeit nicht verstanden werden möchten oder in SMS-Form. LTB01_60m resümierte seinen Transmissionsversuch folgendermaßen:

Effectivement – quand elle était petite je lui parlais tout le temps en gascon jusqu’à – après peut-être – jusqu’à 10/12 ans – bon après le français a fini par prendre le dessus – malheureusement – donc il y a eu un éloignement  (vgl. LTB01_60m, Anhang 4e).

Dennoch erklärt sich seine Lebensgefährtin optimistisch. Sie glaube, dass ihre Tochter, die das Gakognische nach wie vor versteht, es irgendwann wieder sprechen wird. Im Moment hätte sie nur „peur de pas bien dire“. Auf die Frage nach der Muttersprache der Tochter antwortet sie, dass sie das nicht so genau sagen könne, aber dass sie als Kind definitiv eine „gymnastique des deux [langues]“ gehabt hätte (vgl. LTB02_60f, Anhang 4e).

Die anderen verwenden im alltäglichen Umgang mit ihren Kindern alle kein Gaskognisch. Die beiden L1-Sprecher, CUB01_65m und CUB05_65f, sprechen allerdings beide davon, dass ihre Kinder trotzdem eine gewisse Teilkompetenz erworben hätten. CUB01_65m sagte über seinen Sohn:

il parle un petit peu – il n’a pas souhaité l’apprendre complètement – tout à fait – mais il aime bien me parler un petit peu – comme il a bien appris l’espagnol – il comprend l’occitan et est capable de communiquer un petit peu (vgl. CUB01_65m, Anhang 4e).

Dementsprechend würden sie kaum Gaskognisch sprechen, die langue de communication sei Französisch.

CUB05_65f unterstreicht in diesem Frageteil, dass sie sich im Grunde ihr ganzes Berufsleben lang vom ehemals in ihrem Elternhaus gesprochenen Idiom abgewendet hätte und nicht aktiv zu seinem Erhalt beigetragen habe:

disons que c’était pas mon souci primordial quoi – c’était pas mon souci principal – donc en fait je me suis replongée dans la culture gasconne à ma retraite – donc j’ai pas –je parlais – mais c’était tout – voilà – avec mes parents – avec mes frères et sœurs mais sinon. […] C’était que momentané – c’était le loisir quoi (vgl. CUB05_65f, Anhang 4e).

Bei der eigenen Tochter hätte sie damals auch keinen Nutzen darin gesehen mit dieser Gaskognisch zu sprechen und zudem hätte sie es ohnehin nicht lernen wollen – durch den Besuch bei den Großeltern hätte sie es aber zumindest gehört und beherrsche daher ein paar Wörter.

CUB07_70m ärgert sich mittlerweile darüber, dass er mit seinem Sohn kein gascon gesprochen hat: Dieser hätte dies zwar ausgeschlagen, aber damals habe er auch nicht wirklich versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Demgegenüber steht die theoretische Haltung der Befragten zum Bilingualismus der Kinder, die durch die Frage, ob es gut oder schlecht sei Gaskognisch mit Kindern zu sprechen, abgefragt werden sollte.130 Des Weiteren wurde nach möglichen Vor- und Nachteilen gefragt, die sich daraus für die Kinder ergeben könnten.131

Abbildung 11: Einstellung der Befragten zur Transmission des Gaskognischen

Abgesehen von zwei verhaltenen Stimmen, gaben alle Beforschten an dies prinzipiell gut zu heißen (vgl. Anhang 4f). Umso erstaunlicher ist es, dass nicht mehr auf die Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder gepocht hatten. Jedoch scheinen viele der Befragten ein grundsätzliches Problem bei der Transmission einer Minderheitensprache wahrzunehmen, denn in diesem Fall gestaltet es sich häufig schwierig den Kindern den Nutzen der Sprache zu vermitteln, wenn diese lediglich im privaten Raum gesprochen wird (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 989). Auf diese Problematik ging auch der jüngste Befragte ein, welcher bis dato noch kinderlos war, jedoch vorhat mit seinen Kindern zuhause nur „occitan“ zu sprechen:

dans notre contexte sociolinguistique qui fait qu’il y a une forte diglossie entre le français et l’occitan – fait que – par exemple en dehors de l’école – cette question se posera lorsque j’aurai des enfants parce que – de leur parler qu’en occitan – ça – la pratique de l’occitan dans un cadre social entièrement francophone peut rendre parfois difficile la transmission (vgl. CUB08_34m, Anhang 4f).

Zu den Stimmen, die etwas verhaltener waren, zählten jene von CUB05_65f und CUB10_44m.

CUB05_65f, die in den Jahren, als sie selbst junge Mutter gewesen war, angeblich andere Prioritäten als den Schutz des Gaskognischen gehabt hätte und deren Mann auch nicht am Gaskognischen und der dazugehörigen Kultur interessiert ist, sagt nicht wie die einschlägige Mehrheit, dass es gut für Kinder sei Gaskognisch. Sie sagt dagegen, es wäre „pas mauvais“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4f). Als mögliche Vorteile für Kinder gibt sie nicht, wie der Großteil der anderen Befragten, allgemeine Vorteile von Bilingualismus an, sondern vor allem Vorteile für das Erlernen der Rechtschreibung im Französischen, also der dominanten Sprache: „enfin – moi – ça m’a aidée – pour les accents circonflexes – ça m’a aidée – c’était une petite astuce“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4f).

CUB10_44m äußert sich mit „ni bon, ni mauvais“ und betonte, dass es laut ihm keine dominante Sprache gebe, die über irgendeiner anderen stehe (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f). Auch beim Vergleich dialektaler Formen, gebe es keine Hierarchien. Nachdem er diesen Standpunkt deutlich gemacht hat, geht er aber durchaus auf Vor- und Nachteile ein, was nicht zuletzt zu verdeutlichen scheint, dass er als directeur des IEO Aquitaine daran gewöhnt ist, sich kritisch mit den kontroversen Meinungen, in der Frage um die Bewahrung des Gaskognischen und der Kontroverse um die Terminologie Okzitanisch-Gaskognisch, auseinanderzusetzen.

Abbildung 12: Vorteile des Gaskognischsprechens für Kinder

Gerade vor dem Hintergrund der Untersuchung des Gaskognischen auf sein Potential als Erinnerungssprache hin, waren die genannten Vorteile bezüglich des Bewahrens einer lokalen Identität interessant, die sich nicht nur auf den allgemeinen Vorteil von Zweisprachigkeit beschränkten. So wurde etwa von CUB09_72f betont, dass das Gaskognische ihr helfe, mehr über die Region zu erfahren, in der sie lebe. Auch LTB02_60f geht darauf ein, dass es ein Vorteil wäre, die ortsansässige Sprache zu lernen:

c’est la langue de chez soi quand même – donc – c’est très important – c’est sûr, c’est très important – ensuite – ça donne une assise dans sa vie (vgl. LTB02_60f, Anhang 4f).

CUB10_44m geht ebenfalls auf die Vorteile, die das Gaskognische mit sich bringen könnte, ein. Er spricht vor allem von identitären Gründen:

je pense que c’est pas mieux – par contre – je pense que c’est mieux – c’est – par rapport à l’identité – je sais pas si vous avez prévu cette question-là – c’est d’avoir une identité qui soit – c’est le point de vue que je vous ai donné toute à l’heure – c’est-à-dire avoir une identité d’où on sait d’où on vient – d’avoir une idée claire d’où on vient ce qui manque en France parce que toute la question d’identité locale est en essai de – ‘fin – la société française essaye de la gommer – c’est essayer de la – de la – je pense que la donnée de cette identité là – ça permet – je pense – d’ouvrir un enfant à d’autres cultures en tout cas de savoir où il est au niveau de l’identité – à pas se poser les questions que moi – je me suis posé – […] – de savoir où est-ce qu’on est (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f).

Auch CUB01_65m vertritt eine ähnliche Ansicht, denn er sieht für die Kinder, in der Bewusstwerdung über die eigenen Wurzeln, die Basis gegeben, „d’affirmer une personnalité“. Er untermauerte dieses Argument mit seinen Beobachtungen in den Schulen, in denen er Animationen für Kinder macht (vgl. CUB01_65m, Anhang 4f). Ebenfalls in Richtung Schutz der regionseigenen Identität, geht die Aussage von S01_80f, welche darauf eingeht, dass durch das Verschwinden des Gaskognischen die Möglichkeit verloren geht, viele Dinge auszudrücken, welche sich nicht mit dem Französischen ausdrücken lassen.132

Auffallend ist allerdings, dass viele nicht den Vorteil des Erlernens des Gaskognischen als solchen hervorheben, sondern allgemeine Vorzüge von Zweisprachigkeit erwähnen. So sagte etwa CUB10_44m: „il y a pas d’avantage à parler occitan – il y a un avantage à parler plusieurs langues“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4f). Vorteile werden dabei vor allem darin gesehen, dass der Bilingualismus, allgemein, die kognitive Entwicklung der Kinder fördert. Außerdem werde mit dem Gaskognischen eine Basis dafür geschaffen, weitere Fremdsprachen zu lernen, was teilweise mit den eigenen Kompetenzen in anderen romanischen Sprachen belegt wird.

Gerade von Seiten derer, die das Gaskognische bereits selbst an der Calandreta oder als Animateur an Schulen unterrichtet haben,133 wird argumentativ betont, dass sie im Unterrichtsalltag nur positive Erfahrungen gesammelt hätten und dass dies für die Entwicklung der Kinder durchwegs positiv gewesen wäre. CUB02_72f und CUB08_34m betonen auch die integrative Wirkung der Sprache, die Niemandes Muttersprache sei und so dazu beitrage, dass alle Schüler in der Klasse auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Auffallend ist ebenfalls, dass als Argument von vier Befragten auf die Öffnung der Kinder „à la différence de l’autre“ hingewiesen und von einer „ouverture de l’esprit“ gesprochen wird.134 CUB08_34m betont diesen Vorteil vor dem Hintergrund der Ausbildung einer lokalen Identität bei den Kindern, welche die Basis für eine solche Öffnung schaffen würde:

et après pourquoi l’occitan – parce que c’est la langue de l’endroit où je vis et que donc ça permet à l’enfant de mieux connaître son pays et bien évidemment dans un esprit d’ouverture – se connaître pour mieux connaître le monde qui l‘entoure (vgl. CUB08_34m, Anhang 4f).

Von der großen Mehrheit kommt auch die Ansicht, dass es nur Vorteile gebe. Nur zwei Personen, die beide auch Okzitanisch unterrichten, sehen mögliche Probleme. Die Okzitanischdozentin an der Université Bordeaux Montaigne, CUB06_36f, merkt an, dass es dann zum Nachteil werden könnte, wenn die Gesellschaft „cette diversité“ nicht mehr tolerieren würde (vgl. CUB06_36f, Anhang 4g). CUB10_44m warnt zudem vor extremen Meinungen – vor einem Umschlagen der Identifikation mit dem Gaskognischen in Nationalismus. Außerdem geht er auf die Spracherwerbsforschung ein und spricht eventuelle Schwierigkeiten im Falle einer Zweisprachigkeit der Kinder an:

Par contre – il y a effectivement – on a des périodes de la vie où ça peut être éventuellement handicapant parce qu’il y a un truc qui va sortir dans la langue et tout ça – ça pose des problèmes (vgl. CUB10_44m, Anhang 4g).

Abschließend lässt sich also feststellen, dass die Einstellung zu einer möglichen Transmission zwar gut ist, das Idiom aber kaum weitergegeben wird.135 Damit stimmt das Ergebnis mit Erkenntnissen anderer Umfragen überein. Mit der Tatsache, dass meistens allgemeine Vorteile von Zweisprachigkeit hervorgehoben werden und nicht von allen betont wird, welchen Vorteil explizit das Gaskognische für die Kinder brächte, lässt sich die mangelnde Transmission möglicherweise begründen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die aktuelle Situation des Gaskognischen schwierig und eine Überzeugung der Kinder, das Idiom unter diesen Umständen zu erlernen, hartnäckige Arbeit erfordern würde. So gesehen könnte man auch auf andere Sprachen zurückgreifen, um von den Vorteilen des Bilingualismus profitieren zu können. Von Seiten der Okzitanisten wurde die integrative Wirkung des Okzitanischen betont, das – unter Berufung auf den droit du sol – allen Kindern zustünde, die im Sprachgebiet leben (vgl. Milhé 2007, 99f.).

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.

4.5. Was ist gascon im Verhältnis zum Französischen?

Um den Stellenwert beziehungsweise die Definition des Gaskognischen für den einzelnen Sprecher zu erfahren, wurde die Frage gestellt, was das Idiom im Vergleich zum Französischen sei.136 Bei dieser Frage ging es vor allem darum, den Sprechern die Möglichkeit für eine offene Antwort zu geben, um zu sehen was die Sprecher eigentlich im Gaskognischen sehen: Ist es eine dem Französischen ebenbürtige Sprache, deformiertes Französisch, ein Dialekt? Der Frage lagen die Untersuchungsergebnisse von Fischer zugrunde, wonach die locuteurs naturels häufig den Wert des Idioms, als eigene Sprache, nicht erkannt hätten (vgl. Fischer 1993, 165). Des Weiteren wurde damit indirekt die Möglichkeit einer Zuordnung oder Abgrenzung zum Okzitanischen gegeben. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang Raum für eine affektive Bewertung der Sprache gegeben, um den persönlichen Stellenwert des Gaskognischen für den Sprecher evaluieren zu können.137

Abbildung 13: Was ist das Gaskognische im Vergleich zum Französischen für die Befragten?

Als verbindendes Element der Antworten kann sicherlich die, von einem Großteil der Befragten (11 von 13 Personen) gewählte, Definition des Gaskognischen als eigene Sprache gesehen werden.138 In der Übersicht wurden dennoch Unterschiede in der Definition aufgegriffen, um die Variation der Antworten zu veranschaulichen. So wird zum Teil betont, dass das Gaskognische dem Okzitanischen unterzuordnen sei. CUB03_42m äußerte im Speziellen: „mais – la langue d’oc – le français c’est la langue d’oïl – le gascon – ça fait partie de la langue d’oc“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4i). Von anderen wird eine solche Zuordnung nicht vorgenommen. S01_80f bezeichnete das Gaskognische etwa einfach als  „langue régionale“ (vgl. S01_80f, Anhang 4i).

Mehr oder weniger sprachwissenschaftlich fundiert wurde von vier Beforschten – CUB04_67m, CUB10_44m, CUB01_65m und CUB09_72f – ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Gaskognischen und dem Französischen aufgezeigt. Sie betonen zudem die besondere Wesenheit des Gaskognischen im Vergleich zum Französischen: Laut CUB04_67m wäre der Klang des Gaskognischen näher an dem der anderen romanischen Sprachen.

Auch CUB01_65m betont die stärkere Verwurzelung des Gaskognischen mit dem Lateinischen, weshalb er und andere Sprachbewahrer, ausgehend von den lateinischen Wurzeln eines Wortes, „le vrai mot occitan“ suchen würden, falls dieses inzwischen in Vergessenheit geraten ist. Diese Aussage verdeutlicht erneut seine Verwurzelung mit dem okzitanistischen Milieu, da sich dieses die Inwertsetzung der okzitanischen Sprache, durch eine Befreiung der gesprochenen Sprache von Gallizismen, zur Aufgabe gemacht hat. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Frage nach möglichen Entwicklungstendenzen hin zu einer Erinnerungssprache und der Entwicklung von Sprachbewahrerbewegungen interessant. Ihm gehe es darum:

rester sur le vrai vocabulaire et pour ne pas déformer les mots […] Mais après nous sommes ceux qui cherchent à bien enseigner qui écrivent un petit peu – qui écrivent – nous sommes bien sûr dans la recherche de vrais mots – voilà (vgl. CUB01_65m, Anhang 4i).

Dies zeigt, dass sich auch locuteurs naturels im okzitanistischen Milieu wohlfühlen können, wie dies bereits Milhé betonte (vgl. Milhé 2011: 23).

Besonders hervorgehoben wird auch die besondere Verwandtschaft des Gaskognischen zum Katalanischen. CUB10_44m bezeichnet das Idiom als „langue jumelle“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

Selbst wenn die Zuordnung des Gaskognischen zum Okzitanischen nicht sofort angesprochen wurde, so schwang doch in den Antworten der überwiegenden Mehrheit derer, die aktuell im assoziativen Milieu aktiv sind, mit, dass man von einer Unterordnung des Gaskognischen unter das Okzitanische ausgehe. Dass diese Ansicht von anderen nicht geteilt wird, wurde bereits in vorausgehenden Fragen klar, als beispielsweise die Muttersprachlerin S01_80f betonte, dass sie deshalb nicht in Sprachkurse gehen, weil dort nur „occitan“ unterichtet werde, nicht der patois (vgl. S01_80f, Anhang 4c).

Des Weiteren gibt es auch eine, für die Gaskognisten typische, Meinung unter den Befragten: Nach einer ausführlichen sprachwissenschaftlichen Erklärung der Ursprünge des Gaskognischen, wo der Befragte LTB01_60m auf die unterschiedlichen Wurzeln des Französischen und des Gaskognischen einging,139 betonte er folgenden Standpunkt:

En tant que langue latine, le gascon est différent du français – très, très différent – et le gascon est aussi différent de l’occitan – moi, je considère pas que le gascon soit un dialecte de l’occitan – je pense que c’est une langue à part entière au même titre que le catalan. [Exkurs über die unterschiedlichen Völker (Aquitanier, Okzitanen)] C’est une langue différente et le français est encore une autre langue différente – ce sont quand même aussi des langues latines (vgl. LTB01_60m, Anhang 4i).

Gerade von den jüngeren Befragten, im Speziellen von CUB06_36f und CUB08_34m, wird das Gaskognische betont als dem Französischen ebenbürtig definiert. Gründe für diese explizite Hervorhebung sind vermutlich in ihrer beruflichen Laufbahn zu sehen. Allerdings wird das Idiom von beiden dem occitan untergeordnet und auch als solches bezeichnet:140

on ne peut pas hiérarchiser parce qu’elles ne sont pas dans la même situation sociolinguistique mais – après toutes langues sont égales et – et il n’y a pas une langue qui a plus de valeur qu’une autre et je ne vis pas mon Occitanétié comme une revanche par rapport au français (vgl. CUB08_34m, Anhang 4i).

Persönliche Definitionen des Gaskognischen kamen vor allem von den weiblichen Befragten. LTB02_60f äußert sich zum Gaskognischen etwa gar nicht und geht dafür erneut auf das Trauma ein, dass ihr widerfahren ist, weil sie den von ihr so bezeichneten parler batârd sprach. Dies sei die, von ihr bereits zuvor erwähnte, Mischung des Gaskognischen und Französischen, die sie von ihrem Vater übernommen habe:

Le français – c’est – c’est une langue – que j’ai apprise – je dis que j’ai apprise parce qu’au fond ça a quand même été du travail d’apprendre le français convenablement – donc que j’ai apprise – je l’ai apprise quand même comme ça – par force (vgl. LTB02_60f, Anhang 4i).

Für CUB02_72f persönlich sei es „la langue de la résistance“ gegenüber der „langue dominante“, dem Französischen (vgl CUB02_72f, Anhang 4i).141

Auch S01_80f geht in dieser Frage auf eine politische Dimension ein, denn für sie wäre der patois die Sprache der Armen gewesen, wohingegen das Französische, die Sprache war, die nur die Reichen gesprochen hatten.

CUB10_44m und CUB09_72f betonen dagegen die besondere Expressivität des Gaskognischen, welche ganz anders als die des Französischen zu charakterisieren ist:

parce que le français, c’est une langue très intel(lo) – ‘fin – moi – je considère le français comme une langue très – qui se veut d’une qualité construite lexicologiquement sur le modèle intellectuel (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

Daher werde das Gaskognische genutzt um Dinge auszudrücken, welche von anderer Natur sind beziehungsweise vom Französischen so nicht ausgedrückt werden können. Erstaunlich ist dennoch, dass es sich bei beiden nicht um Muttersprachler handelt. CUB10_44m merkte daher auch an: „je vais pas exprimer les mêmes choses parce que moi – je suis quand même – je suis quand même francophone“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4i).

CUB05_65f, die tatsächlich Muttersprachlerin ist, betont dagegen, dass ihr gaskognische Wörter und Ausdrücke zum Teil schneller in den Sinn kämen und untermalt  dies auch mit einigen Beispielen, außerdem sagt sie: „il y a des fois où je pense en gascon je (.) voilà mais – mais et puis le français me vient après“ (vgl. CUB05_65f, Anhang 4i).

Abschließend lässt sich also feststellen, dass das Idiom, ob die Befragten es nun als Okzitanisch oder Gaskognisch bezeichnen, bei allen Beforschten den Stellenwert einer Sprache genießt. Bei den weiteren Definitionen scheinen wiederum die ideologischen Hintergründe der Sprecher, insbesondere die Zuordnung zum Okzitanismus oder Gaskognismus, eine Rolle zu spielen. Wenn eine ganz persönliche Definition von den Sprechern vorgenommen wird, unterscheiden sich diese sehr stark voneinander, da meist auf sehr individuelle Erfahrungswerte Bezug genommen wird. Ein Vergleich solcher Definitionen ist daher sehr schwierig, zeigt aber auch den sehr persönlichen Bezug der Befragten zu ihrem Idiom und zum Teil die politisch linke Einstellung der Befragten, die in okzitanistischen Kreisen vorherrschend ist (vgl. Moreux 2004, 44).

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.

4.6. Kultureller Wert des Gaskognischen

Die Frage nach einer eigenen Kultur der Sprache,142 stellte Johann Fischer in seinem Fragebogen, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob sich die Okzitanischsprecher der Kultur um das Okzitanische gewahr waren. Das galt insbesondere für die Literatur, da sie den kulturellen Wert, der über die Ebene des Ländlichen hinausgeht, verdeutlicht (vgl. Fischer 1993, 190f.). Dadurch, dass sich der Begriff culture verschiedenartig interpretieren lässt, wurde zudem – falls sich aus der davor gegebenen Antwort nicht erschließen ließ, was die Befragten darunter verstanden – um Präzisierung gebeten, worin diese bestehe. Die Frage regte einen Teil der Befragten an, auf Mentalitätsfragen einzugehen. Auffällig war außerdem, dass über die Definition der typischen Kultur von einigen Befragten eine Abgrenzung von fremdartigen kulturellen Merkmalen vorgenommen wurde. Im Umkehrschluss führte das zu einer Definition der Mentalität oder derjenigen kulturellen Phänomene, die tatsächlich zur eigenen Kultur gehören. Damit wurde die ideologische Komponente, eine etwaige Zugehörigkeit zum Okzitanismus oder dessen Ablehnung, wieder zur Sprache gebracht. Bei dieser Frage fühlten sich selbst einige Befragte, die das Wort gascon in vorausgehenden Fragen durchgehend ignoriert und in der Antwort an seiner Stelle das Wort occitan platziert hatten, dazu angeregt auf Eigenheiten einer dezidiert gaskognischen Kultur einzugehen.

Abbildung 14: Abgrenzung der gaskognischen Kultur von anderen Kulturen durch die Befragten

An dieser Stelle scheinen selbst eingeschworene Okzitanisten Unterschiede zu erkennen, die sich nicht leugnen lassen. Dementsprechend gestaltete sich die Bandbreite der gegebenen Antworten folgendermaßen: Allen Antworten gemeinsam war die Einsicht darüber, dass es eine Kultur zu geben scheint. Individuell waren allerdings sowohl die geographische, als auch die zeitliche Dimension dieser Kultur und die angegebenen Charakteristika, worin diese besteht.

CUB06_36f, die die ganze Zeit über auf einer Bezeichnung des Gaskognischen als Okzitanischen beharrte, erklärt das Phänomen – dass sie doch anerkennt, dass es innerhalb des Okzitanischen auch lokale Unterschiede gäbe, damit: „il y a des traditions –  géo() ‘fin – implantées géographiquement – mais [elles] s’englobent dans des choses plus larges“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4j).143

CUB08_34m löst dieses Definitionsproblem mit der Umschreibung: „y a des traits particuliers de la culture occitane – de Gascogne“ und geht auf sprachliche und literarische Unterschiede, sowie auf Differenzen bezüglich der Mentalität ein, insbesondere in Abgrenzung zum mediterranen Gemüt seiner Lebensgefährtin aus Montpellier (vgl. CUB08_34m, Anhang 4j).

LTB01_60m vertritt erneut einen gaskognistischen Blickwinkel. Er geht zunächst auf typische literarische, kulinarische und sportliche Charakteristika der gaskognischen Kultur ein, die er zunächst offen mit „la culture qui caractérise un peu le Sud quoi“ resümiert und dann strikt von der „région française“ abgrenzt, zu der die Gascogne für ihn dezidiert nicht zählt. Vermutlich aufgrund seines Erwerbs des Gaskognischen als zweite Sprache und seines gaskognistischen Hintergrunds, nimmt er eine höhere Kultur in Form einer gaskognischen Literatur wahr (vgl. LTB01_60m, Anhang 4j).144 Etwas später verdeutlicht er nochmals, dass die gaskognische Kultur für ihn ganz strikt von der global vermengenden Kultur des Okzitanischen zu trennen sei. Auf Unterschiede innerhalb des gaskognischen Kulturraums weist er allerdings nicht hin.

Auch CUB02_72f, deren Sympathiebekundung zum Gaskognischen oder Okzitanischen eher verhalten bleibt, grenzt die gaskognische Kultur – begründet durch sprachgeschichtliche Eigenheiten, die einen linguistischen Unterschied begründen, vom Rest des okzitanischen Sprachgebietes ab: „on n’est pas calqué vraiment sur le latin […] le Languedocien – c’est – c’est vraiment issu du latin“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4j). Eine kleinteiligere Beschreibung nimmt sie allerdings nicht vor.

LTB02_60f bringt dagegen zum Ausdruck, dass es auch innerhalb der Gascogne Unterschiede zwischen den dort lebenden Personen gebe, je nach Herkunft innerhalb der Region. Auf die Frage nach einer Kultur sagt sie: „une langue sans culture – ça n’existe pas“, diese Kultur bezeichnet sie aufgrund der ihr zugrunde liegenden Einflüsse als „culture métissée“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4j).

Auch CUB03_42m, der sonst weitestgehend den Begriff occitan verwendet, geht darauf ein, dass die Gascogne doch recht heterogen wäre und spricht das Phänomen an, dass sich Sprecher aus bestimmten Gebieten für die idealtypische Referenz hielten:

il y a aussi le problème entre les Gascons du centre (x) voire dans les Landes – dans le Gers vers Auch – Mont-de-Marsan qui eux considèrent qu’eux sont de vrais Gascons et que tout autour – on est des Demi-Gascons quoi (vgl. CUB03_42m, Anhang 4j).

CUB10_44m wählt dagegen einen recht selbstkritischen Blickwinkel. So betont auch er den großen Unterschied in der Mentalität, im Vergleich zu den Menschen aus dem Mittelmeerraum, spricht aber auch davon, dass kulturelle Fragen etwas sehr Ortsspezifisches seien. Um allerdings dennoch seine Philosophie als Leiter eines okzitanistischen Institutes zu begründen, sagt er, dass er eines begriffen habe: „parfois la distinction sert plus à rien.“ Denn er ist folgender Auffassung:

‘fin – il y a pas une culture – c’est comme – c’est comme de dire le gascon existe à la rigueur – à la rigueur – je vous dis – le gascon n’existe pas (vgl. CUB10_44m, Anhang 4j).

S01_80f, die selbst L1-Sprecherin ist, verbindet mit der culture propre scheinbar jene Traditionen, die früher in ihrer Herkunftsregion, den Landes, praktiziert wurden, als der „patois“ noch von allen gesprochen wurde. Damit macht sie die Eigenheiten zu einem sehr lokalen Phänomen, das im Grunde einer bereits vergangenen Lebenswelt angehört:

Des coutumes en pagaille – des superstitions – si – mais des coutumes – c’était une culture – c’était vivre comme vivre – autrefois – il y avait le patois – oui – c’est une culture – oui – oui – oui – c’est une culture – il y avait plein de traditions (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Seit sich die ländliche Lebenswelt verändert hat, scheint die Kultur in ihren Augen nicht mehr praktiziert zu werden, weshalb sie auch konsequent in der Vergangenheit spricht:

on vivait avec nos voisins, c’était une autre vie, bon – c’était – mais c’est pas si loin que ça parce que je m’en souviens – c’est vrai – c’était une autre vie, c’était – on était heureux (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Diese Lebensphase scheint sie also geradezu romantisch zu verklären. Die Kultur des ländlichen Lebens in den Landes mit ihren maïades und den fêtes rechnet sie scheinbar  gänzlich der Vergangenheit zu, in Verbindung mit dem Verschwinden des von ihr so bezeichneten patois: „autrefois – c’était autrement – autrefois – c’était autrement“ (vgl. S01_80f, Anhang 4j).

Die restlichen Befragten nahmen bei dieser Frage keine territoriale Abgrenzung vor, jedoch kann über die von ihnen angegebenen Charakteristika der gaskognischen Kultur dennoch eine Einschätzung darüber gegeben werden, welches Prestige sie ihr beimessen und welcher geographischen oder ideologischen Dimension sie sie insgeheim zuordnen.145

Die L1-Sprecher CUB01_65m und CUB05_65f entscheiden sich für keine dezidierte Abgrenzung von einer anderen Kultur. Sie definieren die Kultur als das, was sie in ihrer Vereinsarbeit zu schützen suchen, nämlich typische Freizeitaktivitäten und „les façons de vivre liées au lieu“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4j): Spiele, Lieder und Tänze. Von Kultur im Sinne spezifischer literarischer Traditionen ist bei ihnen keine Rede. Hier könnte ein Indiz dafür zu sehen sein, dass die alternde Generation der Muttersprachler lediglich ihre alte ländliche Lebenswelt mit der gaskognischen Kultur in Verbindung bringt (vgl. Fischer 1993, 190f.).

CUB04_67m, der das Gaskognische dagegen in Abendkursen erlernt hat, verbindet mit der Kultur neben der typischen Küche und Gesängen auch Werte wie eine eigene Literatur und Geschichte. Auch der Anthropologe CUB07_70m nimmt, vermutlich nicht zuletzt aufgrund seines kultivierten Hintergrundes, die Literatur des Gaskognischen wahr: sowohl die historisch bedeutsamen, als auch die aktuellen Werke.

CUB09_72f betont ebenfalls, dass sie es bedauere, dass die gaskognische Kultur wegen der Globalisierung verschwinde: „comme tout ça se perd – la mondialisation“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4j). Der Begriff der Kultur scheint für sie mit einem Konglomerat an Traditionen verbunden zu sein – die geographische Ebene scheint für sie dagegen eher offen zu sein: Sie nennt lokale kulinarische Traditionen, aber auch archäologische Funde und das okzitanische Kreuz als Teile der Kultur.

Abbildung 15: Distinktive Merkmale der gaskognischen Kultur aus Sicht der Befragten

Allgemein fällt also auf, dass ganz verschiedene definitorische Merkmale von den Befragten aufgezählt wurden, die größtenteils auf die persönliche Biographie und die ideologischen Vorstellungen der Sprecher zurückzuführen sind und die sich in fünf große Übergruppen einordnen lassen: Zum einen gibt es verschiedene Traditionen, wie Feste, kulinarische Bräuche, eigene Gesänge, Tänze und Spiele, zum anderen besondere landwirtschaftliche Traditionen, wie den Fischfang und religiöse Bräuche. Während die L1-Sprecher allesamt auf Traditionen und Bräuche eingehen, die sie, wie S01_80f, mit einer ländlichen Lebenswelt verbinden, die bereits der Vergangenheit angehört, sehen die jüngeren Sprecher die Aktualität ihrer Kultur. Außerdem gehen jene, die das Gaskognische nicht als Muttersprache erworben haben, auf sprachliche Besonderheiten ein, die das Idiom von (anderen) Varietäten des Okzitanischen unterscheiden. Dies scheint nicht zuletzt darauf zurückzuführen zu sein, dass diese Sprecher das Gaskognische mittels der Schrift und nicht allein über den mündlichen Sprachgebrauch erlernt haben. Dies geschah in der Regel in Kursen, in denen das Idiom unter dem Namen Okzitanisch unterrichtet wurde. Darüber hinaus sehen die betroffenen Befragten auch die „höhere Kultur“, die zum Gaskognischen gehört – seine eigene Literatur sowie seine eigenen Märchen und Gebete. Außerdem wird auf seine eigene Geschichte, besondere archäologische Funde und Symbole eingegangen.146

Abgesehen davon gingen vier der Befragten auf die besondere Mentalität, die sie mit der gaskognischen Kultur verbinden, ein, die sie von derer, der okzitanischen Regionen, beziehungsweise der anderen okzitanischen Regionen unterscheiden.147

Somit wird also klar, dass über die Eigenheiten der gaskognischen Kultur kein eindeutiger Konsens besteht.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.

4.7. Zukunftsperspektive des Gaskognischen

Da die vorliegende Arbeit darauf abzielt festzustellen, ob sich Tendenzen zur Entwicklung des Gaskognischen zum Erinnerungsdialekt beziehungsweise zur Erinnerungssprache erkennen lassen, war es, neben der Einstellung der Sprecher zur Transmission, ein Anliegen zu erfahren, welche Zukunftschancen der langue régionale eingeräumt werden. In diesem Frageteil ging es daher darum, ob die Sprecher diese als hoch einschätzen und auch realistisch wahrnehmen oder ob die Situation von ihnen romantisch verklärt wird. Daher wurden die Fragen gestellt, ob sie der Meinung der Sprecher nach verschwindet und ob man sie retten müsse.148 Um zu sehen, ob die Sprecher diese Chancen tatsächlich realistisch einschätzen, wurde zudem um eine genauere Erläuterung gebeten, welche Bedeutung das Gaskognische aktuell an ihrem Wohnort hat.149 Abschließend wurde noch gefragt, ob die Befragten selbst etwas dafür täten, ihre Minderheitensprache zu retten.150 Auffällig war in diesem Teil, dass zahlreiche Sprecher auf ihre konkreten Vorstellungen von einer Rettungsstrategie eingingen.

Abbildung 16: Einschätzung der Überlebenschancen des Gaskognischen durch die Befragten

Die Zukunftschancen werden von knapp der Hälfte der Befragten als positiv eingeschätzt. Die Möglichkeit, dass das Gaskognische verschwinden könnte, wird von ihnen nicht gesehen. Begründet wurde dies allerdings auf unterschiedliche Weise.

CUB01_65m und CUB05_65f, die über die association L’Estaca regelmäßig an Veranstaltungen der Calandreta in Pessac teilnehmen und sich daher mit deren Wirkung auf die beteiligten Familien auseinandergesetzt haben, sehen deren positive Wirkung auf die Gesellschaft. CUB01_65m ist etwa folgender Meinung: „dans les deux générations qui me suivent la langue ne disparaîtra pas“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4k). Er begründet dies zum einen mit den inzwischen positiven Einstellungen der Regierung zu den langues régionales und geht auf die Tatsache ein, dass zahlreiche Eltern von Kindern, die ihre Schützlinge in die Calandreta bringen, auch anfangen würden, die Sprache zu sprechen. Eine weitere Muttersprachlerin, CUB05_65f, teilt diese Meinung, denn es gäbe schließlich keine Verbote mehr wie noch vor 50 Jahren, außerdem gebe es einige associations, die sich um den Erhalt des Gaskognischen bemühen. Sie zeige sich daher optimistisch, dass es Leute geben wird, die sich weiterhin für die langue régionale interessieren, um ihren Wurzeln auf den Grund zu gehen:

il y a la Calandreta et puis quelques – il y a déjà assez de demandeurs de retrouver leur racine – alors je pense que – je pense que non – bon – bien sûr il faudra – il faut être vigilant – il faudra être vigilant – bon – je pense qu’il y a la relève quand même (vgl. CUB05_65f, Anhang 4k).

CUB03_42m und CUB04_67m sind sich ebenfalls sicher, dass das Gaskognische nicht verschwinden wird. Ersterer begründet dies nicht. CUB04_67m erklärt die Sprache, aufgrund der Fortschritte der sprachwissenschaftlichen Forschung, für „sauvée“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4k). Dies macht er daran fest, dass die linguistischen Merkmale des Gaskognischen ja inzwischen bekannt wären. Er räumt allerdings auch ein, dass es fraglich wäre, wer das Idiom noch sprechen wird.

Von den beiden Hochschullehrern, CUB07_70m und CUB06_36f, wird dagegen auf die historische Kontinuität des Gaskognischen hingewiesen und somit auf die Tatsache, dass die Minderheitensprache sich immer erhalten habe, auch wenn das Sprachsterben über Jahrhunderte hinweg angekündigt worden war. Die Okzitanischdozentin, CUB06_36f, begründet das in genau dieser Weise:

l’histoire de l’occitan c’est – c’est une chronique d’une mort annoncée – depuis le treizième siècle (.) et depuis le treizième siècle tout le monde annonce que ça va mourir (vgl. CUB06_36f, Anhang 4k).

Ein Durchsetzen gegenüber dem Französischen hält sie allerdings für ausgeschlossen.

Der emeritierte Anthropologe CUB07_70m geht von einer ganz persönliche Theorie aus. Er erklärt, dass er das Gaskognische für eine „langue d’une classe d’âge“ halten würde, die sich in Form des français régional erhält. Die regionaltypischen Wörter würden dann ab dem Alter von etwa 50 Jahren durch gaskognische Wörter ausgetauscht werden, was aber für Außenstehende auf unsichtbare Art und Weise geschehen würde, da es sich um eine „langue discrète“ handle:

la langue se maintient de façon discrète – oui – parce que – ça aussi – c’est une mention – le gascon – on en a pas parlé hier – le gascon – c’est une langue discrète – c’est-à-dire que vous allez au pays basque – les gens connaissent trois mots de basque – ils vont vous les donner – ici – c’est l’inverse – si quelqu’un ne comprend pas le gascon – on arrête de parler gascon pour pas – par politesse – donc – l’impression que le basque se maintient – ce qui n’est pas vrai – et que le gascon disparaisse –ce qui n’est pas vrai non plus – c’est-à-dire l’impression est fausse – c’est – c’est véritablement une langue discrète – on l’affirme pas – d’autant plus que c’est une langue de l’intimité – de réflexion quoi – on le parle avec des gens qu’on connait bien quoi – pas avec n’importe qui (vgl. CUB07_70m, Anhang 4k).

Fünf weitere Befragte knüpften das Überleben des Gaskognischen dagegen an Bedingungen oder schränkten seine zukünftige Bedeutung auf gewisse Wirkungsbereiche ein.

CUB10_44m antwortete zunächst auf die Frage nach einem möglichen Verschwinden des Gaskognischen mit Ja, denn der Sprachwandel würde allgemein dazu beitragen, dass sich alle Sprachen verändern. Insgesamt würde es aber nicht verschwinden, wenn es Veränderungen in der Arbeitsweise der Förderer gebe. Jedoch gebe es nach wie vor das Problem der Transmission, die kaum noch stattfinden würde und die auch schwer mit Fördermaßnahmen wieder eingeleitet werden könne:

au niveau de la transmission familiale – la chance de la transmission familiale s’est vraiment complètement effondrée. […] Mais il y a des endroits qui ont mieux conservé que les autres […] Même dans le milieu rural – elle est pas en extension familiale intégrale – mais je suis optimiste sur la survie de la langue – je pense pas que l’occitan meure d’ici demain – ni d’ici cinquante ans – ni d’ici un siècle – par contre – on est réellement en échec sur le plan sociologique (vgl. CUB10_44m, Anhang 4k).

CUB08_34m, der selbst politisch an der Ausarbeitung von Förderungsmaßnahmen für das Gaskognische beteiligt ist, hält die Frage nach seinem möglichen Verschwinden für schwierig zu beantworten: Zum einen sehe er, dass zahlreiche Politiker andere Prioritäten als kulturelle Fragen hätten, zum anderen sehe er, ausgehend vom Verhalten der okzitanischen Gesellschaft, Entwicklungen, die ihn nur wenig optimistisch stimmen, da sich nur wenige Menschen mit dieser Sprache identifizieren können und sich auch nicht – dem Bedrohungszustand entsprechend – für das Gaskognische einsetzen würden. Er versteht also die von CUB07_70m angesprochene Eigenschaft des Gaskognischen als „langue discrète“ als Bedrohung für seinen Erhalt und interpretiert das Verhalten der potentiellen Sprecher als Desinteresse an seinem Schutz:

Il n’y a pas une réelle adhésion à – à cette langue – à cette culture – c’est-à-dire que – contrairement par exemple au pays basque – puisque je travaille aussi pour l’euskara – c’est qu’on a pas une adhésion franche de la société – ça a pas eu un basculement – un déclique – oui – ok – on a une langue qui est mal en point mais on va se – faire en sorte de réscolariser et de retransmettre cette langue et de la pratiquer – non, ce phénomène n’a pas eu lieu (vgl. CUB08_34m, Anhang 4k).

Beide sehen als aktive Schützer des Gaskognischen – auf Regionsebene und auf der Ebene der Arbeit am IEO Gironde – durchaus Hindernisse gegeben, die den Erfolg ihrer Arbeit beeinträchtigen könnten, auch wenn sie sich ein Verschwinden nicht wünschen.

CUB02_72f gibt an nicht so recht zu wissen, ob das Gaskognische verschwinden könnte und stellt daher nur Vermutungen an. Sie habe aber „peur qu’on soit passé à la moulinette de l’Americanité“ und würde der Globalisierung somit die Schuld an einem möglichen Verschwinden geben. Sie gehe zumindest davon aus, dass es in Form von Relikten wie Straßennamen, geschichtlichen Erinnerungen und bestimmten, nicht zu übersetzenden Ausdrücken weiterbestehen könne. Was die gesprochene Sprache an sich betrifft, so spricht sie davon, dass diese sicherlich weiterhin von Sprachbegeisterten praktiziert werden würde. Das Gakognisch der Zukunft sei aber vermutlich nicht „la langue d’aujourd’hui – elle aura évoluée:“

ça sera peut-être pas le gascon qu’on parle aujourd’hui – le risque c’est qu’il sera un peu appauvri, je pense – voilà – mais ce n’est pas sûr (vgl. CUB02_72f, Anhang 4k).

In diesem Zusammenhang erwähnt sie auch eine mögliche Entwicklung hin zu einer „langue plus unifiée sur tous les domaines de l’occitan“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4k).

LTB02_60f geht nicht von einem tatsächlichen Ableben des Gaskognischen aus, denkt allerdings, dass es höchstens als „savoir savant“ an der Universität erhalten bleiben könnte (vgl. LTB02_60f, Anhang 4k). Dass es jedoch dazu kommen könnte, dass es wieder auf der Straße gesprochen wird, wie dies noch in ihrer Kindheit der Fall war, schließt sie aus. Verantwortlich macht sie dafür, den Zuzug von Menschen von außerhalb, wie im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich werden soll.

S01_80f sagt, dass sie das Verschwinden des Gaskognischen befürchten würde, aber hoffe, dass es sich zumindest in den Bergen, im Béarn, halten könne. Sie räumt als Ursache für das Verschwinden an ihrem Ort ein, dass man – insbesondere auch in der Generation nach ihr – „honte“ gehabt hätte patois zu sprechen, weil man „arriéré“ gewirkt habe und macht das für ein Verschwinden beziehungsweise einen Rückgang verantwortlich (vgl. S01_80f, Anhang 4k).

Zwei Sprecher gehen tatsächlich von einem Verschwinden des Gaskognischen aus, wobei CUB09_72f als Begründung dafür auch auf die Entwicklungen der modernen Gesellschaft eingeht. Ihrer Meinung nach würden diese das Gaskognische sehr stark bedrohen, sodass von einem langfristigen Verschwinden auszugehen sei. Das Gaskognische sei „quand même pas dans l’esprit de maintenant“. Schuld am Verschwinden des „truc identitaire“, das sie untrennbar mit dem Gaskognischen verwoben zu sehen scheint, sei die „brassage de population“. Sie illustriert dies mit Geschichten aus ihrer eigenen Familie, welche bis zu ihrem Weggang immer im Médoc gewesen und geblieben sei:

mes enfants – ils se sont mariés avec une autre – d’une autre région – d’une autre race – d’un autre pays – après les enfants qui naissent – ils appartiennent à quelle identité? (Vgl. S01_80f, Anhang 4k).

LTB01_60m begründet das von ihm prophezeite Aussterben des Gaskognischen „à l’essor de 50 ans“ mit Werken aus gaskognistischer Perspektive, die er zu diesem Thema gelesen habe.151 Für das Verschwinden gibt er zum einen die in diesen Werken erwähnten Gründe an, nämlich „la disparition de la société pastorale“, und führt zum anderen die Tradition der französischen Sprachpolitik an, die, mit ihrer „volonté des politiques d’éradiquer les patois“ und dem Ziel der „unité de la nation“, langfristig die Schuld am baldigen Aussterben des Gaskognischen tragen wird (vgl. LTB01_60m, Anhang 4k).

Abbildung 17: Einschätzung der Bedeutung des Gaskognischen am eigenen Wohnort durch die Befragten

Was die Bedeutung am eigenen Wohnort betrifft, so wird dem Gaskognischen im Regelfall kein großes Gewicht beigemessen. Lediglich zwei Sprecher sprachen von einer größeren Bedeutung.

Zum einen handelte es sich dabei um den in den Landes – im Ort Garein – lebenden CUB07_70m. Dieser berichtete – wie an anderer Stelle bereits erwähnt – erstaunlicherweise davon, dass es dort „la langue des gens“ sei. Bei genauerem Nachfragen, ob er denn mit jedem dort Gaskognisch sprechen würde, sagte er, dass er dies natürlich nicht mit Kindern täte, aber mit den Erwachsenen. Es sei „une langue de connivence“ und am Akzent höre man, wer Gaskognisch spreche. Nur mit diesen Leuten würde er dann eine Konversation auf Gaskognisch führen (vgl. CUB07_70m, Anhang 4l). Damit gibt er die Ansicht der okzitanismuskritischen Muttersprachler wieder, selbst wenn er diesen, aufgrund seines Spracherwerbs, nicht angehört.

Der in Pessac lebende CUB01_65m sieht die Situation des Gaskognischen durchaus kritischer, denn er betont zwar die Bedeutung, die das Gaskognische dort habe, hebt aber gleichzeitig den Sonderstatus dieses Bordelaiser Vororts in der communauté urbaine de Bordeaux hervor: „le gascon – l’occitan est reconnu et a de l’importance.“ Er belegt dies mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten, sowohl für associations wie L’Estaca, als auch für die Calandreta, und dem Angebot von Veranstaltungen um die Calandreta herum. Jedoch erwähnt er auch, dass es an anderen Orten im département Widerstände gegen die Einrichtung von bilingualen Klassen gegeben habe, weil die Eltern es nicht als nützlich empfunden hatten, dass ihre Kinder die langue régionale lernen (vgl. CUB01_65m, Anhang 4l). Auch wenn er also die Bedeutung Pessacs betont, so sind die Beispiele, die er anführt, eher kultureller Natur und spiegeln nicht die tatsächliche Bedeutung in der Gesellschaft wider. Allerdings scheint in Pessac eine vie communautaire gegeben zu sein.

Dieser Eindruck wird von CUB05_65f bestärkt, die im gleichen Ort lebt und lediglich auf kultureller Ebene von einer Bedeutung und zum Beispiel auch in Form von Orts- und Straßennamen spricht. Die Frage nach dem Bezug der Menschen in Pessac zur Minderheitensprache, beantwortet sie damit, dass sie zwar noch Niemanden getroffen habe, der dem Gaskognischen gegenüber „réfractaire“ eingestellt gewesen wäre, jedoch sähen die Leute aber nicht immer einen Nutzen in der Minderheitensprache, gerade auch im Vergleich zum Englischen (vgl. CUB05_65f, Anhang 4l).

Nur eine schwache Bedeutung, wird dem Gaskognischen ebenso von dem am Arcachonbecken lebenden Ehepaar beigemessen. LTB01_60m geht bei dieser Frage vor allem auf sprachliche Überbleibsel ein: die nach wie vor gaskognisch geprägte Toponymik, gaskognisches Vokabular in manchen Bereichen, wie der „ostréiculture“ und dem „fôret“, das im „français régional“ und im „français général d’ici“ enthalten wäre (vgl. LTB01_60m, Anhang 4l). Seine Frau, LTB02_60f, erklärt in diesem Zusammenhang, dass es sich beim Gaskognischen im Ort ganz klar um eine „langue minoritaire“ handeln würde, die für den kleinen Bevölkerungsteil, der noch aus La Teste stammt, von Bedeutung ist. Sie betont an dieser Stelle ihre Unzufriedenheit darüber, dass „beaucoup trop de Français“ nach La Teste gekommen wären. Diese macht sie wohl für das Verschwinden des Gaskognischen aus dem Lebensalltag der Küstenstadt verantwortlich (vgl. LTB02_60f, Anhang 4l).152

In Talence, einem anderen Vorort von Bordeaux, sei das Gewicht der Minderheitensprache, CUB03_42m, zufolge auch sehr schwach, denn „le pouvoir politique – administratif le reconnait pas“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4l).

Auch von den Einwohnern der Stadt Bordeaux selbst, wird die Bedeutung des Gaskognischen als sehr schwach bis völlig unbedeutend beschrieben. Eine schwache Bedeutung wird dem Gaskognischen immerhin von dem jüngsten – beruflich mit dem Gaskognischen verbundenen – Befragten beigemessen. CUB08_34m stellt eine komplexe Beziehung Bordeaux‘ zu seiner Occitanéité fest: Es sei zwar so, dass die Stadt im Grunde nicht weniger „occitane“ sei als Montpellier und Toulouse, aber die Maßnahmen zur Förderung des occitan würden hier weniger gut greifen. Zudem spricht auch er davon, dass Bordeaux auf einer Art Axe mit dem Norden liegt und daher viele Menschen mit einer anderen Sicht auf die okzitanische Sprache und Kultur zuziehen würden, die diesen eher abträglich wäre:

on a eu beaucoup d’arrivés – des gens du Nord notamment de – de Paris malgré tout avec une vision de – des choses qui peut être un peu parisienne et là aussi je n’ai pas la prétention de pouvoir expliquer pourquoi – je le regrette tout simplement puisque je suis Bordelais et c’est difficile de regretter (vgl. CUB08_34m, Anhang 4l).

Allerdings kritisiert er nur explizit die Sicht dieser Leute und nicht die der Gesamtbevölkerung Bordeaux‘.

CUB06_36f spricht dagegen von einem Interesse der Menschen, das weniger sichtbar, aber dennoch vorhanden sei: „peut-être que c’est pas visible l’intérêt que les gens portent aux langues ou cultures régionales mais il est réel – voilà.“ In Bordeaux wäre es zwar auf den ersten Blick „effacé“, allerdings berichtet sie in diesem Kontext auch von ihr veranstalteten Konferenzen über die Troubadours, bei denen das Publikum ein großes Interesse am Thema gezeigt hätte, was sie sehr bewegt habe (vgl. CUB06_36f, Anhang 4l).

Von den anderen Befragten wird betont, dass das Gaskognische kaum eine Bedeutung habe, was mit verschiedenen Begründungen belegt wird – zumeist aber mit einer nicht ausreichenden Anerkennung des Gaskognischen in der ansässigen Gesellschaft.

Zwei weitere Bordelaisen sehen die Bedeutung des Gaskognischen etwa noch weniger als CUB06_36f und CUB08_34m gegeben. Laut CUB02_72f werde mit der Geschichte und Identität der Stadt nicht richtig umgegangen. Man strebe im Rathaus eher danach die Pariser zu beeindrucken. Sie gibt daher einige Beispiele für den – die gaskognische Identität Bordeaux‘ missachtenden – Umgang Alain Juppés mit diesem Thema. Laut ihr wäre es das Ziel Juppés „métropole“ zu werden und Menschen aus Paris anzulocken, damit sich diese in Bordeaux niederlassen könnten. In ihren Augen würde er das Gaskognische als störend für das von ihm angestrebte Image Bordeaux‘ empfinden: „une métropole qui baragouine – le patois – franchement, ça ne fait pas chic.“ Und es sei nun einmal „que de la culture – ça n’apporte rien“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4l).

CUB10_44m spricht davon, dass das Gaskognische in Bordeaux keinerlei Bedeutung hätte, daher spricht auch er von einem „échec à ce niveau-là“ von den für den Erhalt kämpfenden Vereinen (vgl. CUB10_44m, Anhang 4l).

Auch in anderen Bordelaiser Vororten sei die Bedeutung des Idioms nicht mehr gegeben. In Mérignac gebe es – in Abgrenzung zur kulturellen Bedeutung des Gaskognischen in Pessac – laut CUB09_72f keine „identité gasconne“ mehr (vgl. CUB09_72f, Anhang 4l). Und in Lormont habe der hier lebende Befragte, CUB04_67m, auch noch nie Gaskognisch sprechen hören.

Selbst die, in der ländlichen Abgeschiedenheit, in Sore, im département Landes, lebende S01_80f spricht davon, dass das Gaskognische dort aktuell keinerlei Bedeutung mehr habe.

Abbildung 18: Die Notwendigkeit das Gaskognische zu retten aus Sicht der Befragten

Bei der Betrachtung dieser Ergebnisse erstaunt es auch nicht, dass ein Großteil der Befragten der Ansicht ist, dass man das Gaskognische retten müsse. Lediglich zwei der Beforschten gaben an, dass man das Gaskognische nicht retten müsse, allerdings aus völlig verschiedenen Gründen.

Die vom Arcachonbecken stammende LTB02_60f erwähnt diesbezüglich, dass es schlichtweg zu spät wäre, noch zu versuchen das Gaskognische zu retten, denn der Zuzug von zu vielen Menschen aus anderen Regionen Frankreichs, habe seinen Tod besiegelt. Es habe höchstens noch in den Bergen, im Béarn, Überlebenschancen. Es würde sich daher auch nicht lohnen Überlegungen darüber anzustellen:

ici à la côte – c’est pas la peine d’en parler – on est foutu dehors – donc – je vois pas comment on peut se remettre à parler gascon dans un pays où on est foutu dehors – […] Donc voilà – ça me paraît pas possible – quoi – c’est une question de population – les gens d’ici– les gens d’ici – ils sont partis pour vivre ailleurs – plus dans les Landes comme ça – quoi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4m).

Der bei der Frage nach der Bedeutung am Wohnort bereits sehr positiv eingestellte CUB01_65m behält auch bei dieser Frage seinen Optimismus bei, indem er antwortet: „Il se sauvera par lui-même.“ Er räumt allerdings ein, dass ein gewisses Maß an Verantwortung bei den élus liege, welche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen müssten „pour permettre aux militants des associations de développer la culture.“ Er kann also auch nicht leugnen, dass es dem Engagement von militants bedarf, um den Erhalt des Gaskognischen zu sichern (vgl. CUB01_65m, Anhang 4m). Eine Förderung des Gaskognischen wäre also doch notwendig. Bei der Frage nach seinem Engagement für die Sprache wehrt er sich außerdem vehement gegen den Gebrauch des Ausdrucks „sauver“, denn er rette es nicht, sondern tue etwas „pour le transmettre – pour le faire connaître“ (vgl. CUB01_65m, Anhang 4m).153

CUB05_65f gibt sich bei dieser Thematik unentschlossen, da sie dies für eine politische Angelegenheit halte, zu der sie als einfache Bürgerin nichts sagen könne.

Alle anderen Befragten geben vor dem Hintergrund der schwachen bis niedrigen Bedeutung an, dass man etwas tun müsse, um zum Überleben des Gaskognischen beizutragen.

Erstaunlich ist lediglich, dass CUB07_70m, der von der Bedeutung des Gaskognischen in seinem Wohnort als „la langue des gens“ sprach, diese als rettungsbedürftig bezeichnet (vgl. CUB07_70m, Anhang 4m). Hier wird also klar, dass auch er im Grunde den bedrohten Zustand des Idioms wahrnimmt. Explizit erwähnt er in diesem Zusammenhang, dass er es gut fände, dass die Minderheitensprache über die Calandretas eine Valorisierung erfährt und dass dort „gens qui sont à l’aise avec la langue“ ausgebildet werden (vgl. CUB07_70m, Anhang 4m). Die Menschen in seinem Ort scheinen also doch nicht so gut Gaskognisch zu sprechen oder so zahlreich zu sein, wie er zunächst betonte.

Abbildung 19: Persönliches Engagement der Befragten für die Rettung des Gaskognischen

Unter den Befragten ist zudem das persönliche Engagement beim Retten der langue régionale überdurchschnittlich hoch. Insgesamt gaben elf von 13 Befragten an, bereits etwas für die Rettung der Sprache getan zu haben – davon sind neun noch aktiv.

Die zwei Befragten, die ihr Engagement aufgegeben haben, sind jene, die rigide auf dem Gaskognischen beharren und sich gegen die Okzitanismusbewegung stellen. LTB01_60m gibt daher an, „un petit peu fatigué“ zu sein, denn er habe in seinem Leben viel versucht. Zunächst habe er eine association, die den gaskognischen Namen für „Nous sommes chez nous“ trug, gegründet. Diese habe sowohl Sprachkurse gegeben, als auch kulturelle Werte vermittelt: „des danses traditionnelles, des comptes, des choses comme ça.“ Später hätte er gemeinsam mit seiner Frau, LTB02_60f, die Calandreta in La Teste-de-Buch ins Leben gerufen. Anschließend hätte er sich aber vom „mouvement occitan“ abgewendet und es sei zur Gründung einer neuen association, gemeinsam mit den Basken, gekommen:

parce que l’idée qui sous-entend c’est que – c’est qu’en fait les Gascons et les Basques, c’est le même peuple. [geschichtlicher Exkurs] on a essayé de regrouper ça avec une association vasconne – il y a toute une idéologie derrière aussi (vgl. LTB01_60m, Anhang 4n).154

Er habe sich daher lange dafür eingesetzt und sich schließlich komplett zurückgezogen. Danach habe er sich nur noch mit persönlichen Projekten beschäftigt: Er habe Texte geschrieben und angefangen an einem französisch-gaskognischen Wörterbuch zu schreiben, aber es sei nur noch ein „plaisir“. Während des Prozesses des Älterwerdens, habe er einfach festgestellt, dass es nicht möglich sei alles zu revolutionieren, daher beschränke er sein Anliegen nun auf den privaten Raum:

donc – moi actuellement – j’ai tendance à – je n’ai pas du tout changé d’avis – mais j’ai plutôt tendance à vivre ça avec des amis – comme  une chose – dans un cercle un peu plus privé – plutôt dans le plaisir que dans la volonté de – de tout changer tout révolutionner – si vous voulez – ça c’est clair (vgl. LTB01_60m, Anhang 4n).

Seine Frau LTB02_60f, die seine Ansichten im Wesentlichen teilt, berichtet von einem ähnlichen Gemütswandel mit anschließendem Rückzug.

Die anderen neun aktiven Retter des Gaskognischen engagieren sich zu einem Großteil in associations: CUB01_65m – der in mehreren associations wie etwa der association L’Estaca aktiv ist – umschreibt die Aufgaben, die er übernimmt, folgendermaßen:

en toute occasion (..) d’abord, en étant responsable d’associations – à ce titre-là (.) en – en prenant tous les contacts que je peux avoir pour aller faire des animations – pour montrer la langue – la culture – à chaque fois que nous le pouvons – plusieurs fois dans l’année – en différents endroits – et ensuite en étant bénévole pour (.) aller dans des écoles – faire des animations – présenter la langue et la culture aux enfants des écoles (..) et en portant mon béret l’hiver qui est un signe identitaire gascon [x] (vgl. CUB01_65m, Anhang 4n).

CUB05_65f, die ebenfalls Mitglied in diesem Verein ist, sagt, dass sie mit ihm „sous forme des chansons“ in der Öffentlichkeit auftrete. Auch sie spricht von aktiven Bemühungen, ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen. Sie nehme sich dafür durchaus Zeit, allerdings habe sie diese als Rentnerin auch (vgl. CUB05_65, Anhang 4n).

CUB03_42m und CUB04_67m sind dagegen Mitglieder und Mitarbeiter im IEO Gironde/Aquitaine. Einen Beitrag zum Retten der Sprache leistet CUB03_42m, seiner Meinung nach, durch die Mitgliedschaft in dieser association, die Sprach- und Geschichtskurse, sowie kulturelle Veranstaltungen anbietet.155 CUB04_67m betont vor allem die Bedeutung der Kulturveranstaltung namens „Le Mascaret“ für die Bewahrung des Gaskognischen.

Auch der directeur des IEO Gironde/Aquitaine, CUB10_44m, unterstreicht, dass er unter Nutzung der bewilligten finanziellen Mittel „une partie de l’idéo associatif occitan“ verkörpere. Außerdem gebe er im Rahmen des IEO Sprachkurse und vermittle das Gaskognische somit aktiv (vgl. CUB10_44m, Anhang 4n).

CUB02_72f, die nahezu allen Befragten durch ihr großes Engagement bekannt ist,156hatte vor ihrer Rente 15 Jahre in der Calandreta in la Teste-de-Buch gearbeitet und treibt, seit sie in Rente ist, collectage-Projekte voran, in denen Sprachaufnahmen von Geschichten auf Gaskognisch, gesprochen von Muttersprachlern, gemacht und gesammelt werden.157 Ebenfalls seit der Rente, engagiert sich CUB09_72f in Form einer eigenen Radiosendung über die Sprache und Kultur für das Gaskognische. Abgesehen davon würde sie alle Gelegenheiten wahrnehmen, um an kulturellen Veranstaltungen rund um das Thema gascon teilzunehmen und die Projekte so zu unterstützen.158

Zwei weitere Befragte haben ihr Engagement – wie CUB10_44m – zu ihrem Beruf gemacht: CUB06_36f spricht im Rahmen ihrer Tätigkeit als Dozentin über die okzitanische Kultur und die Troubadoure und unterrichtet die Sprache selbst an der Universität von Bordeaux. CUB08_34m verwendete beim Beschreiben seiner Tätigkeit als chargé de mission für Minderheitensprachen und –kulturen in der Region Aquitaine gezielt nicht das Wort „sauver“ sondern „développer“. Er gebe neben seiner Arbeit als „plaisir Sprachkurse für Erwachsene und versuche Leute in seinem privaten Umfeld für die gaskognische Sprache und Kultur zu begeistern. Außerdem hofft er zudem, sie einmal an seine Kinder weitergeben zu können (vgl. CUB08_34m, Anhang 4n).

Zwei der Befragten geben an, sich, weder jetzt noch früher, für das Gaskognische aktiv eingesetzt zu haben. Beide sind aber im Grunde für einen Erhalt der Sprache und fühlen sich daher verpflichtet Begründungen für ihr mangelndes persönliches Engagement abzugeben. S01_80f bedauere dies sehr, allerdings sei sie mit ihren 80 Jahren nun zu alt: „il faut avoir 60 ans, être libre, être en bonne santé“ (vgl. S01_80f, Anhang 4n). CUB07_70m gibt an, um 1968 politisch sehr aktiv gewesen sein, was er danach aber für alle Themen eingestellt habe, obwohl er seine Überzeugungen nicht verändert habe. Er selbst spreche das Gaskognische aber zumindest „tant bien que mal“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4n).

Auffallend ist insgesamt, dass von mehr als der Hälfte der Befragten davon ausgegangen wird, dass das Gaskognische verschwindet, beziehungsweise Maßnahmen unternommen werden müssen, dass dies nicht eintritt. Die andere Hälfte ist dagegen optimistisch bezüglich eines Fortbestehens der langue régionale. An den Wohnorten hat das Gaskognische mehrheitlich nur eine schwache oder geringfügige Bedeutung beigemessen bekommen. Eine Ausnahme scheint insbesondere die Gemeinde Pessac darzustellen, weil sich dort eine vie communautaire herausgebildet zu haben scheint.159 Nimmt man dagegen einen okzitanismuskritischen Blickwinkel ein, so wird die Bedeutung eher auf dem Land – beispielsweise in den Landes betont. Die Befragten sagten mehrheitlich, dass man das Gaskognische retten müsse und sind beziehungsweise waren fast alle aktiv an solchen Prozessen beteiligt.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.
Vgl. Anhang 4k bzw. 4l.
Vgl. Anhang 4m.
Vgl. Anhang 4n bzw. 4l.
Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419.
Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.
Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.
Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.
Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac.
Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.
Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben.
Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.
Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.

4.8. Gründe für ein Festhalten am Gaskognischen

Um die Gründe dafür zu erfahren, weshalb die Befragten die langue régionale für schützenswert halten bzw. wieso man in ihren Augen noch das Gaskognische sprechen müsse und ob sich daraus etwaige Vorteile für die Zukunft ergeben würden, wurden diese Fragen explizit gestellt.160

Abbildung 20: Einschätzung der Befragten, ob man heutzutage noch Gaskognisch sprechen muss

Etwa Dreiviertel der Befragten geben an, dass man das Gaskognische einschränkungslos noch sprechen muss und begründen dies mit der Verpflichtung als militant dazu, aber auch mit dem allgemeinen Argument, dass eine Sprache grundsätzlich ein schützenswertes Gut sei. Die meisten argumentieren vorwiegend mit seiner historischen Kontinuität in der Region. Das Bewusstsein über diese lokalgeschichtliche Gegebenheit sei wichtig für die Identität der Menschen, die dort leben:

LTB01_60m sagt daher, dass man das Gaskognische weiter sprechen müsse und zwar „le plus possible“, denn es sei „notre langue“. Außerdem sei mit ihr eine ganz spezielle Kultur und Geschichte verbunden, die „très différente de l’histoire de France“ sei und daher das Fundament für die Andersartigkeit der Gaskognier bilde – dies zu wissen, sei aus identitären Gründen sehr wichtig, denn „une langue – ça fait vivre un pays“:

je pense que l’identité, c’est important – d’abord il faut savoir où on va – il faut savoir d’où on vient – c’est vraiment quelque chose un peu courant je dirais – mais je pense que c’est la vérité – je pense qu’il faut prendre conscience des racines – pour respecter votre voisin – il faut déjà que votre voisin vous respecte – donc vos racines – elles existent – je pense qu’il faut les conserver (vgl. LTB01_60, Anhang 4o).

CUB02_72f begründet ihre Entscheidung dagegen damit, dass man all das – also die gaskognische Sprache und Kultur – nicht einfach so auslöschen könne, denn „ça représente du monde – des vies – ça représente des vies“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4o) und es wäre zudem wichtig für die Region:

Parce que c’est l’origine – pas du monde – mais en fait c’est l’origine du monde D’ICI – d’ici – donc c’est juste ça – mais on a existé avant qu’arrivaient ces hors de – ces gens déjà conquis par la consommation et tout ça (vgl. CUB02_72f, Anhang 4m)

Als Anthropologe sei CUB07_70m „obligé de défendre l’universalité des langues“ (vgl. CUB07_70, Anhang 4o) und finde deshalb, dass man die Sprache weiterhin sprechen müsse, zumal es seine eigene Sprache wäre, was er sagt, obwohl es sich beim Gaskognischen nicht um seine Muttersprache handelt – auch hier scheint also die identitäre Komponente eine Rolle zu spielen.

Auch CUB06_36f sieht die Vorteile bezüglich der Identität der Menschen und denkt, dass man deshalb Gaskognisch sprechen müsse, denn es sei nun mal Teil der Identität der hiesigen Region und eines großen Teils des Landes. Vermutlich um zu unterstreichen, dass sie das Gaskognische nicht in einer überprivilegierten Position sieht, merkt sie an, dass dies auch für andere langues régionales gelten würde.

Ähnlich allgemein argumentiert auch CUB03_42m, denn wenn man eine Sprache – wie eine langue régionale – sterben lasse, sei dies „faire disparaître un part de notre humanité.“ Er betont zudem die historische Kontinuität des Gaskognischen in der Region und kommt auf die französische Sprachgeschichte zu sprechen, wobei er betont, dass die örtliche Minderheitensprache schon länger existiere als das Französische und dass Frankreich nun „un devoir de réparation“ habe, um die geschichtlichen Vorkommnisse wieder gut zu machen (vgl. CUB03_42m, Anhang 4o).

CUB04_67m hebt hervor, dass es sich beim Gaskognischen schließlich um eine „vraie langue“ handle und geht ebenfalls auf die historische Verwurzelung mit der Region ein (vgl. CUB04_67m, Anhang 4o).

Auch CUB09_72f findet, dass man es noch sprechen müsse, was sie allerdings nicht begründet, sondern vorher vom Thema abdriftet.

CUB01_65m hatte die Frage dagegen vor allem vor dem Hintergrund seiner Mission der Rettung der Sprache verstanden und antwortete daher, dass man es natürlich bei jeder Gelegenheit sprechen müsse, was er im Rahmen seiner Vereinstätigkeit auch täte, denn „ça permet d’attirer l’attention“ und dann könne man mit den Leuten ins Gespräch kommen, um ihnen von den Sprachkursen und dem Kulturfestival „Le Mascaret“ zu erzählen (vgl. CUB01_65m, Anhang 4o).

Der directeur des IEO Aquitaine, CUP10_44m, spricht davon, dass man es weiter sprechen und schreiben müsse und könne, jedoch sollte dies keinen Anlass dazu geben, intolerant gegenüber anderen Varietäten des Okzitanischen zu sein.

Vier Personen gehen aus verschiedenen Gründen nicht von einem absoluten Muss, Gaskognisch zu sprechen, aus. Dies begründen sie zum einen mit dem aktuell sehr bedrohten Zustand des Gaskognischen, aber auch mit der Tatsache, dass man nicht von „müssen“, einem devoir sprechen dürfe – da man so eine Zwangshaltung grundsätzlich ablehnen würde.

S01_80f würde es auch wollen, dass die Sprache noch weiter gesprochen wird – da sie den aktuellen Zustand des Gaskognischen aber als sehr kritisch in ihrem Dorf wahrnimmt, spricht sie hier allerdings nur im Konjunktiv. Sie unterstreicht aber, dass sie es wirklich sehr bereuen würde, wenn das Gaskognische ausstirbt, denn es stelle schließlich ein Kulturerbe dar, das wichtig für die Identität der Menschen in der Region wäre:

c’est notre patrimoine presque là – c’est – c’est – c’est nous quoi – la région – même s’il y a des différences quand on va à la Girose – c’est pas le même parler – mais tout le monde se comprend ce qui – c’est comme on a appris une langue que tout le monde connaît – il nous faudrait une langue que notre région connaisse (vgl. S01_80f, Anhang 4o).

LTB02_60f antwortete mit einem ernüchterten und wenig euphorischen „pourquoi pas“ (vgl. LTB02_60f, Anhang 4o), jedoch wüsste sie nicht wie man die Situation, in der sich die Sprache befindet, noch umkehren könnte.

Laut CUB08_34m dürfe man in diesem Zusammenhang nicht von „devoir“ sprechen: „on est que sur le désir et que sur une volonté – c’est une adhésion libre.“ Aber aus beruflichen Gründen wäre er auf jeden Fall dafür, dass man die langue régionale spricht. Als Begründung gibt er an, dass die Sprache traditionell auf diesem Gebiet gesprochen wurde. Er stellt sich allerdings vehement gegen ein Ausschließen von anderen Personen mit einer anderen Herkunft als der Gaskognischen, wie dies von Gaskognisten bzw. einigen locuteurs naturels betrieben wird. Diese haben wenig Verständnis für die Arbeit der Okzitanisten (vgl. Milhé 2007, 98):161

je réfute le – le discours des racines – ‘fin – pour moi une langue – c’est pas – c’est pas – ce sont pas des histoires de racine – ‘fin – parce que si on parle de ces bases-là – on exclue 30 ou 40 pourcent des gens qui vivent sur ce territoire et – et ‘fin – pour moi – non – cette langue est d’ici mais c’est tout – moi – je suis franco-espagnol et je – j’ai pas – j’ai peut-être moins de racines que d’autres gens d’ici mais n’empêche que – elle appartient – elle est aux gens qui ont envie de la parler mais pas – pas – pas à ceux qui ont des racines (vgl. CUB08_34m, Anhang 4o).

Eine ähnliche Ansicht, bezüglich der Formulierung der Fragestellung, die man als mögliche Pflicht gascon zu sprechen interpretieren könnte, hatte auch CUB05_65f, der es als Kind umgekehrt verboten war, Gaskognisch in der Schule zu sprechen. Es dürfe keine „obligation“ sein und müsse „plaisir“ bleiben. Um die Sprache allerdings erhalten zu können, müsste man es, laut ihr, aber vielleicht mehr sprechen (vgl. CUB05_65f, Anhang 4o).

Abbildung 21: Einschätzung der Befragten, ob Gaskognisch ein Vorteil für die Zukunft ist

Bei möglichen Vorteilen des Gaskognischen für die Zukunft – gehen elf der dreizehn Befragten von tatsächlichen Vorteilen aus, die einem das Sprechen dieser langue régionale eröffnen könnte. Allerdings sehen nur fünf die Vorzüge des Gaskognischen im Speziellen. Die anderen sechs geben dagegen nur Vorteile von Mehrsprachigkeit allgemein, beziehungsweise von Kultiviertheit im Besonderen an.

Bei den Vorzügen, die es bieten könnte, Gaskognisch im Speziellen zu sprechen, spielt die identitäre Ebene die entscheidende Rolle. Diesen Faktor betont etwa CUB09_72f, jedoch sei dies alles an objektiven Vorzügen. CUB10_44m betont wieder, dass er grundsätzlich darin einen Vorteil sehe, mehrere Sprachen zu sprechen: Explizit brächte Gaskognisch nur in Bezug auf die Identität einen Vorteil gegenüber anderen Sprachen mit sich.162 Um zu unterstreichen, dass er das Gaskognische dennoch nicht als etwas Rückwärtsgewandtes verstehe, betont er – als Okzitanist – seinen Gegenwartsbezug, das es für ihn habe:

L’occitan pour moi, c’est un avantage dans le présent. Pour l’avenir – on verra. […] une langue qui doit être tournée vers le présent pour construire quelque chose de futur mais en s’inspirant par le passé (vgl. CUB10_44m, Anhang 4p).

Ähnlich argumentierte auch LTB02_60f: Für die Zukunft sei es immer ein Vorteil eine weitere Sprache sprechen zu können und für einen Gascon umso mehr, wenn es sich dabei um seine eigene Sprache handle. Es ermögliche ihm, Dinge über seine Herkunft und damit über seine Identität zu erfahren:

Oui – une langue – c’est – c’est – c’est un miroir – c’est un miroir d’une pensée – d’une façon –  de vivre – de penser – donc – c’est important que les Gascons au moins en sachent un peu (h) il faudrait que ça se maintienne comme ça, bon – dans la vie courante et tout ça – mais je crains que ce soit trop tard – mais que les enfants en Gascogne apprennent cette langue un petit peu – il faudrait – parce que c’est très important – on pense pas tout à fait pareil quand même (vgl. LTB02_60f, Anhang 4p).

CUB06_36f vertritt zudem eine Meinung, die auch in der Forschungsliteratur immer wieder erwähnt wird und in der Diskussion über die langues régionales immer wieder zur Sprache gebracht wird:163 „l’enracinement régionale – à mon avis va prendre son essor – va être très important dans l’avenir.“ Dabei spricht sie von einem „point de repère important dans une société difficile“, den einem das Wissen über die Geschichte der „terre où on vit“ bieten könnte (vgl. CUB06_36f, Anhang 4p).

Zwei Beforschte, die sich intensiv mit der Öffentlichkeitsarbeit rund um das Gaskognische befassen, betonen außerdem die Vorteile, die man aus dieser neu prognostizierten Regionsverbundenheit der Menschen in Zukunft schöpfen könnte. CUB01_65m spricht bei dieser Frage ganz pragmatische Gründe an, die vor allem jungen Leuten ein Anreiz sein sollten, Gaskognisch zu lernen. Das Gaskognische wäre ein „atout niveau relationnel“, denn es gebe „des emplois dans la langue occitane“: Zum einen im Bereich Tourismus, wo man durch das Verstehen der „noms de lieux“ Führungen anbieten könnte, zum anderen im Bereich „commerce“: „le fait de mettre en valeur le terroir par la langue.“ Zum Beispiel hätte man sie schon gebeten Internetseiten auf  „occitan gascon“ zu übersetzen.164 Darüber hinaus gebe es auch noch das „enseignement“, in dem man eine Anstellung finden könnte (vgl. CUB01_65m, Anhang 4p).

Auch CUB08_34m geht auf diese beruflichen Möglichkeiten ein, die sich für junge Menschen eröffnen könnten. Auch er selbst bestreite seinen Lebensunterhalt mit dem Okzitanischen. In diesem Zusammenhang erwähnt er unter anderem die Möglichkeit, dass man bei einem Okzitanischstudium ein Stipendium der Region erhalten könne, wenn man sich zum bilingualen Lehrer ausbilden lasse.

Jene, die im Gaskognischen im Speziellen keinen Vorteil sehen, gehen dagegen auf die Vorteile ein, die es mit sich brächte, eine zweite Sprache zu sprechen, die allgemein gehaltene Antwort wird teilweise mit der minoritären Situation des Idioms begründet. LTB01_60m, der zu denjenigen zählt, die an das Verschwinden des Gaskognischen glauben, hielt es daher für schwierig auf konkrete Vorteile der langue régionale einzugehen. Deswegen ging er auf grundsätzliche Vorteile einer „deuxième culture“ ein: Eine Öffnung „à un esprit différent“ und der Zugang zu anderen Sprachen und Kulturen (vgl. LTB01_60m, Anhang 4p).

Ähnlich argumentiert auch CUB05_65f: „ça fait une multiple – une diversité dans la culture et donc ça ouvre plus l’esprit vers le – vers toutes les autres cultures.“ Außerdem brauche es im Leben neben dem Beruf noch etwas anderes:

qui fonde la vie quoi – il faut avoir – bon – c’est une histoire de culture bon – enfin il me semble que oui pour les sens tout ça – la culture – c’est bien de parler occitan (vgl. CUB05_65f, Anhang 4p).

Andere betonen dagegen die Vorzüge, die das Beherrschen einer Fremdsprache für das Erlernen weiterer Sprachen hätte. Diesen Vorteil nennen CUB07_70m und CUB03_42m. Letzterer halte dies gerade deshalb für so vorteilhaft, da er fest davon ausgehe: „l’avenir du monde est au multilinguisme“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4p).

CUB02_72f nennt keine konkreten Vorteile des Gaskognischsprechens für die Zukunft, sondern betont nur, dass sie folgendes fände: „c’est très – très important d’être cultivé.“ Außerdem wäre Kultur an sich „un plaisir“ und Gaskognisch wäre in diesem Sinne nicht weniger wert als andere Freizeitaktivitäten: „Vous savez – faire du ski, à quoi ça sert aussi?“ (Vgl. CUB02_72f, Anhang 4p).

Die zwei Befragten, die angegeben hatten, dass es keine Vorteile bringen würde Gaskognisch zu sprechen, begründeten dies mit der Minderheitensituation der Sprache. CUB04_67m betont daher, dass man nun einmal andere „langues de communication“ habe: Französisch und Englisch auf internationaler Ebene (vgl. CUB04_67m, Anhang 4p). S01_80f spricht davon, dass es ein „revirement complèt“ bräuchte, damit das Gaskognische wieder ein Trumpf für die Zukunft sein könne. Aufgrund der Tatsache, dass es nicht mehr nur „gens du  terroir“ gebe, wäre es allerding schwierig diesen zu erreichen (vgl. S01_80f, Anhang 4p).

Auffällig war vor allem, dass einige Sprecher den Eindruck hatten, bereits auf die Frage geantwortet zu haben, weil sie bei der Frage, ob es gut oder schlecht wäre mit Kindern Gaskognisch zu sprechen, schon sehr allgemein geantwortet hatten.165

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.
Vgl. Anhang 4k bzw. 4l.
Vgl. Anhang 4m.
Vgl. Anhang 4n bzw. 4l.
Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419.
Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.
Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.
Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.
Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac.
Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.
Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben.
Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.
Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.
Vgl. Anhang 4o und 4p.
Diese Meinung konnte man dagegen bei einigen der anderen Befragten heraushören, welche sich immer wieder über das Zuziehen von Menschen aus anderen Regionen entzürnten, wie etwa LTB02_60f und CUB09_72f.
Er unterstreicht aber erneut, dass das Gaskognische nicht anderen Varietäten des Okzitanischen oder dem Französischen überlegen wäre.
Vgl. dazu: Milhé 2007: 100.
Diese Information liefert nicht zuletzt auch ein Indiz darauf, dass auch hier eventuell eine Entwicklung wie in Neapel zu beginnen scheint, denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr Gaskognisch spricht, scheint es für die Geschäfte trotzdem ein Vorteil im Bereich Marketing zu sein, ihre Schilder und Internetseiten in die langue régionale übersetzen zu lassen. Daher wäre es auch interessant einen Vergleich zwischen den beiden Regionen Südeuropas vorzunehmen, was im Rahmen der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht möglich war. Es könnte durchaus möglich sein, dass der Einsatz von Begriffen aus dem Gaskognischen auch hier dazu verwendet wird, Effekte von „Authentizität“ und „Genuinität“ zu erzeugen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 86.
Dies lag zwar nicht in der Absicht der Interviewerin, jedoch ist eine solche Interpretation nicht immer zu verhindern.

4.9. Bewertung der Sprachpolitik

Um die Bewertung der Sprachpolitik der französischen Regierung abzufragen, wurde zunächst die Frage gestellt, ob die Sprecher glauben, dass die französische Sprachpolitik dem Gaskognischen nützt oder schadet.166 Um dann noch auf eine konkrete sprachpolitische Maßnahme zu sprechen zu kommen, wurde anschließend eine Frage zum Sprachunterricht an den öffentlichen Schulen gestellt,167 da diesem, neben dem familiären Gebrauch, eine wesentliche Rolle bei der Transmission des Gaskognischen zukommt. In der Soziolinguistik wird in ihm auch ein wesentliches Indiz für den Spracherhalt bei Minderheitensprachen gesehen (vgl. 2003, 17).

Abbildung 22: Bewertung der französischen Sprachpolitik durch die Befragten

Auf die Frage, ob die Sprachpolitik der französischen Regierung das Gaskognische begünstige, antwortete etwa die Hälfte der Befragten mit einem strikten Nein.

Dabei berufen sich drei Befragte – CUB04_67m, LTB01_60m und LTB02_60f – auf die jakobinische Tradition in Frankreich, die dort seit der Französischen Revolution von 1789 vorherrscht und deren Interessen gegen das Fortbestehen der Minderheitensprachen gerichtet ist. LTB02_60f erläutert in diesem Zusammenhang die Problematik folgendermaßen:

donc cette Révolution qui a eu – qui a été très bien faite – bien entendu – vous voyez ce que je veux dire – mais en fait – en tout cas pour nous – pour les minorités intérieures de l’Hexagone – a eu des conséquences assez néfastes – quand même et pas seulement sur les minorités mais surtout notre façon de vivre aussi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4q).

Gerade das Paar aus La Teste-de-Buch scheint sich mit den sprachpolitischen Maßnahmen sehr detailliert auseinandergesetzt zu haben und hat in diesem Bereich ein sehr großes Wissen, was mit zahlreichen Details belegt wird. LTB01_60m geht dann noch auf die aktuellen Missstände der französischen Sprachpolitik ein und kritisiert neben der unzureichenden Bildungspolitik, die prinzipiell zu einer réappropriation der Sprache beitragen könnte, auch die territoriale Aufteilung der Gascogne auf verschiedene Departements und Regionen:

non seulement on a réduit les régions mais il y a peu de volonté au sein de l’État de redonner des personnalités historiques aux régions – non seulement – on a pas réunifié la Gascogne avec – disons – l’Aquitaine est partagé entre plusieurs régions – l’Aquitaine de l’Est et de l’Ouest – l’Aquitaine de l’Est qui fait partie de la région Midi-Pyrénées notamment le département du Gers et le département des Hautes-Pyrénées qui sont attachés à la région Midi-Pyrénées et qui sont historiquement gasconnes – non seulement – donc ça a eu lieu – mais en plus – on nous a ajouté les Charentais – la région de Poitou-Charentes qui n’est pas du tout de langue d’oc – qui est de langue d’oïl – qui sont vraiment des Français et une partie de la région Centre […] c’est des gens avec lesquels on a pas grand-chose à voir […] donc il y a une régression au niveau du découpage de régions (vgl. LTB01_60m, Anhang 4q).168

Dieser Ansatzpunkt wird von den anderen Befragten weniger vertieft, klar ist aber etwa für CUB02_72f, dass alle langues régionales von der Politik ignoriert werden, da man in Frankreich nicht das Recht habe sich von der Masse zu unterscheiden:

les politiques n’en ont rien à faire – on est dans une France – dans une France verticale et il faut que rien ne dépasse (.) voilà – on est français POINT BARRE (.) et bah oui – je veux bien – ça, je le refuse pas mais je pense qu’on devrait avoir le droit d’avoir un accent (vgl. CUB02_72f, Anhang 4q).

Eine ebenso negative Meinung über die Anstrengungen der Politik in puncto Regionalsprachen, hat auch CUB09_72f. Ihrer Meinung nach würden sich die Politiker nur für das interessieren, woraus sie finanziellen Gewinn ziehen könnten und würden zudem folgendes Ziel verfolgen:

Ils s’en foutent complètement – non – les hommes politiques – il y en a pas – ils s’intéressent qu’à leur portefeuille – ça les intéresse pas – mais non – ça va pas dans leur idée ça – si on est gascon – on reste ici – alors qu’eux – ils veulent tout mélanger (vgl. CUB09_72f, Anhang 4q).169

Damit meint sie, dass die Politiker den Zuzug von Personen aus anderen Regionen Frankreichs oder anderen Ländern in den Zeiten der Globalisierung begrüßen und sogar fördern würden, was sie bereits zuvor für das Verschwinden des Gaskognischen verantwortlich gemacht hat.

Auch CUB10_44m sieht in der Sprachpolitik und im Grunde im gesamten politischen Geist Frankreichs ein Hindernis für sämtliche langues régionales:

Je pense que la culture politique française – l’identité française – enfin – ce qui est à affirmer par la classe politique et administrative française va complètement contre – va complètement contre la prise en compte des langues régionales – en particulier l’occitan (vgl. CUB10_44m, Anhang 4q).

Aufgrund des mangelnden Interesses und Wissens der élus, verwende er auch den Begriff occitan, was er folgendermaßen begründet:170

Donc – moi je parle de l’occitan pour justement que les politiques prennent conscience de la question des langues régionales et de l’occitan en particulier – enfin – pour moi – c’est pas que la question de l’occitan – c’est la question de la langue régionale et par contre – je refuse de parler du gascon parce que sinon on risque de rentrer dans des débats qui risquent d’apporter de la division et diviser c’est renier pour une politique ensuite deux-deux – il faut dire aussi que les gens qui s’accrochent à l’identité du gascon de manière – de manière trop affective – il y en a qui fraient avec le Front National et c’est le problème de l’IBG (vgl. CUB10_44m, Anhang 4q).

Damit bringt er genau jene Aspekte auf den Punkt, die in der Forschungsliteratur zur Abgrenzung von Gaskognismus und Okzitanismus gesagt werden (vgl. etwa: Milhé 2007: 98f. bzw. 1.1.3.).

Als gute Promotionsstrategie hatte er zuvor folgende Bedingungen genannt, die insgesamt nicht erfüllt werden, weshalb er von einem échec spricht:

avoir des activités associatives intelligentes – avoir des outils de politique linguistique – une politique linguistique réaliste – ce qui n’est pas le cas – ni l’un – ni l’autre – en fait – si nous sommes en échec – c’est parce que nous sommes en échec aussi bien au niveau associatif que les collectivités locales (vgl. CUB10_44m, Anhang 4m).

Zwei der Beforschten geben dagegen restriktive Antworten und können die Frage, ob die französische Sprachpolitik das Gaskognische begünstige oder ihm schade nicht so ohne Weiteres beantworten. CUB05_65f bestätigt, in abgeschwächter Weise, die Meinung zum Desinteresse der Politik, weshalb sie die Frage, ob das politische System das Gaskognische begünstige mit „pas trop“ beantwortet. Das belegt sie mit der Tatsache, dass die Politik das Gaskognische schließlich immer noch nicht in die Verfassung aufgenommen habe. Eine restriktive Antwort kommt auch von CUB03_42m: Er spricht an, dass es Anstrengungen von Seiten der Politik gebe, aber dass diese nicht ausreichend wären. Zuvor hatte er bereits davon gesprochen, dass man das Gaskognische am Besten dadurch retten könne, wenn man Sprachunterricht im Kindergarten und der Grundschule gewährleistet. Dies sei aktuell nicht der Fall, da nicht genügend Lehrer zu Verfügung gestellt werden.171

Zwei weitere Befragte geben sich unentschlossen – möglicherweise könnte die Politik mehr tun, allerdings erschwere auch der Zeitgeist grundsätzlich die Bedingungen. Die älteste Befragte, S01_80f, scheint sich mit der Frage allgemein weniger auseinandergesetzt zu haben und kann sich zunächst nicht so recht entscheiden, ob die französische Sprachpolitik förderlich oder negativ für das Gaskognische ist, denn vorher hatte sie angemerkt, dass, ihrer Meinung nach, vor allem die Kinder nicht motiviert wären, Gaskognisch zu lernen und dieses Desinteresse am Verschwinden des Gaskognischen schuld sei. Während sie darüber reflektierte, merkte sie zwar an, dass die Politik der langue régionale „par son désintérêt“ schaden würde. „Il lui nuit dans l’ignorance, il l’ignore“ (vgl. S01_80f, Anhang 4q). Das größte Problem scheint also in ihren Augen mehr das Desinteresse der Generationen nach ihr zu sein – in ihren Ausführungen explizit das ihrer eigenen Tochter und Enkeltochter – und nicht so sehr das fehlende Handeln der Politiker. CUB06_36f, die es für das Beste hielte, wenn die Förderung des Gaskognischen auf kulturelle Art und Weise erfolgen würde, sagte, dass sie den Unterricht und die Unterstützung der Minderheitensprachen durch die militants anerkenne. Sie macht eher den Zeitgeist dafür verantwortlich, dass nicht mehr gemacht würde, denn ihrer Meinung nach würde man derzeit nicht in einer „période vaste pour la culture“ leben. Allgemein traue sie aber der Verführungskraft der Kultur am meisten zu, dass sie zur Förderung des Gaskognischen beitragen kann. Sie sei sich daher nicht sicher, ob die Regierung die Minderheitensprache „à la hauteur qu’elle mérite“ anerkenne (vgl. CUB06_36f, Anhang 4q).

Drei weitere Befragte geben gar keine Stellungnahme zur Rolle der Politik ab: zum einen, da man die neue Sprachpolitik aktuell noch nicht bewerten könne, zum anderen, weil man der Politik keine so große Rolle bei der Rettung des Gaskognischen beimisst. Der jüngste Befragte, CUB08_34m, welcher selbst auf politischer Ebene tätig ist, ringt sich – vermutlich aufgrund seiner Position – zu keiner rechten Antwort durch und geht daher mehr auf die Schwierigkeiten ein, die mit der Durchsetzung einer effizienten Sprachpolitik verbunden wären. Seiner Ansicht nach liege die wesentliche Verantwortung für den Schutz des Gaskognischen bei den élus und den cercles associatifs. Seine Version von einer guten Sprachpolitik, die sich scheinbar bei mehreren der Befragten durchgesetzt hat, da sich diese untereinander kennen und sich allesamt für den Okzitanismus aussprechen, wäre folgende:172

regagner du publique et convaincre les gens qui nous entourent – passe par une pédagogie – c’est-à-dire – ça veut dire expliquer et sans cesse expliquer et trouver une bonne argumentation et surtout ne pas diviser c’est-à-dire que quand on défend – quand on parle de l’occitan – c’est aussi défendre le français mais aussi défendre les autres langues qui nous entourent et avoir une vision globale et – et des passerelles et des allers-retours permanents entre les langues et les cultures qui nous entourent et – et toujours être sur une dynamique d’explication – de pédagogie et – et d’ouverture et rester dans un champ qui est plus ou moins d’ordre culturel qui est – pas forcément associer l’occitan à la politique ‘fin – être Occitaniste ça veut pas dire être régionaliste ou être nationaliste– on peut être Occitan de droite – de gauche on peut être un Occitan chasseur – un Occitan écologiste – l’occitan appartient – appartient à tout le monde et à personne ‘fin – ce qui – donc – il nous faut toucher toutes ces parties de la population hormis les plus extrêmes – bien évidemment (vgl. CUB08_34m, Anhang 4m).

Diese Sprachpolitik sei im Gange und im Vergleich zu vergangenen Zeiten habe bereits eine „prise de conscience“ eingesetzt. Grundsätzlich sei es aber ein sehr langwieriger Prozess, bis man es schaffe zu jenen Mitteln zu gelangen, die es für die Umsetzung einer effizienten Sprachpolitik bräuchte, denn dafür benötige man zunächst einmal Personal. Er beabsichtige deshalb „sur le long terme“ zu arbeiten (vgl. CUB08_34m, Anhang 4q).173

CUB01_65m entscheidet sich weder für die eine, noch für die andere Option: Er meint, dass es eben manche élus gebe, die Mittel zur Verfügung stellen, aber das sei nicht immer so. Den Grund für den Rückgang sehe er aber weniger in der Politik begründet, sondern viel mehr in den Entwicklungen der Moderne und den Veränderungen, die diese mit sich brächten:

l’adaptation au modernisme – toutes les populations des villes et des campagnes voient depuis (.) c’est parti depuis l’entre-deux-guerres je pense – ce sont tournés vers – les cultures d’Europe et puis à la fin de la deuxième guerre mondiale à la culture américaine – le jazz – le bebop – tous les trucs et puis c’est parti – grande assimilation de tout ce que venait d’ailleurs au détriment de notre culture propre (vgl. CUB01_65m, Anhang 4q).

Eine völlig andere Meinung diesbezüglich hat CUB07_70m, der überhaupt nicht an die Rolle der Politik in dieser Frage glaubt und ihren Einfluss sogar teilweise als negativ bewertet:

on a pas besoin de ça – à la limite au contraire – c’est bien que ça soit une langue discrète – une langue souterraine – c’est ça la réalité – c’est pas les décisions, bon. […] on sait aussi que les institutions ça – ça instaure des réactions négatives – oui – donc c’est pas seulement toujours positive – l’intervention du haut (vgl. CUB07_70m, Anhang 4q).

Auf die Frage danach, wie dann seiner Meinung nach die Transmission von statten geht beziehungsweise, ob es dann überhaupt eine Transmission der langue régionale geben kann, entgegnete er, dass es sich um „une langue de classe d’âge“ handeln würde: „Ça arrive mécaniquement“ (vgl. CUB07_70m, Anhang 4q).

Abbildung 23: Bewertung des Okzitanischunterrichts an den Schulen durch die Befragten

Bei den Antworten zur Frage nach der persönlichen Meinung zum Unterricht der langue régionale an den Schulen, also einer Meinung zu einer konkreten Maßnahme der Politik bzw. der Éducation nationale, überrascht es daher nicht, dass viele ihn nicht für ausreichend halten.

CUB09_72f, CUB06_36f, CUB05_65f und CUB01_65m geben an, den Unterricht gut zu finden. Letzterer räumt aber ein, dass viel zu wenige Lehrer ausgebildet werden, was in den Kompetenzbereich der Éducation Nationale fällt. Die Okzitanischdozentin, CUB06_36f, spricht zudem davon, dass man den Unterricht noch weiter ausbauen müsse.

Sieben weitere Befragte haben grundsätzlich keine negative Einstellung zum Gaskognischunterricht an den Schulen, halten diesen aber für unzureichend.

Die in den Landes lebende S01_80f gibt dagegen an, dass sie prinzipiell viel davon halten würde, hält die Situation der Minderheitensprache aber für relativ aussichtslos, da die Kinder und Jugendlichen einfach nicht das Interesse dafür mitbrächten. Außerdem sehe sie im Zuzug von vielen Menschen von außerhalb, die sich meist nicht in die Dorfgemeinschaft integrieren, ein Hindernis für das Greifen der Maßnahmen.

c’est bien de proposer aux enfants d’apprendre la langue un tout petit peu mais ça prend pas – on a plus que des gens de la région. […] Ce sont des gens qui sont venus – qu’est-ce qu’ils sont venus à Sore? (Vgl. S01_80f, Anhang 4r).

CUB10_44m nimmt eine recht kritische Perspektive ein und meint, dass man es durchaus besser machen könnte. Er räumt aber auch ein, dass es allgemein recht schwierig sei, bilinguale Klassen zu schaffen:

L’Éducation Nationale – ce sont des fonctionnaires, ils refusent de mettre en place – en gros – ils refusent de donner les moyens pour enseigner la langue (vgl. CUB10_44m, Anhang 4r).

Außerdem kritisierte er grundsätzlich den Fremdsprachenunterricht in Frankreich.

Auf ähnliche Weise kritisieren auch CUB03_42m und CUB04_67m das Handeln der Politik in dieser Frage, denn das Angebot sei zu gering. CUB02_72f, die selbst an Schulen unterrichtet hat, bezeichnet das enseignement als „squelette“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4r). CUB08_34m, der hier wieder die Perspektive der Politik einnimmt, gibt in diesem Zusammenhang an, dass es grundsätzlich ein vielfältiges Angebot gebe, man aber nach wie vor zu wenige ausgebildete Lehrer hätte. Man strebe allerdings an, das grundsätzlich zu ändern. Dies sei aber noch nicht im ausreichenden Maße erreicht.

Die anderen Stimmen sind dagegen sehr kritisch – sie halten das geringe Angebot und die Art und Weise, wie der Unterricht an den öffentlichen Schulen abgehalten wird nicht für gut. Die Gründer der inzwischen geschlossenen Calandreta in La Teste-de-Buch, LTB02_60f und LTB01_60m, haben des Weiteren noch ganz andere Kritikpunkte vorzubringen, als das unzureichende Angebot. Ein Kritikpunkt von LTB02_60f ist etwa, dass man die bilingualen Klassen nur eingerichtet habe, um die Gründung von Calandretas zu vermeiden, denn dort würde man ihrer Meinung nach ein gutes, effizientes Vorgehen verfolgen. Die Calandreta in Pessac, „une [seule] dans le département“, die es aufgrund der Gründung dieser Klassen nur noch gebe, wäre zudem eine „école d’intellos.“ Bezüglich der von ihnen gegründeten Calandreta, schildert sie, mit etwas verbitterten Worten, die aktuellen Entwicklungen: Die Calandreta sei eine Schule,

qui s’adresse à des enfants d’universitaires – c’est pour ça que je disais la langue restera à l’université – ça s’adresse pas à des enfants de – d’ici – non – parce que nous – à la Calandreta […] les gens – ils payaient pas – c’était pas une école de – c’était pas une école de ‘fin – une école pour d’intellos quoi (vgl. LTB02_60f, Anhang 4r).

Hier äußert sie einen Kritikpunkt, der der Okzitanismusbewegung immer wieder vorgeworfen wird: seine besondere Anziehungskraft auf Akademiker, sowie eine Integration und Missionierung von Personen, die nicht aufgrund ihrer Herkunft mit dem Idiom verbunden sind (vgl. Moreux 2004, 44Milhé 2007, 100.

Zudem äußern beide, LTB01_60m noch mehr als seine Lebensgefährtin, ihre Missgunst darüber, dass „le gascon à travers l’occitan“ unterrichtet werden würde. Er präzisiert diesbezüglich weiter: „c’est quelque chose qui me convienne pas – je voudrais que le gascon soit enseigné en tant que gascon et pas en tant qu’occitan.“ Ein weiterer Kritikpunkt ist auch bei ihm, dass sich der Unterricht vor allem an Universitäre richte, was der Tatsache geschuldet sei, dass es sich nur um eine fakultative Option an den Schulen und um kein Pflichtfach handle. Dazu sagte er des Weiteren: „on est sorti de la réalité quoi“ (vgl. LTB01_60m, Anhang 4r). Daher sagen beide, dass sie es grundsätzlich für zu spät hielten, um noch etwas an der aktuellen Situation ändern zu können. Auf der Straße würde Gaskognisch ohnehin nicht mehr gesprochen werden.

CUB07_70m, der wie oben erwähnt, nicht an die Rolle der Politik in dieser Frage glaubt, sagt zwar, dass er es prinzipiell gut heiße, dass das Gaskognische durch den Status als Unterrichtssprache in der Öffentlichkeit aufgewertet werde, aber von der Umsetzung habe er keine Ahnung und könnte die Frage deshalb auch nicht beantworten.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.
Vgl. Anhang 4k bzw. 4l.
Vgl. Anhang 4m.
Vgl. Anhang 4n bzw. 4l.
Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419.
Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.
Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.
Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.
Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac.
Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.
Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben.
Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.
Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.
Vgl. Anhang 4o und 4p.
Diese Meinung konnte man dagegen bei einigen der anderen Befragten heraushören, welche sich immer wieder über das Zuziehen von Menschen aus anderen Regionen entzürnten, wie etwa LTB02_60f und CUB09_72f.
Er unterstreicht aber erneut, dass das Gaskognische nicht anderen Varietäten des Okzitanischen oder dem Französischen überlegen wäre.
Vgl. dazu: Milhé 2007: 100.
Diese Information liefert nicht zuletzt auch ein Indiz darauf, dass auch hier eventuell eine Entwicklung wie in Neapel zu beginnen scheint, denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr Gaskognisch spricht, scheint es für die Geschäfte trotzdem ein Vorteil im Bereich Marketing zu sein, ihre Schilder und Internetseiten in die langue régionale übersetzen zu lassen. Daher wäre es auch interessant einen Vergleich zwischen den beiden Regionen Südeuropas vorzunehmen, was im Rahmen der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht möglich war. Es könnte durchaus möglich sein, dass der Einsatz von Begriffen aus dem Gaskognischen auch hier dazu verwendet wird, Effekte von „Authentizität“ und „Genuinität“ zu erzeugen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 86.
Dies lag zwar nicht in der Absicht der Interviewerin, jedoch ist eine solche Interpretation nicht immer zu verhindern.
Vgl. Anhang 4q.
Vgl. Anhang 4r.
Hier verdeutlicht sich erneut, dass es sich bei den Ansichten von LTB01_60m um eine gaskognistische Sicht handelt, denn er beruft sich mit dieser Sichtweise auf die historische Kontinuität der aquitanischen Völker. Dies kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck. Vgl. Pédemay 2012: 11-15.
Nicht zuletzt ist diese Aussage im Zusammenhang mit ihrer Äußerung zu sehen, dass die „brassage de population“ dafür verantwortlich wäre, dass das Gaskognische verschwinden wird. Vgl. CUB09_72f, Anhang 4k.
Damit liefert er gleichzeitig eine Erklärung für eine konsequente Verwendung des Wortes occitan von einigen der Befragten, die in dieser Frage einer Meinung mit ihm sind.
CUB03_42m erwähnt bei der Frage, ob er Gaskognisch mit seinen Kindern sprechen würde auch, dass es ihm nicht möglich war seinen Sohn in die Calandreta einzuschulen. Vgl. 3.4.
Dies lässt sich auch aus den Antworten von manch anderen Befragten ablesen, beispielsweise bei CUB01_65m, der ja auch von seiner kulturellen „démarche“ sprach. CUB02_72f verwies explizit auf CUB08_34m und die Tatsache, dass dieser ihre Vorstellung, die sie beide von einer guten Sprachpolitik hätten, noch besser erklären könne.
Mit der Betonung der kulturellen Ebene, sowie der Tatsache, dass man im okzitanischen Sprachgebiet keine Trennung unter den Sprechern erreichen möchte, aber auch mit dem Erwähnen des Aspektes, dass man möglichst alle im Gebiet lebenden Personen integrieren möchte, fasst er hier genau die Ziele der Okzitanismusbewegung zusammen. Vgl. 1.1.3.

4.10. Affektive Komponente

Da es für das Fortbestehen einer Sprache von immenser Bedeutung ist, dass es innerhalb der Sprechergruppe einen Zusammenhalt174 gibt (vgl. 2003, 7), wurden im letzten Teil des Interviews Fragen auf affektiver Ebene gestellt. Dabei wurde zunächst gefragt, ob die Sprecher lieber Gaskognisch oder Französisch sprechen175 und anschließend die Frage gestellt, ob sich die Sprecher in erster Linie als Franzosen oder als Gaskognier fühlen.176

Abbildung 24: Bevorzugte Sprache der Befragten beim Sprechen

Von den Befragten entschieden sich lediglich vier bedingungslos dafür, dass sie das Gaskognische lieber sprechen als das Französische. Auffallend ist dabei, dass nur ein L1-Sprecher darunter ist: S01_80f. Sie spreche zwar auch gerne Französisch, aber ihre Beziehung zum Gaskognischen sei viel persönlicher. Es wäre ein „distinguo“, ein Zeichen der Zugehörigkeit, der Ausdruck einer lokalen Identität, die die ihr nachfolgenden Generationen in der Familie nicht mehr hätten:

je suis pour la langue – la langue à bloc – à bloc – à bloc pour le gascon – j’sais pas comment vous expliquer – c’est à moi ça – c’est à moi – comme – qu’on appartient à une région quoi – c’est notre nous quoi (vgl. S01_80f, Anhang 4s).

Ebenfalls mehr Spaß daran Gaskognisch zu sprechen, hätten CUB04_67m und CUB07_70m, wobei beide keine Begründung dazu abgegeben haben und diese Antwort vor dem Hintergrund, dass es sich bei ihnen nicht um Muttersprachler handelt, doch erstaunlich ist. Auch der bekennende Gaskognist, LTB01_60m gibt an, dass er das Gaskognische bevorzuge, jedoch gibt er zu, dass das Französische doch seine Muttersprache sei, weshalb er komplexere Sachverhalte – insbesondere auch in schriftlicher Form – besser in ihr ausdrücken könnte.

Vier weitere Befragte geben an, gerne Gaskognisch zu sprechen, knüpfen dies aber an verschiedene Bedingungen:

LTB02_60f äußert, dass sie grundsätzlich Spaß daran hätte gascon zu sprechen, allerdings käme es darauf an, mit wem. Mit jenen Sprechern, die es völlig außerhalb eines familiären Kontextes gelernt haben, also L2B-Sprechern im strikten Sinne, bereite es ihr keinen Spaß, Gaskognisch zu sprechen. Abgesehen davon bevorzuge sie es, wenn die Leute ihr eigenes lokales Gaskognisch sprechen: „Le gascon d’ici, maritime“ – sie kritisiert in diesem Zusammenhang die unnatürliche klingende Sprache der néolocuteurs, die vor allem béarnais sprechen würden:

il y a des gens avec lesquels ça me fait pas plaisir de parler gascon quoi – parce que souvent ce sont des gens qui ont appris le gascon que dans les livres et donc c’est un gascon très artificiel qu’ils parlent et ça me dérange de parler avec eux – ça me dérange et on sent tout de suite d’ailleurs qu’ils ont appris dans les livres et que voilà – ils ont pas un bon accent – voilà – en tout cas c’est très artificiel et tandis que – bon – avec les gens d’ici – le petit reste qui parle encore – avec des vieux par exemple – des copains de mon père comme ça – des fois – voilà – ça c’est naturel – parce que eux – ils ont une langue beaucoup moins pure que les autres – ils ont une langue un peu francisée aussi – comme ils ont beaucoup gasconisé le français – tout ça s’est mélangé – mais c’est plus naturel – voilà et puis d’autant que – pour la plupart qui l’apprennent – ils apprennent le béarnais – ils savent pas parler le gascon d’ici (vgl. LTB02_60f, Anhang 4s).

Von dieser Schwierigkeit, allerdings in Bezug auf L1-Sprecher, spricht auch Marie-Anne Roux-Châteaureynaud in ihrem Aufsatz, die ein großes Hindernis für die Transmission darin sieht, dass Muttersprachler nicht mit der Generation der L2A- oder L2B-Sprecher reden möchten (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 986-988).

Erstaunlich ist dennoch, dass diese Ansicht von einer Sprecherin kommt, die das Gaskognische gar nicht muttersprachlich von den Eltern vermittelt bekommen hat und selbst maximal in eine Kategorie zwischen L2A- und L2B-Sprechern eingeordnet werden könnte. Sie reiht sich damit in die Reihe der Kritiker der néolocuteurs ein.

CUB02_72f geht ebenfalls einer tatsächlichen Entscheidung aus dem Weg. Sie betont, dass sie vor allem, wenn sie in Paris wäre, gerne Gaskognisch sprechen würde. Auf die Nachfrage nach dem genauen Grund dafür, antwortete sie: „pour montrer qu’il n’y a pas que les Parisiens à Paris – la résistance – je dis.“ Sie lenkt allerdings ein und sagt auch, dass sie nicht mit jemandem Gaskognisch sprechen würde, der dies nicht selbst beherrscht (vgl. CUB02_72f, Anhang 4s).

Auch die L1-Sprecherin CUB05_65f nimmt eine solche Einschränkung vor: Zwar sei es für sie eine Freude Gaskognisch zu sprechen, jedoch nicht mit jedem. Sobald es jemanden gebe, der es nicht verstehe, spreche sie Französisch. Auch diese Aussage stützt die Hypothese von Roux-Châteaureynaud, die besagt, dass L1-Sprecher das Sprechen nur auf sehr private Gelegenheiten beschränken. Sie praktizieren es nur dann, wenn definitiv klar ist, dass alle Anwesenden das betreffende Idiom sprechen (vgl. Roux-Châteaureynaud 2009, 984f.). Sie berichtet in diesem Zusammenhang auch davon, dass ihre Familie es aufgab vor einem ihrer Schwager gascon zu sprechen.

Eine ähnlich einschränkende Erklärung zu seiner Begeisterung für das Gaskognische gab CUB10_44m ab: es hänge vom Ziel ab, welches mit der Wahl des gesprochenen Idioms verfolgt werde und er sehe im occitan:

un outil de communication – par contre – il ne doit pas être un empêchement à la communication ce qui peut être le cas dans le milieu occitan – il y a des gens qui se comprennent pas (vgl. CUB10_44m, Anhang 4s).

Er weißt also auch auf ein Problem innerhalb der okzitanischen Sprechergemeinschaft hin, denn auch in dieser imaginierten Sprecherfamilie ist eine ungehinderte Kommunikation, aufgrund der Unterschiede zwischen den benannten Varietäten, nicht immer möglich (vgl. Field 2009, 759f.). Außerdem betont er, dass es ihm persönlich durchaus Freude machen würde es zu sprechen, jedoch vertritt er folgende Meinung, wenn es darum geht Okzitanisch177 zu sprechen: „La langue doit rester un plaisir pas une obligation“ (vgl. CUB10_44m, Anhang 4s).

Die beiden jüngsten Interviewten, CUB06_36f und CUB08_34m, geben dagegen an, gleich viel Spaß am Sprechen beider Sprachen zu haben, da beide Sprachen zu ihrer Identität gehören würden. CUB06_36f formuliert dies daher so: „Je suis à la fois française et occitane et ces deux langues – je les aime à égale teneur – voilà“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4s). Jedoch geben beide zu, dass das Französische dennoch ihre Muttersprache bleibe und damit die Sprache, in der sie wirklich intime Dinge ausdrücken könnten. Außerdem sei das Französische die Sprache, die sie mit ihren Eltern verbinde.

CUB01_65m und CUB03_42m berichten dagegen von ihrer allgemeinen Begeisterung für Fremdsprachen, wobei der ältere CUB01_65m vor allem seine Begeisterung für romanische Sprachen in Abgrenzung zum Englischen betont. CUB03_42m spricht dagegen von Fremdsprachen im Allgemeinen, betont aber auch ein „attachement sentimental, affectif pour l’occitan puisque c’est la langue de [sa] grand-mère“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4s).

CUB09_72f, die sich das Gaskognische erst nachträglich selbst angeeignet hatte, gesteht sich bei dieser Frage ein, dass sie vor einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dieser Frage erstmal die notwendigen Kompetenzen haben müsste, um wirklich gut Gaskognisch sprechen zu können. Sie betont aber, dass sie daran arbeite.

Abbildung 25: Identitäre Zuordnung der Befragten

Bei der Frage der primären Zuordnung der Sprecher zu ihrer lokalen oder nationalen Identität, gab es recht unterschiedliche Antworten, die sich zum Teil auf die angestrebte Diplomatie der Sprecher sowie auf ihr ideologisches Verständnis von der Offenheit ihrer Sprache und Kultur zurückführen lassen.

Drei der Sprecher geben an, sich vorrangig als Gaskognier zu fühlen. Gemeinsam ist diesen drei Befragten, dass sich diese in ihrer ideologischen Zuordnung von den restlichen Befragten dahingehend unterscheiden, dass sie sich nicht der Okzitanismusbewegung zuordnen und einen gaskognistischen – beziehungsweise politischen – Blickwinkel auf die Identitätsfrage haben.

Als explizit gaskognisch vor der französischen Zugehörigkeit fühlen sich LTB01_60m und LTB02_60f. Beide sind sich der Tatsache, dass sie französische Staatsbürger sind, gewahr. Sie bestehen aber explizit auf ihrer gaskognischen Identität, wie dieses Zitat von LTB01_60m verdeutlicht:

je pense que je pourrais toujours m’adapter partout – mais je serai toujours Gascon. […] je me définis d’abord comme Gascon – comme je vous ai dit – je me définis comme nationalité gasconne et de citoyenneté française (vgl. LTB01_60m, Anhang 4t).

LTB02_60f geht noch etwas weiter, da sie sich strikt von einer nationalen Identität lossagt, und später sogar betont, dass sie lieber englisch geblieben wäre, da die Engländer, zur Zeit ihrer Herrschaft in der Aquitaine, mehr Respekt vor dem gesprochenen Idiom des gaskognischen Volkes gehabt hätten:

‘fin – moi – je me sens pas du tout coquerico-machin-marseillaise – non – ‘fin – ça n’est pas moi – je sens que c’est pas moi – ça m’intéresse pas (h) (vgl. LTB02_60f, Anhang 4t).178

Prinzipiell würde CUB07_70m auf diese Frage ebenfalls mit Gascon antworten, jedoch reagiert der Wissenschaftler relativ entrüstet. Grund dafür ist die Fragestellung an sich, denn das würde seiner Meinung nach voraussetzen, dass es eine „expression politique de Gascogne – expression de mouvement politique gascon“ gebe, was nicht der Fall sei. Seine Aussage habe daher keine politischen Folgen (vgl. CUB07_70m, Anhang 4t).

Bei den restlichen Antworten, wurde deutlich, dass auch diese Sprecher sich des vermeintlich politischen Gehalts der Frage bewusst waren, was nicht zuletzt an der Vorstellung des Identitätskonzept des französischen État-Nation, sowie der Weltoffenheit und dem integrativen Potential der Okzitanismusbewegung zu liegen scheint. Dementsprechend fühlten sich die restlichen Sprecher verpflichtet, ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gascogne diplomatisch zu formulieren, indem sie nach Kompromisslösungen suchten: Man fühle sich entweder Frankreich und der Gascogne verbunden, betont den besonders sentimentalen Bezug zum Gaskognischen oder vermied es eine konkrete Antwort zu geben, um hervorzuheben, dass man keine politischen, sondern nur kulturelle Ziele verfolge.179 Ein Befragter betonte, dass er eine lokalere Identität habe, die nichts mit anderen Identitätskonzeptionen zu tun habe.

Die Problematik dieser weitverbreiten französisch-nationalen Zuordnung wurde auch während des Interviews mit CUB03_42m angesprochen:

mais ce que les Français ne comprennent pas – ils pensent que si on est breton, la culture bretonne ou occitane – corse va contre la culture nationale – alors que les Allemands n’ont pas ce problème (vgl. CUB03_42m, Anhang 4t).

Dementsprechend wählte dieser als Selbstzuschreibung „Français de culture occitane“ (vgl. CUB03_42m, Anhang 4t). Eine gaskognische Nationalität gebe es nicht. CUB05_65f verwendet mit „Française avec des racines gasconnes“ eine ähnlich diplomatische Lösung und betont ebenfalls, dass die Gascogne, in Zeiten von EU und ähnlichen heutigen Erscheinungen, ja nicht unabhängig sein könnte (vgl. CUB05_65f, Anhang 4t). Ähnlich wie CUB03_42m betont auch CUB04_67m, dass „français“ eine nationale, administrative Identität umschreiben würde, wohingegen „gascon“ etwas Persönlicheres wäre. Zudem sagt sie  „ça permet de me distinguer parmi les autres“ (vgl. CUB04_67m, Anhang 4t).

Vergleichbar formuliert auch CUB02_72f ihr Anliegen, mit den Worten „j’aime bien à titre personnel – j’aime bien sentir ma différence, c’est tout“ (vgl. CUB02_72f, Anhang 4t). Allerdings betont sie auch, dass die gaskognische und französische Identität für sie untrennbar wären. Die ursprünglich aus dem Médoc stammende CUB09_72f geht in ihrer identitären Zuordnung sogar noch kleinteiliger, als etwa CUB10_44m und CUB05_65f, vor, betont aber dennoch ihr Zugehörigkeitsgefühl zur französischen Nation: Sie fühle sich als „Française – mais du Médoc“ (vgl. CUB09_72f, Anhang 4t). S01_80f betont auch zu Beginn, dass sie sich als beides gleichermaßen fühlen würde, jedoch hebt auch sie die affektiven Gefühle, die sie für die Gascogne hegt, hervor. Sie bezeichnet sich als „Gasconne de cœur“ (vgl. S01_80f, Anhang 4t). Die beiden jüngsten Befragten betonen auch hier – ähnlich wie in der Frage nach der von ihnen bevorzugten Sprache, dass sie keine Zugehörigkeit über die andere stellen würden: CUB06_36f spricht von einer „double identité“ (vgl. CUB06_36f, Anhang 4t), CUB08_34m weitet dagegen sein Zugehörigkeitsspektrum bis auf die europäische Dimension aus,180 was vermutlich nicht zuletzt auf seine berufliche Funktion zurückzuführen ist:

Alors – je me sens Bordelais – Gascon – Occitan –Français – Européen (h) je met pas de – tout – tout en même temps – c’est ça – c’est pas – ce ne sont pas des couches qui sont – qui sont verticales en fait – c’est – c’est très horizontale ouais –voilà – tout ça à la fois (vgl. CUB08_34m, Anhang 4t).

Eine bewusst noch kleinteiligere identitäre Zuordnung, ohne die Betonung einer französischen oder okzitanischen Identität, die für ihn damit einherginge, nimmt CUB10_44m für sich vor: Er betrachtet sich in erster Linie als Landais, gibt aber dennoch zu, dass er schon sehr lange in Bordeaux lebt und sich im Grunde eigentlich auch als Pessacais fühle. Er nimmt des Weiteren eine Abgrenzung von umfassenderen Identitätskonzepten vor, denen er sich dezidiert nicht zugehörig fühle:

Je me suis toujours défini comme Landais – je sais c’est le truc que je dis le plus souvent – en fait – en – fait – je dis bien que je suis Bordelais parce que je peux pas dire le contraire – honnêtement – j’ai quasiment toujours vécu ici. [ausführliche Detailierung] Moi je suis – je suis Bordelais – je me sens en partie Pessacais parce que je travaille ici – je suis à Pessac – moi – je suis passionné par Félix Arnaudin – je suis passionné par les comptes traditionnels – je suis passionné par les musiques traditionnelles – je suis passionné par les chants traditionnels – par des choses anciennes – par contre je suis pas habillé – j’ai pas de costume traditionnel – ici plus personne ne porte le costume traditionnel – je porte pas le béret – je refuse de porter le béret – j’en ai un à la maison mais je refuse de porter le béret – je veux pas vivre dans le passé – je veux vivre dans le présent avec le passé – avec mon identité – qui est pas une identité gasconne – qui n’est pas une identité occitane (vgl. CUB10_44m, Anhang 4t).

Da es sich hierbei um jenen Sprecher handelt, der, aufgrund seines Misstrauens, im Vorfeld ein Indiz auf den konkreten Untersuchungsgegenstand der Arbeit erhalten hatte, ist davon auszugehen, dass er – aufgrund seiner Funktion als directeur des IEO Gironde – zum einen eine diplomatische Antwort geben wollte und zum anderen bewusst vermeiden wollte, als dem Folklorismus verbundener Sprachbewahrer, fernab der Realität, zu gelten. Wie es typisch für das okzitanistische Milieu ist, betont er, dass er sein Sprachbewahrungsstreben auf die Gegenwart und nicht auf die Vergangenheit ausgerichtet ist (vgl. Milhé 2011, 99).

Als explizit nicht französisch, bezeichnete sich nur CUB01_65m, denn er sei nicht „hexagonal“. Damit gibt er im Grunde keine konkrete Antwort auf diese Frage. Er fühlte sich zudem zu einer Betonung der Tatsache, dass er keine Unabhängigkeit von Frankreich anstrebe, verpflichtet und sagt in diesem Rahmen, dass er sich darüber im Klaren sei, dass es eine übergreifende politische Organisationsform brauche. Er verfolge mit seine Arbeit keine politischen, sondern kulturelle Ziele:181

c’est que je considère très important c’est de préserver la culture et de vivre dans cette culture et d’inciter des personnes de vivre dans une culture locale (vgl. CUB01_65m, Anhang 4t).

Letztlich äußern also alle, wenn auch häufig in Verbindung mit dem Französischen, dass sie sich mit der Sprechergruppe in irgendeiner Art und Weise identifizieren und dass das Idiom bei ihnen Ansehen genießt. Bei einem Großteil war allerdings ein gewisses Unbehagen bei dieser Frage bemerkbar – was nicht zuletzt auf den Umgang der französischen Politik mit der Frage der Regional- und Minderheitensprachen und –kulturen zurückzuführen zu sein scheint. Ob sie dies aus strategischen Gründen tun, sei dahingestellt, in jedem Fall betonen sie neben der lokalen auch ihre nationale Identität, um nicht als Gruppierung betrachtet zu werden, die der nationalen Einheit des französischen Staates gefährlich werden könnte. Außerdem heben die Befragten aus dem okzitanistischen Milieu die kulturelle Dimension ihres Handelns hervor. Die Frage, ob dahinter politische Intentionen versteckt werden, kann in diesem Rahmen nicht beantwortet werden.

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.
Vgl. Anhang 4k bzw. 4l.
Vgl. Anhang 4m.
Vgl. Anhang 4n bzw. 4l.
Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419.
Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.
Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.
Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.
Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac.
Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.
Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben.
Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.
Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.
Vgl. Anhang 4o und 4p.
Diese Meinung konnte man dagegen bei einigen der anderen Befragten heraushören, welche sich immer wieder über das Zuziehen von Menschen aus anderen Regionen entzürnten, wie etwa LTB02_60f und CUB09_72f.
Er unterstreicht aber erneut, dass das Gaskognische nicht anderen Varietäten des Okzitanischen oder dem Französischen überlegen wäre.
Vgl. dazu: Milhé 2007: 100.
Diese Information liefert nicht zuletzt auch ein Indiz darauf, dass auch hier eventuell eine Entwicklung wie in Neapel zu beginnen scheint, denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr Gaskognisch spricht, scheint es für die Geschäfte trotzdem ein Vorteil im Bereich Marketing zu sein, ihre Schilder und Internetseiten in die langue régionale übersetzen zu lassen. Daher wäre es auch interessant einen Vergleich zwischen den beiden Regionen Südeuropas vorzunehmen, was im Rahmen der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht möglich war. Es könnte durchaus möglich sein, dass der Einsatz von Begriffen aus dem Gaskognischen auch hier dazu verwendet wird, Effekte von „Authentizität“ und „Genuinität“ zu erzeugen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 86.
Dies lag zwar nicht in der Absicht der Interviewerin, jedoch ist eine solche Interpretation nicht immer zu verhindern.
Vgl. Anhang 4q.
Vgl. Anhang 4r.
Hier verdeutlicht sich erneut, dass es sich bei den Ansichten von LTB01_60m um eine gaskognistische Sicht handelt, denn er beruft sich mit dieser Sichtweise auf die historische Kontinuität der aquitanischen Völker. Dies kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck. Vgl. Pédemay 2012: 11-15.
Nicht zuletzt ist diese Aussage im Zusammenhang mit ihrer Äußerung zu sehen, dass die „brassage de population“ dafür verantwortlich wäre, dass das Gaskognische verschwinden wird. Vgl. CUB09_72f, Anhang 4k.
Damit liefert er gleichzeitig eine Erklärung für eine konsequente Verwendung des Wortes occitan von einigen der Befragten, die in dieser Frage einer Meinung mit ihm sind.
CUB03_42m erwähnt bei der Frage, ob er Gaskognisch mit seinen Kindern sprechen würde auch, dass es ihm nicht möglich war seinen Sohn in die Calandreta einzuschulen. Vgl. 3.4.
Dies lässt sich auch aus den Antworten von manch anderen Befragten ablesen, beispielsweise bei CUB01_65m, der ja auch von seiner kulturellen „démarche“ sprach. CUB02_72f verwies explizit auf CUB08_34m und die Tatsache, dass dieser ihre Vorstellung, die sie beide von einer guten Sprachpolitik hätten, noch besser erklären könne.
Mit der Betonung der kulturellen Ebene, sowie der Tatsache, dass man im okzitanischen Sprachgebiet keine Trennung unter den Sprechern erreichen möchte, aber auch mit dem Erwähnen des Aspektes, dass man möglichst alle im Gebiet lebenden Personen integrieren möchte, fasst er hier genau die Ziele der Okzitanismusbewegung zusammen. Vgl. 1.1.3.
Dieser äußert sich durch eine Identifikation der Sprecher mit ihrem Idiom und einem Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe der anderen Sprecher dieses Idioms.
Vgl. Anhang 4s.
Vgl. Anhang 4t.
Er bezeichnete das Idiom selbst als Okzitanisch.
Gründe, für diese ablehnende Haltung, sind vermutlich in der, von ihr als sehr traumatisch empfundenen, Diskriminierung wegen ihres Akzents und ihrer Wortwahl zu sehen, die sie von anderen Personen, die nicht aus dem Süden Frankreichs stammen, erfahren hat.
Auch hier zeigt sich der Einfluss der okzitanistischen Ideologie: Laut Colette Milhé versuchen die Okzitanisten ihre politischen Ziele durch die kulturelle Dimension zu verschleiern. Sie bezeichnet dies als „stratégie du silence“. Ob dies bei den Befragten tatsächlich der Fall ist, kann hier nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Vgl. dazu: Milhé 2010: 7.
Auch für diesen taktischen Schachzug ist das okzitanistische Umfeld bekannt.
Wiederum wird dieses okzitanistische Ziel betont. Vgl. Milhé 2010: 7.

5. Fazit und Ausblick

Abschließend lässt sich feststellen, dass ein qualitativer, sprachbiographischer Ansatz für eine Annäherung an diesen Untersuchungsgegenstand unbedingt notwendig gewesen ist: Die Vielfalt der unterschiedlichen Ansichten, Meinungen und geäußerten Bezüge der Sprecher zum Gaskognischen, welche sich nur vor dem Hintergrund der persönlichen Lebensgeschichten der Befragten interpretieren lassen, sowie weitere interessante Aspekte, die nicht unmittelbar mit der Fragestellung verknüpft gewesen sind, wären bei einem standardisierten Fragebogen so vermutlich nicht zur Sprache gekommen.

Die Frage, ob beim Gaskognischen eine Tendenz in Richtung Erinnerungsdialekt respektive Erinnerungssprache zu erkennen ist, lässt sich aufgrund der sehr individuellen Sprechergeschichten nicht so ohne Weiteres beantworten: Ob sie das von ihnen gesprochene Idiom nun selbst als eigene Sprache, patois oder Dialekt des Okzitanischen bezeichneten, kohärent blieb vor allem die Individualität der Beziehung zu diesem. Verschiedene Züge des von Stellino und Radtke erforschten Phänomens sind aber durchaus vorhanden: Bei den Befragten, die allesamt Sprecher des Gaskognischen sind, handelte es sich nur um einen sehr kleinen Anteil an der Bevölkerung. Sie hatten sich das Gaskognische in zehn von dreizehn Fällen erst nachträglich angeeignet. Auffällig ist das dennoch recht hohe Sprachniveau, das sich allerdings durch die Tatsache erklärt, dass es sich bei den Befragten meist um Aktivisten sowie Personen gehandelt hat, welche beruflich mit dem Gaskognischen in Kontakt stehen. Faktisch verwenden sie ihr Idiom nur sehr wenig – zu sehr ausgewählten Anlässen – meist im milieu associatif oder in ihrem beruflichen Kontext, jedoch wenig in der eigenen Familie, was für den Aufbau einer vie communautaire und für den Erhalt des Idioms mittels Transmission, aber wichtig wäre.182 Die Transmission an Kinder wird weitestgehend gutgeheißen, jedoch mangelt es an der Umsetzung einer solchen: sei es aufgrund der damals noch schlechten Sprachkenntnisse oder den Bedingungen des Alltags in einem frankophonen Umfeld.

Demgegenüber stehen die positive Bewertung des Idioms, sowie seine Wertschätzung, hinsichtlich seiner Bedeutung für die eigene Identität, in einer, sich stetig verändernden, globalisierten Welt. Als Vorteil, der sich aus dem Sprechen des lokalen Idioms ergibt, wird gerade von Befürwortern der Okzitanismusbewegung die Öffnung für andere Kulturen gesehen. Die Zukunftschancen werden von etwa der Hälfte der Befragten positiv eingeschätzt: Am Wohnort spielt das Gaskognische allerdings meist – mit Ausnahme von Pessac, wo es eine Art vie communautaire183 zu geben scheint – eine sehr geringfügige Rolle. Daher sind die meisten Befragten auch der Meinung, dass man das Gaskognische retten müsse, was viele von ihnen auch aktiv versuchen. Mit der aktuellen Sprachpolitik sind sie meist unzufrieden – sei es aufgrund seiner Konzeption184 oder aufgrund seines bisher noch unzureichenden Angebots. Nichtsdestoweniger sprechen sie gerne Gaskognisch und fühlen sich der gaskognischen Identität verbunden, wenn auch in einem ideologieabhängigen Maße, welches unterschiedliche Offenheitsgrade der Identität, Kultur und Sprache impliziert (vgl. 3.1.-3.10.).

Sehr auffällig war außerdem die Tatsache, dass sich sehr verschiedene Definitionen des Gaskognischen, die ganze Zeit der Untersuchung über, durch die Interviews gezogen hatten, was sich besonders an den Fragen zum Verhältnis des Gaskognischen zum Französischen und der Frage nach einer eigenen Kultur gezeigt hatte: Während die einen Sprecher restriktiv auf den Begriff Gaskognisch beharrten, bedienten sich andere der Bezeichnung Okzitanisch, wohinter meist die „stratégie d’un occitan régionalisé“ (vgl. Field 2009, 770f.) zu stecken scheint. Sie gehen davon aus, dass das Gaskognische Teil einer großen okzitanischen Sprache ist und das Gaskognische der Dialekt des Okzitanischen ist, der in der Gascogne gesprochen wird.

Hinter diesen Interpretationen stecken zwei ideologische Strömungen und eine weitere, davon losgelöste, Gruppe an Personen: das okzitanistische und das gaskognistische Milieu, sowie die locuteurs naturels,185 die mit dieser Thematik weniger ideologisch umgehen.

Die Okzitanisten verstehen sich als auf die Moderne – Gegenwart und Zukunft – ausgerichtete Bewegung, die sich den Entwicklungen und Bedürfnissen der Postmoderne verpflichtet fühlt. Sie möchte auch neue Personen integrieren, „n’ayant pas d’enracinement local particulier“186: Die Gaskognisten und locuteurs naturels suchen ihren Bezugspunkt dagegen in der Vergangenheit, in der Nostalgie.187 Die letzten beiden Strömungen würden eine Entwicklung in Richtung Erinnerungsdialekt fördern, da so nur noch Überbleibsel des Gaskognischen übrig blieben, die sich gegebenenfalls zu diaphasischen Markern entwickeln könnten. Bei den Okzitanisten ist unklar, ob man, falls sich nur noch der neu entwickelte okzitanische Standard hält – was bei einem Fortbestehen einer mangelnden Transmission des Gaskognischen im Speziellen der Fall sein könnte – noch von Gaskognisch sprechen kann oder ob ein neues, künstlich-generiertes Idiom entsteht, das den Bedürfnissen einer lokalen Identitätsfindung und eines enracinement188 in die Region gerecht werden könnte.

Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass ein politischer Prozess der réappropriation im Gange ist, der von der Region und den départements gestützt und zusammen mit dem okzitanischen Milieu getragen wird (vgl. Milhé 2007, 7f.). Dieser könnte zu einer Revitalisierung des Idioms, beziehungsweise des Okzitanischen allgemein, beitragen. Fraglich bleibt nur, ob dieser erfolgreich ist, wenn der Konflikt zwischen den konkurrierenden Lagern der selbsternannten Sprach- bzw. Dialektbewahrer weiterhin fortbesteht, da diese Ungereimtheiten bisweilen abschreckend auf Außenstehende wirken konnten (vgl. Field 2009, 758).

Sollte sich die okzitanische Strategie durchsetzen können, so könnte sich möglicherweise die These von Colette Milhé bewahrheiten, wonach das Okzitanische zu einer neuen, auf die postmodernen Bedürfnisse ausgerichteten, Sprache der in der Region lebenden Menschen werden könnte, die sich, in Zeiten der Globalisierung, zu verschiedenen Identitäten zugehörig fühlen.189 Das Sprechen nach althergebrachter Art würde dagegen der alternden Generation auf dem Land vorbehalten bleiben, sodass fortan „deux langues“ existieren würden:

La valorisation du local et le discours sur la diversité s’opposent à l’idéal universel [du français] et entendent lutter contre la mondialisation. L’occitanisme participe de cette logique. La fracture avérée entre deux usages de la langue nous conduit à affirmer qu’il y a désormais deux langues. Elle marque la disparition d’un monde et illustre l’avènement d’un autre. L’occitan pourrait devenir, loin de son image désuète le moyen de communication symbolique d’une nouvelle société: il entend en tout cas recréer de l’appartenance, dans un univers où l’individu se définit par ses multi-appartenances choisies (vgl. Milhé 2007, 107f.).

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.
Siehe Anhang 3.
Insbesondere die Fragen zur Transmission des Gaskognischen an die eigenen Kinder oder Enkelkinder wurden ausgeklammert, wenn die Befragten vorher angegeben hatten kinderlos zu sein.
Grund dafür war neben dem ähnlichen Forschungsinteresse auch, dass aus zeitlichen Gründen keine Zeit für einen Pretest gewesen war. Vgl. zur Bedeutung eines Pretests: Diekmann 2014: 465.
Diekmann betont dabei die Bedeutung knapper, unmissverständlicher, aber wertfreier Fragen in einem korrekten Umgangston. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 449, 451.
Allerdings barg dies die Gefahr, dass manche Fragen vom Interviewer und Interviewten nicht auf die gleiche Art und Weise interpretiert werden konnten.
Bei Fischer hieß es wortwörtlich: Cela vous fait-il plus DE plaisir de parler français ou occitan? Dies ist grammatikalisch nicht korrekt. Vgl. zur Frage: Fischer 1993: 245.
Gerade jene, die sich besonders für den Erhalt des Okzitanischen einsetzen und einsetzten, hatten sich an der Bezeichnung gascon gestört und empfanden zum Teil auch das Wort sauver in der Frage: „Faudrait-il faire quelque chose pour sauver le gascon?“ als wertend und korrigierten es gegebenenfalls hin zu einer anderen Formulierung. Hätte im Vorfeld die Möglichkeit der Durchführung eines Pretests bestanden, wäre diese Formulierung gegebenenfalls noch verändert worden. Zu den entsprechenden Interviews: vgl. 3.1.-3.10.
Vor diesem Kontext bleibt allerdings entkräftend anzumerken, dass es die sogenannte „repräsentative Stichprobe“ im Grunde ohnehin nicht gibt, denn eine „Stichprobe ‚repräsentiert‘ niemals sämtliche Merkmalsverteilungen der Population“. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 430.
In der qualitativen Sozialforschung geht man von „theoretischer Repräsentativität“ aus. Die Grundidee liegt dabei darin, dass es immer bestimmte Grundmuster „menschlichen Verhaltens“ gibt und nicht eine unerschöpfliche Anzahl an möglichen Kombinationen von Verhaltensmöglichkeiten existieren, sodass sich bestimmte Typen bilden lassen. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 103, Fuchs-Heinritz 2005: 240-242.
Siehe Anhang 2.
Darunter versteht man eine „Überidentifikation mit dem Handelnden“, mit den Beforschten.
Bei Diekmann wird allerdings angemerkt, dass sich diese Faktoren auch überschneiden können, was anhand der in der Untersuchung gemachten Erfahrungen auch bestätigt werden kann. Vgl. Diekmann 2014: 447.
Menschen sind für diesen Faktor auf unterschiedliche Art und Weise empfänglich. Dies kann sich etwa auch im Verschleiern von Nichtwissen äußern, da Befragte nicht zugeben wollen vom thematisierten Sachverhalt keine Ahnung zu haben. Durch das offene Gespräch mit der Interviewerin konnten solche Effekte allerdings weitestgehend vermieden werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 447-449.
Etwa die Irritation durch die Verwendung des Begriffs gascon an sich, sowie die Verwendung des Wortes „sauver“ bei der Frage ob man das Gaskognische „retten“ müsse.
Die Frage regte die Befragten zudem hin und wieder dazu an, ihre Beispiele vom deutschen oder bayerischen Beispiel abzuheben. Vgl. Anhang 4.
Diekmann spricht hier vom Sponsorship-Effekt, der zu einer Verfälschung der Daten führen kann. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Vgl. auch: Interview CUB10_44m.
Allgemein die Verwendung des Terminus Gaskognisch, anstatt des Begriffs Okzitanisch, sowie die Frage ob man die Frage retten müsse. Vgl.: 2.4.
Im Interview mit CUB09_72f, LTB01_60m und S01_80f.
Selbstverständlich bleibt anzumerken, dass natürlich auch aus der Untersuchung eines eventuell vorhandenen Akzents Aufschluss über die soziale und geographische Herkunft der Sprecher und einem bewussten oder auch unbewussten Umgang mit ihrer sprachlichen Identität gewonnen werden könnte. Da aber bereits versucht wurde, diese Kriterien mittels der ausgefüllten Personenfragebögen zu erfragen und eine umfassende Beurteilung der phonetischen Merkmale den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wurde sich gegen eine solche Vorgehensweise entschieden.
Vgl.: Anhang 3.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB03_42m, CUB08_34m.
Im département Pyrénées-Atlantiques liegt der Anteil der Sprecher der „langue occitane“ bei 12%, in den départements Landes und Dordogne bei 15%. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl. im Anhang 3: CUB01_65m, CUB05_65f, S01_80f.
Vgl. im Anhang 3: LTB01_60m, LTB02_60f.
Vgl. im Anhang 3: CUB09_72f.
Vgl. im Anhang 3: CUB02_72f, CUB09_72f, CUB04_67m, CUB06_36f.
Vgl. im Anhang 3: CUB07_70m, CUB03_42m.
Letzterer, CUB10_44m, hob dies im Gespräch explizit hervor. Im Fragebogen hatte er bei der Berufsgruppe seiner Eltern lediglich Rentner angegeben.
Dieses sozioprofessionelle Profil wird auch in Untersuchungen zur Okzitanismusbewegung allgemein immer wieder thematisiert. Vgl. dazu: Moreux 2004: 44.
Dort waren die höchsten Sprecheranteile im primären Sektor (30%) festgestellt worden. Der sekundäre Sektor kam dagegen nur noch auf 7%, wohingegen die professions libérales und die professions intermédiaires auf 4 bzw. 6 % kamen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 335.
Vgl. dazu detaillierter: Anhang 4n.
9% der Bevölkerung waren laut der Region Sprecher des occitan. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 7.
Vgl.: Interviews mit CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB05_65f, CUB06_36f, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m.
Vgl.: Interviews mit LTB01_60m und LTB02_60f.
Vgl.: Interviews mit S01_80f und CUB07_70m.
Vgl. Anhang 4a-4c.
Bei der Teilnahme an einer Kurssitzung wurden sowohl ein Text auf béarnais, als auch ein Text im parlar negue (frz. parler noir) der Landes besprochen, dabei wurde in beiden Fällen auf eine korrekte regionaltypische Aussprache geachtet.
Vgl. zum Begriff francitan: Roux-Châteaureynaud 2007: 982.
Erstaunlich ist, dass sie bei der Frage nach dem Erwerbszeitpunkt zunächst angegeben hatte: „le gascon m’a été transmis par mon père“, denn ihre Muttersprache ist es de facto nicht. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4b.
Diese Möglichkeit war ebenfalls in der Umfrage der Region Aquitaine von 2008 angeführt worden. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 13.
Würde man die zuvor erwähnten Befragten LTB02_60f und CUB02_72f, die ihre, innerhalb der Familie erworbenen, Sprachkenntnisse über Sprachkurse noch beträchtlich vertieften, noch hinzunehmen, wäre der Anteil, mit fünf von 13 Befragten, noch deutlich höher.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Befragte vor allem die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ansprechend findet. Das Gaskognische scheint bei ihren Erwerbsbestrebungen nur eine geringe Rolle zu spielen.
Der Gebrauch des Begriffs occitan ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sie explizit ''Okzitanisch''-Unterricht besucht hatte.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
Eine genauere Evaluation der Kenntnisse war aufgrund der Tatsache, dass die Interviewerin selbst über keine Kenntnisse des Gaskognischen verfügt, leider nicht möglich.
Als einzige Ausnahme ist der Befragte CUB07_70m zu betrachten, der das Gaskognische laut eigener Aussage nur en parlant erlernt hat.
Vgl. Anhang 4d.
Da der Befragte Gaskognisch als eine Varietät des Okzitanischen betrachtet, muss unklar bleiben, ob er tatsächlich Gaskognisch mit ihr spricht.
An der gleichen Calandreta hatte auch CUB02_72f unterrichtet. Diese Tatsache enthüllte sie allerdings erst im späteren Verlauf des Interviews, weshalb an dieser Stelle nicht darauf eingegangen wird.
Vgl. 3.6. bzw. Anhang 4n.
Das Idiom wurde von ihm selbst so bezeichnet.
So etwa von CUB03_42m geäußert.
Auffällig war allerdings auch, dass dort viel Französisch gesprochen wird und das Zelebrieren der lokalen Kultur im Mittelpunkt steht und nicht so sehr das Sprechen des Idioms, was die Interviewerin bei einer Feierlichkeit in der Calandreta in Pessac selbst erleben konnte.
Vgl. Anhang 4e-4h.
Vgl. Anhang 3.
Später fügt sie diesbezüglich auch etwas verbittert hinzu, dass ihre Enkelin auch kein Okzitanisch in der Schule belegt hat, obwohl sie dies machen hätte können. Vgl. dazu: S01_80f, Anhang 4r.
Als sein Sohn ein Kind war, beherrschte er das Gaskognische noch nicht.
Der Sprecher bezeichnete das von ihm gesprochene Idiom selbst so.
Vgl. dazu: Anhang 4f.
Vgl. dazu: Anhang 4f und 4g.
Vgl. detaillierter S01_80f, Anhang 4f: je le regrette beaucoup – voilà – parce que petit à petit – la langue s’en va quoi et pas c’est une langue – ‘fin la nôtre – ‘fin les patois sont tous des patois mais – je l’ai dit plusieurs fois mais on exprime des choses qu’on ne peut pas mettre en français – des mots qu’on ne peut pas mettre en français et des mots français qu’on ne peut pas mettre en patois.
Dies betrifft CUB08_34m, LTB02_60f und CUB02_72f, die auch alle explizit darauf eingehen. Gerade letztere entzürnte sich sehr darüber, dass die anderen Kollegen kein Verständnis dafür gehabt hätten. Vgl. dazu: CUB02_72f, Anhang 4f.
Die erwähnten Zitate stammen wortwörtlich von LTB01_60m, ähnliche Argumente liefern aber auch CUB06_36f, CUB08_34m und CUB10_44m. Vgl. Anhang 4f.
Jedoch könnte dies möglicherweise auch auf die begrenzten Sprachkenntnisse mancher Befragter zurückzuführen sein, die sich das Gaskognische erst nachträglich angeeignet haben. Sie erlernten das Idiom zum Teil erst, als die eigenen Kinder schon älter waren.
Vgl. Anhang 4j.
Da die Frage recht offen gestellt wurde, ergaben sich allerdings auch hin und wieder Nachfragen von Sprechern, die nicht wussten wie sie die Frage beantworten sollten. Häufig wurde von der Interviewerin daher die Möglichkeit ergriffen, die Frage so zu formulieren, dass eine Definition erfolgen sollte, ob es sich denn beim Gaskognischen, aus Sicht des Beforschten, um eine Sprache, einen patois oder eine ähnliche Kategorie handle.
Explizit von LTB01_60m, CUB01_65m, CUB02_72f, CUB03_42m, CUB04_67m, CUB06_36f, CUB07_70m, CUB08_34m, CUB09_72f, CUB10_44m und S01_80f so geäußert. Vgl. dazu: Anhang 4i.
Er geht explizit auf das baskische Substrat des Gaskognischen und das keltische Substrat des Französischen ein.
Auch hier scheint sich wieder um die von Thomas Field geschilderte Denkweise zu handeln, von der sich ein besonders effektiver Erhalt des Gaskognischen versprochen wird. Vgl. dazu: Field 2009: 770f.
Auf die spontane Frage der Interviewerin, ob sie denn dann auch an Demonstrationen teilgenommen habe, antwortete sie daher ebenfalls mit ja.
Vgl. Anhang 4j.
Auf die Frage, ob sie denn keinen Unterschied zwischen dem Gaskognischen und dem Okzitanischen machen würde, antwortete sie, dass es für sie in der Tat keinen Unterschied gebe und sie sich selbst in erster Linie als Okzitanischlehrerin betrachten würde, obwohl sie Gaskognisch unterrichtet.
Damit unterscheidet er sich von jenen Sprechern, die das Gaskognische muttersprachlich sprechen und es rein mit der ländlichen Lebenswelt und einem mündlichen Sprachgebrauch in Verbindung bringen. Vgl. dazu: Fischer 1993: 190f.
Eine noch detailliertere Klärung zu welcher Sprechergemeinschaft sich die Befragten zugehörig fühlen, ergab sich aus den expliziten Fragen zum affektiven Zugehörigkeitsgefühl, siehe 3.8.
Bei diesem Symbol handelt es sich um das okzitanische Kreuz. Vgl. dazu: CUB09_72f, Anhang 4j.
Dies war je von der persönlichen Auffassung der Sprecher abhängig.
Vgl. Anhang 4k bzw. 4l.
Vgl. Anhang 4m.
Vgl. Anhang 4n bzw. 4l.
Er erwähnt explizit Massoure. Vgl. dazu: Massoure 2005: 415-419.
Dies zeigt sich daran, dass sie die neu hinzugezogenen Mitbürger mit „Français“, in der Abgrenzung zur eigenen Identität, die keine französische wäre, bezeichnet und sie abwertend als „ces gens“ beschreibt.
Vermutlich würde der Ausdruck „sauver“ eine Zustandsbeschreibung implizieren, die ihm aufgrund seiner Philosophie als militant widerstrebt. Ähnlich reagiert auch CUB08_34m.
Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108-112. LTB01_60m gab auch im Gespräch an, mit Lartigue befreundet zu sein und nahm dessen Namen auch in die Widmung seines eigenen Buches auf. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 72.
Es handelt sich dabei um die Ostau Occitan in Pessac.
Sie half der Interviewerin auch am meisten beim Finden etwaiger Interviewpartner.
Unter diesen Sprechern ist auch die ebenfalls interviewte S01_80f, welche aber selbst bei dieser Frage nicht angibt zum Retten des Gaskognischen beigetragen zu haben.
Sie erwähnte in diesem Zusammenhang auch das von CUB03_42m und CUB04_67m organisierte Festival „Le Mascaret“.
Auch Roux-Châteaureynaud spricht von der Bedeutung des Lebens rund um die Calandretas, allerdings spricht sie ebenfalls an, dass dies tendenziell eine große Seltenheit sei. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.
Vgl. Anhang 4o und 4p.
Diese Meinung konnte man dagegen bei einigen der anderen Befragten heraushören, welche sich immer wieder über das Zuziehen von Menschen aus anderen Regionen entzürnten, wie etwa LTB02_60f und CUB09_72f.
Er unterstreicht aber erneut, dass das Gaskognische nicht anderen Varietäten des Okzitanischen oder dem Französischen überlegen wäre.
Vgl. dazu: Milhé 2007: 100.
Diese Information liefert nicht zuletzt auch ein Indiz darauf, dass auch hier eventuell eine Entwicklung wie in Neapel zu beginnen scheint, denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr Gaskognisch spricht, scheint es für die Geschäfte trotzdem ein Vorteil im Bereich Marketing zu sein, ihre Schilder und Internetseiten in die langue régionale übersetzen zu lassen. Daher wäre es auch interessant einen Vergleich zwischen den beiden Regionen Südeuropas vorzunehmen, was im Rahmen der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht möglich war. Es könnte durchaus möglich sein, dass der Einsatz von Begriffen aus dem Gaskognischen auch hier dazu verwendet wird, Effekte von „Authentizität“ und „Genuinität“ zu erzeugen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 86.
Dies lag zwar nicht in der Absicht der Interviewerin, jedoch ist eine solche Interpretation nicht immer zu verhindern.
Vgl. Anhang 4q.
Vgl. Anhang 4r.
Hier verdeutlicht sich erneut, dass es sich bei den Ansichten von LTB01_60m um eine gaskognistische Sicht handelt, denn er beruft sich mit dieser Sichtweise auf die historische Kontinuität der aquitanischen Völker. Dies kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck. Vgl. Pédemay 2012: 11-15.
Nicht zuletzt ist diese Aussage im Zusammenhang mit ihrer Äußerung zu sehen, dass die „brassage de population“ dafür verantwortlich wäre, dass das Gaskognische verschwinden wird. Vgl. CUB09_72f, Anhang 4k.
Damit liefert er gleichzeitig eine Erklärung für eine konsequente Verwendung des Wortes occitan von einigen der Befragten, die in dieser Frage einer Meinung mit ihm sind.
CUB03_42m erwähnt bei der Frage, ob er Gaskognisch mit seinen Kindern sprechen würde auch, dass es ihm nicht möglich war seinen Sohn in die Calandreta einzuschulen. Vgl. 3.4.
Dies lässt sich auch aus den Antworten von manch anderen Befragten ablesen, beispielsweise bei CUB01_65m, der ja auch von seiner kulturellen „démarche“ sprach. CUB02_72f verwies explizit auf CUB08_34m und die Tatsache, dass dieser ihre Vorstellung, die sie beide von einer guten Sprachpolitik hätten, noch besser erklären könne.
Mit der Betonung der kulturellen Ebene, sowie der Tatsache, dass man im okzitanischen Sprachgebiet keine Trennung unter den Sprechern erreichen möchte, aber auch mit dem Erwähnen des Aspektes, dass man möglichst alle im Gebiet lebenden Personen integrieren möchte, fasst er hier genau die Ziele der Okzitanismusbewegung zusammen. Vgl. 1.1.3.
Dieser äußert sich durch eine Identifikation der Sprecher mit ihrem Idiom und einem Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe der anderen Sprecher dieses Idioms.
Vgl. Anhang 4s.
Vgl. Anhang 4t.
Er bezeichnete das Idiom selbst als Okzitanisch.
Gründe, für diese ablehnende Haltung, sind vermutlich in der, von ihr als sehr traumatisch empfundenen, Diskriminierung wegen ihres Akzents und ihrer Wortwahl zu sehen, die sie von anderen Personen, die nicht aus dem Süden Frankreichs stammen, erfahren hat.
Auch hier zeigt sich der Einfluss der okzitanistischen Ideologie: Laut Colette Milhé versuchen die Okzitanisten ihre politischen Ziele durch die kulturelle Dimension zu verschleiern. Sie bezeichnet dies als „stratégie du silence“. Ob dies bei den Befragten tatsächlich der Fall ist, kann hier nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Vgl. dazu: Milhé 2010: 7.
Auch für diesen taktischen Schachzug ist das okzitanistische Umfeld bekannt.
Wiederum wird dieses okzitanistische Ziel betont. Vgl. Milhé 2010: 7.
Vgl. zur Bedeutung des „vie communautaire“: Roux-Châteaureynaud 2009: 988f.
Vgl. zum Begriff „vie communautaire“: Roux-Châteaureynaud 2009: 988.
Die Gaskognisten.
Zum Begriff locuteurs naturels, als Gruppe in Abgrenzung zu den militanten Sprechern. Vgl.: Milhé 2011: 23. Milhé spricht hier selbst davon, dass es aber selbstverständlich auch locuteurs naturels im okzitanistischen Milieu gibt (in dieser Untersuchung CUB01_65m und CUB05_65f).
Vgl. zu dieser Formulierung: Field 2009: 770.
Vgl. 1.1.3.
Vgl. zur Verwendung des Begriffs enracinement in diesem Kontext: Milhé 2007: 103.
Und die französisch-nationale Zugehörigkeit mit ihrem restriktiven Gebrauch des Französischen nicht mehr die einzige Komponente ihrer Identität ausmacht.

6. Anhang

6.1. Anhang 1: Kontaktemail

Bonsoir,

Je suis une étudiante allemande en philologie française à l’Université Louis-et-Maximilien de Munich. Après avoir passé 10 mois à Bordeaux III à Pessac en 2013/14, j’étais tellement fascinée par la langue occitane et le gascon que je me suis décidée à écrire mon mémoire de fin d’études de master II sur le gascon, l’identité gasconne et la „conscience linguistique“ en Gascogne. Afin de mieux cerner ces thématiques, mon prof de l’université souhaite que je fasse quelques interviews avec des locaux, de préférence des gens de la région de Bordeaux, de Mont-de-Marsan et aux alentours du bassin d’Arcachon (pas forcément des personnes qui parlent encore le gascon mais ce ne serait évidemment pas mal non plus) Auriez-vous des contacts, des pistes, des recommandations ou des noms d’associations qui pourraient m’aider dans mes recherches ? Je serai à Bordeaux du 23 mars au 7 avril 2015.

Je vous remercie d’avance pour toute aide de votre part. Je vous en serais vraiment très reconnaissante.

Cordialement,
Anna Unsinn

6.2. Anhang 2 : Antwortemail zur Illustration des Forschungsvorhabens

Merci beaucoup pour votre aide! Je suis vraiment ravie d’avoir trouvé des gens prêts à m’aider puisque ce n’est réellement pas facile de trouver des personnes à interviewer depuis l’Allemagne! Comme il s’agit des interviews narratives, il n’est pas tant question d’interroger un grand nombre de personnes,  mais plutôt d’avoir des personnes qui viennent des lieux différents, qui ont des âges différents etc. pour avoir l’occasion de faire une petite comparaison. Ce que vous avez proposé conviendrait donc tout à fait aux attentes de mon responsable de recherche à l’université. Dans le meilleur des cas, ce serait un mélange de tout. Mais comme ce n’est vraiment pas facile de trouver des gens, je serais ravie de rencontrer tous ceux qui seraient d’accord pour m’accorder un petit entretien. C’est vraiment un grand plaisir pour moi d’avoir votre soutien! Je vais de ce pas contacter le contact que vous m’avez envoyé, je vous en suis vraiment reconnaissante.

Cordialement,
Anna Unsinn

So lautet etwa der 2. Artikel der französischen Verfassung: „La langue de la République est le français.“ Vgl. zu weiteren Details: Braselmann 1999: 5-9.
Oder auch anderen nationalen oder regionalen Zugehörigkeiten, vgl. Zitat Cabrel.
Vgl. zum Erinnerungsdialekt z.B.: Stellino 2010: 85f.
In der Forschung ist nach wie vor umstritten, ob es sich beim Gaskognischen um eine eigene Sprache oder eine Varietät des Okzitanischen handelt. Vgl. dazu: 1.1.1. und 1.1.2.
Und versucht sich nur abschließend an einem möglichen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Bei der Abgrenzung der sechs Dialekte voneinander wurden verschiedene Kriterien festgelegt. Vgl. für eine detaillierte Darstellung der Spezifika des Gaskognischen: Pédemay 2012: 21-25.
Seit der Reform der französischen Regionen, die im Januar 2016 in Kraft trat, sind weiterhin zwei Regionen betroffen, welche allerdings inzwischen andere Namen tragen und hinsichtlich des Gebiets größer sind: Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes und Langedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées.
Insbesondere mit den (anderen) okzitanischen Dialekten.
Der Begriff wurde im Jahre 1346 in der Grammatik ''Leys d'Amors'' in Bezug auf das Gaskognische verwendet. Vgl. zum Begriff ''lengatge estranh'': Field 2009: 749.
Aus Platzgründen kann auf diese nicht im Detail eingegangen werden. Vgl. zu einer genaueren Darstellung der Eigenheiten den Link.
Die von der Region durchgeführte Untersuchung, die sich politisch mit dem Okzitanismuskonzept verbunden sieht, hatte außerdem versucht zu hinterfragen, ob die Sprecher dennoch anerkennen, dass das von ihnen gesprochene Idiom, in irgendeiner Form, dem Okzitanischen zuzuordnen wäre. Sie erhielten daraufhin eine Zustimmung von ca. 72% auf die ganze Region gesehen, wobei die meisten angegeben hatten, dass ihr Idiom zwar seine charakteristischen Eigenschaften hätte, man es aber im Großen und Ganzen dem Okzitanischen unterordnen könnte. 10-22% gaben an, dass sie davon keine Ahnung hätten. 14-24% verweigerten eine solche Unterordnung. Vgl. dazu: Conseil régional 2009: 12.
Dieser Gradient wurde auf Basis der Unterscheidung des Gaskognischen vom Languedokischen festgelegt und orientiert sich an 42 typischen Zügen. Vgl. dazu: Massoure 2012: 32.
Auch als parlar negue bzw. parler noir bezeichnet. Vgl. dazu: Pédemay 2012: 10.
Anders ist die Situation in dem, aus der Untersuchung ausgeschlossenen, Val d’Aran in Spanien, wo das Gaskognische unter dem Namen Aranesisch Amtssprache neben dem Spanischen und Katalanischen ist. Diese Entwicklung muss in der vorliegenden Arbeit allerdings ausgeklammert werden, da sich diese schwerpunktmäßig mit der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen in Frankreich befassen soll. Vgl. auch: Lartigue 2010: 136.
Aus gaskognistischer Perspektive, lässt sich der unterschiedliche degré de gasconnité, an der Resistenz der abgelegenen Gebiete gegenüber der lateinischen Sprache erklären. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 86.
Dies erklärt auch die verschiedenen Gaskognizitätsgrade in 1.1.1.
Als bedeutenste Völker sind sicherlich die Westgoten und Franken zu nennen. Vgl. dazu: Lartigue 2010: 108.
Einigen Historikern zufolge wäre eine Stelle in Gregor von Tours Geschichte der Franken des Weiteren so zu deuten, dass sich erst im 6. Jahrhundert, genauer 587, eine Invasion der „Wascones“ ereignete, die für die Ausbildung der spezifischen Züge des Gaskognischen verantwortlich ist. Dies würde voraussetzen, dass vorher auf dem Gebiet bereits vorher eine tiefgreifende Romanisierung stattgefunden hätte. Das ist inzwischen widerlegt. Vgl. dazu: Lafitte 2009: 79f. Rohlf bringt in diesem Kontext an, dass sich wohl eine Bezeichnungsverschiebung ergeben hatte und mit den „Wasconen“ wohl Pyrenäenstämme aus den Reihen der Gaskognen gemeint waren. Vgl.: Rohlfs 1970: 22-24.
Insbesondere zu den Basken und zum Königreich Navarra.
Diese wurde durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit König Heinrich II von England 1152 eingeleitet und letztendlich erst wieder 1453 mit der Eroberung durch die Franzosen beendet.
Diese umfasste Ende des Jahrtausends nur noch 6% der Bevölkerung der Aquitaine.
Deren Gründerväter der Félibrige Bewegung entstammen und sich am katalanischen Prinzip der Inwertsetzung orientieren. Vgl. dazu: Lafitte/Pépin 2009: 159-162.
Die sogenannte graphie classique. Vgl. dazu: Moreux 2004: 40, 42
Vgl. dazu: Milhé 2011: 19.
Bedeutet ''die Scham'' und im konkreten Fall ''die Scham patois zu sprechen'' auf Okzitanisch.
Auch dies stößt bei manchen L1-Sprechern auf wenig Sympathie.
Unter François Mitterand (1981 bzw. 1982) wurden den regionalistischen Bewegungen in Frankreich Zugeständnisse im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen gemacht. Dies war der Auslöser für ein Abflauen der Bestrebungen. Vgl. dazu: Erfurt 2005: 88.
Thomas Field hatte in seinem Aufsatz von 2009 noch kritisiert, dass es dem Überleben des Gaskognischen nicht entgegenkomme, dass eine solch renommierte Datenbank wie Ethnologue das Gaskognische als eigene Sprache deklariert und dass eine immer kleinere Unterteilung vorgenommen wird. Vermutlich auf Streben von Forschern wie ihm hin, wurde das Gaskognische schließlich aus der Datenbank gelöscht und als Varietät des Okzitanischen deklariert. Argumente von Field waren etwa, dass das Gaskognische vielleicht sprachhistorisch gesehen, eine andere Ausgangsbasis als die anderen okzitanischen Dialekte gehabt habe, sich aber, durch spätere Sprachkontakte mit Dialekten des Okzitanischen, so verändert habe, dass man nun doch davon sprechen könne, dass das Gaskognische ein Dialekt des Okzitanischen ist. Vgl. dazu Field 2009: 756f., 770.
Moreux greift etwa die Bezeichnung ''Languedocian imperialism'' auf. Vgl. dazu: Moreux 2004: 46.
Besondere Wertschätzung wird vor allem dem béarnais zuteil, dass er als ''âme du gascon'' bezeichnet, weil es die vermeintlich reinste Form des Gaskognischen wäre. Vgl. Field 2009: 754, vgl. auch: Moreux 2004: 43f., 46.
Im Béarn herrscht nach wie vor das Phänomen vor, das eigene Idiom als béarnais zu bezeichnen, was so weit gehen kann, dass es als eigene Sprache aufgefasst wird. Vgl. Lartigue 2010: 126.
Vgl. zum ursprünglichen Artikel: Field 2009: 756. Dort wurden 250.000 Sprecher für das Jahr 1991 angegeben, allerdings geht man in den aktuellen Schätzungen beim Gaskognischen, sowie beim Okzitanischen, von deutlich weniger Sprechern aus. Vgl. u.a. Massoure 2012: 333.
Hierbei handelte es sich allerdings um Telefoninterviews, die sich methodisch von der in der Arbeit angewandten Methode unterscheiden. Vgl. zur genauen Erklärung der Methode: Conseil régional 2009: 3. Vgl. auch: Région Aquitaine 1997, Massoure 2012: 334f.
In der Befragung und bei der Auswertung war hier ausschließlich mit dem Terminus occitan gearbeitet worden, sodass das Gaskognische in den genannten Sprecherzahlen eingeschlossen ist.
59% der Okzitanischsprecher sind Männer, obwohl diese nur 48% der Bevölkerung der Region ausmachen.
19% aller Befragten gaben an, zumindest einige Wörter und Ausdrücke zu verstehen – auch diese wurden unter den 44% geführt. Daher sollte man diese hohe Prozentzahl eher kritisch betrachten.
Als Sprecher wurden auch jene gewertet, die nur sehr geringe passive Sprachkompetenzen hatten.
3% gaben ihre Großeltern und andere Personen aus dem größeren Verwandtenkreis, 2% ihre Geschwister und Kinder an.
Roux-Châteaureynaud geht hier auf die Problematik ein, dass oftmals von lokalen Zugehörigkeiten gesprochen wird, aber man die eigene Sprache und Kultur nicht als „occitan“ bezeichnet, sondern der Begriff „patois“ verwendet wird. Vgl. dazu: Roux-Châteaureynaud 2009: 986.
Das Idiom wird somit aus der Sphäre des Mündlichen ins Schriftliche verlagert und stößt daher auf Ablehnung. Vgl.: Milhé 2011: 24. Das neue Idiom – Okzitanisch – ist von Gallizismen und lokalen Besonderheiten bereinigt. Vgl.: 1.1.3.
Radtke bezeichnete Stellinos Veröffentlichung in diesem Zusammenhang als Pionierarbeit. Vgl. Radtke 2010: 11.
Vgl. auch: Stellino 2010.
Dieses Bedürfnis wird etwa vom Marketing zahlreicher Produktionsfirmen genutzt, indem mit speziellen Heimatprodukten geworben wird. Ein weiteres Phänomen ist der Glokalisierungstrend. Vgl. dazu: Stellino 2010: 194f.
Vgl. zur Funktion als diaphasischer Marker. Radtke 1997: 125.
Stellino spricht in diesem Kontext, gerade in Bezug auf den Einsatz von dialektalen Begriffen in der Weinwerbung von einer „Nischenfunktion“ des Dialektes. Als Beispiel nennt er die Gastronomie, wo dialektale Ausdrücke in Speisekarten und Werbung verwendet werden, wobei der Rest auf Standarditalienisch geschrieben wird. Der Einsatz solcher Ausdrücke lässt sich, laut ihm, durch die dadurch suggerierte Authentizität der Produkte begründen. Vgl. dazu: Stellino 2010: 85.
Vgl. zum francitan 1.1.4.
Vgl. zum Begriff Erinnerungsdialekt: Stellino 2010: 85.
Zur Bedeutung des Erzählstimulus im narrativen Interview. Vgl. Rosenthal 2015: 170f.
In der Sozialforschung spricht man in diesem Zusammenhang auch von Theoriegenerierung. Vgl. dazu: Treichel 2004: 74.
Daher eignet sich die Sprachbiographie im engeren Sinne auch nicht für alle Beforschten. Vgl. dazu: Barbarić 2014: 95.
Deshalb finden Sprachbiographien auch hauptsächlich in der Mehrsprachigkeitsforschung und dort gerade bei Fragen zur Mehrsprachigkeitserziehung Anwendung. Ein klassischer Untersuchungsgegenstand, bei dem mit Sprachbiographien gearbeitet wird, sind daher Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihr sprachliches Erleben. Vgl. dazu: Franceschini 2002: 21-23.
Angesichts der vorherigen Präsentation der soziolinguistischen Situation des Gaskognischen, könnte dies auch ein Indiz dafür liefern, ob die Situation, in der sich das Gaskognische aktuell befindet, von seinen Sprechern realistisch eingeschätzt oder verklärt wird.
Diese Technik zeichnet sich durch eine nahezu nicht vorhandene Strukturierung aus. Dem Befragten wird dabei nur in Form der Themenvorgabe ein Erzählstimulus vorgegeben und das Interview beginnt. Die Verfechter dieser Technik gehen davon aus, dass im Rahmen des Erzählvorgangs ''eine Dynamik (in Form von Zugzwängen der Erzählung) wirksam wird, die quasi automatisch gewissen Strukturprinzipien Rechnung trägt'': Die Strukturierung würde also quasi von alleine erfolgen und bräuchte nur im Anschluss bei der Auswertung herausgearbeitet werden. Dazu würden etwa gesetzte Schwerpunkte oder aber auch präzisierte Intentionen und Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen gehören. Mit dieser Vorgehensweise würde man, laut der Hypothese der Verfechter dieses Verfahrens, zu Informationen gelangen, die Befragte, mittels anderer Methoden, so nie offenbaren würden. Erst später, wenn das Gespräch von alleine nach und nach zum Erliegen käme, würden dann weitere Präzisierungen erbeten werden. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 540-542.
Man könnte bei der Umsetzung mit einer Dauer von bis zu 3 Stunden pro Interview rechnen. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 544.
Siehe Anhang 3.
Dass diese Methode durchaus sinnvoll ist, betonte schon Fischer, der mit seinen Fragen als Vorbild für den erstellten Fragebogen galt. Hier war ihm aufgefallen, dass die Angaben, gerade in Bezug auf die Benennung der gesprochenen Idiome, sehr unterschiedlich ausgefallen waren, je nachdem ob nur der Fragebogen ausgefüllt oder noch mündlich nachgehakt worden war. Vgl. Fischer 1993: 72-74.
De facto werden Gesichtsausdrücke, Gestik und verbale Äußerungen des Interviewers als Interpretationsgrundlage für Bewertungen durch eben diesen von der interviewten Person herangezogen, selbst wenn diese Reaktionen vom Interviewer nicht wertend gemeint waren. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440, 466.
Diekmann beteuert in diesem Zusammenhang, dass eine gänzliche Einhaltung der ''Forderung nach Neutralität (…) ein nicht erreichbares Ideal'' wäre, daher könne diese ''nur relativ sein''. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 440.
Siehe Anhang 1.
Von einer solch konkreten Nennung des Forschungsvorhabens wird in der Methodenforschung abgeraten. Man bezeichnet dieses Phänomen Sponsorship-Effekt. Vgl. dazu: Diekmann 2014: 470. Von einem Sprecher, CUB10_44m, wurde aufgrund seines Misstrauens gegenüber der Untersuchung, aber die Nennung der konkreten Themenstellung vorab gefordert. Ansonsten hätte er sich an der Befragung nicht beteiligt.
Vermutlich liegt dies an der wenig offenen Einstellung des IBGs, insbesondere in Hinblick auf ausländische Forscher, welche nur die - in ihren Augen falsche - okzitanische Ideologie verbreiten würden. Vgl. dazu: Moreux 2004: 41f., Field 2009: 757. Aber auch bei lokalen Forschern war das IBG nicht kooperationsbereit. Vgl. dazu: Milhé 2007: 98.
Vermutlich ist diese anfängliche Reserviertheit auf die Fragestellung zurückzuführen, in der explizit von gascon gesprochen wurde. Andererseits schien eben diese dezidierte Erwähnung des Wortes gascon für einen Teil der Befragten, die sich von der okzitanischen Bewegung abgespalten hatten und die es auch sonst aufgegeben hatten, sich öffentlich für den Erhalt der Sprache einzusetzen, ausschlaggebend gewesen zu sein, um sich für eine Befragung bereit zu erklären.
Dies zeigte sich allein daran, dass die Befragten es sich oft wünschten über den weiteren Verlauf der Untersuchung informiert zu werden.
Wie bereits angesprochen sind die Instituts d’Études Occitanes die Paradeinstitution der Okzitanismusbewegung, sodass die zum Teil ideologische Einfärbung der Antworten der Befragten nicht überraschte. Vgl. 3.1-3.10.
Für genauere Informationen: <http://estaca.free.fr/> (Zugriff am 10.01.2016).
Für genauere Informationen zum aktuellen Festival: <http://ostau-occitan.org/> (Zugriff am 02.03.2016).
Neben dem Gaskognischen, Languedokischen und Limousinischen, die meist dem Okzitanischen zugeordnet werden, wird in der Region auch Baskisch gesprochen.
Für genauere Informationen, vgl.: 3.1. und 3.8.
Die Kodierung beschränkt sich auf den Aufnahmeort (LTB= La Teste-de-Buch, CUB= communauté urbaine de Bordeaux, S= Sore), eine Nummerierung (01, 02, etc.), das Alter (zweistellig) und das Geschlecht (f/m).
Da Johann Fischer bereits 1993 die Schwierigkeit erkannte überhaupt Sprecher dieser Minderheitensprachen zu finden, hatte aber auch er Forschungsreisen unternommen, wo er zusammen mit seinen Beforschten die Fragebögen durchging und dort bereits feststellte, dass vieles bei mündlicher Erklärung ausführlicher oder anders beantwortet wurde. Dies spricht auch wieder für den hier verwendeten gemischten und eher qualitativ orientierten Ansatz. Vgl. dazu: Fischer 1993: 60-62.
Das Idiom wurde dementsprechend auch als „occitan“ in den Fragebögen bezeichnet. Vgl. dazu: Fischer 1993: 243-246.