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Einleitung

1. Einleitung

Akkulturation im Spiegel des Sprachkontakts – ein Phänomen so alt wie Sprache und Kultur. Im Rahmen des Seminars wurde unter verschiedenen Prämissen versucht herauszufinden, welche sprachlichen Auswirkungen es hat, wenn Sprecher einer fremden Kultur oder der Errungenschaft einer fremden Kultur begegnen – auf den romanischen Sprachraum bezogen. Vereinfacht ausgedrückt war die Grundüberlegung: Das Individuum, der Sprecher, oder die Sprechergemeinschaft treffen auf eine ihnen unbekannte Sache und bemühen sich, diese in Worte zu fassen. Wie geht das vonstatten? Wovon hängt es ab, welche Begriffe verwendet werden? Gibt es Beziehungen unter den Einzelsprachen der Romania bezüglich der Akkulturation?
Die hier präsentierte Arbeit macht sich zur Aufgabe, eine (Teil-)Antwort auf diese Fragen zu geben, am Beispiel des Buchdrucks.

Die Erfindung des Buchdrucks war eines der prägendsten Ereignisse des 15. Jahrhunderts und eine wahre Revolution der bisherigen Kommunikationsmöglichkeiten. Kaum eine technische Errungenschaft hatte derart tiefgreifende Auswirkungen auf die Menschen und die Art, wie sie lebten. Sie durchdrang jeden Stand, jede Klasse und jedes Individuum. Sie zog weitreichende politische Veränderungen mit sich und veränderte die Machtverhältnisse innerhalb Europas (und nicht wenig später auch außerhalb) auf Dauer. Sie war Wegbereiterin der Säkularisierung und sorgte für eine Demokratisierung der Wissensbeschaffung und -vermittlung.

Heute, im Jahr 2016, befinden wir uns wieder an einem Scheidepunkt, gleich den Menschen vor gut 500 Jahren. Das Buch, welches lange Zeit unsere Kommunikation bestimmt hat, verliert immer mehr seiner Bedeutung an das Internet. Das Typographeum neigt sich dem Ende zu. Die Tatsache, dass diese Arbeit online verfasst wird, spricht für sich. Der Vorteil dieser neuen Art des wissenschaftlichen Arbeitens ist, dass a) alle am Schaffensprozess beteiligt werden können, ganz gleich, wo sie sich physisch aufhalten und b) sofortige Feedbackmöglichkeit besteht – alle Seminarteilnehmer können die Arbeiten der anderen begutachten.

Zunächst wird also, um auf den Inhalt der Arbeit zurückgekommen, eine sachgeschichtliche Einordnung gegeben. Anschließend wird anhand einiger Konzepte untersucht, welche die Bezeichnungen der Konzepte in der Romania sind, welche Kausalitäten sich erkennen lassen und welche sprachlichen Besonderheiten. Abschließend soll eine quantitative Studie zur Untersuchung der akkulturellen Beziehungen der romanischen Einzelsprachen untereinander vorgenommen werden und ein Kommentar zur Verbreitung der Bezeichnungen erfolgen.

 

1.1. Methodik

Der Buchdruck stellt ein sehr breites und vielseitiges Forschungsfeld dar, welches für Etymologen sehr reizvoll ist.Gleichzeitig bedeutet das natürlich eine deutliche Intensivierung der Vorbereitung. Zunächst einmal muss man wissen, wie der Buchdruck überhaupt vonstatten geht. Anschließend gilt es, auf empirischer Basis, passende Konzepte auszuwählen, die genug Diskussionsmaterial liefern und relevant sind. Linguistisch bewegt man sich im Rahmen einer Fachsprache, die den meisten Sprechern so nicht alltäglich geläufig ist. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Akkulturationsprozesse – hier wurde (zumindest teilweise) Spezialvokabular untersucht, was in vielen Wörterbüchern nicht einmal zu finden ist.
Eine erste Einschränkung des Forschungsfeldes wurde vorgenommen, indem man einen Betrachtungszeitraum festlegte. Die Wiegendruckzeit, als der moderne Buchdruck noch ganz am Anfang stand, erschien passend. Anhand der Druckersprache wurde dann entschieden, welche Konzepte für eine kontrastive Studie der Akkulturation in der Romania besonders interessant wären (dies beinhaltete gründliche Recherche – einige Konzepte, die schon weit untersucht waren, wurden wieder verworfen, da sie linguistisch dann doch nicht so ergiebig waren).

Ein großes Problem während dem Verfassen der Arbeit war das Fehlen mancher Bezeichnungen in einschlägigen Wörterbüchern, beispielsweise Setzkasten im Portugiesischen oder Winkelhaken im Rumänischen. Hier wurde dann, unter Berücksichtigung der einzelsprachlichen Besonderheiten mittels der Bildersuche von google.de untersucht, ob denn ein einschlägiger Treffer dabei sei. So konnte, unter anderem, von spa. componedor ‚Winkelhaken‘ auf roh. compustur ‚Winkelhaken‘ geschlossen werden.

Eine weitere methodologische Hürde stellte die große sprachliche Ähnlichkeit vieler der Konzepte dar. Aus einem Etymon leiten sich in manchen Fällen bis zu fünf einzelsprachliche Bezeichnungen ab, die untereinander nicht immer eindeutig abzugrenzen sind. Als Nichtmuttersprachler da zu unterscheiden, gestaltete sich als schwierig. Hier wurden dann kontrastiv Wörterbücher verglichen und die Bezeichnungen mit der höchsten Trefferquote primär behandelt. Veraltete oder alternative Konzeptbezeichnungen wurden ebenfalls für den Akkulturationsprozess berücksichtigt, besonders dann, wenn sie für die Akkulturation innerhalb einer anderen Einzelsprache von Bedeutung waren. Die lexikographischen Einträge der Bezeichnungen wurden, sofern online vefügbar, in den Tabellen unter den Konzepten verlinkt.

Anhand der einschlägigen etymologischen Wörterbücher wurden die Bezeichnungen schließlich untersucht, um anhand der Erstbelege Verbreitungswege eruieren zu können. Abschließend wurden die Ergebnisse ausgewertet und eine Quantifizierung vorgenommen.

Oberstes Gebot der Arbeit ist die Transparenz. Jeder soll fähig sein, die Arbeitsschritte nachzuvollziehen und, wenn gewünscht, einen eigenen Beitrag leisten. Um dies zu erleichtern, wurden umfassend Querverweise verlinkt und Quellen gescannt.

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