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Vortrag 18.5.16: Stratigraphie: Pyrenäen (Substrat, Superstrat, Romanisierung, sprachliche Eigenschaften, Toponymie)

  1. Einleitung
  2. Substrat in Spanien

2.1. Keltisches Substrat

2.1.1.Sprachliche Merkmale

2.2. Baskisches Substrat

2.3. Iberisches Substrat

2.4. Romanisierung- Spanien

2.5. Superstrat Spanien: Westgoten

  1. Substrat in Frankreich

3.1. Iberisches Substrat

3.2. Baskisch-aquitanisches Substrat

3.3. Gallisches Substrat

3.3. Superstrat Frankreich: Westgoten

3.4 Superstrat Frankreich: Franken

  1. Wortschatz im Pyrenäengebiet

4.1. Allgemein verbreiteter Wortschatz

4.1.1. Pflanzennamen

4.1.2. Tiernamen

4.1.3. Hirtenterminologie und Gebietskonfiguration

4.1.4. Gebietskonfiguration

4.1.5. Verschiedenes

4.2. Auf bestimmte Pyrenäenregionen beschränkter Wortschatz

4.2.1. Übereinstimmungen zwischen Gascognisch (im Rest von Frankreich unbekannt) und nordspanischen Dialekten

4.2.2. Iberoromanische Wörter, die auch in der Gascogne vorkommen

4.2.3. Galloromanische Wörter, deren Gebiet sich bis zum Norden der IH erstreckt

4.2.4. Aus dem Spanischen entlehnte Wörter im Gascognischen

4.2.5. Gascognischer Wortschatz

  1. Sprachliche Eigenschaften im Pyrenäengebiet

5.1. Phonetik

5.2. Keltischer Einfluss

5.3. Baskischer Einfluss

5.4. Sprachliche Entwicklungen

  1. Toponymie

6.1. Keltisches Substrat

6.2. Baskisches Substrat

6.2.1. Allgemeines

6.2.2. Berri/barri

6.2.3.Os/Ues/Otze

6.2.4. Gorri

6.2.5.Toi/doi

6.2.6. Oi/ Koi

6.2.7. Eche/ Etxe

6.2.8. Garona/ Garonne

6.3. Iberisches Substrat

6.4. Fränkisches Superstrat

  1. Einleitung

 

2. Substrat in Spanien

2.1. Keltisches Substrat

-Ungefähr drei Siedlungswellen zwischen siebten und vierten Jh. v. Chr

-Ansiedlung   im Norden und im Ebrobecken

-keine einheitliche Kultur: im Ebrobecken v.a.größere Bedeutung der Agrikultur,  im Inneren eher Viehhaltung

Sprachliche Merkmale

-Frühe Entlehnungen, die in latinisierter Form auf die IH kamen:  sp. camisa< lat. camisia ‘Hemd’, sp./kat. carro< lat. carrus ‘Wagen’, sp. cerveza/ kat. cervesa< lat. cervisia ‘Bier’.

-Spätere Entlehnugen auf der IH: sp. abedul / kat. bedoll ‘Birke’, sp. gancho/kat. ganxo ‘Haken’ oder sp. serna/ kat. serna ‘Feld-/ Ackerbau’

 

2.2. Baskisches Substrat

– Die Situation für Belege an der westlichen Grenze des baskischen Sprachraums ist schwierig. Im Gegensatz zu den Vaskonen, deren Gebiet ungefähr mit dem heutigen Navarra zusammenfällt, weist der traditionelle Name der baskischen Provinzen (Provincias Vascongadas- Alava, Guipúzcoa, Vizcaya) eher auf eine Assimilierung oder Baskisierung hin. Aus Inschriften bekannte Personennamen stellen einen keltischen und allgemein indogermanischen Typen dar. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die von indogermanischen Invasoren beherrschte baskische Bevölkerung in den westlichen Regionen unter den Römern wieder ihren eigenen Charakter bekam. Im Nordosten der IH ist zwischen den navarresischen und aragonesischen Dialekten, die einen Übergang zum Katalanischen darstellen, noch heute eine baskische Enklave, deren  Forstbestehen Fragen zur Romanisierung aufwirft. Pidal glaubt an eine Grenze  nördlich von Huesca und nordwestlich von Lérida. Im Mittelalter habe sich die Romanisierung weiter nach Norden fortgesetzt. Im Zuge dessen verschwand die Sprache in den Pyrenäentälern von Aragonien und Lérida, die wohl Baskisch war. Grund für Pidals Annahme, dass dies schon vor Ende der Diphthongierung geschah, ist die Diphthongierung von baskischen Namen, z.B. Javierre. Dagegen fand die Romanisierung in Navarra nach Ende der Diphthongierung statt, wie man in Namen wie u.a. Baigorri und Iriberri sehen kann.

-Baskische Lehnwörter sind: sp./ kat. vega ‘Aue, fruchtbare Ebene’, sp. pizarra/ kat. pissara ‘Schiefertafel’, sp./ kat. boina ‘Baskenmütze’ und Personennamen wie García, Inigo Gimeno und Sancho.

Der Namen des Flusses Ebro stammt wahrscheinlich aus baskisch ibai ‘Fluß’, ibar ‘Flussmündung’.

2.3. Iberisches Substrat

Eine jüngere Stufe des Iberischen (im Vergleich zum Süden der Halbinsel) dehnt sich vom Osten Andalusiens bis über das Ebrotal und Zaragoza hinaus bis in das südfranzösische Béziers. Das iberische Schriftsystem stellt für manchen eine Kombination aus Silben und alphabetischen Elementen dar.  Iberisch und Baskisch sind verschiedene Sprachen, doch es gibt nicht nur lexikalische, sondern auch morphologische und phonologische Gemeinsamkeiten. So findet sich die Endung –tar als Bezeichnung für Ethnien (wie bilbotar ‘aus Bilbao’ im Baskischen) auch im Iberischen: In einer Münzlegende fand man die Inschrift Arsetar ‘aus Arse)’. Die Ähnlichkeiten zwischen Baskisch und Iberisch beruhen auf Nachbarschaft und engem Sprachkontakt und nicht auf Verwandtschaft. In der iberischen Namensgebung gibt es Ähnlichkeiten mit indogermanischen Elementen: Bei einigen Namen befindet trägt auch der Sohn Bestandteile des väterlichen Namens (wie in Illurtibus Bilustibas filius), was an die germanische Namensgebung erinnert.  Zwei der wichtigsten Inschriftentafeln sind auf Griechisch verfasst. Insgesamt ist wenig über die iberische Sprache bekannt. Aus Inschriften hat man fast tausend Wörter.

2.4. Romanisierung- Spanien

Der Sprachwechsel verlief nicht abrupt, sondern es gab eine Übergangsphase, in der die einheimischen Sprachen gesprochen wurden und es kam sogar zu einer Blüte der iberischen Schriftkultur. Während die Romanisierung im Süden und Osten rasch verlief, dauerte es im Norden und Nordwesten etwas länger. So befinden sich in Inschriften in östlichen Gebieten mit iberischer Bevölkerung nahezu nur lateinische Namen wie Cornelius oder Fabius u.a. Im gebirgigen Norden jedoch finden sich Inschriften aus der Kaiserzeit, die in einheimischer Sprache verfasst sind und in denen die Bewohner ihre alten Namen beibehalten. In diesen Regionen setzte sich das Latein, und dies von städtischen Zentren aus, nur langsam durch und war auch offener für die Kommunikation mit Gallien und Italien. Bei wirtschaftlichen und politisch isolierten Regionen, die das Baskische beibehielten, verstärkte sich dies mit dem Untergang Roms.

Zentren des sozialen und wirtschaftlichen Lebens waren die Städte, die durch ein Straßennetz verbunden waren. Eine der Straßen war die Via Augusta, die am Mittelmeer vorbei lief, von Cádiz bis nach Tarragona führte, durch die Pyrenäen verlief und Hispanien mit Gallien und Italien verband. Doch am bedeutendsten waren Sprache und Verwaltung. Vor dem Imperium herrschte Bilingualismus, auch wenn Latein offizielle Sprache war. Aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen verbreitete sich die lateinische Sprache und verdrängte die autochthonen Sprachen; vom Lateinischen entwickelten sich die heute gesprochenen Sprachen (Spanisch und Katalan) und als einzige vorrömische Sprache überlebte nur  das Baskische. Das Latein, auf das die heutigen Sprachen zurückgehen, war ein diatopisch stark markiertes Vulgärlatein.

Besonderheiten des hispanischen Lateins weisen darauf hin, dass die Römer noch nicht geeint waren- es gab italische Söldner im römischen Heer, die das in Süditalien (genauer Kampanien und Samnium) gesprochene Oskisch und volskisch sprachen. Die oskischen Züge des gemischten Heeres haben sich womöglich auf dem in der IH gesprochener Varietät erhalten.  Auf der ganzen Halbinsel gibt es italische Toponyme und auch in Inschriften finden sich viele italische Personennamen. Eine mögliche Spur ist die Assimilation von mb>m, wie in lat. palumba> sp./kat.? paloma.

Das archaische Latein der Siedler spiegelt sich im hispanischen Latein wider. So sind z.B. einige alte Formen erhalten: audire ‘hören’ in Spanisch und katalanisch oir gegenüber Innovationen wie französisch entendre, caput ‘Kopf’ in sp. cabeza und kat. cabeça gegenüber frz. tête, sp., kat. preguntar ‘fragen’ gegenüber frz. demander. Dagegen gibt es andererseits Wörter im klassischen Latein, die ersetzt wurden, z.B. sp., sp. caballo/ kat. cavall< caballus ‘Gaul’, sp. fuego/ kat. foc< focus ‘Feuer’ statt equus und ignis  und frater (germanus)> sp. hermano, kat. germá .

 

2.5. Superstrat Spanien: Westgoten

Mit Kämpfen gegen germanische Stämme (ab dem III. Jh.) und Einwanderung dieser zwischen viertem und sechsten Jh. (v.a. Westgoten) wurden wichtige Kommunikationswege und der Handel stark behindert und Städte verlassen, so dass sich reichere (einheimische) Bürger um größere Städte herum ansiedelten. Dagegen bevorzugten die Einwanderer eher ländliche Gebiete .

Ab 466 dehnte sich das westgotische Reich, damals mit Toulouse als Hauptstadt, über die Pyrenäen aus. Nach der Niederlage gegen Chlodwig im Jahre 507 zogen sich die Westgoten endgültig auf die IH zurück; ab 568 wurde Toledo ihre Hauptstadt.  Durch das Fortbestehen des römischen Bürgerrechts leisteten die einheimischen kaum Widerstand.

Unter Leovigild wurden einige Gesetze aufgehoben, wie das Verbot der Mischehen, und die Rechtssysteme in Einklang gebracht; zwischen den Religionen  blieben Grenzen bestehen, da die hispanische Bevölkerung großenteils Anhänger des Katholizismus waren und Leovigild den Arianismus durchsetzen wollten als Einigungsinstrument. Die Trennung zwischen den Bevölkerungsgruppen hörte erst auf, als sich die Westgoten integrierten. 589 konvertierte König Rekkared zum Katholizismus. 654 wurde das Lex Visigothorum, ein gemeinsames Gesetzbuch für Westgoten und Romanen geschaffen.

Sprachlicher Einfluss

Das Germanische ist auf der IH schwächer vertreten, da nach den Invasionen (409- 416) und der Bildung des Westgotenreichs keine größere Invasion folgte, während in Gallien eine auf die andere folgte.

Im siebten Jh. führte die Integration zum Verlust der gotischen Sprache; zudem waren die Westgoten durch ihren Aufenthalt in Dakien 257 wahrscheinlich schon stärker romanisiert, als sie sich auf der IH niederließen. Daher sind die Spuren eher als gering einzustufen.

Bei den Germanismen besteht das Problem, dass man sich nicht immer über den Zeitraum der Entlehnung im Klaren ist. Sie können als Adstratwörter (z.B. sp. blanco, tregua, jabón, guardar, guisa- kat. blanc, treva, sabó, guardar, guisa) ins Lateinische geraten sein, oder über eine Nachbarsprache (z.B. jardín, das aus dem Fränkischen in das Galloromanische übernommen wurde).

Einige Spuren der Westgoten im Spanischen sind Wörter, vor allem im Bereich Militär, z.B. sp. guerra, ganar, robar, guiar, yelmo, espía, ganar- kat. guerra, ganar, robar, guiar, yelmo, espía, ganar. 

In der Morphologie wurde das Suffix –engo ‘zu x gehörig’, wie in sp./ kat. abadengo ‘zu einer Abtei gehörig’, entlehnt (Vgl. Bollée/ Neumann- Holzschuh: S. 42).

Besonders häufig findet sich der gotische Einfluss in Personen- und Ortsnamen, die von Personennamen abgeleitet wurden, z.B. Alfonso, Adolfo, Elvira, Federico; Ortsnamen: Allariz, Gomesende, Gondomar. Die Ortsnamensgebung Godos, Gudillos, Godones -Romanos, Romanillos, Romancos deutet auf getrennte Lebensräume hin. Häufige Muster dabei sind, zusammengesetzt aus einer Örtlichkeit und einem Personennamen: casa/castrum/villare +Andulf/Sigerich/ Roderich> Casandulfe/Castrogeriz/Villaruriz.

 

  1. Substrat in Frankreich

3.1. Iberisches Substrat

Ab 600 v. Chr. besetzten die Iberer den Südwesten von Frankreich, teilweise bis zur Loire.

Ein Substratwort ist artigue ‘urbar gemachtes Land’.

3.2. Baskisch-aquitanisches Substrat

Der Name Gaskogne steht in Verbindung mit den Basken. Im vierten Jahrhundert wurde die Gaskogne erstmals in der Form Vasconia saltus dokumentiert, um die Pyrenäenkette zu bezeichnen. Vasconia war das Gebiet der Vaskonen, den heutigen Basken. Der Grund für das Verwenden des Namens für eine Region nördlich der Pyrenäen ist dabei unklar: der lateinische Name für die Basken diesseits und jenseits der Pyrenäen, das ehemalige Auqitania Novempopulana nach dem Vergrößern und Verschieben von Aquitanien, oder als Zeichen eines längeren Widerstandes gegen die Romanisierung. Der Wandel von V- zu G- ist vermutlich unter germanischen Einfluss geschehen, da w- durch gw- ersetzt wurde und zu g- wurde.

Über die Verwandtschaft zwischen Baskisch und Aquitanisch gibt es verschiedene Ansichten: enge Verwandtschaft, verschiedene Dialekte einer Sprache, das Aquitanische als eine ältere Form des Baskischen. Manche meinen auch, dass das heute in Frankreich gesprochene Baskisch nicht mit den Aquitaniern zu tun hat, und durch Einwanderung von der spanischen Seite im siebten Jh. importiert wurde.

Für eine ethnische und linguistische Einheit sprechen Personennamen in aquitanischen Inschriften, die dem heutigen Baskisch sehr genau entsprechen: Andere ‘Dame’- in Baskisch andere, Bihoxus ‘Herz’ – in Baskisch bihotz, Belex/ Beles ‘schwarz’- in Baskisch beltz .

Interessant ist es, dass baskische Namen auch außerhalb des Gebietes vorkommen: So kommt baskisch aran ‘Tal’ u.a. in Val d’Aran, Aran (als Nebenfluss des Gebirgsbach Aspe). Weitere Beispiele sind Isabe (See) in Aragón/Izaby (See), Isabèna (Fluss),  Isabarre (Dorf) in Frankreich.

3.3. Gallisches Substrat

Von Kelten spricht man seit ungefähr dem siebten Jh.. Ab dem fünften Jh.breiteten sie sich  aus. Lange  waren Römer und Kelten friedliche Nachbarn. Im Rahmen dieses nachbarlichen Sprachaustausches gelangten einige Wörter in das galloromanische, u.a. chemin, chemise (das Hemd als typisches Kleidungsstück der Kelten), char (die Kelten waren gute Wagenbauer). Die Kelten schufen ein nahezu homogenes Sprachgebiet in Gallien. In zwei Etappen wurde Gallien erobert: 125-118 v.Chr. und 58- 51 v.Chr.

Die Gallier waren im Gegensatz zu den Römern kaum urbanisiert. Die Kelten bauten mit Holz, Lehm, Flechtwerk; die Römer schufen Städte mit Theatern, Arenen, Thermen, Tempeln, Statuen, Triumphbögen, Schulen, Kasernen und Wasserleitungen. Diese kulturellen Unterschiede hinterlassen auch Spuren im Wortschatz.

Sprachliche Merkmale

-Im Wortschatz wurden bis zu 240 Wortstämme im Französischen, Okzitanischen und Provenzalischen (laut FEW) entlehnt. Während sich das lateinische Wort in den Städten durchsetzte, behielten viele ländliche Regionen das keltische. Besondere Wortfelder sind: Bodenkonfigurationen, Landwirtschaft (Viehzucht, Ackerbau), Alte Feldmaße, Bienenzucht (frz. ruche/ kat. rusc), Weinbau/ Bierbrauerei (afrz. cervoise/ kat. cervesa), Pflanzen (frz. verne/ kat. verne ‘Erle’, frz. bouleau/ kat. bedoll ‘Birke’, frz, bruyère/ kat. bruc ‘Heidekraut’), Haushalt, Gesellschaftsstruktur (frz. vassal, druide/ kat. vassall, druida), Hausbau (frz. auvent/prov. ambans ‘Regendach’ ), Sonstiges.

3.3. Superstrat Frankreich: Westgoten

412 besetzten die Westgoten in Südfrankreich, mit der Hauptstadt Tolosa (>Toulouse). Später wurden sie von den Franken vertrieben, die seit 486 Nordfrankreich besetzten, und zogen 507 mit ca. 200000 Mann über die Pyrenäen.

Westgotische Okzitanismen, die in das Französische übergingen sind: l’ambassade< okz. ambaissada, la gaffe ‘Bootshaken, Fehler’, la guimbarde, gai ‘heiter, froh’.

 

3.4 Superstrat Frankreich: Franken

Die Franken sind von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des galloromanischen Sprachgebietes und geben dem Staat sogar seinen Namen Frantia>France. Ab 486 n.Chr. fallen die Franken in Frankreich ein; unter Chlodwig wurde in der Schlacht von Soissons der römische Statthalter Syagrius geschlagen. Durch sein Konvertieren zum Katholizismus wurde das galloromanische Latein in seiner gesellschaftlichen Stellung gestärkt und das Westgotische im Süden geschwächt. Im Gegensatz zu den Westgoten betrieben die Franken keine ethnische Trennung und es gab Mischehen, weshalb sich die Bevölkerung schneller mischen konnte, was die Zweisprachigkeit förderte. Die Romanisierung  verbreitete sich von den Städten aus unter den Germanen. Von Nord nach Süd nimmt die Beeinflussung durch die Franken ab. Im okzitanischen Raum (Poitou, Aunis, Saintonge, südliches Berry, Morvan) sind die Einwirkungen erst im Mittelalter spürbar. Trotz fränkischer Herrschaft bleibt das Galloromanische Prestigesprache und Latein Verwaltungssprache. Durch die Vorherrschaft des Nordens drangen und dringen viele Wörter in die Varietäten des Südens ein.

Sprachliche Merkmale

Viele Personennamen wurden heimisch: Rollo>Roux, Wilhelm>Guillaume, Veit>Guy, Bertrand, Hugues, Hugo, Louis, Charles, Robert, Roland,Kuno, Bernard, Renard, Gérard, Garnier, Alice, Berthe.

Das h-aspiré, ein gehauchtes h-, wird entlehnt: z.B. la/ halle.

Viele mit ga-, gui- und gue- anlautender frz. Wörter beruhen auf einem fränkischen Etymon mit anlautendem w-.

Ungefähr 700 Wörter wurden entlehnt: frühfeudale Gesellschaftsstruktur (frz. le fief / kat. le feu ‘Lehen’, frz. le maréchal/ kat. mariscal ‘Diener, der die Pferde zu versorgen hatte’, frz. le sénéchal/ kat. senescal ‘Hof- und Küchenmeister, in Südfrankreich Repräsentant der Königsmacht in Frankreich’), Rechtswesen (frz. le garant/ kat. el garant ‘Bürge’, frz. le gant/ kat. el guant ‘Handschuh’, frz. le héraut/ kat. el herald ‘Herold’), Ehrenkodex des Feudaladels (frz. l’orgueil/ kat. l‘orgull ‘Reckenstolz’), Militätwesen, Körperteile, Baum- und Pflanzenbezeichnungen, Hausbau, Bautechnik, Mobiliar, Landwirtschaft, Viehzucht, Hauswirtschaft, Küche.

Um 800 dehnte sich das Frankenreich bis zu Südgallien und der IH aus. Im Zuge dieser Oberherrschaft verbreiteten sich fränkische Wörter im Okzitanischen, Spanischen und Katalanischen. Darunter sind u.a.: frk. *werra> frz. guerre, okz. guerra, kat. guerra, sp. guerra; frk blank>frz. blanc, okz. blanc, kat. blanc, sp. blanco; frk. frisc> frz. frais, okz. fresc, kat. fresc, sp. fresco; frk. *bosk> frz. bois, okz. bosc; frk. *gardo> frz. jardin, okz. gardi, sp. jardín.

 

  1. Wortschatz im Pyrenäengebiet

4.1. Allgemein verbreiteter Wortschatz

Es gibt verschiedene Gruppen in der Gliederung des Wortschatzes. Eine ist auf den baskisch béarnesischen Sprachraum beschränkt. Wörter sind u.a. amburo ‘Affodil’, auroustà ‘den Tod beklagen’, chenis ‘Blitz, chingarro ‘Specksheibe’, eslarrà ‘schlittern’, herping ‘Nadel’, mansoùrrou ‘schweigsam’. Diese wurden in einer jüngeren Sprachschicht an die romanisch-sprachigen weitergegeben. Eine weitere Gruppe beinhaltet Wörter, die nicht im aquitanischen Raum vorkommen, und die von den angrenzenden  Gallischsprachigen später in das galloromanische weitergegeben wurden, z.B. artigo, esquèr (‘links’, bask. Ursprung). Die größte Gruppe umfasst die der Pyrenäenwörter, die sich auf die Pyrenäentäler beschränken und dem Gascognischen, dem Katalan und dem Aragonesischen gemeinsam sind. Es handelt sich dabei vor allem um Tier- und Pflanzenbegriffe, die sich auf diesen Lebensraum beziehen. Da das heutige Baskenland sich kaum unter 1000m Höhe befindet, fehlen dort einige dieser Begriffe, zum Beispiel die Bezeichnungen für Klee, Rhododentron, Gams und weißes Perlhuhn. Die geographische Situation und die nahe Verwandtschaft der Völker auf beiden Seiten der Pyrenäen haben einen für die Pyrenäenregion typischen, charakteristischen Wortschatz erschaffen.

4.1.1. Pflanzennamen

Bei Rohlfs sind 24 Bezeichnungen aufgelistet, u.a.:

-gasc. abayoû, arag. anayón, aran. anajoung, bask. abi ‘Preiselbeere, Heidelbeere’;< *anabione 

-gasc. abardo, kat. bardanal, arag. barrabón ‘Rhododentron’- ist bei Römern unbekannt

-gasc. artàch ‘Strauch’, arag. arto /kat. ars ‘Weißdorn’, bask. arto ‘Steineiche’

 

-versch. Dornenpflanzen:

 >gasc. gabadèro, arag. gabadera, languedoc. garabè, aran. garrabé, kat. gavarra ‘Heckenrose, Wildrose, Brombeere’- auch in altprov. garravier

4.1.2. Tiernamen

Bei Rohlfs sind 11 Bezeichnungen aufgelistet, u.a.:

-gasc. arracò ‘Raupe’

-gasc. arriàng, aran. arriàng, bask. arrano ‘Adler’

-gasc. isàrt, arag. sarrio, kat. isart ‘Gams’- berb. isri<bask. izár ‘Stern’, wegen eines weißen Flecken auf der Stirn, wobei diese Erklärung wenig plausibel ist

 

4.1.3. Hirtenterminologie und Gebietskonfiguration

Bei Rohlfs sind 13 Bezeichnungen aufgelistet, u.a.:

-gasc. mar, aran. mardang, kat. marrà, arag. mardano ‘Widder’

-gasc. catarrabe, arag. catarra ‘tiefe Furche, die durch Wasser verursacht wird’- es werden Beziehungen zu bask. katalo ‘Hügel, Anhöhe’ vermutet

 

4.1.5. Verschiedenes

Bei Rohlfs sind 39 Bezeichnungen aufgelistet, u.a.:

-gasc. chinchoûs, arag. chichóns, kat. xitxarrós ‘Grieben’, nav. chingorra ‘übrig gebliebenes Schweinefett’- Es werden Beziehungen zu bask. txintxar ‘Griebe’ vermutet

-gasc. moutoùrrou ‘arglistig, schlecht, verschwiegen’, kat. modorro ‘schwer und böswillig’- Dies entspricht einem baskischen mutur ‘verärgert’. Es wurde eine vorrömische Wurzel *muturru rekonstruiert

 

4.2. Auf bestimmte Pyrenäenregionen beschränkter Wortschatz

4.2.1. Übereinstimmungen zwischen Gascognisch (im Rest von Frankreich unbekannt) und nordspanischen Dialekten

Bei Rohlfs sind 71 Wörter aufgelistet, u.a.:

Hier ist vor allem die Beziehung zwischen  Gascognisch und Aragonesisch bedeutend; das Katalanische, das eng mit dem Provenzalischen verwandt ist, hat für den Pyrenäenraum eine geringere Aussagekraft und Wörter, die das Gascognische mit anderen Französischen Dialekten gemeinsam hat, werden nicht berücksichtigt.

-gasc. batissas, arag. las batizas ‘Buttermilch’

-gasc. cascàulo, arag. cascabla ‘Stechginstersorte’

 

4.2.2. Iberoromanische Wörter, die auch in der Gascogne vorkommen

Bei Rohlfs sind 109 Wörter aufgelistet, u.a.:

Diese Gruppe umfasst Wörter archaischen Charakters. Dieser zeichnet die iberoromanischen Sprachen aus im Gegensatz zur Galloromania (z.B. querer ggü. vouloir ‘wollen’). An manchen Stellen in der Gascogne aber sind vereinzelt Orte, zu denen die sprachlichen Innovationen nicht durchgedrungen sind.

-gasc. hets ‘Sediment’, sp. hez, ptg. fez, kat. feu ‘Bodensatz beim Wein’

– béarn. piònya, sp. peonza ‘Ziege’

 

4.2.3. Galloromanische Wörter, deren Gebiet sich bis zum Norden der IH erstreckt

Bei Rohlfs sind 109 Wörter aufgelistet, u.a.:

Nicht nur im phonetischen Bereich, sondern auch im lexikalen Bereich folgt das Aragonesische an einigen Stellen der Galloromania.

 

– gasc. coum ‘Trog’, arag. como ‘Schweinetrog’, aran. coum/ gasc. coump ‘Mulde in einem Springbrunnen’, ost- kat.‘Holztrog, der als Pfedeschwämme dient’ – < gallolat. cumba.

 

4.2.4. Aus dem Spanischen entlehnte Wörter im Gascognischen

Bei Rohlfs sind 41 Wörter aufgelistet, u.a.:

Diese Wörter stammen großenteils aus einem späteren Abschnitt des römischen Imperiums.

– gasc. agnisco ‘junges, zweijähriges Schaf’< arag. añisca ‘junges, zwei- bis dreijähriges Schaf ’- <*annisca; die erbwörtliche Entwicklung im Gascognischen lautet anésco.

-gasc. quèbo ‘Höhle, Unterkunft unter einem Felsen’-<sp. cueva; erbwörtlich wäre die Entwicklung càubo.

 

4.2.5. Gascognischer Wortschatz

Bei Rohlfs sind 14 Wörter aufgelistet, u.a.:

Es gibt bestimmte Wörter, die rein auf das Gascognische beschränkt sind. Sie zeichnen sich durch ihren archaischen Charakter und ihre oft ungeklärte Herkunft aus.

ajíu, ejéu, jíu ‘Tannannadel’, ejelasso, yelasso, illasso ‘Tannenzweig’, elasses ‘Tannennadeln’.

braude, braute ‘Schlamm’.

chírpou, tchirp ‘Kröte’.

 

  1. Sprachliche Eigenschaften im Pyrenäengebiet

 

5.1. Phonetik

Die verschiedenen Romanisierungsströme schlagen sich auch in der Monophthongierung der Diphthonge ai/ei und au wider: Der Diphthong –au- erhält sich im Gascognischen generell in allen Positionen: praube< lat. pauperem, paràulo< lat. *paraula, tàulo< lat. *taula; in protonischer Stellung findet eine mögliche Reduktion –o->-ou– statt: ouì< lat. audire. Im Nordosten von Spanien, im Spanischen und im Katalanischen, wurde ai>e und au>o.

Mit Ausnahme von –cl– im Gascognischen haben die Konasonantengruppen im Gascognischen, Aragonesischen und Katalanischen –pl-, -cl-, -fl– und –bl- die Palatalisierung nicht mitgemacht:  z.B. gasc. plourà, arag. plorà ggü. sp. llorar ‘weinen’, gasc. flamo, arag. flama ggü. sp. llama ‘Flamme’, kat. clau ggü. sp. llave  ‘Schlüssel’.

Eine offenes –o– im Gascognischen vor einem Palatal diphthongiert zu –ue. Trifft dieser Diphthong auf ein –y- entstand zunächst ein Triphthong -uei-, der sich später bis auf einige Ausnahmen auflöste: ouèy, gouèy, oué< lat. hodie ‘heute’. Ebenso diphthongierte eine offenes –o– im Aragonesischen, z.B. lat. porta>arag. puerta; im Katalanischen dagegen ist das –o- erhalten, wie in lat. porta> kat. porta.

/var/cache/html/dhlehre/html/wp content/uploads/2016/05/1462911225 Diphthongierung

Aus Baldinger 1958: S. 9

 

 

5.2. Keltischer Einfluss

Ein Lautwandel, der auf das Keltische zurückgeführt wird, ist der Wandel im Katalanischen von u>ü, wie auch in Frankreich, z.B. securu>segür>seür>sûr. Interessant ist, dass die Grenze dieser lautlichen Entwicklung mit der Grenze der –acum- Namen zusammenfällt .

In der Phonetik gab es bedeutende Änderungen: die intervokalischen Plosive –p-, -t-, -k- wurden zu –b-, -d-, -g- sonorisiert (nicht nur in Frankreich, sondern fast in der ganzen Westromania), z.B. ripa> riba> rive, vita> vida> vie, pacare>paiier>payer. Doch es gibt im Bearnesischen zwischen Aspe und Barétous und im angrenzenden Gebiet im Hocharagón (Biescas, Borto, Fanlo, Bielsa) einige Regionen, in denen die Konsonanten erhalten sind, z.B. lat. aiutare>gasc. aytà, arag. ayutar ‘helfen’, lat. applicare> gasc. aplecà, ‘falten’, lat. brucum> arag. bruco ‘Heide’, lat. capitia> arag. capeza ‘Kopf’. Als Grund für die fehlende Sonorisation wird die Abwesenheit von keltischer Bevölkerung vermutet. Dagegen gibt es im Hocharagón und der gascognischen Seite der Pyrenäen eine Gegend, in der diese Konsonanten nach Nasalen und Vibranten sonorisiert wurden, z.B. lat. alterum ‘ein anderer’>gasc. audè, lat. bancum ‘Bank’, lat. brancam ‘Zweig’>gasc. brango, arag. branga.

Aus Pidal 1968: S. 49

Aus Pidal 1968: S. 49

 

 Der Nexus –ct- (auch in der ganzen Westromania) wurde zu –it-. Im Gascognischen wurde er zu einem –y– und bildet mit dem Vokal vor der ehemaligen –ct-Gruppe einen Diphthong, z.B. peito ‘Brust’<pectum, feyto ‘gemacht’< factum. Dieses Phänomen ist nicht nur in der Gascogne zu beobachten, sondern auch in den Départements Haute- Garonne, Ariège und Aude . Im Spanischen hat hat sich [jt] zu [tʃ]weiterentwickelt.

 

5.3. Baskischer Einfluss

-Der Wandel von [f]>[h] im Spanischen und vielen seiner Dialekte wird auf das Baskische zurückgeführt, da er zur Römerzeit unbekannt war und durch h-, p-, b- oder ø ersetzt wurde, z.B. ficus ‘Feige’> iko, biko, piko. Dem schließt sich die Gascogne an, z.B. hìu ‘Sohn’, hèsto ‘Feier’. Während es im Spanischen noch einige Ausnahmen gibt, z.B. fuego ‘Feuer’ (f- vor –ue-) oder frío ‘kalt’ (f– vor –r-), ist diese Tendenz im Gascognischen allgemeiner, z.B. houèc ‘Feuer’, herét ‘kalt’. Das Aragonesiche und Katalan aber haben das initiale f- erhalten.

Aus Baldinger 1958: S. 4

Aus Baldinger 1958: S. 4

Oft ist im Gascognischen vor einem initialen lateinischen r-ein a- gestellt, wie in arrasìm ‘Traube’, arric ‘reich’. Ein baskischer Einfluss ist sehr wahrscheinlich, da im Baskischen Wörter nie mit r- beginnen. Hier wäre sp. arroyo ‘Bach’ zu nennen.

5.4. Sprachliche Entwicklungen

Wie im den iberoromanischen Sprachen geht der gascognische Komparativ auf lat. magis zurück, z.B. mès malaut ‘kränker’. Das spanische más und das katalanische mes aus lateinisch magis stellen eine ältere Phase dar, als das innovative plus, das  in Französisch plus erhalten bleibt.

Im Gegensatz zu dem Standartfranzösischen kennt das Gascognische drei verschieden Demonstrativpronomen, um den Abstand zu markieren und ist in dieser Hinsicht dem Spanischen (este/a, ese/a und aquel/la) näher: aquéste m./aquésto f., aquét/aquétch m./ aquéro f., acét/ acétch m./ acéro f. Sie gehen auf lat. *accu- iste, * accu-ipse und *accu-ille zurück und haben damit dieselben Wurzeln wie katalanisch aquest/a, aqueix/a und aquell/a . Wie Katalan und Gascognisch hat das Aragonesische ein dreiteiliges Deixissystem: iste/a, ixe/a und aquer/a. Dieses enthält sowohl Formen, die auf ille zurückgehen, als auch auf ipse.

In einigen Pyrenäentälern in der Gascogne (u.a. Aspe) wird das periphrastische Perfekt mit aller ‘gehen’ statt avoir ‘haben’ gebildet: z.B. aller: bòy i, bas i, ba i, bam i, bat i, ban i. Genauso verhält es sich mit katalanisch anar ‘gehen’: vaig+ inf., vas+ inf., va+ inf., vam+ inf., vau+ inf. und van+ inf. Ebenso bildet das aragonés oriental das periphrastische Perfekt mit ir. Im Spanischen und Französischen dagegen wird das Perfekt mit haber/ avoir gebildet.

Das Konditional im Gascognischen und im Bearnesischen unterscheidet sich vom Katalan und vom Spanischen. Wo sich im Hochspanischen in den Endungen der Vokal a befindet, ía, ías, ía, íamos, íais, ían im Konditional (Endung an den Infinitiv gehängt) und Imperfekt (Endung an den Stamm gehängt), ist im Gasognischen ein –e-. Vgl. das spanische Konditional cantaría, cantarías, cantaría, cantaríamos, cantaríais, cantarían mit gascognisch cantaréy, -rés, -ré, -rém, réts, -rén und das Imperfekt cantaba, cantabas, cantaba, cantábamos, cantabais, cantaban mit cantayéy, -ayés, -ayé, -ayém, -ayéts, ayén. Ähnlich ist es im Bearnesischen: Konditional cantarió, –riés, -rié, -riém, -riét ,- riéng und Imperfekt cantabí, -abès, -abè, -abèm, abèts, abèn. Katalan folgt nur in den ersten beiden Pluralpersonen dem gascognischen Muster, ansonsten folgt es dem spanischen: Conditional cantaria. cantarias, cantaria, cantariem, cantarieu, cantarian und Imperfekt cantava, cantavas, cantava, cantàvem, catàveu, cantaven.

 

  1. Toponymie

6.1. Keltisches Substrat

Auf eine sehr alte Invasion deutet ein Element der Toponymie: Das Element –briga bildet auf der IH mehr Städtenamen als in Gallien und in keltischen Ländern (z-B. –briga: Conimbriga>Coimbra). Ein weiteres Element, das häufig anzutreffen ist in der Toponomastik, ist sego, segi ‘Sieg’, wie in Segovia. An folgenden Karten, die ersten zwei –briga– Orte und die anderen zwei Seg-Orte, ist dies gut zu erkennen: es befinden sich kaum -briga-Orte in dem Gebiet des ehemaligen Galliens und mehr auf der IH. Ähnlich scheint es sich auch mit den Seg- Orten verhalten, da die Karte dort ähnliche Resultate zeigt.

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY; Aufruf am 12.05. um 23:15 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Arcobriga) Aufruf am 12.05. um 23:15 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY; Aufruf am 12.05 um 23: 17 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Catobriga); Aufruf am 12.05 um 23: 17 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Segontia); Aufruf am 12.05 um 23:19 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Segontia); Aufruf am 12.05 um 23:19 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Segeloci); Aufruf am 12.05 um 23:21 Uhr

Aus: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1_rD2SbVRhEzRLbrqHqhUnOOEMQY (Segeloci); Aufruf am 12.05 um 23:21 Uhr

Keltische Spuren (vor allem in Frankreich, weniger in Spanien) befinden sich in Ortsnamen, die auf –acu (-ac in Südfrankreich, -ai/-i in Nordfrankreich) enden. Großenteils sind diese Ortschaften zwischen zweitem und drittem Jh. Entstanden und in einer zweiten Siedlungswelle in das ehemalige Aquitanien gereicht. In Armagnac werden nur drei Beispiele aufgelistet, in Miélan (Tillac) nur eins, und keines in Trie. In der Ebene von Tarbes sind ähnlich viele Orte, die auf –anum enden. In den Pyrenäentälern, im Vergleich zu den –an/anu– Gebieten, sind diese fast genauso häufig: u.a. Antignac, Aurignac, Corneillac. Im Osten sind diese wieder seltener. Im Tal Gave d’Oloron ist mit Préhac (Priscius) nur einer vorhanden, östlich von Dax nur wenige mit Donzacq (Domitius), Gaujacq (Gaudius) und Préchac (Priscius) und keines im Baskenland. Nördlich von der okzitanisch- katalanischen Grenze sind –acum Namen wesentlich häufiger als südlich davon, z. B. Conillac, Trevillac, Peiriac, Tassac, Butenac. Südlich herrschen die –anum- Bildungen vor, die Ableitungen, wie –acu- Namen von Besitzernamen sind, z.B. Cornellà.

Ebenso verweisen auf eine keltisch bewohnte Gegend: -dunum ‘Burg, befestigter Ort’ (Augustodunum> Autun) . Die Orte sind jünger, als die aus der –briga-Phase; sie sind seltener auf der IH und viel häufiger in Gallien und Großbritannien (z.B.- Bisaldunum>Besalú (Gerona)) .

In Frankreich befinden sich unter den Toponymen viele latinisierte Namen, die auf keltische Stämme zurückgehen, z.B. Pictavis> PoitiersLangres, Angers, Poitiers, Nantes, Tours, Troyes, Châlons, Amiens, Limoges usw. Diese werden nach Süden hin geringer; im Süden setzten sich oft die galloromanischen Namen gegenüber den keltischen Stammesnamen durch, z.B. Arles< Arelate, Nîmes< Nemausus, Orange< Arausio, Toulouse< Tolosa und Vienne< Vienna.

 

6.2. Baskisches Substrat

6.2.1. Allgemeines

Auch in Personen- und Ortsnamen befinden sich baskische Elemente, u.a. berri ‘neu’, gorri ‘rot’, etxe ‘Haus’ (z.B. Etxeberri, v.a. in Katalonien und Valencia ), uri, ili/iri ‘Stadt’ und aran ‘Tal’. Die Verbreitung von Ili- deutet auf eine Schicht, wo enger Kontakt mit der iberischen Kultur stattfand. Die baskischen Vokale ę und o diphthongierten im spanischen Raum.

6.2.2. Berri/barri

Baskische Spuren in der Toponymie sind Ortsnamen, die berri (eher im Osten)/ barri (eher im Westen) ‘neu’ enthalten. Eine Untersuchung hat ergeben, dass von den –barri –Orten fünf in Alava sind, 38 in Bizcaya und 14 in Guipúzcoa (im Westen in der Minderheit), keines in Navarra, Nieder- Navarra und Labourd. Dagegen erscheint ein –berri– Ort in Bizcaya, 83 in Guipúzcoa, zehn in Navarra, einer in Nieder- Navarra und drei in Labourd. Im französischen Baskenland befinden sich nur –berry-Orte. So sind in Guipuzcoa  Echeberri, in  Navarra Echaberri, Ulíbarri, usw., in Bizkaya Echébarri, Lecumberri, Berecibarri, usw. In Frankreich befinden sich entsprechend Jolliberry, Bourgoberry usw. Am häufigsten kommt Echeberri ‘neues Haus vor’. Die –e- in –berri war ein offener Vokal, was die Variante mit –a- anzeigt. In der diphthongierten Variante existieren u.a. Javierre und Javier in Guipúzcoa, Huesca, Navarra und Labourd, Lumbier in Navarra, Alcubierre südlich von Huesca usw. Die –barri/-berri- Grenze aber fällt nicht mit der ch/x- Grenze zusammen; erstere ist im Westen von Navarra, die zweite im Osten.

/var/cache/html/dhlehre/html/wp content/uploads/2016/05/1462911659 Berribarri

Aus Pidal 1968: S. 250

 

6.2.3.Os/Ues/Otze

Aquitanisch -os (bzw. –os/ -ués im Spanischen) und im baskischen Sprachgebiet –oz/-otze ‘kalt’ (wie in Escaroz, Iloz) sind ebenso weit verbreitete Suffixe. Besonders häufig findet sich dieses Suffix im Hoch Aragón, Pamplona, und vor allem nördlich von Huesca und zwischen Pamplona und Jaca. Aufgrund der spanischen Lautentwicklung hat sich das Suffix in einigen Gebieten zu –ués verwandelt, wie in Aragüés, Arbués, Larués usw. Das Muster ist das gleiche wie auf der anderen Seite der Pyrenäen, mit einem Anthroponym als Wurzel: z.B. Angòs- Anguès, Urdòs-Urdués. Es entspricht dem lateinischen Suffix –anus und dem gallischen acus. Sie befinden sich vor allem in den Gegenden von Pau, Orthez, Tarbes, Oloron und Argèles. Näher am Gebirge dagegen werden sie wieder seltener. In Guipúzcoa befindet sich ein Araoz ‘kalte Quelle’, im Norden von Lérida ein Arahós, in Huesca mehrere Aragüés und Araguás, ein Arascués, ein Biscarrués und ein Angües, ein Amoroz in Bizcaya, ein Amorós in Lérida, ein Arbués in Huesca, ein Arbós in Tarragona, ein Gallués, ein Navascués,   ein Sagües und und ein Garrués in Navarra und ein Badaguás und ein Baraguás in Jaca, ein Bagüés nahe Zaragoza und ein Bagüeste bei Boltaña. Es scheint fast so, dass die –os Orte die –anu/acu Orte ersetzen, da sie besonders häufig vorkommen, wo keine römischen/gallischen –anu/acu Orte sind. Da in der Toponymie -os im baskischen Sprachgebiet unter der Form –oz/-otze vorkommt, wie in Aloce, Arroce) wird die Verwandtschaftsvermutung zu den Aquitaniern gestärkt.

Aus Rohlfs 1970: S. 31

Aus Rohlfs 1970: S. 31

6.2.4. Gorri

Ebenfalls baskischen Ursprungs sind Ortsnamen mit gorri ‘rot’. In Bizcaya befinden sich u.a. Iragorri, Irestagorri, Lurgorri usw. In Boltaña finden sich Varianten, wo das –o- diphthongierte: Ligüerre in Ara und in Cinca (in Aragón). Ebenso befindet sich in Aragón ein Lagüerri (heute Laguarres), das einen französischen Namensvetter Lagor in Orthez hat. In Laguarres befindet sich ein –ua-Diphthong statt eines –ue- Diphthongs, wie es öfters im Aragonesischen vorkommt. Eine andere Variante von gorri ist cuerri im Aragonesischen Lascuerri; im französischen Navarra existiert ein verwandtes Lascor. In Alava finden sich im Gegensatz zu den –berri- Namen keine –gorri/-güerre- Namen.

6.2.5.Toi/doi

Die Diphthongierungsgrenze puerta- porta im aragonesisch- katalanischen Raum fällt mit der Verbreitung des vaskonischen Ortsnamenssuffixes –toi/-oi zusammen. Toi/- doi bezeichneten ursprünglich einen Ort, an dem sich eine Sache befindet, z.B. aritztoi ‘Eichenwald’. Als Varianten kommen im Baskischen –toki/ -doki/- tui/ -dui vor. In Guipúzcoa kommt ein Ameztoy vor, in Bizcaya ein Albístuy, in Navarra ein Idoy, Zuastoy, in Lérida ein Aréstuy in Huesca ein Sarradúy, Ramastué, bei Jaca ein Alastuey.

6.2.6. Oi/ Koi

Ein im modernen Baskisch häufig vorkommendes Suffix ist –oi/ -koi ‘Neigung, Hang zu’. Hauptsächlich beschreibt es Personen, wie ardanoi/ ardankoy ‘dem Wein zugeneigt’. In der Toponymie ist es eher selten. In Bizcaya gibt es ein Garacoi. Bei Orten, die auf –kue/ -güe/ und –ue enden, wie in Azcue, besteht Unsicherheit. Nur wenn in alten Dokumenten früher auch ein diphthongiertes –uei belegt wurde, deutet dies auf einen –oi-Ort hin. In Aragón kommen –oi-Orte selten vor: Berroy und Paternoy nahe Boltaña und Senegüé nahe Jaca. Wahrscheinlich gehen viele –uy Namen auf –oy/-oi zurück wie Ardanúy und Beranúy usw. im Osten Aragóns und in Lérida und im Hocharagón Beranúy und Ambonúy usw., in Tremp bei Lleida (Katalonien) Sensúy, Tendrúy und Tercúy. Bei dieser –oi/ -ue/ -uy– Region in den Pyrenäen fällt eine phonetische Verteilung der Namen auf: Im Nordosten, wo –o- zu –ue- diphthongiert, kommen Toponyme mit –ue- vor. Östlich von Isábena und Cinca wo hodie avui ergibt, häufen sich –uy- Ortsnamen. Östlich von Jaca und Boltaña, wo keine Diphthongierung vor dem Yod stattfindet und hodie zu hoy wird, herrschen –oi Namen vor.

6.2.7. Eche/ Etxe

In der Pyrenäenregion weit verbreitet und baskischen Ursprungs ist eche/ exe/ etxe ‘Haus’ , u.a. Echeandi ‘großes Haus’ in Bizcaya, Echegoyen ‘hohes Haus’ in Alava, Echezarr ‘altes Haus’ in Bizcaya und Guipúzcoa, Echeberri ‘neues Haus’ vielzählig und in vielen Schreibvarianten: Echaberri in Guipúzcoa, Echabarr, Chábarri in Alava und Bizcaya, Jaberri im Osten von Navarra, östlich von Sangüesa in Aragón Javier.  Im Westen von Navarra befinden sich ein   Xaberri, Xavier und Xavierre, im Osten ein Echaberri und Echebarri. Auf französischem Gebiete befinden sich ein Etcheberry, Etcharry usw.. Die etche Orte sind eher im Westen und die éche- Orte im Osten. Weit außerhalb des Baskenlandes befinden sich Iruecha ‘drei Häuser’ (südlich von Soria), das namentlich Iruecheta in Guipúzcoa entspricht, Chaorna nahe Iruecha, Txaurra und Etxaorra in Alava.  Dem östlichen Baskisch werden ein Ejea nahe Huesca und ein Ejea de los Caballeros im Norden der Provinz Zaragoza, Gea/Jea bei Albarracín, ein Igea de Cornago bei Logroño, ein Saneja in Gernoa und ein Jérica in Casstellón zugeordnet.

6.2.8. Garona/ Garonne

Ein auf beiden Seiten der Pyrenäen (und auch in Nordspanien) vorkommender Name ist Garumna/ Garonna/ Garona/ Garonne. So kommen in u.a. in Huesca zwei Flüsse namens Garona vor. Etwas weiter östlich kommt ein kleinerer Fluss Garona vor und ein Weiler La Garoneta. Die Bedeutung war ursprünglich wohl ‘Ufer’, wie es noch heute in dem Wort guareña in Salamanca weiterlebt .

 

6.3. Iberisches Substrat

Auffällig ist die Toponymie- viele Namen beginnen mit ili- Iluro, Ilerida, Elimberri, Ilici, Iliberi, Ilorci, Ilurcp, Ilipa, Ilipula, Iliturgi, Ilugo. Es wird ein Entsprechen zu Baskisch iri, uri, uli ‘Stadt’ vermutet, doch die Verbreitung über ganz Süd- und Ostspanien und die Nordseite der Pyrenäen deutet eher auf ein kulturelles Faktum, eine Ableitung vom Namen Ur in Chaldäa.

6.4. Fränkisches Superstrat

Fränkische Namen wurden Teile von Toponymen: lat. Gattungswort + fränkischer Name: château+ Roux> Châteauroux, ville+ Hardouin> Villehardouin. Auch in umgekehrter Form, Fränkischer Name+ lat. Gattungswort kommen sie vor: Francorchamps< Francorum campus, Remonville, Faronville u.a.

Unter Suffixen, die zur Ortsnamenbildung verwendet werden, wurde entlehnt: frz. –anges<frk. *-ingas ‘zugehörig zu’.

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