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Zeitleiste Galicisch

Vorrömische Substrate und die Romanisierung

Im Gegensatz zum Rest der Halbinsel findet die Romanisierung des heutigen Galicien recht spät und langsam, aber trotzdem intensiv, statt. (Mariño Paz 2008)

Im 3.Jh.v.Chr. dringen die Römer in die Iberischen Halbinsel ein. (ebd.)
Im Jahre 137 v.Chr. drang der Römer Decimus Iunius Brutus in den Norden der Halbinsel vor. Er fand dort einen Stamm vor, die Callaici (später von den Römer, die Gallaeci, genannt), die starken Widerstand gegen die Römer ausübten. (Herrmann 1990, p.49)
Aber erst im 1.Jh.n.Chr., unter der Herrschaft von Augustus, wurde die gesamte Hispania Citerior erobert und die Provinz Asturia (et) Callaecia (im Jahre 216) eingegliedert. (Garcia 1977)
Trotz Eroberung der Provinz konnte das Latein sich nicht sofort durchsetzen. Die besiegten Volksstämme drückten sich immer noch in deren eigener Sprache aus. (Mariño Paz 2008)
Die vorrömischen Substrate spielten eine große Rolle bei der Entwicklung des Galicischen aus dem Latein. Diese Substrate unterteilten sich in zwei großen Einheiten (die sogenannten lenguas paleohispánicas): Die erste vorindoeuropäische Komponente (geht bis in die Steinzeit zurück) und die zweite, die indoeuropäische Komponente (ab etwa 800 v.Chr. eingewandert). (Herrmann 1990, p.50-53)
1) Vorindoeuropäische Komponente:
  1. Eurafrikanisch (Bsp.: cosco, mata, carrapucho, carrasco, usw.)
  2. Hispanokaukasische 
  3. Tyrrhenische (Bsp.: cigarra, sarna, cama, aro, balsa, usw.)
2) Indoeuropäische Komponente:
  1. Vorkeltische Elemente (ligurische Stämme mit Wörter mit dem Verschlußlaut /p-/, wie: pala, paleira, usw.)
  2. Keltische Elemente (Gallischen Kelten, die über Jahrhunderte im heutigen Galicien siedelten, hinterließen eine beträchtliche sprachliche Spur: Verlust des lateinischen intervokalischen -n- im Galicischen wie lunam > lūa > lúa  auf keltischen Substrateinfluss zurück) (ebd., p.50-53)
Der Name Galicien geht auf die keltischen Gallaeker zurück, ein keltiberisches Volk, das im Altertum in dieser Region siedelte.
Obwohl man schon Spuren des Niedergang Roms bemerkte, konnte sich schließlich das Latein ab dem 3. Jh. durchsetzen. (Gründe: das sozioökonomischen System der Römer zusammen mit deren kultureller Überlegenheit – das Militär, der Handel, technische Überlegenheit, aber v. a. die Christianisierung) (García 1977)
Die Form des Lateins, die hier übernommen wurde, kommt möglicherweise aus der Baetica (also aus dem Süden der Iberischen Halbinsel) und wird al Basis für das Galego angenommen. Es handelt sich um eine eher höher markierte Varietät des Lateins, mit einem konservativeren Vokabular und Formulierungen (Syntax und Phonetik) und v.a. mit starken literarischen Tendenzen. (ebd.)
Übergang von den lateinischen Formen zum ‚galicischen Romanisch‘:
-> Konservierung des -f- (lat. farinam, gal. fariña)
-> -j- und -ge- (lat.ianuarium, gal. xaneiro / lat. generum, gal. xenro)
-> -sce- (lat. piscem, gal. peixe)
-> nec unus > ningún / fabulari > falar / triticum > trigo 
(Herrmann 1990, p.55-58)
Beginn des 5. Jh.n.Chr. kommen die Sueben in den Norden der Iberischen Halbinsel, hatten aber weniger Einfluss auf die Sprache (Möglicherweise die Nutzung des Diphthongs). (ebd., p.58-59)
Als die Germanen danach die Region für sich erobert haben, konnte sich das ‚galicische Romanisch‘ weiter entwickeln, durch Lexeme mit germanischen Ursprungs, wie: 
lobio < Laub / rostrido < rosten / arrumbar < räumen
(ebd., p.59)

 

 

 

Eroberung und Rückeroberung im Mittelalter (Superstrate und Adstrate)

Nach dem Eintreffen der Germanen im Jahr 409 und dem Fall des römischen Imperiums, gründeten die Sueben in Gallaecia ein eigenes Reich. So konnte sich in dieser Region eine sprachliche Einheit entwickeln, und das Galicische dehnte sich über seine heutigen Grenzen hinaus: Über den Miño hinweg bis nach Süden und im Osten bis in das heutige Asturien und León. Es erfasste auch einige portugiesische Grafschaften, daher der Name Galego-Português. (García 1977; Herrmann 1990, p. 63)

Im 8. Jh. (Jahr 716) drangen die Araber in Hispanien vor. Aber die Provinz Gallaecia bewahrte ihre Unabhängigkeit, obwohl wenige sprachliche Spuren doch hinterlassen wurden, wie: azucre, limón, oxalá, aceite, tambor, usw.  (Mariño Paz 2008)
Ab dem Jahr 718 begann schon die Reconquista und das gesamte Gebiet Galiciens befand sich unter der Herrschaft von Alfonso I. Die Region zwischen Douro und Miño wurde nur 100 Jahre später von Alfonso III. wiedererobert. (ebd.)
Nach der Rückeroberung der Gebiete und verschiedenen internen Auseinandersetzungen im damaligen Galicien kam der Adel an die Macht. Aber dieser war, im Vergleich mit Nachbarregionen, ökonomisch schwach und verbündete sich im 9.Jh. mit den Königshäusern Asturien und León. Diese schenkten ihm Ländereien, die südlich des Miño lagen, etwa bei Visen und Coimbra. (ebd.)
Im 10.Jh. strebten die Adligen nach einem unabhängigen Königreich. So ernannte Alfonso III. seinen Sohn Ordoño zum König Galiciens, um Ruhe zu bewahren. Nach dem Tod des Vaters wurde das Territorium zwischen seinen Brüdern aufgeteilt: Ordoño erhielt Galicien, Froilán II. Asturien und García I. bekam León. (ebd.)
Sancho Ordóñez wurde nach dem Tod seines Vaters, Ordoño II., König von Galicien und León. (ebd.)
Da die herrschende Klasse in Galicien nicht in der Lage war, Galicien als ein unabhängiges Königreich zu konsolidieren, fielen sie unter die Herrschaft von Ferdinand I. (kastilisches Königsreich) (ebd.)
Nach dem Tod von Ferdinand I. bekommt Galicien wieder einen König, García I. (ebd.)
Nachdem unterschiedlichen interne politische Konflikte passiert sind, setzte Afonso IV einer seiner Töchter und ihren Mann als Grafen von den gesamten Gebiet Galicien. (ebd.)
Im Jahr 1096 teilte Afonso IV sein gesamtes galicische Territorium wieder auf. Das Gebiet Galicien blieb in den Händen seiner Tochter Orraca, aber den Rest des Territoriums bekam seine andere Tochter Tereixa, die zu  den Grafen Portugals zählt. Damit wird ab der zweite Hälfte des 11.Jh. eine neue politische Grenze definiert und somit langsam eine Sprachgemeinschaft (Galego-Português) geteilt. (Herrmann 1990, p. 64-68)
Der Anfang des 12.Jh. ist der Beginn des Königreichs Portugal. (ebd.)
Das Galego-Português wurde damals eher als eine ‚mündliche Kommunikationsform‘ betrachtet, deswegen war das Latein bis ins 12.Jh. die offizielle Sprache der Dokumente und der Literatur. (ebd.)
Das erste galicische Dokument (Notícia do Torto) stammt auch aus dem 12.Jh.. Ab diesen Zeitpunkt erlebt Galicien die sogenannte Era Compostelana (ca. 11.Jh.-13.Jh), charakterisiert durch einen kulturellen und gesellschaftlichen Aufschwung, wie den Höhepunkt der Literatur mit den Cantigas.  (ebd., p. 68-70)
Im Laufe der Zeit wird dann aber die kastilische Sprache durch Ferdinand III offizialisiert. Das Galicische existierte nur in mündlicher Form, während das Kastilische in schriftlicher Form, im Vergleich zum Latein, immer stärker wurde. Somit stand die galicische Sprache fast zwei Jahrhunderte lang unter starkem kastilischen Einfluss.  (ebd., p. 82-84 )
Ein wichtiger Faktor im 14.Jh. war der galicisch-kastilische Dualismus. Das Galicische (Galego) gliedert sich aus, als die Lyrik des Galego-Português schon am verschwinden war, da diese Lyrik v.a. in mündlicher Form und in Erzählungen tradiert wurde. (ebd., p. 87-91)
Während Fernando III (Sohn von Alfonso IX.) ca. im Jahr 1230 die drei Königreiche (Kastilien, León und Galicien) vereinigt, lief die Geschichte Portugals ganz anders. Alfonso Henriquez (Sohn von Tereixa und Heinrich) ernannte sich 1143 zum König von Portugal, nachdem er die Schlacht von Ourique (1139) gewann.  (ebd.)
Die Sprache die in Portugal (ab ca.1143) und in Galicien gesprochen wurden -das Galego-Português- wurde durch die politische Trennung nun auch sprachlich getrennt (allerdings fand dies nicht zeitgleich statt). (ebd.)
Sowohl in Galicien als auch in Portugal waren die Cantigas der Höhepunkt der Literatur im 13.Jh. Aber ab ca. dem 14.Jh. entwickelte sich in Portugal nicht nur die Prosa, sondern fand auch die Gründung der Lissaboner Universität (1290) statt. Ab diesem Zeitpunkt können wir von einer getrennten sprachlichen Entwicklung von Galicisch und Portugiesisch sprechen. (ebd.)  
Im 15.Jh. erlebte das Portugiesische eine Weiterentwicklung unter normativen Kriterien. Anders ist es mit dem Galicischen, das nicht nur der Gefahr einer dialektalen Zersplitterung ausgesetzt war, sondern auch einen konservativeren Charakter in Bezug auf die lateinische Basis hatte, was den Ausbau der Sprache bremste. (ebd.)
Literaturen: 
– García, Constantino, Galego Onte, Galego Hoxe, Universidade de Santiago de Compostela, 1977-78.
-Herrmann, Unfried, Das Galicische: Studien zur Geschichte und aktuellen Situation einer der nationalen Sprachen in Spanien, TMF e DEE Frankfurt am Main, 1990.
– Mariño Paz, Ramón, Historia de la lengua Gallega, Lincom Europa, 2008.
 
Hinweis: Fortsetzung folgt. 
 
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