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HERR

Der „maître“, der HERR, ist ein aus Frankreich stammender weißer Siedler, der in seinem Herrschaftsanwesen wohnt und Sklaven für seine Produktion von Zucker (seltener Maniok und Kakao) arbeiten lässt. Es handelt sich bei dem Konzept HERR also um einen weißen Großgrundbesitzer mit französischer Herkunft oder ein bereits auf der Insel geborenen weißen Kreolen. Im Jahr 1660 lebt etwa zwei Drittel der Herren zusammen mit ihren Familien und ein Drittel sind alleinstehend (siehe Petit Jean Roget 1980, 1092). Mehr zu dem Leben auf der Herrschaftsfamilie im Kapitel HERRSCHAFTSANWESEN.

Konzept kreol. Bezeichnung fr. Bezeichnung Etymologie lexikologische Prozesse

HERR

met maître fr. „maître“ < lat. „magister“ Bedeutungserweiterung 
HERR/CHEF/ VORGESETZTER met-a-manyiok maître, chef, patron fr. „maître-à-manioc“ < Tupis „manihoca“ Entlehnung, Kompositum, Bedeutungserweiterung Synekdoche

Der Begriff „maître“ kommt von lateinisch „magister“ und wurde ursprünglich im juristischen und religiösen Bereich verwendet. Später überträgt sich seine Bedeutung auch auf den „Herr des Hauses“ und verdrängt den Begriff „dominus“. Seit dem 17. Jahrhundert wird „maître“ verstanden als „derjenige, der die Autorität über andere in einem bestimmten Bereich hat“. Im Kreol der Kolonialgesellschaft wird der Begriff für den Großgrundbesitzer einer Plantage und Herr über seine Sklaven verwendet (siehe Rey 2010, 1252).

Im Zusammenhang mit dem Begriff „maître“ ist die doppelte Bedeutung von „maître-à-manioc“ interessant. Zunächst bezeichnet der Begriff diejenige Person, die die Arbeit in den Maniok-Mühlen überwacht und dirigiert (siehe Confiant 2007, Bd.II,872). Durch eine Bedeutungserweiterung wird unter dem Begriff auch der HERR jeder anderer Form von Anbau bezeichnet und in der Aktualität sogar die Konzepte CHEF/VORGESETZTER.

Diese Bedeutungserweiterung eines Begriffes, der in seinem Ursprung doch etwas sehr Spezielles bezeichnet, deutet darauf hin, welche Relevanz der Anbau von Maniok für die Sklavenbevölkerung hat. In der Enzyklopädie nach Diderot und d’Alembert (1751-1752), das als Online-Version von der University of Chicago veröffentlicht ist (The ARTFL Encyclopédie) heißt es: „Leur principale nourriture consiste en farine de manioc“, das sie von ihren Herren erhalten. Für die Sklavenbevölkerung des 17. Jahrhunderts, für welche die Wurzel das Grundnahrungsmittel in einer von ihrem Herrn vorgegebenen Tagesration darstellt, die meist nicht ausreichend den erforderlichen Energiebedarf deckt (siehe Coquery-Vidrovitch 2013, 145), erhält der Begriff seine Bedeutung. Diese Bedeutung wird durch die Erweiterung des Begriffs „met-a-manyok“ auf sein Hyperonym „met“ deutlich. Das Wort ist ein Kompositum aus dem Substantiv „maître“, der Präposition „à“ und dem Substantiv „manioc“, das eine Entlehnung aus der Sprache der Tupis, einem indigenen Volk im nördlichen Südamerika, ist und das für das Französische erstmals 1556 und für das Kreol in den Antillen 1640 dokumentiert ist (siehe Bollée 2015, M73).

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