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SCHWARZER

In der kolonialen Gesellschaft auf Martinique korreliert die Rasse mit dem sozialen und rechtlichen Status, was bedeutet, dass die Sklaven fast ausnahmslos schwarz und Schwarze fast immer Sklaven sind. Aus diesem Grund werden „Schwarzer“ und „Sklave“ in den Literaturquellen und in dieser Arbeit als Synonyme verwendet. Es wurde bereits in dem Kapitel „Rassen“ deutlich gemacht, dass die koloniale Gesellschaft zu komplex für eine solche systematische Einteilung ist, was man an der Kategorie der libres de couleur sehen kann. Im Jahr 1767 sind von den 160 Sklaven, die auf der Zuckerplantage in L’Anse à l’Ane arbeiten 20 nicht schwarz (Mischlinge oder Indigene) und bereits 1764 gibt es 686 freie Schwarze auf Martinique (siehe Houdaille 1981, 274). Bis ins 19. Jahrhundert setzt sich diese Entwicklung fort und es gibt weniger rein schwarze Sklaven und mehr schwarze libres de couleur. In den letzten Jahren vor der Abschaffung der Sklaverei sind unter den neugeborenen Sklaven von 1846 bis 1848 fast 25% Mischlinge und nur noch ca. 75% rein schwarz (siehe Cousseau 2015, 151).

Konzept kreol. Bezeichnung fr. Bezeichnung Etymologie lexikologische Prozesse

SCHWARZER

neg

 

nègre (m.)

 frz. „nègre“ („Schwarzer“) < sp. „negro“ („Schwarzer“) < sp. „negro“ („schwarz“) < lat. „niger“ („schwarz“)

 Entlehnung, Bedeutungserweiterung, metonymischer Wandel

SKLAVE

esclave (m.)/(f.)

metonymischer Wandel

MENSCH

homme (m.)

metonymischer Wandel

Die Bezeichnung für das Konzept SCHWARZER ist französischen Ursprungs. Im 16. Jahrhundert wird „nègre“ aus dem spanischen „negro“ mit der Bedeutung „Person schwarzer Rasse“ entlehnt. Das spanische Wort leitet sich aus dem Farbadjektiv „schwarz“ ab, das sich aus dem Lateinischen „niger“ mit eben dieser Bedeutung entwickelt hat. Im Französischen nimmt der Begriff im frühen 18. Jahrhundert zunehmend die Verwendung von „schwarzem Sklaven“ an, was darauf zurückzuführen ist, dass die schwarze Bevölkerung im kolonialen karibischen Raum weitestgehend versklavt ist (siehe Rey 2010, 1407).

Darüber hinaus hat das Wort „neg“ noch eine weitere Bedeutung: es bezieht sich neben der Rassenbeschreibung und dem Sklavenbegriff auch auf das Konzept MENSCH im Allgemeinen. An dieser Bedeutungserweiterung wird nochmals deutlich, dass sich das Kreol primär von der schwarzen Bevölkerung ausgehend entwickelt und dass viele Bezeichnungen aus der Perspektive dieser Bevölkerungsgruppe entstehen. Aus Sicht der schwarzen Sklaven gibt es andere Schwarze, die sind wie sie selbst und es gibt die Weißen, die anders sind (sowohl in ihrem Phänotyp als auch in ihrem juristischen Status). Für die Schwarzen liegt es nahe eine Übertragung des juristischen Status SCHWARZER auf das Konzept MENSCH vorzunehmen, was durch diesen metonymischen Wandel gezeigt wird. 

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