Sitzungsnavigation: keine Veranstaltung ausgewählt. (Veranstaltung wählen.)

PEITSCHE

Die Bestrafung für Verbrechen, die Sklaven begehen ist meist gewaltsamer Art und erfolgt am häufigsten durch die Peitsche. Auf dem Feld haben die Aufpasser, die „commandeurs“, eine Peitsche bei sich, um die Feldsklaven zu bestrafen oder einfach nur um ihre Macht zu demonstrieren. Auch im Haus werden die Sklaven von ihrem Herrn (oder auch von der Frau des Herrn) mit Peitschenhieben bestraft. Das Leben der Sklaven ist „[…] rythmée par le claquement du fouet […]“ (siehe Coquery-Vidrovitch 2013, 140). Mit der Peitsche werden die sozialen Rollen deutlich, da der Herr die Peitsche trägt und der Sklave die Bestrafung erhält. Zwar gibt es ab dem 17. Jahrhundert auch zunehmend Sklaven, welche die Rolle des „commandeurs“ einnehmen, sie sind aber ebenso Sklaven und können jederzeit von der obersten sozialen Instanz, dem weißen Herrn genauso wie alle anderen Sklaven auch bestraft werden. Als Machtinstrument und Symbol der Sklaverei nimmt das Konzept der PEITSCHE eine Schlüsselfunktion innerhalb der kolonialen Gesellschaft ein. Dementsprechend gibt es im Kreol mehr als eine Bezeichnung dafür.

Konzept kreol. Bezeichnung fr. Bezeichnung Etymologie lexikologische Prozesse

PEITSCHE

fwet, fret

fouet (f.)

fr. „fouet“ < lat. „fagus“ Diminutiv, Bedeutungserweiterung, metaphorischer Wandel 
taya fr. „tailler“ Substantivierung, Bedeutungserweiterung
rigwez

 fr. „rigidité“? oder fr. „régresser“/“régression“?oder fr. „rigoureuse“ (Bollée 2015)

 Bedeutungserweiterung, metonymischer Wandel?

Das französische Wort „fouet“ ist das Diminutiv des altfranzösischen Worts „fou“ von lateinisch „fagus“, das von dem germanischen Wort „hêtre“ mit der Bedeutung „(Rot)buche“ verdrängt wird. Wahrscheinlich ändert sich die Bedeutung von „fouet“ im Sinne von „petite hêtre“, also „kleine Buche“ über „Buchenstöckchen“/“Rute aus Buchenästen“ zu „Peitsche“ (siehe Rey 2010, 876). Außer dem natürlichen Lauwandel lässt sich keine Bedeutungsverschiebung feststellen.

Die kreolische Bezeichnung „taya“ kommt wahrscheinlich von dem französischen Wort „taille“ („Zuschneiden“/“Schnitt“) oder aber von dem Verb „tailler“ mit der Bedeutung „etwas zuschneiden/zerhauen/scheren“ und ist als Substantivierung zu sehen. Dafür spricht die Aussprache des Endvokals /a/, die durch die Endung <-er> im Französischen entstanden sein könnte. Im Kreol gibt es allerdings auch das Verb „tayé“ mit der Bedeutung des modernen französischen Wortes „tailler“ und mit der Bedeutungserweiterung zu „donner des coups de fouet/frapper quelqu’un avec un fouet“ (siehe Confiant 2007, Bd.II,1287).

Die dritte Bezeichnung „rigwez“ könnte ebenfalls französischen Ursprungs sein, allerdings gibt es dazu keine eindeutigen Hinweise. Das französische Wort „rigidité“ („Starre/Rigidität“) könnte das Etymon sein und würde damit auf auf die Härte der Strafe durch die Peitsche verweisen. Damit würde hier eine Bedeutungserweiterung mit einem metonymischen Wandel vorliegen, das heißt eine Eigenschaft des Konzepts PEITSCHE, nämlich die Härte ihrer Strafe, wird als Bezeichnung für das Konzept selbst verwendet. Rein phonetisch würde man das kreolische Wort aber eher auf „régresser“ („zurückgehen“)/ „régression“ („Zürückgehen“, „Regression“) zurückführen. Im kreolisch-französischen Wörterbuch von Ludwig/Montbrand/Poullet/Telchid 2002 ist das Wort „rigwèz“ mit der Bedeutung „gourdin“ („Schlagstock“) zu finden (siehe Ludwig 2002, 280). In Bollée 2015 wird das Adjektiv „rigoureuse“ als mögliches Etymon in Erwägung gezogen. Es muss an dieser Stelle leider offen bleiben, worauf das Wort zurückzuführen ist.

Zurück zur Hauptseite

Anglade, Pierre (1998): Inventaire étymologique des termes créoles des caraibes d’origine africaine. Paris: L’Harmattan.
Bollée, Annegret (2015): Le Dictionnaire étymologique des créoles français d’Amérique (DECA) et le "langage des îles".
Bush, Barbara (1990): Slave Women in Carribean Society 1650-1838. London (u.a.): James Curry.
Bégot, Danielle (2008): La plantation coloniale esclavagiste XVIIe – XIXe siècles. Actes du 127e congrès national des sociétés historiques et scientifiques, Nancy, 2002. Paris: Éd. du CTHS.
Chaudenson, Robert (2003): La créolisation: théorie, applications, implications. Paris: L’Harmattan.
Colot, Serge (2002): Guide de lexicologie créole. Guadeloupe: Ibis Rouge Éditions.
Confiant, Raphael (2007): Dictionnaire créole martiniquais-français. Paris: Ibis Rouge Éd..
Coquery-Vidrovitch, Catherine/Mesnard, Éric (2013): Être esclave. Afrique-Amériques, XVe-XIXe siècle. Paris: Éditions la Découverte.
Cousseau, Vincent (2015): Le métissage dans la Martinique de l’époque esclavagiste: un phénomène ordinaire entre déni et acceptation. In: Brunet, Guy (Hrsg.): Mariage et métissage dans les société coloniales/Marriage and misgeneration in colonial societies. Bern: Peter Lang SA.
Degoul, Franck (2014): Die Vergangenheit ist für alle da. Vom Umgang mit dem Zombi im haitianischen Imaginären und seinen historischen Ursprüngen. In: Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Bd. 1. Bielefeld: transcript Verlag.
Delacampagne, Christian (2004): Die Geschichte der Sklaverei. Düsseldorf u.a.: Artemis & Winkler.
Fleischmann, Ulrich (1986): Das Französosch-Kreolische in der Karibik. Zur Funktion von Sprache im sozialen und geographischen Raum. Tübingen: Narr.
Gévaudan, Paul (2007): Typologie des lexikalischen Wandels. Bedeutungswandel, Wortbildung und Entlehnung am Beispiel der romanischen Sprachen. Tübingen: Stauffenburg Verlag.
Götz, Nicola (1995): Obeah – Hexerei in der Karibik – zwischen Macht und Ohnmacht. Frankfurt am Main (u.a.): Europäische Hochschulschriften.: Peter Lang.
Günther, Helmut (1982): Die Tänze und Riten der Afroamerikaner. Vom Kongo bis Samba und Soul. Bonn: Dance Motion.
Hazaël-Massieux, Guy (2008): Textes anicens en créole français de la Caraïbe. Histoire et Analyse. Paris: Publibook.
Houdaille, Jacques (1981): Le métissage dans les anciennes colonies francaises. Paris: Population.
Klein, Herbert S. (1986): African slavery in Latinamerica and the Caribbean. New York: Oxford University Press.
Klimenkowa, Alla (2017): Sprachkontakt und lexikalische Innovation in der karibischen Kontaktzone: die Beispiele bozal, cimarrón und criollo. Hamburg: Helmut Buske Verlag GmbH.
Louis, Abel-Alexis (2011): Les libres de couleur en Martinique des origines à 1815. L’entre-deux d’un groupe social dans la tourmente coloniale. Martinique: Université des Antilles et de la Guyane.
Ludwig, Ralph/Montbrand, Danièle/Poullet, Hector/Telchid, Sylviane (2002): Dictionnaire Créole. Paris: SERVEDIT – Maisonneuve & Larose – Éditions Jasor.
Morrissey, Marietta (1989): Slave Women in the New World. Gender stratification in the Caribbean. Kansas: Univ. Press of Kansas.
Petit Jean Roget, Jacques (1980): La société d’habitation à la Martinique. Un demi siècle de formation 1635-1685. Paris: Univ. VII.
Pierre-Louis, Jessica (2015): Les libres de couleur face au préjuge: Franchir la barrière à la Mar-tiniquee aux XVIIe-XVIIIe siècles. Martinique: Université des Antilles et de la Guyane.
Price, Richard (1996): Maroon Societies. Rebel Slave Communities in the Americas. Baltimore/London: The Johns Hopkins University Press.
Raddatz, Corinna (Hrsg.) (1992): Afrika in Amerika. Ein Lesebuch zum Thema Sklaverei und ihre Folgen. Hamburg: Museum für Völkerkunde.
Rey, Alain (Hrsg.) (2010): Dictionnaire Historique de la langue française. Paris: Le Robert.
Schmitt, Eberhard/Beck, Thomas (Hrsg.) (2005): Das Leben in den Kolonien. Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion. Wiesbaden: Harrassowitz.
Stein, Achim (2014): Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler.
Valdman, Albert (Hrsg.) (2007): Haitian Creole-English. Bilingual dictionary. Bloomington: Indiana University.
Wirsching, Andrea (1993): Von der freien Lohnarbeit zur Sklaverei: Die Ausbildung der karibischen Plantagengesellschaft. Bamberg: Förderverein Forschungsstiftung für Vgl. Europ. Überseegeschichte.

Schreibe einen Kommentar