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SKLAVENGEFÄNGNIS

Als die meist begangenen Verbrechen der Sklaven im Jahr 1833 ist in den „Notices statistiques sur les Colonies Françaises“ von 1837 der Raub, das Anzünden von Gebäuden oder Feldern, die Vergiftung von Nutztieren und manchmal von anderen Sklaven verzeichnet (Notices statistiques sur les colonies françaises 1837-1840, S.76). Zwischen 1833-1835 werden die Verbrechen hauptsächlich mit „peines affectives, infamantes, ou corporelles“ und seltener mit Todesstrafe oder Gefängnis. Es gibt zu der Zeit vier Gefängnisse auf Martinique: Je zwei in Fort-Royal und in Saint-Pierre. Der „vieille geôle“ in Fort-Royal ist „exclusivement réservée aux esclaves“, während in den anderen Gefängnissen Verbrecher jeder juristischen Kategorie eingesperrt werden können (Notices statistiques sur les colonies françaises 1837-1840, S.132). Bis ins 19. Jahrhundert gibt es wohl auf den „habitations“ kleine Gefängnisse oder Kerker, wo die Herren ihre Sklaven selbst einsperren. Diese werden dann aber durch die „prisons municipales“ ersetzt.

Konzept kreol. Bezeichnung fr. Bezeichnung Etymologie lexikologische Prozesse

SKLAVEN-GEFÄNGNIS

makolin, makauline (F.R.A.) prison (f.) municipale

En. „Baron de Mackau“? oder fr. „maquereau“? 

 metonymischer Wandel

 

 

lajol prison (f.), geôle (f.)  fr. „geôle“ Agglutination Artikel + Nomen, Bedeutungserweiterung
prizon/laprizon prison (f.) fr. „prison“ Agglutination Artikel + Nomen 

Es ist nicht ganz eindeutig woher die Bezeichnung „makolin“ kommt. In Bollée 2015 wird das Wort in die Kategorie „noms d’origine inconnue ou incertaine“ eingeordnet. Es ist dort vermerkt, dass ein Baron de Mackau zwischen 1836 bis 1838 Gouverneur Martiniques ist und später ein Gesetz erlässt, das körperliche Straßen untersagt und die Kerker auf den Anwesen der Großgrundbesitzer durch kommunale Gefängnisse ersetzen lässt (siehe Bollée 2015, M,10) In diesem Fall läge ein metonymischer Wandel vor, da der Name des Gouverneurs in Verbindung steht mit der Einführung der kommunalen Gefängnisse. Allerdings erscheint es ebenfalls möglich, dass das Wort sich von „mako“ mit der Bedeutung „Aufpasser, Spitzel, Prüfer“ herleitet, das seinerseits von französisch „maquereau“ kommt. Hier ist auch anzumerken, dass „mako“ mit der Bedeutung „se dir de qqn qui surveille trop les affaires des autres“ bei Anglade 1998 als kreolisches Wort mit afrikanischem Ursprung definiert, das von „ma(k)aryaci“ aus der afroasiatischen Hausa Sprache kommt, die eine der am weitesten verbreiteten Sprachen in westlichen Zentralafrika ist (siehe Anglade 1998, 145).

Für das Konzept GEFÄNGNIS gibt es im Kreol außerdem die Bezeichnung „lajol“, die von französisch „geole“ kommt und bei welcher der Artikel „la“ mit dem Nomen agglutiniert. Dieser Begriff hat auch wie im Französischen die Bedeutung von KERKER und im erweiterten Sinn GEFÄNGNIS. Schließlich gibt es noch das Wort „prizon“ bzw. „laprizon“, das ebenso wie „lajol“ französischen Ursprungs ist und eine Agglutination von Artikel und Nomen ist.

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