Sitzungsnavigation: keine Veranstaltung ausgewählt. (Veranstaltung wählen.)

MISCHLING AUS SCHWARZ UND WEIß

Die Volkszählung von 1660 verzeichnet bereits die Präsenz von Personen, die nicht den drei getrennten Rassen auf Martinique zugeordnet werden können. In den ersten Jahren sind es nicht sehr viele, aber ihre Zuordnung erweist sich als zunehmend schwierig (siehe Petit Jean Roget 1980, 1141). Die ersten dieser Mischlinge aus weißen und schwarzen Bewohnern werden „mulâtres“ genannt (kreol. „milat“). Die Mulatten mischen sich wiederum zum Teil mit Schwarzen oder Weißen, wodurch weitere Kategorien entstehen. Zu den Kategorien gehören beispielsweise die „câpres“ (¼ weiß, ¾ schwarz) und die „mestifs“ (¾ weiß, ¼ schwarz) (siehe Houdaille 1981, 272). Bis zum Code noir genießen die Mulatten einige soziale und juristische Vorteile und werden oft bereits bei der Geburt als frei erklärt oder mit 24 Jahren freigelassen, sofern sie 8 Jahre lang als Sklave gelebt haben (siehe Houdaille 1981, 270). Der Code noir schränkt die Rechte der Mulatten wieder ein, da seine Verordnungen zum Ziel haben die Dominanz der Weißen aufrecht zu erhalten und eine Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung durch die demographische Entwicklung hin zu einer weitaus höheren schwarzen Population zu verhindern. Dennoch gehören die meisten der Mulatten der juristischen Kategorie libres de couleur an.

Konzept kreol. Bezeichnung fr. Bezeichnung Etymologie lexikologische Prozesse
MISCHLING AUS SCHWARZ UND WEIß

milat

mulâtre (m.) fr. „mulâtre“ < port. „mulato“ < kastilisch „mulo“  Entlehnung, Substantivierung, metaphorischer Wandel

Im 16. Jahrhundert wird das portugiesische Adjektiv „mulato“ mit der Bedeutung „Mischling aus einem/r Weißen und einem/r Schwarzen“, mit dem Suffix „-âtre“ als Substantiv modifiziert, in das Französische entlehnt. Ursprünglich kommt der Begriff von dem kastilischen „mulo“ und bedeutet „Maultier“, also eine Kreuzung aus einer Hauspferdestute mit einem Hauseselhengst. Hier liegt ein metaphorischer Wandel vor, der sich bereits im Portugiesischen vollzieht und dann mit der neuen Bedeutung ins Französische übersetzt wird. Die kreolische Bezeichnung hat die Bedeutung des französischen Begriffs beibehalten (siehe Rey 2010, 1381).

Zurück zur Hauptseite

Anglade, Pierre (1998): Inventaire étymologique des termes créoles des caraibes d’origine africaine. Paris: L’Harmattan.
Bollée, Annegret (2015): Le Dictionnaire étymologique des créoles français d’Amérique (DECA) et le "langage des îles".
Bush, Barbara (1990): Slave Women in Carribean Society 1650-1838. London (u.a.): James Curry.
Bégot, Danielle (2008): La plantation coloniale esclavagiste XVIIe – XIXe siècles. Actes du 127e congrès national des sociétés historiques et scientifiques, Nancy, 2002. Paris: Éd. du CTHS.
Chaudenson, Robert (2003): La créolisation: théorie, applications, implications. Paris: L’Harmattan.
Colot, Serge (2002): Guide de lexicologie créole. Guadeloupe: Ibis Rouge Éditions.
Confiant, Raphael (2007): Dictionnaire créole martiniquais-français. Paris: Ibis Rouge Éd..
Coquery-Vidrovitch, Catherine/Mesnard, Éric (2013): Être esclave. Afrique-Amériques, XVe-XIXe siècle. Paris: Éditions la Découverte.
Cousseau, Vincent (2015): Le métissage dans la Martinique de l’époque esclavagiste: un phénomène ordinaire entre déni et acceptation. In: Brunet, Guy (Hrsg.): Mariage et métissage dans les société coloniales/Marriage and misgeneration in colonial societies. Bern: Peter Lang SA.
Degoul, Franck (2014): Die Vergangenheit ist für alle da. Vom Umgang mit dem Zombi im haitianischen Imaginären und seinen historischen Ursprüngen. In: Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Bd. 1. Bielefeld: transcript Verlag.
Delacampagne, Christian (2004): Die Geschichte der Sklaverei. Düsseldorf u.a.: Artemis & Winkler.
Fleischmann, Ulrich (1986): Das Französosch-Kreolische in der Karibik. Zur Funktion von Sprache im sozialen und geographischen Raum. Tübingen: Narr.
Gévaudan, Paul (2007): Typologie des lexikalischen Wandels. Bedeutungswandel, Wortbildung und Entlehnung am Beispiel der romanischen Sprachen. Tübingen: Stauffenburg Verlag.
Götz, Nicola (1995): Obeah – Hexerei in der Karibik – zwischen Macht und Ohnmacht. Frankfurt am Main (u.a.): Europäische Hochschulschriften.: Peter Lang.
Günther, Helmut (1982): Die Tänze und Riten der Afroamerikaner. Vom Kongo bis Samba und Soul. Bonn: Dance Motion.
Hazaël-Massieux, Guy (2008): Textes anicens en créole français de la Caraïbe. Histoire et Analyse. Paris: Publibook.
Houdaille, Jacques (1981): Le métissage dans les anciennes colonies francaises. Paris: Population.
Klein, Herbert S. (1986): African slavery in Latinamerica and the Caribbean. New York: Oxford University Press.
Klimenkowa, Alla (2017): Sprachkontakt und lexikalische Innovation in der karibischen Kontaktzone: die Beispiele bozal, cimarrón und criollo. Hamburg: Helmut Buske Verlag GmbH.
Louis, Abel-Alexis (2011): Les libres de couleur en Martinique des origines à 1815. L’entre-deux d’un groupe social dans la tourmente coloniale. Martinique: Université des Antilles et de la Guyane.
Ludwig, Ralph/Montbrand, Danièle/Poullet, Hector/Telchid, Sylviane (2002): Dictionnaire Créole. Paris: SERVEDIT – Maisonneuve & Larose – Éditions Jasor.
Morrissey, Marietta (1989): Slave Women in the New World. Gender stratification in the Caribbean. Kansas: Univ. Press of Kansas.
Petit Jean Roget, Jacques (1980): La société d’habitation à la Martinique. Un demi siècle de formation 1635-1685. Paris: Univ. VII.
Pierre-Louis, Jessica (2015): Les libres de couleur face au préjuge: Franchir la barrière à la Mar-tiniquee aux XVIIe-XVIIIe siècles. Martinique: Université des Antilles et de la Guyane.
Price, Richard (1996): Maroon Societies. Rebel Slave Communities in the Americas. Baltimore/London: The Johns Hopkins University Press.
Raddatz, Corinna (Hrsg.) (1992): Afrika in Amerika. Ein Lesebuch zum Thema Sklaverei und ihre Folgen. Hamburg: Museum für Völkerkunde.
Rey, Alain (Hrsg.) (2010): Dictionnaire Historique de la langue française. Paris: Le Robert.
Schmitt, Eberhard/Beck, Thomas (Hrsg.) (2005): Das Leben in den Kolonien. Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion. Wiesbaden: Harrassowitz.
Stein, Achim (2014): Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler.
Valdman, Albert (Hrsg.) (2007): Haitian Creole-English. Bilingual dictionary. Bloomington: Indiana University.
Wirsching, Andrea (1993): Von der freien Lohnarbeit zur Sklaverei: Die Ausbildung der karibischen Plantagengesellschaft. Bamberg: Förderverein Forschungsstiftung für Vgl. Europ. Überseegeschichte.

Schreibe einen Kommentar