Strad

An der Fernpassroute in Westtirol, zwischen Imst (< lat. Humistae) und Nassereith, liegt der winzige Weiler Strad. Diese Verbindung gehörte in Fortsetzung des Reschenpasses zu den wichtigen römischen Alpenüberquerungen; sie ist aber sicherlich schon seit viel älterer Zeit bekannt. Der Streckenverlauf spiegelt sich ganz eindeutig in den Fundorten römischer Inschriften wieder (vgl. Karte).

Eine Detailkarte zeigt zudem in unmittelbarer Nachbarschaft den Weiler Walchenbach, der explizit auf die Präzenz von Romanen zur Zeit des Ankunft der Baiern hinweist (Walch-Name); auch der nicht initialbetonte Name Tarrenz dürfte vorbairischer Herkunft sein. 

0.0.1.  


Etymologie:

Dieser Name geht zweifellos auf lat. strata ‚gepflasterte Straße‘ zurück (vgl.  , 2816) und ist durch die Lage an der Fernpassroute, ein Teilstück der Via Claudia Augusta, motiviert.


Morphologie:
Phonetik:

Bemerkenswert ist an diesem Namen die Tatsache, dass er die zweite, althochdeutsche Lautverschiebung von t > ts, s nicht mitgemacht hat; in Süddeutschland wäre der Typ Straße zu erwarten (im Gegensatz zum norddeutschen Typ Straat). Man muss daher schließen, dass hier während der Zeit dieses Lautwandels noch Romanen lebten und der Sprachwechsel zum bairischen erst nach Abschluss der zweiten Lautverschiebung erfolgte.


Rezente Entsprechung:

Ortsnamen.ch belegt 89 Treffer von strada im romanischsprachigen Teil von Graubünden. Appellativische Kognaten in REW 8291.

Schreibe einen Kommentar