L’italiano dei semicolti

Thomas Krefeld, K.Jakob

Der Ausdruck italiano dei semicolti verweist auf das geschriebene Italienisch von Sprecher*innen, die zwar eine italienische Varietät, z.B. einen Dialekt, als L1 besitzen, die aber wegen geringer Schulbildung gleichzeitig nur über eine stark eingeschränkte Standardkompetenz verfügen. Das italiano dei semicolti ist also gewissermaßen ein geschriebenes italiano popolare.  Die Beschäftigung mit diesem Gegenstand hat eine lange Tradition in der italienischen Sprachwissenschaft, die wohl auf die berühmte Untersuchung von Briefen italienischer Kriegsgefangener durch Leo Spitzer (1921) zurückgeht.  Seine Relevanz steht außer Frage, denn er führt direkt ins Zentrum der Variationslinguistik, da alle Dimensionen der Variation (Diatopie, Diastratie, Diaphasie und Diamesie)  hier in komplexer und oft kaum scharf zu trennender Weise interagieren. Wir werden im Seminar die einschlägigen Quellengattungen (Briefe, Privataufzeichnungen, oder auch die so genannten pizzini) unter sprachsystematischen sowie historischen Gesichtspunkten diskutieren. Zudem wird, mit Fokus auf dem gegenwärtigen Alltagssprachgebrauch – beispielsweise anhand von Chatmitteilungen – erörtert, inwieweit sich die Schriftlichkeit in den Neuen Medien hier anschließen lässt. Fresu, Rita (2016): L'italiano dei semicolti, in: Lubello, Sergio (Hrsg.), Manuale di linguistica italiana, Berlin: De Gruyter, 328-350. Spitzer, Leo (1921): Italienische Kriegsgefangenenbriefe. Materialien zu einer Charakteristik der volkstümlichen ital. Korrespondenz, Bonn: Hanstein, 1921 (https://archive.org/stream/italienischekrie00spituoft/italienischekrie00spituoft_djvu.txt).

Ziel unseres Seminars ist die Erstellung einer kommentierten virtuellen Edition von Leo Spitzers berühmter Untersuchung italienischer Kriegsgefangenenbriefe. Dieser Text nimmt viele Einsichten vorweg, die erst Jahrzehnte später im Rahmen der Diskursanalyse und vor allem der so genannten Varietätenlinguistik durch die Wissenschaft theoretisch modelliert wurden. Diese neueren Forschungsergebnisse  sollen in Form von Kommentaren an geeigneten Stellen mit dem Text verlinkt werden. So wird ein forschungsgeschichtlich innovativer und im Nachhinein grundlegender Text ganz im Sinne der Digital Humanities mit der aktuellen linguistischen Terminologie aufbereitet.
Vier Arbeitsschritte sind erforderlich. 
1. Erstellung einer dem Original genau entsprechenden Textversion durch gemeinsame Korrektur dieses Beitrags;
2. Identifikation von varietätenlinguistisch relevanten Ausführungen Spitzers sowie von einschlägigen sprachlichen Merkmalen;
3. Erstellung spezieller Beiträge zu den Kategorien aus 2. unter Verwendung der linguistischen Literatur;
4. Verlinkungen von 1. und 3.

Checkliste deskriptiver Merkmale

Gliederung:

1. Ablauf und Ziel des Seminars (17.10.2018)
Leo Spitzers Ausgabe der italienischen Kriegsgefangenenbriefe
2. Redaktion und Einbindung von Kommentaren (23.10.2018)
"Schablonenhaftigkeit"
3. Exemplarische Untersuchung verschiedener Briefe (07.11.2018)
Drei Briefe aus Spitzer (1921)
Amattissimo mia Peppine
Briefe und Brieffragmente
Miacara moglie vidolemie buonenotizie
Caro zio, mantengo la mia promessa
4. Graphie und Zeichensetzung (14.11.2018)
Graphie und Zeichensetzung in italienischen Kriegsgefangenenbriefen
5. Syntaktische Merkmale des italiano dei semicolti (28.11.2018)
Morphosyntaktische Merkmale italienischer Kriegsgefangenenbriefe
6. Möglichkeiten zur Erstellung und linguistischen Aufbereitung eines Briefkorpus (05.12.2018)
Briefe 1-4
Lettere di emigranti italiani
7. Textualität (12.12.2018)
Linguistische Textanalyse der von Spitzer gesammelten Briefe (Textstruktur und Textfunktion)
8. Lexikon (19.12.2018)
Il lessico e la formazione delle parole nell'Italiano dei semicolti
Ein mögliches italienisches Privatbriefkorpus
9. Korpuslinguistik (09.01.2019)
10. Sitzung (16.01.2019)
Variationslinguistische Grundlagen
11. Sitzung (23.01.2019)
Graphische Konventionen zur Korrektur der Briefe/Brieffragmente
Allgemeine Beiträge zur Veranstaltung:
Arbeitsplan
Leo Spitzer (1921): Italienische Kriegsgefangenenbriefe. Materialien zu einer Charakteristik der volkstümlichen italienischen Korrespondenz, Bonn: Peter Hanstein, Verlag.
Biographische Informationen zu Leo Spitzer
Biblio semicolti
Checkliste von Merkmalen 'semicolti'
Konzeption eines dynamischen Briefkorpus

Zeige alle in der Veranstaltung veröffentlichten Beiträge.

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