Natürlichkeitstheorie

Thomas Krefeld

Die Natürlichkeitstheorie stellt die Annahme, sprachliche Zeichen seien prinzipiell arbiträr, ganz grundsätzlich in Frage. Sie geht vielmehr von einer weitgehenden Ikonizität aus, d.h. von der Vorstellung die Form der Zeichen sei in sehr abstrakter Weise durch ihren Inhalt bestimmt. Demzufolge entspricht einfachen Inhalten eine einfachere Form als komplexen Inhalten. So ist es z.B. nicht überraschend, sondern geradezu selbstverständlich, dass sich die Kodierung des Indikativ Präsens ‚einfacher‘ gestaltet, d.h. weder ein Tempusmorphem noch ein Auxiliar benötigt, als die Kodierung der Vergangenheitstempora, der futurischen Tempora oder anderer Modi wie des Konditionals und des Konjunktivs. Das Seminar zielt auf eine vergleichende Beschreibung der Romanischen Sprachen (und ihrer Dialekte) hinsichtlich ihrer phonologischen und morphosyntaktischen Natürlichkeit.

Es werden Themen aus der Phonologie, Morphologie, Wortbildung und ansatzweise aus der Sematik besprochen; als Orientierung dienen die italienisch orientierten Vorlesungsmaterialien. Im Mittelpunkt stehen die Konzepte der Markiertheit und Merkmalhaltigkeit. Anwendungsfelder sind einerseits der diachronische Wandel vom Lateinischen zum Romanischen und andererseits der eher synchronische Vergleich von romanischen Sprachen und Dialekten, insbesondere im Hinblick auf gesprochenes vs. geschriebenes Fra., europäisches vs brasilianisches Port., nord- vs. süditalienische Dialekte, Kreol vs. Basissprache und Katalanisch zwischen Fra. und Span. Die Akzentuierung hängt von den Interessen und Schwerpunktsprachen der Teilnehmer ab.

Als zeichentheoretische Basis dient das folgende Modell:

→ semasiologische Forschungsrichtung, onomasiomasiologische Forschungsrichtung

  • Beispiel (1): lat. bonu(m), bona(m) > fra. bon [bõ], bonne [bɔn]
  • Beispiel (2): span. amigo, amigos vs. ita. amico, amici  

Seminarplan

  • 8.11. – Kira Grühsem: Semantik spanischer Derivationssuffixe
  • 15.11. – Tania Ursula Maier-Nuñez: Morpho-phonologische Adaptation von Anglizismen im Spanischen
  • 22.11. – Julian Weisshaar: Kasussubstitution in der frühen Entwicklung des Italoromanischen (Thema muss präzisiert werden)
  • 29.11. – Eva Huber: Formale Kasuskontinuität im Galloromanischen (Akkusativ, Nominativ und Reste anderer Kasus)
  • 6.12. – Nadejda Ciolpan: Synkretismen in Konjugationsparadigmen des Präsens
  • 13.12. – Julia Wuttig: Kodierung der 1./2. Person Plural (nos -> nosotros)
  • 20.12. – Pia Antonia Pröbstl: Die Kodierung der Person im brasilianischen Portgiesisch
  • 10.1. – Yevgeniya Hilz: Der Ausdruck von Futurität im Italienischen
  • 17.1. – Maria Obermayer: Unterschiedliche Markiertheit von Vergangenheitstempora im Italienischen
  • 24.1. – Lisa Maria Hemauer: Der Ausdruck von Vergangenheit im amerikanischen Spanisch
  • 31.1. – Leon Gomoll: #Thema offen#
  • 7.2. – Alessia Brancatelli:  #Ein Thema zur sizilianischen Morphosyntax#

 

Gliederung:

1. Vorstellung des Themas (18.10.2017)
2. Arbeitsverteilung und Seminarplan (25.10.2017)
3. Sitzung (08.11.2017)
Semantik spanischer Derivationssuffixe und -präfixe
4. Sitzung (15.11.2017)
Anglizismen in der spanischen Sprache und die Natürlichkeitstheorie
5. Sitzung (22.11.2017)
6. Sitzung (29.11.2017)
Formale Kasuskontinuität im Galloromanischen (Akkusativ, Nominativ und Reste anderer Kasus)
7. Sitzung (06.12.2017)
8. Sitzung (13.12.2017)
9. Sitzung (20.12.2017)
Die Kodierung der Person im brasilianischen Portugiesisch
10. Sitzung (10.01.2018)
Der Ausdruck von Futurität im Italienischen
11. Sitzung (17.01.2018)
12. Sitzung (24.01.2018)
Vergangenheitstempora im Spanischen und die Natürlichkeitstheorie
13. Sitzung (31.01.2018)
CODIFICAZIONE DEL PASSATO PROSSIMO E DEL PASSATO REMOTO IN DIALETTO SICILIANO: un confronto con italiano standard e regionale
14. Sitzung (07.02.2018)
Allgemeine Beiträge zur Veranstaltung:
Bibliographie_Natürlichkeitstheorie
Natürlichkeitstheorie_Vorlesungsmaterialien
Traditionelle Typologie
Parametrisierte Typologie
World Atlas of Linguistic Structures (WALS)

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2 Antworten

  1. Hallo zusammen, für meinen Vortrag der nächsten Woche suche ich noch ein Werk der Basisbibliographie, das sowohl in Stabi als auch UB entliehen ist:

    Wurzel, Wolfgang Ullrich (2001): Flexionsmorphologie und Natürlichkeit [1984]. Berlin.

    Zuletzt taucht es bei Eva Huber auf. Ich wäre sehr dankbar, könnte ich mal einen Blick hineinwerfen!

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