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Arag – Lizión 1

  • prenzipiamos = Form von prenzipiar (‚beginnen‘) < PRINCIPARI (Archaismus)
  • leutura = Vokalisierung von Konsonanten im Silbenauslaut (vgl. sp. deuda < DEBITA), wenig Relatinisierungstendenzen, da kein Standardisierungsdruck
  • remerar (vgl. engl. remember) = dialektaler Archaismus
  • clamar = Archaismus (CL- erhalten wie im Franz. clé /katal. clau < CLAVE), nicht wie port. ch-, span. ll-, ital. chi- 
  • ser/estar generalisiert für ’sein‘ (zusammengefallen = Suppletion)
  • ch- Anlaut aus G-/J- erhalten
  • treballar vgl. <ll> auch in frz. travailler
  • F- konserviert (FABULARI > fablar), z.B. in fillo (span. hablar, hijo)
  • luenga: Metathese des u (nicht wie frz. langue, it. lingua, span. lengua), Ausspracherleichterung (artikulatorische Faulheit)

1. Texto 1 (p. 15)

[…] Y dando un chiquet rodeo lo planté con disimulo en lo extremo lo banquero chunto ta la cardonera.
–Debán de los uellos has lo que crosirabas antis –li dizié a Chusé María, que asta allora branca
vieba […].

Und indem er eine kleine List anwendete, pflanzte er ihn heimlich ans Ende der Bank in die Nähe der Stechpalme.
– Vor deinen Augen befindet sich das, wonach Du Dich zuvor gesehnt hast, sagte er zu José María, der bis dahin nichts gesehen hatte.

 ➡  dialecto cheso aus Hecho (Artikel lo; Endung in der Vergangenheit für die 3. Ps. Sg.; Pronomen li – vgl. frz. lui)

2. Texto 2 (p. 15)

[…] Como la ribera del río Zinca ye a saber qué ubierta, es lugars que yeran y son per es cantos, en tiempos de moros, teneban qu’estare siempre parando cuenta que no’s pillasen descudiaus (…) Atros lugars yeran per es laus d’es camins, como mesons y cosas asinas, ta rezibire a’s marchans u pelegrinos […].

Da das Tal des Río Cinca ziemlich offen ist, mussten die Orte, die sich an seinen Ufern befanden und immer noch befinden, zu den Zeiten der Mauren immer aufpassen, dass man sie nicht unbewacht vorfand. Andere Orte, wie etwa Gasthäuser/Herbergen und ähnliche Orte, um Gäste und Pilger zu empfangen, befanden sich an den Rändern der Wege.

benasqués / patués (Artikel, aber auch viele Galloromanismen, z.B. u- in ubierta)

3. Texto 3 (p. 15)

[…] A ro poquet de ro diya de ra coronatura os sobrarbenses prenzipión autra vegata a meniar-sen. (…) Como ro Gallicum y ros cambos de Iacca encara yeran de ros moros, fuen por o mesmo camín que feba cuatro meses […].

Am Anfang des Tages der Krönung begannen die Sobrarbenser sich zu beeilen. Da das Gallicum und die Felder von Jaca noch den Mauren gehörten, gingen sie denselben Weg wie vor vier Monaten.

➡ meniar-se (span. menearse, frz. se magner) = sich beeilen, viele Eigennamen, z.B. Sobrarbe (eine der Gründungsgrafschaften des Königreichs Aragón), encara (vgl. frz. encore, ital. ancora; schon, noch, wieder), feba = Imperfekt von fer (machen, vgl. frz. faire)

➡ nördliches Zentrum (Sobrarbe)

4. Texto 4 (p. 15)

[…] Las chens del llugar a’l lau del mar a’l veyer que las de tierra endentro se manifestaban y no queriban pas tot ixe trascoleo, se van emprenzipiar a procurar de no poder negozear con ixa aigua. Uno de los conselleros del conde les va dir que no se preocupasen s’iba fer […].

Die Menschen aus dem Ort am Meeresufer, haben, als sie sahen, dass die Menschen aus dem Landesinneren sich versammelten und dieses ganze Durcheinander nicht wollten, begonnen, sich zu sorgen, nicht mit diesem Wasser verhandeln zu können. Eine der Berater des Grafen sagte ihnen, dass sie sich nicht sorgen brauchen, es war schon gemacht worden.

➡ Vergangenheitsform (ir + Infinitiv; „les va dir“ = sagte ihnen) wie im Katalanischen, Imperfekt auch bei ir-Verben mit -ba-, Artikel wie im Spanischen

➡ Text aus der Baja Ribagorza (z.B. Graus, Fonz)

5. Übungen zur Verbkonjugation (Präsens)

Me digo/dico XXX y tiengo 16 años. Toz os diyas goso fer una gambadeta con os míos amigos y, chuntos, chugamos a balonmán. O mío millor amigo se clama Póliz, y su mai tiene crabas. De cabo cuan, las prenemos chuntos, muyimos a lei, y femos formache.

Con a mía colla, bels diyas nos achuntamos ta leyer poesía. Alodia y Chuan no fan que fatiar cuan leigo/leyo yo, y les digo: callaz-tos, soz uns barfulaires! [soz < *sutis in Analogie zu sumus]

6. Das Wortfeld ‚Körperteile‘

7. Leutura: Palestra (Vokabelhilfen)

  • parir = gebären / estar de parto = in den Wehen liegen
  • melguiza = Zwilling
  • bataler = kämpferisch
  • faina = Arbeit, Job
  • zarrar = (ab-)schließen
  • aprezisar = Druck machen; aprezisar-se = sich beeilen
  • desplegar = etw. entfalten
  • fachenda = Angeberei, Prahlerei
  • eslumar-se = verstummen, ein Ende finden
  • topetar con = kollidieren mit
  • entibocar-se = sich irren

Malena war eine Frau mit fast 40 Jahren, sie hatte letzten Juli ihren 38. Geburtstag gehabt, am 22. Ihre Mutter, Juana Pérez de Pisa, gebar sie an jenem Tag, nachdem sie seit dem 20. in den Wehen gelegen hatte, als Neumond war. Die Zufälle des Lebens – und von denen gibt es viele – sorgten dafür, dass ihre älteste Tochter auch am 22. Juli geboren wurde. Aber sie taufte sie nicht auf den Namen der Heiligen (des Namenstages), wie es ihre Mutter gemacht hatte, sondern Salas, zu Ehren des Zwillings ihrer geliebten Oma Juana, die als Neugeborene gestorben war, ohne jemals die Augen geöffnet zu haben.

Wer sehr wohl die Augen kämpferisch öffnete, war Joaquín, als sie die Druckerei erreichten; es überraschte sie, dass der Druckermeister selbst in der Tür wartete, als sie dort ankamen, besser gesagt, als sie dort ankam, denn mit einem Blick zum Jungen stellte er klar, dass er ihn nach drinnen schickte, um mit der Arbeit fortzufahren, und dass er mit dem weiblichen Besuch allein sein wollte. […]

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