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AIS: Morphosyntax

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Zitation: Thomas Krefeld (2017): AIS: Morphosyntax. Lehre in den Digital Humanities. Version 3 (09.11.2017, 15:59). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=22711&v=3.

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Generell ist der AIS eine ausgezeichnete Grundlage für die Erforschung morphologischer Variation, wenn gleich die erfassten Kategorien  im Kartentitel nicht explizit genannt werden; so ist wir implizit klar, dass die soeben genannte Karte LA FOGLIA; LE FOGLIE neben den zahlreichen phonetischen Varianten auch systematisch die Markierung des Feminin Plural erfasst. Der Ausschnitt (3) zeigt, dass diese Kategorie (vgl. die Formen nach dem ‚;‘) teils durch –s, teils aber wie in der italienischen Standardsprache, durch einen Vokal markiert werden. 

Interessant 

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Hier einige Beispiele aus dem Engadin (46, 47), dem Bergell (45), dem Puschlav (58) und dem Tessin (50-53, 70):

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einige Paradigmen der Präsensformen von Verben auf -are (hier: lavarsi; AIS 1683)

Die wörtliche italienische Entsprechung wären etwa ungefähr:

  • 45 ‚io mi si lavo; tu si lavi; lui *il si lava‘ 
  • 50 ‚mi mi lavo; ti ti si lavi‘; lui *il si lava‘

Die Beispiele dokumentieren also die  klitischen (‚unbetonten‘) Personalpromina, die wie im Französischen obligatorisch sind, und ihre häufige, ebenfalls obligatorische Dopplung; da das Standarditalienische kein klitisches Subjektspronomen der 3. Person kennt, wurde hier ein *il eingesetzt.

Außerdem lassen sich viele andere Erscheinungen zeigen, die – analog zu den klitischen Pronomina – auch in anderen romanischen Sprachen grammatikalisiert sind; so etwa das Nebenaneinander von noi | voi (vgl. franz. nous | vous)  und noialtri (45, 46, 58) | voialtri (50, 52-58, 70) (vgl. span. nosotros | vosotros). 

In sprachhistorischer Hinsicht bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Klitik der 1. Person Sg. teils auf den lateinischen Nominativ ego ‚ich‘, teils auf den Dativ mihi ‚mir‘, eventuell auch den Akkusativ me ‚mich‘ zurückgehen.

Komplexen Informationen diese Art sind mit dem Instrument der analytischen Karte nicht mehr darstellbar. Aus diesem Grunde haben die Herausgeber auch die Form der Tabelle gewählt; Muster und relative Häufigkeiten in der Verteilung der unterschiedlichen Typen sind nur nach sehr eingehender Beschäftigung mit den Daten möglich. Virtuelle Karten sind dagegen durchaus geeignet, auch so unübersichtliche Daten prägnant wiederzugeben. Zur Illustratio vergleiche man die Darstellung von AIS 73 SUA MOGLIE im virtuellen Format des AdIS:

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