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Exkurs zu Italienisch in Nordamerika – Stereotyp: ‚Italiener in den USA‘ mit Beispielen aus den filmischen Inszenierungen The Marx Brothers, The Sopranos & The Godfather

/var/cache/html/dhlehre/html/wp content/uploads/2016/04/1461783433 Unbenannt

0.1. Soziodemographischer Hintergrund/geschichtlicher Hintergrund zur Verbreitung der Italieniener in den USA

  • Enorme transatlantische Auswanderungsbewegung ab der Unità d’Italia 1861 gen Amerika ⇒zunächst Südamerika (~47% aller ausgewandertern Italiener) bald darauf Nordamerika (~9%)
  • Pull-Faktor der Vereinigten Staaten: Hohe Löhne, ‚Zivilisation‘
  • Push-Faktor aus Italien: nach dem miracolo economico abflauenden Wirtschaft, das durch den Faschismus kriegsmüde Volk und ausgemergelte Italien
  • Zunächst Auswanderungswelle aus Norditalien, folgend aber auch eine enorme Auswanderung aus dem Süden, besonders Sizlien: die Kriege und Herrschaftsverhältnisse der letzten Jahre hat im Süden zu einer Abspaltung der ‚Gesetzlosen‘, ‚Wehrpflichtverweigerer‘ etc. geführt, die in Folge dessen sog. Antistaaten bzw. Schattenstaaten bildeten, die Geburtsstunde der Mafia.
  • Laut http://www.cognomix.it/cognomi-siciliani.php ist ‚Rizzo‘ einer der häufigsten Nachnamen Siziliens → Stichprobe: Distribution of family name Rizzo in the US

http://ieg-ego.eu/de/threads/europa-unterwegs/arbeitsmigration-wirtschaftsmigration/irial-glynn-emigration-ueber-den-atlantik-iren-italiener-und-schweden-im-vergleich-1800-1950#Italien

 

  • Konsequenz dieser Auswanderungswelle von 19. – 20. Jahrhundert : Entstehung der sog. Italoamerikaner

0.2. Was ist ‚der Italoamerikaner‘?

  • Laut Definition ist ein Italoamerikaner, ein in den USA Lebender mit italienischen Wurzeln, die Wahrnehmung des restlichen Mitmenschen in den USA und damit die Entstehung des Stereotypens ‚des Italieners‘ sieht anders aus.
  • Durch filmische Inszenierungen wie The Marx Borthers, The Sopranos und The Godfather lassen sich gut Stereotypen der Italoamerikaner in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten- und funktionen abbilden
  •  Filmausschnitte:   Chico Marx   The Godfather 

0.3. Instrumente für die Analyse des Stereotypens:                   Sprachlicher vs. Kultureller Input im Film

  • Namensgebung
  • Kleidung
  • Gestik
  • Sprache: Standard vs. Dialekt
  • Kultur
  • Gesellschaftstruktur: Hierarchien

0.3.1. The Godfather

  • Namensgebung: immer italienische Familiennamen bzw. Clannamen  (Corleone). Außerdem ist bei den Vornamen der Protagonisten – vor allem ab der 2. Generation –  immer eine italienische und eine englische Aussprache möglich : Michael/Michele, Mary/Maria, Conny/Constanzia, Anthony/Antonio, Vincent/Vincenzo usw. aber Vito Corleone (Capo der Familie und 1. Generation)
  • Kleidung: Stets gute, teure Kleidung, in dunklen Tönen, oft mit Hut (Statussymbol). Wiedererkennungswert als Mafioso durch echte historische Figuren, wie z.B. Al Capone
/var/cache/html/dhlehre/html/wp content/uploads/2016/04/1461836363 Al Capone

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  • Sprache: Hauptsprache des Films ist natürlich Englisch, allerdings kommt italienisch besonders in den in Sizilien situierten Szenen zum Einsatz oder in New York wenn es um Business geht. Wenn Floskeln verwendet werden, kann man von Italienisch sprechen, in längeren Passagen handelt es sich aber eindeutig um siciliano (Herkunftsort der Cosa Nostra). In dieser Passage ist auch gut die ‚Italienischkenntniss‘ der zweiten Generation abbgebildet: Michele versteht siciliano und kann es wohl auch sprechen, zieht aber Englisch vor um sich zu verständigen.
  • Kultur: Gestik&Traditionen italienische Lieder und Verwendung typisch italienischer Gesten und kulinarisch : Canoli
  • Gesellschaftstruktur: In diesem Fall wird sehr stark mit der Familienstruktur gearbeitet, wobei hier aber darauf zu achten ist, dass mit la famiglia im Mafiajargon nicht nur die Blutverwandschaft gemeint ist, sondern der ganze Clan

0.3.2. The Sopranos

  • Namensgebung: Ähnliche Strtuktur bzgl. Namen, so z.B. Anthony/Antonio, aber da diese Serie bereits in einem monderenen Ambiente spiel als The Godfather, ist das bereits eine ‚italoamerikanische‘ Familie, mit eingeheirateten amerikanischen Familienmitgliedern und amerikanischen Namen. Der Familienname/Clanname bleibt aber italienische Ursprungs
  • Kleidung: eher typisch amerikanische Kleidung, außer bei Businessverhandlungen
  • Sprache: überwiegend englisch, wesentlich seltener italienisch/napoletanisch als in The Godfather. Italienisch wird partiell in Floskeln verwendet. Aber auch hier fällt auf, dass ab der 2. Generation mit Tony die Italienischkenntniss zunehmend fällt
  • Kultur: In The Sopranos wird der ‚italienische Flair‘ eher durch die Verwendung italienischer Musik, Italienischen Geschäften in den Suburbs etc. produziert
  • Gesellschaftsstruktur: Hier ist es eindeutig die klassisch amerikanische Gesellschaftsstruktur, die überwiegt

0.3.3. Intermedialität : The Godfather & The Sopranos

Als größter filmischer Einfluss auf die Serie The Sopranos gilt der The Godfather. Charaktere können z.T. sogar ganze Passagen aus dem Film zitieren und karrikieren dadurch subtil die Mafiainszenierung, die in The Godfather deutlich stärker vertreten ist.

https://www.youtube.com/results?search_query=when+i+thought+i+was+out+they+pulled+me+back+in

 

0.4. Fazit: Inszenierung und Bildung des Stereotyps ‚der Italiener in den USA‘

  • durch einfache Methoden erfolgt die Inszenierung des Italieners, der leider oft dem des Mafiosos gleicht: kriminelle Machenschaften, Ursprungsort zumeist Sizilien oder zumindest Süditalien, ‚klassisches italienisches Aussehen‘, Kulinarisches und Musik aus Italien, Familien/Clanzusammenhalt etc.
  • Stichprobe: Eingabe bei Google ‚Mafia in den USA‘ ergab exakt die gleichen Resultat wie die Eingabe ‚Sizilianer in den USA‘

 

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