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Vojvodina/Donauschwaben


Schlagwörter: Deutsche Sprachinseln in der Vojvodina; Varietäten-Linguistik; Donauschwäbisch

(Das Gesuch von Maxim Subich aus Orlovath über den Adelstitel an den Kaiser Joseph II. aus 1774)

Titel des Projekts: Das Donauschwäbische. Historie - Bestand - Perspektive.

Das DFG-Projekt befasst sich mit der zentralen Fragestellung: Ist der Sprachtod der Donauschwaben auf dem Balkan noch zu verhindern oder nur noch festzustellen? Darüber hinaus setzt sich das Forschungsprojekt zum Ziel, Divergenzen dieser Kontaktsprachen (Deutsch, Serbisch, Kroatisch, Ungarisch) empirisch-kontrastiv zu eruieren. Die Hauptfragestellung meines Vorhabens lässt sich zielführend in zwei Perspektiven darstellen.

Zum einen wäre hier  die sozio-linguistische Perspektive von Sprachkontakt zu erforschen. Hier werfen sich Fragen auf, wie die  Sprachsituation in den jeweiligen Ländern auf dem Balkan bzw. in Serbien und Kroatien (hier Batschka, Syrmien, Banat und Baranja) aussieht bzw. welche sozio-linguistischen Fakten die Tatsache erklären, dass die Donauschwaben in einigen dieser Länder noch vertreten sind und in anderen nicht. Zum anderen soll das Donauschwäbische, welches sich über die drei Jahrhunderte zu einer eigenständigen deutschsprachigen Entität entwickelte, phonetisch, lexikalisch und morphologisch untersucht werden, um somit einen linguistischen Fingerabdruck dieser schwindenden Varietät zu erstellen. 

Besonderes Interesse meinerseits verdienen hier spezielle lexikalische Einheiten aus der Sprachkontaktforschung (Slawismen in der deutschen Sprache bspl. escajg, gelender, glanc, falš, fašir, fruštuk, knedla, krumpier, rajsferšlus, šlag, štimung, špored, šteker, špek und vice versa wie Kukuruz, Hochzeitschtschorbe, Maakstrudl etc.) sowie morpho-syntaktische Alleinstellungsmerkmale wie die vorhandenen Aspektmarker (am-Progressiv/dran-sein-Phrasen etc.). Mein Augenmerk gilt hierbei dem Konzept der Aspektualität, welches im Donauschwäbischen auf dem lexikalischen Kodierungsniveau geblieben ist, da es sich durch periphrastische, lexikalische Morpheme realisieren lässt. Es gilt also herauszufiltern, welche dieser Formen im Donauschwäbischen benutzt werden und welche Systematik sich dabei abzeichnet, beispielsweise in den Sätzen:

(1) Dr kluge Baur Hans isch dro Holz hacken gwese.   [dran + seinInf + etwas + zu + VInf ]

(2) Do heert er dr Kutsch vom Keenich fahre.  [da/dann – Temporaladverb]

(3) Dr beese Keenich hat grad am Fenschstr glee, als er den Baur gsehe hat.                                    [gerade – Temporaladverb; Inzidenzschema]

(4) Dr gude Hans is äbbes am iberlege, was er dem beese Keenich sage soll. [am-Progressiv]

(5) Wie dr Hans in de Wald kumme ist, ware lauter wildi Tiere do.                                                      [ gerade – Temporaladverb; Inzidenzschema]

Donauschwäbische Mundart

(Ein Beispiel; Wenker-Sätze aus Tscherwenka/Crvenka in der Vojvodina)

Das linguistische Ziel steht im Vordergrund des Projekts und besteht aus der typologischen und morpho-syntaktischen Determinierung des Donauschwäbischen, durch Fragebögen (z.B. modifizierte Wenker-Sätze/vorhandene & eigene Fragebögen zu spezifischen Aspektmarkern etc.), durch vorhandene Pressezeugnisse, Poesie oder persönliche Briefe. Die sprachlichen Besonderheiten des Donauschwäbischen sollten in Publikationen festgehalten werden, welche als eine Art lexikalischer sowie auch morpho-syntaktischer Fingerabdruck dienen sollten, um das Donauschwäbisch in Serbien aus dem gesamt-donauschwäbischen Kontinuum abzugrenzen.

Als Ausblick sollen einige Prognosen oder Hoffnungen für die zukunftsnahe Entwicklung der Sprache und Kultur der Donauschwaben in der Region gegeben werden.  Die jüngsten politischen Entwicklungen (Rehabilitation und Restitution) auf dem Balkan, welche die offiziellen Regierungen dieser Länder angestoßen haben, erlauben die Hoffnung, dass manches Kulturgut der Donauschwaben doch noch vor dem Vergessen bewahrt werden kann. In dem abschließenden Projektteil soll die aktuelle Wertung der dort ansässigen deutschstämmigen Kultur evaluiert werden und die gesellschaftlich-historische Akzeptanz der deutschen Sprache und Kultur erneuert werden.

     

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