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Amalfi

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Zitation: Thomas Krefeld (2017): Amalfi. Lehre in den Digital Humanities. Version 2 (15.02.2017, 13:36). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=3405&v=2.

0.1. Der Urtyp aller Seerepubliken

„Amalfi ist eines der großen Rätsel der Geschichte des Mittelmeers.“ (Abulafia 2013, 355)


Die erste Seerepublik, die zu großer wirtschaftlicher und politischer Macht aufstieg, war die heute unscheinbare Stadt Amalfi, die nominell zunächst in das Byzantische Reich gehörte. Vermutlich geht sie auf ein byzantinisches Kastron, d.h. eine Festung, gegen den Vormarsch der Langobarden (Herzogtum Benevent) zurück. Gemeinsam mit Neapel (seit 755 Dux militum) zählt sie zu den letzten Besitztümern von Byzanz mit Resten in Südkalabrien und in der Terra d’Otranto. Amalfi war zunächst dem Strategen von Syrakus unterstellt, dessen Einfluss jedoch  im 9. Jh. mit der Einrichtung des Themas Langobardia wieder zurückgedrängt wurde. Unter den so genannten Themen sind dezentralisierte Verwaltungsbezirke des Byzantinischen Reichs zu verstehen, dessen rapide Auflösung  den rasanten Aufschwung der Stadt vor allem im Blick auf die Verbindungen ins östliche Mittelmeer zweifellos stark befördert hat. Exemplarisch ist die Begründung der kontinuierlichen Präsenz italienischer Kaufleute in Konstantinopel (im Stadtviertel Galata), dem heutigen Istanbul, die somit weit in vortürkische Zeit zurückgeht;

“Per la loro posizione giuridica nell’impero bizantino, di cui erano sudditi anche se in termini nominali, gli Amalfitani godevano di particolari privilegi per cui i rapporti commerciali con la capitale si erano sviluppati in maniera piuttosto soddisfacente, per diventare dopo l’apertura ai Musulmani, più intensi e redditizi. Una loro colonia con quartieri e fondachi sorse nel X secolo e fu sicuramente la prima di quelle (veneziane, genovesi e pisane) che si stanziarono sul Corno d’Oro. Nel 992 i coloni amalfitani furono esentati dal limite di permanenza che imponevano i Bizantini.” (Benvenuti 1985, 76)

Es ist für das Verständnis des sich neu strukturierenden und  verfestigenden kommunikationsräumlichen Zusammenhangs wichtig zu beachten, dass die Blütezeit ins 10. Jahrhundert fällt, in eine Zeit also, in der Sizilien und große Teile der Iberischen Halbinsel arabisch beherrscht wurden; gerade dort lagen jedoch wichtige Handelstützpunkte Amalfis, wie zum Beispiel Córdoba (erst 1236 durch Kastilien erobert) und Sevilla (erst 1248 durch Kastilien erobert).

Im Hinblick auf den Austausch mit der arabischen Welt ist es ferner wichtig, dass die Kontakte sogar in die Zeit vor dem 1. Kreuzzug  (1096-1099) zurückreichen.

“In der Zeit vor den Kreuzzügen konkurrierten sie [die Einwohner von Amalfi; Th.K.] mit den Venezianern. Durazzo, Konstantinopel, Antiochia, Jerusalem, Kairo, Alexandria und al-Mahdia bezeichnen ihren vom 10. bis 12. Jh. qullenmäßig belegbaren Aktionsradius. In den meisten dieser Städte besaßen die Amalfitaner Fernhändler ständige Niederlassungen; ihre Kolonie in Alt-Kairo hat wohl, will man einer arabischen Quelle glauben, am Ende des 10. Jh. über 100 Personen umfaßt. Die Amalfitaner exportierten u.a. Schiffsbauholz und Agrarprodukte nach Nordafrika und tauschten dort Gewürze und Gold ein. In Konstantinopel erwarben sie Seide und sonstige byzantinische Luxuswaren und brachten sie nach Italien.” (Schwarz 1978, 1)

Der Seidenhandel wurde im Byzantinischen Reich durch ein Staatsmonopol geschützt, das sich die Amalfitaner im Westen zu eigen machten:

“Gli Amalfitani ne monopolizzarono a loro volta la vendita nei paesi del Tirreno” (Benvenuti 1985, 77)

Die schwunghafte Entwicklung des Handels wurde jedoch vor allem durch die Tatsache  erleichtert, dass die Dynastien der Aghlabiden und der ihnen nachfolgenden Fatimiden gerade keine einschränkenden Monopole errichteten.

“I primi rapporti erano stati allaciati con il Maghreb (Tunisi, Kairouan) sotto la dominazione aglabita e fatimita; poi quando i Fatimiti di al-Mus’izz allargarono le loro conquiste a danno del califfato di Bagdad, occupando Egitto e Siria, i traffici si estesero a tutta l’Africa mediterranea e al Levante, favoriti dalla politica di liberalità, adottata dagli Arabi, i quali non imposero mai controlli e monopoli, lasciando libertà di movimenti marittimi e di iniziative commerciali. Gli Amalfitani furono i primi, tra gli Europei, a fondare colonie nei territori del bacino mediterraneo; questo colonizzazione fu il premio per la collaborazione data ai Fatimiti con il rifornimento di legnami, cordame e vele, necessari per allestire la flotta per la conquista delle regioni orientali.” (Benvenuti 1985, 75)

“[…] è del 996 la prima notizia sull’esistenza di una numerosa e fiorente colonia al Cairo” (ebd.)

Diese engen direkten Kontakte eröffneten noch weitaus fernere Handelshorizonte:

„Particolarmente intensi e redditizi erano gli scambi con l’Egitto e con la Palestina, dove affluivano anche prodotti di regioni lontanissime (India, Cina, Zanzibar), sulle vie che un tempo erano strade battute dai mercanti marittimi dell’impero romano. Attraverso le acque bizantine, poi, le navi d’Amalfi intrecciarono prosperi scambi anche con gli scali del mar Nero (esiste traccia di un «Porto Amalfitano» presso Sebastopoli”. (Bragadin 1974, 21)

Vom Papst und den Langobarden wurden die guten Kontakte, die Neapel und Amalfi zu den Sarazenen unterhielten, immer wieder beklagt (Schwarz 1978, 27 ff.); wie es scheint bestand sogar in unmittelbarer Nähe, nämlich in Cetara zwischen Salerno und Amalfi  sogar eine  sarazenische Niederlassung.

Auf die Amalfitaner Kaufleute geht auch die Gründung des Johanniter- bzw. Malteserordens zurück (vgl. Malta), genauer gesagt auf ein Privileg des ägytischen Kalifen Ramansor Mustasaph aus der Dynastie der Fatimiden, der im Hinblick auf die gute Zusammenarbeit das Recht einräumte in Jerusalem eine Pilgerherberge zu errichten:

„in riconoscimento della collaborazione data dagli Amalfitani alle tribù del Magreb, aveva concesso loro l’autorizzazione a costruire in Gerusalemme la chiesa di Santa Maria dei Latini (fondata da Carlo Magno e distrutta dal califfo al-Akim), l’ospedale dedicato a San Giovanni e l’ospizio di Santa Maria Maddalena; forse gli ospizi erano due (per uomini e per donne); servivano ad ospitare i pellegrini che si recavano in Terrasanta e furono costruiti con elemosine e donazioni raccolte in Amalfi. (Benvenuti 1985, 75)

Einen Überblick über das weite, den gesamten Mittelmeerraum einbeziehende Netz von Stützpunkte und Kolonien gibt die folgende Karte:

Neben den den Seehandelsrouten wurden teils auch Land-See-Land-Verbindungen ins byzantinsiche Reich genutzt; insbesondere die Via Appia in Verbindung mit der Via Egnazia. Diese Wege waren länger, aber sicherer; vor allem das erste Stück war allerdings schwierig, da keine keine Küstenstrasse existierte; vielleicht wurde die Waren zunächst per Schiff nach Salerno gebracht.

„Rilevante il ruolo giocato dalla via Egnatia come medium della diffusione del Cristianesimo ed in età medievale ed ottomana, oltre all’importanza strategica ed economica che ebbe per secoli: quasi tutti gli scambi dell’Impero bizantino con l’Occidente passavano per questa strada, usata inoltre più volte dai Crociati.“ (http://it.wikipedia.org/wiki/Via_Ignazia)

Auch in Italien und am östlichen Ufer der Adria existierten etliche “basi commerciali”, wie Durazzo, Ravenna; darunter sind auch die später dominanten Konkurrenten Venedig, Genua und Pisa (“dove avevano in proprietà molte botteghe” [Benvenuti 1985, 78]). Von Genua eröffneten sich Landverbindungen nach Pavia, der Haupstadt des Regno italico, und weiter nach Nordeuropa. „Veri e propri consolari“ bestanden in Bari, Reggio, Palermo und Messina (Benvenuti 1985, 78). Womöglich ist Melfi “la più antica colonia amalfitani” [Benvenuti 1985, 78]). Man beachte, dass weder Amalfi noch melfi Römerstädte sind und daher auch nicht auf der berühmten Ortsverzeichnis der Tabula Peutingeriana erscheinen

Amalfi|Melfi und die Orte der Tabula Peutingeriana

Amalfi|Melfi und die Orte der Tabula Peutingeriana

Der Warenaustausch folgte dem Prinzip des Dreieckshandels, das später auch den transatlantischen Handel zwischen Europa, Afrika und Amerika bestimmte: Holz, Wein, Waffen, Früchte etc. wurden nach Afrika und Konstantinopel exportiert; dafür wurden dort Gewürze, Stoffe, Schmuck etc. erworben, nach Amalfi transportiert und in Italien weiterverkauft; vom Erlös wurde wiederum Holz, Wein etc. entstanden und ausgeführt usw. (Benvenuti 1985, 79).

Analog zum Aufstieg war auch der Niedergang Amalfis mit der Verdrängung der Araber aus der näheren Nachbarschaft, d.h. aus Sizilien und der Errichtung des normanischen Zentralstaats verknüpft. Allerdings blieb die Grundstruktur, teils bis in die lokalen Stützpunkte erhalten, so dass sie an die folgenden Seerepubliken übergehen konnte. Der historische Rahmen wird in folgendem Abschnitt deutlich:

„Verso la metà dell’XI secolo la potenza del ducato cominciò ad offuscarsi: nel 1039, anche a causa di lotte intestine, fu conquistato da Guaimario V, principe di Salerno, città storica nemica di Amalfi, dal cui controllo si liberò nel 1052 col duca Giovanni II. Ma nel 1073 Roberto il Guiscardo, chiamato dagli stessi Amalfitani contro Salerno, conquistò il ducato. Amalfi rimase sostanzialmente autonoma, si ribellò anzi spesso ai reggenti fino al 1100, quando l’ultimo duca Marino Sebaste fu deposto dai Normanni, che lasciarono ad Amalfi solo un’autonomia amministrativa, revocata poi nel 1131 da Ruggero II di Sicilia. Dopo la conquista normanna, la decadenza non fu immediata, divenendo nel frattempo scalo marittimo dello Stato normanno-svevo, ma il bacino commerciale amalfitano si ridusse al Mediterraneo occidentale e in modo graduale la città fu soppiantata, localmente da Napoli e Salerno, a livello mediterraneo da Pisa, Venezia e Genova.“

Wie es scheint, konnte die Stadt also in nromannischer Zeit eine gewisse Sonderstellung waren.

“Allorché Amalfi fu definitivamente sottomessa, i Normanni lasciarono ad essa il titolo ducale, per evidenti ragioni politiche, ma posero a capo dell’intero ducato un funzionario regio, lo «stratigoto»”. (Leone / Piccirillo 1970, 179)

0.2. Schriftliche Quellen

In sprachwissenschaftlicher Hinsicht ist die Seerepublik Amalfi sicherlich weniger  ergiebig als Pisa, Genua oder Venedig, da sehr viel wertvolles Archivmaterial 1943 in Neapel verbrannte; auch synchrone Vergleichsdaten sind nicht leicht zu ermitteln, da die ganze Sorrentiner Halbinsel und Salerno im AIS fehlen; im ALI sind immerhin Maiori und Salerno vertreten. Die Existenz einer sehr stark entwickelte Schreibtradition in Amalfi steht dennoch ausser Frage.

“Si direbbe che nessun altra città dell’Italia meridionale abbia a vantare maggior numero di croniche edite ed inedite a confronto di Aamlfi e sua Costiera.” (Camera 1836, zit in Schwarz 1978. 7)

Voraussetzung dafür war die Kontinuität gewisser römischer Verwaltungsstrukturen, insbesondere die so genannte Curia.

“Con il termine curia, negli ultimi secoli dell’impero romano, si designava il consiglio municipale, organo di amministrazione locale, e curiales era il termine che ne designava i componenti, denominati anche, e più propriamente decuriones. […]

[…] scomparirono, soppiantate da nuove istituzioni, solo le curie che si trovarono nelle regioni invase dai Longobardi, mentre el altre, come la Curia di Napoli, rimasero in vita come semplici uffici di compilazione di atti, privati, pubblici e giudiziari. […]

L’origine della Curia amalfitana va quindi posta atorno al IX secolo: allora Amalfi, raggiunto un peso rilevate nella bilancia politica della Campania ducale, cominciò la sua emancipazione dal ducato di Napoli (portata a compimento nel corso del X secolo).” (De Leone/Piccirillo 1970, 181)

Die Amalifitanische Curia entwickelte auch eine eigene Schrift, genauer gesagt eine besondere Form der scrittura curiale:

“La scrittura che si adoperava e che si insegnava nella Curia di Amalfi era una scrittura speciale che non si usava neppure entro lo stesso ducato dai non appartenenti alla Curia. […] La scrittura curiale sorse, a quanto pare, verso la prima metà del secolo IX nelle curie notarili dell’Italia meridionale […] Quella adoperata nella Curia di Amalfi, fu, come questa una derivazione della scrittura adoperata nella Curia napoletana.” (Leone/Piccirillo 1970, 196) “La scrittura curiala amalfitana realizzò invece nei secoli XI e XII, un progresso grafico notevole, rilevando così i progressi della scuola: ed infatti proprio in questo periodo in cui la Curia di Amalfi raggiunse il suo massimo e più ordinato sviluppo, si rinvengono belle pergamene, accuratamente rigate e marginate, scritte in maniera calligrafica; e non macono esempi di scrittura persino elegante, in cui le lettere capitali si ingrandiscono e si adornano di fronzoli di imitare quelle dei codici. Tipiche sono alcune lettere come: la a a forma di ω, la e a forma di 8 o slanciata in alto, la g a forma di 3, la T con un occhiello in luogo dell’asta. Le abbreviature sono pochissime e per lo più limitate alle parole di uso comune” (Leone/Piccirillo 1970, 198) “[…] abolita da Federico II nel 1220 con la costituzione De instrumentis conficiendis per Curiales” (Leone/Piccirillo 1970, 182)

Im Wesentlichen handelt es sich um Texte  (Urkunden, Briefe,  Chroniken, Rechtstexte), die der so genannte Pragmatischen Schriftlichkeit nahe stehen und weitestgehend in lateinischer Sprache vorliegen, was angesichts der  angesichts der Entstehungszeit nicht überrascht. Auch von einer griechischen Inschrift ist die Rede (Schwarz 1978, 10, Anm. 57), aber die Rolle des Griechischen in der byzantinischen Verwaltung Süditaliens ist nur ganz unzureichend erforscht. Erwähnt werden sollen:

(1) Das Chronikon Amalfitanum

Dabei handelt es sich um eine Art Stadtchronik (Ende 13. Jh., oder aus der ersten Hälfte 14. Jh.; Schwarz 1978, 150), die ähnlich wie in Fall Venedigs, auch eine Gründungslegende enthält (vgl.  Martin da Canal in einer späteren Vorlesung).

(2) Consuetudines civitatis Amalfie (compilate nel 1274?)

“[…] si andarono probabilmente formando, in modo graduale e spontaneo, nel corso dei secoli X e XI […]”

“Lex est sanction sancta, bona tamen consuetudo est sancito sanctior eo quod ubi consuetudo loquitur, lex tacet.” (Beginn) ‘La legge è una disposizione giusta, tuttavia la buona consuetudine è una disposizione più giusta dal momento che dove la consuetudine dispone, la legge tace.’
   

Der Beginn zeigt, wie kompliziert die Rechtsgeschichte hier wird, das ‚gesetztes‘, d.h. schribtlich fixiertes Recht in römischer Tradition und Gewohnheitsrecht (‚consuetudo‘) verbunden werden; es handelt sich also teils um neue Institutionen und Regelungen, die von den Normannen eingeführt, teils um alte, die beibehalten wurden.

0.2.1. (3) Die Tabula de Amalpha Tavole amalfitane

Dieser Text, bei dem es sich genauer um eine wohl in einem längeren Zeitraum entstandene Kompilation von Regelungen zum Seerecht handelt, ist von großer kulturgeschichtlicher Bedeutung. Denn diese, dem Römischen Recht unbekannte Rechtstradition emergiert im Kontext des Handels, um einschlägige Rechtsgeschäfte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Rechtstraditionen regeln zu können; in gewisser Hinsicht kann man von einem Vorläufer des Völkerrechts sprechen. Im Mittelmeer sind vor allem der in seiner ältesten Fassung katalanische Consolat de mar (aus Barcelona) sowie eben die ältere Tabula Amalpha von Bedeutung. Dort wurden Konventionen für das Chartern, die Verantwortlichkeit beim Schiffbruch, für Teilhabe usw. niedergelegt; der erste, ältere Teil ist in lateinischer Sprache (XI. oder XII. Jh.), der zweite Teil in volgare (XIV. Jh.). Da der allergrößte in Manuskripten überliefert ist, die in Zeit nach der eigentlichen Blüte der Seerepublik datieren, darf man ältere Vorläufer annehmen. Der weit über Amalfi hinausgehende Bedeutung zeigt sich auch darin, Abschrift des venezianischen  Dogen Marco Foscarini überliefert ist.

“non ebbe il carattere di legge, o comunque di fonte di produzione normativa, né tanto meno si impose alla Suprema Curia Admiralitatis napoletana: essa fu solo una raccolta di massime giurisprudenziali e consuetudinarie, di epoca e derivazione varie, che si conservò e tramandò monscritta, nel ristretto ambiente amalfitano, in una con le Consuetudines civitatis Amalfie“. (Giuffré 1965, 20)

Einen charakteristischen Eindruck gibt der folgende Ausschnitt:

Tabula de Amalpha, Art. 7

Tabula de Amalpha, Art. 7

In italienischer Übersetzung:

ARTICOLO 7 Jtem appena i comproprietari per carati della nave si accordano e nominano un capitano sulla loro nave, il detto designato capitano può‘ assumere accomandita da qualunque persona gli sembrerà‘ più opportuno, e vincolare la nave rispetto a chiunque vorrà‘, s‘ intende secondo l’uso relativo della Riviera amalfitana, nonostante altra obbligazione pubblica o privata da contratto o quasi – contratto intercorso tra le parti. (Hervorhebung Th.K.)

Man beachte, dass im lateinischen Text noch kein spezifisches Wort für die Funktion des Kapitäns auftaucht; vielmehr steht das allgemeine patronus, das auch für die Teilhaber gebraucht wird, obwohl der Kapitän, d.h. der verantwortliche Kommandant des Schiffs in der Regel nicht der Besitzer (‚Eigner‘) ist; es wird ja ausdrücklich festgestellt, dass von den Eignern bestimmt wird.    Gleichzeitig enthält der zitierte Abschnitt ein Wort, in dessen Geschichte sich das komplexe Szenario des mittelalterlich mediterranen Kommunikationsraums in konzentrierter Form verdichtet hat.

0.2.2. Eine wortgeschichliche ‚Zeitkapsel‘ : carato

Es handelt sich um eine Rechnungs- und Masseinheit, aus der Zeit vor der Durchsetzung des Dezimalrechnens. Die verschiedenen (neuitalienischen) Bedeutungen werden im Vocabolario Treccani sehr gut dargestellt; relevant für den zitierten Artikel 7 ist die Bedeutung unter 3.

„carato s. m. [dall’arabo qīrāṭ «grano di carrubo; piccolo peso», e questo dal gr. κεράτιον, dim. di κέρας -ατος «corno1»]. –

1. Ciascuna delle 24 parti uguali in cui si divide l’oncia agli effetti dell’indicazione del titolo dell’oro; è unità di misura che serve a calcolare il numero di parti di oro fino contenute in 24 parti di lega, oggi sostituita dalla titolazione in millesimi: oro a 24 c., oro a 20 c., cioè, rispettivamente, purissimo o contenente 20 parti di oro fino e 4 di altro metallo. Fig.: è un galantuomo di ventiquattro c., un vero galantuomo.

2. Unità di peso delle pietre preziose e delle perle, suddivisa in 4 grani, ulteriormente suddivisi in quarti, sedicesimi, ecc., variabile a seconda dei varî paesi (per quelli aderenti al sistema metrico decimale è stato istituito il c. metrico, pari a 200 mg).

3. Ciascuna delle ventiquattro parti (detta anche caratura) nelle quali è divisa, per tradizione internazionale, la proprietà di una nave mercantile. Per estens., quota di partecipazione al capitale sociale nelle società commerciali.

4. Anticam., ciascuna quota del capitale di un’impresa anche non marittima; inoltre, lotto di terreno, parte di un tributo. In partic., a Genova, dazio di entrata e di transito delle merci e, nel Veneto, il diritto proporzionale che la parte perdente pagava al giudice.“

Die über den Seehandel vermittelte weite Verbreitung, die dieser Ausdruck im Altitalienischen gefunden hat, geht auch aus dem Eintrag  im Tesoro della lingua italiana delle origini  (TLIO) klar hervor, obwohl die dort ausgewerteten, nicht lateinischen Quellen einen möglichen Ausgangspunkt in Amalfi nicht erkennen lassen können:

„CARATO s.m. 0.1caracti, caractu, carat., carate, carati, carato, caratto, carrate, carrati,charati, charato, karati, karato, kirati0.2 DELI 2 s.v. carato (ar. qirat). 0.3 Brunetto Latini, Favolello, 1260/66 (fior.): 20.4 In testi tosc.: Brunetto Latini, Favolello, 1260/66 (fior.); Doc. pis., 1288-1374, [1338]. In testi sett.: Doc. venez., 1307 (4); Jacopo della Lana, Inf., 1324-28 (bologn.). In testi sic.: Sposiz.Pass. s. Matteo, 1373 (sic.). 0.71 [Mis.] La ventiquattresima parte di un’oncia.

2 [Mis.] Unità di misura delle leghe aurifere. 3 [Mis.] Unità di misura delle pietre preziose. 4Ciascuna delle ventiquattro parti nelle quali è divisa la proprietà di un bene. 4.1 Fig. 5 Ciascuna delle ventiquattro parti nelle quali è divisa la proprietà di una nave mercantile. 0.8 Francesca Gambino 21.01.2002. 1 [Mis.] La ventiquattresima parte di un’oncia. [1] Pegolotti, Pratica, XIV pm. (fior.), pag. 44.25: Pepe, e incenso, giengiovo, mastico, cannella, zettovare, e di tutte altre spezierie grosse che si garbellano, carati uno per centinaio di peso. [2] Piero Ubertino da Brescia, p. 1361 (tosc.), pag. 57, col. 2.4: R(ecipe) tuçia, charmen hutuch an. d. I, liligo, ofar, çençamo an. d. ½, pepe lungo, memita an. d. II ½ e due carati, melonchidi d. I…

2 [Mis.] Unità di misura delle leghe aurifere. [1] Brunetto Latini, Favolello, 1260/66 (fior.), 161, pag. 284: Qui ti saluto ormai: / e quel tuo di Latino / tien‘ per amico fino / a tutte le carrate / che voi oro pesate. || Contini: «è sempre stato inteso come l’arabismo „carati“». [2] Jacopo della Lana, Inf., 1324-28 (bologn.), c. 30, 46-57, pag. 714, col. 1.4: Questo si fo maestro Adamo monedero, lo quale [[…]] sí falsificò li fiorini fazandoli pur de XXJ carrati… [3] Zibaldone da Canal, 1310/30 (venez.), pag. 17.16: Carato sì è a dir u· nome de pesso lo qual è 1/3 d’onça de fin oro perçiò che chi avesse una marcha de fin oro sì pessarave 8 onçe e vegniria 24 charati de fin oro. [4] Giovanni Villani (ed. Porta), a. 1348 (fior.), L. VII, cap. 53, vol. 1, pag. 346.4: E allora si cominciò la buona moneta d’oro fine di XXIIII carati, che si chiamano fiorini d’oro, e contavasi l’uno soldi XX…

3 [Mis.] Unità di misura delle pietre preziose. [1] Pegolotti, Pratica, XIV pm. (fior.), pag. 26.28: Perle a dicine di saggi, cioè perle di carati 2 1/2 insino in 14, cioè il filo che sono perle 36 a conto per filo… [2] Piero Ubertino da Brescia, p. 1361 (tosc.), pag. 39, col. 2.4: R(ecipe) tuçia q. I, perle non forate carat. I…

4 Ciascuna delle ventiquattro parti nelle quali è divisa la proprietà di un bene. [1] Doc. pis., 1288-1374, [1338], pag. 755.13: la meità intera per non partita d’uno karato delli vintiquactro carati interi per non partiti del soprascripto pesso di terra…

4.1 Fig. [1] Sposiz. Pass. s. Matteo, 1373 (sic.), Prologo, cap. 15, vol. 1, pag. 46.22: si Deu per misericordia perdunassi di li XXIIII caracti li XXIII et l’unu sulucaractu dimandassi iusticia…

5 Ciascuna delle ventiquattro parti nelle quali è divisa la proprietà di una nave mercantile. [1] Doc. venez., 1307 (4), pag. 48.28: Eo Marco Verardo sì digo a voi signori çudesi per sagramento ca Bonisegna deli Cagnoli sì à carati IJ dela mia galia… [u.r. 18.05.2010]“

Die anfangs des Treccani-Eintrags skizzierte Wort- und Bedeutungsgeschichte verdient es, noch einmal herausgestrichen zu werden: Der Ursprung ist demnach gr. κεράτιον ‚Hörnchen‘, ein Dim. zu κέρας -ατος ‚Horn‘ (a); dieses Wort gelangte ins Arabische, wo es die Bedeutung ‚Kern der Frucht des Johannisbrotbaums (it. carrubo)‘ erhielt und daraus abgeleitet die Bedeutung  ‚kleine Gewichtseinheit (für wertvolle Güter wie Edelsteine oder Edelmetalle)‘ (b), mit der das Wort ins Italienische entlehnt wurde. Zusätzlich erhielt es hier noch die Bedeutung ‚gleicher Teil eines Ganzen, speziell ein 24stel‘ (c). Alle semantischen Veränderungen sind leicht nachvollziehbar, setzen jedoch jeweils die Kenntnis der Bedeutung in der Gebersprache voraus: (a) die Metapher ‚Hörnchen‘ nach dem Aussehen der Schote

Frucht des Johannisbrotbaums

Frucht des Johannisbrotbaums

(b) metonymisch ‚kleine Gewichtseinheit‘ nach der Funktion der Samen

Samen des Johannisbrotbaums

Samen des Johannisbrotbaums

(c) ‚gleicher Teil eines Ganzen‘ nach der gleichförmigen und klaren Füllung jeder Frucht mit 10-15 sehr gleichen Samenkörern

N:SharesWebDHLehrehtml/wp content/uploads/2015/10/1445519929 Johannisbrotbaum Schote

Schote des Johannisbrotbaums mit Samen

0.2.3. Schiffstypen und ihre Bezeichnungen

Wortgeschichtlich interessant sind im Zusammenhang mit Amalfi auch die folgenden Bezeichnungen von Schiffstypen; in der Tradition der antiken Schiffe steht die galera oder:

(1) galea ‚“caso unico nella storia – un tipo di nave che visse per quasi un millennio senza mai alterare le sue caratteristiche fondamentali” (Bragandin 1974, 27)

“Etim. e storia della vc. sono state soggette a numerosissime discussioni, anche se l’accordo è pressoché generale sul punto di partenza, il gr. galéa, galía(sec. X) ‘nave bizantina da guerra’ dal n. di un animale (la ‘donnola’, galéē, che ha dato orig, però, anche a galéa ‘specie di pescecane’). Restano incerte le vie di trasmissione (Italia meridionale?) e la variante galera (aragonese?, catalana?, per ovviare allo iato? per mutamento di suffisso?).” (DELI 472)

Es ist gut möglich dass mit der Übernahme des Schiffstyps sich auch die byzantinisch-griechische Bezeichnung ausgehend von Amalfi verbreitet hat.

N:SharesWebDHLehrehtml/wp content/uploads/2015/10/1445497369 Galea amalfitana

Galea amalfitana (aus: Bragadin 1974, 21)

Spezielle Varianten waren die grosse galee mit ca. 110 oder 120 Ruderer, die galeazze oder gozzi (Zweimaster mit Ruderern) oder die galea mediterranea (bis 50 m. lang). Diese schnelle und wendigen Schiffe diente vor allem militärischen Zwecken; wegen des außerordentlichen Personalbedarfs wurden systematisch Sklaven und Gefangene eingesetzt, so dass sich die Bedeutungentwicklung ‚Schiff‘ → ‚Gefängnis‘ erklärt.

Für den reinen Transport wurden bauchige Segelschiffe (’navi tonde‘) eingesetzt; so die cocca, deren Bezeichnung wohl aus dem prov. coca ‚Schiffsrumpf, Nussschale‘ (vgl. auch franz. coque mit derselben Bedeutung, < laut. caudica; REW 1775). Die norddeutsche Entsprechung Kogge, speziell Hansekogge zeigt, dass bereits ein enger Austausch zwischen dem Netz der Hansestädte im Nord- und Ostseeraum einerseits und dem mediterranen Handelsnetz andererseits bestanden haben muss; der Entlehnungsweg ist jedoch im Einzelnen nicht klar.

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