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ALD – Allgemeine Charakterisierung

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Ein zentraler Ausschnitt des romanischsprachigen Alpenraums wurde im Großprojekt des ALD

= Sprachatlas des Dolomitenladinischen und angrenzender Dialekte | Atlant linguistich dl ladin dolomitich y di dialec vejins | Atlante linguistico del ladino dolomitico e dei dialetti limitrofi | Atlas linguistique du Ladin des Dolomites et des dialectes limitrophes | Linguistic Atlas of Dolomitic Ladinian and neighbouring dialects 

erfasst

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Das Werk besteht aus zwei Teilen (ALD-I und ALD-II); außerdem wurde im Rahmen des ALD – erstmals – das Konzept eines Audio-Atlas (der ’sprechende‘ ALD-I) entwickelt und zunächst auf CD realisiert. Das Projekt markiert einen Meilenstein in der dialektologischen Anwendung von Informationstechnologie. Da dieser, oft mit einem nicht sehr klaren Ausdruck als ‘Digitalisierung’ bezeichnete Übergang von der Dialektologie in eine digitale Geolinguistik im Zentrum des Interesses steht, wird die vorbildliche Print-Ausgabe des ALD nicht berücksichtigt. (Etliche Sprachatlanten treten mittlerweile mit einer URL auf; der Überblick zeigt jedoch, dass es sich oft nur um allgemeine Hinweise auf analoge oder noch vollkommen unfertige Projekte handelt.) 

Im Gegensatz zur informationstechnischen Modernität des Projekts steht die durchaus traditionelle Konzeption des sprachlichen Raums (vgl. Krefeld 2015). Die „Theoretische Grundkonzeption“ wird folgendermaßen skizziert: 

„Der ALD dient der Erhebung und Dokumentation der dialektalen (bzw. basilektalen) Kompetenzen von prinzipiell mehrsprachigen Gewährsleuten, die in den 217 Messpunkten des Untersuchungsgebietes ihren Lebensmittelpunkt haben bzw. sich dort „heimisch“ fühlen. Dabei wird unterstellt, dass dieselben Sprecher den von ihnen bewohnten Raum über ein komplexes Wechselspiel zwischen dialektalen Kon- und Divergenzen in sprachlicher Hinsicht bewirtschaften. Die im Rahmen des Projekts ALD gesammelten Dialektdaten erlauben es, diese basilektale Bewirtschaftung des Raumes entsprechend zu untersuchen bzw. näher kennen zu lernen.“ (Projekt ALD2)

Diese Konzeption beruft sich auf die individuelle Kompetenz der Sprecher, die als „prinzipiell mehrsprachig“ qualifiziert werden, und auf ihre konkrete sprachliche Praxis („Bewirtschaftung“).  De facto zeigen jedoch die gewählten Kartierungsverfahren sowie die Arbeit mit repräsentativen Belegen einzelner Informanten (vgl. das Stichwort ‚Datensammlung‘ in ALD-I ), dass der ALD gerade nicht auf die Instanz des Sprechers und schon gar nicht auf die Instanz des Sprechens, sondern vielmehr auf die Instanz der Sprache (in Gestalt des Lokaldialekts) zielt. Das mehrsprachige Repertoire des Sprechers und damit womöglich verbundene, individuelle Variationsphänomene  werden aus der Erhebung gezielt ausgeschlossen, denn von jedem Sprecher werden nur basilektale (d.h. dialektale) Daten erhoben. Die empirische Basis des ALD unterscheidet sich damit grundlegend von derjenigen des ALS und führt die traditionelle Linie des AIS fort. 

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