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Australien

Australien

0.1. Die italienische Immigration vor dem ersten Weltkrieg

Gemäß den Dokumentationen #welchen? Quelle?# kamen
1788  der erste Italiener, Giuseppe Tusa, ein sizilianischer Segler in der Botany Bay
(-> Cresciani 2003)  und
1811  drei sizilianische Sträflinge in New South Wales an. 
Nachdem in Victoria 1851 Gold gefunden wurde, bemerkten Vertreter des it. Konsulats, dass hauptsächlich Norditaliener anfingen, auszuwandern. Der erste regionale Konsul Giuseppe Biagi schätzte bei einer ersten Zählung 1871, dass 1300 Italiener nach Melbourne gegangen waren.
Die Distanz und die Kosten für eine Reise nach Australien überstiegen aber die in alle anderen Länder der Welt. Die Reise mit dem Schiff dauerte anfangs 4 – 5 Monate. Mit Beginn der Dampfschifffahrt in den 1860ern dauerte die Reise nur noch etwas über einen Monat.
1880 warben deutsche und französische Schiffscompanien für Australien. Da im Norden Italiens etwas mehr Industrialisierung war als im Süden, begaben sich anfangs mehr Süditaliener nach Australien, aber um 1900 waren auch sehr viele Norditaliener, z.B. aus Valtellina (in der heutigen Lombardei) #heißt auf deu. Veltlin# zu verzeichnen.

Es wanderten nicht zwangsweise die ärmsten Leute aus (-> J.S. Mc Donald`s 1956; Charles Price 1963), sondern eher die, bei denen Landeigentum verbreitet war. In Valtellina kam es zu einer endemischen Landarmut und Mehltau hatte viele Weinpflanzen zerstört. Gemäß der Inchiesta Agraria (1877 – 1883) gab es in Valtellina nur 5 % Anbaufläche. Daher war eine saisonale Migration in andere Teile Italiens, in die Schweiz oder Frankreich üblich, später dann auch Migration über den Ozean.

Den Familien wurden Briefe geschrieben und Heimkommer berichteten über Australien. Viele Italiener kehrten nach 5 bis 8 Jahren wieder in die Heimat zurück oder hatten zumindest vor, zurück zu kehren. Mit dem Geld, das häufig durch Arbeit in Goldminen oder durch Holzfällen verdient wurde, kauften sie Land, unterstützten die Familie in Italien oder bezahlten frühere Schulden.

0.2. Die italienische Immigration zwischen den Weltkriegen

Ab 1920 entstanden durch Kettenmigration z.B. in Sydney, aber auch in anderen Teilen Australiens sogenannte clustered communities v. a. bei Süditalienern (-> Prince 1963). Die Italiener arbeiteten auf Zuckerrohrplantagen, verkauften Obst und Gemüse.
Auch fremde Italiener, die noch niemanden kannten, fanden in den „communities“ Anschluss. Bernardo Molinari eröffnete in Perth das Hotel Roma, wo Italiener auch Arbeit fanden. Molinari bot „a little bit of Italy“: er bestellte eine Jukebox und eröffnete eine Dancehall, wo die Italiener sich an Samstagabenden trafen.
Ab 1930 kam es vermehrt zu Familienzusammenführungen, sodass dann auch Frauen und Kinder nach Australien geholt wurden. Es war davor nicht immer leicht für die Familien, denn der Familienvater war für mehrere Jahre nicht anwesend. (Jacqueline & Lack & Lorenzo 2003)

1939 schafften es noch einige junge Männer nach Australien zu fahren, um nicht zum Militär zu müssen.

0.3. Die italienische Immigration nach dem 2. Weltkrieg

Schon um 1941 wollte Australien die Bevölkerungszahl deutlich erhöhen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
1945 entstand unter Minister Calwell ein Programm der australischen Regierung, dessen Ziel ein jährlicher Bevölkerungsanstieg von mindestens 1 % war, dadurch sollten Arbeitskräfte gewonnen werden. Italiener waren die größte Gruppe nicht-britischer Immigranten. Obwohl negative Vorurteile Süditalienern gegenüber nicht selten waren, bekamen auch alle Sizilianer eine Anstellung, da die Arbeiter sonst nicht ausgereicht hätten. Viele dieser Italiener mussten Arbeiten verrichten, die bei Australiern unbeliebt waren, beispielsweise in der Stahl- und Textilindustrie. Sie wurden z.T. auch schlechter behandelt.
1951 tritt ein bilaterales Abkommen von Italien und Australien in Kraft. Beide Regierungen bezahlten zusammen die Hälfte der Fahrtkosten, Australien garantierte für eine zweijährige Anstellung, die Italiener konnten in Camps und Hotels wohnen. Ausgesucht wurden junge, gesunde Männer, die nicht kriminell, keine Kommunisten sowie keine Faschisten waren.
Zwischen 1950 und 1960 war schließlich die größte Migrationswelle. Ganze Familien gingen nach Australien und auch Freunde und Bekannte folgten nach.  Dadurch kam es zur Konzentration vieler Landsleute im gleichen Viertel, v. a. sizilianisch basierte Netzwerke entstanden. Die Stadt Sydney wurde deutlich vom italienischen Lebensstil geprägt. #hätte genauer dokumentiert werden können#

0.4. Kontakte nach Italien

Familienmitglieder kommunizierten hauptsächlich durch Briefe #sind die Briefe im Original auf eng.? oder handelt es sich um Übers.?#. In den Briefen ging es fast immer um den Gesundheitszustand und um Geld. (-> „From the Mountains to the Bush“)

Brief 1: Adele Salandi, Tirano, to her son Giuseppe De Campo, Woodline, Murchison district, Western Australia, 23 December 1912

„Tirano 23-12-1912. Dear Son, I got your letter with the money order for 750 lire, for which they gave me 762 lire and I immediately gave 680 lire to la Ciaveta and took back the promissory note and than we went and had two masses said for your poor father and it was a great comfort to feel that you remember and I hope that he won`t leave you without his protection……..We are in good health as we hope you are and make sure that you stay healthy so that we can see each other again…“

Brief 2: Tarcisio Crapella, South Johnstone, to his Family, Trevisio, 6 June 1953

„South Johnstone 6-6-53
Dearest ones,
On Monday I recieved your Long-awaited letter. I was very pleased to hear a Little something from everyone. ………Listen Ebe just last Saturday I sent 20 Dollars English. Put them away because I will send you more and make sure you don`t let your illness go on for too long.
…….. I had some photos taken and I shall send them next time. They did two poses, one where I`m laughing and one where I`m serious. You`ll see that I haven`t changed. I`m still about 75 kg. more or less.“

0.5. Der „trilinguismo“ der Italiener in Australien

Die heutigen Kontaktsprachen der Italiener bzw. der Personen mit italienischen Wurzeln sind drei: der italienische Dialekt, die italienische Hochsprache und die englische Sprache.

Durch eine Umfrage (-> Camilla Bettoni) wurde der Trilingualismus von Sizilianern und Italienern aus dem Veneto genauer untersucht.

Zur sozialen Struktur kann hier angemerkt werden, dass die erste Generation kein hohes Bildungsniveau besitzt und meist mit Italienern (!) verheiratet ist, über 21 % der in Italien geborenen war 1991 über 64 Jahre alt (-> Clyne 1991).
Die zweite Generation (Italo-Australiani) hat einen etwas höheren Schulabschluss und ist in mehreren Berufsgruppen vertreten. Auch hier gibt es überdurchschnittlich oft Ehepartner italienischer Herkunft.
Von Anfang an trafen sich die Italiener in den „italienischen Vierteln“ und organisierten Feste z.B. für den jeweiligen Schutzpatron des Heimatdorfes.
Ab den 1960ern gab es italienische Fernseh- und Radioübertragungen, die besonders der zweiten Generation mehr Bezug zu Italien verschafften. Außerdem wurde die italienische Sprache in vielen öffentlichen Schulen gelehrt. Italienische Sprachkurse waren an der Uni auf Platz drei nach Japanisch und Französisch. (-> Bettoni; Di Biase 1991/1992). Ab den 1990ern wurden aber asiatische Sprachen für Australiens Wirtschaft als wichtiger empfunden.

Die Umfrage wurde zwischen Juni und Dezember 1989 von einer jungen Frau aus Kalabrien (mit häufigem Kontakt zu Sizilianern) und einer jungen Venezianerin durchgeführt. 202 Leute wurden befragt.

Zur Analyse der Fragebogen: (-> Camilla Bettoni)

0.5.1. 1. Wie in der Familie gesprochen wird

-> Insgesamt: Englisch > Dialekt > Italienisch

0.5.2. 2. Wie mit den Freunden gesprochen wird

nmmmmmmmmmmmmmmmmmmc xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxy<<<

-> Insgesamt: Englisch = Dialekt = Italienisch

0.5.3. 3. Wie mit einem Fremden gesprochen wird

-> Insgesamt: Italienisch > Dialekt = Englisch

0.5.4. 4. Wie mit Verkäufern in Geschäften gesprochen wird

-> Insgesamt: Italienisch > Dialekt = Englisch

0.5.5. 5. Wie mit Ärzten, Anwälten etc gesprochen wird ist

-> Insgesamt: Italienisch > Dialekt > Englisch

0.5.6. 6. Wie in der Arbeit/Schule gesprochen wird

-> Insgesamt: Englisch > Italienisch > Dialekt

0.5.7. 7. Wie mit sich selbst gesprochen wird

-> Insgesamt: Englisch > Dialekt > Italienisch

0.5.8. 8. Wie abhängig vom Thema und Ort der Konversation gesprochen wird

-> Insgesamt: Englisch > Dialekt > Italienisch

0.6. Wie sich die italienische und die englische Sprache gegenseitig beeinflussen

Italienisch -> Englisch:

Aus der Gastronomie: antipasto; bianco (vino bianco); gelateria
Aber auch Worte wie mafia; biennale

Englisch -> Italienisch: (v.a bei der 1. Generation):

ho lavorato per sei monti (-> month); la cana (-> cane, it: canna); scracciare (-> scratch)

fulli (-> full); notaim (-> no time = immediatamente); oraitti (-> all right)

Semantische Transformation: fratello in legge (brother in law); giusto un momento (just a moment)

Australische Schüler kamen oft enttäuscht nach Hause, wenn sie in der Schule lernten, dass bestimmte Worte eigentlich falsch sind, z.B. la tichetta heißt eigentlich biglietto. 

Ein kleiner Trost ist aber, wenn sie am Flughafen Fiumicino in Rom gefragt werden, ob sie ihr Gepäck direkt nach Perth „tichettati“ haben wollen. 

 

Alcorso , Carolin & Rando, Gaetano (1992): Italo-australiani: La popolazione di origine italiana in Australia.
Bettoni, Camilla (1996): Emigrazione e comportamento linguistico: Un'indagine sul trilinguismo dei siciliani e dei veneti in Australia.
Castles, Stephen & Alcorso, Caroline & Rando, Gianfranco & Vasta, Ellie (1992): Australia's Italians, Culture and community in a changing society. North Sydney: Allen \& Unwin.
Cresciani, Gianfranco (1984): L'Australia, gli australiani e la migrazione italiana.
Jacqueline, Templeton & Lack, John & Lorenzo, Gioconda Di (2003): From the mountains to the bush: Italian migrants write home from Australia, 1860-1962.
Rubino, A. (2014): Trilingual Talk in Sicilian-Australian Migrant Families: Playing Out Identities Through Language Alternation.
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