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Der perzeptiv-linguistische Forschungshorizont

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Zitation: Thomas Krefeld (2019): Der perzeptiv-linguistische Forschungshorizont. Version 1 (04.09.2019, 15:25). Lehre in den Digital Humanities. . url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=135568&v=1.

1. Eine Perspektive auf Sprache und Sprachwissenschaft

Neben dem Ausdruck Linguistik ‘Sprachwissenschaft’ haben sich – mehr oder weniger fest – einige spezifischere Ausdrücke etabliert, so Systemlinguistik, Computerlinguistik, Soziolinguistik, Psycholinguistik, Neurolinguistik, Pragmalinguistik, Textlinguistik, Geolinguistik, Migrationslinguistik, Medienlinguistik und eben auch perzeptive Linguistik. Vernünftigerweise sollte man keine der damit identifizierten Konzeptionen mit dem Anspruch auf Ausschließlichkeit verbinden, so als ob man sich der SPRACHE nur im Rahmen einer der genannten Auffassungen nähern dürfte. Vielmehr spiegeln sich in der Vielfalt der Ausdrücke durchaus komplementäre Perspektiven wider, die jeweils charakteristische Aspekte dieses hochkomplexen Gegenstands fokussieren und in den Mittelpunkt der Forschung stellen.

Das bedeutet aus Sicht der perzeptiven Linguistik, dass nicht ein neuer Gegenstand konstituiert wird, sondern dass mehr oder weniger bekannte Charakteristika der Sprache und der sprachwissenschaftlichen Forschungstraditionen in neuer Art und Weise zusammengeführt werden, weil sie relevant sind, wenn die Perzeption (oder: die menschliche Wahrnehmung) die Perspektive bestimmt. So eröffnet sich ein  Wissenshorizont, der auf zwei Ebenen abgesteckt werden muss, zunächst im Hinblick auf den menschlichen Wahrnehmungsapparat und dann auf die Sprache selbst als Gegenstand derWahrnehmung.

1.1. Eine sprecher- und sprechorientierte Perspektive 

Wenn im Titel dieser Einleitung von einer Perspektive auf SPRACHE die Rede ist, muss von vornherein geklärt werden, dass der perzeptive Ansatz unmittelbar am SPRECHER und auch am SPRECHEN ansetzt und erst mittelbar – in einem zweiten Schritt – auf die Sprache orientiert ist (vgl. Krefeld/Pustka 2014c).  Perzeptive Linguistik versteht sich als empirische Disziplin, aber die Sprache ist ja als abstraktes Regelsystem nicht direkt beobachtbar1Schwer verstehbar ist Saussures explizite Feststellung. „La langue n’est pas moins que la parole un objet de nature concrète (…) (Saussure 1972, 32); vgl.  den in diesem Sinne pointierten Titel von Krefeld 2015 .; sie ist vielmehr ein Konstrukt, das auf der Grundlage von Generalisierungen über konkrete Sprachproduktion formuliert wird. Unmittelbarer Gegenstand der perzeptiven Linguistik ist das Wissen realer Sprecher (und nicht ‘des’ idealen Sprechers), das zwar ebenfalls nicht direkt beobachtet werden kann, das jedoch für empirische Untersuchungen besser zugänglich ist.

Die leitende Frage zielt gerade darauf, ob aus dem SPRECHERwissen zusätzliche Einsichten in das Funktionieren und nicht zuletzt in die Dynamik der  SPRACHE erlangt werden können, die nur aus der Analyse von sprachlichen Äußerungen, d.h. von Sprachproduktion,  nicht gewonnen werden. Es ist nützlich, hier zwischen zwei Formen des Wissens zu unterscheiden:

  • Das prozedurale Wissen besteht darin, etwas ausüben zu können, also zum Beispiel eine Sprache sprechen zu können; das prozedurale Wissen erzeugt Produktionen wie la ragazza canta bene und la ragazza è una buona cantante.
  • Das deklarative Wissen besteht darin etwas darüber zu wissen, was man ausüben kann, also zum Beispiel zu wissen, dass ital. bene in Verbindung mit Verben, aber nicht in Verbindung mit Nomina gebraucht werden kann, dass eine Äußerung wie canta buono meridionales Regionalitalienisch sein kann usw.; selbstverständlich kann das deklarative Wissen unterschiedlich reichhaltig sein und zum Beispiel die Kenntnis der Kategorien ‘Adverb’, ‘attributives Adjektiv’ usw. beinhalten; deklaratives Sprecherwissen (Laienwissen) muss nicht ‘richtig’ im Sinne des Expertenwissens sein.

Die Produktionsdaten werden also um eine qualitativ andere Serie von Daten, nämlich Perzeptionsdaten ergänzt. Es ist wichtig festzuhalten, dass sie nur dann erhoben werden können, wenn Sprecher mit konkreten sprachlichen Produktionsdaten konfrontiert werden. Natürlich gibt es auch sprachbezogene Wissenbestände, die abgefragt werden können, ohne dem Sprecher konkrete Sprachproben (Proben des SPRECHENs) zu präsentieren. Wissensbestände werden als Repräsentationen bezeichnet, und die entsprechenden Daten können daher Repräsentationsdaten gennannt werden. Dieser Ausdruck ist verkürzt und insofern ein wenig missverständlich als auch die beiden anderen Datentypen ‘Repräsentationen’ bei den jeweiligen Informanten voraussetzen; deshalb wird zwischen sprachlichen und sprach- bzw. varietätenbezogenen Repräsentationen unterschieden. Repräsentationsdaten sind also – genau ausgedrückt – Daten aus sprach- und varietätenbezogenen Repräsentationen, die unabhängig von konkreter Perzeption ermittelt wurden. Es ist auch gut möglich, dass dieses Wissen aus tatsächlicher Perzeption von Sprache im Alltagsleben erzeugt wurde; es sollte methodologisch jedoch streng von echten Perzeptionsdaten getrennt werden, die nur dann gegeben sind, wenn man konkret weiß, auf welches Sprachdatum sich das Wissen bezieht. Ein Sprecher kann beispielsweise gefragt werden, ob er einen bestimmten Dialekt oder eine Sprache passiv versteht. Die entsprechende Antwort (‘deklaratives Wissen’) ist auch in jedem Fall interessant, aber ihre Zuverlässigkeit ist äußerst problematisch, denn Sprecher können unter Umständen Sprachen/Dialekt (nicht) verstehen, obwohl sie das Gegenteil behaupten. Dergleichen Einstellungen zu Sprachlichem können aus vollkommen sprachfremden Zusammenhängen erzeugt werden, etwa weil bestimmte Personengruppen unabhängig von ihrer Sprache als anders/fremd wahrgenommen werden, und/oder weil man sie (nicht) verstehen will.

1.2. Instanzen des Sprecherwissens und Klassen linguistischer Daten  

Einen Überblick über die Instanzen des Sprecherwissens und die extrahierbaren Klassen von Daten zeigt das folgende Schema. Darin wird ein noch nicht erwähnter Unterschied zwischen ‘expliziten’ und ‘impliziten’  sprachbezogenen Äußerungen gemacht. Gerade die impliziten Sprechhandlungen zeigen, dass sprachbezogene Repräsentationen jenseits der Wissenschaft spontan im Alltag entstehen:

Mapping von Sprecherwissen und Sprechhandlungen auf der Grundlage von Krefeld/Pustka 2014c, 14

2. Die menschlichen Wahrnehmungssysteme

2.1. Sensorik, Motorik und Kognition

Wenn man den Komplex von Sprecherwissen und Sprachwahrnehmung in den Mittelpunkt rückt, setzt man die Überzeugung voraus, dass die SPRACHE nicht als autonomes Modul analysiert werden kann, sondern vielmehr in ihrer enger Verflechtung mit den anderen neurophysiologischen und kognitiven Leistungen des Menschen gesehen werden muss, die sich ein wenig plakativ mit den Begriffen Sensorik, Motorik und Kognition identifizieren lassen. Genauer gesagt steht Sensorik für die Aufnahme von Sinnesreizen, die durch diese Aufnahme zu ‚Informationen‘ werden; unter Motorik  fasst man die Muskelbewegungen zusammen, und  Kognition bezeichnet schließlich die mentale Verarbeitung der sensorisch (oder:  sinnesphysiologisch) vermittelten Informationen.

2.2. Wahrnehmungs- oder Sinnesmodalitäten

Zunächst ist eine Verständigung über die unterschiedlichen Sinnesmodalitäten erforderlich. Traditionell werden fünf Modalitäten unterschieden:

Unsere Augen sind empfindlich für elektromagnetische Strahlung in einem gewissen Bereich von Wellenlängen. Dieser Bereich wird auch als Licht bezeichnet. Unsere Ohren sind empfindlich für Luftdruckänderungen in einem gewissen Frequenzbereich. Diese akustischen Reize werden als Schall bezeichnet. Unsere Haut ist empfindlich für Berührung (Druck), Temperatur und Schmerz. Unser Mund ist empfindlich für verschiedene chemische Moleküle, die als Geschmack wahrgenommen werden. Unsere Nase ist empfindlich für chemische Moleküle, die als Geruch wahrgenommen werden. Letztlich müssen all diese unterschiedlichen physikalisch-chemischen Reize in elektrische Signale verwandelt werden. Dieser Prozess heißt Transduktion […]  (Gegenfurtner 2003, 28)

Fundamental ist der Hinweis, dass die physikalisch und chemisch vollkommen unterschiedlichen sensoriellen Reize, die in physiologisch ebenfalls sehr unterschiedlicher Weise aufgenommen werden, im Zuge der Transduktion alle

in elektronische Impulse übersetzt werden müssen. Daraus ergibt sich aber das Problem, dass die Aktionspotentiale, die im Gehirn ankommen, nicht mehr von einander unterscheidbar sind. Ein Aktionspotential, das dem Ohr entstammt, ist nicht zu unterscheiden von einem, das aus dem Auge kommt. Wie stellt das Gehirn fest, wo die Signale herkommen? […] Information aus dem Auge kommt in einem speziellen Empfangsgebiet an, dem primären visuellen Kortex, und das Gehirn weiß, dass Erregungen in diesem Areal auf visuelle Reize zurückzuführen sind. (Gegenfurtner 2003, 73)

Wie Wahrnehmungen erscheinen auch körpereigene Empfindungen wie Hunger und Durst; allerdings fehlen hier die äußeren physikalischen oder chemischen Reize.

2.3. Perzeption – kognitive Verarbeitung sensorieller Reize

Perzeption lässt sich nun als kognitive Verarbeitung von sensoriell vermittelten Informationen bestimmen, also gewissermaßen als ‚etwas wahrnehmen‘, denn in der Wahrnehmung wird etwas erkannt, d.h. meistens: wiedererkannt. Ich höre nicht irgendetwas (das wäre reine Sensorik), sondern ich weiß: Das, was ich höre, ist – zum Beispiel – Musik oder wenigstens ’so eine Art Musik‘, oder das, was meine Finger berühren ist fest, hat eine glatte Oberfläche, fühlt sich warm an usw.

Gegenstand der Wahrnehmung kann auch der Körper des Wahrnehmenden selbst mitsamt seiner Motorik sein: Wir hören unsere eigene Stimme, fühlen mit den eigenen Fingern, dass die eigenen Füße kalt sind usw., wir sehen und spüren in unterschiedlicher Art unsere eigene Motorik, die sensoriell kontrolliert und korrigiert wird. Es ist ferner selbstverständlich, dass die Perzeption (Wahrnehmung) keineswegs ausschließlich auf Sensorik beruht, sondern häufig unter mehr oder weniger starker Beteiligung von Motorik erfolgt: Zum Sehen gehört die Bewegung der Augen und des Kopfes, zum Tasten die Bewegung der Hand (Finger) usw. 

3. Sprache als Gegenstand der Wahrnehmung

Im Detail ist der Vorgang der Objekterkennung, also der Übergang von der Sensorik zur Perzeption, noch sehr unklar, wie Gegenfurtner insbesondere für die Audition und genauer für die Erkennung des Gehörten als Sprache ausführt:

Der Übergang  von Tönen zu Klangobjekten, den unser auditorisches System mühelos schafft, ist leider noch weniger erforscht als der Übergang von Punkten und Linien im visuellen System.
Wie viel Mühe dieser Übergang bereitet, kann man am besten an dem wohl komplexesten Klangobjekt sehen, der Sprache.  Die extrem große Bedeutung der Sprache für die menschliche Evolution steht ganz außer Frage. Sprache ist ein Kommunikationssystem, das es nur beim Menschen gibt, auch wenn bereits Vorläufer symbolischer Kommunikationsleistungen bei manchen Tieren beobachtet werden können. Die Schwierigkeit der Sprache zeigt sich bereits im Laufe der Entwicklung, denn Babys, die wohl besten Lerner überhaupt, fangen erst relativ spät – im Alter von 12 Monaten – mit sprachlichen Äußerungen. an: Dann brauchen sie sehr lange – mehr als 10 Jahre -, bis sich das Ende der Sprachentwicklung abzeichnet. (Gegenfurtner 2003, 62)

Die Verarbeitung sprachlicher Informationen erfolgt „vornehmlich in der linken Hirnhälfte“ (Gegenfurtner 2003, 62) in spezifischen Regionen, dem sogenannten Sprachzentrum; angesichts der unterschiedlichen Bahnen für visuell (über das Auge) und auditiv (über das Ohr) vermittelte Reize ist es erstaunlich, dass gehörte und gelesene Sprache offensichtlich im selben Areal ankommen und erkannt werden – sie müssen also bereits vorher als ‘Objekt’ erkannt worden sein Mayer/Dogil 2014): 

Dabei dient die Wernicke-Region in erster Linie dem Verständnis von Sprache, ganz egal ob sie gehört oder gelesen wird. Die Broca-Region ist näher an der Sprachproduktion, scheint aber auch für syntaktische Aspekte der Musik verantwortlich zu sein. Der Klang der Sprache und ihr emotionaler Ausdruck, die Prosodie, werden dagegen in erster Linie von Arealen in der rechten Hirnhälfte verarbeitet […]. (Gegenfurtner 2003, 62)

3.1. Die Sprachkompetenz als Schnittstelle von Sensorik, Motorik und Kognition

Die Sprache lässt sich als Schnittstelle von Sensorik, Motorik und Kognition verstehen, denn sie erfordert eine enge Interaktion der drei Bereiche; sprachliche Zeichen werden durch Bewegung der Artikulationsorgane produziert (Motorik), mittels Audition perzipiert (Sensorik) und zur Kommunikation von Inhalten (Kognition) eingesetzt.

Motorik – Sensorik – Kognition

Genauer gesagt ist die Sprache bei der Entstehung dieser kognitiven Inhalte selbst ganz wesentlich beteiligt. Denn durch Bezeichnung werden Wissensbestände sozusagen vergegenständlicht. Die Vergegenständlichung, oder: Objektivierung, der Kognition in Gestalt der Sprache hat mindestens zwei gewichtige Konsequenzen, einerseits wird die Sprache selbst nicht nur zu einem Gegenstand der Wahrnehmung, insofern wir Sprache hören (und lesen), sondern auch der Kognition, denn wir sprechen auch über Sprache, wie zum Beispiel der folgende Beginn eines Wörterbucheintrags zeigt:

caffè s. m. [dal turco kahve, che è dall’arabo qahwa «vino; bevanda eccitante»] (Istituto della Enciclopedia Italiana b)

Sodann können wir uns mit Wörtern über außersprachliche Realität unterhalten, wobei das gehörte Wort verstanden und gleichzeitig auf einen konkret bezeichneten Ausschnitt der Realität bezogen wird, der als solcher in einer ganz anderen Modalität perzipiert wird. 

Quelle des Fotos

Schließlich sind wir in der Lage uns auch dann über Ausschnitte der außersprachlichen Realität sprachlich zu verständigen, wenn diese gar nicht gegenwärtig sind; die sprachlichen Zeichen funktionieren als Repräsentanten der perzipierten Welt. So kann sich die Kognition dank der Sprache gewissermaßen verselbständigen.

Dinamiche del mercato internazionale del caffè […] ()

Noch aus einem anderen Grund nimmt die Sprache im organischen Zusammenhang der neurophysiologischen und mentalen Leistungen eine ganz besondere Rolle ein: Die Sprechfähigkeit  gehört zwar genau so wie alle anderen genannten Fähigkeiten zur Species  Mensch; wenn man einen Computervergleich benutzen darf, ist sie sozusagen eine Komponente der menschlichen Hardware, denn sie ist angeboren und steht daher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, allen Menschen zur Verfügung. Aber im Unterschied zu allen anderen Leistungen muss die Sprache in jeweils ganz besonderen  Ausprägungen, d.h. als Einzelsprache nach der Geburt und im engen sozialen Kontakte erworben werden; in diesem Sinn ist sie eher einer Software vergleichbar, die installiert werden muss, damit die Hardware – die Sprechfähigkeit – überhaupt aktiviert und zum Funktionieren gebracht werden kann.

Die Wahrnehmung des Sprechens spielt bereits beim individuellen Spracherwerb eine vorrangige Rolle, denn die Wahrnehmung wie die nächsten Bezugspersonen sprechen, ist eine wichtige Bedingung: In der Wahrnehmungsroutine werden Muster erkannt, gelernt und ausgeführt. Aus Perzeption entsteht so produktive Kompetenz; in gewisser Hinsicht ist Sprechen, Sprachproduktion, also Reproduktion des Perzipierten. Dieser Erwerbsprozess ist neurophysiologisch außerordentlich komplex:  Eine Leistung der Sensorik, wird in motorischen Prozessen gespiegelt.

3.2. Perzeptive Aspekte des sprachlichen Zeichens

Angesichts der fundamentalen Bedeutung der Sensorik und Perzeption für die Sprachverarbeitung erscheint es nun unbedingt notwendig, diese neurophysiologischen Prozeduren in der Modellierung des sprachlichen Zeichens – als der atomaren Einheit der Sprache – zu verankern, wie es in Krefeld/Pustka 2014c, 15 vorgeschlagen wird (). Das dort entworfene Modell könnte im Hinblick auf die jeweils zuständigen Teildisziplinen so präzisiert werden, wie es im Folgenden skizziert wird.

3.2.1. Die Wahrnehmung der Form des Zeichens

Diese Prozedur fällt ins Gebiet der auditiven Phonetik und Phonologie insofern sie der Erkennung des Inhalts, d.h. dem Verständnis des Zeichens gilt. Wenn die Wahrnehmung  sich jedoch auf auffällige Aspekte der konkreten Lautung, d.h. bestimmte Varianten, richtet, ist sie für die Variations- und/oder Varietätenlinguistik relevant. In diesem Fall ist die wahrgenommene Lautung mit außersprachlichen Repräsentationen assoziiert, die sich auf den Sprecher oder die Sprechsituation beziehen (‘Dimensionen der Variation’).

Analoges gilt für die visuelle Wahrnehmung geschriebener Sprache und die Graphe(mat)ik.

3.2.2. Die Wahrnehmung des Referenten

Falls der Sprecher sich mit einem sprachlichen Zeichen auf konkret vorhandene Referenten bezieht, können diese sowohl vom Sprecher wahrgenommen (gehört/gesehen/gerochen/geschmeckt/getastet) werden. Falls kein konkreter Referent vorhanden ist, sind entsprechende Wahrnehmungserlebnisse dem Hörer immerhin über die Erinnerung verfügbar. Die Perzeption des prototypischen Referenten erklärt oft semantische Prozesse wie die metaphorische oder metonymische Übertragung von Bezeichnungen. 

Drei perzeptionslinguistisch relevante Leistungen

Bibliographie

  • Benedetto Mas u.a. 2015 = Benedetto Mas, Paolo u.a. (Hrsgg.) (2015): L’abisso saussureano e la costruzione delle varietà linguistiche, Alessandria, Edizioni dell'Orso.
  • Gegenfurtner 2003 = Gegenfurtner, Karl R. (2003): Gehirn und Wahrnehmung. Eine Einführung, Frankfurt am Main, Fischer.
  • Istituto della Enciclopedia Italiana b = Istituto della Enciclopedia Italiana: Vocabolario Treccani, Rom, Istituto della Enciclopedia Italiana (Link) .
  • Krefeld 2015 = Krefeld, Thomas (2015): L’abisso saussureano e la costruzione delle varietà linguistiche, in: Benedetto Mas 2016, 3-9.
  • Krefeld 2019k = Krefeld, Thomas (2019): Das sprachliche Zeichen. Lehre in den Digital Humanities. Version 6, in: Italienische Semantik. Vorlesung dh-lehre., München, LMU (Link) .
  • Krefeld/Pustka 2014c = Krefeld, Thomas / Pustka, Elissa (2014): Einleitung. Welt, Wahrnehmung, Sprache: die perzeptive Grundlage der Linguistik, in: Krefeld, Thomas / Pustka, Elissa (Hrsgg.), Perzeptive Linguistik, Stuttgart, Steiner, 9 - 18.
  • Mayer/Dogil 2014 = Mayer, Jörg / Dogil, Grzegorz (2014): Sprache und Gehirn. Ein neurolinguistisches Tutorial, Universität Stuttgart (Link) .
  • Saussure 1972 = Saussure, Ferdinand de (1972): Cours de linguistique générale [1916], Paris, Payot.
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