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Beispiel GÄMSE

Version:

Zitation: Thomas Krefeld (2017): Beispiel GÄMSE. Lehre in den Digital Humanities. Version 8 (15.12.2017, 09:25). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=53831&v=8.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gemse01.JPG

Die alpinen Bezeichnungen der GÄMSE liefern ein gutes Beispiel, wieso man den Ursprung eines Wortes in einer Substratsprache annehmen  muss. Zunächst ist es wichtig, das Verbreitungsgebiet zu klären:    

Verbreitung der GÄMSE (Karte: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A4mse#/media/File:Rupicapra_range.jpg)

Ein Blick auf die Alpen zeigt nun, dass  die drei dort gesprochenen Sprachfamilien (Germanisch, Romanisch, Slawisch)  ein- und denselben Bezeichnungstyp kennen:

Einige Bezeichnungen der GÄMSE

Es erhebt sich nun die Frage nach der Herkunft; soll man vom Urspung des Wortes in einer der drei Sprachfamilien oder womöglich von einer Sprache aus einer anderen Familie ausgehen? 

Gegen germanische Herkunft spricht die Tatsache, dass das Tier im Ursprungsgebiet der Germanen, in Nordeuropa, gar nicht vorkommt.

Gegen romanische, d.h. lateinische Herkunft spricht die Tatsache, dass in den romanischsprachigen Gebieten außerhalt der Alpen, wo die GÄMSE vorkommt, ganz andere Bezeichnungen gebraucht werden:

Romanische Bezeichnungen der GÄMSE außerhalb der Alpen

Gegen slawische Herkunft spricht die Tatsache, dass die Bezeichnung bereits im 5. Jahrhundert im Lateinischen belegt ist (vgl. FEW 2, 148 f., s.v. camox ), d.h. zu einer Zeit, als es im Alpenraum noch keine slawische Bevölkerung gab. Es muss daher Herkunft aus einer vorrömischen Alpensprache angenommen werden.

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