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Perzeptiv-kognitive Präferenz als Motiv lexikalischer und semantischer Entlehnung

Version:

Zitation: Thomas Krefeld (2017): Perzeptiv-kognitive Präferenz als Motiv lexikalischer und semantischer Entlehnung. Lehre in den Digital Humanities. Version 5 (07.02.2017, 15:48). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=42393&v=5.

Charakteristisch für die Romanischen Sprachen sind funktionale Parallelentwicklungen, die sich aus unterschiedlichen formalen Quellen speisen:

  • alle romanischen Sprachen haben ein Artikelsystem – allerdings liegt nicht überall das lat. Demonstrativum ille zu Grunde, da die Formen des Sard. und Kat. der Balearen auf das lat. Identitätspronomen ipse ‘selbst’ zurückgehen;
  • alle romanischen Sprachen benutzen Hilfsverben zur Bildung von Tempora und verbalen Diathesen; aber manche benutzen für den Ausdruck von Tempora nur Formen die auf lat. habere ‘haben’ zurückgehen (Span., Rum.), andere habere und esse(re) ’sein’, wieder andere zudem anar ‘gehen’ (Kat.) usw.; das Passiv wird überall mit Formen von esse(re) ‘sein‘ ausgedrückt, aber in manchen (Ita.) zudem durch venire kommen’ und andare gehen’ usw.

Weniger bekannt aber nicht weniger interessant sind dergleichen Parallelen im Bereich der Semantik; in kognitiver Sicht werfen sie oft ein ganz besonderes Licht auf Entlehungen, wie an zwei Beispielen, an den Körperteilbezeichnungen und an den Farbwörtern, vorgestellt werden soll. Beide Bereiche sind in kognitiver Perspektive deshalb von besonderem Interesse, weil sie unmittelbar in der Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt verankert sind und allenfalls schwach durch historisch-kulturelles Wissen konditioniert werden. 

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