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Farbwortsemantik und prototypische Referenten

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Zitation: Thomas Krefeld (2016): Farbwortsemantik und prototypische Referenten. Lehre in den Digital Humanities. Version 5 (15.12.2016, 13:24). url: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=43633&v=5.

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1. Fokale Farben

Die Orientierung der Farbwortsemantik an prototypischen Referenten zeigt sich in mehrfacher Hinsicht: Sie ist sozusagen versteckt im Fall der ‚basic color terms‘ und wohl nur durch Assoziationstests sichtbar zu machen. Eindeutig im Sinn fokaler Farben ist die spezifisch italienische Versprachlichung von Farbwahrnehmung durch verbale Derivationen mit Hilfe des Suffixes –eggiare. Im Unterschied etwa zum Deutschen (deu. weißeln, bläuen, sich röten) oder Französischen (fra. blanchir, rougir, noircir) deuten diese Verben nicht unbedingt dynamische Vorgänge noch Handlungen, sondern auch statische Eigenschaften:

biancheggiare, gialleggiare, rosseggiare, verdeggiarenereggiare.

Gelegentlich, wie im Fall von azzurro, lässt sich die Ableitung von Grundfarbwörtern aus Referentenbezeichnungn wortgeschichtlich freilegen. In diesen Fällen haben die entsprechenden Bezeichnungen wie azzurro  einen Motivationsverlust erlitten (von ursprünglich ‚Lapislazuli‘ zu ‚blau‘) , der nicht selten (wie eben im Fall  azzurro ‚) durch fremdsprachlichen Ursprung und Entlehnung begünstigt wird.

Andere Farbbezeichnungen (’non basic‘) werden explizit aus Bezeichnungen der Referenten durch suffixale Derivation oder nicht einfache Konversionen abgeleitet; es ist dann schwer, wenn nicht unmöglich zu entscheiden, ob auf die referentenspezifische Farbe oder aber auf einen allgemeineren, eventuell fokalen Farbbereich referiert wird.

Einige Suffixableitungen 

  • lat. sulphureus/sulfureus ‚(schwefel)gelb‘ ← sulphur/sulfur ‚Schwefel‘
  • lat. cereus ‚(wachs)weiß‘, ‚(wachs)gelb‘ ← cera ‚Wachs
  • lat. croceus ‚(safran)gelb‘ ← crocum/crocus ‚Safran‘
  • lat. cerasinus ‚(kirsch)rot‘  ← cerasum ‚Kirsche‘
  • lat. sanguineus  ‚(blut)rot‘  sanguis ‚Blut‘
  • lat. coccin(e)us ‚(scharlach)rot‘ ← coccum ‚Scharlachbeere Kermesbeere‘
  • ital. arancione ‚orange‘ ←  arancia ‚Orange‘

Einige Konversionen:

  • lat. Adj. vermiculus ‚(scharlach)rot‘ Subst. vermiculus ‚Würmchen‘
  • ita. unveränderliches Adj. rosa ‚rosa‘ ←Subst. rosa ‚Rose‘
  • ita. unveränderliches Adj. oliva ‚oliv‘  Subst. oliva  ‚Olive‘

Der semantische Bezug der Grundfarbwörter auf fokale Farben von prototypische Rferenten zeigt jedoch gerade dann, wenn  auf nicht fokale Farben referiert werden soll. Die jeweiligen Adjektive werden dann durch Komposita ersetzt (verdeazzurro, verdemare), was häufig in der Produktwerbung, speziell in der Mode Gebrauch findet (vgl. verde-giallo).

2. Bezeichnung nicht fokaler Farben 

Ebenso stehen zahlreiche modifizierende Suffixe zur Verfügung; die semantischen Effekte dieser so genannten ‚aggettivi alterati‘ lassen sich gut am Beispiel der Derivatione von ita. verde illustrieren: häufig ist gibt es Affbinitäten zu bestimmten Referenten oder Referenteigenschaft, etwa zu FLÜSSIGKEITEN.

  • verdino ‚grünlich, blass grün‘, un giallo verdino (Treccani); vgl. die auch die folgende Katalogbeschreibung älterer Briefmarken:
/var/cache/html/dhlehre/html/wp content/uploads/2016/12/1481789205 Briefmarken

Verdino

Andere Ableitung sind semantisch nicht immer trennscharf; je nach Suffix können sie eher neutral oder aber negativ wertend (-ògnolo, -astro) sein:

Nicht selten werden Nominalderivationen von Farbadjektiven zu Bezeichungen für ganz spezifische Konzepte bzw. Referenten lexikalisiert, die sich durch charaktteristische Farbeigenschaften auszeichnen, wie die folgenden italienischen  Substantive zeigen:

 

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